Parareligion · Fraternitas Saturni archive Back to saturn.htm

Documenta et Ritualia Fraternitatis Saturni

Wissen ist Macht!

Blätter für angewandte okkulte Lebenskunst · Dezember 1957 · Heft 93 · S. 334–335

Fraternitas Saturni, Saturnius, Johannes Goeggelmann

[AI-generiertes Image]

So sagt das Sprichwort: Wissen ist Macht! – Ist diese Behauptung richtig?

Der Esoteriker antwortet darauf: Wir wissen, daß wir nichts wissen! Das intellektuell angehäufte Wissen ist nur Stückwerk. Die gewonnenen Erkenntnisse sind oft nur Schein. Neue Erfahrungen und neues Forschen heben die bisherige Erkenntnisbasis wieder auf.

Wir erkennen die gesamte Stoffwelt nur in ihren Erscheinungsformen und Wirkungsweisen und ziehen daraus unsere Schlußfolgerungen. Aber das können wir nur soweit, als die beschränkte Aufnahmefähigkeit unserer Sinne es zuläßt. So sind die Grenzen des Erkennens und somit des tatsächlichen Wissens sehr eng gezogen.

Darum ist unser Wissen nur Stückwerk.- Die Erkenntnis des tiefsten Wesens der Dinge, ihre Grundursachen, die Wurzel ihrer Eigenschaften ist uns verschlossen, weil wir sie nicht erfassen können.

Wir stellen Theorien und Hypothesen auf und erfassen doch nicht den Kern der Sache.

Sokrates, der große Epikuräer, sagt genau das Gleiche wie der Apostel Paulus: Der Mensch glaubt zu wissen, aber er weiß nichts.- Goethe gibt uns in seinem Faust ein Beispiel. Hier steht Faust, der alle Wissenschaften studiert hat und nach letzter Erkenntnis ringt und ihm gegenüber der Famulus Wagner, der offen ausspricht: Zwar weiß ich viel, doch alles möchte ich wissen! Vor beiden suchenden Menschen steht Mephisto, der wahrhaft Wissende, der um die Urgründe weiß und diese Erkenntnis doch Faust nicht geben kann.- Du gleichst dem Geist, den Du begreifst! -

Hier liegt die große Tragik des Menschengeschlechtes, dessen geistige Evolution wohl stetig vorwärts schreitet. Aber immer werden die Menschen ewig Suchende bleiben auf ihrem Wege durch die Jahrtausende. Nur derjenige Mensch, der erkennt oder wenigstens ahnt, daß diese Wege in den Kosmos führen, daß ihr Ende als Ziel nicht erkennbar ist, der hält ein winziges Bruchstück des wahren Wissens in seinen Händen. Wohl bauen unsere sogenannten exakten Wissenschaften unablässig auf. Chemie, Physik, Mathematik, alle Naturwissenschaften zeitigen wohl fast ungeahnte Resultate, die oft den geistigen Menschen mit einem Erstaunen erfüllen. Und doch sagt die Erkenntnistheorie, daß alle diese Erkenntnisse, selbst wenn sie sich experimental als tragbare Basis erweisen sollten, nur winzige Schritte sind auf steilen Wegen, die in die Unendlichkeit führen.

Wohl kann der suchende geistige Mensch erkennen – und das ist eine Tatsache, daß leider das Gros der Menschheit dumpf, indifferent und beschränkt ist, daß man mit ihm überhaupt nicht rechnen kann als Aufbaufaktor, aber dieses Negativum vermag nur traurig zu stimmen und kann nur mutlos machen.

Meister Therion sagt ganz recht: Das Gros der Menschheit ist nur der Dung für ihre geistige Oberschicht!

Aber selbst unter der intellektuellen führenden Schicht aller Völker der Erde, gibt es nur wenige wahrhaft Wissende, die sicher nicht zu den Gruppen der Wissenschaftler zählen, sondern die in tiefer esoterischer Erkenntnis demütig bekennen, daß selbst ihr Wissen nur ein Ahnen ist um den Urgrund der Dinge.

Viele der Menschen, die innerlich verzweifelt sind, flüchten sich nun in die Gebiete der Religiosität aus innerer Angst heraus. Auch das bringt ihnen keine Erlösung, denn sie gesellen sich ja nun zu den Einfältigen, denen ein Glaube an einen unbekannten Gott ein tiefes Dunkel legt über ihre Hirne, so daß kein Lichtstrahl sie mehr erreichen kann.

Selig sind die Unwissenden, denn das Himmelreich ist ihrer! So tröstet man sie mit phantastischen Begriffen, die selbst auf dem Boden einer grenzenlosen Beschränktheit niemals eine Realität annehmen können.-

Und doch: Es gibt eine gewisse innere Erkenntnis, die zwar auch nicht das Prädikat eines absoluten Wissens beanspruchen kann, welche aber als eine Art innerer Schau doch einen weltanschaulichen Aufbau zuläßt, eine Kosmosophie von unendlicher Weite. Natürlich kann man diese Schau niemals als das wahre Wissen um den Urgrund bezeichnen, auch sie bleibt subjektiv im höchsten Maße. Den Schleier der Maja, wie die indische Philosophie sagt, kann kein sterblicher Mensch lüften. Aber es ist diese innere Schau ein gottbegnadetes Ahnen, sagt dann der christliche Mystiker und erzielt dadurch auch wiederum nur eine Begriffsverhüllung.-

Wenn aber der suchende geistige Mensch erkannt hat, daß sein Ich –sein Ego- ein unsterbliches, niemals vergängliches Teil der Gesamtschöpfung ist, jenseits allen Gottglaubens, als Ur-Ich ein Konglomerat unbekannter kosmischer Kräfte, materialisiert hier auf den Planeten Erde von zeitlicher Dauer, sich gestaltend durch Jahrtausende, dann hat er den winzigen Punkt in sich gefunden, wo er den Hebel ansetzen kann zu einem weiteren Ausbau seiner inneren Einsicht und Erkenntnis. Er weiß trotzdem, daß er nichts weiß! Er ist nur erfüllt von einem unsichtbaren Verwobensein mit Dimensionen, die er nicht begrifflich erfassen kann, die er aber mit seinen geweckten inneren Sinnen erahnt.

Ein solcher Zustand vermag im Menschen ein hohes Gefühl von innerer Glückseligkeit zu erzeugen, daß er ein weiteres Drängen nach Wissen nicht mehr verspürt. Alle Qual unbefriedigenden Erkenntnisforschens fällt von ihm ab. Er will nicht mehr nach den Sternen greifen, denn er hat ja in diesem Zustande den Kontakt mit dem Pleroma erreicht.

Wir kennen einige begnadete Menschen der Vergangenheit, in welchen der Kosmos Gestalt annahm in befruchtender Erkenntnisform. Lenau, Hölderlin, Heraklit, Friedrich Nietzsche und andere. Daß ihr Hirn den geistigen Kegelumschlag oft nicht aushielt, daß sie ihr überpoltes Denken dem allgemeinen Menschendasein entfremdete, war für sie ohne Bedeutung. –Ihr Ur-Ich war schon lange im Begriff, sich von dieser Erde, dem Stern des Leides zu erlösen. – Es gibt sicher noch eine weitere Anzahl von Menschen auf der Erde, welche den Weg in die Stille gegangen sind, bewußt und im Vollbesitz ihrer Geisteskräfte, aber sie leben meist abseits der Masse Mensch auf den Gipfeln saturnischer Erkenntnisreife in einer stillen harmonischen Einsamkeit, denn sie haben die Lichter in sich selbst umgestellt, wie die Kabbala sagt. -Denn es ist ein köstlich Ding: In Freiheit einsam zu sein!

Saturnius in den „Blättern für angewandte okkulte Lebenskunst“

Vier Texte von Johannes Göggelmann / Frater Saturnius, veröffentlicht zwischen 1953 und 1957.

Saturnian context

Diese Seite gehört zum Fraternitas-Saturni-Komplex auf Parareligion.

Search Parareligion

O.T.O. Phenomenon portals