Fraternitas Saturni - Lebenskunst, Raumkunst, Liebeskunst. Guido Wolther, Johannes Goeggelmann, Walter Jantschik, Adolf Hemberger, Eugen Grosche

FRATERNITAS SATURNI
SATURN GNOSIS
Guido Wolther (Daniel), Johannes Goeggelmann (Saturnius), Walter Jantschik (Jananda), Adolf Hemberger (Klingsor), Ordo Saturni, Eugen Grosche (Gregor A. Gregorius)

Lebenskunst, Raumkunst, Liebeskunst

von Peter-Robert Koenig

Eugen Grosche



VORWORT ZU
In Nomine Demiurgi Saturni 1925-1969    First installment of 400 pages of saturnian documents
In Nomine Demiurgi Nosferati 1969-1998   Another 400 pages dealing with the History of the F.S.
In Nomine Demiurgi Homunculi    Further 420 pages about the F.S.
Context: Peter-R. Koenig: Der O.T.O. Phänomen RELOAD



Diese Kapitelueberschrift ist programmatisch fuer eine deutsche Geheimorganisation, die wir in Anwendung einer schrill anmutenden Grosszuegigkeit vom Gesichtswinkel des "Schoepferischen" her betrachten wollen.

Zur Historie sei unbedingt auf folgende Werke von P.R. Koenig hingewiesen:
Das O.T.O.-Phaenomen, A.R.W. 1994 (zur Historie)
Materialien zum O.T.O., A.R.W. 1994 (Faksimiles von Briefen und Fotografien)
Ein Leben fuer die Rose, A.R.W. 1995 (hier wird auf die magische Signifikanz der Grade 18 und 33 hingewiesen, die eine Art astralen Vampir zu fuettern scheinen, siehe auch: "Von Kopf bis Fuss auf Sperma eingestellt" in "In Nomine Demiurgi Nosferati", A.R.W. 1999, von Marlene Leander/Zarah Dietrich, d.i. Barbara Weisz, Ottmar Domainko und P.R. Koenig)
Abramelin & Co., A.R.W. 1995 (sexualmagische Zeichnungen)
Das Beste von Heinrich Traenker, A.R.W. 1996 (Korrespondenz zwischen Eugen Grosche und Aleister Crowley)

Warum ist die in den 20er Jahren gegruendete Fraternitas Saturni (FS) bekannt, beruehmt, gefuerchtet und erweckt eine ganz andere Art der Neugierde als die O.T.O.-Gruppen, obwohl man darueber fast gar nichts weiss und nur schludrig recherchierte Maerchenbuecher darueber publiziert sind? Abgesehen von Eugen Grosche (1888-1964), dem Gruender, der waehrend ueber eines Jahrzehnts monatliche "Blaetter zur angewandten okkulten Lebenskunst" und die dazugehoerigen "Lektionen" herausgibt, sind es scheinbar kreative Exponenten, die den Ruf und die Aura der FS praegen: Johannes Goeggelmann/Saturnius, der Justizvollzugsbeamte Walter Janschik, der Chemiker Guido Wolther/Daniel, der Akademiker Adolf Hemberger und der Beamte Karl Wedler/Giovanni im Roman "Auf Teufel komm raus", Weltkreis-Krimi, Koeln 1987, in dem ein tatsaechlicher Sex- und Selbstmordskandal im Umkreis der FS verarbeitet wird.

Was ist diesen Gestalten gemeinsam? Auffallend sind Fleiss und Ausdauer. Man beachte nur Grosches monatlich anfaenglich auf Durchschlag- und Kohlepapier getippte "Blaetter fuer angewandte okkulte Lebenskunst" und die angehaengten "Lektionen" Ende der 1940er Jahre — eingebunden in Vereinsmeierei, ausgedrueckt durch Statuten, Rundschreiben, Berichte, Urkunden (ein Gebiet, auf dem sich der Beamte Wedler wohlzufuehlen scheint), so dass sich hier, wie beim O.T.O., die anfaenglich antikulturelle Aufsaessigkeit, resp. der "religioese" Aufbruch Thelemas in den 1920er Jahren, hinter Uniformknoepfen und Ordensbaendern verkriecht.

Allen hier vorgestellten Protagonisten ist wiederum gemeinsam, dass deren Fuelle von Einfaellen und der Reichhaltigkeit ihrer "Bewaeltigung" Grenzen gesetzt sind. So scheinen sie nie ueber ihre persoenliche Problematik hinauszuwachsen, um allgemeinmenschlichen Gegebenheiten z.B. in einer kuenstlerischen Form Ausdruck verleihen zu koennen. Die hier von Grosche abgedruckten frauenfeindlichen Texte erklaeren eindruecklich, weshalb seine Witwe sofort nach Grosches Tod dessen Unterlagen verkauft und mit der Welt ihres Mannes nichts mehr zu tun haben will.

Diesen Protagonisten ist ausserdem eine Art schoepferischer Impuls gepaart mit ausgesprochenem Bierernst gemeinsam.

Am Beispiel von Saturnius wollen wir eingangs unsere Eindruecke erlaeutern und so fuer die anderen Protagonisten den Vorbau liefern.


Johannes Goeggelmann/Saturnius

In Tausenden von Briefen und Zeichnungen finden wir hier Verhaltens- und Gestaltungstendenzen, deren gefuehlsmaessig verstaerkte Phsyiognomisierungen den Versuch illustrieren, zu einer fremden Umwelt eine Beziehung herzustellen, indem man ihr ein ausdrucks- und bedeutungsvolles "Gesicht" verleiht (gefluegelte weibliche Daemonen). So wie generell in vielen "Kunstwerken" der Okkultur veraenderte Bedeutungserlebnisse und Beziehungssetzungen Ausdruck finden, deren Tendenz zur Formalisierung (Expressionsunterdrueckung, pseudo-wissenschaftliche Erklaerungen) der Emotionalitaet entgegengesetzt scheint und dazu dient, unertraegliche Gefuehle zu beherrschen, faellt die Reduzierung auf isoliert und verloren wirkende Bildmotive auf, die z.B. Saturnius' Einsamkeit innerhalb der Fraternitas Saturni aufzuzeigen scheinen; Isolation, die sich auch in Logorrhoe, d.h. Tausenden von Briefen aeussern kann.

Hier oeffnet sich ein Ansatz zur Gnosis. Hyperaktive Tendenzen und ueberbetonte Akzentuierung von Bewusstseinsinhalten (alles wird z.B. saturnisch-satanistisch interpretiert) unterstuetzen das Symbolbeduerfnis nach neuen Bedeutungstraegern. Dadurch entsteht ein Zustand der Veraenderung der Wahrnehmungs- und Verhaltenskonstanten. Dies fuehrt zu einem veraenderten Ausdruck der Kreativitaet (in den hier vorgestellten Faellen zu deren deutlichen Herabsetzung).

Saturnius' schoepferischer Ausdruck will ihn sich selbst als "Mensch" erklaeren, seine Biologie, seine Beziehung zu Gott und seine Position innerhalb der Fraternitas Saturni. Er scheint beinah konservativ im Vergleich zu unseren weiteren Protagonisten und wirkt in beharrlicher Konsequenz weit eingeschraenkter als die fast ad hoc schwallenden Phantasieprodukte seiner Mitstreiter. Saturnius' Zerrissenheit spiegelt sich im Formalen. In ungelenk wir- kenden Zeichnungen finden sich vollkommen isolierte Gestalten, handkehrum wird beinahe jeder Millimeter des Blattes ausgefuellt. Manchmal wirken die Gestalten weich und rund, andererseits fahrig, zackig und beinahe in geometrische Strukturen aufgeloest; manchmal sind die Zeichnungen mit dickem Strich ausgefuehrt, manchmal erscheinen dieselben Motive eher leicht hingeworfen. Gerne bedient er sich pseudo-wissenschaftlicher Formalismen: schematischen Darstellungen, Diagrammen, Experimentanleitungen und einer "Spezialistensprache". Diese Art Geometrismus koennte als Weghalluzinieren der Geschlechtlichkeit, der sexuellen Wuensche gedeutet werden. Und naehrt sich nicht die Sperma-Gnosis/Sexualmagie letztlich von unterdrueckter Sexualitaet? (vgl. mein Aufsatz "Spermo-Gnostics and the Ordo Templi Orientis" in "Ecclesia Gnostica Catholica", A.R.W. 1998)

Regel scheint, dass fuer den schoepferischen Okkultisten vermehrt der Inhalt (auf den sich auch die Journalisten stuerzen) denn die Form zaehlt. Die sichtbare Umwelt verliert an Bedeutung, weil die Beziehung zur Wirklichkeit gestoert und ihre Abbildung deshalb sinnlos ist. An ihre Stelle tritt ein Beduerfnis nach Ausdruck der inneren Realitaet, des persoenlichen Erlebens und Erleidens, das zur Artikulation einer besonderen Sprache bedarf. Abstraktionsvermoegen und Sprachbewusstsein werden veraendert, um die zum Teil extrem komplizierten Ideen des Okkultismus kognitiv zu erfassen, zu verinnerlichen und zu kommunizieren.

Im Gegensatz zum Kuenstler empfindet der nach Bildhaftem strebende schoepferische Okkultist selten einen inneren Zwang nach Stilmittel und Ausdrucksweise. Er bedient sich vielmehr der traditionellen Trance-ausloesenden bewusstseinsveraendernden Methoden (Sport, Musik, Tanz, Drogen, Rituale, Yoga) und raeubert im Ausdruck ungelenk den Kraemerladen traditioneller Symbole (z.B. bei Saturnius: Teufelchen mit Mistgabeln, Vampire mit langen Fingernaegeln, Wassernixen, Totenschaedel; bei Guido Wolther sind es pornographische Darstellungen; bei Walter Jantschik: Baphomet).

Solange schoepferische Okkultisten sich an den beschraenkten Stilmitteln und Tabus der Massenkultur (wovon die Okkultur ja eine kleine Nische besetzt) orientieren, solange scheinen sie auch keine Kunstwerke erschaffen zu koennen. Dies gilt mehrheitlich fuer unsere Okkultisten im deutschsprachigen Raum. Die in den zwei nun vorligenden A.R.W.-Baenden zu den Saturn-Orden abgebildeten "schoepferischen" Werke wirken verkrampft und themenbesessen. Die dargestellten Objekte und Themen scheinen hauptsaechlich Stuetze fuer das Ich zu sein, um inneren Halt bieten zu koennen. Die verminderte Ausdrucksleistung und Unfreiheit ihrer Protagonisten widerspiegelnd, zeichnen sie bei Saturnius dessen Fokussierung auf die "dunklen, satanischen Maechte" ab, bei Guido Wolther dessen uebermuedendes Umkreisen des Themas Sexualitaet. So sind es vor allem auch diese zwei Themen, die die Saturn-Orden charakterisieren: innerhalb der Gruppen selber, sowie auch in deren Rezension durch Kritiker und/oder Journalisten. Die nach dem Tode Grosches omnipraesente Vereinsmeierei faellt jedoch nur den Mitgliedern selber auf.

An dieser Stelle laesst sich die wichtige Frage aeussern: wer sammelt und kauft solche Bilder und Texte? Wem sind sie sinnstiftend?

Da unser Werk auf die Fraternitas Saturni fokussiert ist, klammern wir Austin Osman Spare oder Aleister Crowley, Phyllis Seckler, Linda Falorio, Maggie Ingalls, Steffi Grant etc. von dieser Untersuchung aus. Ebenfalls nicht untersucht werden die Zeichnungen und Darstellungen des Quintscher Schuelers Josef Anton Schuster (Silias, 1896-1968), dessen umfangreiches Tagebuch von 1931 die magischen Unterrichtungen von weiblichen und maennlichen Schutzengeln enthaelt. Silias' Tagebuch erinnert optisch an die Art Brut eines Adolf Woelfli. Wilhelm Friedrich Quintscher/Rah-Omir (3.10.1893-8.5.1945) knuepfte in den 1920er Jahren mit seinem "Bauherrenorden" kurze Zeit Verbindung zur Fraternitas Saturni, die sich jedoch bald davon distanzierte. Quintschers Adonismus (siehe mein ABRAMELIN & CO.) wird gerne mit dem FOGC in Zusammenhang gebracht (siehe unten).


Weitere Protagonisten

Waehrend Aleister Crowley und der O.T.O. sich immer eher verschaemt zur Sexualmagie bekennen, stuermt Eugen Grosche innerhalb des Saturnischen Universums anfaenglich schnurstracks aufs Ziel los.

Im Laufe ihrer Entwicklung tuermt sich aber bei der FS immer mehr esoterisch-okkulter Ballast auf (schliesslich will man ja die Mitglieder mit monatlichen Mitteilungsblaettchen unterhalten) und schliesslich reduziert sich die ganze Organisation nach dem Tode ihres Gruenders auf/zu weltlichen Kleinigkeiten oder Reprints alten Materials. Umgekehrt ausgedrueckt: man kehrt an den Ursprung der Gnosis zurueck. Als echt gnostische Organisation scheinen die Saturn-Orden im Weltlichen verwurzelt. Anders ausgedrueckt: In der Magie gibt es nichts Nebensaechliches. So "reguliert" Eugen Grosche sogar Details wie die "Okkulte Raumkunst". Was auf den ersten Blick wie buergerliche Spiessigkeit wirkt (man beachte nur die Fotos in "Materialien zum O.T.O.", Seite 92, wo sich die saturni- schen Hueter der Evolution steif im Wohnzimmer um ein paar Spirituosen gruppiert in die Sofas druecken), ist gnostisch empfunden jedoch der "verfaulte Ort", aus dem Pleroma ausgeschwitzt wird. Um die Wichtigkeit dieser Ursprungsorte zu dokumentieren, seien hier die Auseinandersetzungen um Wolther, Hemberger, der Mord im Umkreis Jantschiks vorgestellt. Saturnius, Walter Jantschik und Guido Wolther haben, jeder auf eine spezielle Art und Weise, der FS neuen Schwung verliehen. Es ist keinesfalls beabsichtigt, damit die Boulevard-Neugier zu befriedigen, jemanden anzuprangern oder an der zunehmenden Privatisierung und Skandalisierung in der Medienlandschaft teilzunehmen. Im Gegenteil, es ist eher der klein- liche Blick von oft selbsternannten Journalisten zu bedauern, die z.B. in Walter Jantschik eine "Gefahr" wittern. Die bunten Ereignisse um Saturnius, Wolther und Jantschik sollen hier den schoepferischen Aspekt abbilden, der ausserhalb des Alltagsbewusstseins, z.B. in einer Saturn-Loge, stattfinden kann. Allein diese Sichtweise rechtfertigt auch die Faksimilierung dessen, was aus einer banalen Froschperspektive heraus voreilig zum Umfeld "Klatsch" reduziert werden koennte, jedoch die Historie des Ordens massgeblich beeinflusst.


Walter Jantschik (geb. 9.11.1939)

Da wir Walter Jantschik, alias Jananda 1969 Guido Wolthers Nachfolger im Grossmeisteramt der Fraternitas Saturni, schon in mehreren Publikationen zu Wort haben kommen lassen (Ecclesia Gnostica Catholica, Abramelin & Co.), wollen wir den Leser auch auf diese Publikationen hinweisen.

Der ausserordentlich freundliche und hilfsbereite Gefaengniswaerter Jantschik lebt in bescheidenen Verhaeltnissen. Er ist in zweiter Ehe seit 1973 mit einer Mauritianerin verheiratet, mit der er zwei Kinder teilt. Seine Familie ist ueberhaupt nicht am religioesen Universum Walters interessiert. Trotzdem stoeren sie sich nicht daran, dass die ganze Wohnung mit esoterischem Rat vollgestopft ist, die Schraenke im Kinderzimmer, Stube, Gaenge — im Schlafzimmer haengt eine zeitlang sogar Baphomets Ziegenkopf ueber dem Ehebett. Jantschik ist ein unermuedlicher Studierender. Meterweise stapeln sich die minutioes einverleibten und mit schuelerhaftem Ernst angestrichenen/kommentierten Unterlagen von Fernuniversitaeten und esoterisch-okkulten Geheimbuenden. Seit den fruehen 70er Jahren geniesst Jantschik einen besonderen Ruf in der okkulten Szene, der zwischenzeitlich schon international zu spueren ist. So steht Jantschik schon frueh im Interesse der Recherchen von F.-W. Haack und Horst Knaut. Jantschiks Freundlichkeit und Offenheit werden ihm zum Verhaengnis, als Haack ihm Teile seines persoenlichen Schriftwechsels mit Saturnius abknoepft und publiziert. Als Ausgleich darf Jantschik alias Aythos im Verlag der A.R.W. seine Informationen zur Fraternitas Saturni veroeffentlichen. Die Hiram- Reihe der A.R.W. ist so hauptverantwortlich fuer das Revival des Okkultismus im deutschsprachigen Raum geworden. Aehnlich wie Saturnius die alte FS, versorgt Jantschik alias Levum die Fortsetzungsorganisation "Ordo Saturni" in den 1980er Jahren mit Ideen, was vor allem den sexualmagischen Aspekt betrifft. Jantschik ist ein wohlfunktionierendes Mitglied/Raedchen der Gesellschaft geblieben. Hierin unterscheidet er sich von Aleister Crowley, der dank seiner finanziellen Ressourcen komplett herausgefallen scheint und seinen Drang "wieder dazuzugehoeren" mit der Annektierung aller moeglichen Orden, Kirchen, Titeln und Aemtern ausgelebt hat.

Nach wie vor scheint Jantschik sich als "Opfer" darzubieten und laesst sogar zu, dass seine komplette Adresse im Internet auf http://www.parareligion.ch/saturn.htm publiziert wird. Ein Streit oder Missverstaendnis mit ihm ist unvorstellbar. Die Buchserie zum "O.T.O.-Phaenomen" verdankt ihm viele Unterlagen, da Jantschik seit Jahrzehnten mit allen moeglichen Orden, Kirchen, Grueppchen und Protagonisten verkehrt, korrespondiert und alles sammelt, was er in die Finger bekommt. Trotzdem ist er ein ausgepraegter Einzelgaenger geblieben. Er hat sich nicht als Grossmeister der Fraternitas Saturni geeignet, wo zu seinem Bedauern eher Intrigen, Schwindeleien und plumpe Angebereien die Ordensstruktur am Leben erhalten - ein Milieu, das wir ebenfalls in diesen A.R.W.-Baenden zu dokumentieren versuchen, da es massgeblich den Verlauf der Ordenshistorie beeinflusst.

Eine auffallende Parallele zum bekanntesten Kuenstler zustandsgebundener Kunst, Adolf Woelfli (1864-1930), sei erwaehnt. Da fuer Woelfli die Summe aller Wissenschaften und Kuenste die Algebra war, bezeichnete er sich selbst oft als "Allgebratohr". Walter Jantschik erlebt hingegen Baphomet als Quelle aller Universen. Und so nennt sich Jantschik "Baphometor". Genauso wie Woelfli muss Walter Jantschik den horror vacui seines Universums auffuellen. Woelfli zeichnete und bekritzelte seine Kartonblaetter bis auf den letzten Millimeter voll. Jantschik laesst alias Cit durch all seine Realitaeten Baphomet aufquellen. Unerschoepflich schreibt er Rituale, Essays und Meditationen zum Thema Baphomet, angetrieben von der alten Dame Kundalini.

"Sexualitaet [...] und die unendlichen Ideen und Moeglichkeiten meiner aussergewoehnlichen Imaginationen erschufen mehr und mehr Situationen fuer meine unglaublichen Unternehmungen. In meinen lykanthropischen Forschungen und Erkenntnissen wurde es mir moeglich, mich mit den einzelnen transsaturnischen Planeten bezueglich der Sexualmagie in Verbindung zu setzen und neue Einsichten zu gewinnen. Wesenheiten oder Genien von Uranus, Neptun und Pluto weihten mich ein in die hoechsten Mysterien und erteilten mir die hoechsten sexualmagischen Initiationen sowie das magische Ankhur. Im ultra-imaginativen Feld von Sperm und Mens wurde ich vom Hoechsten Meister der Plutonischen Ejakulation zum "Meister ueber die seminal-menstrualen Stroeme vom Oberen und Unteren Pleroma" geweiht."

Lassen wir Jantschik ausfuehrlicher zur Feder greifen, da er sich speziell fuer dieses Vorwort erklaert und er beispielhaft fuer unsere theoretischen Ausfuehrungen zum schoepferischen Aspekt der deutschsprachigen Okkultur steht: "Ja! Bin Spezialist fuer philosophischen Baphometismus und gnostischer Baph-Magie. Die kuenstlerischen Aspekte sehe ich in der Erfassung einer immanenten Transzendenz eines philosophisch-hermetischen Baphometismus. Es geht mir um eine kuenstlerische Darstellung eines gnostisch-hermetischen Baphometismus und deren immanente Transzendierung. Es soll das rein Spirituelle im Magischen des philosophischen Baphometismus mittels Transzendierung den Interessierten durch eine gnostisch-kuenstlerische Gestaltung erfahrbar gemacht werden. Mit meinen wissenschaftlich-philosophisch-hermetischen Ausfuehrungen will ich den noch ziemlich unbekannten Baphometismus als neue paradigmatische Kunstform in das Bewusstsein der interessierten Leute bringen. Es handelt sich bei der neuen paradigmatischen Kunstform um eine beschreibende Kunst, die die abstrakten philosophisch-hermetischen und okkulten Inhalte des Baphometismus sichtbar zu machen versucht. Die neue aeonische Struktur, die ein Teil des kommenden Baphometismus sein wird, will ich durch meine wissenschaftlichen Forschungen plastisch darstellen. Die Sinnfrage des wahren Lebens durch "beschreibende Kunstform" in der Auseinandersetzung mit dem philosophisch-gnostisch-hermetischen Baphometismus zu erklaeren. Wissen ist Macht! Ora, lege, lege, lege, relege, labora et invenies! Dies heisst: Bete, lies, lies, lies, lies noch einmal, arbeite und Du wirst finden! — Durch Streben nach goettlichem Wissen ist gleichzeitig ein Streben nach Schoenem und Geordnetem verbunden. Je groesser das Wissen, desto sublimer ist das Streben nach Schoenem. Das vollkommene Wissen beinhaltet den Ausdruck des Schoenen und Geordneten in seiner ideellsten Substanz. Ein Streben nach Wissen ist nicht moeglich fehlt die Ausdruckbarkeit des Schoenen. Je tiefer ein Baphometist in die Integralitaet des Wissens eindringt, umso groesser kann seine Ausdruckbarkeit des Schoenen sein. Ein Magier oder Baphometist, der nach immerwaehrenden Wissen strebt, verbindet damit ontologisch-ontisch-pneumatische Gesichtspunkte einer Strukturierung des Schoenen und Geordneten, die anders nie so zum Ausdruck gebracht werden koennen." [24.08.98]


Guido Wolther/Daniel

Wir empfehlen dem Leser die vielen Zeichnungen Wolthers in "Abramelin & Co."

Schon relativ "frueh" in den 60er Jahren uebt Wolther seinen Beruf als Chemiker nicht mehr aus, sondern schlaegt sich immer knapp am Rande des Existenzminimums lebend als "freischaffender" "Buchhaendler" durchs Leben. Angezogen von dem, was ihm "raetselhaft wie verworren und gefaehrlich" scheint, fuehrt er zusammen mit seiner Frau, der Franzoesin Andree Meriam Wolther/Rahel (eine in Bayonne geborene Juedin, die unter dem Naziregime zu leiden hatte und mit der er einen Sohn, Patrick, teilt) ein bohemienhaftes Leben und kommt als Grossmeister der Fraternitas Saturni dem Beduerfnis potentieller Kunden (z.B. dem akademischen Okkultisten Adolf Hemberger) entgegen, skandaltraechtige sexualmagische Zeichnungen herzustellen und sich einen exotischen Ruf zu schaffen.
Ohne genaue biographische Details zu kennen, laesst ein von Wolther tief in der Erde ausgefuehrtes Pluto-Ritual die Vermutung zu, eine problematische Elternbeziehung rituell bewaeltigen zu wollen. Im August 1962 und September 1963 versuchen Wolter und seine Frau in einer "herrlichen Tropfsteinhoehle in 250 Meter Tiefe" in Frankreich mithilfe der Verbrennung von Antimon, Uransalzen, Thoriumoxyd, Strontium und Petroleum (deren Rezeptur von Andree Meriam in Trance von "hohen Saturnintelligenzen" mitgeteilt wird), "den Teufel aus der Hoelle zu holen." "Das Unwirkliche - Geheimnisvolle reizt uns - wir "muessen" einfach ... Es treibt uns zu entdecken und zu arbeiten -, magisch zu arbeiten. Wer uns kennt, weiss, dass wir keine "esoterischen Schwaermer" sind, sondern unsere Operationen mit wissenschaftlicher Gruendlichkeit durchzufuehren verstehen".
Die Urmutter wird magisch mit dem Vibrieren von "barbarischen Lauten" angerufen: "Onia ... Heva!! Onia ... Chavah! Chavah! Heva!! Ino ... Rea! Ria! Rua! Oia! Uuu ... Nahema! Nahema! Uuu! Oie-Ona-Uuea-Uuu! Aie, Aonie, Lilith, Lilith! Lilith! Jahou! Juhooe! Jaaaaheluu! Aus tiefster Tiefe steigt empor ihr Kraefte Plutos! In tiefster Tiefe hoert meinen Ruf, steigt empor transuranos - transuranos - steigt empor. Uuu. Jiii. Plutonische kosmische Kraft ich beschwoere Dich, zeige Dich! Agiel seid Mittler; Arratron seid Mittler! Ich rufe Saturnus, den Hueter der Schwelle, Saturnus, Saturnus, Saturnus oeffne die Schwelle zu transuranos. Oeffne die Schwelle zu transuranos. Uuuu Jiiii."
Ein weiblicher Daemon mit dem Koerper eines Skorpions und dem Gesicht einer Frau erscheint, Frau Wolther faellt in Ohnmacht. Der Koerper des Daemons wird menschlich und "das Wesen hebt die Hand gegen meine Frau". Guido Wolther aeussert sein Beduerfnis: "So bitte ich Dich um die Macht, ueber Menschen zu herrschen - Macht, Herr einer Organisation zu sein, einer okkulten Gruppe, die wiederum Macht in drei Reichen darstellt, und jene Macht moechte ich teilen mit meinem Weibe hier". Der Daemon regt sich jedoch auf, denn "das Weib ... wird Dich dereinst verraten Menschlein!" Abgang Urmutter.

In Wolthers sexualmagischen Zeichungen der fruehen 70er Jahre finden sich die im westlichen Okkultismus obligaten aegyptischen und hebraeischen Symbole, speziell hier nun um plumpe Darstellungen von Penis und Vagina angeordnet. Wie bei Saturnius scheint der Urheber dieser Werke einen Anspruch an Wissenschaftlichkeit und Authentizitaet anzustreben, um seiner Privatrealitaet Bedeutung zuschreiben zu koennen. Seine Welt will ueber die Normalwelt hinausgehen, deren Schwelle zu durchschreiten anderen ausnahmslos den Tod bringe oder sie "an Koerper und Seele krank" zurueckkehren lasse.

Wolthers okkulte Laufbahn gleicht einer Art exorzistischem Ritual, mit dem der Dramaturg die unertraegliche Spannung seiner eigenen Existenz zu bannen versucht, um ueberleben zu koennen. Wolthers Werk "endet" in voelliger Verinnerlichung: nach 1974 sind von ihm keine Zeichnungen und Schriften mehr bekannt geworden. Dies kann mit seiner grossen Enttaeuschung im Zusammenhang mit Mitgliedern der Fraternitas Saturni zusammenhaengen.

Ohne Kenntnis weiterer biographischer Daten (analytische Deutungen der Bild/Ritualinhalte gehoeren m.E. ins Gebiet der unstatthaften Spekulation, obwohl sich in Saturnius' und Wolthers Bilderwelt auffallend viele weibliche Daemonen tummeln), scheint es, im Gegensatz zu Jantschik, bei Wolther kein Nebenher mit der Alltagsrealitaet und vor allem kein Zurueck zu geben. So legt er nach 1974 (?) sein Werkzeug nieder, um es nie mehr zu ergreifen. War/ist das "schoepferische Werk" Wolthers also ein gelungener Selbstheilversuch am Rande der Gesellschaft?

Walter Jantschik, der als Grossmeister Wolther und Saturnius persoenlich gekannt hat: "Daniel und Saturnius haben mit ihren magischen Forschungen Grossartiges geleistet. Es ist anzunehmen, dass diese schoepferischen Werke eine Art rituelle Flucht aus dem unertraeglichen Dasein einer spiessigen und langweiligen Gesellschaft darstellen. Eine Identifizierung mit dieser Gesellschaft war bestimmt nicht deren Absicht; und es wurde von ihnen immer wieder beklagt, dass keine geeigneten Personen fuer eine wahre magische Arbeit zur Verfuegung stuenden, welche das MAGISCHE WERK fortsetzen koennten." [24.08.98]

Zur Zeit lebt Wolther erkrankt und zurueckgezogen, unterstuetzt von seiner Frau und dem Wiener Emil Stejnar (siehe ABRAMELIN & CO.). Seit vielen Jahren verkauft und/oder uebertraegt er schon beinahe regelmaessig seine Rechte an alle, die ihn anfragen, ohne sich ueber die juristische Grundlage im klaren zu sein. So tummeln sich mittlerweile unzaehlige angebliche Besitzer von Rechten an Wolther-Manuskripten in der Okkultur, die wohl arg enttaeuscht sind, wenn sie mit den Tatsachen konfrontiert werden, dass selbst renommierte Autoren, Wissenschaftler und/oder Kuenstler kaum mehr Rechte auf ihre eigenen Werke besitzen oder wahrnehmen koennen, sobald diese erstmals verscherbelt sind (bekanntestes Beispiel duerfte Paul McCartney sein, der keinerlei Rechte mehr an seinen eigenen Songs aus der Beatles-Zeit mehr besitzt). Das wiederholte Verkaufen oder Vergeben von Copyrights koennte als Betrug ausgelegt werden. Fuer die nun vorliegenden Baende zu den Saturn-Orden sind die Bewilligungen von zwei [!] dieser Rechtinhaber eingeholt worden, die ihrerseits ihre Rechte vor Jahren schon von Wolther z.T. kaeuflich erworben haben.


Adolf Hemberger (4.11.1929-10.11.1991)

Frueh beschaeftigen ihn Politik und Wirtschaft und er wird in linken Studentenverbindungen aktiv. Eine seiner ersten Publikationen handelt vom Anarchosyndikalismus. Von Beruf lernt er Dipl.-Volkswirt Dr.phil und 1967 doziert er ueber Erziehungslehre am Paedagogischen Institut in Fulda. Spaeter wird er Professor fuer Methodologie und Wissenschaftstheorien im Fachbereich 04 der Justus-Liebig-Universitaet Giessen und Chef des Instituts fuer Verhaltenstherapie und Praeventivmedizin Kirchvers, wo er z.B. ueber Erziehungswissenschaft und Psychosomatik bei Pferden referiert.
Hemberger ist ein betonter Familienmensch und schwer enttaeuscht, als seine ueber alles geliebte Frau und Tochter seine esoterisch-okkulten Interessen nicht nur nicht teilen, sondern auch absolut kein Verstaendnis dafuer aufbringen. Nichtsdestotrotz versucht er, seine Frau (die zweite, eine Architektin, auf die er besonders stolz ist) so oft wie moeglich ins Spiel zu bringen. Als sich seine Frau jedoch von ihm scheiden laesst, entpuppt sich dies als der groesste Schock seines Lebens. Um trotzdem den aufwendigen Lebensstil seiner nun ex-Familie aufrechtzuerhalten (mehrere Pferde seiner Tochter), muss er als Universitaetsprofessor Bankkredite aufnehmen, was ihn finanziell stark belastet. Dazu kommen grosse Geldausgaben fuer Buecher und Reisen.

Als sinnlicher Mensch isst und trinkt er gern und viel, was den Kontakt mit ihm nicht unbedingt erleichtert. Nach Auskunft eines nahen Bekannten hegen seine Universitaetskollegen "keine besondere Freude an Hemberger", was ihn stark unter Druck setzt, faktisch/authentisch zu wirken. Es ist leicht zu deuten, dass der familiaere, monetaere und universitaere Druck ihn dazu treibt, mit spirituellen Entitaeten Kontakt aufzunehmen. Er sieht sich selber jedoch nicht als kreativer Mensch, sondern als Forscher im abgelegenen Gebiet der Geheimbuende. Ende der 1960er Jahre erhaelt er von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn einen finanziellen Zustupf fuer seinen ersten Band zur Fraternitas Saturni mit dem hochtrabenden Titel: "Organisationsformen, Rituale, Lehren und magische Thematik der freimaurerischen und freimaurerartigen Buende im deutschen Sprachraum Mitteleuropas, Teil I, Der mystisch-magische Orden Fraternitas Saturni - Versuch einer religionsphaenomenologischen, soziologischen und tiefenpsychologischen, an der Werturteilsfreiheit der Heidelberger Schule orientierten Analyse"; 1971 im Selbstverlag erschienen.


Hier der Versuch einer oberflächlichen Auflistung von Hembergers Publikationen, die meist aus Fotokopien bestanden, die er in einer Auflage von 50 bis 100 Exemplaren an Bekannte verkaufte. Ausser dem einzigen regulär in Buchhandlungen erhältlichen Werk, das er alias Klingsor: "Experimental–Magie, Freiburg im Breisgau 1967, unter die Leute bringen konnte: "Organisationsformen, Rituale, Lehren und magische Thematik der freimaurerischen und freimaurerartigen Bünde im Deutschen Sprachraum Mitteleuropas – Der mystisch–magische Orden Fraternitas Saturni", Frankfurt 1971; in dieser Reihe auch: "Philosophie der Grünen Schlange", zwei Bände, Giessen 1973; "Pansophie und Rosenkreuz", drei Bände, Giessen 1974; "Documentia et Ritualia Fraternitatis Saturni", 15 Teile in 17 Bänden ab 1971, Giessen; "Magia Magica", Loseblattsammlung ohne Ort und Datum; "Erziehungsziele - Wesen, Geist und Genesis - Kösener Corps - unter besonderer Berücksichtigung der Kreise, Kartelle, Freundschafts- und Vorstellungsverhältnisse", Giessen 1976-77; "Die adonistischen Lehrbriefe der Ateschga–Taganosyn nach Rah–Omir–Quintscher", Giessen 1980; "Interrelationen und Verknüpfungen physiologisch-psychologischer Prozesse als Wechselspiel von Soma und Psyche bei Pferden", Giessen 1985; "U-I-E-A-O", Sammlung von über 100 loser A4-Kopien ohne Ort und Datum. Adolf Hemberger / Klingsor: Organisationsformen, Rituale, Lehren und magische Thematik der freimaurerischen und freimaurerartigen Bünde im Deutschen Sprachraum Mitteleuropas – Der mystisch–magische Orden Fraternitas Saturni, Frankfurt 1971


In seinen ueber 30 Baenden zur Okkultur (knapp 20 Baende zur Fraternitas Saturni, etliche ueber Freimaurerei, Pansophie und Rosenkreuzertum, Adonismus, Weltspirale, A.M.O.R.C., etc.) reduziert er sich sehr bald auf ein reines Faksimilieren seiner gesammelten Unterlagen. Dies tut er nicht wie der Herausgeber des O.T.O.-Phaenomens, um eine kritische und distanzierte Haltung zu erzeugen, die z.B. objektiven Forschern Grundlagenstoff zur Abbildung der Befindlichkeit der Gesellschaft, wie auch dem Okkultisten praktisches Material zur Verfestigung oder Verformung seiner subjektiven Welten bietet, sondern allein um sich zu rechtfertigen. In seinen ersten Baenden, in denen er noch selber Texte ueber die Freimaurerei oder die Fraternitas Saturni verfasst, entsteht naemlich dermassen viel faktischer Unsinn, dass er sehr heftig von Fachkreisen abgelehnt wird. Seine anschliessende Flucht in das endlose und undifferenzierte/konzeptlose Faksimilieren scheint also ein beinah ver- zweifeltes Festklammern an der entschwindenden Realitaet, ein sich Verteidigen gegen die Vorwuerfe, seine eigenen Unterlagen (viele tausend Seiten, die er in seine Schreibmaschine getippt hat) nicht lesen zu koennen oder aufgrund vermuteter "ludendorff-nazistischer Gedankengaenge" dem Vorwurf boeswilliger Verleumdungen entgegenzusehen (so wie von der Quatuor Coronati inoffiziell angenommen).

Hemberger ist verantwortlich dafuer, dass Guido Wolthers Schriften und Zeichnungen in Umlauf gebracht werden. Hemberger meldet sich jeweils kurzerhand bei Wolther an, der schnell mit dem Kugelschreiber ein paar sexualmagische Zeichnungen kritzelt, die Hemberger dann an den Meistbietenden verkauft. Dasselbe geschieht mit dem Sektenbeauftragten Friedrich-Wilhelm Haack, der ebenfalls an solchen Verkaeufen beteiligt gewesen sein soll. Hier greifen Uebertragungs- und Gegenuebertragungsmechanismen ineinander; es entstehen verfaelschte schoepferische Produktionen (Wolthers 18°-Bilder und angebliche FOGC-Rituale), Artefakte ohne grosse kuenstlerische Authentizitaet.

Aehnlich wie Walter Jantschik greift Hemberger in seine Unterlagen ein, indem er sie mit Kommentaren und Symbolen versieht. Waehrend Jantschik dies aber fuer sich allein zur Weiterbildung macht, verkauft Hemberger seine gebuendelten Fotokopien als "wissenschaftlich".

Zum faktischen Gehalt der selbstverfassten Schriften Adolf Hembergers ist nicht viel zu sagen. Obwohl sie kaum leer wirkende Wort- huelsen à la Jantschik enthalten, koennten sie diplomatisch mit "naiver Nonsense" umschrieben werden, wenn nicht soviele Leute glaubten, was aus seiner Schreibmaschine geflossen ist (was vor allem durch sein Buch "Experimental-Magie" unterstuetzt wird, das er schon 1967 alias "Klingsor" publiziert und das viele FS-Mitglieder erzuernt). Oscar Schlag erinnert sich, dass Hemberger den ganzen Tag an der Uni am Fotokopiergeraet gestanden habe, um eigenhaendig seine "Baende" zusammenzustellen. Da seine schludrig hergestellten, meist auf weniger als hundert Exemplare beschraenkten "Buecher" sehr schwer aufzutreiben sind, steigert sich natuerlich deren Mythos.

Zur Copyrightslage der von Hemberger zusammengestellten Baende ohne dessen phantasievollen Ergaenzungen: Solche Werke der Dokumentation sind urheberrechtlich nur 25 Jahre lang nach ihrer Publikation geschuetzt und unterscheiden sich dadurch von denjenigen, die einen schoepferisch-relevanten Anteil aufweisen und 70 Jahre ueber den Tod eines Autors hinaus geschuetzt sind (siehe die Transit-Film, die die Nazi-Propaganda-Filme im Vertrieb fuehrt).


Zum weiteren Inhalt

Die nun hier folgenden Dokumente dienen allesamt als Fussnoten zum Textwerk "Das O.T.O.-Phaenomen" und sollten auch zusammen mit den Faksimiles in "Materialien zum O.T.O." betrachtet werden. Sie werden hier so chronologisch wie moeglich praesentiert.
In "Abramelin & Co." sind auf den Seiten 287-313 sexualmagische Evokations-Symbole von Wolther abgebildet, die das Thema der Sehnsucht nach in Trance erfahrbaren Weltbildern dokumentieren. Der etwas einseitige Briefwechsel zwischen Eugen Grosche und Aleister Crowley findet sich in "Das Beste von Heinrich Traenker" abgebildet.

Zu den FOGC-Ritualen, die Guido Wolther angeblich am 1.10.1943 als blutjunger Soldat der Kriegsmarine von seinem Vater erhalten haben soll: FOGC bedeutet "Freimaurer Orden des Goldenen Centuriums" und ist erstmals in Franz Bardons Roman "Frabato" und in den "Denurischen Schriften" Wilhelm Quintschers erwaehnt. Da diese Rituale aeusserst marginal zum Thema "O.T.O.-Phaenomen" sind, seien hier nur auszugsweise die Transkriptionen zur Abbildung gebracht, die aus der Fabrik Adolf Hemberger/Wolther zu stammen scheinen. Der Laie wird schnell den Zusammenhang zwischen diesen angeblich von Wolthers Vater (der FOGC-Mitglied gewesen sein soll) stammenden Ritualen und denjenigen der FS unter Wolther feststellen. Bislang sind nur sehr wenige im Untergrund zirkulierende Exemplare dieser Rituale und Geschichtchen erhaeltlich gewesen. Deren Seltenheitswert erhoeht nicht nur ihre Inhalte natuerlich zu fast unanfechtbarer Wahrheit, sondern auch die Preise von z.B. angeblichen FOGC-Dolchen, die gerne von Buchhaendlern verkauft werden.

Zur rechtlichen Lage der Publikation von Ritualen. Aufgrund eines Praezedenzurteiles in Deutschland sind Rituale nicht copyrightbar, da/falls diese von einer "Hoeheren Wesenheit" diktiert sind. Entweder sind z.B. die FOGC-Rituale aus der Hand Wolthers authentisch (d.h. von seinem Vater aus einer uralten originalen FOGC-Loge, die von hoeheren Logendaimonen beeinflusst wurde) und dann nicht copyrightbar (auch waere in diesem Fall ein originaerer Verfasser kaum aufzufinden), oder sie sind Faelschungen, deren ureigene Schoepfungsquelle Wolthers Phantasie ist: In diesem Fall waere das fuer das okkulte Milieu aeusserst peinlich. In jedem Falle verweisen die Rituale und die damit verbundenen Histoerchen (Hitlers Folterungen Franz Bardons; der letzte Grossmeister, dessen Gaskammer nach der Exekution leer aufgefunden wird; etc.) auf das paranoide und faschistoide Weltbild vieler Geheimbuendler, die glauben, dass eine duestere Art judo-freimaurerische Weltverschwoerung stattfinde. Die Drahtzieher sind dieses Mal jedoch Bartzabel, der Daemon der Zwietracht, des Streites, von Hass und Zorn; Astaroth, der machmal auch weibliche Daemon der Sexualitaet und der Fruchtbarkeit; Belial, zustaendig fuers Ausschweifende, Verkommene und Lasterhafte; Asmodeus, zornig, eifersuechtig und radikal; und Belphegor, der in der Gestalt einer Frau Menschenfleisch verzehrt.


Rechtliche Lage

Zu der Faksimilierung von Mitteilungsblaettchen, Statuten und Formularen: Diese fallen nicht unter den Urheberrechtsschutz, da ihnen allgemeiner formeller Charakter und keinerlei "aesthetischer Ueberschuss" zugeschrieben werden kann. Allein letzterer wuerde diese Unterlagen ihrer formelhaften Funktionalitaet entheben (so sind auch zum Gebrauchszweck vorgesehene Designer-Loeffel oder selbst mit Preisen ueberhaeufte Designer-Briefkaesten kaum copyrightbar, ausser sie tragen einen aeusserst individuellen aesthetischen Ueberschuss). Dies gilt auch fuer die "persoenlichen" Briefe, die hier zum Abdruck kommen. Alle Ordensthemen-bezogenen Stellen fallen unter das Prinzip des Grosszitats in der Form von Fussnoten zum Band "Das O.T.O.-Phaenomen" oder als Collagen. Persoenliche Daten in diesen Briefen, die den Persoenlichkeitsschutz verdienen, sind selbstverstaendlich getilgt. [Michael Ritscher: "Designschutz - Urheberrecht zwischen Kunst und Technik", in: Pro Litteris Gazetta, 23, Zuerich 1998). Keines der hier vorgestellten Dokumente ist um seiner selbst willen dem oeffentlichen Informationsbeduerfnis zur Kenntnis gebracht. Jedes Faksimile oder dessen partielle Verwertung ist Gegenstand geistiger Auseinandersetzung im Kontext aller vom Autor herausgegebenen Baende zum O.T.O.-Phaenomen.

Fuer alle anderen hier wiedergegebenen Dokumente wurden die noetigen Bewilligungen eingeholt oder das Bestmoegliche getan, um eine solche zu erhalten: Im Falle der Copyrightinhaber an Werken von Eugen Grosche sei hier nochmals darauf hingewiesen, dass der Verlag solche an einer moeglichen Tantiemenausschuettung beteiligt, sofern die lueckenlosen juristischen Unterlagen vorgelegt werden koennen. Dasselbe gilt natuerlich fuer allfaellige andere moeglichen Ansprucherheber. Falls solche einen lueckenlosen juristisch einwandfreien Anspruch anmelden koennen (z.B. notariell beglaubigte einmalige Transmissionen von Rechten ohne Verletzung anderer Rechtsinhaber), wird dieser, gemaess Gesetzgeber und Usus, in Quote per entsprechender Seitenzahl in Bezug auf 10% des Ladenverkaufspreises verguetet.

Zur Abklaerung der rechtlichen Lage dieser zwei Baende "In Nomine Demiurgi Saturni/Nosferati" sind auf Copyrights spezialisierte Anwaelte und Organisationen konsultiert worden. Zur Frage, ob es sich bei den hier faksimilierten bildnerischen Darstellungen um Kunst handeln koennte, wurden namhafte anerkannte Kuenstler zugezogen, die diese Diskussion mit einem eindeutigen "Nein" bereicherten.

Oktober 1998


English version: Saturn's Art of Living and Loving
Tradução portuguesa: Saturno-Gnose: A Arte de Amar e Viver
Versiune romana: Arta de a iubi si de a trai - Gnoza lui Saturn


Johannes Goeggelmann / Frater Saturnius: Beispiel einer Skandalisierung durch den Boulevard. Adolf Hemberger, Horst Knaut, Friedrich–Wilhelm Haack.

Das Milieu des Templer Reichs - Die Sklaven Sollen Dienen. Aleister Crowley - Ordo Templi Orientis - Fraternitas Saturni - Theodor Reuss - Hanns Heinz Ewers - Lanz von Liebenfels - Karl Germer, Arnoldo Krumm-Heller - Martha Kuentzel - Friedrich Lekve - Hermann Joseph Metzger - Christian Bouchet - Paolo Fogagnolo - James Wasserman. Unbequeme Aspekte in der Geschichte des O.T.O. und Thelema





Guido Wolther

Some of his sexmagical drawings
Guido Wolther: Sexualmagische Zaubermittel
18° Gradus Pentalphae, 1971  [integral version]
Die Symbolik des "Gradus Pentalphae"  |  Das Prat-Alpha  |  Die Schlüsselworte, 1973
Zum Gradus Pentagrammatus (= Gradus Pentalphae)
Ritual des Alten und Mystischen Ordens der Saturnbrüderschaft "Ordo Mysticus Saturni" AMOS.·.OMS   [one of the many secret inner orders within the FS, founded in 1968, see Das O.T.O.-Phaenomen]   [adoration of the sun]


Texte zum Thema GOTOS-Büste

Die GOTOS-Büste. Winke, Anregungen und Ratschläge für die Brüder und Schwestern der Loge Fraternitas Saturni
Walter Jantschik: Die GOTOS-Belebung Walter Jantschik: Blut, Sex und der GOTOS

De destillatione "suci mulieris" ad servandam valetudinem magi

In Nomine Demiurgi Nosferati:  History and protagonists Too Hot To Handle: a comparison of the sexmagick of the Fraternitas Saturni with the O.T.O.-groups Saturn-Gnosis: a portrait of the real Fraternitas Saturni Saturn's Art of Living and Loving


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