prä- Ordo Templi Orientis
Carl Kellner
Franz Hartmann
Theodor Reuss


CARL KELLNER

von Josef Dvorak.




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Carl Kellner legte eine Ursache zum Abholzen der Wälder

Carl Kellner war ein Selfmademan, der es, aus relativ einfachen Verhältnissen kommend, durch harte Arbeit und Erfindungsgeist schaffte, einer der grossen Industriekapitäne der Donaumonarchie zu werden, der auch international - auf dem gesamten europäischen Kontinent, in England, ja sogar in Amerika - am kapitalträchtigen technischen Fortschritt beteiligt war. 1850 in Wien geboren, hatte er in Privatlaboratorien den Beruf des Chemikers erlernt. Ob er je an Hochschulen und Universitäten studiert hat - immerhin nannte er sich seit 1895 Doktor der Philosophie -, ist ungewiss. Meine Nachforschungen in den Matrikeln der in Frage kommenden Fakultäten brachten kein Ergebnis. Durch Bombenangriffe im letzten Krieg sind auch Dokumente, die in Familienbesitz waren, verlorengegangen. Jedoch findet man in den Patent-Archiven Hunderte Akten über Erfindungen, die Carl Kellner gemacht hatte, vor allem auf dem Gebiet der Elektrolyse. Er war Elektrochemiker. Seine erste Erfindung machte er 1873, also mit 23 Jahren, als Angestellter seines väterlichen Freundes, des Abgeordneten zum österreichischen Reichsrat Eugen Hektor Freiherr Ritter von Zahony, der eine Papierfabrik in Görz im österreichischen, heute zu Italien gehörenden Friaul besass. Kellner wirkte dort auch als wissenschaftlicher Erzieher der Kinder des Freiherrn. Kellner unterlief in der Fabrik ein Fehler, wodurch er entdeckte, dass beim Kochen von Holz in einer Sulfitlösung Zellstoff entsteht. Diese Erfindung, 1882 als "System Ritter-Kellner" patentiert, stellte die Papier- und Zellulosefabrikation auf eine völlig neue Basis: auf das Abholzen der Wälder und die Verschmutzung der Umwelt, was zu dieser Zeit von niemandem problematisiert wurde. 1888 versandte Kellner an kapitalkräftige Interessenten in aller Welt ein "Promemoria", in dem er zu einer Kooperation der nordamerikanischen Industrie mit der Kärntner Forstwirtschaft mit dem Ziel aufrief, "den Weltmarkt für Zellulose zu beherrschen". Die Errichtungskosten für die erste Fabrik des neuen Typs wären sehr niedrig: nur 3 Millionen Gulden, nach heutigem Wert etwa 50 Millionen DM. Kellner versprach eine "Superdividende von 52,5 Prozent". Ein Jahr später gründeten tatsächlich der Engländer Edward Partington und der Norweger Oscar Pedersen mit Kellner die "Kellner-Partington Paper Pulp Co. Limd." in Hallein mit einem Kapital von 930'000 Pfund. Die heute noch bestehende Papierfabrik in Hallein bei Salzburg wurde gebaut, wofür die Salzach erst reguliert werden musste. Weitere Fabrikgründungen und Lizenzvergaben in alle Welt folgten. Andere Erfindungen Kellners betrafen die elektrolytische Erzeugung von Chlor und Aetznatron. In seinem grossen Wiener Labor betrieb er mit kompetenten, darunter akademischen Fachkräften die Erfindung von Quecksilberdampflampen, die Entwicklung bisher unbekannter Metall- Legierungen und die Erzeugung künstlicher Edelsteine. 1904 folgte die Errichtung der Zellstoff-Fabrik in St. Magdalen bei Villach. Sie hat allerdings inzwischen pleitiert.




Franz Hartmann gab immer die kleinste Münze

Carl Kellner sah in Dr. Hartmann, dem früheren engen Mitarbeiter von HPB, also der Madame Blavatsky, einen hohen rosenkreuzerischen Eingeweihten und genialen Philosophen. Hartmann wurde von Kellner und dessen Familie als ein lieber Freund behandelt. Er hat in der esoterischen Szene Wiens eine nicht unwichtige Rolle gespielt, denn er war es, der den kulturell einflussreichen Polyhistoriker Friedrich Eckstein, einen Freund und zeitweiligen Mitarbeiter Sigmund Freuds, und dessen Frau, die Schriftstellerin "Sir Galahad", in die Theosophie eingeführt hatte. Von Eckstein erhielt der Schöpfer der Psychoanalyse Informationen über die Yoga-Lehre. Seit Juni 1886 war Eckstein im Besitz einer von HPB persönlich signierten Charter für die Wiener Loge der Theosophen. Auch Kellner war mit Eckstein, Spitzname "Mac Eck", befreundet. Beruflich kamen beide aus derselben Branche: Eckstein hatte die Pergamentfabrik seines Vaters in Wien geerbt und ebenfalls Erfindungen auf dem Gebiet der Papierchemie patentieren lassen. Hartmann war stets in Geldnöten, er quartierte sich gerne bei Freunden ein, die dann für ihn sorgen mussten. Eckstein bat darüber geklagt. Dem wohlhabenden Kellner war er jedoch willkommen. Kellners Witwe (sie starb 1949) erzählte gerne von Hartmanns Sparsamkeit: Wenn Hartmann die Familie Kellner besuchte, kam er nicht mit einem Fiaker, denn der wurde von zwei Pferden gezogen, und eine Fahrt war entsprechend teuer, sondern mit einem weit billigeren Einspänner. Deren Lenker waren nicht in einer Innung organisiert, welche die Taxe fest setzte. Ihr Fuhrlohn bestand darin, "was der Herr halt so geben will". Wenn Hartmann sein Fahrziel erreicht hatte, kramte er so lange in seinen Manteltaschen, bis er eine Münze mit dem kleinsten Wert fand. Diese überreichte er dann dem Kutscher mit einer grossartigen Geste und den Worten "Hier haben Sie, guter Mann", worauf dieser im Gesicht rot anlief und eine Serie von Verwünschungen auf den "notigen" Hartmann niederprasseln liess. Hartmann weihte Kellner und dessen Frau nicht nur in die Theosophie ein, sondern machte ihn auch mit interessanten Indern bekannt, so mit dem 1896 in Kellners Yoga-Büchlein erwähnten "Mr. Bheema Sana Pratapa aus Lahore", den Kellner und Hartmann auf dem Münchner Psychologenkongress mit Yoga-Demonstrationen vorstellten. Kellner bezahlte nicht nur die Reisespesen und Aufenthaltskosten der Inder, sondern verschaffte auch seinem Freund Hartmann eine Sinekure, indem er ihn zum ärztlichen Leiter des Halleiner Sanatoriums Lahmann machte, wo mit dem Kellnerschen Lignosulfit- Inhalationsverfahren Lugentuberkulose und Keuchhusten behandelt wurden. Gustav Meyrink soll hier gekurt haben. Das Therapeutikum war ein Nebenprodukt der Halleiner Papierfabrik. 1904, vor seiner Abreise nach Aegypten, wo er Heilung erhoffte, sorgte der schwerkranke Kellner noch für die Edition einer Ehrenmedaille mit dem Konterfei seines Freundes Dr. Franz Hartmann.




Kellners "oral history"

Kellner gehörte der Hartmann-Richtung der Theosophie an. Im Archiv in Adyar findet sich der Name Carl Kellner nicht. Welcher Rosenkreuzer-Gruppe er angehört haben könnte, vielleicht ebenfalls einer Hartmannschen, ist mir nicht bekannt. Er hatte jedoch Kontakte zu amerikanischen Rosenkreuzern. Was ich jetzt sage, muss mit grosser Vorsicht aufgenommen werden, denn es handelt sich uni sehr schlecht bis gar nicht dokumentierte Vorgänge, um "oral history", der man glauben kann oder auch nicht, und um Konjekturen, die sich daraus ergeben. Auffällig ist dabei die oft auftauchende Jahreszahl 1895. In diesem Jahr soll nach Angaben von Theodor Reuss Kellner die Gründung einer "Academia Masonica" vorgeschlagen haben. Der Name des Projektes sei dann über Vorschlag Kellners ln "Ordo Templi Orientis" (O.T.O.) geändert worden. Carl Kellner aber hatte nach Reuss sein okkultes Wissen von einer amerikanischen "Hermetic Brotherhood of Light". Ob und wie man Reussens Angaben glauben kann, ist umstritten. Herr König ist in diesem Punkt aus guten Gründen sehr skeptisch. Ich bin hier etwas optimistischer und möchte nicht ohne sehr triftige Gegenargumente vom Überlieferten abweichen. Freilich bin ich mir des Risikos bewugt, dabel ungewollt die Grenzen zur historischen Science fiction zu überschreiten.




12 Uhr mittags

1895 jedenfalls wurde in Philadelphia von Freeman B. Dowd, einem Nachfolger des Sexual- und Spiegelmagiers, angeblichen Eingeweihten der Alewiten, okkulten Gegenspielers Madame Blavatskys und Gründers der "Brotherhood of Eulis" (id est "Eleusis"), Paschal Beverly Randolph (1825-1875), der "Temple of the Rosy Cross". wie es heisst "wiedergegründet". Dowd war Mitglied der"H.B. of L." ("Hermetic Brotherhood of Luxor") grewesen, als deren Vorläufer die "Brotherhood of Eulis" gelten kann. Diese Traditionslinie führt bis zur Gründung der Societas Rosicruciana in Amerika 1908 und schliesslich zu Reuben Swinburne Clymer (1878-1966) und dessen Rosenkreuzer-Organisation. Nach Sylvester Clark Gould, dem Mitbegründer der Societas von 1908, kamen in eben diesem jahr 1895 auf dem höchsten Gebäude in Boston unter klarem Himmel zur Mittagszeit zwölf hohe Persönllchkeiten zusammen und riefen, mit den Händen nach oben weisend, dle"Hermetic Brotherhood of Light" ins Leben. Sie war mit der "von Luxor" zwar nicht identisch, ist aber auch zut Randolphschen Rosenkreuzertradition zu zählen. Einer von den Zwölfen soll, das findet sich bei Gould allerdings nicht, Carl Kellner gewesen sein. Ebenfalls 1895, ich sagte es schon, legte sich Kellner den philosophischen Doktortitel zu. Im selben Jahr begann er mit der Konzipierung seiner sogenannten alchemistischen Arbeiten.




In Pressburg wartete der Zug immer auf die Freimaurer

Nach Hartmann und der "oral History" wurde er 1873 in die Grenzloge "Humanitas" im damals ungarischen Ort Neudörfl aufgenommen. Im Nachruf "Emanuels" (Hartmanns) auf Kellner, den Bruder "Renatus", in der Oriflamme vom Juni 1905 heisst der Ort "Neuhäusl". Die Existenz sogenannter "Grenzlogen" ist aus dem Verfassungsdualismus der Donaumonarchie nach dem "Ausgleich" mit Ungarn 1867 zu verstehen. Franz Josef I., der Monarch, der 1848 auf den Thron der Habsburger gekommen war, regierte von 1867 an keinen zentralistischen Staat mehr, sondern in Personalunion zwei Staaten, denen nur Aussen- und Finanzpolitik sowie das Heereswesen gemeinsam waren: das Königreich Ungarn mit einer liberalen Verfassung und die weiterhin konservativ verwalteten "cisleithanischen" Gebiete. Beides zusammen war die "Ossterreichisch-Ungarische Monarchie". Auf die ungarischen Verhältnisse und deren Vorbildwirkung auf die übrigen Telle des Reichs setzten auch die deutschsprachigen Liberalen einige Hoffnung, darunter auch jene, die eine Wiederzulassung der 1849, nach der Einnahme des aufständischen Wien durch die Truppen des Fürsten Windischgrätz, verbotenen Freimaurerei anstrebten. Versuche, Logen nach dem österreichischen Vereinsgesetz von 1867 genehmigen zu lassen, scheiterten jedoch zunächst an Paragraph 18, der den Maurern untragbar schien, weil er die Kontrolle der Vereine durch staatliche Kommissäre verlangte. Als sie sich schliesslich damit einverstanden erklärten, nutzte auch das nicht. Dagegen wurden nach ungarischem Vereinsgesetz die ersten Logen bereits 1868 in Pest und 1869 in Oedenburg erlaubt. Deshalb kam man auf die Idee (sie stammte von dem Schriftsteller Franz Julius Schneeberger), für die österreichischen Brüder Logen knapp hinter der ungarischen Grenze zu installieren und in Oesterreich selbst ein angepasstes Vereinsleben zu führen. So erfolgte nach der Gründung am 9. März 1871 die Lichteinbringung der Loge "Humanitas" am 25. Februar 1872 in dem heute zu Oesterreich gehörenden Neudörfl in der Nähe der Wiener Neustadt. Als Carl Kellner 1873 in die Loge aufgenommen wurde, befand sich diese gerade in einer schweren Krise: Viele Brüder waren mit dem Stuhlmeister Schneeberger nicht einverstanden. 1874 verliessen znvel Gruppen von Unzufriedenen die "Humanitas" und gründeten neue Logen ("Zukunft" und "Sokrates") im slowakischen Pressburg (Bratislava), das damals zu Ungarn gehörte. 1880 begann auch die "Humanitas" mit der Übersiedlung nach Pressburg, das somit Hauptstadt der Wiender Freimaurerei wurde. Diese Verlegung bedeutete eine bessere Verkehrsbindung. Um nach Neudörfl zu gelangen, musste man mit der Südbahn bis nach Wiener Neustadt fahren, von wo man mit Kutschen zum Logentempel gelangte. Das Zentrum von Pressburg jedoch war mit der Pressburger Bahn, einer Art elektrischer Strassenbahn, vom heutigen U- und S-Bahnhof Wien-Mitte aus nach einer Stunde Fahrt erreichbar. Diese Linie gibt es leider nicht mehr. Ich kannte sie noch. In Pressburg wartete der Zug bis nach Ende der Logenarbeit. Der Kondukteur gab erst das Abfahrtssignal, wenn sich alle Freimaurerbrüder in dem für sie reservierten Waggon eingefunden hatten. Dass sich Kellner der Hochgrad-Maurerei zuwandte, mag mit den Streitereien in Neudörfl zu tun haben. Im Mitgliederverzeichnis von 1886 findet sich sein Name nicht. Seine Memphis-Misraim-Loge war "Phönix zur Wahrheit" im "Tale von Hamburg" [gegr. am 1. Juli 1904, siehe Faksimile in König, Materialien zum OTO]. Nach dem Tod Kellners trennte sie sich von Reuss und trat zur regulären Grossloge über.

Zu Lebzeiten von Kellner keine Rede vom O.T.O.

Nach der Darstellung von Reuss in der sogenannten "Jubiläums- Ausgabe der Oriflamme 1912" trat Kellner, nachdem er auf seinen vielen und weiten Reisen mit der "Hermetic Brotherhood of Light" in Berührung gekommen war, an Reuss mit dem Wunsch nach Gründung einer Art von "Academia Masonica" heran, "welche suchenden Brüdern die Bekanntschaft mit allen existierenden Maurergraden und Systemen ermöglichen sollte". Im Laufe der Unterredung liess Kellner dann diesen Titel fallen und "legte Gründe und Unterlagen", über die uns weiter nichts mitgeteilt wird, "vor für Annahme der Bezeichnung 'Orientalische Templer'". Erst 1902 konnte Kellner's Idee verwirklicht werden. Jedoch (man staune!) von den "Orientalischen Templern" ist keine Rede mehr, sondern was das Licht der Welt erblickte, war das angeblich fallgengelassene Konzept einer "Academia Masonica" in Form des Memphis-Misraim- Ordens. Im schon erwähnten Nachruf Hartmanns auf Kellner in der Oriflamme vom Juni 1905 wird das Gespräch Kellners mit Reuss im Jahr 1895 überhaupt ganz anders geschildert - nur war Reuss zweifellos dabei. Hartmann wahrscheinlich nicht. Hartmann stellt von vornherein alles auf Memphis-Misraim ab und meint, Kellner habe mit dem "Frater Merlin", also mit Reuss, schon 1895 "den Plan gehagt, die alte Hochgrad-Maurerei", in der Kellner auf seinen "weiten und häufigen Reisen in England und Amerika die höchsten Grade und Würden" erworben hatte, "die ein Maurer überhaupt erlangen kann", "auch in Deutschland einzuführen". Aber erst 1902 "wurde der Plan in die Tat umgesetzt", als Kellner "im Dezember dieses Jahres von Bruder Yarker in Manchester persönlich in den 96. Grad eingeführt und zum Souveränen Ehren-General-Grogmeister unseres Ordens proklamiert" wurde. Punktum! Die von mir eingesehene Urkunde zu diesem Vorgang ist am 27. Dezember, dem Fest des Evangelisten Johannes, ausgestellt und bezieht sich lediglich auf den "Ancient and Primitive", also den mit dem Misraim-Ritus vereinigten Memphis-Orden. Von einem O.T.O. ist in dem Dokument (ich habe es mehrmals sehr sorgfältig geprüft) keine Rede. Mir ist auch kein anderes, zu Lebzeiten Kellners ausgestelltes Dokument untergekommen (Carl Kellner starb am 7. Juni 1905), aus dem man eine O.T.O.-Gründung ableiten könnte. Das von Karl R.H. Frick im zweiten Band von "Die Erleuchteten" angegebene Datum "1. September 1901" ist mir völlig unverständlich. Wohin ist also der 1895 angeblich von Kellner gewünschte Name "Orientalische Templer" entschwunden? Dafür taucht bei Reuss in der "Jubiläumsausgabe der Oriflamme 1912" die "Hermetic Brotherhood of Light" wieder auf. Reuss schreibt, deren "rosenkreuzerische, esoterische Lehren wurden reserviert für die wenigen Eingeweihten des Okkulten Inneren Kreises. Die Erkenntnis- Stufen dieses Inneren Kreises von Eingeweihten liefen mit den höchsten Graden des Memphis- und Misraim Ritus parallel" (gehörten also selbst nicht zum Ritus), "und diese 'Eingeweihten' bildeten den geheimen Stamm des Orientalischen Templer-Ordens". Aus allen Unterlagen geht eindeutig hervor, dass Carl Kellner der Leiter des "Okkulten Inneren Kreises" war. Wobei nicht ganz klar ist, ob es auch noch andere "Innere Kreise" gab, etwa die "Esoterischen Rosenkreuzer", die offenbar unter der Leitung von Reuss standen. Reuss hatte ja behauptet, dass er das okkulte Wissen unabhängig von Kellner ebenfalls aus dessen Quellen erhalten hatte, wobei ich an die Randolphsche sexualmystische Rosenkreuzerei denke. Die Anwerbung geeigneter Leute zu diesen initiatischen Gruppen oder "Erkenntnis-Stufen" ging offenbar so vor sich, dass man den Maurern verschiedenster Systeme, die alle im vielgradigen Memphis-Misraim gesammelt waren, sagte: "Die symbolische Arbelt, die Ihr in Euren Ritualen leistet, ist noch nicht das Wahre. Die Symbole haben eine sehr praktische okkulte Bedeutung, die wir Euch vermitteln können." Dieses Wissen, das wird immer wieder betont, kommt nicht aus dem Memphis-Misraim seibst, sondern "von aussen", und es wird auch nicht im Memphis- Misraim selbst weitergegeben, sondern daneben. Es gab nur wenige Eingeweihte. Selbst wichtige Hochgradinhaber wussten nicht, was sich hier abspielte. Doch hat Emil Adriányi, der mit Reuss verfeindete ehemalige Grosssekretär von Memphis-Misraim am 8. September 1906 Rudolf Steiner "nach gründlichem Studium" der drei Riten (Schottisch- Cerneau, Memphis, Misraim) brieflich mitgeteilt, dass zwar der aus diesen Riten bestehende "Orden von Reuss" selbst keine "Übungen" kennt, Reuss aber nach angeblicher Rücksprache mit Kellner die Übungen "eines von ihm ausgewählten inneren Schülerkreises mit dem jetzigen 'A.Pr.Ritus' verquickt" hat. "A.Pr." bedeutet "Ancient a nd Primitive". Es ist der Memphis-Ritus, nicht der von Misraim! Öffentlich entpuppt hat sich der Innere Krels erst 1906 durch die von Reuss veröffentlichten Statuten: in der auf den 22. Jänner datierten englischen "Constitution" und den mit dem Datum 21. Juni 1906 versehenen deutschsprachigen "Allgemeinen Satzungen" des O.T.O. Schliesslich taucht in jenem Edikt von Reuss, durch das die drei Riten (Schottischer, Misraim, Memphis) in Deutschland "ab 24. Juni" getrennt werden, in der grossen Titulatur von Reuss auch die Bezeichnung "Souveräner Ordensmeister der Orientalischen Templer- Freimaurer" auf. Und dem christlichen Datum A.D. 1906 ist das templerische A.O. (d.i. Anno Ordinis) 788 beigefügt.




Steiner übernimmet den Misraim-Ritus

Ostern 1906 war Rudolf Steiner von Reuss erlaubt worden, in Berlin "ein Kapitel und einen Grossrat der Adoptionsmaurerei unter dem Namen 'Mystica aeterna' zu gründen". Den Ritua, in dem Rudolf Steiner in Deutschland "selbständiger Amtierender General- Grossmeister" ist, nennt Reussens Schreiben vom 15. Juni 1907. Er ist Misraim, nicht der laut Adiányi mit den ominösen "Übungen" verquickte Memphis-Ritus. Dieser verbleibt bei Reuss, der nun im Briefkopf auch "Order of Oriental Templars and Esoteric Rosicrucians" stehen hat [Faksimile in König, Der Grosse Theodor Reuss Reader]. In den "Allgemeinen Satzungen" des O.T.O. ist zu lesen, dass unter diesem Namen "ein internationaler Verein re-organisiert und re- konstitutiert" worden ist. Welcher Verein ist gemeint? Die Antwort (ich zitiere aus der mir vorliegenden Monte Vérità-Fassung der "Constitution" von 1917: Es ist "The Hermetic Brotherhood of Light". Jedoch: "The totality of the degrees of the O.T.O.consitute an 'Academia Masonica'". So schliesst sich der Kreis, in dem Rudolf Steiner nicht enthalten ist, und es auch niemals war.

Kellner ais "geistiger Vater" des O.T.O.

In seiner Kritik des 1914 erschienenen Winkellogen-Buches erinnerte Reuss den Autor Eberhardt daran, dass bereits 1905 rechts neben der Eingangstür von Reussens Haus in Berlin ein Messingschild angebracht war mit der Aufschrift "Souveränes Sanktuarium des Ordens der Orientalischen Templer". Auch in den Erinnerungen der Nachkommen Carl Kellners kommt ein Messingschild vor, das sich auf das "tantrische Geheimnis" bezogen haben und an der Villa von Kellners Frau auf der Wiener Hohen Warte befestigt gewesen sein soll. Im Nachlass Kellners konnte ein solches Schild trotz eifriger Suche nicht gefunden werden. Ich erspare Ihnen und mir weitere Spekulationen. Aus dem bisher Gesagten ziehe ich den Schluss, dass man Carl Kellner als "geistigen Vater" des O.T.O. ansehen kann. Aber oft tun die Söhne nicht das, was der Vater wollte. Und ob Reuss alles richtig verstanden und nicht manches missverstanden hat, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls verteidigte Reuss noch in seinem Testament vom 20. Dezember 1922 seine "von Dr. Carl Kellner mir überlieferten Lehren".




Yoga durch Körperanstrengung

Sicher ist, dass Carl Kellner Yoga lehrte. Als Yoga-Experte war er auch in wissenschaftlichen Kreisen nicht unbekannt. So nannte ihn William James in einer Fussnote seines Buches "The Varieties of Religious Experiences" von 1902 "an European witness" für Yoga. James kommt der Verdienst zu, die Religionspsychologie populär gemacht zu habens wobei er die Annahme eines spezifischen "religiösen Gefühls" ablehnte. Seine Theorie der religiösen Erfahrung ist von der einflussreichen Chicagoer Schule der Religionswissenschaft weiterentwickelt worden. Carl Kellners besonderes Interesse galt dem Hatha-Yoga, dem "Yoga durch Körperanstrengung". In der Theosophie, angefangen von Madame Blavatsky selbst bis zu Kellners Freund Franz Hartmann, stand Hatha-Yoga in einem sehr schlechten Ruf. Man sah in ihm "schwarze Magie". Die schwierigen Körperstellungen des Hatha-Yoga erforderten eine gute athletische Ausbildung. Der hatte sich Carl Kellner bei dem damals "stärksten Mann von Wien", dem international renommierten Keulenschwinger Georg Jagendorfer, unterzogen, der in der Wiener Innenstadt eine Athleten-Schule betrieb, in der neben dem Keulenschwingen auch der Ringkampf und das Boxen gelehrt wurden. Kellner erwarb derartige Kräfte, dass er es angeblich sogar mit "Bierabträgern" aufnehmen konnte, mit jenen Männern, die schwere Fässer von den Brauerei-Fuhrwerken abladen mussten. In seinen Villen liess Kellner Gymnastikräume einrichten, wo Jagendorfer ihm und seinen Kindern Privatunterricht gab. Der Umgang des "Herrn Doktor" mit dem Athleten war leutselig. Jagendorfer durfte sich nach jeder Privatstunde in der Küche der Familie Kellner ein ganzes "Backhendel" und eine Flasche Wein genehmigen. Das Interesse für Athletik war um 1885 aus Amerika und England nach Österreich gekommen, zunächst nach Prag. Doch bald gab es auch in Wien einige Vereine für "englische Athletik", von denen der vornehmste der "Wiener Athletiksport-Club" war, mit den Mitgliedern Kellner und Jagendorfer und geleitet vom Chefredakteur der Allgemeinen Sport-Zeitung, späteren Wiener Stadtrat und Parlamentsabgeordneten Victor Silberer (geb. 1846), einem Freund Kellners. Victor Silberer und Carl Kellner betrieben auch den Reitsport. Victor Silberer gilt als Österreichs Luftfahrtpionier: 1885 gründete er die "Wiener Aeronautische Anstalt", 1901 den "Wiener Aero-Club". Sein Sohn Herbert stellte Weiten- und Höhenrekorde mit Ballons auf. Herbert Silberer (1882-1923), Freimaurer und Psychoanalytiker, der sich - parallel zu C.G. Jung - mit der Erforschung von Mystik, Alchemie, Hermetischer Kunst, Rosenkreuzerei und Okkultismus befasste, war kurze Zeit mit einer Tochter Carl Kellners verlobt. Über das von Kellner als grosse Hilfe für die Atemübungen des Yoga geschätzte Keulenschwingen sagte Victor Silberer: "Dieses kräftigt, wie sonst keine Spezialübung, die ganze Brust, es befördert grossartig die Atmung, steigert beträchtlich in durchaus gesunder und ungefährlicher Weise die Lungen- und Herztätigkeit, weitet den Brustkorb, stärkt dessen ganze Muskulatur, kurz, es verschafft dem Körper des viel Sitzenden gerade jene Anregungen und Bewegungen, deren er dringend bedarf."




Hatha-Yoga-Praktiken

Das ist also ein guter Ausgleich zu den Sitzhaltungen des Hatha- Yoga. Ich nenne als Beispiel Siddhasana, den "vollkommenen Sitz", von dem es in der Hatha-Yoga-Pradipika heisst: "Eln Yogi, der zwölf Jahre hindurch massvoll isst und den Atman bedenkt, immer im Siddhasana sitzt, erlangt die Vollendung." (I, 40) Im "vollkommenen Sitz" werden "drei Verschlüsse" (Bandhas) durchgeführt: Der Halsraum wird dadurch verschlossen, dass das Kinn langsam und entspannt zur Brust hin abgesenkt wird, was den Blutdruck niedrig hält. Fersendruck gegen den Damm verschliest den Rumpf von unten und regt den Blutkreislauf an. Der "mittlere Verschlug" hebt den Bauchbereich mit dem Zwerchfell leicht an und bewegt ihn zur Wirbelsäule hin. So kann der "gezügelte" Atem bei stabilisiertem Rumpf zu weiteren Übungen verwendet werden. Carl Kellner selbst beschreibt in seinem Büchlein "Yoga - Eine Skizze über den psycho-physiologischen Tell der alten indischen Yogalehre", das er dem III. Internationalen Kongress für Psychologie 1896 in München gewidmet hat und das ich als Anlage zu meinem Satanismus-Buch neu publiziert habe, als Beispiel "nur die so häufig erwähnte Padmasana (Lotus-Stellung)", und er hält solche Stellungen, die "doch nur von den sogenannten Schlangenmenschen unserer Zirkusse oder Varieté-Theater ausgeführt werden können" für uns "Abendländer" für nicht praktikabel und zitiert den "weisen Patanjali", den Autor des klassischen Yoga-Sutra: "Stellung ist die, welche fest und angenehm ist", übrigens mit einer falschen Quellenangabe (Sloka 4 statt richtig Sloka 46). Ich sage das, weil Kellners Text voller Druckfehler ist, der in einem Fall zu allerlei tiefsinnigen Spekulationen über versteckte sexualmagische Hinweise geführt hat. Merkwürdigerweise hat Theodor Reuss diesen Druckfehler nicht bemerkt, sondern weitergeschleppt. Es handelt sich um den sechsten "Vayu", einen der zehn sogenannten "Winde", die für die verschiedenen inneren und äusseren Körperfunktionen verantwortlich gemacht werden. Im Yoga-Büchlein und bei Reuss heisst dieser Wind "Napa" und "vollzieht die Befruchtung". Im Abschnitt "Mysteria Mystica Maxima", so heisst der von Aleister Crowley geleitete grossbritannisch-irische Zweig des O.T.O., auf S.22 der "Jubiläumsausgabe der Oriflamme 1912", wird Kellners Yoga-Büchlein zitiert und mit den Worten kommentiert: "Mit den an sechster Stelle genannten Vayus Napa (im Reproduktionsorgan) beschäftigt sich nun die Sexual-Magie. Diese Übung wird die 'Transmutation der Reproduktions-Energie'" genannt. Den Begriff "Napa" gibt es jedoch nicht. In dem vom Sanskrit- Gelehrten Rama Prasad 1889 in Indien für Madame Blavatsky ins Englische übersetzten Kapitel des tantrischen Shivagama hat der Vayu den Namen "Naga" und verursacht das Rülpsen. Es gibt noch eine weitere Unstimmigkeit: Bei Kellner "verursacht Krikara", der achte "Wind", das "Niesen". Im Shivagama hingegen "verursacht er das Hungergefühl". Ob abgesehen von dem Druckfehler - Kellner oder seine Quelle falsch übersetzt hat oder eine andere tantrische Tradition vorliegt: Nirgends findet man bei Carl Kellner selbst Hinweise auf sexualmagische Praktiken unter Verwendung eines Vayu "Napa" oder"Naga".




Lebendig begraben

Nur ganz allgemein (in seiner Definition von "Mudra") spricht Kellner von einer "Verdichtung der Aufmerksamkeit auf einen der genannten Vayus". Kellner schrieb, das Yoga-System mache "seinen wahren Jünger" zu einem"guten, gesunden und glücklichen Menschen" und eröffne ihm einen grossartigen "neuen Horizont". Der Yogi werde durch Beherrschung seines Körpers und seiner Gedanken ein "Charaktermensch". Weil er Triebe und Neigungen seinem auf das Gute gerichteten Wollen unterwirft, werde er eine von anderen schwer zu beeinflussende "Persönlichkeit", sei also "so ziemlich das Gegenteil" eines "Mediums". Allerdings war Kellner einer jener Experten, die Yoga als eine Methode der "Autohypnose" (längere Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf einen Punkt) interpretieren. Yoga, meinte er, sei "die durch andauernde Übung und geeignete Lebensweise erlangte Befähigung zur willkürlichen Selbsthervorrufung aller Erscheinungen des Somnambulismus". Psychologisch handelt es sich dabei um quantitative Bewusstseinsstörungen, Veränderungen der Vigilanz, des Wachseins, mit den Stufen Benommenheit, Somnolenz, Sopor und Subkoma-Koma. Die yogischen Entsprechungen wären Konzentration (dharana), Kontemplation (dhyana) und Versenkung (samadhi). Damit erklärte Kellner die Trance-Demonstrationen von Yogis, die damals Europa bereisten. Einen von ihnen, den besagten Bheema Sena Pratapa, hat Kellner in München vorgestellt und nach Oxford zu dem berühmten Professor Friedrich Max Müller, Begründer der Vergleichenden Religionswissenschaften und Herausgeber der Reihe "Sacred Books of the East", weitergeschickt. Kellner erwähnt auch, dass sich indische Fakire in eine "an Scheintod gemahnende Lethargie" versetzen können. Franz Hartmann, der damit vor dem Hatha-Yoga warnen wollte, nannte den vom englischen Physiologen Braid untersuchten und in der indologischen Literatur zitierten Fall des bengalischen Fakirs Haridas, der sich in einem kataleptischen Zustand (bei extrem herabgesetzter Atem- und Herztätigkeit) zwischen 1828 und 1837 viermal lebendig begraben und nach vierzig Tagen wiederbeleben lieg. Der letzte Versuch endete freilich tödlich. Haridas wandte die in der Hatha-Yoga-Pradipika aufgezeichneten Techniken "Kuh-Essen" und "Hals-Verschluss" an. Beim "Essen der Kuh" wird die Zunge "verschluckt", so dass die Luftröhre verschlossen wird, und das Absinken des Kinns auf das Brustbein zusammen mit willkürlichen Kontraktionen der Halsmuskulatur reizt jene Nerven, die Atem und Herzschlag beeinflussen können.




Kellners Stellung zu den verschiedenen Yoga-Praktiken

Aus dem Text von Kellner geht hervor, dass er selbst kein Anhänger solcher "wahnwitzigen" Methoden war. Auch wollte er sich in dem Büchlein als Praktiker so wenig wie möglich zut Philosophie des Yoga äussern. So bewertete er auch nicht die dualistische Samkhya- Lehre, mit der Patanjalis klassischer Yoga verbunden ist. Im Garten seiner Villa auf der Hohen Warte in Wien befand sich allerdings eine Grossplastik, die man als Denkmal für den Dualismus Natur-Seele (Prakriti-Purusha) deuten kann. Andererseits identifizierte er sich (das geht aus einigen Notizen hervor) mit dem Monismus der vedischen Atman-Brahman-Gleichung und des vedantischen Advaita. Im Silberknauf seines Spazierstocks ist die heilige Silbe OM einziseliert. OM ist das auch von Hartmann hochgeschätzte Wortsymbol Brahmans und des in der Versenkung (samadhi) zu realisierenden nichtkonditionierten "Vierten" und höchsten Zustandes (turiya) im Yoga; das ist hellwache Aktiviertheit ohne Ich-Erleben. Das Bewusstsein des Gesondertsein hört, wie uns Carl Kellner belehrt, auf, und es werden "der Seher und das Gesehene Eins" [P.R.K.: so wie auch Reuss berichtet]. Der von der Theosophie zum Unterschied von Hatha-Yoga propagierte Raja-Yoga, "die direkte Vereinigung des Einzelbewusstseins mit dem Allbewusstsein", liefert "die Suggestion zu diesem selbst- induzierten somnambulen Zustand, welcher dann, da das suggerierte Objekt ein erhabenes, heiliges ist, von unaussprechlichem Glücksgefühl begleitet ist". Von persönlicher Bedeutung für Kellner war der in Patanjalis Yoga Sutra nach Unterdrückungs-Yoga, theistischem Yoga sowie der Samapatti-Meditation skizzierte achtfache Pfad mit "Samyama", der Zusammenfassung der drei "inneren Yoga-Stufen" Dharana, Dhyana und Samadhi (Konzentration, Kontemplation und Versenkung). Durch "Pratyahara", der willkürlichen Beherrschung der Sinneswahrnehmungen vorbereitet (Kellner führt als Beispiel den Zustand eines Hypnotisierten an, dem suggeriert wird, die rohe Kartoffel sei eine süsse Birne), ist "Samyana" im Rahmen einer Mudra-Kombination, also verbunden mit Körperhaltungen, ein vielleicht ursprünglich schamanistischer Meditationsweg, der auf den Erwerb von Wunderkräften (Siddhis) wie Unsichtbarwerden, Aufhören von Hunger und Durst, Vollkommenheit des Körpers, Macht über das Gewordene, Meisterung der Urmaterie usw. ausgerichtet ist. Allerdings betrachtet laut Kellner der auf Erlösung bedachte "richtige Yogi" die Zauberkräfte sogar als störend.




Kellners Rückführungen

In einem handschriftlichen Protokoll, betitelt "Reincarnation" (hinzugefügt sind die Ziffer 3 und die Pluralendung "en") gibt uns Kellner Einblick in eine seiner Sanyama-Obungen zut Rückführung in frühere Verkörperungen: Wenn die Sitzhaltung (Asana) stetig und der Atem gezügelt ist (Pranayama), erscheint (Pratyahara) eine azurne Flamme, die Kellner fixiert (Dharana) und in die sich sein Ich hineinbegibt (Dhyana). Im Samadhi schaut er in die Zeit zurück und sieht sich, bekleidet mit einem gelben Mantel, auf dem Kopf eine nach vorne gebogene Mütze (also offensichtlich in der Gewandung eines tibetischen Mönchs) "in einer der grossartigen Sternennächte Chaldäas, im alten Babylon". Er ist verheiratet. Seine Frau, "schlank, doch auch üppig geformt", ist in glitzernde Seidenstoffe gehüllt. Nun ist er Priester, "ein Diener der Schamaja", und steigt auf den Turm, um seiner weiblichen Gottheit Feuer zu opfern. Dieses Feuer aber ist (an diesem Punkt beginnen sich die visualisierten Objekte aufzulösen) identisch mit dem Licht der Sterne, der Sonne, dem Licht seines Lebens, allen Lebens, des Lebens der Brüder und Schwestern (es ist also keine reine, sondern eine mit Assoziationen verbundene Lichtschau) [P.R:K.: vergleiche Crowleys Nuit]. Er spricht "den alten Segen auf Aramäisch. Der Morgen dämmert". Kellner nannte sich "Renatus". Er schaute sich auch als Wiedergeburt eines Platon-Schülers und eines Athleten. Psychoanalytisch wäre der Aufstieg zum Feueropfer als ein sexuell-tantrischer Akt im Kundalini-Yoga zu deuten.




Er liess sich von Nattern in die Zunge beissen

Im Yoga-Büchlein schreibt Kellner, dass Hatha-Yoga unter Umständen sehr gefährlich sein kann. Deshalb soll die Sache "niemals ohne Anleitung eines erfahrenen Führers ('Guru' nennen ihn die Inder) versucht werden". Als die Gurus Kellner werden immer wieder ein Araber und zwei Inder genannt, darunter der besagte Bheema Sena Pratapa aus Lahore, der Im Yoga-Büchlein erwähnt wird. Bereits Gustav Meyrink liess 1907 kein gutes Haar an diesen drei Männern: dem "unverwundbaren Oberkellner Hadji Soliman ben Aissa aus Lyon, der sich von harmlosen Würfelnattern in die Zunge beissen lieg", "Pratapa, der in Budapest seinen Atem zwei Stunden lang anhielt", und dem "schwindelhaften Brahmanen Agamya", der "in Wien und Berlin den Schlag seines Herzens und zugleich auch die Logik und Wahrheitsliebe der Zeitungsberichterstatter zum Stillstand brachte". Tatsächlich hatten sich die drei mit finanzieller Hilfe auch des wohlhabenden Fabrikanten Carl Kellner in verschiedenen europäischen Städten öffentlich produziert. Kellner, der sich oft geschäftllch in Bosnien aufhielt, war an islamischer Mystik und dem Sufismus sehr interessiert. Das mag seine Bekanntschaft mit Hadji Soliman erklären. Von Pratapa ist ausser einem Foto, das ihn mit Carl Kellner zeigt und das ich demnächst veröffentlichen werde, nichts überliefert. Agamyas Lehre ist etwas besser bekannt. Denn er hat auf drei Reisen zwischen 1900 und 1903 mit Wissenschaftlern in Cambridge und Oxford Kontakt aufgenommen, und 1905 in London sein Buch "Sri Brahma Dhara - Shower from the Highest", publiziert. Der Oxforder Professor Friedrich Max Müller (1823-1900) nannte Agamya im August 1900 ehrfürchtig "the only Indian saint I had ever known". Was die zwei Inder demonstriert hatten, ist im Yoga-Büchlein als "Stufen des Somnambulismus von der Somnolenz aufwärts". d.h. bis zur Katalepsie, erwähnt und als "Nirvikalpa Samadhi Stufe" bezelchnet worden. Das entspricht der Auffassung von Versenkung (Samadhi) als Yoga-Schlaf (Yoga-Nidra). "Nirvikalpa" ist Versenkung ohne Bewusstsein seiner selbst, deren einzig mögliche Sprache das Schweigen ist. Das zu überwindende Vorstadium ist der glückselige Zustand des "Savikalpa Samadhi". Zu den Hindernissen gehört auch "kashaya", der Zauber verführerischer visionärer Rückerinnerungen. Kellners Samyama- Meditation ist erfüllt vom Bild ("oh wie schön!") seiner Frau: "Ja, das bist Du - aus diesem Auge leuchtet die gleiche liebe Seele." Angeblich (die Behauptung stammt von dem Ludendorffianer und Verschwörungstheoretiker Jean Paar aus dem Jahr 1912) soll Kellner gegenüber Hartmann gestanden haben: "Ich mache meine Übungen, komme ein wenig in die Höhe und purzle dann um so tiefer wieder hinab. Ich fürchte die hütenden Scharen." Hartmann soll dies mit dem Hinweis auf Ikarus kommentiert haben, "von dem die Mythe erzählt, dass er versucht habe, mit wächsernen Flügeln zur Sonne emporzusteigen. Aber die Flügel schmolzen, und er fiel." Das erinnert an den bei den damaligen Esoterikern beliebten Roman "Zanoni" von Bulwer-Lytton, in dem die Romanfigur Glyndon (wie Kellner "an aspirant to the stars that shine in the Shemajá of the Chaldaean lore") als Typus die "unsustained aspiration" mancher Okkultisten repräsentiert.




Agamyas Atom-Yoga

Agamya war fünf Jahre älter als Kellner, stammte aus dem Punjab und wirkte als Richter an Indiens oberstem Gericht, bis er sich entschloss, Yogi zu werden. Er war davon überzeugt, dass dieses Leben seine letzte Inkarnation ist. Er praktizierte den Paramanu- Yoga (Atom-Yoga), eine Spielart des vedantischen Maya-Yoga. Nach dem Maya-vada, der Lehre des "Fürsten" der Vedanta-Philosophie Shankaracharya (etwa 800 n.Chr.) ist die Vielfalt der geschaffenen Welt lediglich "Maya", zauberischer Schein, der das Eine und Höchste (Brahman) verhüllt. Sie ist aber auch eine Kraft der Offenbarung des Höchsten. Agamya lehrte nun, dass Maya ein Im Ozean des Einen schwimmender Tropfen, ein selig schwingendes Uratom ist, aus dessen Gärung immer weitere Atome hervorgehen. Deren Verklumpung bildet unsere räumlich-zeitliche "Realität", die jedoch nur Schein ist. Das Atom ist ein Speicher ungeheurer Krifte, deren sich der Atom-Yogi auf seinem Weg zum Höchsten bedienen kann. Es sind dies die durch Samyama entbundenen Siddhis, wie z.B. die Erinnerung an frühere Verkörperungen. Im Atom-Yoga wird das Atom selbst anvisiert (Kellners "azurne Flamme"). Das höchste Ziel ist jedoch Nirvikalpa-Samadhi, die Involution aller Kräfte in das Uratom und das Verschwinden der Maya im Ozean des höchsten Bewusstseins (Brahmans). Die genauen Anleitungen für die Konzentration des Yogi auf die atomaren Kräfte gab Agamya nur mündlich weiter und verbot seinen Schülern, diese publik zu machen.




Kellner wurde feierlich verflucht

Nach dem Bericht von Kellners Witwe kam es deshalb 1903 in Hallein zwischen dem Mahatma und Carl Kellner zu einer schweren Auseinandersetzung, an deren Ende Agamya seinen Schüler feierlich verfluchte. Denn Kellner hatte Einzelheiten der Yoga-Techniken, die zur Erlangung von Siddhis notwendig waren (Kellners Witwe nannte ausdrücklich die Lebensverlängerung), an seine "Brüder und Schwestern" Im Okkulten Inneren Kreis "verraten". Kellners Laborunfall, seine schwere Krankheit 1904 und sein plötzlicher Tod 1905 wurden von seiner Witwe als Folgen dieses Fluchs angesehen. Reuss und später Crowley dachten eher an eine yogische Krankheit, die durch stümperhafte Anweisungen des nach ihrer Ansicht unfähigen "Gurus" Agamya verursacht worden sei. Aleister Crowleys Hass auf den Mahatma kommt besonders deutlich in einem Bericht von Sam Hardy (Colonel Fuller) in Crowleys Zeitschrift The Equinox (September 1910) zum Ausdruck. Darin wird ein Auftritt "Seiner Heiligkeit" geschildert, bei dem der Meister des Atom-Yoga eine äusserst schlechte Figur gemacht und lauter Blödsinn von sich gegeben haben soll. Daraufhin habe Sam Hardy den Guru in dessen hindustanischem Dialekt beschimpft: "Chup raho! tum suar ke bachcha ho!". Meine Übersetzung: "Halt's Maul! Du bist ein verdammtes Schwein!" Nach diesem Insult habe diese "666th incarnation of Haram Zada!" (ein im Islam gebräuchliches Schimpfwort, das einen legendären teuflischen Menschen bezeichnet) zu toben begonnen und einen epileptischen Anfall erlitten.




Gerüchte um Kellners Tod

Es wird erzählt, dass Kellner in seinem Laboratorium niedere geistige Wesen an sich zog und verschiedene Spukerscheinungen hervorrief. Es handelt sich dabei um Legendenbildung. "Fama crescit eundo" heisst es bei Vergil. An der Gerüchteproduktion hat sich der schon genannte Ludendorffianer Jean Paar massgeblich beteiligt. Seine Behauptungen in dem Buch "Weisse und schwarze Magie" von 1912 wurden immer wieder zitiert. Vor mir liegt ein Artikel aus der Wiener Sonn- und Montagszeitung vom 4. August 1924, in dem der Verfasser Paar seine Meinung wiedergibt, seine Mystifizierung Carl Kellners aber auch noch an zwei anderen Punkten festmacht: An der Architektur der damals noch existierenden Villa auf der Hohen Warte und an der Meinung, Kellner sel ein Alchemist gewesen, allerdings "nicht der richtige". Er "erlitt mit seinem Verfahren deshalb Schiffbruch und büsste es deshalb mit dem Tode, weil ihm die geistigen Voraussetzungen zur Alchimie im höchsten Sinne fehlten". Über die Villa heisst es in dem Zeitungsartikel: "Wer heute die Hohe Warte hinanwandert, begegnet einer seltsamen Villa, deren Giebel und Firste mit den geheimnisvollen Zeichen der Kabbala geschmückt sind. Man sieht die Ursymbole der Alchimie und die vier apokalyptischen Tiere, ein Schmuck, den bekanntlich auch eine kleine Pariser Kirche aufweist. In dieser Villa oblag Dr. Karl Kellner seinen mysteriosen Studien." Weiter heisst es: "Er schloss sich Tag und Nacht in sein Laboratorium ein und magerte bis zum Skelett ab. Sein Tod war nichts anderes als die bittere Frucht seiner Bemühungen um das letzte Geheimnis der Alchimie." Der Titel des Aufsatzes lautet: "Der Goldmacher von der Hohen Warte, Dr. Karl Kellner und seines Assistenten geheimnisvoller Tod und das Geheimnis der Alchimie".




Die Villa Kellners

Wie die Villa tatsächlich ausgesehen hat, zeigt das Foto aus meinem Archiv. Keine Rede von vier apokalyptischen Tieren und kabbalistischen Zeichen. Man erkennt zwei assyrische Sphingen an den vorderen Ecken des Flachdaches, das damals eine architektonische Neuerung darstellte. Rund um das Oberservatorium sind die Tierkreissymbole angebracht. Auf der Mitte des Firsts beeindruckt der bärtige "Baphomet" der Templer. Meines Erachtens ist dies eine Allegorie des menschlichen Geistes ("Ras el Fahmat", der "Nous poletikos" des arabischen Aristotelismus), der Sonne und Mond, Männliches und Weibliches an sich kettet, sie im shaktisch- shaivitischen Hatha-Yoga vereint. Dass es genau darum geht, zeigt auch die viersaitige Phorminx unter dem bärtigen Haupt. Sie schien im gezeichneten Plan des Architekten noch nicht auf und soll Shivas Vina bzw. die Harfe Kalis darstellen. Darunter befinden sich sieben kreisrunde Scheiben: Töne, Planeten, Farben, Prinzipien im Menschen. Die Architektur stammt von Massimo Fabiani, Kompagnon des Wiener Stadtplaners Otto Wagner, Atman- Philosoph und Kellners Freund aus der Görzer Zeit. Die Villa gehörte nicht Carl Kellner selbst, sondern sie war ein Geschenk Kellners an seine um 14 Jahre jüngere Ehefrau Marie Antoinette (sie identifizierte sich mit der gleichnamigen französischen Königin) aus der Triestiner Hoteliersfamilie Delorme ("von der Ulme" - bei den französischen Delormes war einige Zeit Baudelaire einquartiert). Nach dem Tod ihres heissgeliebten Carl verheiratete sich Marie mit einem um 17 Jahre jüngeren znveiten Mann, der sie um nur ein Jahr und neun Monate überlebte. Marie Kellner war eine von ihrem ersten Mann geförderte Malerin und Fotokünstlerin. Als Mitglied der Memphis-Misraim-Frauenloge trug sie eine Brosche mit dem Sphinx vor der Pyramide. In den Adoptionslogen war für jedes weibliche Mitglied ein männlicher Freimaurer verantwortlich. Bei Marie war es selbstverständlich Carl. Auf der nicht sichtbaren Rückseite der Brosche befindet sich deshalb das Porträt von Carl Kellner. In das theosophische Meditationsbüchlein seiner Frau schrieb Kellner eine lange Widmung, in der er die Liebe besingt. Sie selbst betonte in einer Notiz die Wichtigkeit des Willens für das spirituelle Leben.




Kellners alchemistische Experimente

Carl Kellner, der zwar ein grossartiger Erfinder war, aber kein kaufmännisches Talent hatte, wurde 1903 von seinen Kompagnons als Fabrikleiter in Hallein abgesetzt. Er war jetzt lediglich Aktionär des Konzerns und Chef seines grossen Wiener Laboratoriums, das sich jedoch nicht, wie immer behauptet wird, in der Villa befand. 1903 übersiedelte Kellner nach einer Abschiedsparty in Hallein, auf der ihn Agamya verfluchte, nach Wien in die eben fertiggestellte Villa seiner Frau, wo er sich ganz seinen Yoga- Übungen widmen wollte. Da kam es im Wiener Labor zu jenen Unglücksfällen, bei denen ein Chemiker getötet und Carl Kellner schwer verletzt wurde. Das hatte nichts mit Spukerscheinungen zu tun, sondern mit der Art seiner angeblich alchemistischen Experimente. Kellner hatte nämlich 1895 und 1896 bereits in Hallein versucht, Elemente umzuwandeln und neue Elemente zu erzeugen, und zwar nicht in einem sanften und langsamen Verfahren, wie es bisher in der Alchemie üblich war, sondern unter hohem Druck und elektrischer Hochspannung. Zur selben Zeit machte in Amerika der Chemiker und Erfinder eines Sprengstoffes, Dr. Stephen H. Emmens, einen ähnlichen Versuch. Er postulierte ein Basismetall für Silber und Gold namens "Argentaurum" und meinte, es könne durch Auflockerung zu Silber und durch starke Komprimierung zu Gold gemacht werden. Tatsächlich erzeugte er 1897 sechs Barren einer Gold-Silber-Legierung. 1899 schrieb der New York Herald darüber unter dem Titel: "Dleser Mann macht Gold und verkauft es an die Münze der Vereinigten Staaten! Ist Dr. Emmens ein moderner Rosenkreuzer?" Theoretisch hatte sich Kellner 1881 in Görz mit der "Entstehung der Arten Im Anorganischen" befasst. Der Text dieser Studie ist leider verschollen. Im Oktober 1896 übergab er der Akademie der Wissenschaften zu Wien ein Manuskript "Experimenteller Beweis über die Verwandelbarkeit der Grundstoffe" mit einer genauen Skizze seiner Druckanlage. In dem Text behauptet er, Materie und Energie verhielten sich wie elektrischer Strom von geringer Spannung, aber grosser Intensität, zu einem solchen von hoher Spannung mit sehr geringer Intensität. Am 24. April 1902 benachrichtigte Kellner die "hohe kaiserliche Akademie der Wissenschaften zu Wien" davon, dass er ein neues Element mit dem Atomgewicht 100 erzeugt habe. Als österreichischer Patriot wollte er es "Austrium (At)" nennen. Die Gutachter der Akademie kamen bei der Analyse der eingesandten Proben zu keinem schlüssigen Ergebnis. Bei meinen Recherchen in der Akademie stellte sich heraus, dass die Proben des "Austrium" nicht mehr vorhanden sind. Carl Kellner war sich zuletzt selbst nicht mehr sicher, was er da hergestellt hatte. Jedenfalls waren diese Experimente nicht ungefährlich. In Kellners Laboratorium kam es häuflg zu Explosionen und zu Vergiftungen durch die dabei freigewordenen Chemikalien. Nach seinem Laborunfall lag Kellner längere Zeit im Spital und fuhr dann mit seiner Frau zur Erholung nach Ägypten. Einen Monat nach seiner Rückkehr erlitt er nach einem arbeitsreichen Tag im Labor und einem sehr späten Abendessen einen Herzanfall. Nachdem er sich noch selbst Kampfer gespritzt hatte, verstarb er am 7. Juni 1905 um ein Uhr früh. Als Todesursache wurde "Herzlähmung in Folge chronischer Eitervergiftung des Blutes" konstatiert. Am 9. Juni wurde der Leichnam in einem Prunkwagen der Eisenbahn nach Hallein überführt und in der Familiengruft auf dem Friedhof von Oberalm beigesetzt. 1907 wurde er jedoch exhumiert und im Münchner Krematorium eingeäschert. Danach fand die Urne ihren Platz in einem Ehrengrab auf dem Halleiner Friedhof. [Fotographie König, in Leben für die Rose]. Die Symbolik des Grabschmuckes entspricht völlig der Reussschen O.T.O.-Ideologie. Reuss hatte sich offenbar auch finanziell am Grab beteiligt, denn 1907 konnte keine Nummer seiner Oriflamme erscheinen. Wichtigstes Detail an dem von Wilhelm Hejda künstlerisch gestalteten Grab ist ausser zwei anbetenden Engeln auf einer Art von Altarstein und dem Behang (Templerkreuz mit der Flamme im Triangel, die Tempelsäulen Jachin und Boaz als Obelisken) die Ikone eines O.T.O.-Marienkultes. Das ist eine Jugendstil-Madonna ("Jungfrau Maria", "Maya") als Symbol der freien Seele, die das Materielle (die Mondsichel, auf dem sie steht) überwindet, als Symbol für die mystische Hochzeit (weil sich ohne Seele der Geist nicht mit dem Körper verbinden könne) und als Symbol lebensbejahender Liebe: Maria mit dem Kind, das die Arme in Kreuzesform ausstreckt (die ikonologisch seltene "bogomilische" Positur) und von seiner Mutter vor der Mitte der unteren Hälfte des Leibes gehalten wird.





 

Published by permission of Josef Dvorak.

  • Josef Dvorak: Carl Kellner   [collected gossips and speculations about Kellner's life, Franz Hartmann, Hatha Yoga and Baphomet].
  • Deutsche Version: Carl Kellner.
  • Türkçe çeviri: Carl Kellner.


The grave of Carl Kellner

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