Versuch einer Chronologie von Peter–R. König.
Update September 2026.
Weitgehende Neufassung des Textes; KI-gestützte technische Optimierung der Fotografien und Dokumente.
Johannes Göggelmann (Saturnius). [KI-gestützt technisch optimiert.]
Die Fraternitas Saturni (F.S.) ist in der öffentlichen Erinnerung weniger durch ein geschlossenes Lehrgebäude präsent als durch einige wenige, auffällige Biographien. Neben ihrem Gründer Eugen Grosche (Gregor A. Gregorius) und den Grossmeistern Guido Wolther (Daniel), Walter Jantschik (Jananda) und Johannes Maikowski (Immanuel) gehört dazu auch Johannes Göggelmann (Saturnius). Gerade weil er innerhalb der Loge keine zentrale Amtsfigur war, ist seine spätere Prominenz erklärungsbedürftig.[1]
Göggelmann wird am 10.7.1905 geboren. Sein Eintrittsdatum ist in den erhaltenen Mitgliederlisten nicht verzeichnet; er selbst verlegt seine logenbezogenen Anfänge in die 1920er Jahre. 1969 wird er mit dem 14° geführt. In einem seit 1950 auf 33 Grade ausgebauten System ist das kein Spitzenrang, sagt aber wenig darüber aus, wie intensiv jemand schrieb, experimentierte oder von anderen Mitgliedern wahrgenommen wurde. Zivil arbeitete Göggelmann bis zu seiner Pensionierung bei der Post. Sein genaues Todesdatum ist bislang nicht belegt;[2] er dürfte im zweiten Drittel der 1970er Jahre gestorben sein. Die später kolportierten Todesumstände sind quellenmässig deutlich schwächer als ihr Unterhaltungswert und tragen unverkennbar Züge jener okkulten Dramaturgie, die schon seine eigenen Texte bestimmt.
Johannes Göggelmann (Saturnius). [KI-gestützte Rekonstruktion nach fünf Porträtaufnahmen.]
An seine Grossmeister – für ihn "hochachtbare Eminenz" oder "Mein Hochwohlgeborener Meister vom .'. Stuhl" – richtet Göggelmann annähernd tausend Seiten Briefe, Aufzeichnungen und Zeichnungen.[3] Für Eugen Grosche besitzt dieses Material offenkundig einen Reiz: nicht weil alles darin lehramtlich saturnisch wäre, sondern gerade weil Göggelmann sein privates Universum mit bemerkenswerter Produktionslust auf Papier bringt. Spätere Leser wählen andere Ausschnitte. In der Boulevardpresse steht Göggelmann bald neben den sexualmagisch aufgeladenen Texten und Zeichnungen des Chemikers Guido Wolther und des Justizvollzugsbeamten Walter Jantschik. Der Nicht-F.S.-Angehörige Dipl.–Volkswirt Dr. phil. Adolf Hemberger und der Journalist Horst Knaut werden dabei zu wichtigen Vermittlern. Aus einem Privatarchiv wird langsam ein Schaukasten.
Das ist für die Einordnung entscheidend. Die besonders auffälligen Praktiken und Phantasien von Hemberger, Wolther, Jantschik, Göggelmann und dessen Freund Horst Kropp dürfen nicht kurzerhand mit der alltäglichen Praxis sämtlicher F.S.-Mitglieder gleichgesetzt werden. Für die Wirkungsgeschichte sind sie dennoch zentral, weil gerade das Exzeptionelle überliefert, kopiert, zitiert und skandalisiert wird. Die schweigsame Mehrheit produziert selten Schlagzeilen und noch seltener neun Zentimeter Akten.
Dieser Text fragt deshalb nicht primär, wie Johannes Göggelmann "wirklich" gewesen sei. Er verfolgt vielmehr eine Überlieferungskette: Privatbrief, Logenarchiv, Abschrift, Bearbeitung, Druck, Pressezitat, Legende. An jeder Station verändert sich der Gegenstand ein wenig. Aus Göggelmann wird Saturnius; aus Saturnius schliesslich der skandalöse Okkultist. Die Aufgabe des Editors besteht hier nicht darin, eine Gegenlegende zu liefern, sondern die Nähte sichtbar zu lassen.
Biographische Details zu den anderen Protagonisten und zur Geschichte der verschiedenen Saturn-Logen finden sich in meinen Print-Büchern.[4]
Johannes Göggelmann in seinen eigenen Worten 1969
1969 formuliert Göggelmann einen Wunsch, der für die spätere Geschichte seines Materials entscheidend wird: Die privaten Briefe und Aufzeichnungen sollen gedruckt, damit vervielfältigbar und aus dem flüchtigen Logenverkehr in einen dauerhafteren Wissensbestand überführt werden. Dass andere diesen Wunsch auf ihre Weise erfüllen würden, gehört zur Ironie der Überlieferung.
""Saturnius " Friedrichshafen,31.6.69
" Salutem in Nomine Demiurgi Saturni!"
Seiner Eminenz!
Mein Hochachtbarer Grossmeister: Jananda! [Geboren am 9.11.1939, ist der Ordensswinger Walter Jantschik seit dem 28.3.1964 Mitglied der F.S. Berlin. 1969 wird er für ein halbes Jahr Grossmeister – über ihn später mehr.]
Mein verehrter Grossmeister: Jananda, glauben Sie, mir ehrlich es war eine große Freude wie eine Genugtuung für meine so arg verfemte gehaßte dämonische Kreatur. Teile Ihnen, für meinen aufrichtigsten Dank in steter Treue u. Liebe für Sie, wie fur meine liebgewonnene Mutterloge. Es würde mich von ganzen Herzen eine große Freude bereiten, wenn mein so viel diskutiertes wie verfemtes magisches Tagebuch allen den suchenden ehrlichen anständigen Brüdern wie Schwestern endlic im Druck eines Buches erscheinen könnte! Leider habe ich mehr Feinde ja selbst meine eigene Sippschaft ist mir dem Satansbraten sehr feindlich eingestellt, man sehe lieber wenn ich ins Scheeol [Totenreich] in die Grube mit lebendigen Leib hinunterführe! Aber da ich ein Saturngeborener bin mit einem Doppelleben im:" Oben wie im Unten" bin ich immer der, der ich von Anfang der Zeiten war u. ich bleibe es auf Gedeih oder Verderb, das ist mein ewiger Wahlspruch da kann mich niemand abbringen Leider besitze ich keinen eigenen Arbeitsraum, so bin ich gezwungen, mich vor meiner eigenen Frau ein Versteckspiel zu arrangieren, wie die Zeit auf allerlei Art einfach abzustehlen
Es stimmt schon ich kann manchmal sehr einschneidend u. bitte wie sauer sein in meiner Glorie der urgöttlichen Dämonia. Es stehen mir aber viele kosmische transzendale wie Kräfte der ewigen Natur zur Verfügung , sonst wäre ich schon längst nicht mehr im Fleische, denn ich lebe mehr dem Geist, mein Geist herrscht über meine Körpersphäre, somit kann ich viele unstoffliche Aggrate ansprechen u. daraus schöpferische Jdole sammeln u. das ist schon ein Leben wert um zu Leben! Lege ein Zeichnung bei die Ihnen, mein Ehrwürdiger Grossmeister: Jananda sehr viel sagen u. bedeuten kann, wie auch meine dämonische Art sublimiert u. ganuliert wie neutralisiert u. versöhnt! Mein Ehrbarer Grossmeister: Jananda, eines muß ich Ihnen, noch berichten, ich war einst ein Priesternovize bei den gelehrten Franziskanern in der Clause wahren echten Wissens der okkulte Mystik und Magie, da haben drei gelehrte Patres mich durch ih damalige schwarze Magia zu einem Heiligen machen wollen, es war so schon als Kleinkind war ich schon ein sehr heller schlauer aber böser Ziniker dem man nicht so leicht einschücht konnte, auch war ich viel weiter im Geistesleben wie der wahr Erkenntnis als alle Pfaffen u. Scholastiker waren! Bin schon im Mutterschoß von der Asteriosa wie eine Matrize geprägt, ich sah viele Erreignisse wie Totesfälle usw. im wahrsten Sinne voraus, natürlich habe ich sehr darunter gelitten, man wich mir aus fast alle fürchteten sich vor mir, habe auch den Zerfall von unserer danaligen Loge, wie Totesfall u. noch mehr deutlich gesehen, auch war ich schon in meiner frühesten Jugendzeit ein vertrauter Astralwaller, es führte dadurch zweimal zum Scheintot, aber trotz ich eiskalt dalag u. Ärtzte wie meine Eltern u. Verwandte wie Bekannte um mich bangten, sah ich alles, ich trat einfach aus meinem stinkenden Kadaver heraus, ich ging durch alle wie Wänden hindurch. Es wurde sogar einmal ein Totenschein ausgefüllt, ja ich lag da schon im Sarge, es wurde mir vor dem sterben nicht bange, nur hatte ich Angst ich könnte Lebendig eingescharrt werden, mein damaliger Vater ging zu drei Ärzten es ware Logenbrüdern u. die haben mich einfach zurückgeholt u. somit fing meine Logentätigkeit an wie bei den damaligen Spiritisten, Anthrosophen, Theosophen, Martinisten u. in verschiedenen Zirkeln, Vereinigungen wie in der damaligen Thelema [Kreis um Thelema der Martha Kuentzel?] wo ich den damaligen Meister: Gregorius [Eugen Grosche, den Gründer der Fraternitas Saturni] kennen lernte, wir waren wie Vater u. Sohn, habe auch damals in den zwanziger Jahren das Leben des Meister: Gregorius gerettet als die Trennung u. Spaltung[von Heinrich Tränkers Pansophie] sich vollzog u. wir eine eigene Loge der " Fraternitas Saturni" gründeten! Aber stat ein Heiliger wurde ich ein Diener u. Bruder des dunklen Lichts, aber ein treuer ehrlicher wenn auch nicht immer lieber Bruder, der die Abgründe des Himmels wie der Mutter Erda u. Hölle d.h. Astralwelt ergründen sich zu seinem Metier gemacht hatte, liet natürlich sehr während der Naziezeit, aber der Geis hat mich gerettet ich Lebe wo andere schon längst in der Grube faulen. Mein lieber Achtbarer Grossmeister: Jananda, seien Sie, sehr in Vorsicht denn nicht alle meinen es ehrlich, auch vor einem Verkehrsunfall müßen Sie, sich vorsehen, auch in Ihrem, Arbeitsbereich müßen Sie, auf alle Fälle gut wapnen, daß nicht eine gefährliche Situation für Sie, spürbar entsteht, ein unerwarteter Totesfall steht bevor! Will mich gewiß nicht in irgend einer Art wichtig machen oder projezieren, aber der Geist gibt mir u. ich kann nichts anderes tun, bin direckt dazu gezwungen Ihnen, das zu sagen, obwohl ich Sie, persönlich ja gar nicht kenne noch Ihren, Freundeskreis, Bekannte Familie, wie Ihre, Arbeit. Fragen Sie, mich bitte nicht u, vergessen Sie, was ich da in meiner Besessenheit niedergeschrieben habe! Werde demnächst den fälligen Logenbeitrag per Zahlkarte einzahlen, von April bis September 1969––!
Meine
Ehrbare Eminenz Grossmeister:
"Jananda" wünsche Ihnen,
viel Glück u. Erfolg in
Ihrem, anvertrauten Amt.
Herzliche Brudergrüße in steter treuer
Gefolgschaft.
Ihr
ergebener
Fr.
Saturnius"[5]
Womit beschäftigt sich Göggelmann in seinen Schriften in den 1950er Jahren?
Seine Texte wechseln ohne grosse Grenzkontrollen zwischen esoterischer Alltagsware, Vision, Beschwörungsprotokoll, autobiographischer Erinnerung und privater Mythologie. Gerade diese Übergänge erschweren jede saubere Trennung zwischen Bericht, Selbststilisierung und literarischer Szene.
Schon einige Überschriften zeigen die Spannweite des Materials:
Der Wahrheitssucher !
Saturnische Gnosis !
Einweihung in die saturnalische Gnostik !
Die Quelle der Wahrheit !
Die Grundkräfte der saturnalen esoterischen Lehre !
Ra !
Polarität der saturnalen gnostischen Sprache !
Kurze Übersicht über den Werdegang des magischen Erwachten !
"Imitatores meiestote sicut et Ego!"
Attesto; eines wahren ringenden Sucher u. Wissenden ![6]
Carducci; "Inno a Satana." Maurerisches für Brüder.'.
[Eine Anrufung "des
Fürsten 'Exorial'" gemäss der gleichnamigen Erzählsammlung Grosches, ausgeführt von Göggelmann am 17. Mai 1954. Bei Grosche ist das Exorial jedoch weiblich. Eugen Grosche kann sein spätestens 1951 fertig gestelltes Buch erst
1960 veröffentlichen. Davon später mehr.][8]
Freie Liebe !
Losungswort !
Die Grundelemente saturnaler Gnosis !
Im Grundlicht der Verdammnis !
Die Welt inmitten im Vernichtungsfeuerbrand des Nichts !
Im ersten Erkenntnisfeld des saturnalen Aspektes !
Einweihung in tiefste saturnale Mystik !
Die saturnalen entbundenen geistigen Kräfte !
Vom saturnalen magischen göttlichen dämonischen alchemistischen Menschen !
Vom Leiden u. Entsagen im Kampf u. Sieg des ersten erwachten saturnalen Eingeweihten in der
urgöttlichen Dämonie !
"Gottvater Saturni" "Runen vor Mitternacht !"
Nur der Starke erzwingt die Götter !
Was heisst eigentlich das wirkliche Leben zu Leben !
Der Mensch das unbekannte Wesen !
Das Urgöttliche dämonische saturnale Urgesetz !
Faust !
Astralwanderung !
Ein Mysterium des hohen saturnalen Lebens !
Freiwillige freudige saturnale Erkenntnis im Nichts stehenden !
Das hohe Erleben im saturnalen Erkennen !
Der Kampf mit Gott !
Johannes Göggelmann an Walter Jantschik am 17.5.1969
"Saturnius
Friedrichshafen,17.5.69
"Salutem in Nomine Demiurgi Saturni!"
Seiner Eminenz Großmeister: Jananda!
Hochlöblicher Großmeister Jananda, mit Ihrer Gunst u. Erlaubnis teile ich Ihnen meinen aufrichtigsten Dank mit! Es freute mich ehrlich, daß Sie, meine Arbeit in Würde
aufgenommen haben, zwar bin ich nicht mehr der jüngste werde anfang Juli vierundsechzig Jahre alt. Bin aber noch sehr aktiv in geistigen wie in bürgerlicher Ver[?]ung, [?] Mann mit den vierziger Jahren!
Sie, mein Hochachtbarer Großmeister: Jananda, haben schon das Richtige erfaßt: daß wir vor einer neuen Ära eines dämonischen Zeitalters stehen, eigentlich schon
in der Mitte stehen! So besteht meine ureigene Auffassung, daß das Dämonische in der reinen Praxis noch mehr an die Materie gefesselt werden muß, um den allmählichen Auflösungsprozeß der Entmaterialisation zu verhindern, oder zummindestens so weit hinauszuschieben bis sich ein engro der Menschheit zu den urkosmischen urgöttlichen dämonischen Gesetzen unterstellt hat im positiven
Sinn nach! Magie ist ja nichts anderes als eine Strahlungswissenschaft die nach der Struktur der Atome im kosmischen wie in der Erdaura durch bestimmte
elektronische Magnetfelder in positiven wie in negativen Aspekten sich vollzieht!
Nur derjenige kann es erfassen u. begreifen der durch eine sehr harte Schule gegangen ist, sich im vollsten Bewußtsein der Großen Einsamkeit u. der Askese
gewidmet hat durch Trennung seines Astrallichts vom Fleischleibe hinweg, nur der erkennt, was hinter den Dingen an sich ist ist ein großes: 'NICHTS!' Der
erwachte u. unerschrockene Geistmensch taucht ein in die Urtiefen der unstofflichen Daseinsebenen u. deren Hierarchien denn nur : 'ER' erkennt u. schaut das urschöpferische das aus dem Chaos in einer Jntervall eines
Siebenstrahls das gesamte All u. unsere Mutter Erda dauernd bespickt ansaugt anzieht u. neutralisiert. So ist Magie nichts anderes als eine höhere kosmische
naturhafte stetige Magie der Ein= u. Ausschwängerung, eine Mathematik in der Auslese u. Befruchtung gewisser Jndividuen, es gibt gewisse Jndividuen die den
dämonischen schöpferischen Samen schon im Mutterleib aus dem Astralgestirn in sich tragen, sei es zum Aufbau oder zum Niederbruch seiner Selbst oder ganzer Völker das ist eine karmische Belastung u. Tat oder Untat seines uralten ewigen Egos Herbestimmung! Selbstverständlich ruhen in allen Jndividuen latent diese urgöttlichen dämonischen schöpferischen u. chaotischen Faktoren, darum kommt es
darauf an erster Stelle daß sich der Mensch erkenne u. sich dementsprechend sich der kosmischen natürlichen wie menschlicher Gesellschaft unterstellt. Es gibt weder weiße noch rote noch schwarze Magie. Denn Magie heißt soviel wie
'mehr wissen u. mehr können'. Der Urmensch, wie der Frühmensch, wie die Götter, denkt in Bildern. Und er, der das erkannt hat u. richtig anwendet der hat den Kosmos u. Natur am Busen erfaßt, so einem Jndividuum steht viel zu, aber leider nur sehr wenige Jndividuen wagen es pp. über ihren eigenen Schatten zu springen weil sein hochgezüchteter Jntellekt ihn daran hindert, denn solcher Mensch vermeint sein Leben verlieren zu müssen. Darum ist für viele Jndividien wie gereifte gute Geistwissenschaftlern leichter sich mit" Empirie2 [sic] zufriedenzugeben u. einem unwahren Gefüge von Lug u. Trug nachzujagen. Es ist noch nicht allzulange her wo
man über primitive einfache Naturvölkern gelacht hat, aber unsere hochgezüchtet Zivilisation u. Technik ja Übertechnik lehrt uns heute schon was uns in etlichen Jahrzehnten an Angst u. Schauder erwartet das Atom auch zu den friedlichsten Aufgaben der Menschheit bürgt sehr große Gefahren, man ist heute schon nicht mehr in der Lage den Atommüll in sichtbare Gewahrsame zu Unterbringung. Nun von meinem unfreiwilligen Abstecher der Zivilisation u.
Technik zurück zur Magie u. Dämonie in jeder Menschenseele schlummert das große Transendent in der Natur wie im All ist alles eine sprudelte Bewegung nichts totes oder gar Stillstand. Wie gesagt muß der spirituelle Pneumatike oder
Terapheut das transzendale in sich zur Entwicklung bringen das heißt er muß von Innen nach Außen, von Außen nach Innen schauen u. wircken kennen! Er muß sich seinen ureigenen Gott Dämon Teufel Schadiay zur Geburt ins Fleisch schwängern durch eines freiwilligen Ritualopfers denn alle Söhne Gottes ob im Licht oder der Finsterniß verlangen das Opfer, nur muß der Magus seiner Selbst sicher sein, daß er nicht einem fremden Gott sein Opfer darbietet sonst wäre er verloren u. verfiele mit der Zeit dem Wahnsinn, Auflösung seiner Persona, er würde zum Werkzeuge fremder: " JCH!" Ja lasst sie so weiter installieren dann haben ir nur noch hochgezüchtete Roboter u. Maschinenmenschen u. noch mehr Verbrecher u. krimminelle Jndividien die nur nach einem bestimmten Plan von auserlesenen Jntellekten arbeiten, das nicht immer zum Aufbau u. Guten hinführt, sondern zum radikalen Trotz der Vernichtung durch Gewalt u. wenn sie noch so feine verlockende Formen darstellt! Magie entsteht durch plastisches Denken durch eine gesunde lenkbare kontrollierte Imagination mit energetischen dynanischen starken übermenschlichen Willen im Wollen Denn alle Beherrschung beruht auf Aneignung, Bindung, Verdichtung, u. Lenkung wie Neutralisierung u. Gestaltung, in dem man das eigene wie das fremde Sein einem neuen Formgesetz
unterwirft, we der eigenen Welt einverleibt, so wie der Körper sich die Nahrung assi miliert. Aller Kampf um Herrschaft ist also ein Kampf feindlicher Strukturen, ein Kampf der Formen. Form ist nichts Totes, Äußerliches,
Wesenloses, sondern Träger von Kraft ein Mystisches urgöttliches dämonisches magisches Urgesetz. Das sich Auswirkt in dem Sinne der Bild=u. Werdegesetz im:" Oben u. im Unten, Links u. Rechts!" Und nur wer die geheimen
Naturgesetzen der Formen, Dinge, Bilder, Zeichen, Ton, Farben, Sprache, Geste, Mimik kennt u. beherrscht, der Allein vermag Formen, Dinge, Bilder, Zeichen usw. zu gestalten zum Leben schwängern, d.h. seinem Gesetz zu unterwerfen u. so in die der Kausalität im seiner Person wie Weltgeschen u. Weltall einzugreifen u. beherrschen. Denn alles Geformte ist Zeichen ist Zentrum von kosmischen wie natürlichen Tiefenkräften, die mit dem Gesamtkosmos in Verbindung stehen, also alle mystische magische dämonische allegorische Bilder, Zeichen, Monograme, Stellungen, Gesten, Anrufungen Beschwörungen durch das Wort sind Knotenpunkten der Weltdynamik. Dinge sind nichts anderes als verdichteter Geist, Kraftherde des Universums, wie der Mensch seksbt nur mit dem unsterblichen Unterschied im:
" Oben u.im Unten, denn das Unsichtbare ist das getreue Spiegelbild des Sichtbaren, der Mensch soll das Untere in das Obere mit anderen Worten zu Licht führen, der Mensch soll nach kosmischen natürlichen Gesetzen Leben! Mein Hochvereherter Grossmeister: Jananda, habe einen Versuch gewagt um Ihnen, eventuell eine Freude zu bereiten um vielleicht etwas aus meinem Brief zur Veröffentlichung in der " Vita Gnosis!" [der damaligen Logenzeitschrift]
Mit
treuen
herzlichen
Brudergrüßen
Ihr
Fr. Saturnius"[9]
Wie gelangt Johannes Göggelmann zu seiner Berühmtheit?
Dass die Fraternitas Saturni ungefähr dreissig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in den Fokus der Boulevardmedien gerät, hängt eng mit einem schriftlichen Bericht Johannes Göggelmanns zusammen. Darin schildert er, am 8. Januar 1955 mit dem Fahrrad zu einer alten zerfallenen Ruine ausserhalb der Stadt gefahren zu sein und dort im Rahmen einer Beschwörung eine schwarze Katze „geschächtet“ zu haben.
Das Wort ist wichtig, weil die späteren Fassungen die Szene zunehmend ausschmücken. „Schächten“ bezeichnet grundsätzlich das Töten durch einen Schnitt in den Hals mit anschliessendem Ausbluten. Ob Göggelmann ein Messer verwendete, wie der Schnitt ausgeführt wurde und wie lange der Vorgang dauerte, berichtet er nicht. Das sollte man deshalb auch nicht hineinphantasieren. Göggelmann behauptet anschliessend, das Blut in einem Tongefäss aufgefangen beziehungsweise vorbereitet, mit Katzenblut und eigenem Blut magische Zeichen gezeichnet, das Fleisch der Katze zusammen mit einem Schädel verbrannt und etwas vom Katzenblut getrunken zu haben. Ob dies tatsächlich geschah, ist damit nicht bewiesen; belegt ist zunächst sein eigener Bericht darüber.
Dieses Manuskript gelangt an Eugen Grosche, der in Göggelmanns Material eine eigenartige Qualität erkennt und es an Karl Wedler mit der Empfehlung weiterleitet, daraus brauchbare, publizierbare Studien zu formen. Das Detail mit der Katze hält Grosche offenbar nicht für sonderlich erwähnenswert – sofern er es angesichts von Göggelmanns krakeliger Handschrift überhaupt bemerkt hat.
Die ihm zugänglichen Briefe und Schriften übergibt er am 11.11.1958 gebündelt an den erst seit Oktober 1958 als Grosslogen-Archivar fungierenden Karl Wedler (Giovanni).[10]
Grosches "Auftrag und Weisung" an Wedler lautet:
"Dieser Mann ist absolut in der saturnischen Sphäre aufgegangen ,wenn auch meist im astralen und dämonischen Sinne.
Doch das eingesandte Material enthält so viel wertvolle Aufsätze die es wert sind durchgearbeitet zu werden und der Nachwelt durch das Archiv der Loge
überliefert.
So trennen Sie als Aufgabe das Nebensächliche vom Wertvollen !
Es kann diese Arbeit Jahrelang dauern.
Aber sie wird sich lohnen.
Legen Sie dafür eine Sonderakte an !
Es ist auch erlaubt,wenn Sie Bruchstücke zusammen setzen und daraus mit eigenen Ergänzungen
einige neue Abhandlungen selbst schreiben unter Benutzung dieses Materiales.
Es auch möglich ,vorhandene komplette Aufsätze nochmals stilistisch durchzuarbeiten und
mir nochmals einzusenden oder später einen Nachfolger zur Veröffentlichung in
unseren Studienheften.[11] Das Material ist ja so eigenartig und ohne Beispiel,dass man evtl. sogar einen Teil der Zeichnungen veröffentlichen könnte.
Ich habe dazu leider keine Zeit mehr in den wenigen noch vorhandenen Jahren meines Lebens,
Für Sie ist es eine schöne Aufgabe und zugleich der Beweis meines Vertrauens !
Einen Teil des Materiales hatte ich Ihnen ja schon früher übergeben !"[12]
Unter Wedlers Händen erhält das Konvolut die folgenreiche Bezeichnung "Magisches Tagebuch des Frater Saturnius" und zirkuliert in zwei Manuskriptbänden. Der Titel suggeriert bereits mehr Geschlossenheit, als das Material besitzt: Tatsächlich handelt es sich um einen rund neun Zentimeter starken, oft schwer lesbaren Stapel aus Briefen, Notizen und handschriftlichen Texten.
1961 taucht der Name Johannes Göggelmann zum ersten Mal in einem allgemein zugänglichen Druckwerk auf. Das F.S.–Mitglied Karl Spiesberger (Eratus) erwähnt und zitiert ihn in seinem Buch "Elementargeister — Naturgeister", ohne allerdings die Katzen–Episode – auf die im Folgenden ausführlich einzugehen sein wird – zu
berühren.[13] Stattdessen hebt er eine andere Szene hervor, in der eine Beschwörung durch Frater Saturnius angeblich einen Hurrikan auslöst. Damit ist der Grundstein für Göggelmanns Ruf als "gefährlicher Magier" gelegt, noch bevor seine Katze überhaupt die Bühne der Öffentlichkeit betritt:
"Einen wilden Aufruhr der Elemente, ausgelöst durch eine Beschwörung von Fr. Saturnius, in seiner Umgebung als Schwarzmagier verschrien. Bei der Bewachung beschlagnahmter Güter im süddeutschen Raum vollzog er sie 1945 in einer hellen Mondnacht im August. Völlig unvorbereitet, ohne jede magische Schutzmaßnahme; eigentlich nur zum Spaß zum Ergötzen seiner Kameraden, ehemaligen Kriegsgefangenen verschiedener Nationalitäten. Allein was er damit bewirkte, war geradezu gigantisch; sofern wir seinen Schilderungen glauben schenken wollen. Aber geben wir ihm selbst das Wort: 'Ein gewaltiger Sturm hub an. Die großen schweren Eichentische und wuchtigen Schränke, ja selbst schwere Maschinen purzelten und flogen durcheinander, obwohl selbst 10 starke Männer die Maschinen kaum hoch heben konnten. Meine fünf Kollegen und die zwei französische Offiziere ergriff panischer Schrecken. Der Spuk dauerte von Mitternacht bis zum Hahnenschrei um fünf Uhr Morgens. — Mir selbst standen, offen gesagt, die Haare zu Berge. Trotzdem hatte ich eine diabolische Freude, dass es mir gelungen war, im Freien die Luftgeister ohne jede Vorbereitung zur Manifestation veranlasst zu haben. Die Evokation klappte wie am Schnürchen. Blitz folgte auf Blitz. Ich zwang die Sylphen, mich in einem Wirbelwind in die Lüfte zu erheben. Tausendmal wurde ich etwa entführt und schließlich in einem Hopfengarten sanft niedergelassen. Alle dachten, der Teufel habe mich bei lebendigem Leibe geholt. Die beiden hohen französischen Offiziere liefen zu den Fahrzeugen und fuhren rasch davon. Ich kam gesund und wohlbehalten aus dem Hopfengarten hervor gekrochen. Meine fünf Wachmänner glaubten bei meiner Wiederkehr, einen Geist zu erblicken. Als sie sich beruhigt hatten und wiedergekommen waren, erzählten sie mir, dass sie geglaubt hätten, jetzt zur Höllenfahrt dranzukommen.'
Saturnius aber lachte, lachte wie ein Besessener, was die vor Furcht schlotternden Männer angesichts der um sie tobenden Naturgewalten nur umso grauenhafter empfanden. Auch die Bevölkerung des nahen Ortes 'hatte Blitz und Sturm aus heiterem Vollmondhimmel recht bewusst miterlebt.'"
Die angeblich getötete Katze kommt erst 1967 durch Adolf Hemberger alias Klingsor in dessen Werk Experimental–MAGIE (Bauer Verlag, Freiburg im Breisgau, 1967) einem grösseren Publikum zur Kenntnis. Da das Buch jedoch auf äusserst krude Weise alle möglichen und unmöglichen magischen Orden, Logen, Behauptungen und Rituale vermischt – so wird auch Göggelmanns Katzen-Episode mit zusätzlichen Anmerkungen, Interpretationen und sogar Zeichnungen versehen –, deren Herkunft oft nicht nachweisbar ist, bleibt seine Rezeption in den folgenden drei Jahren nahezu ausschliesslich auf esoterische und okkultistische Kreise beschränkt, wo es sich bis heute grosser Beliebtheit erfreut.
Adolf Hemberger 1966
Der 37-jährige Akademiker Adolf Hemberger nimmt im Juni 1966 Kontakt mit der Fraternitas Saturni auf. Die erhaltene Korrespondenz zeigt, dass er im September desselben Jahres selbst die Logenpublikationen noch nicht kennt: Die Logenleitung bietet ihm ein Probeexemplar zum Kauf an und verweigert ihm zugleich die internen Rundschreiben. Aus dieser Korrespondenz erhält Hemberger also gerade keine Interna. Dass bereits 1967 seine Experimental–MAGIE erscheint, in der er vermeintliche Lehren und Praktiken der F.S. ausbreitet, macht die Frage nach seinen übrigen Quellen umso wichtiger. Das Buch liefert darauf leider nur selten eine befriedigende Antwort.
Hembergers Material ist deshalb nicht wertlos, aber methodisch kostspielig. Zwischen Abschrift, eigener Ergänzung, handschriftlichem Kommentar, Mutmassung und Fotokopie fehlen oft genau jene Herkunftsangaben, die eine historische Prüfung erst ermöglichen würden. Wer daraus Fakten gewinnen will, muss jede Stelle zurückverfolgen; das ist Quellenkritik als Archäologie. Die freimaurerische Forschungsloge Quatuor Coronati erwog sogar "den Vorwurf böswilliger Verleumdung."[14]
Genau über diesen Umweg – das "Magische Tagebuch", Spiesberger, Hemberger – beginnt sich Göggelmanns Name allmählich aus dem Binnenraum der Fraternitas Saturni in eine breitere, zunehmend boulevardesk
informierte Öffentlichkeit zu verschieben.
Adolf Hemberger (Klingsor). [KI-gestützt technisch optimiert.]
Vergleich zwischen Göggelmanns Original der Katzen–Ritual–Szene von 1955 und Hembergers publiziertem Transkript 1967
Göggelmann selbst nennt in diesem Manuskript keine Jahreszahl. Hemberger setzt in seinem Transkript 1952 ein. Der nicht mitübertragene Kontext spricht jedoch vom fünfzigsten Lebensjahr Göggelmanns; bei einem Geburtsdatum vom 10.7.1905 verweist dies auf 1955. Für die Katzen-Episode ist 1955 daher die plausiblere Datierung. Das Original trägt die schlichte Überschrift "Beschwörung" und gehört möglicherweise zum undatierten "2. Brief Einweihung in die saturnalische Gnostik". Schon an der Jahreszahl lässt sich beobachten, wie aus einer Abschrift unbemerkt eine neue Quelle werden kann.
Auch beim Vorgang selbst ist die Überlieferungskette aufschlussreich. Göggelmann schreibt knapp und grammatikalisch holprig, er habe die schwarze Katze „geschächtet“. Hemberger übernimmt dieses Verb, macht aus dem „gewißen Handeln u. Anrufung“ jedoch ein „ritualgemäßes Handeln“, lässt das Blut ausdrücklich zum Zeichnen von Sigillen, Charakteren, Pentakeln und Pentagrammen auffangen und versieht gerade das Schächten mit einer Fussnote zum angeblich „schottisch–druidischen Taighaim–Ritual“. Aus dem schwer lesbaren Selbstbericht wird damit ein ritualtechnisch geordnetes Exponat. Hemberger behauptet zwar, nur sprachlich geglättet und „kleinere magische Einzelheiten“ ergänzt zu haben; gerade diese Ergänzungen verändern jedoch den Rahmen, in dem Göggelmanns Text gelesen wird.
Johannes Göggelmann
„Am ♄ Tag; dem 8. Januar dieses im Zeichen meines Eigentümlichen im Erleben! begab ich mich mit dem Fahrrad auserhalb der Stadt, wo eine alte zerfallene Ruine steht.[15] Dort nahm ich um 22 Uhr bis 24 Uhr eine Beschwörung des eigenen Genius vor! Laut meiner Navigation mit den Mundanaspekten u. des laufenden Gestirn u. der Lunaraspekten versprach ich mir einen Erfolg! In der Ruine auf den Steinfließen, beschrieb ich den Kreis u. zeichnete die Signaturen wie Pentagramme u. Ruf, mit Schutzzeichen! Mit dem Blut einer schwarzen Katze, die ich unter dem gewißen Handeln u. Anrufung schächtete u. das Blut in einem neuen Tongefäß unter Rührung vorbereitete. Außer [?] zwei geweihte Wachskerzen wie ein Räuchergefäß war ich mit Räucherdrogen u. Bilsensamen, Beladona, Stechapfel u. Teufelsdreck räucherten. Die Signaturen der betreffenden Loslösung meines ureigenen Dämons; zeichnete ich mit Katzen– u. meinem Blut darauf. Vor Kälte u. Nässe schützte ich mich daß ich in der Nähe ein Feuer machte; wo ich auch das Fleisch der Katze mit einem Schädel verbrannte. Trotz des Feuer fror mich u. die Zähne schlugen auf sich! Aber ein innerer Zwang, ja ein Gebot, trieb mich in die kalte u. nasse Nacht hinaus, um das Werk zu beginnen. Zur Wärmung hab ich einen halben Liter Kirschenschnaps bei mir, um mich innerlich zu wärmen, trank dazu etwas vom Blute der Katze! Ich beschwor unter der Lockung wie Drohung meines ganzen Willens u. Gemüth ohne jegliche Pause einzuschalten volle zwei Stunden u. mit einem neuen Messingblech u. ein Buchsbaumstäbchen schlug ich die Töne Vokale dazu! Ich hatte nie geglaubt daß ich so schnell erhört werde; hätte fast vergessen ich trug aus einem großen Trauerflor wie ein Umshlag das schwarzes Gewandt ein
Schutz[?] mit dem [?] dämon "Vegtael" usw., daß noch aus meiner früheren elektischen, gnostischen–Loge stammt u. mein Name trägt wie die eigenen Signaturen der bestimmten Gestirne u. in hebräisch eine Schutz u. wie eine Anrufung von bestimmten Wesen im Astral u. eigenem Ich nur [?]gert sind!
Auf einmal sah ich mich einem hohen sehr alten Rabbi gegenüber; zuerst erschrack ich und dachte [?] wo kommt denn der her; er hatte meine Gedanken erfaßt u. lächelte mi[?] u. weise mich an. Er sagte er sei von meiner Mutterseite also mein Urahn, er sah mein ungläubiges Gesicht, denn ich wollte doch etwas anderes — dem Sinn nach bezwecken. Er sprach dann du hast doch dein ureigenes Genie eingeflochten dein saturnales schwerblütiges Blut, das du von deiner Mutter ererbt hast; denn deine Mutter stammt aus meinem Samen aus dem Stamm Juda!" So wurde mir dann Mär, u. Legende mit Freuden– u. Leidenszeit wie der dauernde Verfall der jüdischen Rasse kund, wie ihre Erlösung in dem [?] Aera des noch im fernen liegenden –„♄" – Zeitalter ♑︎ – laut Gesetz u. Kündung „Jesus".
Dieses Experiment erinnert mich an eine eigene Loslösung meines „Ich", in einer Vision im astral–mentalen wie in der Psyche, oder einer Abspaltung vom „Ich" mit einem Dialog eines früheren, latent schlummernden ins Leben gerufen; durch die Rufung an den ureigenen Genius, sich in dem Archetyp einer Verschiebung ins Oberbewußtsein! Da ich doch auch die Dämonen von Saturn wie dessen Stundenengel u. Intelligenz riefte; kann die Möglichkeit bestehen daß durch meine eigene Einflechtung im Experiment, sich eine Kräfteverlagerung im eigenen Ich u. Wesen entstand! Es war eigentlich mein erstes interessantes Erlebnis; da ich nicht geschwächt u. beeinflußt an meinem Gemüth wurde, ich trotz Kälte die mir sehr zugesetzt hat, bis zum Erscheinen des [?] des [?] im eigenen Ich u. im astral–mentalen, mache– wie [???] aus der Asche entstieg, ja wie mit einem neuen Geiste u. Körper, wie ein junger Gott aus dem Experiment entstieg. In dieser Nacht wurde es mir ganz klar u. eine Unterscheidung zwischen Schein — Leben u. Phantasie wie[?] Da ich jetzt auch dieses Jahr in das fünfzigste Lebensjahr kam; u. ein sehr abgef[?] Fuchs bin u. das Leben in allen Höhen u. Tiefen wie der Leidenschaften kenne; Lass ich mich nicht hinters Licht führen, bin nicht Abergläubisch oder gar ein Hasenfuß. Mußte in meinem Leben schon manche Rolle auf der Bühne der Leben spielen, manche Rollen sehr gut, manche schlecht.
Durch Diplomatie Schlauheit Ver[?]ten Heiligkeit wie Unwissen u. dennoch im Wissen; ja im dem fernsten Erkennen u. in der Möglichkeit was sein u. nicht sein kann. Was nützt u. nichts nütz
„Chabberom Chaisse salute en Bachata!"
Gez. Frater.'. Saturnius „♄"
Adolf Hemberger
„Am Saturntag, dem Samstag, dem 8. Januar 1952, begab ich mich mit dem Fahrrad außerhalb der Stadt (T . .. g), wo eine alte zerfallene Ruine steht. Dort nahm ich von 22 Uhr bis 24 Uhr eine Beschwörung des eigenen Genius vor. Gemäß meiner Nativität, den Mundanaspekten, dem Kairos und Transit des laufenden (herrschenden) Gestirns wie den Lunaraspekten versprach ich mir Erfolg. In den Ruinen beschrieb ich auf den Steinfließen einen magischen Kreis und zeichnete die Signaturen, Pentagramme, Rufungs–, sowie Schutzzeichen auf mit dem Blute einer schwarzen Katze, die ich unter dem ritualgemäßen Handeln und den Anrufungen schächtete[1] und das Blut in einem Tongefäß auffing, um damit die Sigille, Charaktere, Pentakel und Pentagramme zu zeichnen. Ich verwandte zwei geweihte Wachskerzen. In einem Räuchergefäß verbrannte ich Bilsenkrautsamen (Hyoscyamus niger), Tollkirsche (Atropa belladona), Stechapfel (Datura stramonium) und Teufelsdreck (in jeder Apotheke erhältlich!). Die Signaturen für die Beschwörung meines ureigenen Dämoniums zeichnete ich mit Katzenblut und eigenem, aus dem linken Unterarm und Mittelfinger entnommenem Blut.
Vor Kälte und Nässe schützte ich mich dadurch, daß ich in der Nähe ein Feuer anmachte, wo ich auch das Fleisch der Katze mit einem (Menschen–)Schädel verbrannte[2].
Trotz des Feuers fror mich und die Zähne schlugen auf sich. Aber ein innerer Zwang, ja ein Gebot, trieb mich in die kalte und nasse Nacht hinaus, um das Werk zu beginnen. Zur Erwärmung hatte ich einen halben Liter Kirschenschnaps bei mir. Außerdem trank ich dazu vom Blute der Katze[3].
Ich beschwor unter der Lockung wie Drohung meines ganzen Willens und Gemüts, ohne eine Pause einzuschalten, volle zwei Stunden. Mit einem neuen Messingblech (Gongersatz) und einem Buchsbaum–(für magische Geräte wichtiges Holz)stäbchen schlug ich die Töne dazu und intonierte lautmagisch. Ich hätte nie geglaubt, daß ich so schnell erhört würde. Ich vergaß zu erwähnen, daß ich aus einem großen Trauerflor mir ein schwarzes Gewand wie eine Art Umhang gefertigt hatte. Auf der magischen Stirnbinde hatte ich ein Pentagramm aufgeklebt. Ein silbernes Schutzzeichen trug ich auf der Brust mit dem Sigill des Monddämoniums: ,Vegtael'[1],
das noch aus meiner früheren ekklektischen, gnostischen Loge stammt und meinen Namen trägt, wie die eigenen Signaturen der bestimmten Gestirne[2] und in Hebräisch eine Schutzglyphe (der eigene Name in hebräischen Buchstaben), sowie eine Anrufung von bestimmten Wesen im Astral und das Symbol des ureigenen Ich. —
Auf einmal sah ich mich einem hohen (wohl großen) sehr alten Rabbi gegenüber. Zuerst erschrak ich und dachte: ,Wo kommt denn der her?' Er hatte meine Gedanken erfaßt und lächelte mich mild und weise an. Er sagte, er sei einer meiner Urahnen mütterlicherseits. Er sah mein ungläubiges Gesicht; denn ich wollte doch etwas anderes bezwecken. Ich glaubte ihm nicht so ohne weiteres. Sodann sprach er: ,Du hast dein ureigenes Ingenium evoziert, dein saturnales (und sacerdotales), schwerblütiges Blut, das du von deiner Mutter ererbt hast; denn deine Mutter stammt aus meinem Samen, aus dem Stamm Juda.'[1]
So wurde mir dann Mär, Mythe, Legende, Geschichte, Freuden–und Leidenszeit, Aufstieg und Niedergang des ,auserwählten Volkes', d. h. der jüdischen Rasse, kund; aber auch ihre Erlösung im Äion des Saturnius, wenn er im Steinbock erhöht steht, Saturn — Steinbockzeitalter[2], laut Gesetz und Verheißung Jawes. Es folgt jetzt ein Abriß der Leiden des jüdischen Volkes im Alten Testament, dessen Verrat am JHVH und Verehrung Baals. Zentrale Bedeutung nimmt die Darstellung der Brustplatte mit den 12 Steinen und das Ephod ein. — Aarons Brustplatte habe dann in weiterer Zeit viele Wanderungen durchgemacht, bis sie schließlich über Tarik, den Eroberer Spaniens, nach Spanien, dann zu Isabella und Ferdinand von Kastilien kam. Endlich gelangte sie an einen hohen Eingeweihten, den Ashkenasim und deutschen Juden Chan Lerski. über eine Deborah schließlich kam sie an eine geheime, magisch–esoterisch arbeitende, schottische Loge AASR, die mit ihr das Wissen um die Urim und Thumim hütet."
Saturnius fährt fort: „Dieses Experiment der Beschwörung des Ich–Dämons erinnert mich an meine eigene (seltsame) Loslösung meines Ichs (Spaltungsphänomen) in einer Vision im Astral–Mentalen, wie in der Psyche, oder einer Abspaltung vom Ich mit einem Dialog eines früheren, latent schlummernden, durch die Evokation ins Leben gerufenen ureigenen Genius, wobei sich dieser Archetypus durch eine Verschiebung des Bewußtseins im Oberbewußtsein einschiebt (Besessenheitsphänomene!). Da ich doch auch die Dämonen von Saturn, wie dessen Stundenengel und Intelligenz rief, kann die Möglichkeit bestehen, daß ,Ich' wie mein Wesen getäuscht wurden."
Saturnius berichtet dann weiter, daß dieses Experiment ihn im Gegensatz zu anderen Praktiken gestärkt habe und er sich wie neu geboren, gleichsam wie nach einer Art Katharsis, fühlte. Er schließt diesen Bericht an seinen Großmeister mit den Worten: „Chabberom Chaisse salute en Bachata! –"
Hembergers wissenschaftlich verbrämte Fussnoten:
"1 Vgl. das schottisch–druidische Taighaim–Ritual; es handelt sich hier um eine wörtlich übernommene Originalberichterstattung, bei der nur stilistische und grammatikalische Unebenheiten geglättet wurden, sowie kleinere magische Einzelheiten der Vollständigkeit halber vom Autor ergänzt wurden. Der Autor enthält sich jedes Kommentars, da er — wie in der ganzen Arbeit — bestrebt ist, die Folklore wissenschaftlich exakt darzustellen, ohne sie in irgendeiner Form zu verfälschen. Glauben und Handeln obliegen der Verantwortung jedes einzelnen. Die Ergänzungen in Klammern stammen vom Autor des Buches. Das Manuskript befindet sich in den Händen des Autors.
2 Vgl. die Beschwörung des Samiel durch Kaspar im III. Akt des Freischütz von Kind/C. M. v. Weber „... des Zauberers Hirngebein".
3 In der Heimatstadt des Autors und in der Bodenseegegend existiert ein ritueller Brauch der Metzger, vom ersten an einem Tage geschlachteten Tier das Blut aus der Milz zu trinken — zweifelsohne im Ursprung ein magisches Blutzeremoniell!
1 Dem Autor unbekannt; bei Agrippa von Nettesheim: Magische Werke, Band 4, S. 134 ff. nicht auffindbar.
2 Die Mitternachtsstundenengel sind (Norden): Mael, Vuael, Valnum, Baliel, Balach, Humastrau (so auch Gregorius).
Dämon des Mondes ist Hasmodai, seine Zahl 369, sein Zeichen:
Oberster Dämon des Mondes ist Schedbarschemoth–Scharrhathan, seine Zahl 3321, sein Zeichen: (Vgl. das Kapitel „Magie der 7 Planeten")
1 Frater Saturnius berichtet an anderer Stelle seines Manuskriptes, daß er mütterlicherseits teilweise jüdische Ahnen hat.
2 Nach esoterischer Ansicht sind die Juden die Kinder der schwarzen Sonne Saturn. Das = Saturnius. Saturn regiert im Zodiakzeichen Steinbock."
Aus Klingsor: "Experimental–MAGIE", Freiburg im Breisgau 1967, Seiten 80–83. Die wiederkehrende Neuzählung der Fussnoten ergibt sich aus dem Seitenbruch: Hemberger verteilt den kurzen Text nämlich auf drei Seiten.
Adolf Hemberger publiziert seine eigenwilligen Umschreibungen, Zusätze und Interpretationen unter dem Kapitel-Titel "Die Magie nach Abramelin". Mit Abramelins Anweisungen hat Göggelmanns Text jedoch wenig gemeinsam – denn eines der Ziele der sogenannten Abramelin-Operation ist die Beschwörung des eigenen Schutzengels und nicht die Herbeirufung vermuteter Vorfahren.
Leider führt Hembergers fehlerhafte Zuordnung des Göggelmann-Textes zum Abramelin-Kontext in der Folgezeit zu weiteren Fehlinterpretationen und irreführenden Rezensionen der Person Göggelmanns. So hält der Freimaurer Jürg von Ins im Jahr 1988 Göggelmann (Saturnius) für Aleister Crowleys Nachfolger Karl Germer (Saturnus) und schreibt in seinem Buch über Abramelin:
"Unter dem Pseudonym Dr. Klingsor veröffentlicht Adolf Hemberger 1967 die Notizen Karl Johannes Germers zur Praxis der Magie nach Abraham von Worms. Der Text zeigt, wie weit die Praxis heute von der Lehre Abrahams entfernt sein kann. Erstaunlicherweise taucht allerdings hier der Gong als Ritualgerät auf, was auf die rituelle Tradition der Falashas, also auf einen uns nicht vorliegenden, vollständigeren Text zurückweisen könnte. Germer wird unter dem Ordensnamen Frater Saturnius zitiert. Das Beschwören des eigenen Genius ging nach Frater Saturnius folgendermaßen vonstatten:" etc. etc.[16]
Diese Verwechslung veranlasst Frl. Äschbach – die Hauptbeteiligte am schweizerischen O.T.O. unter Hermann Joseph Metzger –, sich in der Schweizer Freimaurerzeitschrift Alpina 1/89 "sehr schmerzlich" betroffen zu äussern und mit „Ordo Templi Orientis“ zu unterzeichnen.
Hemberger transkribiert zwei weitere Textauszüge. Diese werden hier – zur besseren Lesbarkeit – gemäss Hembergers eigener Wiedergabe dargestellt. Es handelt sich um jene Passagen, die vermutlich auch die Grundlage der späteren Mutmassungen über Göggelmanns kolportiertes Ableben bilden.
Evokation — Bericht des Magus Frater Saturnius von Sylphen
„Mein hochgeschätzter, hochlöblicher Meister und Magus ... vom Stuhl ,♄'! Sie haben mir im letzten Brief mitgeteilt, ich solle mir die beiden Nummern der Zeitschrift ,Die 7 Tage' besorgen. Zwei meiner Getreuen, meine Spione, haben mir die Zeitungen von Tettnang, meinem früheren Wohnort, gebracht. Da gab es viel zu fragen und zu erzählen. Ganz Tettnang wußte von den Neuigkeiten. Allerdings sah man mich schon seit je als einen Angehörigen des ,schwarzen Magus' an, ja, ich sei noch hundertmal schlimmer; denn ich habe dies hundertfach durch meine Schwarzkunst bewiesen. Zum Beispiel mit dem Spuk in der großen Hopfendarre, die
einem Fabrikanten namens L... in T..., einem guten, frommen Katholiken (der Autor distanziert sich von den Ironien, zitiert aber wörtlich, um das Colorit der Darstellung zu erhalten) [= Hembergers eigener Einschub], gehört.
Im Jahre 1945 wurden in der großen Hopfendarre beschlagnahmte Möbel aus Heeresgut, wie aus Fabriken und sonstigen Institution von den Franzosen aufbewahrt. Anfangs standen die früheren Gefangenen, also Russen, Polen und Serben, Wache, später französische Soldaten, die durch zuverlässige Deutsche ersetzt wurden. Auch ich
war dabei. Im August, in einer schönen, hellen Mondnacht, wie sie hierzulande selten vorkommt, habe ich zu Spaß und Ergötzen meiner Kameraden eine Beschwörung aus dem Stegreif vorgenommen, ohne magischen Kreis oder
anderweitige Sicherungen, da ich nie geglaubt hätte, daß eine solche Wirkung möglich sei. Ein gewaltiger Sturm hub an. Die großen schweren Eichentische und wuchtigen Schränke, ja selbst schwere Maschinen purzelten und flogen
durcheinander, obwohl selbst 10 starke Männer die Maschinen kaum hochheben konnten. Meine fünf Kollegen und die zwei französischen Offiziere ergriff
panischer Schrecken. Der Spuk dauerte von Mitternacht bis zum ersten Hahnschrei um fünf Uhr morgens. Mir selbst standen, offen gesagt, die Haare zu Berge.
Trotzdem hatte ich eine diabolische Freude, daß es mir gelungen war, im Freien die Luftgeister ohne jede Vorbereitung zur Manifestation veranlaßt zu haben.
Die Evokation klappte wie am Schnürchen. Blitz folgte auf Blitz. Ich zwang die Sylphen, mich in einem Wirbelwind in die Lüfte zu erheben. Tausendmal wurde ich etwa entführt und schließlich in einem Hopfengarten sanft niedergelassen. Alle dachten, der Teufel habe mich bei lebendigem Leibe geholt.
Die beiden hohen französischen Offiziere liefen zu ihren Fahrzeugen und fuhren rasch davon. Ich kam gesund und wohlbehalten aus dem Hopfengarten hervorgekrochen. Meine fünf Wachmänner glaubten bei meiner Wiederkehr, einen
Geist zu erblicken. Sie sprangen entsetzt mit weit aufgerissenen Augen und schlotternden Knien davon. Als sie sich beruhigt hatten und wiedergekommen waren, erzählten sie mir, daß sie geglaubt hätten, jetzt zur Höllenfahrt
dranzukommen. Drei von ihnen waren katholisch, zwei evangelisch. Den fast 50jährigen hätte das Experiment beinahe das Leben gekostet, da er seit dem ersten Weltkrieg an einem Herzfehler litt. Dieser Mann, Ernst Eis ..., war sehr nüchtern, realistisch und pragmatisch eingestellt: Gott und Teufel, Kirchen und Glauben samt allem Okkultismus galt ihm gleichviel. Er sah alles als Aberglaube oder — wie er sich ausdrückte: 'Dummes, überflüssiges, unnötiges, zweckloses Zeug und Hirngespinste!' — an. Seit Jahrzehnten hatte er keine Kirche mehr betreten. Er erlitt einen solchen Schreck, daß er immer wieder von vorne zu beten anfing: 'Unser Vater, der du bist...', weiter gelangte er nicht. Er kam mir vor wie ein Kleinkind, das in höchster Gefahr unter Tränen vor lauter Angst bloß noch Mama rufen kann. Besonders entsetzlich fanden die Männer, daß ich, während es immer stärker blitzte, donnerte und rumpelte und sie vor Furcht
aufheulten, wie ein Besessener frenetisch dazu lachte. Ich empfand ihr Geschrei belustigend. Ich kam mir vor, wie von Satan besessen. Obwohl in einiger Entfernung in manchen Häusern Licht brannte, erschien niemand von der feigen
Meute. Die Bevölkerung hatte Blitz und Sturm aus heiterem Vollmondhimmel recht bewußt miterlebt. Der Respekt vor meiner unscheinbaren Person wegen meines Experimentes auf dem Schäferhof wurde in dem reichen Bauernstädtchen zusehends mit Grausen immer stärker erlebt.
Die Älteren bekreuzigten sich vor mir wie beim Anblick des Leibhaftigen, oder sie streckten zwei Finger gegen mich aus. (Der Autor [= Hemberger]: ein alter
abergläubischer Brauch, der insbesondere beispielsweise gegen den bösen Blick oder gegen Vampire im Südosten Europas vor allem angewandt wird.) Meine Kinder wurden gemieden und hatten in der Schule zu leiden. Man sagte offen zu den kleinen, unschuldigen Kindern: .Dein Vater ist mit dem Teufel im Bunde!' Die Kirche kümmerte sich allerdings überhaupt nicht um die ganze Angelegenheit. Die
Franzosen hingegen behandelten mich seitdem sehr ehrerbietig."
In der Folge berichtet dann Frater Saturnius, wie er einem seiner größten Widersacher einen Astraldämonen in Gestalt einer Kröte schickte, die sich nachts auf dessen Brust als Nachtmahr setzte. Er betrachtete dies als Vergeltung für die ihm widerfahrene Unbill gerechtfertigt."[17]
Iznan
„Ich beschwor nach alten, auftauchenden Erinnerungen ein Wesen. In einer eiskalten Nacht stand ich am Gestade des Bodensees, Ich weiß, es war ein Wahnsinn von mir. Aber ich machte die Probe aufs Exempel. Trotz Schneegestöber und eisiger Kälte rief ich den Fürsten Iznan. Mein Wunsch sollte sich erfüllen. Die Wellen des Bodensees fingen an zu rauschen. Der Schneesturm wurde immer wilder. Ehe ich mich versah, war ich in wogende Nebelmassen eingehüllt. Ich fror bald mehr innerlich als äußerlich. Wie in einer Art medialer Trance begannen vor meinem geistigen Auge Jahrhunderte vorüber zu ziehen.
Eine innere Stimme sprach zu mir: „Oh Menschlein, du vergisst, dass der Raum und die Zeit nur Kategorien menschlicher Anschauung sind." Nach einer Weile fuhr
das Wesen fort: „Nun bist du in meiner Gewalt. Jetzt bist du mir verfallen."
Ich entgegnete: „Solange ich noch in Fleisch und in Blut bin und meinen Willen sowie die Gedanken kontrollieren kann, vermagst du nicht, mir zu schaden."
In den folgenden Visionen sah ich weltliche und geistliche Würdenträger früherer europäischer Jahrhunderte an mir vorüberziehen. Ich erblickte meine früheren
Inkarnationen, sah die Rollen, die auf dem großen und dem kleinen Welttheater von mir gespielt wurden. Ich lernte verstehen, dass mein jetziges Leben das Ergebnis von früher aufgehäuftem Karma ist. Iznan sprach: „Das ist die Schuld deines Lebens.""[18]
——ooOOoo——
In Göggelmanns weiteren handgeschriebenen Texten lassen sich Worte wie "gefährlich irrisierendes Leuchten in Grün," "Schwefelgeruch," "dreimal Wehe, Wehe, Wehe" entziffern; "das Urböse liegt mir im Blut, das Grauen des Vampirhaften," so z.B. in einem Bericht an Grosche am 1.9.1954. Göggelmann weiter im selben Text: "ein Erwachen ein markerschütternder Schrei wie ein Urschrei," "Ich stehe ihm gegenüber Auge in Auge aber mehr ein Mensch in Angst u. Schweiss gebadet, sein Auge Irrleuchtet: ich kenne kein Erbarmen, ich stelle meine und unsere Forderung an den Abtrünnigen Bruder […] er krümmt sich wie ein Wurm."
Die drastische Sprache dieser Texte legt eine methodisch einfachere Frage nahe als jede Ferndiagnose: Welchen Quellenstatus hat die Katzen–Episode? Der Text ist ein Selbstbericht. Eine unabhängige zeitgenössische Bestätigung der darin beschriebenen Tötung ist bislang nicht bekannt. Damit bleiben mindestens drei Lesarten offen:
1. Erfahrungsbericht: Göggelmann beschreibt eine tatsächlich ausgeführte Handlung. Der Detailreichtum ist mit dieser Lesart vereinbar, beweist sie aber nicht; auch literarische Selbstinszenierungen können sehr genau werden.
2. Performative Selbststilisierung: Göggelmann schreibt für einen okkulten Adressatenkreis und präsentiert sich wiederholt als Grenzgänger, Dämonenkenner und gefährlicher Magier. Die Episode kann deshalb zugleich Bericht und Rollenprosa sein. In solchen Texten ist das Ich nicht automatisch ein stenographischer Gerichtszeuge.
3. Symbolische oder literarische Verdichtung: Einzelne Motive können aus gelesener Okkultliteratur, eigener Bildwelt und autobiographischer Erfahrung zusammengesetzt sein. Welche psychische Funktion sie für Göggelmann hatten, lässt sich aus dem Text allein nicht seriös bestimmen.
Die quellenkritisch sauberste Formulierung lautet daher nicht: Göggelmann tötete 1955 eine Katze. Sondern: Göggelmann schrieb, er habe 1955 im Rahmen einer Beschwörung eine Katze getötet. Der Unterschied ist klein genug für eine Schlagzeile und gross genug für Geschichtsschreibung.
Auch Hemberger versieht die Episode mit einem gelehrten Seitenblick auf ein "schottisch–druidische[n] Taighaim–Ritual," ohne nachvollziehbar zu zeigen, auf welcher Quelle oder Vergleichslogik diese Zuordnung beruht.[19] In der weiteren Rezeption wird aus solcher Gelehrsamkeitsdekoration rasch Kontext. Okkultisten und ihre Gegner nehmen den Text anschliessend gern wörtlicher, als es die Überlieferung erlaubt.[20]
Beginn der Sogwirkung ab 1968
Der damalige Grossmeister der Fraternitas Saturni, Guido Wolther (Daniel), reagiert auf Klingsors Buch alarmiert. Am 1.2.1968 schreibt er an einen Herrn Geisler beim Bauer–Verlag. Der Brief ist bemerkenswert, weil Wolther nicht nur die Veröffentlichung internen Materials beanstandet, sondern ausdrücklich deren Folgen für Göggelmann und den Ruf der Loge beschreibt:
"Frater Saturnius schreibt mir wörtlich, dass er Frau Grosche nach dem Tode ihres Mannes darum bat die Korrespondenzen ( versteht sich — bei dem Inhalt) wieder
an ihn zurückzugeben. Frau Grosche tat das nicht und hat wahrscheinlich rechtswidrig viel Logeneigentum ver… ja wir es ruhig so … verscheuert. […] Das aber ist offensichtlich Diebstahl denn ich müsste die Sachen in Besitz habe, da ich das gesammte Logen–Sekretariat von Berlin übernommen habe. Natürlich wusste kein Mensch was nun alles vorhanden war, denn unser Grossmeister von damals hatte eine sagenhafte — geradezu magische Unordnung in allem was Antiquariat und Loge anbetraf. Zunächst nahm Frau Margarete Berndt das Logensekretariat und nach ihrem Tode der Mstr. Giovanni — mit bürgerlichem Namen Karl Wedler aus Bochum. Ich habe als ich Gr. Mstr. wurde das Ganze genauestens auf seine Vollständigkeit geprüft und dabei in der Tat festgestellt, dass viel aus den
Brief ordnern entnommen wordeen war — aber ich machte mir darüber keine weiteren Gedanken — denn wer kommt wohl darauf, dass jemand ohne zu fragen Briefe veröffentlicht die den Schreiber in Gewissenskonflikte stürzen können …
hier haben sie es in der Tat getan. Denn Saturnius der bei sehr vielen Menschen in der Tat unter diesem Namen bekannt ist — wird durch seine Praktiken ( Katzenmorden etc. ) nicht gerade zur Idealfigur eines Esoterikers — es schadet
dem Ansehen der Fraternitas Saturni — in derem Gesetz steht, dass schwarze Magie aller Art strengstens abgelehnt wird. […] Ich verlange den Namen des Autors."[21]
Wolthers Protest lässt sich im Rückblick als frühe Phase einer regelrechten Skandalökonomie lesen. Der Konflikt verläuft nicht einfach zwischen Logengeheimnis und Öffentlichkeit. Entscheidend ist vielmehr, wer über Veröffentlichung, Kontext und Zuschreibung verfügen darf. Innerhalb des okkulten Milieus konnten Dämonen, Blut, verbotene Praktiken und schwarze Magie durchaus negatives Prestige erzeugen. Wie die Analyse von Amor Ex Nihil zeigt, war das selbstgewählte Stigma Teil der Inszenierung und liess sich, solange man Bühne und Publikum kontrollierte, dosieren. Problematisch wurde es, sobald ein Aussenstehender darüber verfügte.
1968 war Wolther noch Grossmeister. Hemberger hatte ihm daher weniger das Amtsszepter als die Verfügungsgewalt über das Geheimnis aus der Hand genommen. Wolther beansprucht ausdrücklich, die fraglichen Unterlagen hätten sich in seinem Besitz befinden müssen, beklagt ihre Veröffentlichung ohne Erlaubnis und nennt als Folgen Göggelmanns „Gewissenskonflikte“ sowie einen Schaden für das Ansehen der Fraternitas Saturni. Seine Empörung betrifft damit zugleich Eigentum, Arkankontrolle und Reputation. Das schliesst eine reale Sorge um Göggelmann keineswegs aus; es zeigt lediglich, dass Schutz und institutionelle Deutungshoheit hier kaum voneinander zu trennen sind.
Die späteren Skandale um die F.S. werden zeigen, dass diese Rollen keineswegs stabil bleiben. Internes Material wird weitergegeben, bearbeitet, publiziert und moralisch aufgeladen; die fertigen Zuschreibungen kehren anschliessend in das Milieu zurück. Beteiligte können nacheinander Lieferanten, Verteidiger, Angegriffene und Ankläger sein. Das Geheimnis darf zirkulieren. Gefährlich wird es, sobald es den Besitzer wechselt.
Selbsteinschätzung 1969
Göggelmann selbst beschreibt 1969 gegenüber Walter Jantschik, wie er die Veröffentlichung erlebt habe. Sein Brief ist keine neutrale Chronik, wohl aber eine unmittelbare Quelle für seine Selbstwahrnehmung nach dem Klingsor–Buch:
"Saturnius" Friedrichshafen,
22. 6. 69
"Salutem in Nomine Demiurgi Saturni"
Meine ehrbare Eminenz.
Mein achtbarer Grossmeister: Jananda, teile Ihnen, aus ehrlichem Bekenntnis für Ihr, wertes Schreiben meinen herzlichsten Dank mit. Sie teilen mir damit daß das
viel diskutierte magische Tagebuch in Buchform in Bälde zum Druck kommen sollte. Wie Sie, mein verehrter Grossmeister: Jananda, vielleicht wissen, wurde
damals viel Staub aufgewirbelt als das Buch von Dr. Klingsor mit dem Titel: Experimental– Magie im Bauerverlag erschienen ist. Ja man hat mich als einen gemeinen Verräter geschimpft, der so gemein sein kann, um des Mamonwillen, alte u. nur für Logenangehörige Experimenten u. Rituale einfach ohne Wissen des damaligen Grossmeister: Daniel u. des Logenrates ein solches Wissen der breiten
Öfentlichkeit preiszugeben! Davon hatte ich gar keine Ahnung, das war ich unter Treueid damals dem früheren Grossmeister: Gregorius, im Vertrauen u. Stillschweigen zur Hand in Briefform übergab, denn ich hatte damals sehr viel an Unannehmlichkeiten mit meiner staatlichen Behörde u. der Polizei durchgemacht, das geht auf keine Kuhhaut. Was habe ich an Versöhnungsgelder an Kirche u. Staat damals bezahlt, denn meine ganze Karieäre stand auf dem Spiele damals, ich hatte nur von überall her Anfeindungen zu erwarten wie Familiäre böse Auseinandensetzungen mit meinem Weibe u. meinen vier erwachsenen Kindern,
Geschwistern u. Verwandten das war mein Teil, u. dazu noch in Württenberg der damals noch in Kraft tretende Gauklerparagrph wer Geister oder ähnliches sich
öfentlich betätigt kann mit vier Jahren Zuchthaus u. Dienstentlassung rechnen, ja das habe ich damals geerntet u. die Anderen haben durch mein Wissen teuer oft mit dem Leben gespieltes Wissen um des Mamonwillen verkauft! Habe es längst überwunden, als sich alles Aufgeklärt hatte u. wieder den normalen Weg ging, habe ich mich dennoch gefreut, dass ein solches Wissen endlich sich auf den Weg
in die Öfentlichkeit fand, wie gesagt bin heute fast darüber ein angesehener Mann in der Literatur u. Geisteswissenschaft, aber an meinem finanziellen
Verlust hat mir bis heute niemand geholfen, ich will es auch nicht! Kann nur eines noch dazu sagen als mich damals der frühere Grossmeister: Gregorius, in Friedrichshafen besuchte, sagte er wörtlich damals zu mir, er würde mein Wissen schon an den richtigen Mann bringen, habe damals mich nicht weiter darüber aufgehalten, denn ich wußte u. sagte auch damals zum Bruder: Orpheus [Horst Kropp — über ihn gleich ein bisschen mehr] wie zum Großmeister: Gregorius, daß seine Zeit bald um ist, unser mein lieber Papa der Großmeister: Gregorius, weinte u. sagte er wisse es, ja ich sollte damals das Amt eines Großmeisters übernehmen, aber ich lehnte höflichst ab, denn ich sah was alles auf uns zukommen würde. [Möglicherweise hat dieses Gespräch 1963 stattgefunden, als Grosche (Gregorius) in Margarete Berndts Auto Walter Englert, Horst Kropp und eben Göggelmann besucht.[22] Auf diesen Reisen verkauft Grosche in entsprechenden Buchhandlungen seine sonst nur Mitgliedern
zugänglichen "Blätter für angewandte okkulte Lebenskunst"] Mein ehrwürdiger Grossmeister: Jananda, mußte es Ihnen, einfach darüb etwas in groben kurzen Zügen berichten. Das mit der Herausgabe des Buches von Dr.
Klingsor wäre nicht so schlimm für mich geworden, wenn der Tatort wo anderst hinverlegt, wie vor dem Erscheinen des Buches vom Autor eine Nachforschung angestellt wurde u. über den Stoff wo von meinen magischen Experimenten die
Rede ist, wäre mir u. den meinigen viel Kummer, Leid wie in finanzliher Art erspart geblieben. Da ich damals magische Beschwörungen mit positiven Erfolg in
der Stadt Tettnang u. später in Friedrichshafen durchführte so mußte es ja Ruchbar werden daß ich es bin, ja man nannte mich überall einen leibhaftigen Satan, ich wäre viel schlimmer als mein dunkler Meist der Grossmeister: Gregorius, sowieso da sehr viel Landbevölkerung lebt u. sehr Abergläubisch veranlagt mit einem gefährlichen Fanatismus, könne Sie, sich vorstellen was mich damals alles an Überaschungen erwartet hatte, seit etwa einem halben Jahr hat sich der Sturm gelegt, aber ich mußte viel an magischen Können ja meine
ganze Kraft dazu einsetzen!
Denn es war Leider durch die damaligen Machthabern bekannt, daß ich in verschiedenen Logen wie bei den Freimaurern, Adonisten usw. tätig war so war ich ein sehr
schwarzes Schaf u. jede Schandtat oder Gotteslästerung wurde mir zugetraut!
Mein hochverehrter Großmeister: Jananda, habe Ihnen, einiges Material mit Zeichnungen wie eine kurze Biographie meines früheren Lebens geschieldert. Hoffe dass etwas zur Verwendung u. Belehrung dienlich sein kann. Da als Beamter
beim Vater Staat bin u. sehr viel versetz wurde, spielte mein früheres Leben mehr in Großstädten ab.
Mein würdiger Großmeister:
Jananda, wünsche Ihnen,
wie Ihrem, anvertrauten
Amt sehr viel Glück u. Erfolg.
Ihr
getreuer
Bruder:
Saturnius.
Werde im Monat Juli gleich den Logenbeitrag: April bis September einbezahlen."[23]
Dass Göggelmann selbst diese Distanz wahrnimmt, zeigt ein Brief von 1969:
"Mein ehrbarer Grossmeister: Jananda, es ist mir gut bekannt, daß ich nicht besonders belieb bin u. sehr gerne als ein dunkler Magus, ja noch viel schlimmer verschrien bin. Leider kann ich ein bischen mehr als nur philosophieren, es stimmt daß ich oft in schrecklichen Situationen stehe mit Besessenheit u, Auszug meines Astrals bis zur Schwell wo Gevater Tod steht, es stimmt auch daß ich ein harter strenger einsamer oft unverstandener, gehaßter Mann bin. Denn Saturni ist hart aber gerecht, er könnt keine Kompromiße, aber ist ehrlich Treu u. Verschwiegen u. Arbeitsam, aber wenn es sein muß ein abscheulicher Rächer seiner Feinde ob hier oder drüben. Mein Achtbarer Grossmeister: Jananda, lege
Ihnen, als ein mediales Geschenk eine Zeichnung bei, wo verschiedene Naturelemente in den Faktoren u. dessen Charackter in der Natur im Kosmos u. im besonders auf veranlagte befähigte dazu geborene Menschen anspricht, in Ein–u. Ausstrahlung der unstofflichen kosmischen Avaters!"[24]
Erinnerungen an Göggelmann viele Jahre später, 1999-2013
Johannes Maikowski, verbunden mit der F.S. seit 1950, Mitglied seit 1955, erinnert sich 1999:
"Von 'Saturnius' habe ich oft bei Gregorius gehört, wenn wieder Briefe von Saturnius als Meisterarbeiten in seinem Büro in der Winklerstraße 9
angekommen waren. Wie oft hat Gregorius zu mir gesagt: 'Hier Immanuel, lies mal!' Und wenn ich mit größter Mühe diese Ausführungen zu lesen versucht hatte, dann waren wir, Gregorius und ich, der Meinung, daß es die konfusen Schriften von einem schwer Geisteskranken sein mußten — nach der Art des Unterschiedes 'zwischen einem Krokodil': Je grüner je schwimmt. Und Gregorius war niemals
bereit, dem Bruder Satumius einen anderen Grad für seine Arbeiten als den eines Frater im 4.° zu geben. Von Saturnius weiß ich nur, daß er früher Mönch gewesen
war, der trotz lebenszeitlichem Eid aus seinem Orden fortgelaufen war. Saturnius war niemals bei Gregorius in Berlin bei FS–Logen. Er wurde im Ritual aber immer gerufen. Saturnius = Johannes Göggelmann war Briefträger in Friedrichshafen am Bodensee, frühzeitig in Pension wegen Nervenkrankheit. Inzwischen ist er gestorben."[25]
2012 frage ich Maikowski erneut nach Göggelmann. Zunächst antwortet er mit demonstrativem Sarkasmus; als Zeitzeugnis ist das aufschlussreich, als Tatsachenbericht entsprechend vorsichtig zu behandeln:
Frage:
„Wann haben Sie ihn zum ersten Male kennengelernt?“
Antwort: „Das war im
Januar 1961.“ Frage: „Wo
war das?“ Antwort:
„Das war in Berlin in der Winklerstr. 9 [der Wohnadresse von Eugen Grosche
und gleichzeitig dem damaligen Zentrum der Fraternitas Saturni, wo bis
zu dessen Tode im Januar 1964 auch die Logentreffen stattfinden].“ Frage:
„Was hat er für einen Eindruck auf Sie gemacht?“ Antwort:
„Mein Eindruck war überwältigend bei dem Gefühl, vor einem ganz grossen Meister
zu stehen. Frage:
„Wie hat er gesprochen,zusammenhängend, mit was für einer Stimme, hoch, tief, schnell?“
Antwort:
„Er hat zusammenhängend mit einer tiefen Stimme gesprochen.“ Frage:
„Worüber hat er am liebsten gesprochen?“ Antwort:
„Er hat am liebsten über die zu schwache Liebe der Frauen und der Männer
gesprochen." Frage:
„Wie war er zu den Frauen der Loge?“ Antwort:
„Er war äusserst korrekt und hochachtungsvoll zu den Frauen der Loge; er zeigte
sich als ein wahrer Verehrer des weiblichen Geschlechtes.“ Frage:
„Wie hat sich Eugen Grosche ihm gegenüber verhalten?“ Antwort:
„Eugen Grosche hat ihn als sehr grossen Meister verehrt, ja fast „angebetet“.“ Frage:
„Wie haben sich die anderen Mitglieder ihm gegenüber verhalten?“ Antwort:
„Alle haben ihn verehrt.“ Frage:
„War er Vegetarier?“ Antwort:
„Ja, er war Vegetarier und zwar ein sehr toleranter unter lauter Fleischessern,
so dass er niemanden mit seiner „Tugend“ verletzt hat.“ Frage:
„Hat er über seinen Beruf als Postbeamter gesprochen?“ Antwort:
„Ja, und zwar begeistert, ein Postbeamter als Vertrauter aller Familien.“ Frage:
„Hat er von seiner Mutter gesprochen?“ Antwort:
„Ja, und sehr gut; denn sie war ja eine Mutter Gottes für ihn.“ Frage:
„Hat er viele Rituale mitgemacht?“ Antwort:
„Alle.“ Frage:
„Hat er viele Rituale ausserhalb der Loge gemacht?“ Antwort: „Meines
Wissens hat er keine Rituale ausserhalb der Loge gemacht. So entfällt die
Fortsetzung der Frage: „wenn ja, mit wem?“ Frage:
„Wie hat sich [Horst] Kropp/Orpheus [über ihn gleich mehr] gegenüber
ihm verhalten: Hat Kropp die Nähe von G.mann gesucht oder umgekehrt?“ Antwort:
„Kropp/Orpheus hat die Nähe von G.mann gesucht.“ Also nicht umgekehrt. Frage:
„Haben Sie, lieber Herr Maikowski, ebenfalls den Kontakt mit G.mann gesucht,
oder war er Ihnen egal?“ Antwort:
„Ich, JM, habe die Nähe von G.mann als einem für mich grossen Meister gesucht. Antwort
auf, was mir sonst noch einfällt: Sein Geruch war nach Olibanum (Weihrauch), er
hat sehr gut gehört und zugehört — sogar Gedanken. Seine Manieren waren die
einer sehr guten Erziehung, den Damen hat er die Hand geküsst. Ja, er war sehr
tierlieb für Katzen und Hunde. Und er war sprachbegabt, er konnte Latein,
Griechisch, Hebräisch und Französisch. Ehre seinem Gedenken!"[26]
Der Sarkasmus setzt sich fort:
Frage: „Wer hat sich am meisten für Göggelmann interessiert?“ Antwort: „Giovanni [Karl Wedler] wie immer in Geldnot und auch, vor allem [Guido] Wolther/Daniel, der als Berufsspieler wie üblich soeben wieder mal alles Geld verloren hatte.“ Frage: „Was wollten sie alle konkret von ihm?“ Antwort: „Sie alle wollten konkret nur Geld von ihm.
Mir fällt noch ein:
Saturnius/Göggelmann war hilfsbereit. Geld aber besass er keines. Von Geldbeschaffungs–Magie wusste er nichts. Darin war er ein ahnungsloser Anfänger. [Zur kolportierten Todesursache
Göggelmanns, dieser sei auf der Suche nach Nazischätzen im Bodensee ertrunken,
später mehr:] Von Nazischätzen hat er nie etwas gewusst. — Blut war im See.
Jemand hat es hineingeschüttet Ein skrupelloser Mensch war das wohl, einer der
J.G. durch das hineingeschüttete Blut vielleicht absichtlich verläumden wollte.
Wir wissen, was Verläumdungen vermögen. Sie,
lieber Herr Koenig, und ich, J.M. — „Ehre seinem Gedenken!“ sagte ich gestern von J.G. Heute sage ich: „Ein reiner
Christ.– Folgt ihm nach!“"[27]
Maikowski schliesst vorerst: "Wir alle habe das selbst damals 1961 erlebt, was
Herr G. alles an Sprachen kannte, was er alles übersetzen konnte und in unserer
Gegenwart übersetzt hat. Er war sehr bescheiden, und er hat alles, was ich
gesagt habe, bewiesen."[28]
Osterloge 1962. Von links: ?, Horst Kropp (Brille), ?, Walter Englert (Sonnenbrille, rauchend), Johannes Maikowski, Johannes Göggelmann, Irmgard Maikowski, Karl Wedler und Margarete Berndt, ?, ?, ?, ?.
[KI-gestützt restauriert.]
Später wird Maikowskis Ton härter. Formal greift er dabei auf die unter Grosche übliche Nummerierung von Fragen und Antworten zurück.
"1. Wann kennen gelernt zum 1.x?: ...Anfang Januar 1961. 2. Mein erster Eindruck von G. Heute: ...Ein völlig unbedeutender Mensch. 3. Wie haben die anderen Mitglieder auf ihn reagiert? ...Als wenn er nicht da wäre. 4. Wie hat Wedler auf ihn reagiert? ...Sehr freundlich, wie es seine Art bei Neuen
immer war, die er gleich geduzt hat. 5. wie Wolther? ...Er hat sich an Göck dran gemacht, als würde G. noch goldene Eier
legen. 6. wie Grosche? ...Herablassend, freundlich, eher gleichgültig. 7. wie die Frauen der Loge?...Alle fanden sie ihn abstossend, da er ungewaschen roch. Und *** meinte, dass er schmutzige Unterwäsche tragen würde. Woher sie das nur
wusste, konnte ich ja nicht ahnen. 8. War G. ein Einsiedler? ...Ja. Er hat sich den anderen Mitgliedern nicht angeschlossen, und blieb in seiner Ecke sitzen. 9.
Kontakt mit Kropp? ...Kropp hat sich an G. angeschlossen und ihm wohl alles geglaubt; denn auch Kropp war ein Einsamer, schon wegen seiner sehr schlechten
Augen. 10. Was für Rituale haben die beiden wohl zelebriert? ...Schwarze Rituale, zur Beschaffung von Geld und Frauen, die er als genügsamer Mensch eigentlich nicht
zu brauchen schien, wohl aber waren da die Kletten, wie Giovanni und Wolther, die sich wegen ihrer Geldnot an ihn klebten, und bald enttäuscht ihrer Wege auf G. schimpfend gingen. Dagegen hatten sich mit Kropp und Göck zwei gleich
unbedeutende Brüder gefunden.
Seine Nähe habe ich nie gesucht; denn ich fand ihn einen unbedeutenden Vielschwätzer, einen Hochstapler, im Beruf ein Nichts als Briefträger, als Kompensation den
Kontakt mit allen nur möglichen Geistern, Dämonen, dem Teufel gar? in seiner Darstellung ein höherer Eingeweihter, oder ein Eingeweichter, der sich zu uns
armen Sterblichen herabliess. Von Frauen aber hielt er nichts, und sie ihrerseits mieden ihn, wie er sie mied. Ein Egoist, der sich selbst für das Mass aller Dinge hielt. Mich als Dr.md.dent scheint er zeitweilig beachtet zu haben, da Zahnärzte ja nicht gerade arm zu sein scheinen — in einer Loge der Geldnot von ganz oben bis unten.
Das dürften meine spärlichen Erinnerungen an Herrn Göggelmann sein. Den G. hatte ich längst vergessen. Denn es hat mich auch niemand ausser Ihnen, lieber Herr
Koenig, jemals an ihn erinnert."[29]
Zur schriftlichen Behauptung Göggelmanns gegenüber Walter Jantschik 1969: "Gregorius, weinte u. sagte er wisse es, ja ich sollte damals das Amt des Grossmeisters
übernehmen,"[30] meint Maikowski: "Das klingt wie abgeschrieben von „Krieg und Frieden“ von Tolstoi: 'Und der Zar weinte...'
Natürlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Gregorius jemals den Göckelmann als GM haben wollte, ganz im Gegenteil. Mir gegenüber hat Gregorius immer so getan,
als sei Gögg. ein völlig unbedeutendes, eher lästiges Mitglied.
Mir kommen die brieflichen Äusserungen des Herrn Göggelmann wie die angeblichen geistigen Erlebnisse eines Schizophrenen vor. Nun sind die durchaus üblich unter
den 'Auserwählten', die Stimmen hören und durch die Wände sehen und gehen und Visionen einer erträumten Vergangenheit und der Zukunft haben. Bei Sandoz
hatten wir einen ganzen Film über die Schizophrenen, vor allem die Künstler unter ihnen, den ich einige Male vor Ärzten vorgeführt und kommentiert habe. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass der sehr nüchtern denkende Gregorius Eugen Grosche auf Gögg. hereingefallen sein soll. Auch in den intimsten Gesprächen, die ich mit
Gregorius gehabt habe, ist ein Herr Gögg. nie erwähnt worden, — wie gesagt, ein völlig unbedeutender Mensch, dachte ich bisher, und war im Unrecht, wenn Sie
ihn doch so sehr beachten."[31]
Gefragt, wodurch sich Göggelmanns Visionen von seinen, also Maikowskis Visionen unterscheiden, die er gemäss des Autogenen Trainings nach dessen Erfinder, Johannes Heinrich Schultz (1884–1970), erlebe, meint Maikowski:
"Über die Oberstufe des Autogenen Trainings nach Professor Schultz habe ich viele Jahre nach Gott und Christus gesucht und jetzt erst Erfolge gehabt. Und in der
Oberstufe lernte ich das innere Sehen, das meinem Verstand unterliegt, und gut steuerbar ist, und zu Ende ist, wenn die Übung nach einer vorher festgesetzten Zeit zu Ende ist.
Das ist also der Unterschied zu den Schizophrenen, deren Visionen nicht steuerbar sind.
Vorhin habe ich genug über Schizophrene gesagt, derer ich genug als Student und Famulus in der Medizin nach 1956 in der Nervenmedizinischen Abteilung der Charité unter der Anleitung von Prof. Schultz oder seinen Oberärzten kennen
gelernt habe, als wir zu Frontärzten ausgebildet werden sollten. Was Sie mir vorhin über Herrn Göck. sagten, passt gut mit den Geisteskranken und ihrer angeblich 'göttlichen Sendung', obwohl Angst zu verbreiten, ja wohl nicht göttlich sein kann."[32]
Und: "Schon wieder schicken Sie mir die Fantasieprodukte eines armen Nervenkranken, wie ich
sie in den letzten Jahren seit dem Ende meines Studiums immer erzählt bekommen und gelesen habe. […] Gregorius war immer für die eigene Praxis und deren Erfahrungen [...] Mit Haschisch, Opium usw. kann man sich also in den Zustand eines Schizophrenen bringen, und ähnliche Dinge erzeugen wie Göggelmann. Nur ist man sich als Mediziner gleich nachher klar, dass es weder
Magie noch Zauberei gibt, sondern dass man selbsterzeugten Halluzinationen zum Opfer gefallen ist. […]
Wollen Sie mir noch ein paar 100 Göggelmannscher Ergüsse schicken. Ich muss doch nicht auf jeden Erguss antworten. Irgendwie finde ich es ekelhaft, die Äusserungen armer Kranker der unbedarften Öffentlichkeit preis zu geben.—"[33]
Der Schweizer Richard Tschudi hat Grosche zum ersten Mal auf dessen Urlaub 1963 in Italien getroffen, lebt seit 1966 in Kanada (was sein gebrochenes Deutsch erklärt) und ist heute dortiger Leiter des Ordo Saturni:
Richard Tschudi und Walter Jantschik bei einem Treffen des Ordo Saturni in den 1980er Jahren.
"Was Goeggelmann/Saturnius betrifft kann ich nur sagen, dass ich ihn nur einmal getroffen habe. Er kam nur selten zu FS Treffen. Als ich ihn traf war er ca. 60 – 65 Jahre alt und hat normal ausgesehen und normal gesprochen. Bruder Orpheus [Horst Kropp] war ein grosser Verehrer von Saturnius. Wie ich durch Gespraeche
feststellte war Saturnius hauptsaechlich interessiert 'Beschwoerungen' durchzufuehren. Ich habe gehoert, dass er wenigstens bei einer sochen 'Beschwoerung' eine Katze lebendigen Leibes in einer alten Burgruine verbrannt
hatte. Allerdings muss ich sagen das ich das nur gehoert have und nicht gesehen habe. Als ich von solchen Tier–Opfern hoerte war mir der Appetit vergangen und war an Saturnius ueberhapt nicht mehr interessiert. An sochen Beschwoerungen habe ich kein Interesse.
Saturnius war wahrscheinlich ein Angeber. Ein stiller Angeber. Ich glaube er wollte vieleicht nur Orpheus imponieren and andere welche die selben Charaktereigenschaften haben wie Orpheus. Niemand wusste etwas genaues ueber Saturnius und haette Orpheus nicht staendig ueber ihn gesprochen wuerde heute vielleicht niemand von ihm wissen. Saturnius war der geistige Vater von Orpheus. Orpheus ist leider gestorben, er waere eine gute Quelle gewesen fuer Deine Nachforschungen.
Wann und wie Saturnius gestorben ist weiss ich nicht. Niemand hat mir seinen Tod mitgeteilt.
Ich stimme mit Dir ueberein das das Paar Saturnius/Orpheus sehr einsam war. Ich glaube aber nicht dass Orpheus 'ubeliebt' war. Er war eigentlich freundlich
aber er liebte besonders 'Beschwoerungen'. Von Saturnius weiss ich nicht ob er unbeliebt war. In vielen Jahren habe ich ihn nur einmal getroffen. Wie ich schon saget in meiner gestrigen e–mail, er hat normal ausgesehen (war also kein 'weirdo' und er hat normal entspannt gesprochen. Er kam mir nicht vor wie ein Fanatiker. Die idee dass er eine Katze verbrannt haben sollte hat mich aber
schokiert. Ob er die Katz wirklich verbrannt hat das ist ein Gehimnis welches er in sein Grab mitgenommen hat. […]
Es tut
mir leid, dass ich Dir nich mehr Informationen geben kann. Saturnius war leider
nicht im Zentrum meiner Intressn in der FS."[34]
Tschudis Erinnerung ist damit nicht nur eine Erinnerung an Göggelmann, sondern bereits eine Erinnerung an die Erzählung über Göggelmann. Die Verschiebung ist bemerkenswert. Göggelmann selbst behauptet, die Katze geschächtet und ihr Fleisch anschliessend mit einem Schädel verbrannt zu haben. Tschudi erinnert Jahrzehnte später dagegen, er habe gehört, Saturnius habe eine Katze „lebendigen Leibes“ in einer Burgruine verbrannt. Diese Version steht so weder in Göggelmanns Original noch in Hembergers Transkript. Woher Tschudi sie bezog — aus Gesprächen innerhalb der Loge, aus Hemberger, Knaut, der Boulevardpresse oder aus einer späteren Vermischung dieser Stationen — lässt sich nicht mehr feststellen. Gerade deshalb ist sie quellenkritisch interessant. Aus einem Selbstbericht ist fremdes Wissen geworden; dieses fremde Wissen kehrt später in die Binnenwahrnehmung der Loge zurück.
Bei Tschudi lässt sich die Wirkung sogar beobachten. Der Mann, den er bei seiner einzigen persönlichen Begegnung als äusserlich und im Gespräch völlig normal wahrgenommen hatte, wird durch die nachträglich gehörte Tieropfer-Geschichte für ihn uninteressant und abstossend: „war mir der Appetit vergangen“. Dass andere Logenmitglieder auf dieselbe Weise beeinflusst wurden, ist plausibel, aber nicht belegt. Der Mechanismus selbst ist bei Tschudi jedoch greifbar. Für eine ohnehin gesellschaftlich marginalisierte Aussenseiterloge erzeugt die zirkulierende Geschichte noch einmal eine innere Aussenseiterfigur: Saturnius als Tieropferer, Beschwörer und stiller Angeber.
Man kann darin, mit etwas Foucault im Gepäck, eine kleine Macht/Wissen-Maschine erkennen. Diskurse beschreiben Personen nicht bloss; sie produzieren soziale Wirklichkeit. Mit jedem Abschreiben, Glätten, Kommentieren und Skandalisieren wird „Saturnius“ stärker mit Katze, Blut, Schädel und Tieropfer verschaltet, während der konkrete Göggelmann dahinter zurücktritt. Das ist weniger eine pathetische „Herrschaft des Wortes über den Körper“ als die Herrschaft einer zirkulierenden Beschreibung über die soziale Person. Ob Göggelmann die Katze tatsächlich tötete, bleibt quellenkritisch offen. Sicherer ist, dass die Erzählung darüber ihm eine zweite Biographie schrieb — und diese zweite Biographie schliesslich wieder in die Loge zurückkehrte.
Irmtraud Maikowski, alias Flita ehemaliges Mitglied der F.S. (eingetreten in der
Mitte der 1950er Jahre) will sich demonstrativ "an einen Herrn Göggelmann (Saturnius) nicht erinnern [obwohl sie auf obigem Photo neben ihrem damaligen Ehemann abgebildet ist]. Allgemein möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich mich in meiner aktiven Mitgiedzeit [sic] in der Loge verpflichted [sic] habe, keine Auskunft über Logenmitglieder zu geben. Außerdem unterliege ich aus beruflichen Gründen der Schweigepflicht."[35] Höchstwahrscheinlich ist Göggelmann niemals Patient dieser Zeitzeugin gewesen, wie hier insinuiert wird (berufliche Gründe, Schweigepflicht), denn diese hat ihr Staatsexamen erst 1972 gemacht.
Horst Kropp
Gemäss einer Mitgliederliste von 1969 ist Horst Kropp am 24.7.1933 geboren und am 17.12.1960 in die F.S. eingetreten. Sein Logenname: Orpheus. Höhere Grade als der 8°, 12° und der 15° sind bis dato in den Listen nicht zu finden. Von Göggelmann als "meinen innigsten wahren Freund u. Schüler" wahrgenommen,[36] scheint Kropps aktive Mitgliedschaft jedoch bis 1983 eher im Hintergrund stattzufinden. Also bis nach dem Tod von Göggelmann. Davon später mehr.
Auf diesem undatierten Foto hält Kropp "Die magische Kraft der Hexenkunst" von Gavin und Yvonne Frost in den Händen. Die beiden gründen 1968 The Church and School of Wicca. Das deutsche Buch erscheint 1976.
Johannes Maikowski: "Herrn Kropp habe ich 1961 in Berlin kennen gelernt. Mein erster Eindruck war der eines verschrobenen Menschen, eines weltfremden 'Dreck–magiers', siehe seine Apotheke! Die anderen Mitglieder haben Herrn Kropp nicht beachtet; er war eben da, das ist alles. Für die beiden lesbischen Damen, die eine hiess Schw. Aquila (der
Adler) an den Logennamen der anderen Dame erinnere ich mich nicht. Die beiden Damen schwärmten von ihm, weil er ihnen sehr schönen Schmuck angefertigt hatte. Dafür halfen sie Herrn Kropp bei der deutschen Ausführung seiner Meisterarbeit. Von der Reaktion weiterer Mitglieder der FS, Herrn Orpheus betreffend, weiss ich nichts. Der Hochgradmeister Giovanni (Wedler) hat Orpheus nicht beachtet. Herr Wolther war damals noch kein Mitglied der FS. Grosche hat Kropp so freundlich wie alle zahlenden Mitglieder empfangen. Die anderen Frauen ausser
den beiden Lesben da war nur […], die Herrn Kropp nicht beachtet hat. Ja, Kropp war ein Einsiedler. Ich hatte Kontakt mit Kropp, und so hat er mich zu sich eingeladen, seine Apotheke zu besichtigen, was ich getan habe. Bei der Gelegenheit lernte ich auch seine Mutter kennen, als Kropp im Dienst war, und ich auf ihn wartete, den Herrn Staatsbeamten von der Post, wie seine Mutter zu mir sagte.
Ja, ich erinnere mich, dass Kropp der letzte war, der Göggelmann lebend gesehen hat. Er war dabei, als dieser in Blut im Wasser des Bodensees ertrank. [Davon später mehr] Über Kropp hat niemand jemals gesprochen. Er sah ja dank seiner schlechten Augen niemanden, und wurde auch nicht gesehen.
Das sind also meine recht dürftigen Erinnerungen an Herrn Kropp, der mich von Anfang des Kennenlernens hasste, denn er wollte ja, das Hamupe [Hartmut Benz] [1983] Grossmeister der FS werden sollte, beide waren sie Schüler von Göggelmann."[37] "Kropp, der Einsame, nahm die Annäherung der einen oder der anderen Dame als von anderen Mitgliedern wohlwollend bestätigte Zukunftshoffnung, dass er doch noch
eine Chance in Richtung auf Frauen hätte. Dafür war er also naiv genug. Dass die Damen mit ihm nur spielten, hat er nicht begriffen.
Kropp liebte erst die eine und dann die andere. Sie taten ihm schön, und nutzten ihn und seine künstlerischen Fähigkeiten aus. Da war die deutsche Meisterarbeit von
Orpheus nur ein geringer Lohn. Die Mitglieder sahen dem hochnäsig lächelnd zu, wussten sie doch alle, dass Kropp keine Chance haben würde, mit einer von ihnen ins Bett zu gehen. In der Loge haben die beiden Damen sich abgesondert, und haben für allen anderen Mitglieder eine Mauer um sich gezogen, die von allen respektiert wurde. Die beiden Damen waren als Schwestern, Aquila als Meister
(maestra) voll integriert. Für Gregorius war das Dasein der Damen sehr angenehm, da sie beide zahlten. Von einer speziellen Magie weiss ich nichts, so haben die beiden auch niemals etwas davon berichtet. Sie wollten sich nur ihrer Liebe ganz hingeben, und versuchten so wenig Beachtung zu erregen, wie sie konnten. Es waren beides junge Damen im Alter von etwa 25 Jahren. Die Loge
konnte von der lesbischen Liebe der beiden nur finanziell profitieren. Beide waren lange Jahre Mitglieder und schlossen sich später den Putschisten unter
Giovanni an, so dass ich als 'Verräter' keinen Kontakt mehr mit den Damen hatte. Das obige ist alles, was ich weiss."[38] "O.s Meisterarbeit haben zwei Logenschwestern, Ehepaar, darunter Meister Aquila, geschrieben, weil O. ihnen Schmuck angefertigt hat. O. hat es schwer: denn was
man mit mehr als 20 Dioptrien sehen kann, können Sie sich vorstellen? Er ist Analphabet. Um so erstaunlicher, dass Drakon [Heinz Conrad, Grossmeister der F.S. von 1978 bis 1982] ihn zum 'Hüter des Rituals der FS' bestellt hat? O. habe ich mal besucht. Und eine sehr dunkle Wohnung mit 'Dreckapotheke'."[39]
Horst Kropp beklagt seinerseits, dass die Brüder und Schwestern zu wenig praktische magische Arbeit betrieben.
"Bei Gregorius war es noch schlimmer – als ich ihm schrieb, dass alles [nur] noch auf Bücherverkauf hinauslief, sollte ich aus der Loge austreten."[40]
Die Gemütlichkeit
Die Erinnerungen mehrerer Beteiligter zeichnen die F.S. der 1950er und frühen 1960er Jahre weniger als pausenlos arbeitendes Ritualkollektiv denn als kleine, briefintensive Vereinigung, in der Diskussion, persönliche Korrespondenz und Geselligkeit viel Raum einnehmen. Das steht in einer gewissen Spannung zu späteren Darstellungen, die aus verstreuten programmatischen Sätzen Grosches eine lückenlos praktizierte Weltanschauung rekonstruieren. Texte belegen zunächst, dass etwas formuliert wurde; sie belegen noch nicht, wie häufig es jemand tat.
Grosche leitete die Loge, produzierte die monatlichen Hefte, beantwortete einen beträchtlichen Briefverkehr und lebte wirtschaftlich keineswegs komfortabel. Für eine systematisch durchritualisierte Parallelwelt bleibt in den Quellen erstaunlich wenig Alltag übrig. Praktische Übungen gab es durchaus – Hebeexperimente, Schutzrituale, Meditationen, Evokationen –, doch ihre Häufigkeit und Verbindlichkeit sollten nicht aus späteren Lehrzusammenstellungen rückprojiziert werden. Für ein Schutzritual genügte bisweilen ein Foto des Grossmeisters mit folgendem Hinweis: "Stellen Sie das Bild auf, und es wird Sie schützen, denn es hat die Kraft eines Symbols – da viele Menschen hinter mir stehen mit ihrem Denken und ihrer Wunschkraft." (Brief an Göggelmann vom 3.8.1954)
Grosche stirbt am 5. Januar 1964.
Seine Nachfolgerin im Grossmeisteramt, Margarete Berndt (Roxane), stirbt am 8. Juni 1965, nicht einmal 45-jährig. Hermann Wagner (Arminius), der Vulkaniseur-Monteur Willi Hauser (Fabian) und Karl Wedler (Giovanni) – Oberinspektor beim Bochumer Ordnungsamt, zuständig für Gaststätten – bilden vorläufig das neue leitende Triumvirat der F.S., während sich Johannes Maikowski (Immanuel) in Frankfurt als eine Art konkurrierender Grossmeister wähnt. Eine angestrebte Neuwahl im Jahr 1983 scheitert.
Davon später mehr.
Die komplexe Historie der F.S. wird in diesem Online-Artikel jedoch nur am Rande behandelt – verwiesen sei auf meine verschiedenen Printpublikationen mit Tausenden von Originaldokumenten. Dasselbe gilt für Guido Wolther und Walter Jantschik, die zusammen mit Göggelmann zu den in der Boulevardpresse ab den 1970er Jahren exponierten Protagonisten zählen. Detaillierte Informationen über ihr Wirken innerhalb der Loge finden sich in meinen Büchern.
Oben: Miriam Wolther (Andrée Mériam) und Guido Wolther (Frater Daniel). Unten: Guido Wolther, Grossmeister der Fraternitas Saturni (18°/33°). [KI-gestützt koloriert.]
„Nahema! Nahema! Uuu! Ole-Ona-Uüä-Uuu! Aie, Aonie, Lilith, Lilith! Lilith! Oron chite haloja aroen latistén. Ka eron maggo holler ka nono ka hel. Maguth ka craim he! Yaro… Sat! Elohim! Marazoth!! Hoo…!! Hu!!!“ Hallo! Hier spricht die Skorpionfrau! – Guido und Miriam Wolther inszenieren die optische Ästhetik der Trivialunterhaltung der frühen 1960er-Jahre so auffällig, dass Edgar-Wallace-Filme, Science-Fiction- und Gruselheftchen wie Vorlage und Bedienungsanleitung zugleich wirken. Wolthers sogenannte "Pluto-Evokation" ist ein Ritual aus Chemie, Popkultur-Bildwelten und interner Logenpolitik.
Der Text verfolgt, wie sich Ehekrise, gesundheitlicher Zerfall, die Instrumentalisierung von Miriam als Medium, Mikropolitik in der Loge und das Wegorganisieren von Kritik zu einem Herrschaftsdesign verschränken, das auf Kontrolle von Deutung, Archiv und "Erfahrung" zielt. Eingebettet ist dies in ökonomische Abhängigkeiten und nicht aufgearbeitete NS-Biografien innerhalb der F.S., die – trotz Grosches antifaschistischer Haltung – aus finanziellen und machtpolitischen Gründen geduldet werden.
Wolthers Nachfolger wird Walter Jantschik
Mehr über Walter Jantschik / Jananda
und
Die baphometische Doxologie – Walter Jantschiks Versuch, ein Weltmodell aus Diagrammen, Lichtcodes und Selbstreferenz zu errichten. Im Vergleich mit Johannes Maikowski – einem anderen Konstrukteur im esoterischen Orbit.
Auch Richard Tschudi erinnert die Logenpraxis nach Grosches Tod eher als gesellig und diskursiv denn als permanent ritualistisch: "Ich wurde 1963 Mitglied der FS. Ich kannte einig der 'Olttimer'. Unter anderen auch Guido Wolhter und seine Frau. Sowie Roxanneusw.
Ich glaube nach dem zweiten Weltkrieg gab es nicht viel magisches Schaffen in der FS. Die FS. wie Du vermutest war mehr ein Treffpunkt von esoterisch interessierten
Menschen die miteinander gegessen und getrunken haben und einmal im Jahr das Ritual zelebriert haben.Viele neue Mitglieder hofften un der FS Lehrer zu finden die einem in die richtig Magie einfuehren koennen. Ich war auch ein
solcher Sucher, habe aber keine richtig Magie gefunden. Es war aber trotzdem schoen an die Logentreffen zu gehen um mit alten 'Freunden' zu fachsimplen. Wir hatten viel ueber Bardon und H.E. Douval diskutiert. Astrologie war auch ein
beliebtes Thema.
Ich vermute, dass waerend der Weimarer Republik in der FS richtig magisch gearbeitet wurde. Aber was da gearbeitet wurde ist alles nur Spekulation. Die Wiedergeborene FS nach dem Krieg war eine 'Literary Society' wo oefters auch
Vortraege gehalten wurden. Die meisten okkulten Organisationen sind heute 'Literay Societies' besonders die Rosenkreuzer."[41]
Die dunkle Seite 1957
Aus Göggelmanns Schriften klingen immer wieder Andeutungen über seine Weltverdrossenheit heraus und es scheint, dass er Grosche gegenüber Selbstmordabsichten äussert. In einem kaum lesbaren Antwortbrief beschwört Grosche nämlich, es wäre "die grösste Sünde wider den Geist und wider
Ihre eigne Incarnation und eigne Evolution, wenn Sie so vermessen wären, die jetzige Verkörperung gewaltsam zu beenden ! !"[42] Möglicherweise zur Aufmunterung schickt er ihm am 9.10.1957 ein paar Werbeschriften zum Aufbau eines Studienzirkels und sogar einer Ortsloge: "Es freut mich, dass Sie anscheinend dort Aussicht haben, einen kleinen Studienzirkel zu bilden, aus dem sich später eine Ortsloge entwickeln kann. — Geben Sie den Damen nicht so schwere Kost und vermeiden Sie die dunkle Seite des Demiurgen hervorzuheben, um nicht abzuschrecken. Ich füge einige
Werbeschriften bei und müssen ja die Damen zunächst als Mitglieder für die Loge gewonnen werden. Diplomatisch und vorsichtig."
Göggelmann hofft darauf, "dass bald eine erste wahre Stunde im saturnalen dämonischen Aspekte einkehrt in das Leben eines Verachteten Verfolgten wie Verfolger u. Verächter im Fernziel meiner tiefsten Liturgie der
Naturdämonen," so in seinem Brief an Grosche vom 3.9.1959.
Die "dunkle Seite des Demiurgen" ist jedoch nicht jedermanns Sache, sicherlich nicht diejenige von Johannes Maikowski, der in der Fraternitas Saturni
nur ungern etwas anderes sieht, als eine Bruderschaft Gottes. Auf die Frage, ob er sich denn nicht veräppelt vorkomme, als er erfahren habe, dass sich die F.S. auch mit den sogenannten dunklen Seiten des Demiurgen Saturn beschäftige und er trotzdem am 23.12.1963 von Grosche zu dessen Nachfolger erkoren worden sei, meint Maikowski 2013: "Ehe mir Gregorius die Hand auflegte
und mich zu seinem Nachfolger bestimmte, haben wir ausführlich über die saturnische und die katharische Lehre und meine Auffassung von ihr mit dem Ziel der Befreiung durch die erworbene Macht und damit der endgültigen Heimkehr in Gott gesprochen, und Gregorius wusste, dass ich die FS in seinem Sinne und in dem meinen führen würde. Dass ich es nicht konnte, lag an meinen Gegnern, wie
u.a. dem Putschisten Giovanni [Karl Wedler].[43]
Versucht habe ich es im Gedenken an Gregorius auf jeden Fall. So ist mir der Gedanke an eine 'Veräpplung' nie gekommen; denn ich hatte ja freie Hand, die FS zu führen."[44]
Studienzirkel oder Studienkreise 1965
Neben der eigentlichen Logenorganisation existieren sogenannte Studienzirkel oder Studienkreise. In ihnen können Themen erprobt werden, die nicht zum regulären Ritualbetrieb der Loge gehören; die erhaltenen Berichte gelangen teilweise dennoch ins Archiv. Dazu zählen Sexualmagie, Drogenexperimente, Evokationen, Spiritismus, Gnosis und andere Grenzgebiete. Die Kreise stehen teils auch Nichtmitgliedern offen.
Für die Quellenkritik ist diese organisatorische Unterscheidung wichtig. Aus einem privaten oder halbprivaten Experiment von Mitgliedern folgt nicht automatisch ein offizielles Logenritual. Gerade beim oft behaupteten sexualmagischen 18° ist Vorsicht geboten: Hemberger präsentiert entsprechende Texte als Logenpraxis,[45] während die interne Überlieferung ein weniger eindeutiges Bild ergibt. Was einzelne Beteiligte in einem Studienkreis tun, kann für die Geschichte der F.S. relevant sein, ist aber nicht dasselbe wie eine verbindliche Ordenshandlung.[46] Genau diese Ebenen werden in der späteren Skandalisierung gern übereinandergelegt. Der ehemalige Grossmeister Walter Jantschik berichtet mir in einem Gespräch, dass es bei ihm genauso abgelaufen sei, wie es Wolther konzipiert habe: Über ihm sei mit der Frau des damaligen Grossmeisters, in Anwesenheit des 18° Hermann Wagner (Arminius) und Göggelmanns Freund Horst Kropp (Orpheus) (dessen angeblicher 18° jedoch in den Unterlagen nirgends erwähnt wird), während eines rituellen Geschlechtsakts, ein Jahr nach seinem Eintritt, also 1965, in Frankfurt ein Hahn zum Ausbluten gebracht worden.[47]
"Über unsere [sic] Körper wurde während des geschlechtlichen Verkehrs ein schwarzer Hahn getötet."
So schreibt Jantschik in einem "Bekenntnis" von 1974 – später behauptet er allerdings, es sei erfunden worden.
Mir gegenüber bestätigt er jedoch mündlich die Authentizität dieses Vorgangs.[48]
Aus der vorhandenen Korrespondenz zwischen Jantschik und Kropp von 1965 geht jedoch nicht explizit hervor, ob man wirklich von einem 18°–Ritual sprechen kann. Die Rede ist vielmehr von Klopfzeichen und kleinen Wesen aus dem Astralbereich. Einige rätselhafte Formulierungen deuten jedoch auf andere Intentionen hin: "Bitte nie Sperma oder Blut verwenden als Kondensator! […] Das Bild Exorial [davon gleich mehr] macht sich nebenbei auch noch bemerkbar. Wir müssen erst genügend theonische [? unleserliche Stelle] Kräfte anziehen, damit wir nicht von den dämonischen Kräften überwältigt werden. Das sage mal Therion [Crowley]."[49]
Die beiden diskutieren später, ob für Evokationen auch das Blut eines weissen Huhns genüge – und dass man im Erfolgsfall besondere Geheimhaltung wahren müsse.
Beim gemeinsamen Tischrücken bei Kropp zuhause hilft anschliessend dessen Mutter mit – den dazu benötigten Tisch hat er sich eigens anfertigen lassen: "Die Geistwelt ist über unser Treffen schon informiert."[50]
Kurze Zwischenbemerkung
Johannes Göggelmann und Horst Kropp. [KI-gestützt koloriert.]
Ein kurzer Blick auf die häuslichen Kontexte relativiert zugleich die Vorstellung eines einheitlichen okkulten Milieus: Göggelmann selbst berichtet von heftigen Konflikten mit seiner Familie ("Familiäre böse Auseinandersetzungen mit meinem Weibe und meinen vier erwachsenen Kindern, Geschwistern und Verwandten").[51] Bei Jantschik und Grosche lässt sich derselbe Familienalltag feststellen: distanziert bis gleichgültig gegenüber dem Logenbetrieb. Auch von Hermann Joseph Metzgers Kindern ist ausser deren Teilnahme an der Gnostischen Messe keine weitere Ordensaktivität überliefert. Kropps Mutter beteiligt sich dagegen an einzelnen Experimenten ihres bei ihr lebenden Sohnes; die Ehefrauen Wolthers und Maikowskis sind selbst Logenmitglieder. Es gibt also keine einheitliche "okkulte Familie", sondern ein Spektrum von Ablehnung über Duldung bis Mitarbeit. Ähnliche Konstellationen begegneten mir später auch in O.T.O.-Gruppen.
Exorial 1954 und 1966
In der gleichnamigen, fragmentarisch wirkenden Kurzgeschichte aus dem Buch „Exorial“ von Eugen Grosche wird Exorial – ein weiblicher Dämon und Vampir – mittels einer „magischen Arbeit im Gradus pentagrammatus,[52] dem magischen Grade des Ordens des O.T.O.“[53] – in einem Spiegel zur Erscheinung gebracht und „zur Manifestation“ gezwungen. Der evozierende Magier erliegt kurz darauf einem Herzschlag. Die am Ritual beteiligte Frau begeht Selbstmord. Der Maler, der das Wesen Exorial während des Rituals gezeichnet hat, stirbt – in der Erzählung – in einem Konzentrationslager.
Auch Johannes Göggelmann interessiert sich in der Vollmondnacht des 17.5.1954 für das Exorial und die Zahl 9. In seinem Ritual taucht er ein Siegel in sein eigenes Blut; sein Bericht bleibt jedoch erstaunlich knapp: Rauschen, Licht in den Farben des Regenbogens, neunmal ein glockenähnlicher Klang, eine Stimme: „Verhalte dich ruhig und schweige. Arbeite an deiner Vollendung…“
Erhalten geblieben sind auch einige Briefe seines Mitstreiters Horst Kropp (Orpheus).
Anfang 1966 versucht Kropp, das Wesen auf dem Umschlag von Eugen Grosches 1960 erschienenem Erzählband „Exorial“ – auf dem eine junge Frau abgebildet ist – zu beschwören.[54]
Kropp besitzt das Originalgemälde, das in seinem Schlafzimmer hängt. Er fühlt sich von ihm bedroht und „isoliert“ es daher „mit schwarzer Kunstseide und einem Pentagramm.“[55]
Im Januar 1966 erhält Walter Jantschik einen Brief von Kropp mit Ratschlägen zum Thema Exorial: „Das mit Exorial ist wohl eine Täuschung, es sei denn, Sie haben Exorial gerufen! An erotischen Erlebnissen können viele Ursachen schuld sein, meistens sind es die Gedanken als Einfallstor. Ebenso gestaute Geschlechtskraft, die sich dann den Weg frei macht durch Pulotine [Pollution?]. Das Betasten ist harmlos und noch lange kein Angriff. Ein richtiger Angriff findet meist nur auf der Astral-Ebene statt – und dann müssen Sie schon grauenhafte Schmerzen fühlen. Das Betasten ist ein Zeichen des Erwachens bestimmter Seelenkräfte.“[56]
Kropp sucht nun Anweisungen beim damaligen Grossmeister Guido Wolther (Daniel), Vorgänger von Jantschik im Amt: „Wie ist es: Welche Dinge machen ein Wesen geneigt, dass es sich bei einer Beschwörung zeigt? Liegt es auch oft am Magier? Denn meistens arbeitet doch ein Magier ohne ein Medium. Nun, wie ich weiß, kann man das Wesen nicht zwingen, zu erscheinen – man kann nur die günstigen Voraussetzungen schaffen. Was mich besonders interessiert: Lässt sich überhaupt ohne einen Pakt mit einem Wesen etwas erreichen? Wie verhandeln Sie dann? Meistens verlangt doch ein Wesen auch seine Freiheit – und das muss man halten, oder? Also praktisch gesehen kann man nur so viel erreichen, wie man selbst an Freiheit zu zahlen bereit ist. Ein Pakt ist doch auch nichts anderes, als dass man die geleistete Arbeit vom Wesen selbst akzeptiert. Ist es möglich, dass ich mich so isolieren kann, dass mich Exorial nicht belästigt? Ein Pentagramm am Kopfende des Bettes hilft nicht! Woran mag das liegen?
Das Bild hängt in meinem Schalraum [Schlafraum?] und ist mit schwarzer Kunstseide und einem Pentagramm isoliert! In dieses Zimmer kommt aber sonst niemand hinein – ich mache es selbst sauber.“[57]
Kropp (geb. 24.7.1933) und Göggelmann (geb. 10.7.1905) experimentieren in dieser Zeit miteinander; wie regelmässig und in welcher Form, lässt sich aus den erhaltenen Unterlagen nicht zuverlässig rekonstruieren.
„Br. Saturnius hat mal geschrieben, dass er im Astral nicht an mein Bett herankommen konnte. Er wusste natürlich nicht, dass ich den Dolch am Bett hatte.“
Kropp macht sich Sorgen:
„Was ist mit Br. Saturnius los? Er ist jetzt ganz anders und schreibt so merkwürdig. Wahrscheinlich wird bald einer sterben – vielleicht haben wir dann Ruhe.“
Dasselbe schreibt er über Karl Wedler:
„Mit Giovanni ist nichts Gutes mehr. Er ist irgendwie in Angst und fühlt sich nicht wohl in seiner Haut.“[58]
Ein paar Tage später richtet Kropp einen Hilferuf an Guido Wolther: „Helfen Sie ihm, dass er uns erhalten bleibe.“[59]
Wolther schickt Kropp daraufhin Meskalin. Dieser beklagt sich jedoch fortan bei Walter Jantschik über Wolthers mangelnde Unterstützung: „In Kelkheim [Wolthers Wohnort] macht man nichts!“ Dafür erlebt Kropp mehr mit seinem Besuch aus einer anderen Welt: „Nun, das Wesen tut deinen Körper ablecken – es verrichtet gewissermassen eine Arbeit an dir. Dadurch bist du dann gut geschützt gegen andere Einflüsse. Immer ruhig bleiben dabei.“[60]
Horst Kropp (Orpheus). [KI-gestützte Rekonstruktion nach mehreren Porträtaufnahmen.]
Johannes Göggelmann am 22.7.1969 an Walter Jantschik
" […]
Mein hochverehrter Freund Grossmeister: Jananda,sehe etwas wie wenn durch eine gewiße ehemalige amtierte Person, eine kleine Unstimmigkeit u. Hetze gegen
andere Logenangehörige entsteht, hoffe nur daß man mich in Ruhe läßt, denn sonst könnte ich mein wahres saturnales satanisches Gesicht voll zeigen. Lieber Freund Bruder Grossmeister: Jananda, glauben Sie, mir ganz ehrlich, dem wo ich die Treue geschworen habe halte ich auf Gedeih u. Verderb genau so im Gegenteil, wenn man mich in eine pure Verleumdung zerrt, ja dann kann ich ohne eine Wimper zu zucken, einen solchen unfairen windigen Hund von einer Kreatur, durch magische Flüche ins Scheeol befördern! Bin sehr lange mit mir ins saturnale esoterische urgöttliche dämonische Gericht gegangen, im grossen Verzicht u. Opferdienst mit der stoischen Ruhe die nur ein Mensche besitzen kann, der allen Verlockungen wie finanziellen Vorteilen wiederspricht! Glauben Sie, mir im vollsten Vertrauen von Bruder zu Bruder, daß meine Wenigkeit zu
jeder Zeit in der Lage ist, sich zu wandeln u. einzuzeihen wenn es sein muß, in sich, u. durch mich in eine jede Person hinein zuschlüpfen u. als zweites: ICH zu wirken! Fragen Sie, doch den ehemaligen Grossmeister: Daniel, als die arg verzwickte Affäre mit seiner Ehehälfte im vollsten Gange war, u. der arme gute Freund als Bruder u. Mensch wie Grossmeister: Daniel damals in eine sehr
undefinierbare ungute Lage kam.[61] Was ich damals alles durch Gesichte wie magisches Manipulationen aufzeigte, ging bis heute in ecakter Weise in Erfüllung! Oder fragen Sie, den sehr enttäuschten lieben armen Bruder: Dia, der in Scheidung lebt, aber nicht durch seine Schuld in eine solche böse ungute
Lage kam. Alles was ich dem lieben Bruder damals wie heute sagte, bewahrheitet sich fast ins kleinste Detail. Oder meinen innigsten wahren Freund u. Schüler den Bruder u. Meister: Orpheus [Kropp]! Mein achtbarer Freund Grossmeister: Jananda, nicht daß sie, von mir eventuell ein falsches Bild bekommen, oder in Versuchung geraten, ich werde mich aufspielen wollen, oder mich als einen Halbgott hinstellen, nein es sprechen nackte Tatsachen, die mich als Mensch selbst als Unheimlich vorkommen u. ich mich vor mir fürchte! Da ich ein Saturngeborener
bin, mit einem Janusgesicht, das in guter positive, wie in böse negative Spiralen meines Schicksals (Karma) bis heute haarscharf unerbitlich verläuft, nach dem karmischen saturnalen urgöttlichen dämonischen kosmischen Gesetzen.
Was schon der große Nazarener Magus Jeschtar Jesus Christus: sagte du wirst nicht von Dannen kommen, bevor du nicht den letzten Heller bezahlt hast! Habe viel ja zu viel in meinem jetzigen Lebensabschnitt an guten wie wie bösen scheußlichen Jahren, Monaten, Wochen, Tage, Stunden, Minuten, Sekunden erlebt.
Meine würdige Eminenz, Freund Bruder Grossmeister: Jananda, ich kann nic anderst als ich war u. bin von Anfang der Uhrzeit bis heute. Es ist mir persönlich im
vollsten Bewußtsein daß ich keinen natürlichen Tod sterbe, bin ich ein Außgestossener eine Spott u. Dreckkreatur der ohne Gande einst vor dem Hüter der Schwelle steht, als ein dunkler aber ehrlicher Bruder im Raison des dunklen
Demiurgen: " Saturni!" Denn auch der im Wissen steht, weis daß er nichts weis, mit zuckenden blutenden Herzen muß er sich vor dem Baumeister aller Zeiten wie ein Wurm im Staube wälzen! Möchte behaupten daß ein Durchschnittmensch leichter bequemer lebt als ein Wissender der von sekunden zu sekunden durch Milliarden von Höllen durchlebt u. dennoch eine armselige sterbliche Kreatur vor den Sönen des Lichts wie der Finsternis bleibt, das ist der größte Schmerz der dem Eingeweihten Halbgott die Eingeweiden verfrießt!
Glauben Sie, mir ehrlicher mein eigener stinkender Kadaver eckelt mich an, ja meine eigene Brut kommt mir vor wie ein Fraß der Götter. In meinem Alter kennt man keine Sentimeitalität auch braucht man kein Mitleid, man steht in den höheren Sphären, der Kegelschnitt ist überrundet, man ist ein Eigener nur der Körper bindet noch an die Materie! […]"
Jantschik wird zu Ostern 1969 zum Grossmeister gewählt und übernimmt dabei auch die Aufarbeitung finanzieller Unklarheiten aus der Amtszeit Guido Wolthers (Daniel). Göggelmann gerät in diese Verwaltungsprosa hinein, als er trotz eigener Zahlungen eine Mahnung des Logensekretärs Stanislaus W. Wicha (Andrzey) erhält. Die Briefe zeigen weniger Dämonologie als Buchhaltung – auch Geheimlogen müssen irgendwann Belege sortieren: "Sehe sicher nicht ein dass ich für etwas zur Verantwortung gezogen werden kann, was damals verbummelt wurde von gewißen Herrn [gemeint ist Wolther].[62] Bin auch zu
jeder Zeit bereit in der Loge aktiv mitzuarbeiten, alles Ehrenamtlich! Wie Sie, inzwischen durch meinen vorletzten Brief erfahren haben bin ich genug für rein nichts geschädigt worden an Ansehen wie in finanzieller Hinsicht! Sollte man aber darauf Bestehen, daß ich eine Rückwirkende Zahlung erstatten müßte, dann trete ich aus der Loge aus, so leid es mir tut, denn ich bin kein Krösius bin im Naziereich fast um alles gekommen, durch Verrat einer Teufelin von Weibsperson, u. zudem gehe ich bald meiner Pensonierung entgegen! Da ich leider nur ein
kleiner Beamter bin, ist meine Pension nicht zu hoch zum bescheidenen Lebensunterhalt bemessen!" Jantschik beruhigt Göggelmann: Wicha "arbeitet sehr eigenwillig und selbständig"; nach Bereinigung der Unklarheiten hofft er auf weitere Zusammenarbeit.[63] Schon wenige Monate später, im Herbst 1969, legt Jantschik jedoch entnervt sein Amt nieder und verlässt die Loge. Ihm folgt Stanislaus Wicha, der erst an derselben Osterloge aufgenommen worden war. Der rasche Wechsel sagt einiges über die organisatorische Instabilität dieser Phase, aber nichts Übernatürliches.
Domino–Effekt 1970
Ab 1970 verschiebt sich die Rezeption in ein anderes Medium. Der Journalist Horst Knaut übernimmt Göggelmann 1970 über Hemberger in sein Buch "Rückkehr aus der Zukunft" und führt ihn damit einem grösseren, nicht primär esoterischen Publikum vor. Von nun an wird nicht mehr nur über Magie geschrieben; Magie wird zur Presseware.
Horst Knaut. [KI-gestützt koloriert.]
QUICK 11, Hamburg 8. März 1973, 72-75. Horst Knaut, Die Satansmörder
Schon Knauts Buch von 1970 kürzt Hembergers seinerseits bearbeitetes Transkript weiter:
"Mit einem schwarzen Schleier umhüllt und mit einem menschlichen Totenschädel im Gepäck begibt sich ein Mann zu mitternächtlicher Stunde in eine abgelegene Burgruine. Hier schächtet er eine schwarze Katze und malt mit dem Blut magische Zeichen auf die brüchigen Steinfliesen aus dem Mittelalter. Aus einem Rauchgefäß läßt der Mann Bilsenkrautqualm ins Mondlicht emporsteigen, und in einem Holzfeuer verbrennt er den Menschenschädel. Nach diesem Vorbereitungsritual beginnt er die Geister von Verstorbenen anzurufen. In seinen Visionen führt er Gespräche mit Dämonen, die ihm erscheinen [...].
Der Mann, der nachts mit schwarzem Schleier und Totenschädel in die alte Burgruine zieht, um Geister zu beschwören, gehört als »Frater Saturnius« einem magischen Orden an, dessen Mitglieder vor allem im Rhein–Main–Gebiet, in Hamburg, Berlin und Hannover in tempelartigen Weiheräumen ähnliche magische Riten praktizieren. »Frater Saturnius« ist Postbeamter in Friedrichshafen."
"Denken Sie nur an Frater Satunius, den Briefträger vom Bodensee … Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Mann davon überzeugt ist, er mache der Menschheit und sich selbst ein Geschenk mit seinem Verhalten." [64]
Hemberger, nun selbst Objekt der Darstellung, fühlt sich von Knaut falsch wiedergegeben und versucht zugleich, Göggelmann gegen die Folgen jener Publizität zu verteidigen, zu der er selbst erheblich beigetragen hat. "Ich verlange öffentlichen Widerruf, Streichung der entsprechenden Passagen und Diskussion in Fernsehen und Rundfunk mit Ihrem Autor, sowie angemessenen Schadenersatz für den angerichteten idellen und materiellen Schaden. […] Was über Frater Saturnius berichtet wird, ist in entstellter Form meinem Werk entnommen (siehe, Rückkehr... Seite 15 und Seite 43). Alleinbesitzer des literarisch außerordentlich interessanten Werkes des Frater Saturnius, in Handschrift verfaßt, bin ich. Auch seine Ehrenrettung wird von mir hiermit verlangt."[65]
Inzwischen steht Guido Wolther mit Hemberger in engem Kontakt und versorgt ihn mit Interna. Auch die Behauptung, Wolther habe eigens sexualmagische Zeichnungen für Hembergers Sammlung angefertigt, gehört in diesen Überlieferungskomplex und ist entsprechend als Behauptung zu kennzeichnen. Oscar Schlag erinnerte sich mir gegenüber vor allem an Hembergers rastlose Kopierpraxis an der Universität. Ab 1971 verkauft Hemberger in kleinen Auflagen seine Materialsammlungen über die Fraternitas Saturni[66]; damit gewinnt er eine eigentümliche Doppelrolle als Sammler und Produzent der Überlieferung. Er bewahrt Material – und verändert zugleich dessen Rahmen. Die Pointe, er erzeuge Feuer lieber durch Explosion, während Schlag Reibung bevorzuge, mag man als Milieustudie stehenlassen.
1971, vier Jahre nach seinem Klingsor–Buch versucht sich Adolf Hemberger an einer Analyse:
"Das Magische Tagebuch des Frater Saturnius
"Das seinerzeit beim Großmeister Gregor A. Gregorius (= Eugen Grosche) hinterlegte magische Tagebuch enthüllt Dimensionen der Ritualistik 'schwarz–magischer' Art,
die Batailles, Taxils, Rosens, [unleserlich, da von Hembergers Hand überschrieben] 'Dichtungen und Wahrheiten' über den Palladismus, Luziferismus und Satanismus bei weitem übertreffen.
Der Saturnbruder gibt rituelle Zeichnungen und Charakteres, Sigille und Symbole, die für den Kenner der schwarzen Magie an Eindeutigkeit nichts mehr zu wünschen
übrig lassen! So gehört zum Beispiel das Tier stets als religiöser Mittelpunkt dazu, das als 'Gott, Dämon und Ahne' (siehe Findeisen) erlebt wird. (Tieferer Sinn der sogenannten Baphomet–Rituale). Die totemistisch ausgeformten Rituale zielen auf den Avatar mit dem als Symbol des Gottes erfaßten Tier hin. Als stärkste Kraft erweist sich für den im animistisch–totemistisehen und
fetischistischem Denken verhafteten Menschen die Sexualität, die religiös verwandt wird (So auch sodomistische Rituale).
Die Körper und damit auch die Seelen tauschen sich aus nach magisch–totemistischer Vorstellung. Die Ekstase wird von den templerisch–yezzidischen Yallah– Rufen begleitet.
Frater Saturnius berichtet nicht nur von seiner Kenntnisnahme baphometischer Kulte (Sodomie), sondern auch der Teilnahme an Schwarzen Messen in moderner Form. Er
verherrlicht Luzifer als die heilige Schöpferkraft und Satan als den Fürsten des gerechtfertigten Aufstandes.
[Hemberger
fügt handschriftlich oberhalb der von Schreibmaschine getippten Zeilen ein: (Als δαίμονας im Immermann'schen Sinne). Schüler des Fra.'.Saturnius ist der Fra.'.Orpheus.] [Horst Kropp]
Jules Bois' Werk über den Satanismus und die Magie scheint für das Fraternitas Saturni–Ritual der zeremoniellen Magie Pate gestanden zu haben. Dessen Arbeiten sind jedoch nicht nur sexual–magischer Art, sondern wie bei Yoga und Tantrismus wird die Schlangenkraft entdeckt und entwickelt, das Männliche und Weibliche als Pol aufs Höchste gesteigert, um
durch Verweigerung der natürlichen Erfüllung zur höchsten Vergeistigung durch ihre Sublimierung zu gelangen und angeblich transzendente Kräfte (sichtbar) zu
evozieren und sich dienstbar zu machen. (Man siehe hierzu die rituellen Anweisungen der Geheimbriefe der Fraternitas Saturni 1 und 2). Außerdem erstrebt man hiermit philosophische, d.h. erkenntnis–theoretische Ziele. Ferner gibt es eine Praxis des Grauen Ordens, der außerhalb Deutschlands arbeitet, der homosexuelle und lesbische Sexualität für rituell–evokatorische Zwecke zu
verwenden pflegt (Die sogenannte Graue Magie). Auch Rituale der Antike, der griechischen, ägyptischen und phönizischen Bockskulte und in der Templer–Gnosis wiederkehrende Praktiken sodomistischer Art (Franz Spunda — Baphomet — Frater Sponsorius — OTO) finden Beachtung. 'Sodom und Gomorrha', 'Aarons Tanz um das goldene Kalb' und Reste mittelalterlicher Tierverehrung haben bis heute noch teilweise in Geheimkulten sich erhalten können. Auf solche Spuren weisen auch die Forschungsberichte über die kretische Stierverehrung, wie der Kult des Heiligen Cyprian in Ägypten oder die von Ovid in der Ars Amandi erwähnte Liebe Pasiphae zu einem prachtvollen weißen Stier hin, der auf seiner Stirne einen Stern als Symbol trug.
Das Saturnritual des Frater Saturnius folgt dem Heptameron in Form und Inhalt einer 7–Tage–Ritualistik. (Man siehe hierzu Strößner–Bachhausen 'Freimaurerei und
Magie', der einen Abdruck des Heptameron bringt). Der obere Demiurgus Saturn wird angerufent 'Sanctus Saturnus, Sanctus Saturnus, Sanctus Saturnus. Sedes sapientiae, Causa nostrae laetitiae, Vas honorabile, Rosa mystica tu Patris Filius!' [letztes Wort handschriftlich]
Es folgt die Lobpreisung Luzifers (der sogenannten Höheren Oktave des Saturns) und eine Abhandlung über Satana (weiblich und männlich gesehen) als Pforte zum magischen Erkennen ('Pit porta Satana').
Sodann folgen Erlebnisberichte über die von Frater Saturnius vorgenommenen Beschwörungen des Dämonen der Saturnsphäre 'Fürst Iznan'. Die saturnische Gnosis endet mit dem Zitat des Carducci–Hymnus:
'Salute o Satana
o ribellione
o forza vindice
della ragione ...'!
Wiederum wechseln Meditation und Reflexionen über Saturn mit Schilderungen vorgenommener
Evokationen ab. Frater Saturnius zitiert den Meister Therion [= Crowley]: 'Ich habe nie gegen das Licht gesündigt. Ich habe niemals gegen das Luzifer–prinzip verstoßen'.[67] Frater Saturnius Erkenntnisse gipfeln in der Behauptung:
'Das Christentum und die Technik seien Ausdruck höchster Verzweiflung des Menschen. Sie hätten zum Skandalen in philosophischer und existenzieller Sicht geführt. Man müsse deshalb den Menschen den Erlösungsweg der Saturngnosis zeigen.
Dominus illuminatio mea et salus mea quem timebo, Satanos'.
Für den Saturnbruder gilt es, die 'Tat' zu vollziehen, um die Grundkräfte der esoterischen saturnalen Lehre in die Wirklichkeit zu übersetzen. Allerdings muß
ein esoterisch– saturnaler Bekenner nach Frater Saturnius durch die tiefste Hölle hindurchschreiten, wie ein Forscher, der notfalls sein Leben für seine
Erkenntnisse einsetzen muß. Saturnius glaubt, daß dann die fernen Welten wie kometenbeschwingt kämen, um in das Dasein des im Dienst des kosmischen Prinzips stehenden, erwachten Menschen zu treten.
Die Enderkenntnis sei, daß es zwar viele erscheinende Götter gäbe, aber nur einen einzigen vorhandenen wahren Gott. Dies sei die Endstufe des magisch–erwachten
Menschen, Ziel seiner Experimente, Meditationen und Imaginationen, gleichgültig ob es sich um die Beschwörung des sogenannten eigenen Genius gehandelt habe, um durch Gebete invozierte Kräfte oder durch (mit magischen Mitteln) gewaltsam forcierte und zur Personifikation gezwungene Genien der uns angeblich umgebenden größeren Welt.
'Wenn der Finger der Ewigkeit (schreibt Saturnius) uns berührt, vergeht der Glanz der Welt.' Die unerschöpfliche Kraft des Lebens zeige sich im saturnalen Erkennen.
(Siehe Br.'. Saturnius (d.i. Göggelmann, Johannes), Magisches Tagebuch des Frater Saturnius, Fr.'. Sat.'., 2 Bände, Berlin 1958, Manuskript, Friedrichshafen/Bodensee
und Tettnang): 'Servus tuus sum ego! Notum fax: mihi, Domine, finem meum, ut sciam, quid desi mihi!'"[68]
Meine Analyse
Separate Webseite in Vorbereitung
Die Briefe und Zeichnungen Göggelmanns bilden ein auffallend dichtes privates Zeichensystem: Unterstreichungen, Zwischenrufe, Anreden an den Grossmeister, schemenhafte Figuren, geometrische Konstruktionen und pseudo-technische Diagramme stehen ohne saubere Gattungsgrenzen nebeneinander. Eine Interpretation darf daraus Strukturen beschreiben; sie sollte daraus keine Diagnose basteln. Die folgenden Bemerkungen sind deshalb heuristisch und beziehen sich auf die Texte und Bilder, nicht auf einen klinischen Zustand ihres Urhebers.
Mit einiger Sicherheit lässt sich zunächst nur die Arbeitsweise beschreiben. Göggelmann nimmt Terminologie und Ikonographie der Fraternitas Saturni auf, kombiniert sie jedoch mit autobiographischen Erinnerungen, Körperempfindungen, Nahtoderzählungen, Farben, Zahlen, kosmischen "Schwingungen" und eigenen Dämonologien. Das Resultat ist weniger eine systematische Kommentierung der Logenlehre als eine private Montagemaschine, die nahezu jedes Erlebnis saturnisch lesbar macht.
Im Vergleich mit stärker systematisierten Lehrtexten anderer F.S.-Autoren lässt sich daher vorsichtig zwischen kollektiv verfügbarer und privatisierter Gnosis unterscheiden. Grade, Formeln und Ikonen wie Baphomet oder GOTOS gehören zum geteilten Repertoire; Göggelmann verarbeitet dieses Repertoire zu etwas Eigenem. Seine "Schwingungen", Körpererfahrungen und geometrischen Figuren sind nicht einfach die Lehre der Loge in Reinform, sondern deren persönliche Weiterverarbeitung. Gerade diese Differenz ist analytisch ergiebiger als die Frage, ob das Ergebnis "normal" oder "verrückt" sei.
Diese Spannung erklärt zumindest, warum Göggelmann zugleich faszinieren und irritieren konnte. Innerhalb der Loge war sein Material verwertbar, ohne deshalb normbildend zu sein. Für spätere Journalisten und Okkultismuskritiker war gerade die idiosynkratische Überfülle ideal: Sie lieferte Bilder, die sich aus dem Zusammenhang lösen und als Beleg für nahezu jede gewünschte Unheimlichkeit verwenden liessen.
Eine sexualpsychologische Deutung der geometrischen Bildwelten wäre möglich, ist aus dem vorhandenen Material aber nicht zwingend abzuleiten. Gerade weil die F.S. in anderen Zusammenhängen explizit sexualmagische Symbolik produziert, fällt vielmehr auf, wie wenig davon bei Göggelmann selbst erscheint. Für einen Vergleich mit der "Sperma–Gnosis" ist diese Leerstelle interessanter als eine nachträglich hineingedeutete Verdrängung.
In den bislang ausgewerteten Unterlagen Göggelmanns finden sich jedenfalls keine belastbaren Hinweise auf von ihm praktizierte Sexualmagie.
Auch die Zeichnungen entstehen nicht im ikonographischen Vakuum. Eine nachweisbare Bildquelle ist Maleen Pachas Tätowierungsbuch "Herz in der Hose" (München 1960):
Johannes Göggelmann, 1969: "Sekundärstrahlung des Menschen!"
"Es gibt keinen Stoff, keine Materie, keine Substanz im Weltenraum, die nicht strahlen würde. Vor vierzig Jahre, als man mich damals von gewissen gebildeten Kreisen
einen Scharlantan nannte! Gewiß es war zu damaliger Zeit eine sehr gewagte Behauptung, u. doch habe ich durch Versuche einen Beweis erbracht, durch eines
Strahlungsexperiment, mit einem lebenden Objekt u. einer Mittelsperson, wie meine Wenigkeit der Operateur! Durch dieses Experiment wurde mir schlagartig klar, spezieller Beziehung auf unsere Sinne sagen können, dass sie eine
bestimmte Schwingung benötigen, um wahrnehmen zu können. Betrachten wir in das Gehör, nach dem berühmten Physiker: Savard, der auf dem Gebiete der Akustik wertvolle Arbeiten geliefert hat, wissen wir, dass zu dem tiefsten Ton 16
Schwingungen, u. als Grenze für die höchsten Töne 48000 Schwingungen nötig sind. Es wird für den Bruder wie Schwester interessant sein, wenn ich nebenbei
noch anführe, dass tiefste Ton beim Manne 190, der höchste Ton, den er hervorbringen kann, 678 Schwingungen in der Sekunde macht! Die Frau enstimme ist nach unten im Durchschnitt mit 472, nach oben mit 1606 ( Schwingungen pro Sekunde begrenzt!
Wenn Jemand in der Lage ist, noch höhere Schwingungen pro Sekunde wahr zunehmen, was nur sehr wenigen Individien gelingen mag! Wie gesagt wenn noch höhere
Schwingungen pro Sekunde zustande kommen, wofür unsere Wahrnehmungsfähigkeit gar nicht mehr ausreicht, nach welchen Gesetzen bestimmen wir dann eine solche
Erscheinung der physischen Welt? Wir dürfen ohne eine Wimper zu zucken ruhig zugeben, dass wir durch sehr viele Schwingungen in unserem Dasein gehen, die sehr hoch sind, formen sich dann zu Strahlen der(Licht–Kraftstrahlen), diese Strahlen aber, trotzdem sie abertausende von Schwingungen pro Sekunde erregen, zu schwach sind, um von uns bemerkt zu werden. Außer es ist ein Jndividieum das
schon im Mutterschoß mit solchem Vacum des Hören oder Sehens der Allsphären gespikt ist Oder durch strenges hartes Training dazu gelangt dem All wie der — ewigen
Natur das große urgöttliche Geheimniss abtrotz, was nur sehr wenigen Jndividien mit großer Mühe, Geduld, Energie mit Überwillen gelingt, aber in den häufigsten
Fällen zum Wahnsinn führen kann! Aber gerade diese Tonwellen bzw. Strahlungen, die zu schwach sind, um und in Tönen bemerkbar zu werden, wiederum aber zu nieder sind, um als Lichtstrahlen sichtbar zu werden, gerade diese, in der Mitte schwebenden, Strahlungen besitzt der Mensch in seinem Körper seiner feinsten Organen, u. unter der Kontrolle im erwachten Geistmensch seines Willens, befähigt ihn zur Tat der Magie wie jeden okkulten Tuns! Man kennt dieselben unter dem Wort "Magnetismus", dem ich auch zwecks Erzielung besonderer wie abnormaler Wirkungen den Namen: "Aschwalon... beigelegt habe. Was ich bei Experimenten mit aschwahlonischer Kraftströmungen
heraugefunden habe, werde ich demnächst mitteilen! Trotzdem noch heutzutage unsere exakten Gelehrten noch nicht einig darüber sind so werden sie aber noch
nie behaupten können, dass der Mensch nur eine Maschine oder ein Körper wenn er stirbt dann verwest u. aus ist. Der nur durch den sogenannten Instinkt geleitet
werde, die Zusammensetzung des menschlichen Körpers kennen wir zur Genüge, u. dass derselbe Strahlungen aussendet, wissen wir auch, glaube dass es Andere auch wissen. Notabene dass der Mensch aber ausserdem noch etwas gewisses " Etwas" besitzt, kann nicht mehr geleugnet werden, ob nun dieses " Etwas" ––– Seele, Ego, Spirit, Pneuma usw. genannt wird, bleibt sich gleich, dass aber diesem " Etwas" auch Schwingungen inneliegen, u.
dass mit Verbingung der materiell körperlichen Schwingungen eine Strahlung ausgelöst werden kann, die absolut gar nichts mit Phantasmagorien oder
Halluzinationen, Visionen oder suggestiven Beeinflussungen zu tun hat, liegt nach den bereits meinerseits sehr vielen exakten klaren Versuchen auf der Hand!
Meine erste Experimenten!
Mein damaliger Freund Alois Haller, wie ein Freund von Haller mit Namen Cherwatzki u. dessen Freunding Luzia Alesandra waren meine Partner bei diesen Versuchen!
Keiner von diesen drei Personen waren in irgend einer Weise sensitiv veranlagt, ich mußte mir die größte Mühe geben, sie alle in einen magnetischen Schlaf zu
bringen, was mir aber nie ganz gelungen ist. Nun nach verschiedenen Berechnungen auf Grund meiner immer wiederholten Versuchen, Erdstrahlen endlich zu neutralisieren, probierte ich dann folgendes: Mein Freund Haller stand an der gegenüberliegenden Wand des Versuchsraumes (X, siehe Skize ). Ungefähr ein 1/4 der Gesamtlänge des Raumes zwischen Objekt (X) u. Operateur (Q) also mir, stand diese Dame Alesandra, die eine Hand in die Strahlungslinie hielt. Ich stand selbst an der Rückwand (O) u. hinter mir legte ich eine Porzellanplatte
(O) mit einem Durchmesser von 19 cm bei 6mm Stärke. Das Objekt hielt die Hände ausgespreizt vor sich hin u. ich begann mit einer + u.= Strahlung verstehe, werde ich am Schlusse dieses Aufsatzes erklären. Die Mittelperson (+) hält nun eine Hand, die Handfläche nach der Strahlrichtung u. kontroliert die Strömung. Sobald nun das Objekt (X) den Zug in seinen Fingerspitzen spürt, trete ich inter die Platte, u. zwar so, das beide Daumen meiner Hände auf die Peripherie derselben zeigen. Fühle ich nun eine Kühlung an den Handflächen, so ziehe ich dieselben von der Platte seitwärtz nach links u. rechts zurück, nach wenigen
Sekunden fängt der Rand der der Porzelanplatte an: Blau–grün zu leuchten, es kommt sogar öfters vor, dass sogar, ein weitere leuchtender Ring entsteht, wie wir es von dem Saturn wissen! Es kann auch ein großer Zusamenhang beim
Experiment der Fall sein, da ich ein Saturn– geborener bin, denn meine Aura steht stets in dieser Strahlungsatmosphäre.
Die Wirkung ist folgende: Zuerst folgt ein gewaltiger kalter Zug, den das Objekt (X) einfach folgen muß, ob es will oder nicht. Der Drang wie der unheimliche
Schauer zu kommen verstärkt sich in dem Verhältnis, als das Objekt sich dessen willentlich u. körperlich sträubt.
Erste Strahlung 222 Erregung.+ , ! Es wäre nicht nur interesant, wenn die Logenangehörige dieses Experiment in einen Versuch nehmen würden' , ich sebst
wenn es mir die Zeit erlaubt, bin in der Bemühung dieses aschwohlanische Gebiet noch besser auszubauen u. meine so gewonnen Erfolge den Logenangehörigen zur Verfügung zu stellen!
II. Fortsetzung!
"Sekundärstrahlung des Menschen"!
Dieser Versuch soll vorerst nur eine Übung sein für solche Brüder u. Schwestern, die sich dann ein weiteres Arbeitsfeld im Bereich der okkulten Wissenschaften
erreichen wollen. Eigentlich sollte jeder Mensch sich mit den spirituellen pneumatischen Urquellen der Gottheit im vollsten höheren Bewußtsein abgeben. Denn erst der erwachte Geistmensch ist der wahrste Mensch, der Mensch muß über alles Orientiert sein, um sich u. sein Karma zu Erkennen um seiner Talenten u. Fähigkeiten bewußt einzu setzen zu können, das möge der Wahlspruch für viele
sein! Aber habt nur Acht in eurer Achtung vor Euch selbst u. Eurem Können, so habt Ihr das beste Mittel, das zu erreichen, was Ihr begehrt. Sage Euch nichts ist soviel wert, als wie Ausdauer mit steeter Beharrlichkeit im Willen des Wollen. Habt aber in sehr großer Acht daß ihr, Euch nicht selbst an die Protosphäre der Auflösung begibt, der Scheidwand von den Dingen an sich, hinter den Dingen steht stetz das große Nichts. Gewiß wäre ein Genie dazu die böste Lösung, aber das Genie zögert, schwankt u. wird auf halben Wege müde, die Beharrlichkeit, Energie mit festen Willen im Wollen reißt alle Schranken des Unmöglichen hinweg!
"So hab ich heute Dir gegeben,
die Richtschnur, die Dich zu
mir weist, Und die in Deinen
Erdenleben so Du mir, u. Dir wünschest,
nie zerreißt"!
Schematische Darstellung eines elektronischen magnetischen kosmischen pneumatischen: Ein u.
= Ausstrahlungsfeldes!
Schwingungen!
Um in das Reich der Schwingungen einzudringen, müssen wir verstehen lernen, das Schwingungen dadurch hervorgerufen werden durch Begewung u. das Energie aller
Ursache jeder Bewegung ist. Ein ruhender Gegenstand wird durch Energie in Bewegung gesetzt, nenne sie: Stoss, Wurf, Dampf, Hebel, Sturm usw., u. kommt erst wider in den Zustand der Ruhe, wenn die Energie ausgewirkt, ausgeschwungen hat. Die Quelle aller in uns ruhenden Energien ist unser spiritueller pneumatischer transzendaler kosmischer Jmpulz, der die Materie zur Tat
befiehlt, gleich dem Zustande der Bewegung. Trennt sich aber der unstoffliche transzendaler kosmischer Jmpulz, das Ego u. Materie, was geschieht, wenn die Bedingungen des Zusammenseins aufgehört haben zu sein, dann tritt der
unstofflich Jmpulz, das Ego ein in den Zustand der Ruhe u. die Materie löst sich auf! So folgerte ich vor bald über vierzig Jahren, dem Gebiet des Wahnsinn, dass auch diese Krankheit heilbar ist, das mich durch ganz gewisse
Experimente lehrte, dass das, was ich an den damals betreffenden Menschen u. mir selbst fluten sah u. nicht vermag zu benennen wusste, ganz gewisse verkehrte negative Schwingungen seien. Habe damals so eine ähnliche Skize
angelegt, dass die Schwingungen vom Knie ausgingen u. zwar durch die Bewegungen setzen des Beins durch einen leichten Stoss oder Druck von einer bestimmten Kniemuskel. Es zeigten sich mir drei Schwingungen:
1. wellenartige, rhythmische, als die der des gesunden normalen Sinnes , 2. unrjytmische, scharfer, wilder Zickzack, als die eines kranken unnormalen Sinnes, 3. eine bestehend aus gradlinigen Schwingung unterbrochen von rhytmischen der Wellenlinien, die ich leider nicht benennen konnte, u. bis heute mir ich noch den Kopf darüber zerbreche aber ohne auf das Geheimnis zu kommen. Aber gewiss ist das zwischen den Extremen Punkt– 1 u. 2 noch sehr viele Variationen von Schwingungen ja von ganz bestimmten Positiven wie Negative Valenzen gibt, muss
sich wohl jeder Geistwisschenschaftler im Klaren darüber sein, ohne dass er Okkultist zu sein braucht! Um aber tiefer in das Gebiet der verschiedensten Schwingungen einzudringen ging ich biss zur Grenze des Unmöglichen heran, also zwischen Sein und Nichtsein, erreichte ich durch bewusstes tiefes aber sehr schmerzlichen in der Atemtechnik mit einer äussersten gefährlichen Selbstsuggestion aber im Hellwachsein aller meiner fünf Sinnen, es heist meiner acht herangezüchteten
Sinnen, ging ich aus mir heraus, es war u. ist heute noch so wie wenn man Stirbt, eine sehr schmerzhafte Tätigkeit die gleich einem Schüttelfrost mit Fieber bis zum Erbrechen folgt, der ganze Leib erstarrt zur eisigen Kälte aber jeder Nerv wird dadurch belebt, es ist der mystische Tod. Und man kreist um einen Kern gleich dem Atom nur muß man sich hüten daß man nicht vom Sog hinweg gezogen wird, es ist als schrumpfe da alles zusammen u. man befindet sich unter einer azurbläulichen hellen großen Kugel. Begreife hiermit sehr gut dass viele wahre ernste Streber sich vor diesem oft abscheulichen Experiment scheuer u.
mit Recht, denn den diese ekelhafte schleimige übelrichende undefinierbare Masse, von halb Tier u. Mensch wie Schlange kann da einem schon die Lust wie Freude nehmen um weiter zu experimentiere Notabene wär aber dieses besteht der hat bestanden, denn der kann sich in alle Naturreiche wie Wesen u. Tieren , Menschen, Sternen bis ins Gestein hinein versetzen, ein solcher Mensch ist ein Magus
II!
Schwingungen!
Also kam ich damals dazu, es heist es ist bis heute noch so bei mir der Fall gegeben, nur leider habe ich schon zwei ganz gefährliche schnell aufeinander folgende
Herzinfakte in innerhalb drei Jahren überstanden dadurch, will ich nur damit aufzeigen wie gefährlich so ein Experiment sein kann, überhaupt wenn man über sechzig Jahren ist! Also kann man die Schwingungen anderer Personen wie der unstofflichen Aggregaten im ganzen Volumen der Exalität auf den Nenner hin feststellen u. einwirken je nach dem Umstand nach auch neutralisieren Schwerer aber als dieses war es damals, das geliehen Gut, als unstoffliche, (Geister) die ich rief wieder zu verbannen, ich stand damals vor einer sehr schweren
tötlich verlaufenden Operation, verursa durch mein damaliges Motorrad, wo ich in einer steilen Paßstraße verunglückt war, aber im Zustande außerhalb meiner
Fleischeshülle stand, das mir damals meine Nervengeister u. mein Blutplasma im portionalen Zustand mich am Leben erheilt! War über achtundvierzig Stunden in einem totähnlichen Zustand befangen, es wurde damals ein Totenschein ausgestellt, ich habe damals schmerzlich darunter gelieten, ich könnte da in einem abnormalen Tranzezustand Lebendig begraben werden, denn ich sah u. hör alles, aber ich ging durch alle einfach hindurch, ja ich lag damals schon im Sarge, es war damals für mic jungen gescheiten u. voller Taten bewußten Mann eine schwere Prüfung, denn ich wollte noch nicht mit vierundzwanzig Jahren in die kalte dunkle Grube hinfahren Alles andere bin ich nicht in der Lage zu geben obwohl ich ein sehr kalter Mensch bin u. sehr hart mit mir heute noch
umspringe, keine sentimentalitäten nach mich befasse sondern den gebenen nackten Tatsachen ins Auge sehe, aber dieses grauenvolle Erlebnis habe ich bis heute noch nicht überwinden können, trotzdem ich auch im Kriege war u. so
manches erlebt hatte, ist u. bleibt ein dunkler Fleck in meinem Urgrund Mensch zurück!
Bringe noch eine ganz kurze Form meiner Resultate Sinnesschwinungen ein in fünfGruppen
1. Schw.R.l, d.h. der rhythmische, gleich Sonnen u. Wärmewellen. 2. Schw.R.2,
d.h. der ruhende, gradlinige. 3. Schw.T. d.h. der Tastschwingungen. 4. Schw.D.
d.h. der Differenzschwingung, unrhythmische.
5. Schw.Q. d.h. der Ein=u. Ausschwingungen im gegebenen Polarverhältnis zur
Quantität u. Volumen der inderfirtierten Masse zum Verhältnis der
Quantentheorie!"
Boulevard 1972
Die Skandalisierungskaskade:
Am Weg der Katzen-Erzählung lässt sich exemplarisch verfolgen, wie okkulte Texte im 20. Jahrhundert "wandern": Ein schwer lesbares Privatmanuskript, adressiert an den Grossmeister, wird zunächst als eigenartiges, aber "wertvolles" Material archiviert; ein späterer
Logenarchivar (Wedler) erhält ausdrücklich den Auftrag, das "Nebensächliche vom Wertvollen" zu trennen und das Ganze in einer Sonderakte aufzubewahren.
Ein anderes Logenmitglied (Spiesberger) übernimmt aus demselben Fundus einige Motive und führt sie – bereinigt, verkürzt, ohne Katze – in eine populäresoterische Buchproduktion ein. Adolf Hemberger wiederum greift,
zeitlich versetzt, auf Kopien des sogenannten "Magischen Tagebuchs" zurück, versieht sie mit handschriftlichen Kommentaren, Rechtschreibkorrekturen und eigenen Deutungen und verwandelt sie in Beweisstellen für einen angeblich besonders "schwarzmagischen" Teil der Fraternitas Saturni.
Schliesslich werden in der Boulevardpresse einzelne Sätze und Szenen aus Hembergers Texten nochmals selektiert, zugespitzt, mit zusätzlichen Motiven (Nazischatz, Menschenopfer, Satanismus) angereichert und in Serien wie "Die Satansmörder" rekombiniert. Jede dieser Stationen verschiebt den Status der ursprünglichen Selbstbeschreibung: vom exzentrischen Logenbrief über die Fussnote im okkulten Handbuch bis zum moralischen Schauerstück für das Massenpublikum.
Als Horst Knaut auf Guido Wolthers sexualmagische Rituale und Zeichnungen stößt, publiziert er ab 1972 in den gerade auf der modischen 'Sex and Crime'-Welle reitenden konservativen Wochenillustrierten "QUICK" und "NEUE
REVUE" des Bauer-Verlags über die "Religion der wilden Lüste" des Schweizer Ordo Templi Orientis, wo er ebenfalls ein von Hemberger in Umlauf gebrachtes 18°–Ritual
von Wolther und sexualmagische Elemente aus Eugen Grosches Kurzgeschichtenroman
"Exorial" von 1960 zitiert.
Friedrich-Wilhelm Haack, seit 1969 hauptamtlicher Beauftragter der Evangelischen Landeskirche für Sekten- und Weltanschauungsfragen, übernimmt ähnliche Deutungsmuster. Knaut, Haack und die nachfolgenden Medienberichte bilden damit keine identischen Akteure, wohl aber eine Zirkulationskette, in der dieselben Motive immer wieder auftauchen.[69][70]
1973 macht die QUICK daraus eine Artikelserie. Unter dem Titel "Die Satansmörder" wird die F.S. mit dem damals bewährten Arsenal aus Blut, Geheimlogen und Bedrohung aufgeladen; Göggelmann dient als besonders fotogener Textlieferant. Hier ist die Metamorphose der Szene nahezu vollständig. Knaut hatte 1970 immerhin noch geschrieben, Saturnius „schächtet […] eine schwarze Katze“. Die QUICK ersetzt die knappe Angabe nun durch eine dramatischere Erzählung: Die Katze werde „zu Tode“ gequält und Göggelmann habe ihr „das Fell über die Ohren“ gezogen. Diese Behauptung findet sich weder in Göggelmanns hier wiedergegebenem Original noch in Hembergers Transkript von 1967. Aus einer nicht weiter beschriebenen Schächtung ist im Boulevard eine ausgemalte Folterszene geworden. Die Bewegung endet allerdings nicht an der Kioskwand. In Richard Tschudis späterer Erinnerung taucht bereits die nochmals verschobene Version auf, Göggelmann habe die Katze „lebendigen Leibes“ verbrannt. Ein direkter Weg von der QUICK zu Tschudi ist nicht nachweisbar; nachweisbar ist aber die Rückkehr einer sekundären, verschärften Erzählung in die Erinnerung eines Logenmitglieds. Der Boulevard beschreibt die Aussenseiterloge also nicht nur von aussen. Seine Bilder können in den Binnenraum zurücksickern und dort mitbestimmen, wer als Aussenseiter unter Aussenseitern erinnert wird.
"Bei einem nächtlichen Satansritual quälte der Kultwahnsinnige Johannes G. eine Katze zu Tode. Er zog dem Tier das Fell über die Ohren und verbrannte das Katzenfleisch in einem offenen Kultfeuer. Er wollte ein magisches Ritual zelebrieren und mit 'höheren Mächten' in Kontakt kommen. Noch etwas ganz Unheimliches geschah bei diesem Gruseldienst: In dem Feuer verbrannte der Mann nicht nur das Katzenfleisch, sondern auch einen Menschenschädel,
der aus einem Skelett stammte. Das geschah am Bodensee." etc. etc.
Der anonyme Autor – wahrscheinlich Horst Knaut – nennt nun auch Adolf Hemberger als Verfasser des Klingsor-Buches und benutzt dessen 1971 erschienene F.S.-Sammlung als Quelle für die Katzengeschichte. Damit gerät Hembergers eigener wissenschaftlicher Habitus in die Presse. Am 19.7.1973 veröffentlicht die QUICK einen Leserbrief von Hilke Stamatiadis–Smidt, Pressereferentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie widerspricht Hembergers Darstellung, sein im Eigenverlag erschienenes F.S.-Werk sei mit DFG-Mitteln finanziert worden: Bewilligt worden sei 1968 lediglich ein dreimonatiges Forschungsstipendium über 4490 Mark; die Buchpublikation selbst habe keine Förderung erhalten. Ein kleiner Unterschied für die Buchhaltung, ein grosser für das Etikett "wissenschaftlich".
Wie Hemberger die zunehmende Kritik persönlich verarbeitet, lässt sich aus den hier herangezogenen Quellen nicht zuverlässig beurteilen. Spätere Darstellungen kolportieren Alkohol und Einsamkeit; was davon Beobachtung, Deutung oder nachträgliche Dramatisierung ist, bleibt offen. Hemberger stirbt 1991. Aus solchen Versatzstücken nachträglich eine Charakterdiagnose zu destillieren wäre genau jene Methode, die dieser Artikel andernorts kritisiert.
Am 22.3.1974 besuchen Knaut und Haack gemeinsam Walter Jantschik in dessen Wohnung in Lehrberg. Jantschik ist für beide interessant: Er war 1969 für ein halbes Jahr Grossmeister der Fraternitas Saturni, und 1970 hatte das F.S.-Mitglied Paul-Günther Diefenthal im "Auftrag Baphomets" Jantschiks Schwager Josef Göttler erschossen.[71] Haack erhält bei diesem Besuch drei Briefe Göggelmanns und versucht später, zwei davon sowie den Text "Sekundärstrahlung des Menschen" zu transkribieren. Seine Wiedergaben sind nicht immer zuverlässig; deshalb werden die Texte hier, soweit möglich, an den erhaltenen Vorlagen kontrolliert. Haack spricht von "vorrationaler Orientierung" … "In den 'Saturnius-Briefen' ist von Wissenschaft und Menschenverstand, die durch sinnliche Wahrnehmung kontrolliert werden, nichts mehr zu finden." Der Sekundärstrahlungs-Text steht weiter oben, ebenso die beiden einschlägigen Briefe.[72]
Unter dem Namen Aythos publiziert Jantschik später selbst Interna der F.S. in
Haacks Verlag Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen (A.R.W.).[73]
Ob Göggelmann die QUICK-Darstellungen überhaupt wahrnahm, ist nicht bekannt. Der ebenfalls attackierte Schweizer O.T.O. klagt gegen Horst Knaut und gegen Folgeartikel in der NEUE REVUE, bleibt juristisch jedoch in wesentlichen Punkten erfolglos und meidet danach für lange Zeit die Öffentlichkeit.[74]
Die parallelen Skandalisierungen um Guido Wolther und der Mord im Umfeld Walter Jantschiks werden hier nur soweit berücksichtigt, wie sie die Rezeption Göggelmanns berühren. Sonst würde aus einem Personenartikel endgültig das gesamte westdeutsche Okkultmilieu der 1970er Jahre hervorquellen.
Göggelmann stirbt ungefähr Mitte der 1970er Jahre
Das Todesdatum und die Todesumstände Göggelmanns bleiben in den bislang ausgewerteten Quellen ungeklärt.
Maikowski erinnert sich später folgendermassen:
"… Schätze im Bodensee; die die Nazis dort versenkt haben sollen ... Allerdings kannte ich den ehemaligen katholischen Mönch Saturnius nicht als solchen, aber anschliessend als Logenbruder (Immerhin hat er Gregorius und später auch mich immer als 'Meine Imminenz' angeredet) den Herrn Briefträger und Staatsbeamten Johannes
Göggelmann, einen stattlichen gross gewachsenen Herrn 'Magier', den Meister der FS Saturnius, den Kropp/Orpheus und nach ihm als sein Schüler auch der Amtsanwalt Hartmut Benz 'Grossmeister Hamupe' kannten und unbegreiflicher Weise verehrten, da ich nie grosse magische oder religiöse Kenntnisse ganz im Gegenteil bei ihm festgestellt habe, ein Hochstapler, an den die Leute geglaubt haben.. Saturnius Tod im Bodensee soll mit seiner Beschwörung der Nymphen wegen der SS–Schätze, die die Nymphen ihm heraufholen sollten, in der Gegenwart und der Hilfe von Herrn Kropp/Orpheus, zusammenhängen, wobei Saturnius ertrunken sein soll. Man hätte den Leichnam aus dem Wasser gefischt ohne alle Schätze. (Weitere magische Details erspare ich mir, die für Sie sicher nicht ursächlich
für das Geschehen sind.) Zu den magischen Details: Die recht fehlerhafte Magiekenntnis hat natürlich bei Saturnius Vorbereitungen zur Beschwörung der Nymphen zur Beschaffung des Nazi–Goldes ganz versagt; denn das lernt schon jeder Schüler der Magie, dass man Nymphen niemals mit Blut beschwören darf; denn damit unterschreibt man sein eigenes
Todesurteil. Und so fand sich der „Magier“ ersäuft blutend im Bodensee wieder und zwar schon ertrunken und ohne Schätze in Gegenwart von Orpheus/Kropp, der als einzige das genaue Todesdatum kennt oder gekannt hat. Er soll ja schon tot sein. Saturnius Todesdatum kenne ich nicht. Mir wurde dieser Tod nur so nebenbei mitgeteilt, nicht 'speziell' als hätte man diesen gewaltsamen Tod
schon erwartet. Es könnte Wilhelm [Wilhelm Uhlhart, geboren 1915, Mitglied seit 1953, nach dem
Amtsabtritt 1982 Heinz Conrads als Grossmeister der F.S. Berlin deren kommissarischer GM bis zur Neuwahl eines regulären GM 1983. Davon gleich ein wenig mehr] gewesen sein, der mir das als ganz belangslos mitgeteilt hat. Zu den magischen Details: Wer Nymphen gewinnen will, muss ihnen natürlich Süssigkeiten, vor allem Zucker, zukommen lassen"[75] "Beim Tod des Saturnius war ich nicht dabei: es ist mir später nur erzählt worden, dass Saturnius das Blut von von ihm frisch geschlachteten Tieren in das Wasser des
Bodensees geschüttet hätte, in dem die Nymphen lebten, aus dem Herrn Saturnius die Nymphen die Kisten mit den Nazi–Schätzen an das Ufer des Bodensees holen sollten. Den Rest kennen Sie, dass keine Schätze sondern nur der blutige
Leichnam des Herrn Saturnius im Uferwasser gefunden wurde. Das Todesdatum von Saturnius kenne ich nicht. Meines Wissens und dem Wissen meiner Frau nach müsste das vor dem Jahr 1980 gewesen sein."[76] "Das Todesjahr von Herrn G.mann, in dem er in Gegenwart von Herrn Kropp, dem Berichterstatter, ertrunken wurde, könnte 1977 sein. Meine Frau hat den Herrn
G. nicht kennen gelernt."[77]
Auf dem Foto der Osterloge 1978 ist Göggelmann nicht mehr zu sehen; daraus allein lässt sich selbstverständlich weder sein genaues Todesjahr noch dessen Ursache bestimmen.[78]
Auf den erhaltenen Fotos von 1962 wirkt der damals 57-Jährige deutlich älter. Fotografischer Eindruck ist allerdings kein Totenschein.
Walter Englert, Johannes Maikowski, Johannes Göggelmann, Margarete Berndt und Karl Wedler mit Irmtraud Maikowski 'im Arm'. Vor dem Hintergrund von Maikowskis späterer Abneigung gegen Wedler ist diese Vertrautheit nicht ohne Interesse. Osterloge 1962. [KI-gestützt restauriert und koloriert.]
Damit endet die halbwegs quellennahe Spur von Göggelmann selbst. Was folgt, ist vor allem Nachleben: Erinnerung, Presse, Logenpolitik und jene eigentümliche zweite Karriere, die manche Okkultisten erst nach ihrem Verschwinden antreten.
Echo 1979
Hemberger bleibt auch nach seiner akademischen Karriere eng mit dem Okkultismus-Thema verbunden. 1979 nimmt Horst Knaut ihn in Das Testament des Bösen erneut auf. Das Buch arbeitet mit dem inzwischen vertrauten Inventar – "666", Ritualmord, Charles Manson, Aleister Crowley, O.T.O., Schwarze Messe, Sexualmagie. Es ist weniger ein neues Quellenkorpus als die nächste Umlaufbahn derselben Motive.
Auch Göggelmann findet postum Eingang in das Buch, und zwar unter dem Titel
"Woher stammt der Totenschädel?":
"Die magischen Lehren und Praktiken der Geheimgesellschaft Fraternitas Saturni gehören in Bereiche, die stark an die vulgär–okkultistischen Rezepturen und an den Abwehrzauber aus dem »6. und 7. Buch Mosis« erinnern. Ein magisches Experiment, das der in der Fraternitas Saturni angesehene Frater Saturnius
(Postbeamter G. aus F. am Bodensee) erlebt haben will, sah so aus:
Frater Saturnius ging bei Vollmond in eine nahe Burgruine, um dort Dämonen zu beschwören, die ihn mit seinen Urahnen in einen geistigen Kontakt bringen
sollten. Er hatte sich seinen schwarzen Ordensmantel angelegt, Weihrauch, einen menschlichen Totenschädel sowie eine schwarze Katze mitgenommen. Nach Anrufung seiner magischen Schutzheiligen zog er in der Mitte der Burgruine mit einem Stock einen magischen Kreis, um seinen Standort vor bösen Einflüssen abzusichern. Er entzündete ein Buchenholzfeuer. In die heiße Glut legte er den
menschlichen Schädel, schächtete die schwarze Katze und warf das tote Tier mit in die Glut. Die aufsteigenden Dämpfe inhalierte er. Sie inspirierten ihn, mit
Dämonen in Kontakt zu treten, die ihm genaue Kenntnisse über seine Urahnen vermitteln sollten. Seine »Inspiration« unterstützte er mit Schnaps. Schließlich
seien ihm Gesalten [sic] erschienen, die für ihn unverkennbar seine Ahnen gewesen sein müssen. Auch ein Rabbi war unter den Angerufenen, und so ist Frater Saturnius sicher, daß seine Ahnenkette bis ins biblische Jerusalem zurückreicht ...
Mag der
Postbeamte aus Süddeutschland auch noch so viele Erkenntnisse über seine Ahnenkette gefunden haben, die entscheidende Frage ist doch wohl: Wo hatte er den menschlichen Totenschädel her? Dabei denkt man unwillkürlich an die Crowley–Gläubigen von Kalifornien, die sich ihre Ritualrequisiten stets auf sehr direktem Wege beschafften."[79]
Verschiedene Grossmeister
Nach dem Tod oder Rücktritt eines charismatischen Leiters beginnt in kleinen Orden regelmässig die Nachfolgefrage: Wer besitzt Amt, Archiv, Ritualhoheit und den Anspruch auf Kontinuität? Bei der F.S. wird diese Frage nach Grosches Tod nicht einmal, sondern wiederholt gestellt. Juristischer Verein, esoterische Sukzession und persönliche Loyalität fallen dabei keineswegs automatisch zusammen. Das Ergebnis sind konkurrierende Linien, Zusammenschlüsse und erneute Trennungen – die übliche Metaphysik des Vereinsrechts.
Inzwischen ist 1977 Stanislaw Wicha in Abwesenheit "wegen Vernachlässigung seines Amtes einstimmig von seinem Posten" als Grossmeister der
Fraternitas Saturni abgewählt worden. Der neue Grossmeister wird ein Jahr lang Joachim Müller (Horus). Der Enthusiasmus der Logenmitglieder hält sich jedoch ebenfalls in Grenzen. So folgt ihm 1978 Dipl. oec. Heinz Conrad (Drakon) als Grossmeister, der sich genauso wenig beliebt macht. Er tritt 1982
aufgrund seiner zunehmenden Sehbehinderung zurück, was an der Osterloge 1983 eine Neuwahl erfordert. Interims-Grossmeister ist der 18° Wilhelm Uhlhart (Wilhelm).
Horst Kropp, innerhalb der Logenpolitik bislang eher randständig, taucht nun in einem anderen Milieuknoten auf: bei der selbsternannten Satanspriesterin Ulla von Bernus, dem Club Belphegor und dem Ordo Orienti Satani.
Ulla von Bernus (1913–1998).
Als selbsternannte „Satanspriesterin“ mit anthroposophischem Hintergrund, medialem Spektakel und juristischen Kontroversen avancierte Bernus zur umstrittenen Figur der westdeutschen Okkultszene. Außerdem mit von der Partie: Jürgen Gisselmann, Dieter Heikaus, Horst Kropp, Walter Krappatsch, Hermann Joseph Metzger – sowie ein irritierter prä-Alien Hansruedi Giger.
Bei der umstrittenen Grossmeisterwahl zu Ostern 1983 erhält Kropp schliesslich eine deutlich sichtbare Rolle: Er stimmt als Einziger gegen Maikowski.
Dazu Maikowski: "O[rpheus = Kropp] ist eng mit Hamupe = H[artmut] Benz befreundet, den er ja bei der Wahl wie alle anderen Meister zum Grossmeister
wählen sollte. Nun tauchte ich, Immanuel, unerwartet damals in Günzburg auf und wurde von Wilhelm als Grossmeister vorgeschlagen. Und daraufhin hat die
Mehrheit mich zum GM gewählt. So habe ich mir den Hass von Orpheus zu gezogen."[80] Es folgen langwierige Auseinandersetzungen; am Ende setzt sich Maikowski nicht durch. Grossmeister wird Hartmut Benz.
Zu diesem Zeitpunkt ist die Berliner F.S. ohnehin bereits gespalten. Die ehemalige Ortsloge Bersenbrück hat sich unter Dieter Heikaus (Set–Horus, 1942–2007) als Ordo Saturni abgespalten. Alle Meister und Hochgrade, die Grosche noch persönlich gekannt haben, laufen spätestens 1987 zu dieser neuen Grossloge über. Einzig Kropp bleibt bei der Berliner F.S. und ist dort das einzige Mitglied, das Grosche noch persönlich gekannt hat.
Seine Utensilien gehen nach seinem Tod an die Berliner F.S. über – so auch das Originalgemälde, das Grosche als Vorlage für den Umschlag seines Buches "Exorial"
gedient hat.[81]
1987 erscheint Werner Schmitz' Kriminalroman Auf Teufel Komm Raus, der Motive und Personen aus dem F.S.-Umfeld erneut fiktional und boulevardesk verarbeitet. Es folgen Berichte in Marabo, QUICK, BILD, Heim und Welt, dem Kirchenboten und der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Grenze zwischen Romanstoff, Milieubericht und Tatsachenbehauptung wird damit erneut porös; juristische Auseinandersetzungen folgen.
[Mehr zu den Details, bei denen auch die Namen Friedrich-Wilhelm Haack, Karl Wedler, Jürgen Gisselmann, Guido Wolther, Ulla von Bernus u.a. genannt werden, in P.R. Koenig: "Der O.T.O. Phänomen RELOAD" von 2011, Faksimiles der Dokumente zum Skandal in P.R. Koenig: "In Nomine Demiurgi Nosferati. 1970 - 1998" von 1999.]
Maikowski zieht sich bis zum Jahr 1993 zurück und gründet dann die Communitas Saturni (bald in Communitas Soli umbenannt). 1997 ruft er die Großloge Gregor A. Gregorius Der FS in Kaiserslautern (GAG) ins Leben, die sich (ohne seine Zustimmung) 2003 mit der F.S. zusammenschliesst.
Die alte und ausgelaugte F.S. Berlin unter Benz füllt sich langsam mit neuen und jungen Mitgliedern.
[Die Details dieser Ereignisse sind in meinen Büchern nachzulesen. Eine bildliche und textliche Ergänzung zu diesen Stationen – mit Dias von Logentreffen, Osterlogen und GAG-Zusammenkünften – findet sich auf der Seite "Erweiterungen zur Geschichte der Fraternitas Saturni".]
Wilhelm Uhlhart und Johannes Maikowski, circa 1993.
Online mit, von und über Johannes Maikowski:
Instruktion für Autogenes Training — Ein Yoga-System für den Westen — Indigo (25:11, 6,76 MB).
Erweiterungen zur Geschichte der Fraternitas Saturni. Fotos und Texte von und zu: Eugen Grosche, Der Berg Ipf, Der Putsch 1962, Wolf Rösler, E.P.H. Barth (?)/Amenophis, Karl Wedler, Margarete Berndt, Karl Spiesberger, Walter Englert, Guido Wolther, Walter Jantschik, Horst Kropp, Johannes Maikowski, Dieter Heikaus.
Die heutigen Saturn-Logen sind nicht einfach Grosches F.S. mit Internetanschluss. Seit den 1970er Jahren verändert sich das gesamte esoterische Feld: neue religiöse Bewegungen, alternativspirituelle Milieus, ein rasch wachsender Buchmarkt und später das Internet vervielfachen die Angebote. Die Fraternitas Saturni verliert damit ihre frühere Sonderstellung und wird zu einer kleinen Stimme unter vielen.[82]
Auch die Erwartungen der Kandidaten verändern sich. Bei Treffen des Ordo Saturni begegneten mir Neuankömmlinge, denen das Ganze "zu wenig satanistisch" war; ein anderer beklagte, man könne "hier gar keine Geschäftsbeziehungen knüpfen". Solche Sätze sind Anekdoten, keine Mitgliederstatistik. Sie zeigen aber, welche Phantasien an ein historisches Etikett wie Saturn-Loge herangetragen werden: der eine erwartet den Abgrund, der andere Networking. Saturn hat viele Ringe.
Bei Geschlechterrollen ist die Quellenlage weniger spektakulär. Historische F.S.-Texte arbeiten überwiegend mit binären Kategorien von männlich und weiblich; neuere Debatten über Gender und nicht-binäre Identitäten hinterlassen in den von mir ausgewerteten Logenmaterialien nur geringe Spuren. Die berühmten Unisex-Kutten lösen das Problem nicht – sie verdecken zunächst einmal nur die Kleidung darunter.[83] 2005 berichtet ein 36-jähriges Mitglied von seinem Übergang von Mann zu Frau und davon, sich in der Loge geoutet zu haben, obwohl sie "um die homophobe Einstellung einiger meiner Brüder" wisse. Das ist ein konkreter Befund; daraus eine Gesamtsoziologie sämtlicher Saturn-Logen zu bauen, wäre wieder eine Nummer zu gross. Zum sexualmagischen Kontext siehe meinen Essay über die Sperma–Gnosis.
Auch die geringe heutige Mitgliederzahl lässt sich nicht seriös auf eine einzige Ursache zurückführen. Demographie, Konkurrenz anderer Szenen, organisatorische Spaltungen, veränderte Mediennutzung und die antiquiert wirkende Sprache vieler älterer Texte dürften zusammenwirken. Als organisatorische Zäsur ist 1983 dennoch brauchbar: Um Maikowskis umstrittene Wahl beziehungsweise Nichtwahl gruppieren sich Konflikte, aus denen neue Linien und neue Selbstbeschreibungen hervorgehen. Ein magisches Jahr Null ist es nicht.
In dieser Wirkungsgeschichte bleibt Saturnius verfügbar. Die Katzen-Episode und andere Extremstellen seiner Texte bilden ein Reservoir von Geschichten, auf das spätere Mitglieder, Gegner und Journalisten zurückgreifen können. Daraus folgt keine direkte Traditionslinie – niemand muss Göggelmann gelesen haben, um eine schaurige Geschichte zu erzählen. Aber dieselbe Dramaturgie kehrt wieder: geheimes Wissen, Grenzüberschreitung, Gefahr, moralischer Schock.
Eine andere Form der Traditionskritik liefert Johannes Maikowski selbst. Als ich ihm 2009 ein 33°-Ritualmanuskript der F.S. Berlin von 2008 vorlegte, schrieb er, darin zeige sich "echte Grossmannssucht kleiner und allerkleinster Leute, die für sich selbst solche Rituale schreiben". [Email vom 9.12.2009] Einen Tag später sprach er von "Mini-Wau-Waus" als seiner saturnischen "Nachkommenschaft" und erklärte: "Ich kapituliere vor all diesen Nachfolgern und Scharlatanen." [Email vom 10.12.2009] Das ist keine neutrale Bewertung der Nachfolgegruppen, sondern die gallige Selbstbeschreibung eines ehemaligen Grossmeisters. Gerade deshalb gehört sie in die Wirkungsgeschichte.
Für die spätere F.S. kann Saturnius damit sowohl abschreckende Figur als auch Traditionsrequisit sein. Man kann sich von ihm distanzieren – so etwas machen wir heute nicht – und zugleich vom Nimbus profitieren, dass die eigene Vorgeschichte offenbar gefährlich genug für Pressegeschichten gewesen sei. Ein Gründungsmythos ex negativo wäre dafür ein etwas grosses Wort; ein nützlicher Schatten genügt.
Bemerkenswert bleibt dabei, wie wenig Sexualität in Göggelmanns eigenen überlieferten Texten vorkommt. Seine Extremzustände kreisen um Angst, Schmerz, kosmische Bedrohung, Erlösung, Körperempfindung und Schuld; die sexualmagischen Obsessionen anderer F.S.-Autoren fehlen weitgehend. In der Presse der 1970er Jahre wird er dennoch zusammen mit Sex, Blut und Satanismus in dasselbe Paket gesteckt. Nicht weil seine Texte dieses Paket ergeben, sondern weil die Verpackung bereits vorhanden ist.
Wie leicht sich solche Muster auch innerhalb des Milieus reproduzieren, zeigt eine spätere Feldbeobachtung. Heiner F., alias Cornelis, liess im Ordo Saturni eine mehrteilige Pseudo-Dokumentation über „Zeitgenössischen Satanismus“ zirkulieren und erzählte in einer Runde an einem Restauranttisch auf dem Land, er foltere Katzen im Wald langsam zu Tode, um deren Seele aus den sterbenden Augen zu saugen. Ob diese Geschichte einen realen Vorgang beschreibt, liess sich nicht verifizieren. Als Selbstdarstellung funktionierte sie ausgezeichnet.
Bei dieser Erzählung sass auch eine junge Familie mit Säugling am Tisch; über das Motiv des Erzählers sagt das freilich nichts Sicheres. Maikowski erinnerte sich an eine ältere Variante solcher Angeberei: "In meinem Leben habe ich nur einen einzigen Menschen kennen gelernt, der absichtlich Katzen und zwar eine pro Woche überfahren hat […] . Ich habe mich damals 1956 an Gregorius gewandt und habe ihn gebeten, den Bruder […] aus der FS herauszuwerfen. Leider war Gregorius nicht damit einverstanden, sondern hat gesagt: 'Hauptsache, ER ZAHLT!' "'Ihr werdet sehen, der baut uns noch ein Logenhaus.'"[84]
Die alte Skandalisierungslogik verschwindet mit dem Boulevardpapier nicht; sie migriert ins Internet. Interne Konflikte, Putschversuche und moralische Anklagen werden nun in Foren und digitalen feuilles de fromage ausgetragen, oft unter wechselnden Personae – meist dasselbe Personal unter immer neuen Aliasnamen. Das Medium ist neu, die Dramaturgie vertraut: Empörung erzeugt Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit erzeugt Wirklichkeit, und nach drei Bildschirmseiten weiss niemand mehr genau, wo die Quelle stand.
Der vorliegende Versuch
Dieser Online-Text ist keine vollständige Geschichte der Fraternitas Saturni. Er verfolgt eine engere Frage: Wie wird aus Johannes Göggelmann, einem schreibwütigen, innerhalb der Loge keineswegs dominierenden Mitglied, die öffentliche Figur Saturnius? Dafür werden Briefe, Manuskripte, Bearbeitungen, spätere Erinnerungen und Presseberichte möglichst chronologisch nebeneinandergestellt. Die Beschränkung ist Absicht. Wer die gesamte Logengeschichte möchte, muss in die Bücher hinabsteigen.[85]
Mit Skandalisierung ist hier nicht gemeint, dass jede Empörung unbegründet sei. Gemeint ist ein Transformationsprozess. Ein affektstarkes Detail – Katze, Schädel, Blut, Satanismus – wird aus seinem ursprünglichen Überlieferungszusammenhang gelöst, sprachlich geglättet, mit anderen Motiven kombiniert und schliesslich als scheinbar selbsterklärendes Ganzes präsentiert. Das Verfahren kann reale Vorgänge enthalten und dennoch ein falsches Gesamtbild erzeugen. Gerade deshalb genügt es nicht, einzelne Sätze "richtig" zu zitieren; man muss wissen, aus welcher Textstufe sie stammen.
Bei Göggelmann lässt sich diese Kette ungewöhnlich gut beobachten: schwer lesbares Privatmanuskript → interne Archivierung → redaktionelle Bearbeitung → Hembergers Transkript und Kommentar → populäres Okkultbuch → journalistische Kürzung → moralische Erzählung. Mit jeder Station nimmt die Lesbarkeit zu. Die Quellenlage leider nicht.
Zu den späteren Konflikten und Interessen der Saturn-Logen habe ich ausführlicher in "In Nomine Demiurgi Homunculi" und "Der O.T.O. Phänomen RELOAD" gearbeitet. Dort finden sich auch die Kontexte zu Göggelmann, Kropp, Jantschik und zur späteren Wiederbelebung des Exorial-Motivs in der F.S. Berlin.
Zur Mechanik der Boulevardisierung vgl. Andreas Huettl und P.R. König: "Satan — Jünger, Jäger und Justiz". Dort wird unter anderem gezeigt, wie voneinander unabhängige Personen, Orden und Behauptungen durch blosse Nachbarschaft in Text und Bild zu einem vermeintlichen Zusammenhang montiert werden. Das klassische Instrument ist die Schuld durch Assoziation: Ein Name steht neben Satanismus, Ritualmord oder Pädophilie; nach genügend Wiederholungen scheint die Verbindung selbst zur Tatsache geworden zu sein.
Historische Kritik sollte das Gegenteil tun: Verbindungen nachweisen, Trennlinien respektieren und Unsicherheit kenntlich machen. Das ist weniger spektakulär als ein Satansmörder. Dafür hält es länger.
Endnoten
[1] Es existiert noch ein weiterer Saturnius,
Arthur Schn..., geboren 3.7.1930, eingetreten am 11.1.1968, kaufmännischer
Angestellter in München, über den hier jedoch nicht berichtet wird.
[2] Das Standesamt Friedrichshafen ist
zu keiner Auskunft bereit.
[3] Nach der Grussformel "Seiner
Hochwohlgeborenen Eminenz!" folgt oft "Mit Ihrer Gunst und
Erlaubnis; mein Hochbetagter Meister.'. Vom Stuhl Fraternitas — Saturni"
abgeschlossen mit der astrologischen Saturn–Glyphe.
Eine weitere Variation ist: "Mein treuer lieber alles verstehender
Freund Lehrer u. Meister.'. vom Stuhl" [abschliessende Saturn–Glyphe]. In der Korrespondenz mit Grosche
verwenden weder Göggelmann noch Grosche thelemitische Grussformeln. Diese
tauchen erst in der Korrespondenz mit Walter Jantschik auf. In Göggelmanns
Texten selber ist kaum etwas von Crowleys Gedankengut zu entziffern, sieht man
von sehr wenigen Sätzen ab: "Meister Therion [aka Crowley]; 'Ich
habe nie gegen das Licht gesündigt. Ich habe niemals gegen das Luzifer–prinzip
verstoßen.'" Woher Göggelmann jedoch dieses angebliche Crowley–Zitat
hat, ist bislang nicht eruierbar. Der Begriff Luzifer–prinzip weist eher
auf Grosche als Quelle hin, der damit das Luzifer–Prinzip des Saturn
gemeint hat, z.b. in "ESOTERISCHE WERTUNGEN. DIE ZENTRALISIERUNG DES
GEISTES IM MENSCHEN", in "Blätter für angewandte okkulte
Lebenskunst", Berlin Dezember 1952. Lucifer ist bei vielen Saturnianern
der Lichtbringer, so wie auch heute noch von Christen am Karsamstag im Exsultet-Gesang zur
Weihe der Osterkerze Christus als wahrer Lichtbringer Lucifer, als der
am Ostermorgen aufgehende Morgenstern, gepriesen wird.
[5] Johannes Göggelmann an Walter
Jantschik, Brief am 31.6.1969, Faksimile in König, Saturni, Seiten 396–397.
[6] Mit diesem Zitat lehnt sich
Göggelmann möglicherweise an 1. Korinth. 4;16 an: "Darum ermahne ich
euch, seid meine Nachfolger."
[7] Giosuè Carducci ist ein
italienischer Geheimbündler des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der 1906 den
Nobelpreis für Literatur erhält.
[8] Die für Grosche widrigen Umstände
in diesem Zusammenhang mit dem Schweizer O.T.O., der ihm 1951 eine Publikation
versprochen hat, sind in meinem RELOAD, 1. Band, ab der Seite 226 nachzulesen. Ein Teil des Briefwechsels zwischen Grosche und Hermann Joseph Metzger, dem damaligen Oberhaupt des O.T.O., ist als Faksimile in meinem "Materialien zum O.T.O.", 50–87 zu sehen.
[9] Unvollständig und fehlerhaft
transkribiert in: Friedrich–Wilhelm Haack: "Die Fraternitas Saturni (FS)
als Beispiel für einen arkan–mystogenen Geheimorden des 20. Jahrhunderts",
München 1977, 36–39.
[10] Wedlers
Verwicklungen in den Putsch 1962 und im Gerangel um Grosches Nachfolge bis hin
zu Johannes Maikowskis umstrittener Nicht–Wahl zum Grossmeister im Jahre 1983
sind nachzulesen in König, Homunculi, Seite 39ff. und König, RELOAD, 1. Band,
Seite 264ff. und 313ff. Siehe dazu auch das Film–Interview mit Maikowski auf Fraternitas Saturni - Part 4 - Caped Crusaders - Brotherhood of Saturn
in dem er auf die Beteiligten zu sprechen kommt und sich ausserdem zu
Horst Kropp äussert, Interview am 23. August 2011.
[11] In den "Blättern für
angewandte okkulte Lebenskunst" (Selbstverlag Berlin ab 1950, anfänglich
ohne das Adjektiv "okkult") finden sich schon:
"Saturnische Gnosis" (Dezember 1953), dazu Grosche: "Im
Studienheft Dezember 53 hat Fra. Saturnius bereits begonnen, auf diese neue
Basis hinzuweisen. Eine uranisch tangierende Gnosis wird sich einer Magie
bedienen, die sich auf dem Gesetz des neuen Zeitalters aufbaut, der
mitleidlosen Liebe ! Siehe auch seine Artikel "Gott oder Urdämon" (Januar 1955), "Über Esoterik und saturnales Erkennen", (Mai 1955) und "Wissen ist Macht" (Dezember 1957). Weitere Texte sind nicht erschienen.
[12] "Aufgabe und Weisung."
Eugen Grosche an Karl Wedler, 11.11.1958.
[13] Der 1904 in Wien geborene
Spiesberger siedelt 1932 nach Berlin um, wo er Grosche kennenlernt und bald
Mitglied der F.S. wird. "Bei einem Besuch 1956 bei ihm traf ich nur
seine Frau, während er für mich nicht zu sprechen war und das trotz Anmeldung. (Ich sollte ihn im Auftrag
von Gregorius aufsuchen). Ich hörte: 'Wenn er mir kein Geld bringt, bin ich für ihn
nicht zu sprechen.' [...]
er war wie gesagt der 1. Aufseher im Ritual. Danach habe ich einmal erlebt,
dass er die Hebeexperimente kommandierte. Auch hat er öfter nach dem Ritual
Vorträge bei uns gehalten." Maikowski, Email vom 30.10.2009. Was die Erteilung
des 18° betriffft, "so war mir eingefallen, dass Gregorius dem Frater
Eratus = Spiesberger, der keine speziellen Arbeiten geliefert hatte, die Grade
auf Grund seiner Bücher zuerkannt hatte." Maikowski, Email vom
6.11.2009. Spiesberger tritt 1962 aus der F.S. aus, verfasst eine Menge
okkulter Werke und stirbt 1992. In seiner postum erschienenen Novelle
"Sukkuba" im Erzählband "Magische Novellen" (Berlin 1999)
beschreibt er die spiegelmagische Beschwörung des Wesens Exorial.
[14] "Würdigung des Buches von Dr.
Adolf Hemberger", 15.12.1972. Faksimile in König, Nosferati, 96–101.
[15] Der Leser des Klingsor–Buches
Manuel Wechselberger findet heraus, dass es sich bei der von Göggelmann nicht
näher bezeichneten Ruine um die Ruine Altsummerau nahe Tettnang im
Bodenseekreis in Baden–Württemberg handelt. Von der wahrscheinlich im 12.
Jahrhundert erbauten Burganlage sind Reste des Bergfrieds mit einem gesicherten
Gewölbe und weiterhin zahlreichen über deren ganzer Länge gesicherte
Mauerreste, d.h. prinzipiell die gesamte Wehrmauer sowie Grundmauern von
sonstigen Gebäuden, erhalten. Email vom 29.9.2012. Siehe dazu auch
http://de.wikipedia.org/ wiki/Ruine_Altsummerau.
[16] Jürg von Ins: "Abraham von
Worms. Das Buch der wahren Praktik in der göttlichen Magie", München 1988,
231.
[17] Klingsor: "Experimental–MAGIE",
Freiburg im Breisgau 1967,
107–109.
[18] Klingsor, Experimental–MAGIE,
73–75. Wiederum angereichert mit Abbildungen, die nicht in Göggelmanns Original
zu finden sind.
[23] Göggelmann an Walter Jantschik,
Brief am 22.6.1969.
[24] Göggelmann an Jantschik, 11.5.1969.
Teilweise unsorgfältig transkribiert in Friedrich–Wilhelm Haack: "Die
Fraternitas Saturni (FS) als Beispiel für einen arkan–mystogenen Geheimorden
des 20. Jahrhunderts", München 1977, 39–40.
[25] Johannes Maikowski an A.H., Brief
vom 1.8.1999, 4. Seite, Faksimile in König, Homunculi, 357.
[45] Adolf Hemberger:; "Organisationsformen, Rituale, Lehren und
magische Thematik der freimaurerischen und freimaurerartigen Bünde im
Deutschen Sprachraum Mitteleuropas — Der mystisch–magische Orden Fraternitas
Saturni", Frankfurt 1971, 138. Dann in: "QUICK" 11: "Die Satansmörder", München 8.3.1973, 72. Friedrich–Wilhelm Haack: "Von Gott und der Welt verlassen", Düsseldorf 1974, 118. Horst KnautKnaut:
"Das Testament des Bösen",
Stuttgart 1979, 174. Jürgen Glowka: "Deutsche Okkultgruppen
1875–1937", München 1981, 70. Das 18°–Ritual
gemäss Hemberger ist faksimiliert in: König, Nosferati, Seiten 78–84. Hembergers
Resumé der Studienzirkel aus seinem oben genanntem Werk, Seite 169, als
Faksimile in König, Homunculi, Seite 170. Ein weiterer 18°–Text, den Eugen
Grosche an Walter Englert gegeben haben soll, gibt Hemberger wieder in: "Die Philosophie der Grünen
Schlange" III;1, Giessen 1973, 81, Transkript im RELOAD 3. Band Seite 137,
mit Maikowskis Kommentar.
[46] Siehe Karl Wedlers Diskussion mit
Guido Wolther um den 18° im RELOAD 1, Seite 285. Ähnlich auch Seila Orienta in:
"Das Leben und die Erfahrungen eines wahren Hermetikers", Castrop
Rauxel 2010, 56.
[47] Einschätzungen zu Jantschik in
Andreas Huettl und P.R. König: "Satan — Jünger, Jäger und Justiz",
Grosspösna 2006, Seiten 63, 172.
[48] "Bekenntnis" vom
26.3.1974. Faksimile in: König, Nosferati, 154–159.
[52] Damit ist der Gradus Pentalphae,
der 18° der F.S. gemeint. "Das Symbol des Tau [im Tapis der Loge Fraternitas
Saturni] ist das Zeichen dafür, dass der Geheimorden O.T.O. in der Loge
als Grad verankert ist, resp. im Gradus Pentagrammatus gearbeitet wird."
Eugen Grosche: "Blätter für angewandte
okkulte Lebenskunst" 21, Berlin Dezember 1951. Grosche: "Die Symbolik des Tau und des
Pentagramm" Logenschulvortrag Heft 3 Klasse A, Berlin ohne Jahr,
wahrscheinlich um 1928/1930.
[53] Eugen Grosche, "Exorial",
334. Abbildung in König, Homunculi, Seite 395. Ein Auszug aus der Erzählung in: König, Saturni, 240–246.
[54] Angekündigt sind
damals ausserdem "Das Lächeln des Lucifers", "Der Weg ins Dunkle
Licht" und "Die Fittiche des dunklen Engels". Werbung im
hinteren Teil von Eugen Grosche: "Exorial", Berlin 1960.
[64] Horst Knaut: "Rückkehr aus der
Zukunft", München und Bern 1970, 15, 43. Göggelmanns Ritual wird seit
Hemberger 1967 immer wieder in dessen eigenwilligem Transkript zitiert, so zum
Beispiel in "Praxis der weißen und schwarzen Magie" eines gewissen
Det Morson von 1998. 2007 wird Göggelmann in einer naiv zusammengeschusterten
und nicht ganz faktensicheren Biographie über "Gregor A. Gregorius"
als "sehr ungewöhnliche Figur in den Reihen schon ungewöhnlicher
Menschen der Fraternitas Saturni," als ein "scheinbar
unberechenbarer Geist, der zwar einfach, aber genauso gefährlich war,"
beschrieben. Alexander Popiol und Raimund Schrader: "Gregor A. Gregorius.
Mystiker des dunklen Lichtes", Bürstadt und Walheim 2007, 134.
[65] Adolf Hemberger an die "Herren
der Scherz –GmbH", Brief am 7.11.1970.
[66] Adolf Hemberger:
"Organisationsformen, Rituale, Lehren und magische Thematik der
freimaurerischen und freimaurerartigen Bünde im Deutschen Sprachraum
Mitteleuropas — Der mystisch–magische Orden Fraternitas Saturni ",
Frankfurt 1971, 228–230. Die Briefe Göggelmanns an Grosche befinden sich in:
Adolf Hemberger: "Documentia et Ritualia Fraternitatis Saturni" Band
XII, Giessen 1977. Hier
nun der Versuch einer oberflächlichen Auflistung von Hembergers Publikationen,
die meist aus Fotokopien bestehen, die er in einer Auflage von 50 bis 100
Exemplaren an Bekannte verkauft. Ausser dem einzigen regulär in Buchhandlungen
erhältlichen Werk, das er alias Klingsor: "Experimental–MAGIE",
Freiburg im Breisgau 1967, unter die Leute bringt: "Organisationsformen,
Rituale, Lehren und magische Thematik der freimaurerischen und
freimaurerartigen Bünde im Deutschen Sprachraum Mitteleuropas — Der
mystisch–magische Orden Fraternitas Saturni", Frankfurt 1971; in dieser
Reihe auch: "Philosophie der Grünen Schlange", zwei Bände, Giessen
1973; "Pansophie und Rosenkreuz", drei Bände, Giessen 1974;
"Documentia et Ritualia Fraternitatis Saturni", 15 Teile in 17 Bänden
ab 1971, Giessen; "Magia Magica", Loseblattsammlung ohne Ort und
Datum; "Erziehungsziele — Wesen, Geist und Genesis — Kösener Corps — unter
besonderer Berücksichtigung der Kreise, Kartelle, Freundschafts– und
Vorstellungsverhältnisse", Giessen 1976–77; "Die adonistischen
Lehrbriefe der Ateschga–Taganosyn nach Rah–Omir–Quintscher", Giessen
1980; "Interrelationen und Verknüpfungen physiologisch–psychologischer
Prozesse als Wechselspiel von Soma und Psyche bei Pferden", Giessen 1985;
"U–I–E–A–O", Sammlung von über 100 losen A4–Kopien ohne Ort und
Datum.
[68] Adolf Hemberger:
"Organisationsformen, Rituale, Lehren und magische Thematik der
freimaurerischen und freimaurerartigen Bünde im Deutschen Sprachraum
Mitteleuropas — Der mystisch–magische Orden Fraternitas Saturni",
Frankfurt 1971, 228–230.
[69] Zum Beispiel "QUICK" 29, München 12.7.1972, 30. "NEUE REVUE" 13, Hamburg 25.3.1972, 86. Erneuter Bericht in: "NEUE REVUE" 13 vom 22.3.1973. Eine Gegendarstellung des Schweizer O.T.O. in: "NEUE REVUE" 26.3.1992.
[70] Hans Baum: "Freimaurerischer Satanismus heute", Stein am Rhein 1986(4). Bücher von Knaut, z.B. "Rückkehr aus der Zukunft", Bern 1970, Haack: "Von Gott und der Welt verlassen", Düsseldorf 1974. Die Publikationen Haacks zum Thema "Neureligionen" aufzuzählen, würde den Rahmen dieses online–Textes sprengen.
[71] Siehe Seite 166 in König, Homunculi
und RELOAD 1;296.
[72] Friedrich–Wilhelm Haack: "Die
Fraternitas Saturni (FS) als Beispiel für einen arkan–mystogenen Geheimorden
des 20. Jahrhunderts", München 1977, 36–42. Es handelt sich um die Briefe
vom 11.5.1969 und 17.5.1969.
[73] Aythos:
"Die Fraternitas Saturni — eine saturn–magische Loge", München 1979 —
erschienen in der HIRAM–EDITION der A.R.W., die weitere Interna publiziert:
Friedrich–Wilhelm Lehmberg: "Magische Sonderdrucke und Interna der
Fraternitas Saturni", München 1980, darin enthalten auch ein Werk von
Eduard Munninger: "Pansophisch–Gnostische Riten I. Opus hermeticum".
Über Munningers Rosenkreuzerisches Schaffen, das in Konkurrenz zu vielen
esoterischen Logen und Orden nach dem Zweiten Weltkrieg steht, siehe online Roses in Austria und im RELOAD, 2. Band, Seiten 130ff.
[74] Ausführliche Details dazu im RELOAD
1. Band, ab der Seite 401.
[78] Auf dem Vereinsfoto der F.S. von
der Osterloge 1978 ist Göggelmann nicht mehr zu sehen. Siehe König, Homunculi,
179.
[79] Horst Knaut: "Das Testament
des Bösen", Stuttgart 1979, 186ff.
[80] Maikowski, Email vom 21.9.2009. Die
Turbulenzen um diese Wahlen sind in allen Details im ersten Band RELOAD ab der
Seite 313 nachzulesen. Faksimiles der Dokumente sind in meinem Homunculi zu
finden.
[82] So sind auch die Logentreffen
zwangloser geworden: Weg von der Krawatte und hin zum Jugendzeltplatz, so wie
zum Beispiel das Logentreffen der Communitas Saturni im August 2013.
[83] Karl Wedler entwirft 1959
einheitliche Logenmäntel und Insignien für die Grade, die Eugen Grosche als "richtungsgebend"
für die Loge akzeptiert. Zeichnungsentwürfe in König, Saturni, 219–225, Fotos von damaligen
Protagonisten in ihren Kutten auf den Folgeseiten 226–229.
[84] Maikowski, Emails vom 10.8.2009,
29.12.2009, 5.7.2012 und 5.3.2013.
[85] Für den Kontext: RELOAD 1. Band, ab
der Seite 209 — fokussiert und mit vielen Dokumenten der F.S.: Meine drei Bände
Saturni, Nosferati und Homunculi.
Zur Quellenlage
Der Quellenbestand ist materiell widerspenstig. Göggelmanns Handschrift ist oft schwer zu entziffern; beschädigte Vorlagen und spätere Kopien verschärfen das Problem. Wo eine Lesung unsicher ist, wird dies gekennzeichnet. Nicht Lesbares wird nicht durch Phantasie verbessert – auch wenn der Gegenstand dazu einlädt.
Hemberger normalisierte ab 1967 einzelne Passagen orthographisch und griff teilweise stärker in die Texte ein. Seine Fassungen werden deshalb nicht als wortgetreue Transkriptionen behandelt, sondern als eigene Überlieferungsstufe. Wo hier nach Hemberger zitiert wird, ist dies entsprechend kenntlich gemacht. Erhaltene maschinenschriftliche Briefe sowie direkt aus Göggelmanns Handschrift übertragene Texte bleiben in Orthographie, Grammatik und Syntax grundsätzlich nahe am Original; editorische Ergänzungen stehen in eckigen Klammern.
Die Scans stammen zum Teil von stark beanspruchten Vorlagen. Für die Online-Version wurden Kontrast und Lesbarkeit behutsam verbessert, ohne den dokumentarischen Inhalt absichtlich zu verändern. Für mehrere Transkriptionen von Göggelmanns Schriften und für den Hinweis auf Maleen Pachas Buch als Bildquelle danke ich Manuel Wechselberger.
Das Milieu des Templer Reichs — Die Sklaven Sollen Dienen. Hanns Heinz Ewers — Lanz von Liebenfels — Karl Germer — Arnoldo Krumm–Heller — Martha Kuentzel — Friedrich Lekve — Hermann Joseph Metzger — Christian Bouchet — Paolo Fogagnolo — James Wasserman. Unbequeme Aspekte in der Geschichte des O.T.O. und Thelema.
Traduse in romana: Reich–ul Templier — Sclavii trebuie sa serveasca.
The third volume on the Fraternitas Saturni.
Johannes Maikowski: Fremdenlegionär, Gefangener im Stasi-Gefängnis Berlin Rummelsburg, Zweimal Grossmeister, Communitas Saturni und Communitas Solis, Grossloge Gregor A. Gregorius/GAG. Eugen Grosche: Bittere Nachkriegszeit, Die Stasi-Akten, Alt-Nazis in der Loge. Karl Wedler: Der Kelch, Die Palastrevolution, Die Kopiermaschine. Sexualmagische Unruhen um den 18°. Experimente mit Johannes Göggelmann und Horst Kropp. Der Ordo Saturni von Dieter Heikaus. Grossmeister und Stagnation: Guido Wolther, Walter Jantschik, Stanislaus Wicha, Joachim Müller, Heinz Conrad, Hartmut B., Ralph-Peter T. Zusammenschluss der GAG mit der F.S. Die Logendämonen: Der Meister GOTOS — Egregor? Exorial.
Und: Wolf Rösler, Wilhelm Uhlhart, Richard Tschudi, die Elixiere des Teufels, die Tropfsteinhöhle in Frankreich, Walter Englert, der Berg Ipf, Horst Knaut, Adolf Hemberger, das Saturn-Kloster, Michael Gebauer, Martin S., Federico Tolli, Calix Borealis
Mythos: Das zentrale Konzept in den F.S.-Logen sei der Logen-Egregor (Gruppengeist), GOTOS genannt und als Büste gestaltet. GOTOS sei zugleich der höchste Grad der F.S. (aus „Gradus Ordo Templi Orientis Saturni“).
Wirklichkeit: Johannes Maikowski, Grossmeister der Fraternitas Saturni und im Dezember 1963 von Eugen Grosche als Nachfolger bestimmt, spricht im August 2011 mit Peter-R. Koenig.
Johannes Maikowski berichtet über die Büste GOTOS. Was geschah damit nach dem Tode Eugen Grosches? Wofür interessierten sich die Mitglieder? Warum der Name Saturn?
Eugen Grosche ernennt Johannes Maikowski am 23.12.1963 zu seinem Nachfolger als Grossmeister der Fraternitas Saturni. Wie erfolgte die Erhebung in den 18°? Was war mit Walter Englerts 18°?
Johannes Maikowski erinnert sich an Walter Englert, Margarete Berndt, Karl Spiesberger, Herman Wagner, Walter Jantschik, Horst Kropp, Guido Wolther und an den Putsch 1962, angezettelt von Karl Wedler und Wolf Rösler.
Bis vor seinem Tode war Eugen Grosche (1888–1964), der Gründer der Fraternitas Saturni, völlig gesund. Es gab keinen Logenraum. Wilhelm Reichs ORGANON-Kasten. Was hat Grosche am meisten interessiert? Was wusste Johannes Maikowski / Immanuel von Grosche? Ria Grosche war immer alleine. Gregorius war der Über-Papa. Eugen Grosche war Mitglied der Evangelischen Kirche.
Eugen Grosche hat nie über seine Emigration in die Schweiz und Italien gesprochen. Er hat sich auch nie über seine politischen Ansichten geäussert. Grosche lebte von seiner Buchhandlung und den Mitgliederbeiträgen. Warum hat Grosche Nazis in der Fraternitas Saturni geduldet? Es fiel niemals ein antisemitisches Wort. Miriam Wolther, eine ehemalige jüdische KZ-Insassin, hat sich ebenfalls nie geäussert.
Johannes Maikowski, seit 1950/1955 Mitglied, wurde im Dezember 1963 von Eugen Grosche zu dessen Nachfolger und Grossmeister der Fraternitas Saturni bestimmt. 1964/65 wurde er von seinen eigenen Anhängern wiedergewählt. 1983 wählte eine konkurrierende F.S. einen neuen Grossmeister; Maikowski gab daraufhin im selben Jahr den Logennamen auf. 1993 gründete er mehrere Logen, darunter die Communitas Saturni und die Grossloge Gregor A. Gregorius der FS in Kaiserslautern (GAG). Es bestanden Doppelmitgliedschaften im Ordo Templi Orientis und in der regulären Freimaurerei. Maikowski erklärte seine eigenen Logengründungen bald darauf für null und nichtig; einige bestanden dennoch weiter. 2003 vereinigte sich die GAG mit der zuvor konkurrierenden Fraternitas Saturni in Berlin. Maikowski betrachtete sich weiterhin als einzigen legitimen Grossmeister.
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