A.P. Eberhardt Von den Winkellogen Deutschlands

Ordo Templi Orientis
Theodor Reuss

A. P. Eberhardt
Von den Winkellogen Deutschlands


Von den Winkellogen Deutschlands — Freimaurerlogen Neueren Datums — im letzten Vierteljahrhundert.

Von

A. P. Eberhardt.

Leipzig Druck und Verlag von Bruno Zechel 1914.
A. P. Eberhardt Von den Winkellogen Deutschlands Freimaurerlogen Neueren Datums im letzten Vierteljahrhundert




[Seiten 88-141]


Von der Grossen Freimaurer-Loge für Deutschland des Illuminaten-Ordens. Vom Swedenborg-Ritus in Deutschland. Vom Schottischen-, Memphis- und Misraim-Ritus in Deutschland.

Gegründet bezw. in Deutschland eingeführt von Theodor Reuss in Berlin. Reuss, der in Augsburg geboren, ursprünglich Drogist später Opernsänger – als solcher war er mit Richard Wagner und auch mit dem König Ludwig II. in nähere Beziehung gekommen – der dann Journalist und Schriftsteller wurde, nachdem er seine Stimme plötzlich verloren hatte, war auch tätig im Dienste der politischen Polizei und als Kriegsberichterstatter für englische Zeitungen während der früheren Balkankriege. Etwa im Jahre 1890 "reaktivierte" er den Illuminaten-Orden und ernannte in demselben seinen Freund Leopold Engel, der des Thespiskarrens müde war, zum Kustos dieses Ordens. Diesem gelang es ums Jahr 1896, den Adam Weishauptschen Orden neu zu organisieren, ihm ein festes Gefüge zu verleihen und ihn mit Neuem Geiste zu erfüllen. Die Ziele dieses Ordens sind auf philosophische Forschung, Verbesserung des menschlichen Charakters und gegenseitige Unterstützung idealer Bestrebungen gerichtet; mit Politik und Religion beschäftigt er sich nicht. Er ist international. Sein Sitz befand sich vorerst in Berlin, dann in Dresden und seit 1904 wiederum in Berlin. Der Orden zerfällt in 5 Grade; die ersten drei Grade sind die 3 Johannisgrade nach englischem Ritual, der 4. Grad ist der Andreasgrad mit dem Inhalt des englischen Royal Arch Grades und sein 5. ist der Rosenkreuzergrad. Innerhalb des Illuminaten- Ordens können auch Johannis- und Andreaslogen gegründet werden. Das Recht der Logengründungen nach dem Schottischen Ritus stützte sich auf ein Patent, welches von dem Prinzen vom Rosenkreuz Louis Gabriel Lebauche aus Bazeille bei Sedan am 19. November 1786 auf Weishaupt während seines Aufenthaltes in Regensburg übertragen worden sei. Aufgrund dieses Patentes entstand ums Jahr 1900 in Berlin die Grosse Freimaurerloge für Deutschland des Illuminaten-Ordens; die Berliner Illuminaten-Loge hatte den Namen St. Johannisloge Ludwig im Orient von Berlin; später kam als zweite hinzu die St. Jobannisloge "Phönix" im Orient Von Hamburg. Die Allgemeinen Gesetze der Grossen Freimaurerloge für Deutschland waren denen der Grossloge von England, nachgebildet. Ausser diesen Gesetzen hatte jede Johannisloge wiederum ihre eigenen Gesetze. Schneller als man dachte, kam für den Neuen Bund die Sturm- und Drangperiode. Ausserhalb desselben erhob man den Vorwurf, die Grosse Freimaurerloge für Deutschland sei in den Ill-Orden "eingeschmuggelt" worden, zudem auch keine gerechte und vollkommene Loge; denn sie stehe ja unter der Oberleitung des Illuminaten-Ordens. Innerhalb desselben machten sich Bedenken geltend gegen die Echtheit des Patentes des Prinzen Lebauche aus Bazeille, das sich im Gewahrsam der St. Joh.-Loge Ludwig befand. Da entsetzte Reuss seinen Freund Engel seiner ämter und erklärte die Grosse Freimaurerloge für Deutschland für unabhängig; das geschah am 3. Juli 1901. Doch das Zerwürfnis zwischen Reuss und Engel wirkte lähmend und hemmend auf die Logenmitglieder. Darum erschien mit einem Male Reuss mit einem Patent von John Yarker in Manchester für den Swedenborg-Ritus und konstituierte für diesen in Berlin die Loge und den Tempel Zum heiligen Gral Nr. 15. Die Mitglieder der Grossen Freimaurerloge für Deutschland traten zwar dieser Neuen Institution bei, – und damit hörte die Grosse Freimaurerloge für Deutschland auf, zu sein – doch ungern, weil ihnen der Swedenborg-Ritus zu wenig bekannt zum anderen aber auch zu phantastisch war. Das Sanktuarium und die Grosse Loge des Swedenborg-Ritus für Grossbritannien und Irland ist nach der Konstitutionsurkunde vom Sovereign Sanctuary of Ancient and Primitive Masonry in and for the Continent of America durch den General-Grossmeister Harry J. Seymour am 3. Juni 1872 gestiftet und am 8. Oktober 1872 in London mit John Yarker als General-Grossmeister eingesetzt worden. Das amerikanische Sanktuarium leitet seine Entstehung vom Grossorient von Frankreich her, in dessen Matrikel es unter 28911 vom 2. September 1862 eingetragen sein soll. Jeder rechtmässige Maurer, der den Grad eines Meisters erlangt hatte, konnte in der Loge und im Tempel zum heiligen Gral affiliiert werden resp. die Hochgrade erhalten, ohne dass er deshalb bei seiner Loge deckte; denn der Swedenborg Ritus bilde, so sagte man, eine Ergänzung der bisher in Deutschland bestandenen und noch bestehenden maurerischen Systeme. Er vermittelte die Erkenntnis der sämtlichen Grade der ägyptischen Maurerei und erteilte in 3 Stufen die Grade der Erleuchteten, Erhabenen und Vollkommenen Freimaurermeister, welche den Graden 4-18 und 80 des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus entsprachen. Der Rosenkreuzer-Grad und der Grad der Auserwählten des Grals bilden den Abschluss des ganzen Systems. Doch da der Swedenborg-Ritus, wie man in Erfahrung gebracht hatte, keine Kompetenz in bezug auf die Johannis-Grade besitzt und in Amerika und in England in keiner engeren Beziehung zur Johannis-Freimaurerei steht, konnten die mitglieder auch nicht damit rechnen, jemals in Deutschland anerkannt zu werden, deshalb forderten sie, und ganz besonders der bekannte Okkultist und Freimaurer Dr. Kellner in Wien, von Reuss, dass er ihnen das Patent einer anerkannten Körperschaft bringe. Das Souveräne Sanktuarium des alten und ursprünglichen Ritus für Grossbritannien und Irland stellte denn auch daraufhin unterm 24. September 1902 Reuss ein Patent aus dahinlautend, in Deutschland Logen, Kapitel, Senate uzw. zu errichten nach den Riten des Schottischen Ritus mit 33.°, dem Misraim-Ritus; mit 90.° und dem Memphis-Ritus mit 95.° und die Grade 1-95 zu erteilen. In der "Oriflamme", dem Organ des Grossorients der Schottischen, 33.°, Freimaurer und des Souveränen Sanktuariums 95.° in und für das Deutsche Reich, Organ der Swedenborg-Freimaurer und des Ordens der Rosenkreuzer, heisst es in einem Manifesto an die erhabenen und erleuchteten Brr. Freimaurer aller Systeme in Deutschland! Unsern Gruss zuvor auf allen Punkten des Triangels. Auf Antrag einer Anzahl Brr. Freimaurer hat sich der Hochleuchtende und Hochwürdigste Br. John Yarker, 33.°, 90.°, 96.° Souveräner General-Grossmeister in und für das Vereinigte Königreich von Grossbritannien und Irland im Namen des Grand Orient des Schottischen 33.° Ritus der Alten und Angenommenen Freimaurer (Cerneau - New York 1807) und des Souveränen Sanktuariums des Alten und Primitif Ritus von Memphis und des ägyptischen Ritus von Misraim entschlossen, diese bisher in Deutschland noch nicht bestehenden Systeme in Deutschland einzuführen und den Brn. Dr. Franz Hartmann 33.°, 95.° (früher Washington Nr. 12, Georgetown, Amerika); Heinrich Klein 33.°, 95.° (früher Pilger Nr. 238, London, England) und Theodor Reuss 33.°, 96.° (früher Pilger Nr. 238, London) und den mit denselben verbundenen Brn. einen Freibrief zur Konstituierung eines Gross-Orients und Souveränen Sanktuariums des Ritus für das Deutsche Reich auszustellen. Nach diesem Freibriefe war das Souveräne Sanktuarium für das Deutsche Reich und der Gross-Orient von Deutschland berechtigt, in ganz Deutschland Freimaurerlogen zu stiften, anzunehmen und einzuweihen, und die sämtlichen Grade, vom ersten oder LehrlingsGrad (1.°) bis zum letzten, dem Grade des General-Gross-Inspektors und Gross-Konservators (33.°-95.°), zu bearbeiten, Suchende aufzunehmen und zu befördern. Am 11. November 1902 fand in den Logenräumen der Swedenborg-Loge "Zum heiligen Gral" in Berlin die Eidesleistung des vom Souveränen Sanktuariums und Gross-Orient in und für das Vereinigte Königreich von Grossbritannien und Irland ernannten General-Grossmeisters in und für das Deutsche Reich in Gegenwart vieler Berliner und mehrerer auswärtiger Brüder statt. Nach geschehener Eröffnung der Festversammlung gab Reuss zürst einen Rückblick auf die Vorgänge der letzten Jahre und Tage, welche schliesslich zu dem Ergebnis, das an diesem gefeiert und besiegelt werden sollte, geführt hatten. Reuss erklärte die grosse Mutterloge "Ludwig" und alle durch dieselben gegründeten Johannislogen für aufgelöst und alle damit verknüpften und erteilten Rechte für erloschen. Zum Zeichen dieser Auflösung und des Bruches mit der Vergangenheit legten alle Grossbeamten, sowie die übrigen Beamten ihre betreffenden Amtsabzeichen ab. Hierauf verlas Reuss das englische Konstitutions-Patent und eine Botschaft des Souveränen General-Grossmeisters von Grossbritannien und Irland Br. John Yarker 33.°, 90.°, 96.°, dem die Versammlung ihren wärmsten Dank auf maurerische Art aussprach. Nach geschehener Eidesleistung verkündete der Neue General-Grossmeister, dass die folgenden maurerischen Grossmächte den Neuen Gross-Orient und das Souveräne Sanktuarium in und für das Deutsche Reich bereits anerkannt und gegenseitige Freundschafts-Vertreter ernannt haben: Soureräne Gross-Oriente 33.° von Italien in Neapel und Palermo; Souveräne Symbolische Grossloge von Spanien und Souveräner General-Grossrat 33.° von Iberien in Madrid; Souveränes Sanktuarium und Gross-Orient 33.° von Rumänien in Bukarest; Gross-Orient und Symbolische Grossloge von Argentinien in Buenos Aires. Zum Schluss wurde verkündet, dass das Souveräne Sanktuarium für das Deutsche Reich die Bildung von 3 Symbolischen Logen, 2 Kapiteln und 1 Grossrat unter seiner Jurisdiktion genehmigt und die Freibriefe für die Symbolischen Logen in Berlin, Hamburg und Kattowitz ausgefertigt hat. Das Gesetzbuch dieser Körperschaft deckte sich inhaltlich in der Hauptsache mit denen der in Deutschland anerkannten Körperschaften. Es zerfällt in vier Teile. Der erste Teil behandelt die Verfassung und konstitution des Gross-Orients, der zweite die Konstitution eines Schottischen Kapitels, der dritte die Konstitution der Symbolischen Logen und der vierte die Sterbekasse (Betrag 300 M.). Der Anhang bringt die Mitteilungen an den Suchenden, den Fragebogen für Kandidaten, den Revers eines Kandidaten 1.*, die freimaurerische Gesetzestafel, die Tagesordnung einer symbolischen Loge, und die Tagesordnung der Kapitelverhandlungen. Am 1. Januar 1903 erschien die historische Ausgabe der "Oriflamme", Der Schottische-, Memphis- und Misraim-Ritus der Freimaurerei. In dieser wird versucht nachzuweisen, dass der Gross-Orient der Vereinigten Riten der Schottischen-, Misraim- und Memphis-Maurerei (33°, 90°, 95°) von Grossbritannien und Irland usw. und des Deutschen Reiches eine anerkannte Freimaurerkörperschaft ist. Um diese Zeit besass die Körperschaft 1 Gross-Orient in Berlin, 1 Kapitel in Berlin, 1 Kapitel in Hamburg und 4 Symbolische Logen, nämlich: Licht vom Osten Nr. 1 in Berlin, Zur siegenden Sonne Nr. 2 in Berlin (es war dies die frühere Illuminaten-Freimaurer-Loge Ludwig), Phönix Nr. 3 in Hamburg (die frühere Illuminaten-Freimaurer-Loge Phönix) und Zur hellen Morgenröte Nr. 4 in Kattowitz (war vorher in der Allgemeinen Bürgerloge in Berlin, dann im Verein Reformierter Joh.-Logen in Hamburg). Am Ende des Jahres hatte sich der Orden erweitert um das Kapitel "Ludwig im Tale" von München, um die Symbolische Loge Ludwig zum ewigen Bunde im Orient München, um die Logenkränzchen "Katharina zum stehenden Löwen" in Rudolstadt und Zur aufblühenden Rose der Beständigkeit in Zittau (früher die Allgemeine Bürgerloge Zum rauhen Stein); ausserdem bestand noch ein Logenkränzchen ohne Namen in Hannover, und demnächst sollte eins eröffnet werden in Nürnberg; auch sollte hier ein Schottisches Kapitel gestiftet werden. lm Jahre 1904 suchten um Aufnahme in den Orden der Alten Freimaurer vom Schottischen-, Memphis- und Misraim-Ritus in Deutschland die Führer der Grossen Freimaurer-Loge von Deutschland zugleich auch im Namen ihrer 700 Brüder nach. Am 12. Mai 1904 wurde in Leipzig im Tempel der "Eiche" vom Souveränen Sanktuarium die Grosse Freimaurerloge von Deutschland rekonstituiert und ihr auf den Namen "Vollkommene Schottische Loge genannt Grosse Freimaurerloge von Deutschland" eine Stiftungsurkunde ausgefertigt zum Preise von 800 M. Am 14. August desselben Jahres stiftete der Orden in Augsburg das Kapitel "Carl Theodor" und eine symbolische Loge "Carl Theodor zum guten Rate"; kurze Zeit darnach, am 25. August, wurde sogar eine Symbolische Loge unter dem Namen Germania Nr. 7 in Alexandrien unter der Jurisdiktion des Gross-Orientes für das Deutsche Reich eröffnet, um die drei ersten Grade des Schottischen Ritus der alten Freimaurer in deutscher Sprache zu bearbeiten. Im folgenden Jahre, am 24. Juni 1905, erwarb die Vollkommene Schottische Loge, genannt Grosse Freimaurerloge von Deutschland vom Gross-Orient, das Patent einer Symbolischen Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass sie eine selbständige, vom Gross-Orient vollständig unabhängige Organisation bleibe, und dass das Patent niemals wieder zurückgezogen werden dürfe; an Gebühren wurden hierfür 600 M. bezahlt. Am 27. August stiftete dann das Berliner Sanktuarium einen Gross-Orient der Freimaurer des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus 33.* für Deutschland in Hamburg, resp. Reuss verlegte den Gross-Orient nach dort. Als sich aber in München im Hotel Metropol unter dem Deckmantel des Okkultismus recht unliebsame Sachen zugetragen hatten und der Gross-Orient und die Logen solchen Lehren des General-Grossmeisters kein Verständnis abgewinnen konnten, trennten sie sich von ihm mit dem Bemerken, sein Ritus habe nicht die entfernteste Macht, die Johannis-Grade in Deutschland zu bearbeiten; sie würden sich aber auch trotzdem von ihm getrennt haben, selbst wenn er als regelmässige maurerische Körperschaft anerkannt wäre. Nunmehr traten die Symbolischen Logen in München, Augsburg, Hannover und Hamburg mit Grosslogen des Deutschen Grosslogenbundes in Verbindung. Einige Mitglieder der Loge Ludwig zum ewigen Bunde in München gelangten in die Loge Treue fest (Landesloge der Frmr. von Deutschland) in München; von der Loge Carl Theodor zum guten Rate in Augsburg gingen neun Meister durch die obenerwähnte Loge Treue fest in München hindurch; Aufnahme und Beförderung fand innerhalb zwei Tagen statt, und an übertrittsgebühren für den Bruder brauchten nur 50 M. gezahlt zu werden. Sie wurden am 27. Mai 1906 als die Loge Zur Sonnenrose im Orient Augsburg geweiht und nahmen dann ihre früheren Mitglieder nach den logengesetzlichen Bestimmungen wieder an und auf. Die Loge Phönix zur Wahrheit in Hamburg liess am 29. Januar 1906 in die Loge Gudrun in Hamburg 19 Brüder aufnehmen, und diese wurden dann am 9. Juni 1906 die Loge Phönix zur Wahrheit. Diese Bauhütte konnte nun gleichfalls ihre früheren Brüder wieder aufnehmen. Die Loge Archimedes zu dem drei Zirkeln in Hannover liess Mitglieder durch die Loge Phönix zur Wahrheit in Hamburg hindurchgehen, und sie wurde dann am 2. Dezember 1906 als Loge Baldur in Hannover geweiht. Die Berliner Loge Zur siegenden Sonne, die bereits im Jahre 1904 von Reuss sich losgesagt hatte, trat im Jahre 1907 auch in den Verband der Hamburger Grossloge ein, sie wurde am 6. Juli 1907 geweiht; ihren bisherigen Namen behielt sie bei. Die Bauhütten in Kattowitz, Zittau und Rudolatadt die wegen zu geringer Mitgliederzahl nicht lebensfähig gewesen waren, hatte der Grossorient schon längst verloren. Reuss, der inzwischen plötzlich nach London verzogen war, bewahrte seinen maurischen Bau in Deutschland vor dem Untergange dadurch, dass er am 15. November 1906 den Grossmstr. der Symbolischen Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland, P.Eberhardt in Leipzig, zum selbständigen General-Grossmeister des Obersten Rates des Schottischen, (A.u.A.) Alten und Angenommenen 33.° Ritus für das Deutsche Reicher nannte. Die Bearbeitung und Ausbreitung des Memphis 90° und Misraim 95° in Deutschland hatte Reuss in die Hände des Dr. Steiner in Berlin gelegt, da ersterer den Memphis- und Misraim-Ritus in jeder Form ablehnte. Im November 1909 besann sich dann Reuss darauf, dass der Neue selbständige General-Grossmstr in Leipzig die Hochgrade gar nicht bearbeitete und entzog ihm darum wieder die am 15. November 1906 erteilten angeblichen Machtbefugnisse. Der wahre Grund aber war, Reuss erhielt um diese Zeit von seinem Freund und Bruder Carl, der sich ihm früher als geTreuer Gefolgsmann verschrieben, dafür in das Souv. Sanktuarium berufen worden war und die dazu erforderlichen Grade per communication erhalten hatte, die Nachricht, dass der Grossmeister der Symbolischen Grossloge des Schott. Ritus in Deutschland seine Logen in den Deutschen Grosslogenbund hinüberführe, und das verdross ihn, weil dadurch der Schott. Ritus in Deutschland wieder verschwand. Sebr gern hätte er ihm auch, dem Grossmstr. des Schottischen Ritus in Deutschland, das Patent der Symbolischen Grossloge genommen bez. gekündigt, doch das Recht der Kündigung hatte Reuss verkauft, denn das Patent kann niemals zurückgezogen werden. Nun allerdings fehlt dem Grossorient von Deutschland, als dessen General-Grossmeister Dr. Carl Lauer In Ludwigshafen, jetzt in Leipzig, von Reuss ernannt worden ist, der Stamm, die Symbolischen Logen; denn Maurer der anerkannten Logen Deutschlands werden niemals in den Neuen Grossorient eintreten, um die Hochgrade kennen zu lernen. "Es führen viele Wege nach Rom." --------------- Die Entwickelung des Gross-Orients und des Souveränen Sanktuariums des Schottischen-, Memphis- und Misraim.Ritus für das Deutsche Reich zeigt folgende Tabelle: Licht vom Osten in Berlin, konstit. 1902; eingegangen. Zur siegenden Sonne in Berlin, übernommen als Illuminatenloge: Ludwig; deckte im April 1904; trat am 6. Juli 1907 in die Hamburger Grossloge ein. Zur hellen Morgenröte in Kattowitz, konstit. 1902; eingegangen, siche auch S. 40 (Tabelle) und S. 53 (Tabelle). Katharina zum stehenden Löwen in Rudolstadt, konstit. 1902; eingegangen. Zur aufblühenden Rose der Beständigkeit in Zittau, konstituiert 1902; eingegangen, siehe auch S. 40 (Tabelle) und S. 53 (Tabelle). Archimedes zu den 3 Zirkeln in Hannover, konstit. 1902; seit 2. Dezember 1906 Loge Baldur (Hamburg). Phönix zur Wahrheit in Hamburg, übernommen als Illuminatenloge 1902; seit 19. Mai 1905 der Hamburger Grossloge zugehörig. Ludwig zum ewigen Bunde in München, konstit. 1902; Ende 1906 traten Mitglieder derselben in die Loge Treue fest, der Grossen Landesloge der Freimaurer von Deutschland zugehörig, über. Carl Theodor zum guten Rat in Augsburg, konstit. 14. August 1904; trat am 27. Mai 1906 als Loge Zur Sonnenrose über in aie Grosse Landesloge der Freimaurer von Deutschland, siehe auch S. 81 (Tabelle). Germania in Alexandrien, konstit. am 25. August 1904; übergetreten zur Grossloge von Ägypten. (Da die Kapitel von Mitgliedern der Symbolischen Logen gebildet wurden, sind sie in der Aufstellung unbeachtet geblichen.) oOo

Vom Orientalischen Templer-Orden (O.T.O.) in Deutschland.

Gegründet im Jahre 1912 von Theodor Reuss in London. Die Bearbeitung dieses Ordens liegt in den Händen des Dr. Carl Lauer, früher in Ludwigshafen, jetzt in Leipzig, des Paul Kirmiss in Berlin und des Andreas Ullmer in München. Dr. Carl Lauer 33.°, 90.°, 95.°, IX.° ist Grossmeister-Kommandeur des Obersten Rates, 33.° Schottischer Ritus, Gross-Orient von Deutschland. General-Gross-Administrator des Souveränen Sanktuariums für das Deutsche Reich. Meister vom Stuhl der Loge Pythagoras im Orient Mannheim. Paul Kirmiss 33.°, 90.°, 95.°, IX.° ist General-Gross-Kanzler des Ordens der Alten Freimaurer vom Memphis- und Misraim-Ritus in Deutschland. Meister vom Stuhl der Loge Renata zum Licht vom Osten im Orient Berlin. Andreas Ullmer 33.°, 90.°, 95.° ist Schriftwart, General-Gross-Expert des Ordens der Alten Freimaurer vom Memphis- und Misraim-Ritus in Deutschland. Meister vom Stuhl der Loge Zum heiligen Gral im Orient München. Die Logen in München und Berlin besitzen höchstens 20 bis 30 Mitglieder, und die Loge in Mannheim hatte es anfangs auf 50-60 Mitglieder dadurch gebracht, das sie die Schottenbrüder, die nicht mit zum Deutschen Grosslogenbunde übertreten wollten, aufgefordert hatte, in ihre Bauhütte einzutreten; in letzter Zeit ist die Mitgliederzahl aber immer kleiner geworden. Die Organisation des Orientalischen Templer-Ordens ist folgende: I.° Prüfling, II.° Minerval, III.° Johannis (Craft) Freimaurer, IV.° Schottischer (Andreas) Maurer, V.° Rose Croix Maurer, VI.° Templer Rosenkreuzer, VII.° Mystischer Templer, VIII.° Orientalischer Templer, IX.° Vollkommener Illuminat, X.° Supr. Rex. Das Bundesblatt führt den Titel: I. N. R. I., Amtliches Organ des Ordens der Orientalischen Templer und des Souveränen Sanktuariums der Alten Freimaurer in Deutschland. Demnach ist der Orientalische Templer-Orden organisch verbunden mit dem Souveränen Sanktuarium der Alten Freimaurer für das Deutsche Reich. Der O.T.O. nimmt Männer und Fraün auf und erteilt beiden Geschlechtern gleichmässig die sämtlichen Grade der Freimaurerei. Doch niemand kann ein "Eingeweihter" des O.T.O. werden, der nicht vorher die drei Johannisgrade der Freimaurerei erhalten hat. Die Erklärung, wer ein "Eingeweihter" ist, muss uns folgender Passus vermitteln oder aber auch nicht. "Die rosenkreuzerischen, esoterischen Lehren der 'Hermetic Brotherhood of Light' wurden reserviert für die wenigen Eingeweihten des Okkulten Inneren Kreises. Die Erkenntnisstufen dieses Inneren Kreises von 'Eingeweihten' laufen mit den höchsten Stufen des Memphis- und Misraim-Ritus parallel, und diese 'Eingeweihten' bilden den geheimen Stamm des Orientalischen Templer-Ordens." Diese Beschreibung ist nach der Jubiläumsausgabe der "Oriflamme" 1912 gegeben. Eine Zukunft wird der Orden in Deutschland nicht haben, denn die mit Gatten und Kindern gesegnete Frau würde ihre Hausfraünwürde verletzen und ihrer Andachtsstunden im eigenen Heime verlustig gehen, wenn sie ihre Schritte hinlenken wollte zum O.T.O.; aber auch die Frau der heutigen Zeit ebensowenig wie den Mann ziehen die Lehren des O.T.O. an, denn wir Deutsche sind zu ernst und zu modern für die Romantik geworden. "Es hilft nicht, gegen Wind und Flut sich schlagen." Die Entwickelung des Orientalischen Templer-Ordens zeigt folgende Tabelle: Berlin: Loge Renate zum Licht vom Osten, hat 33 männliche und separat in einem Kränzchen 9 weibliche Mitglieder. Mannheim: Loge Pythagoras. München: Loge Zum heiligen Gral. oOo

Von der Symbolischen Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland

vormals Grosse Freimaurerloge von Deutschland. Die am 12. Juni 1896 in Berlin konstituierte Allgemeine Bürger-Loge verlegte mit Beginn des Jahres 1899 ihren Bundessitz nach Leipzig; sie nahm im Jahre 1900 den Namen Matthälogenbund an und tauschte im Jahre 1903 diesen Namen aus mit dem der Grossen Freimaurerloge von Deutschland. Die erste Arbeit, die die Führer der Grossen Freimaurerloge von Deutschland zu vollbringen hatten, war die Ausarbeitung Neuer Statuten zu dem Zwecke, dass der Bund ein eingetragener Verein werden könne, und so entstand aus dem früheren Grundgesetz von 412 §§ ein weit einfacheres mit 57 §§. Auf Grund dieser Statuten wurde der Bund denn auch am 28. Juni 1904 in das Vereinsregister des Königl. Amtsgerichts in Leipzig eingetragen, und diese Statuten wurden somit am 1. Juli 1904 für den Bund rechtsgültig. – Ausserdem wurden vom Grossmeister ein Vademecum und Briefe für Lichtsuchende ausgearbeitet. Ersteres war ein Wegweiser für Herren, welche einem Freimaurerbunde beizutreten wünschten und wollte die Suchenden über die "anerkannten" Freimaurerlogen und die Freimaurerlogen Neueren Datums belehren. Ausserdem wurde auch eine Neue Ausweiskarte, gültig auf 3 Jahre, nach dem Muster des Deutschen Grosslogenbundes eingeführt. Das Vademecum wurde stark begehrt, es erlebte alljärhrlich eine Neuauflage. Ferner kam auch für das Jahr 1904 ein "Brüderlicher Vertrag" zwischen der Grossen Freimaurerloge von Deutschland und dem Bunde unabhängiger St. Johannislogen Deutschlands in Berlin zustande. Diese beiden Logenverbände öffneten sich nunmehr gegenseitig ihre Tempel und verpflichteten sich, niemals einen Ausgeschiedenen des befreundeten Logenbundes auf- oder anzunehmen, wenn er nicht im Besitze einer ehrenvollen Entlassungsurkunde war. Das wichtigste Ereignis des Jahres 1904 aber war die Erwerbung des Patentes einer Vollkommenen Schottischen Loge durch den Schottischen-, Memphis- und Misraim-Ritus. Einmal bestimmten die Grossmeisterschaft dazu, die häufigen Austritte mit der Motivierung, der Bund sei kein patentierter, zum anderen aber hauptsächlich die günstigen Beurteilungen die der Grossorient und das Souveräne Sanktuarium des Schottischen-, Memphis- und Misraim-Ritus in Berlin in der maurerischen Presse erfuhren, und das führte man darauf zurück, dass frühere anerkannte Maurer den Schottischen Ritus in Deutschland eingeführt hatten, die wiederum zu ihrem Konstitutionspatent durch anerkannte englische Maurer gekommen waren. Wurde doch sogar der General-Grossmeister desselben in Berlin in einer anerkannten Loge bei einer Arbeit im II. Grade maurerisch empfangen und begrüsst; daran hatte man die Vermutung geknüpft, dass die betreffende Grossloge diesen Ritus anerkenne. Die Mitglieder des Bundes unterwarfen sich darum gern den auferlegten Bedingungen. So wurden denn unter Beobachtung aller maurerischen Formen, wie man annahm, die 702 Brüder der Grossen Freimaurerloge von Deutschland vom Souveränen Sanktuarium und vom Gross-Orient rektifiziert und die Grosse Freimaurerloge von Deutschland als Vollkommene Schottische Loge genannt Grosse Freimaurerloge von Deutschland, rekonstituiert. Der Vorgang war folgender: Drei Brüder des Grossbeamtenrates traten in den Gross-Orient des Schottischen Ritus ein. Sie konstituierten die Vollkommene Schottische Loge; in diese wurden dann am 12. Mai 1904 in Leipzig vom General-Grossmeister die Stuhlmeister der Grossen Freimaurerloge von Deutschland aufgenommen. Diese nahmen nunmehr wieder ihre bisherigen Brüder in ihrer Loge auf. Doch die Loge Zur Treue und Einigkeit in Altona mit 71 Brüdern, die am meisten zu dem Schritte gedrängt hatte, und der Maurerklub Zur blühenden Heide in Lüneburg mit 9 Brüdern traten leider vorher aus dem Verbande aus. Da man aber verschehiedenerseits den General-Grossmeister des Gross-Orients des Schottischen Ritus in Deutschland [Reuss] nicht für einwandfei hielt, war man bemüht, sobald wie möglich neben dem Gross-Orient eine gleichberechtigte Institution zu werden. Dies wurde dadurch erreicht, dass die Vollkommene Schottische Loge, genannt Grosse Freimaurerloge von Deutschland, unterm 24. Juni 1905 das Patent einer Symbolischen Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland erwarb. Das Konstitutionspatent lautete: Z. R. D. A. B. A. W.! Handle Deinem Nächsten gegenüber so wie Du wünschest, dass er Dir gegenüber handle. Im Namen des Grand Orient den Schottischen Ritus und des Ritus von Misraim und Memphis. Unsern Gruss zuvor auf allen Punkten des Triangels. Friede, Duldung, Wahrheit. An alle erleuchteten und ehrwürdigen Brr. Freimaurer der Welt! Hiermit wird bekundet, dass der Hochleuchtende und Hochwürdigste Bruder John Yarker, 33.°, 90.°, 96.°, Souveräner General Grossmeister ad. vit. des Antient ad Primitif Rite of Masonry, des Schottischen Ritus, Ancien et Accepte 33.° (Cerneau-New York 1807), und des; Orientalischen (Egyptischen) Ritus von Misraim, in und für das Vereinigte Königreich von Grossbritannien und Irland, Kraft seines Amtes, und der ihm, auf Grund eines Patentes den Souveränen Grand Orient de France vom 21. Juli 1862, No. 28911, vom M. Ill. Suvereign. Grand Master, General von Amerika, Bruder Harry J. Seymour übertragenen Rechte, den S. Ehrw. Brüdern Theodor Reuss, 33.°, 96.°, Dr. Franz Hartmann, 33.°, 95.°, Heinrich Klein, 33.°, 95.°, und den mit denselben verbundenen Brüdern, ein Patent erteilt hat, ein Sonveränes Sanktuarium für das Deutsche Reich zu konstituieren mit der Berechtigung die sämtlichen Grade des Alten und Angenommenen, Schottischen Ritus 33.°, des Orientalischen Ritus von Misraim 90.°, und des Ritus von Memphis 95.° vom ersten bis 33.° (90.-95.°) and letzten Grad zu bearbeiten und Symbolische Logen, Kapitel, Senate, Räte, Grossräte in Deutschland zu stiften und einzuweihen. Das Souveräne Sanktuarium für das Deutsche Reich, Kraft der ihm verliehenen Rechte, erteilt hiermit auf Antrag einer gesetzmässigen Zahl von Brüdern, den Ehrw. Brüdern Paul Eberhardt, Arno Höfer Dr. jur., Emil Böhme, Ernst Gierschick, Louis Gaschä etc. in Leipzig u.s.w. die Erlaubnis eine symbolische Grossloge des Schottischen 33.° A. u. A. Ritus unter dem Namen "Symbolische Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland" im Orient von Leipzig zu gründen, und die drei symbolischen (Johannis-) Grade d.i. Lehrling, Geselle und Meister des Ritus der Alten und Angenommenen Freimaurer des Schottischen Ritus 33.°, gemäss den vom Souveränen Sanktuarium für das Deutsche Reich festgestellten und angenommenen Ritualen zu bearbeiten. Dieser Freibrief wurde gewährt unter der Voraussetzung, dass die Neue Grossloge das Souveräne Sanktuarium stets als Mutterorganisation betrachtet und die gemeinsame Zusammengehörigkeit zu einem Ritus und einem Orden wahrt. Diese Erlaubnis und gegenwärtiges Patent können vom Souveränen General Grossmeister niemals wieder zurückgezogen werden. Urkundlich dessen ist gegenwärtiger Freibrief ausgefertigt, gesiegelt und unterschrieben worden. Done in our Sanctuary where reign Peace Knowledge, and Plenitude of all that is good, this 24th day of the Egyptian month Chocac answering to the 24th day of June 1905 E. V. John Yarker, 33.°, 90.°, 96.°. G.M.G. of Gt. Britain u. Irland. L.S. Gegeben in unserem Sanktuarium am 24. Tage des Egyptischen Monats Chocac im Jahre des wahren Lichts 000,000,000, welches entspricht dem 24. Tage des Monats Juni 1905 E. V. Theodor Reuss, 33.°, 29.°, 96.°. General Grossmeister für das Deutsche Reich; ad vitam. Das Jahr 1905 brachte dann den Grosslogentag von Frankfurt a. M. Er wurde abgehalten am Sonnabend den 15. Juli 1905 im Heim der Loge Zum ewigen Bund und am Sonntag den 16. Juli im Saale der Börse; besucht war er von 31 stimmberechtigten Mitgliedern und von ca. 60-70 Brüdern aus der Nähe von Frankfurt. Damals waren nahezu 800 Brüder in 37 Orienten dem Bunde zugehörig, ausserdem hatte der Bund durch Zuwachs von 6 Logen noch weitere 150 Brüder als Mitglieder erhalten. Zum Bunde waren hinzugekommen in den letzten beiden Jahren die Logen: Berlin: Zur Kaiserkrone; gest. am 27. Marz 1904. Glanchau: Zur BruderTreue; gest. am 7. Dezember 1904 (Loge Bonifazius vom R F.O.). Dresden: Johannis zum flammenden Stern; gest. am 6. Januar 1905; früher dem R.F.O. zugehörig unter dem Namen Loge Kaiser Friedrich zur Treue und Liebe. Halle a. S.: Baldur zu den 3 Flammen; gest. am 10. März 1905; früher zugehörig der Grossen Loge von Preussen II. Magdeburg: Treue und Recht; gest. am 21. März 1905. Bautzen: Zur Ortenburg; gest. am 1. April 1905. Gedeckt hatten die Logen: Zur Burg über dem Thale im Orient Halle (1904), die bereits erwähnte Loge in Altona und das Maurerkränzchen in Lüneburg. In Hamburg trat unmittelbar nach dem Grosslogentage aus dem Bunde aus die Loge Zur deutschen Treue. Vorher jedooh waren schon Brüder aus der deutschen Treue ausgetreten, und diese hatten sich mit den Brüdern Zur Treuen Bruderkette vereinigt unter dem Namen Friedrich zur Bruderkette. Unmittelbar nach diesem Grosslogentage traten dann dem Bunde noch bei die Logen Isarfels in München, vorher dem Deutschen Logenbund zugehörig, und Viktoria von Preussen in Berlin, die frühere Loge Viktoria II von Preussen vom Unabhängigen Freimaurerorden. Ferner wurde am 4. Oktober 1905 noch geweiht die Loge Zur Treuen Bruderhand in Bernburg. Ehe das Jahr zur Neige ging, konnten die ritüllen Arbeiten noch vorgenommen werden nach den vom Grossmeister ausgearbeiteten 4 Ritualbüchern, denen das altenglische Ritual zugrunde lag. Im Jahre 1906 wurden Logen konstituiert in Cassel, Leipzig, Karlsruhe, Stuttgart und Tönning; ausserdem schloss sich dem Bunde an die Loge: Faust zur Wahrhaftigkeit in Berlin; ausgeschieden war die Bauhütte Zur Leuchte in München, um sich der dortigen Loge In Treue fest anzugliedern. Im November erachienen die von der Loge Zum ewigen Bunde in Frankfurt a. M. bearbeiteten Fragen des Lehrlingskatechismus, die im Bunde sich Eingang zu verschaffen suchten. Und als das Jahr zu Ende ging, zählte der Bund 44 Logen mit ca. 1100 Brüdern. Das Jahr 1907 führte die Mitglieder zum Grosslogentage am 13. und 14. Juli nach Dresden in das Heim der Loge Johannis zum flammenden Stern, um hier für des Bundes Wohl zu tagen und Angriffe abzuwehten. Dadurch, dass seitens der Mainzer Loge bei verschiedenen Gross-Orienten angefragt worden war, ob das Patent der Symbolischen Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland vollwertig sei, und dieselbe nicht befriedigende Antworten erhalten hatte, wollte man die Echtheit des Patentes anzweifeln. Der Grosslogentag war jedoch am Schlusse der Debatten sich darüber einig, dass die Loge Mainz keine genügenden Beweise ihrer Behauptungen auf Unrecht des Patentes erbracht habe. Sie trat alsbald nach diesem Grosslogentage aus dem Bunde aus. Er zahlte jetzt 43 Logen mit 1150 Brüdern. Das Vermögen des Bundes betrug am 30. Juni 1906 19500 M. Als Kranzspende wurden von jetzt ab nur noch 100 M. für jedes im Bunde vollendete Jahr gegeben; als Höchstbetrag wurden 1000 M. festgesetzt. Lebhaft auch debattiert wurde darüber, ob man zu gründenden Logen Darlehen geben solle und für den Bund eine Anerkennung durch den Deutschen Grosslogenbund geboten sei. Die Frage der Anerkennung hatte den Stein wieder ins Rollen gebracht; es traten darum in der Folgezeit aus dem Bunde die Logen in Dortmund, Bernburg, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Schwerin, Cassel, Frankfurt a. M., Magdeburg und Berlin (Faust zur Wahrhaftigkeit) aus. Hinzugekommen waren nur die Logen von Breslau und Kattowitz. Die Anschlussfrage wurde nochmals im Jahre 1909 auf dem Grosslogentage in Hamburg, der am 31. Juli und 1. August stattfand, lebhaft debattiert, umsomehr, da der Grossmeister die Parole ausgegeben hatte: Wer Ruhe und Frieden für seine Loge haben will, trete in den Deutschen Grosslogenbund über. Und warum? Weil ihm zur Gewissheit geworden war, dass in der Regel stets diejenigen Brüder, die dem Bunde gern den Rücken kehren wollten, vorerst noch die Streitfackel entzündeten, damit der Bund wieder einmal tüchtige Abbröckelungen erhalte. Der Grossmeister nahm darum in Hamburg auch seine Wiederwahl nur unter der Bedingung an, dass er den Bund in den Deutschen Grosslogenbund überzuführen habe. Auf dem ausserordentlichen Grosslogentage in Leipzig, im September 1910, legte er den Logen die ersten Ergebnisse vor; man beschloss darum für den 31. Marz 1911 die Liquidation des Bundes. Nach der gesetzlichen Karrenzzeit konnten an die im Bunde verbliebenen Logen 26000 M. verteilt werden. Etwa 5 Logen, denen die Verhandlangen mit der Grossloge von Sachsen zu langsam gingen, waren vorher aus dem Bunde ausgetreten und hatten sich der Grossloge von Hamburg angegliedert. Die erste Bundesloge, die in die Grossloge von Sachsen einziehen konnte, war die Triptiser Loge, die durch die Loge Goethe in Pössneck hindurchgegangen war. Im Juni 1911 wurden in der von den 4 Leipziger Sachsenlogen kombinierten Loge etwa 60 Schottenbrüder aufgenommen, damit die Gründungen von Sachsenlogen in Leipzig, Altenburg, Apolda, Eckernförde und Tönning möglich wurden; ein Teil der Apoldär Schottenbrüder hatte aber merkwürdigerweise, während der Prüfungszeit sein Gesuch zurückgezogen; glaubten sie, eine Loge des eklektischen Systems in Apolda schneller erhalten zu können. über 80000 M. hatte der Bund während seines Bestehens an die Hinterbliebenen von Brüdern gezahlt und damit viele Familien vor Sorge und Not bewahrt. Nunmehr war er auch nach fünfzehnjährigem Bestehen nicht mehr. Und es ist gut so. Am guten Alten in Treue halten, Am kräftigen Neuen sich stärken und erfreuen, Wird niemand gereuen! ------- Die Entwickelung der Symbolischen Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland (1896 Allg. Bürgerloge, 1900 Matthäilogenbund, 1903 Grosse Freimaurerloge von Deutschland, 1904 Vollkommene Schottische Loge, genannt Grosse Freimaurerloge von Deutschland, 1905 Symbolische Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland) zeigt folgende Tabelle: Altenburg: Zum Osterland, gestiftet am 3. März 1904; nach der Liquidation des Bundes (31. März 1911) übergetreten zur Gr. Landes-Loge v. Sachsen als Loge Baldur zu den 3 Sternen am 10. Dezember 1911. Altona: Zur Treue und Einigkeit, gest. am 29. August 1898, deckte am 20. Mai 1904; gehörte dem Bunde unabh. St. Joh.-Logen an; seit 9. Januar 1910 die Loge Armin zur Treue und Einigkeit in Altona (R. Y.). Apolda: Zum Apfelstamm, gest. am 13. Februar 1899; nach der Liquidation des Bundes (31. März 1911) traten 5 Mitglieder in die Loge Goethe in Pössneck (Sachsen) ein, die übrigen in die Loge Zur Einigkeit und Treue in Cassel (Frankfurt) in der Erwartung, recht bald wieder eine selbständige Loge werden zu können. Arnstadt: Zum Doppeladler, konst. am 23. April 1896; nach der Liquidation des Bundes traten ca. 10 Mitglieder über zur Loge Zur festen Burg, Triptis (Sachsen). Bautzen: Zur Ortenburg, gest. am 28. April 1905, gedeckt am 2. September 1910; ca. 10 frühere Mitglieder gehören jetzt der Loge Carl Wiebe z. ew. Licht in Görlitz (Hambg.) und ca. 5 Mitglieder der Loge Zur goldenen Mauer (Sa.) an. Berlin: Zur Kaiserkrone, gest. am 27. März 1904; vereinigte sich am 27. März 1906 mit der Bundesloge Viktoria von Preussen. Berlin: Viktoria von Preussen, gest. im Oktober 1905; hat sich nach der Liquidation aufgelöst. Berlin: Faust zur Wahrhaftigkeit, als Loge am 25. Juni 1906 eingetreten, am 3. September 1907 gedeckt; übergetreten zu den Bayreuther Logen in Berlin. Bernburg: Zur Treuen Bruderhand, gest. am 4. Oktober 1905, gedeckt Ende 1907. Breslau: Eberhardt zu Liebe und Vertrauen, gest. am 25. Januar 1908, gedeckt 1910; von den 8 Mitgliedern traten einige in die Loge Settegast zur deutschen Treue in Breslau (Hamburg) ein. Cassel: Licht und Wahrheit gest. am 18. April 1906, gedeckt; seit 27. November 1908 die Loge Zur Einigkeit und Treue in Cassel (Frankfurt). Chemnitz: Archimedes zu den drei Zirkeln, gest. am 22. August 1899 unter dem Namen Concordia; nahm 1901 den Namen Zum wahren Weg an und 1909 den jetzigen Namen; nach der Liquidation des Bundes aufgelöst. Cuxhaven: Zur siegenden Wahrheit, gest. am 9. Juli 1898; nach der Liquidation des Bundes übergetreten in die Gr. L.-L. v. Sachsen am 13. Mai 1913 unter dem Namen In Treue fest. Danzig: Eintracht, gest. am 12. Januar 1902 unter dem Namen Zur Wacht im Osten; hat sich nach der Liquidation des Bundes; aufgelöst. Dessau: Ascania zur sprossenden Eiche, gest. am 8. Februar 1901 unter dem Namen Zur sprossenden Eiche; nach der Liquidation des Bundes übergetreten zur Gr. Landes-Loge v. Sachsen unter dem Namen Zu den 3 Säulen am 7. Juli 1912. Dortmund: Zum Freistuhl, früher zugeh. zur Allg. Bürger-Loge; am 28. Juli 1902 als Loge übergetreten, gedeckt Ende 1907. Dresden: Zur wahren Freundschaft, gest. am 5. Januar 1901 unter dem Namen Zur Rautenkrone, nahm am 5. Januar 1904 den jetzigen Namen an, deckte im September 1909; 15 Mitglieder traten Zu den ehernen Säulen (Sa.) über. Dresden: Johannes zum flammenden Stern, gehörte vorher dem Ref. Frmr.-Orden an als Loge Kaiser Friedrich zur Treue und Liebe, trat am 6. Januar 1905 als Loge mit dem jetzigen Namen in den Bund ein; seit 17. Dezember 1911 der Gr. Landes-Loge v. Sachsen zugehörig unter dem Namen Zum flammenden Stern. Eckernförde: Zur Ykernborg, gest. am 15. Juli 1901; nach der Liquidation des Bundes übergetreten zur Gr. Landes-Loge v. Sachsen am 10. September 1911. Eisenach: Zur Warte auf dem Berge, gest. am 1. Juni 1901; hat sich nach der Liquidation des Bundes aufgelöst. Elbingerode: Glückauf! gest am 10. April 1901; die wenigen Mitglieder traten 1906 in die Bundesloge in Wernigerode (Harz) über. Erfurt: Zur deutschen Treue, gest. am 8. August 1897; hat sich nach der Liquidation des Bundes aufgelöst; 5 Mitglieder traten in die Loge Goethe in Pössneck (Sa.) ein. Frankfurt a. M. (Rudolf) zum ewigen Bunde, gest. am 28. November 1899, deckte; seit 31. Oktober 1909 die Loge Zur Eintracht und Freimütigkeit in Frankfurt (Bayreuth zugeh.). Glauchau: Zur BruderTreue, gehörte vorher als Loge Bonifazius dem Ref. Frmr.-Orden an, in den Bund eingetreten am 7. Dezember 1904; hat sich nach der Liquidation des Bundes aufgelöst. Gotha: Zur Wachsenburg, gest. am 14. August 1907, im September 1910 gedeckt. Görlitz: Zur aufgehenden Sonne, gest. am 6. Oktober 1906, deckte; seit dem 29. Januar 1911 die Loge Wiebe zum ewigen Licht in Görlitz (Hamburg). Güsten: Zur Morgenröte, gest. am 18. August 1899; die wenigen Mitglieder traten 1905 in die Bundesloge in Dessau über. Halle a. S.: Baldur zu den drei Flammen, gehörte vorher dem Unab. Frmr.-Orden und der Grossen Loge v. Preussen II an, trat als Loge am 3. Juli 1904 in den Bund ein; 1910 traten die wenigen Mitglieder über zur Bundesloge in Dessau und nach der Liquidation des Bundes in die Odd-Fellow-Loge in Halle. Hamburg: Zur deutschen Treue, gest. am 20. März 1899; teilte sich am 20. März 1905 in 2 Logen (s. nächstfolgende Loge von Hamburg), trat später in den Bund Unabh. St. Joh.. Logen ein; seit 11. März 1911 die Loge Konrad Eckhof (Hamburg). Hamburg: Friedrich zur Bruderkette, gest. am 20. März 1899; nahm nach der Spaltung von der deutschen Treue (a. vorherg. Loge) den jetzigen Namen an; blieb nach der Liquidation des Bundes weiterbestehen als Unabhängige Loge. Hamburg: Zur Treuen Bruderkette, als Loge Zur goldenen Weltkugel des Ref. Bürgerl. Frmr.-Ordens gestiftet; gehörte dann als Grossloge dem Deutschen Logenbund in München an, trat am 17. Januar 1904 unter dem jetzigen Namen in den Bund ein, und am Ende des Jahres 1904 traten die wenigen Mitglieder über in die Bundesloge Friedrich zur Bruderkette in Hamburg. Karlsruhe: Zu den 3 Säulen am Oberrhein, gest. am 3. Oktober 1906; löste sich Ende 1909 auf. Kattowitz: Fels im Osten, gehörte vorher als Loge Goethe 3 dem Selbst. Orden Brüder der Wahrheit an, trat am 25. Januar 1908 unter dem jetzigen Namen in den Bund ein, deckte im Oktober 1910; seit 4. Februar 1911 die Loge Zur Wacht an der Grenze (Hamburg). Kiel: tom Kyle, gest. am 17. Mai 1898, deckte 1909; seit 12. November 1910 die Loge Frithjof zum Nesselblatt (Hamburg). Köln: Zur festen Burg, gest. am 11. April 1904; die verbliebenen zwei Mitglieder traten nach der Liquidation des Bundes in die Loge Zur grünenden Eiche in Leipzig (Sachsen) über. Leipzig: Zur Eiche, gest. am 24. März 1898; nach der Liquidation des Bundes übergetreten in die Gr. Landes- Loge v. Sachsen unter dem Namen Zur grünenden Eiche am 24. September 1911. Leipzig: Asträa, vorher Ritterschaftliche Loge; am 16. November 1906 als Loge in den Bund eingetreten; nach der Liquidation des Bundes übergetreten in die Loge Zur grünenden Eiche (Sachsen). Lübeck: Zur Birke, gest. am 15. Dezember 1901; Iöste sich Ende 1908 auf. Lüneburg: Maurerklub Zur blühenden Heide, gest. am 28. Februar 1904, deckte bereits wieder Ende Mai 1904. Magdeburg: Treu und Recht, gest. am 21. März 1905, deckte; seit 14. November 1908 die Loge Gustav Adolph zur Gerechtigkeit (Hamburg). Mainz: Zum rauhen Stein, gest. am 10. Februar 1901, deckte 1907; hat sich aufgelöst. Mannheim: Pythagoras, gest. am 30. Jnni 1907, deckte 1910; jetzt Loge den Orient. Templer-Ordens. Meerane: Zu den drei Sternen, gent. am 12. August 1899, deckte 1910, um mitzuwirken an der Konstitution der Loge Concordia in Meerane (Sa.), gest. am 7. Januar 1912. München: Zur Leuchte, gest. am 16. Juni 1899, deckte im Oktober 1905; ein Teil der Mitglieder trat in die Loge In Treue fest (Gr. L. L. d. Frmr. v. Deutschland) ein. München: Isarfels, vorher dem Ref. Bürgerl. Frmr.-Orden und dem Deutschen Logenbund zugeh., trat als Loge am 26. Juli 1905 in den Bund ein; nach der Liquidation des Bundes zugeh. der Gr. L.-Loge von Sachsen unter dem Namen Mozart; geweiht als Loge am 1. März 1913. Plauen i. V.: Zu den zwei Türmen, gest. am 26. September 1903, deckte im Oktober 1910; seit 9. März 1911 die Loge Renata zur Treue (Hamburg). Schwerin a. d. Warthe: Zum gekrönten Löwen, gest. am 1. April 1900, dann wieder am 1. Oktober 1905; 1öste sich im Jahre 1909 auf Stuttgart: Furchtlos und Treu, konst. am 2. Oktober 1906; löste sich im Oktober 1909 auf. Tönning: Eidora zum Schwan, gest. am 27. Dezember 1906; nach der Liquidation des Bundes übergetreten zur Gr. Landes-Loge v. Sachsen am 23. Juli 1911. Wernigerode (Harz): Zu den zwei Türmen, gest. am 16. Februar 1901; nach der Liquidation des Bundes übergetreten zur Grossloge v. Hamburg unter dem Namen Zur Eiche am Scharfenstein am 24. September 1911. Wittstock (Dosse): Barbarossa, gest. am 24. Januar 1898; hat sich nach der Liquidation den Bundes aufgelöst. Zeitz: Zitza, gest. am 27. März 1903; nach der Liquidation den Bundes traten Mitglieder über in die Loge Johannes im Orlagau in Neustadt a. Orla (Sa.). Zwickau: Für Licht und Recht, gest. am 19. Januar 1902; nach der Liquidation den Bundes übergetreten zur Gr. Landes-Loge v. Sachsen unter dem Namen Zu den 3 Türmen am 3. September 1911. oOo

Vom Bunde frei arbeitender Johannislogen in Berlin.

Gegründet vom Drogisten Paul Brandes am 3. Juni 1912. War es ein günstiges Geschick, das den Firmament-Stuhlmeister Brandes mit dem Illuminaten-Ordensführer Engel zusammenführte? Zweifellos verdankt diesem Bekanntwerden der Bund frei arbeitender Johannislogen seine Entstehung. Die Loge Zum Firmament in Berlin, die sich als Nachfolgerin bezw. Erbin der im Jahre 1870 in Berlin gegründeten Kreuzbruderloge betrachtet, hatte früher die Absicht, in die Symbolische Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland einzutreten, doch da letztere bei dem Bekanntwerden mit der Loge Zum Firmament schon Schritte für den übertritt in den Deutschen Grosslogenbund unternommen hatte, wurde die Anschlussangelegenheit auf beiden Seiten "abwartend" behandelt. Darnach ist in der Firmamentloge der Gedanke gereift, sich aus eigener Machtvollkommenheit zu einer Grossloge, zu einem selbständigen Bunde, auszubaün. Der Vater des Gedankens war der Stuhlmeister Paul Brandes, und dieser Gedanke war auch dem Kustos des Illuminaten-Ordens sympathisch; konnten doch dadurch die Freimaurerlogen des Illuminaten-Ordens wieder aufleben. So erblickte dann am 3. Juni 1912 der Bund frei arbeitender Johannislogen das Licht der Welt. Der Bund arbeitet nach den Marbachschen Agenden und nach den Bungeschen Katechismen; meines Wissens sind aber von Bunge, ehemaligem Stuhlmeister der Loge Alexius zur Beständigkeit in Bernburg, nur Grad I und II bearbeitet worden. Als Propagandaschrift dienen ihm "Allgemeine Grundsätze der Freimaurerei. Zum Gebrauch für freie Johannislogen. Mit einer Vorrede an freie Männer von gutem Rufe, erschienen in Leipzig 1913 im Verlage von Eduard Volkening." Das Schriftchen behandelt in seiner Vorrede: Freie Männer, Guter Ruf, Arbeit an eigener Vervollkommnung, Arbeit am Wohl der Menschheit. In den Grundsätzen spricht es: Von Gott, von der Religion, vom Staate, von den Mitmenschen und von der Familie, von der Loge, von den Brüder Freimaurern, vom freimaurenischen Kenntnisschatz und vom sogenannten Geheimnis. Der Schluss teilt uns mit, was wir unter "Freie Johannislogen" zu verstehen haben. "Der Ausdruck "Freie Loge" unterscheidet sich von "Loge" wie etwa die Freimaurerei "Freien Mann" von "Mann" unterscheidet, d.h. äusserlich frei muss die Loge sein, nämlich nur von durch allgemeines Stimmrecht aus ihrer Mitte erwählten Johannisbrüdern geleitet werden. Schottische und andere hochgradige Maurer verdienen als solche in Johannislogen keinerlei Wahlrecht. Innerlich frei muss die Loge sein, insofern sie nicht nur den Gehorsam gegen die Landesgesetze geloben soll, sondern auch üben muss. Besonders betonen wir den freien und freudigen Gehorsam gegen die Vereinsgesetze, dem insbesondere § 8 der "Allgemeinen Grundsätze" entspricht. Solch eindeutiges Verhalten dient unzweifelhaft dem guten Ruf einer Loge. Zum guten Ruf gehört ferner, dass eine Loge auch den Ruf einer anderen Loge nicht untergrabe. Es ist wohl vorgeschlagen, gegen gewisse Logen den Reim "Dünkelloge" zu gebrauchen, was aber nicht zu billigen ist. Zwar sind bezielte Logen in gewissen Punkten dünkelhaft, aber das in ein Schimpfwort zu verallgemeinern, kann vor einem guten freimaurerischen Gewissen nicht bestehen. Zum guten Ruf einer Loge gehört drittens, dass ihre Gründung nicht leichtfertig geschehe. Die gewissenhafte Beobachtung der §§ 18 und 19 der "Allgemeinen Grundsätze" wird das aber zu verhindern wissen". Einfacher erklärt die Nr. 1 der "Freien Bauhütte" den Ausdruck: Freie Loge. In derselben heisst es auf Seite 5: Für freie Logen sehe ich alle die an, die nicht dem Grosslogenbund sich beugen. . . . D. Schriftleiter. Bedenklich allerdings erscheint mir in den Grundsältzen der Absatz 2 des § 8, welcher lautet: Demnach darf im Deutschen Reiche jeder Reichsangehörige von Rechts wegen Logen gründen. Das Grundgesetz des Bundes findet sich in Nr. 7 "das Wort", Bausteine für Freimaurerei, abgedruckt. Es besteht aus 19 Paragraphen und beginnt: Bundesgesetz des Bundes frei arbeitender Johhannislogen, Sitz Berlin. § 1. Gründung und Grundlage. Der Bund frei arbeitender Johannislogen (Sitz Berlin) ist am 3. Juni 1912 gegründet worden. Die Grundlage des Bundes bilden die als Norm anerkannten "Allgemeinen Grundsätze der Freimaurerei", Inhalt der Alten Pflichten, sowie die wesentlichen Teile der altüberkommenen freimaurerischen Symbolik una ritüllen Zeremonien, wie solche in den Katechismen der drei Johannisgrade enthalten sind. § 2. Zweck. Der Zweck des Bundes ist: 1. die Wahrung und Pflege der Gesamtinteressen und insbesondere der weitere Ausbau der frei arbeitenden Johannislogen nach innen und nach aussen, 2. die Anbahnung gegenseitiger näherer Fühlung durch Gestattung gegenseitigen Logenbesuches. § 3. Bundesrat. Die gesetzgebende Körperschaft des Bundes ist der Bundesrat. In diesem ist jede verbündete Loge für je angefangene 20 Brüder durch einen zur Meisterschaft gehörigen Bruder vertreten, von denen einer der Mstr. v. St. sein muss, deren Amtsdaür vorläufig auf drei Jahre festgesetzt ist. Einer dieser Brüder führt den Titel "Bundesvertreter" und vermittelt den Verkehr zwischen der Bundeszentrale und seiner Loge. Desgleichen ist jede verbündete Loge bei der Bundeszentrale durch einen Repräsentanten vertreten. § 4. Die Oberleitung der Bundesgeschafte liegt in den Händen der Bundesbeamten, denen durch die erfolgte Wahl die vollziehende Gewalt übertragen ist. Die Zahl derselben ist zurzeit auf vier festgesetzt: 1. den hammerführenden Vorsitzenden, mit dem Titel Bundes-Vorsitzender, 2. den Schriftführer, mit dem Titel Bundes-Schriftführer, 3. den Schatzmeister, mit dem Titel Bundes-Schatzmeister, 4. den Redakteur des Bundesblattes "Das Wort – Bausteine für Freimaurerei", mit dem Titel Bundes-Redakteur. Die Wahl der Bundesbeamten erfolgt vorläufig auf drei Jahre und zwar stets bis zum 1. Juli des Jahres. Wiederwahl ist bei den Beamten 1-3 zulässig. Bei dem Bundesredakteur soll im Interesse des Bundesorganes eine Neuwahl jeweils nur dann stattfinden wenn zwingende Gründe vorliegen. Die Zentralstelle des Bundes befindet sich bei derjenigen Loge, welcher der Bundes-Vorsitzende zugehört. In Behinderungsfällen ernennt der Bundes-Vorsitzende seinen Vertreter aus der Reihe der Bundesräte. Die folgenden Paragraphen handeln von den Bundesbeamten, von dem Bundesorgan, vom Ritual usw. Bundessitzungen sind bis jetzt zwei abgehalten worden und zwar jedesmal im August in Leipzig in den Räumen der isolierten Loge Lessing. Der Bund hoffte, diese Loge auch erhalten zu können, doch scheiterte bisher der Anschluss an dem Widerstand der Mehrheit der Lessingbrüder, die nur einem Anschluss an eine anerkannte Loge bezw. Grossloge zustimmen wollen bez. wollten. Am 17. August 1913 beschloss man, die Satzungen vollständig umzuarbeiten, und sodann nahm die Versammlung den Bericht über die vom Br. Baürfeld geplante "Freie Bauhütte" entgegen. Die allgemeinen Grundsätze, nach denen die Leitung geführt werden soll, fanden Beifall. Es wurde beschlossen, dass Bund und Zeitschrift von einander unabhängig bleiben sollen. Die "Freie Bauhütte" wurde zum Organ des Bundes bestimmt; vorläufig auf ein halbes Jahr. Es wurde den Logen empfohlen, für jeden Bruder ein Exemplar zu beziehen. Nunmehr erscheint seit September 1913 im "1. Baujahr", in der "1. Lage" die "Freie Bauhütte", Monatsschrift für frei arbeitende Johannislogen. Herausgegeben von Brüdern der Freimaurerloge Lessing zu Leipzig. Als "Verantwortlicher Verleger und Drucker" zeichnet: August Baürfeld in Leipzig-Eutritzsch. Damit hatte man "Das Wort", das ja vornehmlich das Organ des Illuminaten-Ordens ist, als Bundesblatt fallen lassen, wohl in der Hauptsache wegen den eingetretenen Differenzen mit den Illuminaten-Brüdern. Darum musste ja auch der Bundesschriftführer Brandes dem Bundestage 1913 vorstehen. Er bedaürte, dass der erste und der zweite Bundesvorsitzende ihr Amt wegen Meinungsverschiedenheiten über die Illuminatengrade einer dem Bunde angehörigen Loge niedergelegt hatten. Dass sich Differenzen mit dem zum Bunde gehörigen Illuminatenlogen herausbilden mussten, ist ja nicht verwunderlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Bund nur die 3 Johannisgraden anerkennt, die Illuminatenlogen dagegen auch noch Hochgrade bearbeiten. Ebenso leicht werden sich wahrscheinlich auch Differenzen zwischen der Bundesleitung und der ausserhalb des Bundes stehenden Redaktion der Monatsschrift für frei arbeitende Johannislogen einstellen. Der Bund, der im Juni 1914 auf ein zweijähriges Bestehen zurückblickt und aller drei Jahre seinen Bundesvorsitzenden zu wählen hat, steht heute im Zeichen seines dritten Bundesvorsitzenden. Er fordert für die Anschliessung einer Loge von der Kasse 25 M. und als Jahresbeitrag von jedem Bruder 2 M. Logen, die sich in dem Bunde vereinigt haben, sind die Bauhütten Zum Firmament in Berlin, Adam Weishaupt zur Pyramide in Schöneberg-Berlin, Empor zum Licht in Chemnitz, Zu den 3 Schritten in Leipzig, Lessing zur Eintracht in Frankfurt a. M., Comenius zur Wahrheit in Hohen-Neuendorf, Wotan zu den drei Welten in Bremen, Kaiser Friedrich zur Gerechtigkeit in Königsberg, Concordia zum aufgehenden Licht in Düsseldorf, und das Maurer-Kränzchen in Steglitz-Berlin; auch die Bauhütte Holtei zu den 3 Welten in Breslau gehörte ihm kurze Zeit an. Rühmenswert ist, dass die Bundesleitung Mitglieder nicht durch Inserate herzuholt; sie hält dagegen in ihren Logen aufklärende Vorträge über den Bund, und hat dann jedermann in dieselben Zutritt. Allerdings sollte sie es auch nicht zugeben, dass die Bundesloge Adam Weishaupt zur Pyramide Mitglieder durch Inserate wirbt. Dass der Bundes-Vorsitzende von den Mitgliedern erwartet, dass sie ihm stets "isolierte" oder "unabhängige" Logen melden, bedingt das Lebensbedürfnis des Bundes. Der Vorsitzende ist äusserst rührig, den Bund zu vergrössern und ihn zu lichten Höhen zu führen. Doch ich glaube kaum, dass ihm dies gelingen wird; so leicht wie die Logen in den Bund einziehen können, eben so leicht werden sie bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten ihn auch wieder verlassen. Zurzeit allerdings ist der Bund in einer aufwärtssteigenden Linie. Und welches Prognostikon soll man ihm stellen? Immer und immer wieder werden die Führer bei Abbröckelungen gleich Delphijüngern die orakelspendende Priesterin fragen: Werden wir denn auch wirklich das Ziel unserer Wünsche erreichen? Was wird der nächste Bundestag in Berlin bringen? "Wie schwer ein Werk, Erst später wird sich's zeigen; Wie hoch ein Berg, Erkennt man erst beim Steigen." ------------------------- Die Entwickelung des Bundes frei arbeitender Johannis-Logen in Berlin zeigt folgende Tabelle: Joh.-Loge Zum Firmament (E.V.) in Berlin, Mittelstr. 16/17, zurzeit ca. 40 Mitglieder; konst. im Jahre 1870 als Kreuzbruderloge. Joh.-Loge(Illuminaten-Loge) Adam Weishaupt zur Pyramide (E.V.) in Schöneberg-Berlin, Hauptstr. 139, zurzeit ca. 40 Mitglieder; als Illuminaten-Loge 1880 entstanden in München, 1896 in Berlin, 1902 in Dresden, 1905 wiederum in Berlin. Joh.-Loge Empor zum Licht (E.V.) in Chemnitz, Waisenhausstr. 20, zurzeit 30 Mitglieder; konst. im Jahre 1901, ca. 10 Jahre als Loge geruht bezw. eingegangen, 1912 wieder entstanden. Joh.-Loge Zu den 3 Schritten [G(eburt), L(eben), T(od)] (E.V.) in Leipzig, Burgstr. 7, zurzeit 20 Mitglieder; entstanden am 29. Mai 1902 als König-Albert-Loge des Ref. Bürgerl. Freimaurer-Ordens Berlin; am 18. August 1908 spaltete sich die Loge in zwei Bauhütten, und die Loge unter dem bisherigen Stuhlmeister Albert nahm den Namen Zu den Lichtstrahlen an; 1910 nach dem Austritt des Stuhlmeisters nannte sie sich aus bestimmten Gründen Lessingloge. Der ausgetretene Stuhlmeister Albert gründete aber im Oktober 1910 mit seinen GeTreuen wiederum eine Bauhütte, nämlich die Loge Zu den 3 Schritten. Joh.-Loge Lessing zur Eintracht (E.V.) in Frankfurt a. M., Junghoferstr. 19, mit eigenem Tempel, hat zurzeit 20 Mitglieder; konst. im Jahre 1900. (Ende 1913 traten mit dem bisherigen Stuhlmeister ca. 10 Brüder aus; diese sind durch die Loge Apollo in Leipzig in die Gr.L.L. v. Sachsen eingetreten, um im Jahre 1914 in Frankfurt a. M. eine Sachsenloge zu eröffnen.) Joh.-Loge Comenius zur Wahrheit (E.V.) in Hohen-Neuendorf, zurzeit 15 Mitglieder; konst. vom Bunde Unabh. St. Joh.-Logen Altona am 14. Oktober 1908. Joh.-Loge Kaiser Friedrich zur Gerechtigkeit in Königsberg i. P., zurzeit 15 Mitglieder; konst. 1913. Sie verdankt ihre Entstehung dem Br. Jaschinski, dem früheren ersten Sekretär der Loge Zum Firmament in Berlin, der jetzt in Pr.-Eilau ansässig ist. Joh.-Loge Wotan zu den 3 Welten in Bremen, zurzeit 20 Mitglieder; konst. am 2. Januar 1910 als Bundesloge der Grossen Freimaurerloge Kaiser Friedrich zur Duldsamkeit in Berlin. Joh.-Loge Concordia zum auf gehenden Licht in Düsseldorf, zurzeit 30 Mitglieder; konst. am 13. März 1911 als Bundesloge der Grossen Freimaurer-Loge Kaiser Friedrich zur Duldsamkeit in Berlin. Joh.-Loge Holtei zu den 3 Welten in Breslau, konst. 1912; eingetreten in den Bund 1913; gedeckt 1914. Maurer-Kränzchen Steglitz-Berlin, wird im Oktober 1914 als Loge geweiht.
English translation: A.P. Eberhardt: On German Irregular Lodges. New information on Masonic Lodges in the last quarter-century.



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