Illuminaten Orden - Order of the Illuminati - Weltbund der Illuminaten: Einst und Jetzt

Order of Illuminati
Weltbund der Illuminaten
World League of Illuminati
Ordo Illuminatorum
Illuminaten Orden
Ordo Illuminatorum Germaniae
Societas Totius Mundi Illuminatorum
pre-Ordo Templi Orientis

Der
Illuminatismus
einst und jetzt


Von Leopold Engel

Herausgeber:
Weltbund der Illuminaten
(Illuminaten-Orden) e. V., Berlin


Sonderdruck aus "Auf der Warte" 14. Jahrg., Nr. 6 u. 7



Der heutigen Welt ist das Wort Illuminatismus ganz fremd geworden, trotzdem es eine Zeit gab, in der es fast jedem Bürger Deutschlands recht geläufig war und sogar mit einem leichten Gruseln ausgesprochen wurde. Heute wissen nur wenige Eingeweihte, was dieses Wort in seinem innersten Wesen bedeutet, während die Historiker sich noch an den Begriff klammern, der ihm vor etwa 150 Jahren unterlegt wurde.
Daraus geht hervor, daß das wirkliche Wesen des Illuminatismus zwei Erklärungen unterliegt, denen der Vergangenheit und der Jetztzeit, und daß Irrtümer über den zu Recht noch bestehenden Begriff des Wortes sehr leicht entstehen müssen, falls er sich nicht mit dem der früheren Zeit deckt.
Wir wollen über den Zwiespalt zwischen historischem und heutigem Illuminatismus das notwendige Licht zu verbreiten suchen.
Woher stammt das Wort Illuminatismus, das wörtlich übersetzt "Erleuchtung" bedeutet?
Es entstand, als die Tendenz des Illuminaten-Ordens in den Jahren ab 1785 allgemeiner bekannt, heftig befeindet und verleumdet wurde. Wir müssen daher auf die Gründungsepoche des Ordens zurückgehen, um seine Bedeutung richtig zu erfassen. Im Jahre 1776 gründete der Professor Adam Weishaupt, Lehrer des kanonischen Rechtes an der Universität Ingolstadt, den Illummaten-Orden, der sich aus bescheidensten Anfängen zu einer historischen Bedeutung entwickelte, die allerdings heute fast ganz vergessen worden ist.
Weishaupt, geb. den 6. Februar 1748, war ein Mann von bedeutenden Talenten. Er erhielt bereits am 9. August 1768, also mit 20,5 Jahren, sein Doktordiplom von der Ingolstädter Universität, wurde 5 Jahre später dem akademischen Rat zugeführt und 1773 als Professor des Kirchenrechts angestellt.
Die Anstellung erfolgte sehr bald nach Aufhebung des Jesuitenordens durch den Papst Clemens IV. Jesuitische Professoren hatten bis dahin vielfach die Lehrstühle der Ingolstädter Universität inne und auch jenen stets beherrscht, der dem jungen 25 jährigen Professor zufiel. Die Folge war, daß die nunmehrigen Exjesuiten über die Bevorzugung Weishaupts in hellen Zorn gerieten und allerhand Angriffe gegen ihn ausführten, um ihrem Kollegen das Leben herzlich sauer zu machen.
Weishaupt hielt jedoch stand. Trotz aller erdenklichen Widerwärtigkeiten behauptete er seine Stellung und kam auf den Gedanken, durch eine geheime Gesellschaft den Wühlarbeiten seiner Feinde, die, wie er deutlich einsah, auch Feinde der allgemeinen Aufklärung waren, zu begegnen.
In aller Stille gründete er mit Schülern der Universität den Illuminaten-Orden, ohne daß er damals als der Stifter bekannt wurde.
Von Weishaupt ging also das aus, was als Illuminatismus zu verstehen ist, er war der Begründer der Ordens-Tendenz, prägte die Gesinnung der damaligen Illuminaten.
Was wollte also Weishaupt?
Es ist zunächst wohl zu bedenken, in welcher Zeit und welchem Lande er lebte.
Nur 150 Jahre trennen uns von jenem Zeitraum, eine relativ kurze Zeit, und doch, welche enormen Veränderungen auf allen Gebieten des Daseins hat die kurze Zeitspanne den Völkern gebracht!
Es war damals die Regierung des großen und kleinen Despoten am Ruder. Der Landesfürst schaltete nach Willkür, das Volk galt nichts. Der Fürst konnte seine Landeskinder noch verkaufen und es kam zu Szenen, wie Schiller sie in dem Trauerspiel "Kabale und Liebe" durch den Kammerdiener berichten läßt; es bestand noch die Leibeigenschaft und vor allen Dingen war das Schulwesen auf das kläglichste bestellt. Invaliden, Günstlinge des Adels und untergeordnete Personen, denen man eine kärgliche Versorgung geben wollte, die keineswegs aber eine nur leidlich wissenschaftliche Bildung besaßen, wurden als Lehrer der Jugend angestellt. Besonders schlimm sah es in Bayern aus. Dort wurden die mittleren Studienanstalten der Obhut der Klostergeistlichen übergeben, trotzdem es zu den Tagen des Kurfürsten Max Joseph, des Vorgängers Karl Theodors, unter dessen Regierung der Illuminaten-Orden entstand, zur Sprache kam, Mönche seien nie und nimmer zur Erziehung künftiger Staatsdiener brauchbar.
"Die Exjesuiten stritten daher mit den Kapuzinern, Franziskanern u. a. um die Herrschaft, nur in der Verfolgung denkender Männer und bei der Jagd auf verdächtige Bücher boten sie treulich sich die Hand —", sagt Professor A. Kluckhohn in seinen historischen Aufsätzen über die Illuminaten.
Zu diesen Zuständen kam noch die Zerfahrenheit in politischer Beziehung.
Am 30. Dezember 1777 starb Kurfürst Max Joseph III., einer der edelsten Fürsten Bayerns, ihm folgte Karl Theodor. Derselbe bewies seine Landesliebe dadurch, daß er drei Tage nach seinem Regierungsantritt am 3. Januar 1778 den größten Teil Altbayerns an Österreich abtrat, woraufhin österreichische Truppen das Land 14 Tage später besetzten. Der Kurfürst verlangte von den Professoren, daß sie den ihm geleisteten Huldigungseid auch der Kaiserin Maria Theresia als Regentin von Niederbayern leisteten, was denn auch geschah.
Auf diese Art diente das Kollegium zweien Herren, wodurch sich von selbst Spaltungen ergeben mußten.
Es ist vollkommen begreiflich, daß in der Seele Weishaupts, der für sein Land, für Aufklärung und Geistesfreiheit ehrlich begeistert war, der Wunsch aufstieg, Mittel und Wege zu finden, wodurch dem allgemeinen geistigen und sozialen Elend gesteuert würde.
Er glaubte ein kraftvolles Mittel in dem Wirken damals noch geheimer Gesellschaften zu finden und wandte sich zunächst der allgemein bekannten Freimaurerei zu, von der er viel erhoffte. Die Aufnahme wurde ihm zugesagt, verzögerte sich jedoch bis in das Jahr 1777. Er wurde in München in der Zeit vom 26. November 1776 bis 8. Februar 1777 in der Loge zur Behutsamkeit aufgenommen, hatte also bereits die ersten Schritte zur Begründung seines Ordens getan, als er Freimaurer wurde.
Die Freimaurerei enttäuschte ihn. Das war nicht verwunderlich, denn die Institution befand sich damals in einem Zustande ärgster Zerfahrenheit, war durchsetzt von Mystik und Schwärmerei, so daß mancherlei Mißbräuche sich eingestellt hatten, die erst später energisch beseitigt wurden.
Weishaupt entschloß sich nun um so mehr, eine eigene Gesellschaft ins Leben zu rufen. Er gesteht ein, daß eine besondere Stelle in Abts Werk "Vom Verdienst" ihn gewaltig begeisterte, daß sie den ganzen Geist des Illuminaten-Ordens enthält und seine Absichten unleugbar erkennen läßt, die er einzig und allein mit der Gründung verfolgte.
Wir geben hier die Stelle wieder, weil aus ihr zu ersehen ist, was Weishaupt selbst unter Illuminatismus verstanden hat. Sie lautet:
"Vieler, sehr vieler Menschen zeitliche und ewige Wohlfahrt befördern; ihr Leben und Wandel durch Vorschriften so einrichten, daß sie immer glückseliger, immer vollkommener werden; die Veranstaltung treffen, daß ihnen dergleichen Regeln ebenso geläufig als beliebt seien; solche Lagen aussinnen, dadurch sie sich alle, aller Widerspenstigkeit ungeachtet, zu einem gemeinschaftlichen Guten müssen hinführen lassen; dazu denn alle Verwicklungen, die meisten möglichen Fälle mit Treffen und Ausnahmen überdenken, sich an die Arbeit machen, wenn noch niemand sie nur als möglich ansieht; jahrelang arbeiten, manchmal ohne Frucht sich trösten, aufrichten, selbst anspornen müssen; keine Widerwärtigkeiten, keine Gefahr achten; keine innere Abneigung oder Lauligkeit überhandnehmenlassen; und dies alles bloß darum, weil es zu Nutzen und Frommen der herzlich geliebten Nebenmenschen gehört, ihrer, die nach einerlei Bilde mit uns geschaffen sind. Oh! Wo ist der Mensch, der dies tut?"
Weishaupt wurde durch diese Stelle, die uns heute recht schwülstig erscheint, immerhin aber in ihrem Kerne einen hohen Idealismus predigt, hoch begeistert und bekennt, daß er sie immer wieder las, wenn ihm der Mut bei Ausübung seines Werkes sinken wollte.
Es drängt sich nun die Frage auf: Wie hat der Ordensbegründer den ausgesprochenen Idealismus ins Werk gesetzt? Was leistete er in praktischer Hinsicht durch den Illuminatismus, der sich in dem Sinne Abts doch kundgegeben haben muß?
Da ist nun zunächst festzustellen, daß die von Abt aufgestellte Frage: "Wo ist dieser Mensch?" von Weishaupt folgendermaßen beantwortet wurde:
"Dieser Idealmensch ist noch nicht zu finden, aber es ist die Möglichkeit vorhanden, namentlich unsere Jugend zu ihm hinzuführen, sie und unsere Nachkommen zu solchen Idealmenschen heranzubilden."
Um ein solches Ziel zu erreichen, mußte vor allem ein System von ihm ausgearbeitet werden, das den Illuminaten-Orden zu einer Weisheitsschule gestaltete, in der dasjenige gelehrt wurde, was damals von den öffentlichen Kathedern verbannt war.
Der Schwierigkeit einer solchen Gründung, die Aufklärung und Geistesfreiheit bringen sollte, war sich Weishaupt sehr wohl bewußt, er erkannte jedoch, daß die Grundlage einer Weisheitsschule namentlich "Selbst-und Menschenkenntnis" sein müsse, zwei Fächer, deren Lehrstühle auch heutzutage noch vergeblich an den Hochschulen gesucht werden. Er ging von der Ansicht aus, daß ohne wahre Selbst- und Menschenkenntnis Aufklärung überhaupt ein Unding sei. Weishaupt erklärt den Begriff "Aufklärung" daher wie folgt:
"Aufklärung ist, zu wissen, was ich bin, was andere sind, was andere fordern, was ich fordere; zu wissen, daß ich mir allein nicht genug bin, daß ich ohne Hilfe meiner Nebenmenschen nichts bin, sie demnach als wesentlichen Teil meiner Glückseligkeit betrachte, daß, wenn ich nichts für sie leiste, sie auch nichts für mich übernehmen.
Man muß nachgiebig gegen Fehler sein, tolerant gegen andere Meinungen, mit seinem Schicksal zufrieden leben, mit anderen trauern, ihnen helfen, wo man kann, und sich freuen über andere Freuden, seinen Überfluß zum Nutzen anderer verwenden.
Wenn solche Aufklärung ein Werk der Moral ist, so nimmt auch Aufklärung und wechselseitige Sicherheit zu." —
Der aufmerksame Leser wird leicht herausfinden, daß die hier von Weishaupt gestellten Forderungen sich decken mit jener Stelle aus Abts "Vom Verdienst".
Bedenkt er noch, daß die zitierte Definition über Aufklärung den Ordensmitgliedern zur Zeit der Blüte des Ordens im Priestergrad eingeprägt wurde, so ergibt sich der Beweis, daß Weishaupt seinen ursprünglichen Absichten getreu geblieben ist.
Was der Ordensbegründer unter Illuminatismus verstanden wissen wollte, war demnach nur veredelte Selbstkenntnis, die zur Menschenliebe führt durch Aufklärung.
Dieses Ziel prägt sich auch deutlich in den Ordensstatuten aus, die bis zur Verfolgung des Ordens 1785 volle Geltung hatten. Es heißt daselbst, nachdem eine Versicherung vorhergeht, daß der Orden keine für den Staat, die Religion und gute Sitten nachteilige Gesinnungen oder Handlungen zum Zwecke habe, noch an den Seinen begünstige:
"Seine (des Ordens) ganze Bemühung geht allein dahin, den Menschen die Verbesserung ihres moralischen Charakters interessant und notwendig zu machen; menschliche und gesellschaftliche Gesinnungen einzuflößen; boshafte Absichten zu hindern; der bedrängten und notleidenden Tugend gegen das Unrecht beizustehen, auf die Beförderung würdiger Personen zu denken, und noch meist verborgene, nützliche Kenntnisse allgemeiner zu machen. Dieses ist der ungeschminkte Zweck des Ordens, weiter stehet derselbe auch für nichts." —
Bis Ende Juni 1784 bestand der Illuminaten-Orden mit der von Weishaupt aufgestellten Tendenz, unangefochten von der bayrischen Regierung. Heimlich waren jedoch wühlende Kräfte tätig, um sein Gebäude einstürzen zu lassen.
Von den Feinden wurde der Begriff Illuminatismus in das strikte Gegenteil von dem verwandelt, was Weishaupt unter ihm verstand und lehrte. Sie vermochten es, als Feinde jeder Aufklärung, die edlen Absichten des Ordensstifters gründlich zu verleumden und dem harmlosen Bürger ein Grauen vor dem Begriffe "Illuminatismus" beizubringen.
Der Kurfürst Karl Theodor wurde mit Erfolg derartig beeinflußt, daß er gegen alle Erklärungsversuche der Ordensmitglieder sich schroff ablehnend verhielt und eine Verfolgung brutalster Art gegen alle Illuminaten einleiten ließ.
Die Beeinflussung ging so weit, daß er für sein Leben zitterte, weil er dem Märchen, die Illuminaten besäßen die Kunst, das berüchtigte Gift der Borgia "aqua tofana" herzustellen, und hätten es auch wirkungsvoll angewandt, Glauben schenkte.
Die Illuminaten wurden als Vaterlandsverräter gebrandmarkt, weil, wie behauptet wurde, sie Bayern an Österreich ausliefern wollten. Diese Beschuldigung ist aber gerade deswegen unerfindlich, weil Karl Theodor keinen größeren Wunsch besaß als den, seine Erblande an Österreich zu übergeben, um dafür unter der Bedingung, kein Militär zu halten, König von Burgund zu werden.
Österreich wollte diese neue Reichsgründung übernehmen, wurde jedoch erfolgreich durch Friedrich den Großen an der Ausführung behindert, der den Fürstenbund gegen das Austauschprojekt errichtete.
Die Illuminaten hätten also durch den behaupteten Verrat die Absichten des Kurfürsten nur gefördert.
Weiterhin sollten sie Religionsverächter und Revolutionäre sein. Die Lehren des Illuminatismus verursachten in Frankreich den Ausbruch der Revolution, so wurde behauptet, weil einesteils Mirabeau Illuminat wurde, anderenteils die Jakobiner nichts anderes gewesen wären als Illuminaten. Allerdings war Mirabeau Illuminat, aber auch der einzige Mann, der, wenn er nicht frühzeitig gestorben, imstande gewesen wäre, das Königtum in Frankreich zu retten, das ist geschichtlich erwiesen. Ebenso ist es als Märchen erwiesen, daß die Jakobiner aus den Illuminaten entstanden sind. Wer über alle diese Punkte Zweifel hegt, weil leider in den älteren Geschichtsbüchern immer noch einiges von den erwähnten Beschuldigungen zu finden ist, wolle in der "Geschichte des Illuminatenordens" [Geschichte des Illuminaten-Ordens. Ein Beitrag zur Geschichte Bayerns. Nach authentischen Dokumenten in den Geheimen Staatsarchiven zu München, Berlin, Dresden, Gotha, Paris, Wien, dem Geheimarchiv des Illuminaten-Ordens und verschiedenen Privatarchiven, verfaßt von Leopold Engel, Berlin 1906] die historischen Nachweise nachschlagen, die alle diese Lügen widerlegen.
Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde jedoch alles geglaubt, was dazu dienen konnte, den Illuminatismus als den Inbegriff der Schlechtigkeit hinzustellen. Dinge, die rein gar nichts mit ihm zu tun hatten, wurden ihm unterschoben.
Recht klar geht das aus einer Note hervor, die im Pariser Staatsarchiv bewahrt wird und von einem Gesandten der jungen Republik stammt. Sie ist nach dem Revolutionskalender vom 19. Gal. an 4. datiert und mag in der Übersetzung im vollen Wortlaut folgen, weil sie deutlich das unparteiische Urteil eines Franzosen wiedergibt, der gewiß keine Veranlassung hatte, den Illuminatismus irgendwie zu beschönigen.

"Der Orden der Illuminaten, welcher sich wesentlich von dem der Illumines (ein phantastischer französischer Orden) unterscheidet, ist ehemals in Bayern sehr verbreitet gewesen. Freunde von Grundsätzen und der Menschlichkeit hatten sich da vereinigt, um sich dem Fortschritt des zivilen und religiösen Despotismus entgegenzustellen, sehr aufgeklärte, öffentliche Beamte gehörten zu dieser Zahl. Weishaupt, sehr berühmter Professor an der Universität zu Ingolstadt, war an ihrer Spitze. Dieser Geheimorden näherte sich viel den Freimaurern, aber er war mehr instruiert und mehr dem Interesse der Volksunterdrücker entgegengestellt. —
Der Kurfürst von Bayern, durch einige falsche Brüder von den Grundsätzen, zu denen die Illuminaten sich bekannten, unterrichtet, verfuhr mit Härte gegen dieselben, er hat sie von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und sie selbst in seinem Kurfürstentum verboten. Es war leicht, ihre Versammlungen zu schließen und ihre Korrespondenzen aufzufangen, aber es war unmöglich, dieses heilige Feuer zu verlöschen, den Enthusiasmus für die Freiheit zu ersticken, welchen der Orden dem Geist junger, ehrbarer und aufgeklärter Leute mitzuteilen gewußt hat. Die vereinigten Mächte (!) nannten die Illuminaten die Vorläufer der Jacobiner, schrieben ihnen ein angebliches Einverständnis zwischen den Illuminaten und den Jacobinern zu, und alle Unfälle, welche die deutschen Armeen beim ersten Triumph-Einzug der Franzosen in Deutschland zu ertragen hatten."


Der Hinweis, daß die vereinigten Mächte, als Gegner Frankreichs, alle sich selbst zugezogenen Unfälle den Illuminaten bzw. ihrem Einfluß zuschrieben, zeigt deutlich, wie die von Bayern ausgegangenen Verdächtigungen überall Wurzel geschlagen hatten und jedenfalls geglaubt wurden.
Merkwürdig ist nun die Tatsache, daß nach einem Jahrzehnt der Spieß umgekehrt wurde und der Begriff Illuminatismus wieder herhalten mußte, um die Freiheits-Bewegung in den von Napoleon unterdrückten deutschen Landen zu kennzeichnen.
Der Orden selbst existierte nach den Verfolgungen in den Jahren 1784-1787 nicht mehr in Bayern und verlor sich ebenfalls in den anderen Ländern; da jedoch die greulichsten Anklagen erhoben, zwar nie bewiesen und auch nicht widerlegt wurden, entstand eine allgemeine Illuminatenfurcht.
Der Weishauptsche Begriff wurde völlig mißachtet, sein dringender Ruf nach Rechtfertigung erst recht, nur seine Flucht nach Gotha zu dem ihn schützenden Herzog Ernst rettete ihn vor Vernichtung. Die große Menge ward daher geflissentlich in Unwissenheit gehalten und nahm in ihrem Sensationsbedürfnis jedes auftauchende Märchen von der Schädlichkeit des Illuminatismus für bare Münze.

So kam es, daß alle Männer, die sich irgendwie gegen geistige und politische Unterdrückung auflehnten, von den Unterdrückern von vornherein als Illuminaten angesehen wurden. Dieses Wort war Mode geworden für jedes Denken und Fühlen in außergewöhnlichen Bahnen und gewann naturgemäß wieder Bedeutung, als Napoleon sich zum Gewaltherrscher aufwarf.
Er hatte eine Ahnung von der früheren Existenz des Illuminatismus, zweifellos eine falsche, denn als der Student Staps ein vergebliches Attentat in Schönbrunn auf Napoleon ausübte, fuhr letzterer sofort mit der Frage heraus: Sie sind ein Illuminat? Staps verneinte dies, wußte nicht einmal, was ein Illuminat ist.
Jedenfalls infolge des Attentats ließ Napoleon Untersuchungen nach der Existenz von Illuminaten ergehen. Das Resultat liegt in einer langen Liste im Pariser Archiv und enthält nicht nur sämtliche Namen der deutschen Fürsten, darunter selbst diejenigen, die Napoleon ihre Krone verdankten, sondern auch die Namen aller hervorragenden Männer aus der Zeit der Befreiungskriege.
Alle, alle sollten vom Illuminatismus durchdrungen, echte Illuminaten sein.
Der Leser glaube nun nicht, daß diese Ironie des Schicksals nunmehr dem eigentlichen Illuminatismus zum Siege verholfen hätte. Er wurde vergessen, und nach den Freiheitskriegen kannte man auch kaum das Wort mehr. Es war mit dem Pulverrauch der Schlachten in alle Winde geweht worden, mußte aber noch einmal dazu dienen, um die Gesinnungsart des Eroberers Napoleon zu kennzeichnen.
Im Jahre 1815 sandte der sächsische Gesandte am königl. preußischen Hofe eine Schrift über den Tugendbund ein, jene Vereinigung deutscher Patrioten, die sich gegen die Herrschaft Napoleons richtete, in der er den Nachweis zu führen sucht, daß die Illuminaten nicht ohne Einfluß auf jenen Bund waren. Zum Schluß dieses im Dresdner Staatsarchiv befindlichen Manuskriptes heißt es da:
"Je mehr Druck, je mehr Elastizität, habe ich schon früher gesagt, die ganze Geschichte lehrt es. In Bayern wurden die Illuminaten wie Ketzer verfolgt, seitdem hat sich ihr Geist auf den Thron von Frankreich gesetzt, verwandelt in eines Menschen Leib, genannt Napoleon." —
Es ist gerdezu verblüffend, welche Wandlungen der Begriff Illuminatismus innerhalb 40 Jahren durchmachen mußte und wie weit er sich von seiner ursprünglichen Bedeutung in der Anschauung der Menschen entfernte.
Weishaupt wollte mit Illuminatismus den Weg zur Selbstveredelung und Menschenliebe bezeichnen. Von den erstehenden Feinden wurde der Illuminatismus als der Geist der Gottlosigkeit mid Revolution verschrien, der Religion und Fürsten abschaffen, vernichten wolle. Nach der französischen Quelle haben dann deutsche Fürsten ihre Mißerfolge bei dem napoleonischen Siegeszug auch diesem bößen Einfluß zugeschrieben, was sie dann aber nicht hinderte, sich dem Illuminatismus zuzuwenden, um sich durch ihn gegen Napoleon zu wehren.
Schließlich wird Napoleon selbst als der verkörperte Illuminatismus bezeichnet.
Letztere absurde Meinung kann unmöglich der sächsische Gesandte am preußischen Hofe allein besessen haben, es würde seine Schrift sonst kaum im Archiv bewahrt worden sein. Es ist anzunehmen, daß sie von seiner Umgebung geteilt und vielleicht als treffendes Urteil bekannt gewesen ist. Jedenfalls ist es gut, daß im Wandel der Zeit jene Verdrehungen und Verleumdungen, namentlich des 18. Jahrhunderts, vergessen wurden, wenn nur nicht in letzter Zeit der klägliche Versuch gemacht wurde, diesen alten Staub aufzuwirbeln mit der unverhohlenen Absicht, den neueren Illuminaten-Orden in Mißkredit zu bringen. Wir werden genötigt sein, über diese Versuche später ein Wort zu reden, jetzt sei nur noch kurz gesagt, was heute unter Illuminatismus zu verstehen ist.
Das alte Programm: Selbstveredelung und Menschenliebe zu lehren, steht vor allen Dingen obenan. Allerdings behaupten alle humanistischen Gesellschaften, daß sie nach Selbstveredelung streben, daran ist auch nicht zu zweifeln, jedoch unterscheiden sich dann die eingeschlagenen Wege wesentlich.
Der Illuminatismus beginnt mit der Lehre, wie strengste Selbsterkenntnis errungen wird. Er zeigt den Einzelnen den Weg zur Ergründung der eigenen Seele, lehrt verstehen, wie Leidenschaften und Neigungen, gute und böse, entstehen, sich entwickeln, zu fördern oder zu bekämpfen sind, damit der Mensch zum inneren Frieden mit sich selbst und dadurch auch zum äußeren mit seinem Nächsten gelangt.
Mit diesem Bestreben kann er naturgemäß mit keiner der bestehenden Religionen in Zwist geraten, weil der Illuminatismus kein dogmatisches Lehrgebäude ist, sondern nur die freie Erkenntnis des Einzelnen zu fördern sucht, ohne unbedingten Glaubenszwang auszuüben. Wissen steht ihm höher als bedingungsloser Glaube. Das innere Erleben allein kann zum wissenden Erkennen führen und dann zum endlichen Wahrheitssieg. Stellt man nun die alte Pilatusfrage: Was ist Wahrheit? so ist zu antworten:
Wahrheit ist ein inneres Licht, dessen Strahlen den Weg des Erdenmenschen erleuchten soll, nur sind viele blind, sie empfinden die Strahlen nicht. Wem die Augen geöffnet sind, der kennt kein Abweichen vom rechten Wege mehr, bedarf keines Führers, sondern wandelt seine Straße ohne solche Hilfe.
Den Menschen fähig zu machen, daß ihm das innere Licht aufgehe, lehrt der Illuminatismus. Er bereitet also vor, den Weg zur Wahrheit zu finden, lehnt es aber entschieden ab, mehr sein zu wollen als eine Vorbereitungsschule.
Wahrheit muß von jedem Einzelnen eifrig gesucht werden; sie kann nicht gleich einem Geschenk übergeben werden.
Ohne inneres Erleben können die schönsten Lehrsätze keine volle Befriedigung geben, immer wird der Zweifel auftauchen und sie umzustoßen suchen, und gerade aus dieser Erkenntnis heraus lehrt der Illuminatismus von heute: "Wie mache ich mich fähig, die Wahrheit zu finden?" Viele zogen bisher aus, die Wahrheit zu suchen und kehrten enttäuscht zurück, weil alles Bemühen vergeblich war; viele werden auch in Zukunft gläubigen Herzens in die Fremde ziehen, um dort den ersehnten Wahrheitsquell zu finden. — Eine große Anzahl ist auch der Meinung, den Schatz des Wahrheitsgoldes bereits aus tiefem Schacht der Dunkelheit mühsam erhoben zu haben, andere erkannten aber bei vollem Tageslichte, daß das vermeintliche echte Gold Katzengold, Talmi ist, ohne daß die Finder selbst ihren Irrtum erkennen oder eingestehen wollen. — Was ist Wahrheit?
Der Illuminatismus lehrt: Wahrheit ist alles, was mit den Gesetzen der Ewigkeit übereinstimmt.
Folglich muß ich, um die Wahrheit zu finden, diei Gesetze zu erforschen, zu ergründen und zu begreifen suchen. Ist es mir nun gelungen, nur den Schlüssel zu einem einzigen derartigen Gesetze zu finden, so ist die gewichtigste Bedingung, daß der Mensch auch nach der Erkenntnis lebt und handelt, die ihm durch dieses Gesetz wird.
Keiner kann ein Wahrheitsfinder werden, falls er nur ein Theoretiker bleiben und kein Praktiker werden will, ohne daß die Wucht der gefundenen Wahrheitsgesetze ihn erdrückt, vernichtet.
Schiller sagt warnend und wahr: "Weh' dein, der zu der Wahrheit geht durch Schuld, Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein!" -
Das verschleierte Bild zu Sais darf nur mit reinen Händen enthüllt werden; der Frevler kann der Wahrheit nicht ungestraft ins Antlitz schauen.
Wo aber soll mit der Erforschung ewiger Gesetze begonnen werden ? Dringe ich in diese wirklich ein, wenn ich mich an Äußerlichkeiten halte, Erscheinungen der Natur beobachte, deren Gesetzmäßigkeit ich erkenne, jedoch ohne den Urgrund feststellen zu können? Die Wissenschaft lehrt Hunderte von Gesetzen, die klipp und klar sind, die auch in gewisser Art als Teile der Ewigkeitsgesetze angesehen werden können und müssen; z. B. ist das chemische Gesetz, daß ein Atom Sauerstoff und zwei Atome Wasserstoff bei inniger Vereinigung Wasser geben, gewiß seit Ewigkeit in Geltung. Der Mensch weiß das, lehrt und benutzt es, sieht er aber dabei der Wahrheit ins Antlitz? — Nein!! — Er weiß nicht, warum es so ist, wo die treibende Kraft zu dieser chemischen Vereinigung steckt, weiß überhaupt nicht, was Sauer- und Wasserstoff im ureigensten Grunde jt. Er nennt jedes einzelne ein Element, weil er annimmt, einen Urstoff vor sich zu haben, weis aber nach der Elektronentheorie, daß auch die Elemente sehr wohl noch zerlegbar sein müssen.
Besitzt also die Wissenschaft die Wahrheit im tiefsten Sinne, getreu nach der Forderung Weishaupts, man solle stets nach dem Grund eines Grundes suchen, um zum Urgrund, das ist dann die Wahrheit, zu gelangen? So schwer es auch ankommen mag bei aller Hochschätzung der Wissenschaften, die Frage muß verneint werden. Die Wissenschaften besitzen unendlich viel Wahres, aber die letzte, tiefste Wahrheit, die das letzte Ursachenrätsel löst, besitzen sie nicht. Die Welt der Erscheinungen ist eben nur ein Ausfluß, eine sichtbare Betätigung der Ewigkeitsgesetze, sie selbst bleiben uns aber noch vorläufig verborgen.
Der Illuminatismus lehrt deswegen: Ist der Mensch nicht auch ein Objekt der Ewigkeitsgesetze? — Die Antwort ist selbstverständlich: Ja! — Nun gut, so beginne der Wahrheitssucher mit sich selbst!
Seinen Körper kennt er, die Kunst des Anatomen hat ihn bis in das Kleinste zerlegt. Jeder kleinste Nerv, jede Faser ist bekannt geworden und — dennoch bleibt sich der Mensch ein Rätsel. Die Anatomie und Physiologie können nicht lösen, was der Mensch im ureigensten Sinne ist, sie haben noch nie feststellen können, was sein Leben, was das Leben überhaupt ist.
Der Weg des Anatomen und Physiologen ist also unbrauchbar zur Erkennung des Ewigkeitsgesetzes "Der Mensch"! Ein anderer Weg muß beschritten werden. Die ersichtlichen Betätigungen des menschlichen Lebens, die Quellen, aus denen sie stammen, müssen beobachtet, erkannt und festgestellt werden, dann allein kommen wir dem Urrätsel: "Was ist der Mensch?" — in Wahrheit näher. Dann aber haben wir auch einen mächtigen Schritt vorwärts getan, um der'Wahrheit ungestraft ins Antlitz sehen zu können, ihren Schleier immer mehr und mehr, zu heben und den Weg der Wahrheit herzhaft zu beschreiten, dessen Endziel uns im Anfang des Weges nicht erkennbar sein kann, weil er in der Ewigkeit zu enden scheint.
Der Illuminatismus schreibt deswegen die Kunst der Selbsterkenntnis als eine heilige Pflicht vor, die jeder Mensch zu erfüllen hat. Als erste Frucht fällt ihm dann von selbst "die Kunst der Menschenkenntnis" zu. Auf dem festen Grunde der Selbsterkenntnis kann jeder Wahrheitssucher dann den eigenen Tempel der Wahrheit erbauen, als ein wahrer freier Maurer von ernstem Streben.
Nicht in der Ferne liegt der goldene Wahrheitsschatz vergraben, in nächster Nähe, aus der eigenen Seelentiefe ist er zu heben und an das helle Licht der Lebenssonne zu schaffen.
Diesen Weg zur Wahrheit zu zeigen ist neben andern Aufgaben, die sich aus dem Streben nach Wahrheit ergeben, die Hauptaufgabe auch des heutigen Illuminatismus, die der Begründer des Illurninaten-Ordens, Adam Weishaupt, seinen Anhängern als heilige Pflicht hinterließ.





 

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    Der Illuminatismus einst und jetzt
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Text by Hermann Medinger: Rituals of the IO
Summary on the Court Case Metzger vs Englert with many scans.
Gabriel Montenegro's correspondence with European Thelemites in the 1960s.







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