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Documenta et Ritualia Fraternitatis Saturni

Gott oder Urdämon

Blätter für angewandte okkulte Lebenskunst · Januar 1955 · Heft 58 · S. 16–19

Fraternitas Saturni, Saturnius, Johannes Goeggelmann

[AI-generiertes Image]

„Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt“ !

Goethe.

„Ich will das steinerne Herz aus Eurem
Fleische wegnehmen und Euch ein neues
Herz und einen neuen Geist geben !“

Hesekiel 11./19.

Esoterisches Wissen bedeutet innerlich zu denken und sich mit geheimen Weistum zu beschäftigen. Und dieses Geheim – Wissen soll und muß geheim und verdeckt gehalten werden, um es vor Mißbrauch durch die profane Menge zu schützen. – Die absolute Wahrheit ist oft ein gefährliches Vacuum und vermag aus sich Unheil zu gebären, wenn sie der indifferenten Masse preisgegeben wird. Nicht jeder Mensch vermag die reinste, bittere Wahrheit unvorbereitet zu ertragen, noch viel weniger vermag er sie anzuwenden oder sich ihr zu beugen.

Esoterisches Denken weist auf das Innenleben des Menschen hin, in seine tiefsten seelischen Bezirke, auf ein ureigenes inneres Erleben.

Esoterische Schulung besteht in einem der eigenen Natur entsprechenden „Inwendigerfassen“ der aus der Gefühlssphäre aufsteigenden tiefen und wahren Erkenntnisse, im Gegensatz zu einem „Auswendiglernen“. – Dieses mit vollem Bewußtsein erzielte „Inwendigerfassen“ beruht auf den im Menschen verankerten urgöttlichen Impulsen, auf der heiligen Urdämonie eines erfühlten wahren Selbstbewußtseins, auf einem engen ursprünglichen Verbundensein des eigenen Ur – Ich mit einem Gott oder einem Dämon.

Das Studieren, das Auswendiglernen, das Hören, Lesen, alle intellektuelle geistige Spekulation, hat damit nichts zu tun, auch nicht die Gestaltungen einer meist nur krankhaften Phantasie.

So ist das erste Ziel einer esoterischen Schulung das bewußte Erwecken des eigenen höheren Ichs im Menschen, das Bewußtwerden einer absoluten Verbundenheit mit höheren Mächten oder Sphären. Erst dann ist der Kern der menschlichen geistigen Individualität, das eigentliche Ego, erreicht, welches unsterblich ist und durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen immer das Gleiche bleibt als Mittelpunkt einer geistigen Wesenheit, die ihre Erfahrungen zentralisiert und sammelt durch Jahrtausende hindurch und sich nur nach bestimmten Wiederverkörperungsgesetzen des jeweiligen menschlichen Körpers bedient. Deshalb ist das Unterbewußtsein die innere Ausstrahlung des Uregos und somit die Quelle für die empor steigende Inspiration.

Durch sie kann der esoterisch denkende und empfindende Mensch zu seinem wahren inneren Selbst gelangen und der göttliche urdämonische Lichtstrahl kann ihn befruchten und ihm auch ein rein intellektuelles Schaffen ermöglichen, da dieses dann auf einem Selbstbewußtsein und einem Erkennen der eigenen Kräfte und deren Grenzen beruht.

In der frühen Jugend, wenn der Mensch noch unbeeindruckt ist von dem Wust des ihm aufoktroyierten Wissensballastes und seine sexuelle Sinnlichkeit noch nicht geweckt worden ist, steht er dem Innenkern seines Wesens näher und ist empfänglicher für die Einstrahlungen übergelagerter Sphären. Später ersticken dann die Leidenschaften und der tiefe Nebel der intellektuellen und materiellen Spekulationen und Sophistereien diese ihm sonst angeborenen Fähigkeiten, die aber auch oft im späten Alter wieder zum Vorschein kommen, wenn der Mensch gereift ist und über dem meist negierenden Einfluß seiner Umwelt steht. Dann wird die verlorene Naturverbundenheit wieder stärker, die Wahrnehmungsfähigkeit und Empfangsbereitschaft für höhere Einflüsse wieder empfindlicher.

„Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten, die früh
sich einst dem trüben Blick gezeigt. Versuch ich wohl,
Euch diesmal festzuhalten? Fühl ich mein Herz noch
jedem Wahn geneigt? Ich drängt Euch zu! Nun gut, so
mögt ihr walten, wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt.“
Goethe

Was Goethe hier als Wahn bezeichnet, ist durchaus nicht als Irrwahn aufzufassen, denn der Altmeister war eingeweiht in die Geheimnisse des oberen und unteren Lichtes.

Die im Alter wieder erlangte geistige Klarheit und das Wissen um die Verbundenheit mit der Gottheit und ihren Sphären, bleibt immer dann das geistige Eigentum des Menschen, welches er hinüber rettet in die nächste Inkarnation und es in dieser benutzen kann als Aufbau – Basis für sein kommendes Wirken. Deshalb ist keine geistig verbrachte fruchtbare Stunde in diesem jetzigen Leben für umsonst gelebt. Diese wunderbaren Zusammenhänge zu finden und in sich wieder lebendig werden zu lassen, ist eine der Aufgaben der esoterischen Schulung. Sie ist das Endziel einer wahren Religion.

„Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewußt!“
Goethe

Der Mensch kann diesen Weg erst dann verfolgen, solange die Freiheit seines inneren Willens nicht mehr eingeengt wird durch die Suggestionen, die immer wieder die Welt durchpulsen und ihn auf Irrwege locken. Deshalb gebietet der Genius des Ur – Ichs dem Aschwalom! Er weist immer die rechten Wege. Niemals darf der suchende Mensch der Suggestion und dem Willen eines anderen Menschen verfallen, denn sonst verliert er das Recht der Selbstbestimmung und die Fähigkeit der Selbstbesinnung und entwurzelt seine eigene Individualität, deren Höher – und Weiterentwicklung ja das Ziel des menschlichen Daseins ist.

Daher ist eine esoterische Schulung auch eine Formung der Persönlichkeit, die hochgepolt und gefestigt werden soll gegen die beengenden Einflüsse der Umwelt. – Aschwalom ist der Verstand, aber er ist auch der große Verführer, denn er erstickt sehr oft die Gefühlswelt um des Intellektes willen und verhindert den Menschen in das Reich der Gnade vorzustoßen.

Deshalb ist es so wichtig, den inneren Weg zur Erweckung des eigenen Genius zu finden, um durch ihn wieder empor zu dringen in astrale oder mentale Welten. Ein Schöpfer – Gott zu sein oder ein schöpferischer Dämon! Es ist das Gleiche! Beides ist zu erlangen durch Freiheit im Denken. Nur dann wird der Mensch das verlorene Meisterwort wieder finden, welches ihm die Tore zu den höchsten Erkenntnissen öffnet.

„Du stießest grausam kalt mich in ein uferloses, ungewisses Menschenlos!
Ich aber strebe unablässig immer wieder nur zurück zu Dir!“

Als eine Beigabe zu diesem Aufsatze wird das nachstehende Gedicht gegeben:

Der gefallene Engel

Jahrmillionen hatte er gestandenvor Gottes Thronals Hüter, Wächter und Bewahrer.Doch als der Sohn zurückgekommen war,griff seine Hand ins Leere.Er stand vor Gottund sah ihn nicht.Er rief nach Gott vergebens.Und seine Seele weinte.Doch ferne glomm am Firmamentein Blaugestirnund eine Stimme sprach zu ihm:Ich suche Dich!Komm Du zu mir!Gib Deine Hände!

Ein bleiches Antlitz leuchtete von fernund eine schmale Hand begann zu winken.Aeonen fielen von ihm ab,um in dem Meer der Zeiten zu versinken.

Der große Engel, der dort stand,war einst sein Bruder und Gebieter,der ihn verließ.Nun rief ihn seine Stimme wieder!Und durch die Sphären klang sein Rufbis zu dem Einen,der ihn schuf„Satanas triumphator“.

Gregor A. Gregorius.

Saturnius in den „Blättern für angewandte okkulte Lebenskunst“

Vier Texte von Johannes Göggelmann / Frater Saturnius, veröffentlicht zwischen 1953 und 1957.

Saturnian context

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