Werner Schmitz — Auf Teufel komm raus

Ordo Templi Orientis
Fraternitas Saturni
background information


Nachwort zur Braille Verion
des Kriminalromans von

Werner Schmitz

Auf Teufel Komm Raus

              Werner Schmitz — Auf Teufel komm raus


Hintergrund, der zu diesem Roman führte:

Jürgen Gisselmann posiert zusammen mit Ulla von Bernus für die Zeitschrift "Hör Zu", ist aber zu jung, um Fraternitas Saturni-Mitglied zu werden. Deshalb nimmt ihn Karl Wedler (33° der Fraternitas Saturni) unter seine persönlichen Fittiche. Die Freundschaft zwischen der von Bernus und Gisselmann kriegt Risse, als letzterer den UFO-Glauben seiner Meisterin zerpflückt. Er schreibt gleichzeitig für den "Stadtanzeiger «Marabo» für Bochum und Umgebung" (wo a uch ein Werner Schmitz tätig ist) und den "Playboy." Er ist sogar im Gespräch für ein Fernsehinterview, geführt von Alfred Biolek im WDR. Gisselmann, der sich sehr an die vielen Schriften von Johannes Göggelmann/Saturnius anlehnt, zieht einen "Club Belphegor" auf, der mit dem Lockbegriff "Schwarze Messen ... Wie? Wann? Wo?" inseriert und einen "Ordo Orienti Satani" verbirgt, um Frau von Bernus Konkurrenz zu machen. Bald kriegt er es mit der Angst vor schwarzmagischer Verfolgung zu tun und begeht, erst 25jährig, am 2.10.1979 Selbstmord. Die Geschichte dieses Selbstmordes wird nun von obenerwähntem Schmitz, der die nötigen Informationen u.a. von Dieter Heikaus erhält, als Krimi "Auf Teufel komm raus" verarbeitet. Nach Erscheinen des Krimis werden Flugblätter an Wedlers Wohnort verteilt, in denen dieser mit bürgerlichem Namen erwähnt und sogar mit einem Photo gezeigt wird.

Im Roman auftretende Protagonisten:
Knoche = F.W. Haack
Don = Karl Wedler
Risse = Jürgen Gisselmann
Daniel = Guido Wolther
Beta = Ulla von Bernus




Folgendes Gespräch wurde speziell für die Braille-Version hergestellt. Die Fragen stellte Claude Gütlin, Verlagsleiter der SBS Zürich bis 1998, die Antworten stammen von Peter-R. König. Helvetizismen wurden belassen.



F: Wie enstanden Orden? Sind sie aus abtrünnigen "Christengruppierungen" entstanden oder sind da ältere oder andere Motive dahinter? Anders gefragt: Stecken echte Bemühungen um den Fragenkreis des "Sinn des Lebens" oder materielle Ziele dahinter? Werden einfach die Bedürfnisse des Menschen nach Geheimnisvollem, Unheimlichem, nach dem Grauen und nach der "Angst an sich" befriedigt?

A: Die Freimaurerei entstand aus den freien Architekten des Mittelalters, die sich vor Konkurrenz schützen wollten. Das Rosenkreuzertum bezog seinen zündenden Funken aus einem damaligen Roman des Mittelalters. Scientology ist eine Neu-Religion, die Religion des Herrn Moon ebenfalls. Der in letzter Zeit bekannt gewordene zürcher Verein für Psychologische Menschenkenntnis (VPM) ist kein Orden, sondern eine psychologisch orientierte Gruppierung, trotzdem wird der Verein von seinen Kritikern als "Sekte", sogar als "Psycho-Sekte" bezeichnet. Es wäre oberflächlich, allen Bemühungen, die abseits der Landeskirchen stattfinden, die Sinnfragen des Lebens abzusprechen. Materielle Ziele finden sich überall, ob im Vatikan, oder in den Geheimorden. Aber was für materielle Ziele will oder könnte ein Mitglied erreichen, das in einen okkulten Orden eintritt, der kaum ein Dutzend Mitglieder aufweist, eh nur irgendwo im Hinterland in den Hinterzimmern von Landbeizen sich trifft, oder auf dem Friedhof das Skelett von Onkel Franz ausgräbt? Sicherlich könnte man die Mitgliederbeiträge in diesem zweifelhaften Lichte sehen, es ist jedoch eigentlich nur die Scientology, die sich das Ziel gesteckt hat, mit Geld die Welt zu regieren. Okkult-Orden pauschal als "Bedürfnis-Anstalten" abzutun, wo das Gruseln gelehrt wird, wäre der Suche nach dem Sinn des Lebens unrecht tun.

F: Besteht zwischen den im Buch erwähnten Teufelsorden und den bekannten Orden wie Freimaurer, Rosenkreuzer, Malteser usw. eine Beziehung?

A: Als erstes müsste man den Begriff "Teufelsorden" klären, der meines Erachtens irreführend ist. Niemand betet den christlichen Teufel an, der, schweisselnd, mit Bocksfuss und einer Horde Hexen im Schlepptau, Böses tut. Vom christlichen Standpunkt aus ist alles Teufelswerk, was nicht Jesus Christus im Mittelpunkt seines Weges hat. Astrologie, Tarot, Pendeln, die Ableugnung der Jungfräulichkeit Marias etc. sind alles Blendwerke des "Teufels". Im Laufe der Jahrtausende, schon lange Zeit vor Beginn des Christentums, wurde in den meisten Weltreligionen über Gut und Böse nachgedacht und den beiden Polaritäten verschiedene Stellenwerte zugesprochen. Das, was in den sogenannten "Teufels-Logen" geglaubt wird, lässt sich nicht auf einen einheitliche Nenner bringen. Um den Bogen zum Krimi von Werner Schmitz zu spannen: In der "Fraternitas Saturni" stellt Saturn ein prüfendes Prinzip dar, das gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen schwingt. Eine davon ist zum Beispiel Lucifer, der Licht- also Wissensbringer. Es gilt jedoch, das saturnische Prinzip zu überwinden, um sich unter den Einfluss des nächsten Planeten, Jupiter, zu stellen, dessen mildes Licht verzeihende Güte bringen wird. Der Kampf um Gut und Böse wird zu Gunsten des Guten enden. Zurück zur Frage. Es gibt nur insoweit eine Beziehung zwischen den Orden, seien es Freimaurer, Rosenkreuzer, Malteser etc., dass alle einen Heilsweg (meist christlicher Art) anbieten. Manchmal kann sich das hierarchische Prinzip der Ordensstruktur ähneln, manchmal gibt es Doppelmitgliedschaften — aber ansonsten keine Berührungspunkte.

F: Wie waren/sind die Logen organisiert? (Muss man in der Vergangenheit schreiben oder gibt es sie immer noch?) Gab es da einen "Oberloger"? Konnte man sich "heraufdienen"? Kostete die Mitgliedschaft etwas? Gibt es internationale Verbindungen?

A: Die meisten Logen orientieren sich nach dem freimaurerischen Vorbild der Ordensgrade. Das können 7, 10, 33 oder mehr sein. Man beginnt unten und arbeitet sich im Laufe vieler Jahre hinauf, je nach Wissen, das man sich aneignet. Selbstverständlich gibt es solche Logen noch. Jeder Loge steht ein Logenmeister bevor. Freimaurerlogen sind weltweit geführt, aber auch da gibt es wieder Konkurrenzkämpfe: Die französische Grossloge wird von der englischen nicht anerkannt. Jedes okkulte Grüppchen hat seinen "Guru", der das ideologische Material liefert, vielleicht einen anderen (oder denselben), der administrativ die örtliche Gruppe leitet, oder weltweit die Fäden in der Hand hält. Internationale Verbindungen bestehen nur innerhalb derselben Gruppe. Meist grenzt man sich stark von anderen Gruppen ab. Da es sich aber um Minderheiten handelt, oft kaum ein Dutzend Mitglieder, sind es meist nur Worthülsen ("Unser Heiliger Orden"), die den Mitgliedern etwas pompös Grosses vorgaukeln. Die Mitgliedschaftskosten hängen von Gruppe zu Gruppe ab. Soweit ich weiss, verlangt die Fraternitas Saturni 15-20 DM pro Monat.

F: Teufelslogen und Sonnentempler: Haben diese Gruppierungen etwas miteinander zu tun? Gibt es etwas Verwandtes in der Anlage der Orden und der Sonnentempler?

A: Die beiden Gruppierungen kann man nur insoweit miteinander vergleichen, als beide eher im Geheimen wirken und bei beiden die Mitglieder nach Erlösung, Heil oder zumindest Kontakt mit etwas Göttlichem suchen. Verwandtschaft besteht in der Ähnlichkeit des Ordensaufbaus, also der hierarchischen Struktur, aber ansonsten gibt es keine Berührungspunkte. All die unzähligen Orden, Logen und sonstigen Grüppchen sind zu zahlreich, zu sehr im Untergrund, als dass man da eine Verbindung konstruieren könnte.

F: Nach dem grossen Gruppenselbstmord der Sonnentempler in der Schweiz von 1994 hat man Bilder über die Ausstattung des "Tempels" gesehen. Es gab Umhänge für die Teilnehmer und den "Boss" an den Wänden, an der Hauptwand — vergleichbar einer Kirche, wo der Altar und die Kanzel sind — stand ein Tischchen mit Gegenständen, und ein rotes Tuch verdeckte die Mauer. Welche Bedeutung haben solche Gegenstände? Werden sie angebetet oder dienen sie dem "Gottesdienst"? Wir wählen hier dieses Wort, weil die Handlungen vermutlich mit einem kirchlichen Gottesdienst verglichen werden können. Ist das so?

A: Ich glaube kaum, dass es irgendeine Glaubensrichtung gibt, in der Gegenstände angebetet werden (obwohl eine gewisse Art von Reliquienverehrung sogar im Katholizismus zu finden ist). Etwas anderes wäre es, wenn Gegenstände eine Transsubstantiation erfahren würden, so wie es das Brot und der Wein während einer katholischen Messe tun, die durch einen "magischen" Akt des Priesters tatsächlich Leib und Blut Christi werden — im Gegensatz zur protestantischen Kirche, wo dieser Akt nur symbolhaft ist. Selbstverständlich lehnen sich die meisten Neureligionen hier im Westen in Habitus, Paraphernalien und Ritus an die Landeskirchen an. Das Wort "Gottesdienst" erfährt unter Umständen neue Inhalte, je nachdem welcher Gott, welche Art Göttlichkeit Zentrum ist, oder ob letztendlich der Mensch selber Gott werden soll. Der Umhang im Okkultismus soll negative Kräfte abhalten und ggf. die hierarchische Stufe im Orden signalisieren. Altar und Kanzel haben eigentlich immer dieselbe Bedeutung wie in den Landeskirchen. Ein rotes Tuch an der Wand soll wahrscheinlich nur die hässliche Wand verdecken. Die Farbe rot kann je nach Glaubensvorstellung Blut, Feuer o.ä. bedeuten.

F: Die Frage nach den Verbindungen zu den heute so aktiven Scientologen, Moonies oder dem VPM liegt einem nahe. Ist es bei den Teufelslogen auch so, dass man kaum mehr hinausfindet, wenn man einmal dabei ist? Findet eine Art Gehirnwäsche statt oder sind das Freizeit-Orden?

A: Gehirnwäsche findet immer nur dann statt, wenn ein Aussenstehender sie so definiert. Sobald eine Glaubensrichtung in glückhafter oder psychologisch verankerbarer Wechselwirkung mit dem Glaubenden steht, ist es unter Umständen gar nicht mehr nötig, da "hinauszufinden". Das gilt für das Christentum genauso, wie für Leute, die an Astrologie glauben oder an Lucifer. Der Begriff Freizeit-Orden ist dann falsch, wenn es sich tatsächlich um religiöse Gemeinschaften handelt. Glaubensausübung kann nicht nur in der Freizeit stattfinden.

F: Der Name "Baphomet" klingt ägyptisch — was heisst der Name und woher kommt er? Gibt es eine Beziehung zur Mythologie der alten Kulturen? Ist diese Beziehung nur "geblufft", so wie in den Abenteuerfilmen mit James Bond?

A: Was Baphomet genau ist, weiss niemand. Als die alten Templer, die vom französischen König, dem deutschen Kaiser und dem Papst nach Jerusalem geschickt wurden, um den Tempel Salomons wieder dem Christentum einzuverleiben, dann schliesslich auf den Scheiterhaufen landeten, weil sie sich unterwegs zuviele Schlösschen einverleibten, wurden sie vorher gefoltert, damit man auch Gründe finde, um sie zu vernichten. In den vielen Tausend Folterakten wird "Baphomet" vielleicht 2-3 mal erwähnt, er ist also für die Neu-Religionen und Orden ein idealer Projektions-Terminus, in den man alles mögliche hineingeheimnissen kann. Es hat sich eingebürgert, in Baphomet Männlich-Weiblich zugleich zu sehen, oft wird er auch mit dem "Teufel" identifiziert, also mit allem, was das Christentum "schlimm" findet. Beziehungen zur Mythologie alter Kulturen findet man immer. Selbst im Christentum, wo der 25. Dezember ja aus dem Mithras-Kult stammt.

F: Wo sind in diesem Ordensgerangel die Hexen zu Hause? Die haben doch auch einen Bund mit dem Teufel, so heisst es?

A: Hexen sind in der Natur zu Hause, also kaum in Orden. Falls sich Hexen überhaupt organisieren, dann in sogenannten "Coven". Dies ist eine Bewegung, die erst in diesem Jahrhundert in England entstanden ist. Orden sind meist nach dem männlichen Prinzip aufgebaut, Coven nach dem weiblichen. Man kann diese beiden Richtungen nicht miteinander vergleichen. Der "Teufel" hat bei modernen Hexen nicht mehr viel verloren.

F: In den Ritualen wird immer wieder das (religiöse) "Opfer" vollzogen. Welche Opfer wurden dargebracht und wie stand der einfache Teilnehmer zu diesen Opferungen? Hat er dadurch seine Sünden abstreifen können oder wurde er "einsichtiger"? Was hatte der einfache Teilnehmer davon? Wurden da so "unanständige Sachen" gemacht, damit sich die Teilnehmer nur schon deswegen an die Loge gebunden fühlten? Was waren denn die geheimnisvollen, immer angetönten und selten erwähnten gruusigen Sachen?

A: Man müsste zuerst den Begriff "Opfer" untersuchen, aber die Frage zielt wohl auf Blutopfer ab. Nun, die Hauptsache, warum Blut fliesst ist, weil Blut eine magische Bedeutung hat (die auch wieder differieren kann). Falls man überhaupt Blut braucht, dann Tierblut. Es kann ja auch Sperma verwendet werden. Es geht schlussendlich um das Prinzip "Leben". Die Frage "wie stand der einfache Teilnehmer dazu": Wenn er sowas nicht mit seinem Glauben vereinbaren kann, steht es ihm jederzeit frei, zu gehen. Der Begriff "Sünden abstreifen" stammt aus dem Christentum und hat bei den meisten Orden etc. nichts verloren, da "Sünde" unter Umständen komplett anders definiert wird. Da es bei den meisten Orden und Neu-Religionen um eine Göttlichkeit innerhalb des Menschen geht, kommt es lediglich darauf an, sich bewusst zu werden: "Es gibts nichts am Menschen, das nicht göttlich wäre" — also auch die sog. Sünde. Die Frage nach den "gruusigen Sachen" ist wieder eine andere. Ich persönlich denke auch, dass das Blutfliessen und der Sex, der manchmal stattfindet, sicher ein Anziehungspunkt ist. Für den "Glaubenden" jedoch ist es eine "natürliche Notwendigkeit" im Glaubenssystem, oft nicht einmal eine zentrale.

F: Im Buch werden Lieder mit unverständlichen Worten z.B. Aosa, Azaroth, Zariatnatmik erwähnt. Ist das ein Trick, um die Sache geheimnisvoll zu machen oder haben diese Wörter eine Geschichte und Bedeutung?

A: Die "barbarischen Namen", die während des magischen Aktes oder einer Messe "vibriert" werden, sind traditionell in der magischen Geschichte verankert. Jeder Engel, jeder Geist oder Dämon hat seinen bestimmten Namen. "Am Anfang war der Logos", also das Wort, steht in der Bibel; selbst Rumpelstilzchen konnte mit seinem eigenen Namen gebannt werden. Im Okkultismus werden die Namen gebraucht, um die dazugehörige Wesenheit herbeizurufen oder zu bannen, ihr zu befehlen oder sich auch von ihr besessen machen zu lassen.

F: Mit welchen Versprechungen oder welchem Köder werden neu Mitglieder angeworben? Was ist der Magnet, der Menschen an solche Rituale heranzieht?

A: Nun, die Geheimorden werben natürlich nicht. Da ist es das "Numinose", das den Suchenden anzieht, der eh eine religiöse Heimat sucht. Scientology, die offen wirbt, will die Menschheit, den Planeten zum Heil führen. Was aber der Magnet ist, der Menschen an solche Rituale führt, liegt immer im jeweils persönlichen Bereich des Einzelnen. Ich denke, da einen gemeinsame Nenner zu finden, ist kaum möglich. Nach meiner Erfahrung leiden die meisten solcher Menschen an einem Manko psychologischer Art: Der Orden ist oft Mutterersatz und der jeweilige Führer Vaterersatz.

F: In der Geschichte spielt auch eine Art Voodoo-Zauber, ein andermal eine "Schwarze Messe" ein Rolle. Hat der Autor hier zwecks Publikumfangs verschiedene Sachen miteinander vermischt? Sind schwarze Messen eher etwas für "hart-romantische" Jugendliche? Hat Ferntötung in diesen Logen einen festen Platz?

A: Man sollte wissen, dass der Autor Polizist ist und Okkultismus einerseits lächerlich und anderseits auf doch mögliche Gefahren aufmerksam machen will. Deshalb verwendet er entsprechende Begriffe. "Voodoo" stammt aus Afrika und Lateinamerika und bewegt sich ganz im Pantheon entsprechender Gottheiten. Das Ähnlichkeitsprinzip zwischen einer Puppe und einem Menschen ist jedoch westlich und wurde schon von Hippokrates formuliert. Es ist eine der Grundlagen magischen Denkens. Voodoo hat im Westen nichts verloren und wird kaum angewandt, schon sicher nicht von den hier beheimateten okkulten Geheimorganisationen (obowhl in den esoterischen Heftchen in letzter Zeit ein paar Voodoo-Damen inserieren). "Schwarze Messe" ist ein Gummibegriff, der in Geschichte und Literatur unzählige Definitionen erfahren hat. Marquis de Sade führte (zumindest literarisch) Hostien in die Vagina ein. Ist dies nun eine Schwarze Messe? Oder muss man bei einer solchen das Vaterunser rückwärts beten? Es hängt nicht nur von der Definition ab, sondern auch vom Standpunkt des Beobachters. Alles, was keine landeskirchliche Messe ist, kann als Schwarze Messe gelten. Was "hart-romantische Jugendliche" sind, weiss ich nicht. Ferntötung ist sicherlich kein fester Bestandteil einer Loge. Falls man magisches Denken vollzieht, ist sowas natürlich auch möglich. Es wird jedoch von fast allen Magiern abgelehnt, Magie zu betreiben, die Schaden könnte, weil im magischen Denken sowas automatisch auf den Ausübenden zurückfällt. Hier im Krimi von Schmitz taucht die Satanistin Beta auf, die im wirklichen Leben Ulla von Bernus heisst (und sogar noch von Rudolf Steiner persönlich in dessen christlichen Kirche getauft wurde). Frau von Bernus gehört keiner Geheimloge an, obwohl sie mit einigen Protagonisten persönlichen Kontakt pflegt. Frau von Bernus unterhält Kontakt mit dem (ihrem!) Teufel, der ihr die Lottozahlen durchgibt und ihr bei sogenannter "Ferntötung" hilft. Es hat sich aber herausgestellt, dass ihre Dienste nicht wirkten. Sie wurde deshalb einmal von einem Klienten für 30'000 DM eingeklagt. Falls Ferntötungen vorgenommen werden, dann sicherlich nur im privaten Bereich, ob man nun in einem Orden ist oder nicht. Ausser der Orden selbst wird bedroht. In einer Ablegergruppe der Fraternitas Saturni hat man zu Ostern 1992 auf einem Friedhof in Ankum ein Ritual zelebriert, um etwelche Bösewichter, die dem Orden Schaden zugefügt zu haben schienen, abzuhalten. Es floss kein Blut, lediglich Sperma. Noch schnell etwas zu der Gefährlichkeit okkulter Praktiken. Selbst die Astrologie kann den Glaubenden soweit in die Unmündigkeit treiben, dass ihm der nahe Tod vorausgesagt wird, was grosses Unglück hervorrufen kann. Viele Schüler, die den Anleitungen in der Jugendzeitschrift "Bravo" folgen, erhalten durch Tische-Rücken, Pendeln oder Gläser-Rücken von Satan plötzlich den Auftrag, den eh schon ungeliebten Mitschüler, das kleine Brüderchen oder sich selbst aus dem Fenster zu werfen. Dies sind natürlich psychologische Phänomene, zeigt aber, dass Okkultismus "Unordnung" im Individuum erzeugen kann.

F: Im Krimi wird immer wieder der Unterschied angetönt zwischen "echten" Teufelslogen und "Erotikmarkt-Seancen". Es scheint, dass unter dem Deckmantel der Ernsthaftigkeit eine Art kommerzielles Sexbusiness sein Unwesen treibt. Wo ist da die Grenze? Gibt es überhaupt ernsthafte Teufelslogen?

A: Es gibt keine klare Grenze zwischen reiner Geldmacherei im Rahmen des Esoterik-Booms und "echten" Logen (ich klammere den Begriff "Teufel" nun endlich aus). Man sollte unterscheiden zwischen organisiertem Okkultismus, also den Logen, und dem Okkultismus, der jeder alleine oder im Freundeskreis betreiben kann. Astrologie, ganz klar dem Soft-Okkultismus zuzuschreiben, findet heutzutage schon fast überall statt. Okkultismus jedoch dem Sexbusiness zuzuordnen, heisst, seinen eigenen Projektionen zum Opfer gefallen zu sein. Sex als Bestandteil oder Zentrum der Glaubensausrichtung ist äusserst, wirklich äusserst selten, das dazu gehörige Glaubenssystem und die Ordens-Struktur dermassen speziell und kompliziert, dass sich jegliche kommerzielle Auswertung von selbst ausschliesst. Als ernsthafte Loge kann man jede bezeichnen, die eine historische Tradition aufweisen kann; denn Business- oder Freizeitlogen überleben den nächsten Sommer kaum.

F: Zum Schluss eine Frage zur Haltung des Autors: Er beginnt ironisch, mit guten Sprüchen und ketzerisch. Je ernster die Story wird, umso ernster wird auch der Autor, kann es sich aber nie verkneifen, sich auch ein wenig über die "Gläubigen" lustig zu machen. Und dann muss er erleben, dass sein Sohn bei den "Jugendlichen Teufelsanbetern" mitmacht. Ist das eine vernünftige Haltung gegenüber den Teufelsorden? Wie soll man sich ihnen gegenüber verhalten? Sind sie irgendwie ernst zu nehmen?

A: Werner Schmitz, ich kenne seinen wahren Namen nicht, spiegelt die übliche irritierte Haltung des Aussenstehenden gegenüber dem Phänomen Okkult-Orden wieder. Wie weit soll Aufklärung gehen? Ist das Bemühen des Menschen um Wahrheit, wo auch immer die Suche hinführt, lächerlich zu machen, oder streifen wir damit nicht, selbst als Kritiker, einen Ur-Grund des Menschseins, wo uns das Lachen vergeht? Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Haltungen gegenüber Okkult-Orden herauskristallisiert. Die Landeskirchen haben sich jahrelang falsch verhalten und solche Phänomene ignoriert oder verteufelt. Missionarisches Verhalten a la Lächerlichmachen oder auf Christus als alleinseligmachenden Weg hinzuweisen scheint verfehlt. Heutzutage sollte undogmatische Aufklärung, so objektiv wie möglich, die beste Lösung sein. Sich informieren und darüber reden können hilft dem Menschen auf seiner Suche nach dem Sinn des Lebens.

© P.R. König, März 1995/2000

Kontext zu diesem Roman in: P.R. König: Der O.T.O. Phänomen RELOAD von 2011.


 

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