Biographisches Interview mit Peter-Robert Koenig 1998 (deutsch)

Ordo Templi Orientis
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Ein Interview mit Peter–R. König

Gnostika Juli 1998
A.A.G.W.
Lothar von Kübelstrasse 1
D–76547 Sinzheim
Deutschland

Dieses Interview hat 1998 stattgefunden und wird hier erweitert wiedergege­ben.[1]
Version 2023.





"Nein, Von Diesem Lichte Ess Ich Nicht !"




Frage: Einige kurze biographische Hinweise wären unseren Lesern sicherlich hilfreich, um Ihre bestimmt komplizierten Aussagen tiefgründiger verstehen zu können. Falls Sie es in Worten auszudrücken vermögen, bitten wir um einen kurzen Lebenslauf.


Antwort: Geboren 1959 in Zürich, Sohn einer Österreicherin und eines Schweizers, die sich im London nach dem Zweiten Weltkrieg kennenlernten. Durch meine Mutter habe ich eine tiefsitzende Abscheu gegenüber totalitären Lebenssystemen, von meinem Vater das Grüblerische geerbt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde meine Mutter in Österreich als uneheliches Kind, dessen Vater vor den Nazis in die USA geflohen war, von Familie zu Familie weitergereicht; man hörte zuletzt 1944 von ihm, als er als amerikanischer Soldat an der Landung der Alliierten in der Normandie teilnahm, wo er wahrscheinlich sein Leben verlor. Vor dem Krieg hatte der Onkel meiner Mutter für einen Waffenerfinder und –hersteller namens Werndl gearbeitet. Als sich das Dritte Reich beim "Anschluss" 1938 Österreich einverleibte, war Klausmann (so hieß mein Großonkel) über die fehlenden Proteste in seiner Heimatstadt dermassen aufgewühlt, dass er der kommunistischen Partei beitrat und Teil des antinazistischen Untergrunds wurde. Er wurde gefasst und in das Konzentrationslager Mauthausen gebracht, wo man ihn folterte und ihn zwischen Holzbrettern zerquetschte, um ihn zum Verrat der Namen seiner Kameraden zu zwingen. Trotz seiner gebrochenen Knochen (einschließlich eines Teils der Wirbelsäule, soweit ich mich erinnere) blieb er stumm. Dann wurde er, immer noch von inneren Verletzungen geplagt, gezwungen, Steine zu schleppen. Da er vor dem Krieg bei der Firma Werndl in der Herstellung von Gewehren beschäftigt war, brachten ihn die Nazis in ein Gefängnis in der Nähe von Steyr, wo er mit anderen Häftlingen in der Munitionswerkstatt des Gefängnisses arbeitete. Nach der Befreiung humpelte er barfuß, noch in seinen Gefangenen–Kleidern, den ganzen Weg von Steyr nach Hause nach Wels, wo er dann starb.

Warum streckte Hitler meiner Mutter die Hand hin?
Während der "Heimholung Österreichs ins Reich" kam der Adjutant des Führers eines frühen Morgens im Frühjahr 1938 mit seinem 'Großen Mercedes' irgendwo zwischen Wels und Steyr von der Straße ab. Meine damals siebenjährige Mutter spielte gerade draußen mit ihren Freundinnen, als ein Wagen vor ihnen zum Stillstand kam und die Insassen nach dem Weg fragten. Der Mitfahrer stieg aus dem Fahrzeug aus und bedankte sich bei den Kindern mit einem Händedruck. Meine Mutter erkannte ihn nicht und erfuhr erst später, dass es sich um Hitler gehandelt haben musste.

Als herumgeschubstes uneheliches Kind, etwas, das damals als Schande galt, kam meine Mutter auch beim letzten überlebenden Verwandten der Gebrüder Grimm unter, die bekannt sind für ihre Märchensammlungen, Wörterbücher und Sprachwissenschaft. Meiner Mutter zufolge war der alte Grimm eine Art Nazi. Ich lernte das Ehepaar später in den 1960er Jahren kennen: Frau Grimm hinterließ auf mich einen verhärmten Eindruck, während er selbst ein hagerer, unsympathischer Typ war. In seinem Körper befand sich immer noch eine Kugel, die von einer alten Kriegsverletzung aus dem Ersten Weltkrieg stammte und nicht operativ entfernt werden konnte. Dieses Schrapnell hatte die Tendenz, ein wenig zu wandern, ähnlich wie Grimms Verstand auch.
Als die Alliierten 1945 die Konzentrationslager befreiten, wurde Grimm wie viele andere Deutsche gezwungen, bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Er kam traumatisiert und mit schlohweissem Haar aus dem KZ Mauthausen zurück.
Testamentarisch hinterliess er seiner Frau rein gar nichts: alles ging an seine Katzen.
Frau Grimm war eine fanatische Zeugin Jehovas, die mir auf Ihrem Totenbett noch ein Traktätchen in die Hand gedrückt hat. Das Büchlein fand ich höchst bizarr und weltfremd, ja sogar welt–entfremdend. Manchmal habe ich mich gefragt, ob das nicht der unbewusste Auslöser war für meine Okkult–Recherchen. Naziterror und Religion.

Bombenalarme, Luftschutzbunker. Russische Besatzung.

Nach dem Krieg heiratete meine Großmutter mütterlicherseits den Bruder ihres im Kampf gegen die Nazis gefallenen Mannes, während meine Mutter nach Großbritannien auswanderte, um als Au–pair–Mädchen bei einer jüdischen Familie in London zu arbeiten. Während des Krieges war sie mit der Nazi–Propaganda gefüttert worden, Juden seien Monster, die Babys töteten und äßen. Da sie das nicht glauben konnte, wollte sie sich selbst vom Gegenteil überzeugen. Im Swiss Centre lernte sie meinen Schweizer Vater kennen, der aus Paris nach London gekommen war, um als Börsenauktionator zu arbeiten (dafür verantwortlich, die Kauf– und Verkaufsaufträge der Händler öffentlich auszurufen).

Mein Vater hatte da ein relativ wildes Leben hinter sich. Als Kind wurde er von seinen Eltern schon mal als schwererziehbar auf einen Bauernhof geschickt. Eine Narbe an seinem linken Handgelenk rührte von einem dilettantisch ausgeführten Selbstmordversuch als 18–Jähriger her. Grund war Liebeskummer.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er gleich an der Börse in Paris, wo er sogar einmal in die Schlagzeilen geriet, als er und seine Freundin deren Baby an den Meistbietenden verkaufen wollten. Er hat mir die Zeitung mal gezeigt: "Jeune Suisse veut vendre son bébé". Ebenso ein Fotoalbum, in das er von jeder seiner Freundinnen ein Foto eingeklebt hatte. Einen massgeschneiderten Anzug aus Stoff mit Chambray–Effekt aus seiner Pariser Zeit als Laufstegmodel besitze ich heute noch.

Geplant war meine Geburt in Brasilien. Aber irgendwie haben sich die Geschäftspläne meines Vaters zerschlagen.
Aufgrund ihrer Abneigung gegenüber Deutschland lehnte meine Mutter es später vehement ab, nach Stuttgart auszuwandern.


Familie König 1959
1959
[Koloriert mit KI]



In meiner frühen Kindheit war mein Vater oft monatelang im Militärhospiz Davos, um dort eine Lungenverletzung auszukurieren, die er sich bei Schiessübungen im Militär zugezogen hatte.
Er erzählte viele Räubergeschichten aus seiner Jugend, zum Beispiel, wie er in den Schmuggel von Juwelen mit dem Zug nach Prag verwickelt gewesen sei, oder von dem Haus voller Prostituierter, in dem er in Paris gelebt habe.
Aber nachdem er meine Mutter geheiratet hatte, beruhigte sich sein Lebensstil. Heute erinnere mich vor allem an ihn als glühende Zigarettenspitze, wie er im Dunkeln in unserem Esszimmer sitzt und eine seiner Lieblings–Swing–Platten hört. Oft in Krawatte.
Nach dem Sonntagsbrunch tanzten meine Eltern gelegentlich im Wohnzimmer zu den Schallplatten der 'The Ray Conniff Singers'. Eine Büchersammlung zog sich dort zwei Wänden entlang. Meine Mutter las gern Nelly Sachs, während sich mein Vater lieber in populärwissenschaftliche Werke zum Zweiten Weltkrieg vertiefte. Das verursachte bei meiner Mutter natürlich stets Unruhe.





Ostern 1963
mit meinem jüngeren Bruder




Als man mir während des Studiums an der Uni andeutete, dass ich unmöglich über die Unterhaltungsmusik der 1920er Jahre dissertieren könne, da das nicht in meine Studienfächer Ethnologie und Psychologie passe — und ich Prüfungen in Psychologie bestand, ohne jemals ein entsprechendes Buch gelesen zu haben oder an einer entsprechenden Vorlesung gewesen zu sein, zog ich nach Berlin um, machte mit einigen Exponenten der damaligen Neuen Wilden sogar bei einer Schallplatte mit, "Geile Tiere",[2] und gab mich auch sonst etlichen Exzessen hin. Ah ja, seit 1985 klaube ich Puzzlestücke zum O.T.O.–Phänomen zusammen.

Siehe auch: Andreas Huettl und Peter–R. König:
SATAN — Jünger, Jäger und Justiz, Grosspösna 2006, Seite 134ff.



Frage: Hinter Ihren Büchern, Interviews, Artikeln und Vorträgen scheint sich mehr zu verbergen als nur der Rekonstrukteur des O.T.O.–Phänomens. Sie scheinen ja die Provokation zu lieben. Bitte ver­setzen Sie sich in Ekstase, bevor Sie sich dazu äussern.


Antwort: Selbstverständlich. Ich fröne zweier Todsünden des Kleinbürgers: Völlerei und Zorn.
Versöhnlichkeit oder political correctness führen zu zerfliessenden bedauerlichen Konfusionen aller Arten, zu der geistig stickigsten Luft, zum schädlichsten Einfluss. Jeder, der meint, er sei eine Prinzessin, leidet wegen einer angeblichen Erbse unter sieben Matratzen.
Glanzloser Kitsch und lahme Klischees sind Folge dieser übergesteigerten Empfindlichkeit, die in Zensur mündet.

Heftige Polemik hingegen lässt die Werte und die Positionen deutlich hervortreten und schafft einen hygienischen geistigen Zustand. Und so fokussiere ich mich auf die objektivierende Ironisierung von FAKTEN (das funktionelle Kabel ist in seiner Schönheit einem Aluminiumtoaster gleich) und reisse damit das Anal–Tabu in kleine braune Teilchen.
In der Okkultur wuselt eine grosse Masse von Zweibeinern herum, die anonym und anti–kreativ tätig sind. Ich brandmarke allgemein das vollkommene Fehlen von Entschiedenheit und Wagemut, die Angst vor neuen Tatsachen, vor Worten, vor der Gefahr der Lächerlichkeit, und speziell die Schläfrigkeit des verfaulten okkulten Milieus und seiner Rezensenten in den intellektuellen Gruppierungen.

Außergewöhnliche Intensität und Begabung werden stets wirkungslos bleiben, wenn sie sich in der Schaffung eines abgeschlossenen Werkes erschöpfen, das einer toten Richtung angehört. Wie einfach wäre es jedoch, Dinge über ihre Grenzen zu schmuggeln: Keine neue Tradition, sondern vielmehr die Fragestellung einer Tradition als Ausgangspunkt. Denn nur wer nicht genügend liest (sich nicht ausreichend informiert), kann etwas im Grunde Genommen Gewöhnliches für revolutionär halten.
Leider herrscht in der Okkultur bourgeoiser Aufstand gegen die traditionellen Werte, nur um sich jedoch wieder darin zu suhlen.[3] Es entsteht also ein Widerspruch zwischen Revolution, Anarchie und dem bürgerlichen Schlafzimmer. Ein Anbiedern an vermeintliche Elite, Geld und Politik. Wenn Aleister Crowley noch am Leben wäre oder bessere Manager hätte, wäre er eine ähnliche Spießbürger–Ikone geworden wie Andy Warhol für das Wohnzimmer. Geschmacksarme Standardkost für den Otto Normalabweichler.

Die Medien haben so viele Wirklichkeiten abgeschafft, wie sie nur konnten. Es scheint, als wäre alles gesagt, gesungen, getanzt und geschrieben worden und es gäbe nichts mehr, das es nicht gibt. Das Nichts leuchtet daher als letzter Zufluchtsort, als letzter weißer Fleck auf der Landkarte des populären Vergnügens auf. Die Popkultur (in der die Okkultur eine Nische besetzt) reflektiert die Konflikte und Werte dieser Kultur. Und somit beschreite ich zwischen Alarm und Achselzucken meinen Weg, um über das bedrückende Fehlen innovativer Gedanken (auch in der Okkultur) und über die schwere Last der Gemeinplätze hinwegzukommen, die die momentanen Realitäten bevölkern. Überall betet man mehrheitlich die Patina an, die die Zeit auf den Ideen anhäuft. Dies ist die Folge von Produkten, die bereits patiniert zur Welt kommen.

Die Okkultur ist ein dumpfbackenes Abbild jener Masse, die keine Kreativität versteht, sondern sich auf monströse Plattitüden des Nichts der Spekulationen und der Vagheiten beschränkt. [4] Dumme Neuigkeiten und unmündiger Snobismus dienen hier auch der scheinbar feinsinnigen Verschönerung geistvoller Salonkonversation und der Korrumpierbarkeit (von Faktenmanipulationen bis hin zur Zensur) jener, die sich als Religionswissenschaftler oder Soziologen tarnen — oder auch als [Wirtschafts]Juristen und/oder Buchhändler, die ihre Zunft aufblähen.

Die sich selbst als clever wähnenden (okkult angehauchten) Büchersammler/hersteller wenden den bekannten Veblen–Effekt an, benannt nach dem Ökonomen und Soziologen Thorstein Veblen, der bereits 1899 in seiner "Theory of the Leisure Class" eine treffende Analyse der bürgerlichen Lust am verschwenderischen Modekonsum lieferte: Niedrige Preise dämpfen die Lust am Kauf von Luxusprodukten, Preiserhöhungen steigern sie. Knappheit erzeugt Nachfrage. Daher werden auf dem okkulten Flohmarkt gefundene Nichtigkeiten in luxuriöse Wälzer gepresst, doch kann damit kaum verborgen werden, dass es damit letztendlich nur um die Ausbeutung einer bereitwilligen Käuferschaft geht, die zu jubelnden Claqueuren verkümmert.

Das passt natürlich perfekt zum Schimmer der trüben Fata Morgana, in der nur ein gut verdienender Okkultist mit akademischem Abschluss auch als guter Okkultist gilt.


Mit der üblichen Verzögerung haben sich zum Teil erschreckend tumbe Akademiker (die oft selber feige Okkultisten sind) mit ihren albernen Regeln und geruchlosen Rezepten der Okkultur angenommen. Diese wird nun wieder monetär im Supermarkt der Publikationen in vitro kultiviert und auf sogenannten internationalen Kongressen asexuell ausgeblutet,[5] wo man ihr ein Begräbnis 1. Klasse bereitet: Man schüttelt die Leiche, bis man meint, sie tanze wieder.

Akademiker in diesem (versteckt okkulten) Umkreis versorgen sich — frei nach dem Motto 'Nennst Du mich Goethe, nenn ich Dich Schiller' — selbstreferentiell mit Jöbchen, Fussnoten und Essays in Nachschlagewerken und anderen Publikationen. Dort verbreiten sie unter dem Mäntelchen des 'Dr.' faktischen Unsinn und reziklieren die Hydra ihrer Selbstüberhöhung. Standesspezifische Nabelschau.


Es gibt vier Lehrstühle für Esoterik, wo sich der ehemalige ethnologische Untergrund des Abendlandes aus seinem Souterrain in die oberen Etagen der Gesellschaft hocharbeitet: An der École Pratique des Hautes Études an der Sorbonne in Paris, die aber keine eigentliche Universität ist (bis 2001 unter Antoine Faivre, jetzt unter Jean–Pierre Brach), seit 1999 an der Universität von Amsterdam (unter Wouter J. Hanegraaff) und seit 2005 an der University of Exeter (unter Nicholas Goodrick–Clarke, gest. 2012). Den vierten Lehrstuhl gibt es seit dem 18. Mai 2006 an der Päpstlichen Universität San Tommaso d'Aquino (dem so genannten Angelicum unter Michael Fuß). Bei der Finanzierung der Lehrstühle gilt es, zu differenzieren. Frankreich und England werden staatlich unterstützt. Amsterdam hingegen beruht auf einer Stiftung aus Geldern von Rosalie Basten. Der Amsterdamer Lehrstuhl besitzt keine eigene Bibliothek, kooperiert jedoch mit der Bibliotheca Philosophica Hermetica des Joost R. Ritman, die seit wenigen Jahren Literatur nach dem 19. Jahrhundert ankauft. Diese Bibliothek ist nicht mehr im Besitz von Ritman persönlich, sondern steht unter Staats– oder Stadt Amsterdam–Aufsicht. Als Restabilisierungs–Massnahme nach grossen finanziellen Schwierigkeiten in den 90er–Jahren übernimmt der holländische Staat 40% der weltweit einmaligen Bibliothek und stellt die gesamte Bibliothek unter seinen Schutz. Ende 2010 gerät die Bibliothek jedoch unter Druck, der von Seiten der Bank auf den 60%–Anteil des Gründers Ritman ausgeübt wird. Die Bibliothek wird geschlossen und es besteht die Gefahr eines Verkaufs und damit der Auflösung und Zerstreuung der Sammlung. Erschwerend kommt hinzu, dass die neugewählte holländische Regierung einen Kurswechsel einleitet und radikale Finanzkürzungen auch für den Kultursektor ankündigt.[6] Um einen Verkauf zu verhindern, sammelt Hanegraaf online Unterschriften für eine Petition.[7]


Zur selben Zeit, wie sich die Okkultur in der academia ausbreitet (oder auch umgekehrt: wie sich die academia der Okkultur bemächtigt), wird das Internet Bestandteil des mainstreams. Während die okkulte academia aber an reaktionäre Mechanismen wie Prestige und Geld gebunden wird, bricht das Internet die Monopolisierung von Wissen auf und lässt eine Art Junk–Postmoderne in die Wohnzimmer strömen. Der Wert des Wissens ist jedoch ebenfalls einem Wandel unterworfen, wie auch der Wert der Kunst, die seit Marcel Duchamps und Joseph Beuys überall ist. Im Bereich der Kunst hat die Installation, die Performance und der Ort der Inszenierung (die Galerie, das Museum) die alte Tradition des Originals übernommen, während das Internet jeden zum Experten macht und das Wissen unendlichfach replizierbar. Es entsteht eine neue, kulturtechnologische Kluft, mit der seriös von unseriös unterschieden werden soll: was auf Papier gedruckt wird, gilt als seriös, was nur auf dem Bildschirm ist, als unseriös. Die academia gerät unter Druck, da immer mehr Nachschlagewerke in den inzestuösen Zirkeln der immer gleichen okkulten Akademiker entstehen. Dies führt zu intellektuellem Stillstand, radikalem Konservatismus und einer Abneigung gegen Neugierde. Fragen und Offenheit werden durch vorgefertigte Schablonen ersetzt. Es entsteht eine Nabelschau der Okkulisten.


So halte ich meinen Kopf einem rohen, blutenden Stück Wahrheit hin, die anderen kokettieren weiter. Ich verwende dabei eine Sprache, die mir einfach zugefallen ist, da ich mir durch höchste Genauigkeit und Ehrlichkeit das Recht erwirkt habe, aus meiner Art der Heiterkeit Kraft zu schöpfen und dabei Friedrich Holländers Chanson von 1958 über den Clown zu singen:


"In den Klischees hausen die Motten
 Und bringen nicht die grossen Sujets
Spötter­dämmerung kommt auf leisen Sohlen
Aus der Belämmerung ist kein Witz zu holen"



Frage: Bedienen Sie sich dabei selbst des postmodernen Rollenspiels?


Antwort: Die Postmoderne entdeckt die aufgebrochene Gleichheit zwischen der individuellen Person und ihren Rol­len. Dabei dient das multiple oder dezentrierte Selbst als neue Bezugsgröße für das Verständnis. Die Ver­knüpfungen zwischen den Fragmenten oder der fragmentierten Wahrnehmung haben nach wie vor einen Grund, doch es liegt nun keine letztgültige Wahrheit mehr dahinter verborgen. Dies führt zum Postulat der Instabilität von Bedeutungen und ihrer Simulation als Rollen.

Ein beliebtes (ok)kulturelles Rollenspiel besteht darin, die Welt durch Marken, Ikonen und überlieferte Symbole neu zu verzaubern und deren Bedeutung zu ergründen. Die Werbung zeigt uns längst vor, wie die Ikone zur Robe einer neuen Geistlichkeit wird, zum Zepter einer Definitionsmacht, die den Einöden neuen Sinn verleiht. Die Formel scheint aufzugehen: Während die Welt in einem homogenen Lebensstil gleichgeschaltet wird, sind (auch religiöse) Ikonen dafür verantwortlich, die Illusion des Gegenteils zu erzeugen. Adidas und O.T.O., Familienwerte und Aleister Crowley — dort, wo alles vergeht und sich im Wandel befindet, vermittelt die Ikone Stabilität und Zugehörigkeit. Sie dient der kosmetischen Gestaltung der Existenz, denn wo der Glaube schwindet, gedeiht der Stil. Mode wird somit zu einem steten Test des Charakters, der Selbsterkenntnis und des Geschmacks. Die richtige Wahl spiegelt unsere tiefsten Gefühle für die Welt wider. Und solange ich Designer–Brillen von Jean–Paul Gaultier, Lindberg oder Chanel trage und Parfum von Knize Ten oder Serge Lutens (Ambre Sultan) verwende (Jacken von Armani, Hosen von Jack & Jones, Schuhe von Diesel) (aus meinen Sennheiser–Kopfhörern erklingen Töne von Webern, Boulez, Antheil, Cage, Ligeti, Harry Partch, Arseny Avraamov, Scelsi, Xenakis, Lutoslawski, Martinu und Schönberg) und eine original Joseph Beuys–Filzpostkarte neben über 20 Metern Science–Fiction–Heftchen aus den 1930er, 1940er, 50er und 60er Jahren bei mir zu Hause Staub ansammeln, solange interessiere ich mich für eine solche Rhetorik.

Und wo liegt der Unterschied zwischen Dada–Kunstwerken (von denen ein paar an meinen Wänden hängen) und den Originalgemälden, die einst als Umschlag für sogenannte Ramschheftchen verwendet worden sind? Heutzutage nennt man das Cover Art.



Utopia Zukunftsroman 272, Erich Pabel Verlag, Kenneth Bulmer, Verbotene Welten, The Changeling Worlds, Titelbild  Stephan (H. Albrecht) Terra Extra 171, Fletcher Pratt, Mann aus der Maschine, Moewig-Verlag, München Deutschland 1967, Double Jeopardy, Titelbild Karl Stephan (H. Albrecht)

Karl Stephan (H. Albrecht)


Mark Powers 4, Jay Grams Jürgen Grassmück, Dan Shocker Die Marionetten der 4. Dimension, Erich Pabel Verlag, Rastatt Deutschland 1963, Titelbild Rudolf Sieber-Lonati 1924-1990 Utopia Zukunftsroman 404, Erich Pabel Verlag, Manfred Wegener Wettlauf mit dem Tod 2. Teil, mit Mark Powers. Der Held des Weltalls, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati Utopia Zukunftsroman 407, Erich Pabel Verlag, John Brunner: Die Sitten der Oheaner, The Rites of Ohe, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati Kommissar X 263, Bert F. Island, Haus des Grauens, Erich Pabel Verlag, Rastatt Deutschland 1964, Titelbild  Rudolf Sieber-Lonati 1924-1990 Utopia Zukunftsroman 417, Erich Pabel Verlag, R. Lionel Fanthorpe: Dorora, das, Marsungeheuer, The Waiting World, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati Rudolf Sieber-Lonati, Mark Powers 23. Jeff Mescalero, Sporen der Vernichtung Utopia Zukunftsroman 478, Manfred Wegener Ausbruch aus der Ewigkeit Mark Powers — Der Held des Weltalls 28, Erich Pabel Verlag Rastatt Deutschland 1966 — als Taschenbuch  Mohlberg-Verlag Köln 2011, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati Utopia Taschenbuch 277, Erich Pabel Verlag, Die Phase des Schreckens. Ein Kurzgeschichten–Cocktail, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati William Tenn, Die Welt der Zukunft, Pabel/Moewig 249. Rudolf Sieber-Lonati Utopia Taschenbuch 297, Erich Pabel Verlag 1967, Lester Del Rey: Der unschuldige Roboter, The Runaway Robot, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati Utopia Grossband 160, Erich Pabel Verlag, J. E. Wells, Der Planet der Roboter, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati Pabel Kriminal Fledermaus 111, W.T. Willis Todhunter Ballard P.D. Ballard, Harrison Hunt, Neil MacNeil, Jack Slade and John Shepherd Flucht vor dem Schicksal, Erich Pabel Verlag, Rastatt Deutschland 1961, Titelbild Rudolf Sieber-Lonati 1924-1990

Rudolf Sieber–Lonati 1924–1990





Bruck Johnny - PR TB 144 - Die Seelenlosen Bruck Johnny - PR TB 157 - Der Mann aus dem Nichts Johnny Bruck, Perry Rhodan Taschenbuch 113. William Voltz, Die Söhne Sols Johnny Bruck Perry Rhodan 811 Peter Terrid Begegnung auf Olymp Johnny Bruck, Perry Rhodan  Planetenroman 99, William Voltz, Die Tödliche Erfindung Johnny Bruck, Perry Rhodan 772, Clark Darlton, Das Gespenst von Vrinos Johnny Bruck Perry Rhodan 439 Clark Darlton Schaltzentrale Ovaron Johnny Bruck Atlan 183 H.G. Francis Der Mutantenjäger Johnny Bruck, Perry Rhodan 1474, Kurt Mahr, Das Supremkommando, Seite 11 Johnny Bruck Atlan 23 H.G. Ewers Seuchenalarm auf Cronot Johnny Bruck, Perry Rhodan

Johnny Bruck 1921–1995




An meinen Wänden hängen Bilder von Uwe Bremer (23), Topor, Wunderlich, Giger (2), den Künstlern aus Gugging (6), eine Banane von Warhol, etliche Dadaisten (5), einige Tichas. Tuschzeichnungen von Comics (9).




Es geht nicht länger darum, austauschbare Puzzleteile der Realität nacheinander zu betrachten, sondern um ihre absolute Gleichzeitigkeit. Oder, wie es die freien Thelemiten/Crowleyaner, die nicht an den O.T.O. gebunden sind, ausdrücken würden: Der Aeon des Horus und der Aeon der Ma'at sind JETZT schon immanent. Kulturelle Haltung geschieht nicht einfach so, sondern wird inszeniert.


Es ist meine Absicht, dies auf kreative Weise zugänglich zu machen. Dafür bediene ich mich einerseits eines vorromantischen Konzepts, in dem es keine einzige Geschichte, sondern unzählige Geschichten gibt. Andererseits begebe ich mich in einen nicht–linearen, zustandsgebundenen Trancezustand außerhalb des Alltagsbewusstseins, vergleichbar mit den Künstlern im 'Haus der Kunst' zu Gugging (von denen ich auch einige kleine Originale besitze, die teilweise sogar in meiner Anwesenheit entstanden sind — ein Jahr bevor ich begann, über den O.T.O. zu recherchieren). Auf diese Art und Weise entstehen solche Essays wie "Die ekstatische Erzeugung von Kultur",[8] "Die McDonaldisierung der Okkultur"[9] oder dieses Interview. Ich designe Welt–Partikel per Zu–Fall.



Peter-Robert Koenig im Haus der Künstler in Gugging —  10. Mai 1984 —  Gemälde von  August Walla



Peter–Robert Koenig im "Haus der Künstler" in Gugging — 10. Mai 1984
Gemälde von August Walla


Oswald Tschirtner, O.T., Gugging, art brut,
Oswald Tschirtner, "Ein Mensch, der liest"







Ausserdem besitze ich ein paar Originale von okkulten Künstlern, z.B.:



Michael Paul Bertiaux (Gnostische Kirchen und O.T.O.A.)

Michael Paul Bertiaux










W.W. Webb (XI°) und William Wallace Webb: Frater Damon, Hermetic Alchemical Order of the QBLH, Philosophic Gnostic Hermetic Society, Qabalistic Alchemist Church, Ordo Argenteum Astrum.

William Wallace Webb










Johannes Maikowski (Fraternitas Saturni)

Johannes Maikowski Johannes Maikowski Johannes Maikowski Johannes Maikowski - Das Wasser des Lebens 2013










Philippe Pissier, ehemaliger Protagonist des 'Caliphats' in Frankreich
(Philippe PissierO.T.O. in Russia)

Philippe Pissier





Frage: An dieser Stelle kommen wir nun zu dem Thema, wofür Sie bekannt geworden sind. Warum ist der O.T.O. ein Hauptpunkt Ihrer Forschungen? Was verbinden Sie damit?


Antwort: Ich verstehe, worauf Sie hinauswollen, aber ich kann weder Ihnen noch mir selbst eine klare Antwort geben. Offensichtlich ist der O.T.O. ein Ort typischer machthungriger Spielchen einer bioformenden Spezies, die von affenähnlichen Vorfahren abstammt und ihr Territorium durch Gebrüll und gegenseitige Anerkennung absteckt. Ihre Selbstdefinition basiert auf einem sich unendlich reproduzierenden Bündel von Praktiken, das die Welt um sich herum beansprucht. In Bezug auf die Sperma-Gnosis scheint diese Komplexität die Form zu sein, mit der ich gelernt habe, mich auszudrücken. Eines ist sicher: Ich habe das Bedürfnis, wahrscheinlich irgendwie im Sinne von Freud, etwas von der Gesellschaft widerzuspiegeln, sowohl für ihr Amüsement als auch für meines. So bilde ich beispielsweise den US–O.T.O. (das Caliphat) als genmanipuliertes Kompromissgebilde ab, das den Konsumbedürfnissen der westlichen Gesellschaft entspricht.
Abgesehen vom Orchestrieren komplexer Wortfolgen und deren Weltbilder habe ich jedoch bisher keine persönliche Verbindung zwischen irgendwelchen O.T.O.–Varianten, Ablegern, Lehren, Praktiken, Glaubensvorstellungen usw. und meinem eigenen Leben entdeckt. Dadurch konnte ich mich geschickt und erfolgreich von jeglicher Korrumpierbarkeit fernhalten und diene als Projektionsfläche für das zuvor erwähnte Nichts.

Erwartungsgemäss erzeugt meine Beschäftigung mit dem O.T.O. amüsante Bonbons: Bücher, gegen die man vergeblich juristisch vorgehen wollte ("Materialien zum O.T.O.", "How to make your own McOTO"); meine Identität im Internet wurde mehrmals gefälscht;[10] eine Zeit lang existierte eine Fan–homepage "The P.R. König–Phenomenon" im Internet;[11] im November 1996 wurde meine Website gehackt, man schickte mir Pornographie ins Haus (an dieser Stelle sei dem edlen Spender für seine Anonymität gedankt); selbst vor Morddrohungen wird nicht zurückgeschreckt.[12]


Frage: Fällt Ihnen grad irgendeine Anekdote aus Ihren Forschungen ein, die eine Interpretation einer, irgendeiner Ihrer Gemütslagen zulässt?


Antwort: Auf Cefalù fand im Februar 1997 ein internationaler Aleister Crowley–Kongress statt, finanziert von der Stadt Palermo und mit einer Teilnehmerliste, die von Massimo Introvigne (von C.E.S.N.U.R.) erstellt wurde. Trotz seiner Beschwerden wurde William Breeze, der Anführer des US–O.T.O., der Caliph, nicht eingeflogen, um das hehre Bild der edlen Spezialisten nicht zu beeinträchtigen.


Viele dottori e professori nahmen an den Lesungen teil und dachten, sie hätten viel zum Thema Crowley zu sagen. [13] Das war jedoch nicht der Fall, obwohl sie es dennoch mit einer Vielzahl von italienischen Ausdrücken versuchten, die ich nicht verstand. Erstaunlicherweise versuchen viele Menschen, Crowley als Dichter ernst zu nehmen. Italienische Schauspielerinnen, oder was die Italiener dafür halten, solange sie freizügige Kleidung tragen, rezitierten Crowley–Gedichte. Jemand zeigte aufgeregt eine Kiste mit Materialien, die Crowley bei seinem Aufenthalt auf Cefalù zurückgelassen hatte. Fotos des Meisters, nackt am Strand. Es wurde gemurmelt: "Aha, das war also das Große Tier des Großen Tieres." Jemand zeigte einen Film, der die Fantasie des Regisseurs über Crowleys Zeit auf Cefalù widerspiegelte. Ich fand ihn ziemlich passend, da viele Frauen fröhlich nackt über das hügelige Gelände sprangen. So stellte ich mir auch die Leute des O.T.O. vor. Nicht unter Crowleys Regime, sondern auf dem Monte Vérità in der Schweiz im Jahr 1917. In der Reuss–Loge auf dem Berg der Wahrheit, wo sich Anarchisten, Sonnenanbeter, Künstler, Tänzer und Freidenker tummelten. Ich kannte die entsprechenden Fotos von den ausgelassenen Feierlichkeiten im Tessin. Allerdings führte Crowley keine fröhliche Truppe. Bei ihm herrschte verbissene Frömmigkeit beim Sex und Drogenkonsum.

Selbstverständlich denken Italiener, dass Crowley ein Frauenheld gewesen sei und ignorieren dabei völlig die Tatsache, dass Crowleys Vorlieben Oral– und Analverkehr mit Männern galten. Ich erinnere mich, dass ich meinen italienisch gehaltenen Vortrag mit einem verbalen Cocktail aus Sperma– und Vaginalsekreten anreicherte (obwohl mich Massimo Introvigne im Vorfeld darum gebeten hatte, dies zu unterlassen. Ich lehnte es jedoch ab, mich zum Handlanger der Produktion von Unbewusstheit zu machen.) Daraufhin brach eine hitzige Debatte unter den anwesenden Jour­nalisten aus. Einer sprang erregt auf und brüllte, weshalb hier Crowley skandalisiert werde, worauf Introvigne kühl erwiderte, über Crowley zu sprechen und Sperma–Gnosis wegzulassen, sei, wie über Rubens zu reden und seine Malerei nicht zu erwähnen, oder über Sigmund Freud ohne Sex zu referie­ren. Auch Roberto Negrini (Kopf des italienischen O.T.O.A.), der in der ersten Reihe des Publikums sass (die zweite Reihe war mit krawattierten italienischen Ablegern von Hermann Joseph Metzgers Schweizer O.T.O. be­setzt), sprang auf und hielt mir einen langen Monolog entgegen. Langsam begann ich einzuschlafen und starrte geistesabwesend ins Leere. Plötzlich schockierte mich Introvigne, als er seinen Kopf drehte (er sass neben mir) und meinte: "Maybe Mr König wants to answer to this." Entsetzt entschied ich mich, nicht auf italienisch zu antworten: "Aehm, well, I did not understand everything that Negrini said, could you please translate it into English?" Was Introvigne dann auch tat. Zu meiner erneuten Überraschung verstand ich trotzdem nichts. Neugierig auf das, was ich nun sagen würde, ergriff ich das Mikrophon und schaute durch Negrini hindurch: "Listen, you have to look behind things" und erklärte nochmals die Bedeutung von Sperma als Träger des Logos und die daraus abzuleitende Frauenfeindlichkeit. Ich wies auf die geheimste Schrift des O.T.O. hin, Clément de Saint–Marcqs "L'Eucharistie"[14] und dass zur Konsumation von Sperma zur Gottwerdung konsequenterweise keine Frauen nötig seien. Ernüchtert schwiegen nun alle, offensichtlich betäubt von soviel Missach­tung der Italianità.


Peter Robert Koenig, PierLuigi Zoccatelli, Massimo Introvigne Aleister Crowley Congress Cefalu

Peter–R. König, PierLuigi Zoccatelli, Massimo Introvigne.



Abends ging der Zirkus weiter. Alle Vortragenden erhielten eine Einladung von der Beauftragten aus Palermo, an einer Stadtrundfahrt teilzunehmen. Ich dachte, dass es auf jeden Fall schnell besser werden könnte als Crowleys zerfallene Abtei Thelema, die von hässlichen Wohnblöcken umgeben war. [15] Wir starteten um 18:00 Uhr von Cefalù aus. Die Fahrt nach Palermo dauerte eine Stunde und alle waren in winzige Kleinwagen gepfercht. Ich bemerkte, dass jeder Italiener mindestens ein drahtloses Telefon besaß und oft redeten drei Leute gleichzeitig im Wagen durcheinander, manchmal miteinander, meistens aber nicht. Kaum in Palermo angekommen, entschied Adele X, die Beauftragte, dass wir die Stadt vom Inneren der Wagen aus bewundern sollten. So wurden wir drei Stunden lang durch die Nacht geschleift. Selbstverständlich sahen wir nichts. Adele wollte uns eine berühmte Kirche zeigen. Natürlich war diese geschlossen und so fanden wir uns plötzlich im örtlichen Wachsmuseum wieder. Dort kam Adele auf die spontane Idee, uns eine lokale Spezialität probieren zu lassen. Sie kenne auch schon eine geheime Adresse dafür. "E dopo bambini, andiamo a casa mia to have some champagne." Oh–oh, Adele, eine Frau um die 60, schien irgendwie am IX°–O.T.O. interessiert zu sein, glaubte ich einem gefährlichen Glitzern ihrer Augen zu entnehmen. Also wurden wir wieder in die Kleinwagen gestapelt und entlang einer beliebigen Küste gefahren. Adele hatte ihre Freundinnen dabei, die Aristokratie von Palermo. Damen in prächtigen Pelzen, mit 10 Kilo Gold an jedem Handgelenk, den teuersten Schuhen und Haartrachten, wie sie aus Filmen von John Waters stammen könnten. Schließlich landeten wir in einer schmierigen Fastfood–Bude im Nichts. Fettige, undefinierbare Hamburger. Gordon Melton [16] flüsterte mir zu "In America we call this slums." Ich raunte zurück "But here, they call it Italy." Man stelle sich das Bild vor: auf der einen Seite die komischen Religions–Freaks Negrini, Introvigne, Melton, König etc., auf der anderen Seite pelzige Ladies, die ihre Burger schmatzten und Coca Cola schlürften. Eine sog schon an einer Zigarre. In meinem Kopf schepperten Nino Rota und andere Klischees. Endlich wurden wir ins Luxusappartement von Adele geschleppt, einer Mischung aus Federico Fellini und Luchino Visconti. Wir nippten an Champagner und bezahlten unseren Obulus: "Che bella casa, vera­mente bellissima." Introvigne sah mit seiner Baskenmütze wie ein Clown aus, stakste herum und sonderte Geschichten ab, während man uns wie exotische Vögel im Zoo beobachtete. Ich flüsterte leise zu Introvigne: "Hee, wieso lassen wir nicht Negrini eine Schwarze Messe zelebrieren?", aber dies wurde jedoch nach einigem Zögern mit dem Hinweis auf eine möglicherweise daraus resultierende endgültig ruinierte Reputation abgelehnt. Aha.

Nach ein paar Minuten wurde Adele laut: "Eee bambini, non sono invitati per 10 giorni, ma per 10 minuti soltanto." Und so standen wir bereits wieder vor der Tür, jedem Raucher wurde noch schnell ein Aschenbecher für nach Hause in die Hand gedrückt und um 00.30 waren wir zurück auf Cefalù.


Frage: Ach. – Wie wir aus "Under Cover",[17] "Aries" und einigen Faksimiles in Ihren eigenen Büchern entneh­men können, tragen Sie zahlreiche esoterisch–okkulte Titel.[18] Ist das nicht ein Widerspruch zu dem, was Ihnen Ellic Howe mitgegeben hat: "Never trust an occultist"?


Antwort: Nein. Korrektes ethnologisches Arbeiten verlangt Mit–Einbeziehen der eigenen Person. Des­halb auch dieses Interview. Um intensive ethnologische Feldstudien durchzuführen, bin ich Mitglied mehrerer konkurrierender O.T.O.– und F.S. Gruppen geworden. Dies dient dazu, a) zu zeigen, wie einfach man Mitglied werden kann, b) welche Techniken dabei verwendet werden, c) Insider–Material zu erlangen, d) direkte Informationen über die Mitglieder zu sammeln und e) all diese Informationen zu veröffentlichen. Vielleicht lässt sich der Vergleich zum Forscher bei den wilden Stämmen im Dschungel besser verstehen.

Ich machte von Beginn an klar, dass meine Haltung gegenüber ALLEN O.T.O.– und F.S.–Gruppen eine kritische ist und ich NIEMALS die Absicht hatte, mich persönlich mit Okkultismus zu befassen. Mein Kontakt zur Okkultur, so auch die Anhäufung der von Ihnen angesprochenen Titel, Ämter und Würden, geschah AUSSCHLIESSLICH zu Dokumentations– und Publikationszwecken. [19]


Frage: Entwerfen Sie mit Ihrer Feldforschung eine Art Philosophie des Ausgegrenzt­seins?


Antwort: Ihre Frage ist der Evidenz aufs Knie gesetzt. Eines meiner Themen scheint die Entfrem­dung/Alienation innerhalb der Gesellschaft zu sein.

Es gibt verschiedene Alien–Diskurse (über das Fremde und Ausgegrenztsein): popkulturell, wissenschaftlich und paranoid–parareligiös–esote­risch. Alle drei nähren, umzingeln und vergiften einander. Es geht um geborgte Legitimation: während man sich von den Deplatziertheiten (Pop), Peinlichkeiten (Esoterik), Steifheiten (Wissenschaftlichkeit) des je beliehenen Fremd–Diskurses distanziert, glaubt man dennoch, die Inhalte konvertieren zu können: "die sprechen über dasselbe Thema, also ist es wirklich." Sind die Alien–Fantasien aus dem Munde von Okkultisten die­selben, wie diejenigen aus dem Munde von Abductees, schwarzen Freejazzern, Hip–Hoppern oder Science Fiction–Lesern– und Autoren?

Auch im Okkultismus tummeln sich codierte Ausgrenzungsgeschichten um Unterdrückung und Rassi­fizierungen (Ma'at, Lovecraft). Das Interesse an Ikonographie, Präsenz, Penetranz und Verbreitung der Figur ALIEN (z.B. EXORIAL, Aiwaz, Abramelins Dämönchen, Lam, etc.) führt zur Aktualität von Aleister Crowleys Thelema. Je nach Interessenlage kann das Alien heutzutage nämlich alles repräsentieren: ein Virus, der eigene Körper, ein Objekt der Abwehr oder der Identifikation, ein Kritiker, eine andere Religion, Choronzon. Doch so unterschiedlich die Codierung auch ausfallen mag, an der Figur des Alien bündelt sich zunehmend die Auseinandersetzung um Motive, welche die Geistesgeschichte seit jeher an beschäftigt hat: die Be­ziehungen zwischen dem Ich und dem Anderem, Alterität und Selbstbezug, Mensch und Roboter: eine Begriffsfolie, die sich über komplizierte Verhältnisse wie auch Körper/Schmerz, Mehrheiten/Minderheiten, Rassis­mus/Sexismus etc. stülpen lässt.

Wann und weshalb werden die Aliens zu bewunderten Freunden oder Engeln von da draussen? Natürlich dann, wenn man sich mit der richtigen Dröhnung (Droge, Yoga, soap opera) zum ersten Mal selber in eine Pflanze, einen Wasserfall oder in Lucifer verwandeln kann kann.









Frage: Und welche 3 Bücher, ausser Ihren eigenen, können Sie empfehlen, um Ihren Ansatz zum Verständnis der Okkultur besser zu begreifen?


Antwort:

  • Salvador Dalí: "Unabhängigkeitserklärung der Phantasie und Erklärung der Rechte des Menschen auf seine Verrücktheit", Rogner und Bernhard, München 1974
  • Alfred Bader und Leo Navratil: "Zwischen Wahn und Wirklichkeit", Verlag Bucher, Luzern und Frankfurt 1976
  • Alle Bücher der Ethnopsychologen Fritz Morgenthaler und Mario Erdheim.
  • Alle Dokumentarfilme der österreichischen Filmemacherin Elisabeth T. Spira und des österreichischen Filmemachers Ulrich Seidl.


Und selbstverständlich das Gesamtwerk David Bowie, des reichsten Dreigro­schen–Gnostikers der Neuzeit, der 1974 die herrliche Zeile kreierte: "you're dancing where the dogs decay, defecating ec­stasy."[20]










ENDNOTEN


[1] Urversion in: " GNOSTIKA" 2;3 vom Juli 1998, Sinzheim 1998.


[2] Sound-Probe Geile Tiere. Die 'Neuen Wilden' genossen für sehr kurze Zeit internationale Wertschätzung, rückten dann aber wieder rasch und gründlich aus dem Fokus des Kunstbetriebs.


[3] Besonders deutlich wird die reaktionäre Haltung im Bericht über die "First National Conference" des Caliphats im Tanzsaal des Hotel Hiltons in Akron, vom 15.8.97: "How many of us, when we joined the O.T.O., imagined over a hundred Initiates [162]dancing and drinking in formal evening–wear beneath two–ton chan­deliers to big–band, disco and rock? The O.T.O. had come of age that evening." Magical Link 1, Texas 1997, 13. Hier scheint der Okkultismus die Hypothese zu spiegeln, dass dessen Ideologie ein rein narzisstisches Aufrecht­erhalten des gesellschaftlichen Status Quo ist, um die Aufmerksamkeit von Minderwertigkeitsgefühlen abzulenken.


[4] "... society; of which we are a microcosm ...," David Scriven, USA–X° des Caliphats, Email vom 11.9.96. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 fürchtet William Breeze (internationaler Chef des amerikanischen O.T.O.) öffentlich um die Religionsfreiheit: "OTO International renews its commitment to supporting those governments with the will to defeat the forces of superstitious totalitarianism that threaten freedom. But we must be mindful that the human rights we defend include freedom of speech and dissent, even — need I say especially? — among our own members", publiziert auf groups.yahoo.com/group/Aiwaz–Thelema und auf http://pluto.beseen.com/ boardroom/w/54403 im September 2001. David Scriven ruft zu Blutspenden auf. Der 11. September wird von ehemaligen Mitgliedern benützt, um Breeze zu denunzieren, die an die US–Behörde schreiben: "Dear Sir, Here is a representative of the Caliphate (Bin Laden? Khalifa?; Al Quada? Terrorism in the United States?; Plots?; Plans?; Plans to take out the Whitehouse?) in Chicago; the Sears Tower????. It's really fucking nuts that he's one of the moderators of the #thelema chatroom on IRC... I hope the Secret Service get him ASAP. I have heard rumours that he's doing money laundering to send money to the forces of the Taliban. I think he's a CRIMINAL! I think he might be a TERRORIST! We should have the NSA investigate this group: Ordo Templi Orientis. They assume the name of Saladin and they have a man they call Caliph. Their goal is the institution and dominion of the Caliphate the world over... and HERE is their Chicago rep! Please look into it, for the good of the USA. Sincerely yours, Pad. Amentii AiwazThelema.org Aum Ha Encampment," publiziert zum Beispiel auf groups.yahoo.com/group/Aiwaz–Thelema/message/5641 am 28. November 2001.


[5] Auf dem okkult–akademischen parquet noble könnte man ja auf den Körpersäften ausrutschen.


[6] " GNOSTIKA" 46 vom Dezember 2010, Sinzheim 2010, 9.


[7] http://www.ipetitions.com/ petition/ritmanlibrary/: "It is widely known that the Bibliotheca Philosophica Hermetica in Amsterdam, founded by J.R. Ritman, was in great danger in the 1990s, when the ING bank took possession of the collection and threatened to sell it. Fortunately, the Dutch government intervened: the BPH was put on the list of protected Dutch heritage, and the State eventually acquired over 40% of it. The books remained at the same physical location, integrated with the rest of the collection, and the government would eventually acquire all of it. As part of this process, there were great plans for further expansion. Largely due to the financial crisis and a change of government this was taking somewhat longer than originally anticipated, but nobody doubted that the library was safe. Last week this turned out to be incorrect. An extremely valuable medieval manuscript owned by the BPH (The Grail of Rochefoucauld) was put on sale at Sotheby’s, and this triggered a reaction from the Friesland Bank, which took possession of the library, that had apparently been brought in as collateral, in order to get back a 15 million euro loan from mr Ritman. At present the BPH is closed, and intense negotiations are going on behind closed doors. It is impossible at this moment to predict the outcome, but there is no doubt that the situation is extremely serious. There is a very real possibility that the Friesland bank will try to sell at least the ca. 60% of the library that is still owned by mr Ritman, and nobody knows what implications this will have for the rest of the collection and the BPH as a whole, including its staff. The brand–new government of the Netherlands has announced a program of radical financial cuts in the culture section and elsewhere, which makes a renewed intervention from that side highly unlikely." Erfasst am 26.4.2011.


[10] PierLuigi Zoccatelli von C.E.S.N.U.R. und der politisch rechtsorientierten Alleanza Catholica verschickt am 19.10.1997 an über 200 Cybercitizens die Behauptung, er habe meine [angeblich] neue Email Adresse herausgefunden, die er als pirkey@hotmail angibt. Angehängt an diese Falschmeldung ist eine gefälschte Email mit meinem Namen, in der ich ankündige, einkommende Emails zwar zu lesen, aber nicht zu beantworten. Zoccatelli ist Kopf der Band Rosemary's Baby. Sein eigenes curriculum vitae erwähnt seine okkulte Phase nicht. Alberto M.K (Hg).: Ricerchi Studi Babalon T.O.P.Y. Italy–Access Point Files, Booklet, 2007, erhältlich unter www.sottomondo.com. — Im deutschen nicht mehr existierenden Aleister Crowley–Forum werden mehrmals messages mit meinem Namen publiziert, ebenso im Aleister Crowley Message Board der S.O.T.O.–Gruppe um David Bersson.


[11] http://members.xoom.com/horuskings/ peter_koenig.html, erstellt im Juni 1998. Der Besitzer der Seite, des­sen Name ich niemals erfahren habe, will sogar ein von mir erstelltes "Monthly editorial: 'Peter Koenig's comments on the world as he sees it, specifically in terms of his concerns and conflicts.' 5–10 paragraphs – once a month," also eine Art früher blog. horuskings@starmail.com, 16.6.1998.


[12] Eine besonders amüsante sei hier reproduziert: "I AM a crazy man. I was a professional soldier, i was an Intelligence Officer here in Brazil. I tortured, maimed and killed more men & women you can count on the fin­gers and toes of all your family hands & feet. I've killed almost anything that walks, fly, swims, rolls or breath... [...] I fighted in all Africa and in El Salvador, Nicaragua, Guatemala and a few other nasty places here in Latin America – and I killed a lot of snub people like you. Them, you talk in this tone to me, the next time you have a .45 slug up to your guts, or face, or balls – or at it all! [...] it'll be EASY to take a ticket to Ger­many and kick your butt 'till is starts to bleed and you are begging to die, your old S.O.B.! [...] I am not talking about MAGIC, nor bullshit... I am talking about you facing a hardened son of a bitch like me, deadly crazy, who does not have anything more to lost. Gotcha? I hope so. Treat me carefully, Herr Koenig. Treat me well, and I'll treat you like a humble servant. Treat me bad, and you may die. SOON! You bet! I was jailed, have ta­ken six bullets in the body, a few knife–wounds/stabs, grenade–frags, and so on. May I fear you? Or anyone? BULLSHIT! To die'll be freedom! My honour is called fidelity. For my friends, all that I can, even my unwor­thy life, the life of a bad & mad man. For my enemies, I hope to get a chance to grab'em with me to go to Hell. Any bets? Do you want to take this trip with me? Uh? Take care of your long thong! Before calling me CRAZY, take your nasty long thong and stick it up your ass! It'll hurt a lot LESS than if I do it myself. I am not kidding, Sir! I don't give a damm to anyone's life or health – only for my friends. Can you still call me CRAZY, old fart? I hope not, Sir! Still, with my best regards. Still, your humble servant, Abrahão – but do not try to play my game, or you're DEAD MEET! Be advised! I hope to hear from you soon, with better words thru your mouth. A Brazilian is not a German: here we are bad, evil, terrible, hardened, cruel. Life is cheap for us. My own, or yours. I hope you put your mind at easy, them I'll aplogise. Or, you can spect me anytime, anywhere, as a shadow from nowhere... Take care! 120 kgs. –not too fat to kick your ass 'till you are shitting blood. 1,80 – not too tall, but tall enough to cut–off your peck and stick it into your big mouth. Ticket to Germany – US$ 750,00 – not too expensive. False Russian Passport (or Ukranian, or anyone) – US$ 200,00/US$ 300,00 – worth every cent. To pleasure to chop the ears & balls & eyes of any scumbag on my way – allways too cheap. If I get caught, I know the prisons in Germany are more clean and with a better launch than in any 3–stars restau­rant in Brazil. Hence, nothing for me to loose – for you, a little bit of things you surelly do not use more... Wait for me, Sir. This year. From nowhere. At anytime. I'll take along Maercello Motta's letters to stick it up your stinking ass, fag. Some foes are so small, so cretine, so affeminated, that we become ashamed to fight with. You are such a person, and I'll give you an exception to this rule," Mehrere Emails im Juni 2001 von José Roberto Romeiro Abrahão. Dazu Marcelo Santos: "He was made XVIº [O.T.O.A.] in 1993 or so. A couple of years later, they asked him to take a naked photo with his ass upwards and send it to them, so that they could send the Loa to copulate with him and give him a high initiation. He found it somehow weird and resigned," Email vom 4.1.2000.


[13] Die beteiligten Akademiker bepinselten sich gegenseitig ihre Bäuche und liebäugelten angestrengt mit der spärlich erschienenen Presse. Ein Phänomen, dem ich vor allem bei C.E.S.N.U.R.–Kongressen begegnet bin.


[14] L'Eucharistie. Faksimile in König: Der Grosse Theodor Reuss Reader (München 1997); Transkript in Naylor/König: O.T.O. Rituals and Sexmagick (Thames 1999).
Im Jahr 1804 gründete der Pariser Arzt Bernard-Raymond Fabré-Palaprat (1773-1838) einen Orden der Templer. Schließlich weihte er den katholischen Priester Ferdinan-François Châtel (1795-1875) zum Bischof, der daraufhin viele Orden und Kirchen gründete. Einer seiner Anhänger war der Dichter Joséphin Péladan (1858-1918) mit seinem Ordre de la Rose–Croix du Temple et du Graal. Dieser Rosenkreuzerorden fusionierte mit Encausses Zusammenstellung von Orden, die unter dem Namen Independent Group of Esoteric Studies bekannt war, insbesondere in Belgien unter dem Namen KVMRIS. Einer der Anführer von KVMRIS war Chevalier Le Clément de Saint-Marcq, der 1906 das Büchlein "L'Eucharistie" veröffentlichte, das von Theodor Reuss als Beschreibung des ultimativen Geheimnisses des O.T.O., nämlich dem Verzehr von Sperma, angesehen wurde. Circa 1893 erfand Péladan das Lamen, das später von Reuss als das O.T.O.-Lamen verwendet wurde und bis heute in Gebrauch ist.



Sar Peladan, Théatre de la Rose + Croix, Babylone, O.T.O. Lamen




[15] Der Hauptgrund, weshalb die Stadt Palermo die Kosten des Kongresses übernimmt, ist der Versuch, das zerfallene Bauernhüttlein, das in den 1920er Jahren Crowleys Abtei Thelema gewesen ist und nun einem Mario Russo gehört, an einen Käufer zu bringen, damit Palermo zur Touristenattraktion wird. Viele Thelemiten verehren dieses Hüttlein und steigen nachts durch die Fenster, um die abfallenden Farben der Wandmalereien, meist pornographischer Natur, zu bewundern oder abzukratzen. Diese Begeisterung wird jedoch nicht von allen geteilt. So Paul Feazy, Moderator von lasthal.com: "Preservation of the Abbey will inevitably result in higher profile of the most unacceptable aspects of Crowley's self–indulgence and, as someone committed to giving the man's creative work the profile it deserves, I see only controversy and negativity resulting," auf lashtal.com/nuke/PNphpBB2–viewtopic–t–4627.phtml, 29.9.2010.


[16] William Heidrick weiss folgende Anekdote über Meltons Besuch einer Gnostischen Messe in der SF Bay Area, Melton brachte drei Moonies als Gäste mit: "Isaac and Sally stood up and declared with some gusto that they would refuse to do the Mass unless cunnilingus and fellatio were a part of it," Heidrick in hollyfeld.org, 1.8.1996.


[17] Manfred Ach: "Under Cover. 20 Jahre A.R.W.", München 1995.


[18] My Own Three Penny Opera. Archevêque Primate of the Ecclesia Gnostica Catholica (Succession Ambelain), Grand Secretary and 90°, 95° Memphis Misraim, XI°, 90°, 95° (SS) Memphis Misraim, XVI° Ordo Templi Orientis Antiqua, Choronzon Club, XI°, Hierophant (97°) Memphis Misraim until own resignation (still valid), Honorary member and Representative of Fraternitas Rosicruciana Antiqua (Peru), Legate of F.R.A. and O.T.O. Cuba/Florida), Recognition of Mysteria Maxima Mediterranea in Italy, Representative of F.R.A. (Colombia), Comendador of F.R.A. (Spain), Representative of QBLH, XI°, National Grandmaster O.T.O.A. and Comendadore F.R.A., Exposidor de la Gnosis and Frater Senior of Ordo Argenteum Astrum, X° O.T.O., 33°, 90°, 96° MM, All degrees 0°–IX° and Bishop of Ordo Templi Orientis Foundation, IX° of O.T.O. Brazil, O.T.O.–FLH, and Superieur Inconnu of Martinism, 0° Caliphate [bezahlte Mitgliedschaft], 1° Caliphate [bezahlte Mitgliedschaft], 12° A.A.S.R. und Fraternitas Saturni: Rechte, Logen der F.S. zu installieren, 18° Gradus Pentalphae Fraternitas Saturni, Kreuz der Sonnenlegion der Fraternitas Saturni, Neophyt Ordo Saturni [bezahlte Mitgliedschaft], 8° Ordo Saturni [bezahlte Mitgliedschaft], Obispo de la Santa Iglesia Gnóstica Joanita y la Santa Iglesia Gnóstica de la Stma. Muerte [mit dem O.T.O.–Lamen], X° Ordo Santísima Muerte [mit dem O.T.O.–Lamen], 33°, 90°, 96°, 97° Grand Maître Memphis–Misraïm, Chevalier Bienfaisant, Maître Elu, Ordre de la Rose–Croix (Ambelain, Mauer), Superieur Inconnu des Elus Cohen (Martinism), todos os graus e no oficio de Comendador F.R.A. succession Parsival Krumm–Heller.


[19] Auszug aus Andreas Huettl und Peter-R. König, SATAN — Jünger, Jäger und Justiz, Grosspösna 2006, Seite 390: Ich setze mich für niemanden persönlich, eine Gruppe oder einen Glauben ein. Falls Menschen an Satan glauben und man ihnen das vorwirft, sollen sie sich selber verteidigen. Ich spreche und schreibe nur über das Themengebiet, auf dem ich forsche. Das sind hauptsächlich der O.T.O. und seine verwandten Gruppen und Kirchen. Dabei steht das Ergebnis nicht von vornherein fest; die Erkenntnisse können sich wandeln, können revidiert, verworfen werden. Sehen Sie, ich halte es mit Sigmund Freud, der mit "gleichschwebender Aufmerksamkeit" an den psychoanalytischen Prozess heranging. So bekomme ich häufig Dinge zu hören, deren Bedeutung erst nachträglich erkannt wird. Lassen Sie mich eine negative Abgrenzung vornehmen. Was ich nicht sein will: Ein Experte, der keine Beweise braucht. Der das Objekt seines Interesses längst kreiert, EHE er damit beginnt, seine Umwelt danach abzusuchen. Am Wettlauf um die Enthüllung der größtmöglichen Bestialität nehme ich nicht teil. Um es mit Lessing zu sagen: Wenn Hinkende um die Wette rennen, ist der Sieger nicht automatisch ein guter Läufer. Wenn sich Experten auf König beziehen, sinnentstellend Häppchen herausgreifen und alles auf den Kopf stellen, […] hat das dann Bedeutung für meine Arbeit? Diese Leute haben niemals die Handbücher des O.T.O. gelesen, sie haben die tausendfältigen Diskussionen in den unzählbaren Internetforen nicht studiert, in denen Thelemiten jeglicher Couleur die Schriften Crowleys diskutieren, sie haben auch nicht realisiert, wie die verschiedenen thelemitischen Ausrichtungen zum Thema Satanismus stehen. Warum stürzen sich die Sekten– und Satanismusexperten denn überhaupt auf Crowley und seine Anhänger? Ganz einfach: Weil er publiziert hat. Weil ein paar wenige seiner Schriften einfach in den Buchhandlungen oder übers Internet zu finden sind. Crowley und seine Anhänger sind die einfachsten Ziele. Überall sind die Adressen der verschiedenen O.T.O.–Gruppen zu finden. Im Internet, in Büchern, im Crowley–Tarot–Deck, in Vereinsregistern. Und so lassen sich natürlich Crowley und seine Anhänger sehr einfach wie eine Sau durch die Gassen der Medien und Akademien jagen – die okkulten Akademiker in einem Ganzkörperkondom als Mechanismus zur Unterdrückung von Bewusstheit.


[20] Siehe dazu meinen Artikel David Bowie and the Occult: The Laughing Gnostic" sowie den Nachfolgebeitrag von Steele Savage: "David Bowie, Outside, Aleister Crowley and the Holy Grail". Man beachte ausserdem dazu meinen deutschen Beitrag "Gnosis als Hype — The Laughing Gnostic — David Bowie und Okkultismus", der 2003 im schweizer Kulturmagazin 'DU' 741 erschienen ist.



Ende der Ekstase.


© P.-R. König 1998/2011.

Diese Version in: "Der O.T.O. Phänomen RELOAD".
Gekürzte englische Version: "No, I shan't eat this Light".




P.R. Koenig

P.R. Koenig




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