Ordo Templi Orientis Phänomen — Peter-Robert König Interview 1998 (deutsch) — Friedrich Holländer, Jean-Paul Gaultier, Gugging, How to make your own McOTO, Massimo Introvigne, Sigmund Freud, Roberto Negrini, Clement de Saint-Marcq, L'Eucharistie, John Waters, Gordon Melton, Oscar Schlag, Salvador Dalí, Alfred Bader, Leo Navratil, David Bowie, Lonati, Erich Pabel Verlag, Utopia, Gnostika

Ordo Templi Orientis
background information

Ein Interview mit Peter-R. König

Gnostika Juli 1998
A.A.G.W.
Lothar von Kübelstrasse 1
D-76547 Sinzheim
Deutschland

Dieses Interview hat 1998 stattgefunden und wird hier erweitert wiedergege­ben.[1]
Version Juni 2011.





"Nein, Von Diesem Lichte Ess Ich Nicht !"




Frage: Einige kurze biographische Hinweise wären unseren Lesern sicherlich hilfreich, um Ihre bestimmt komplizierten Aussagen tiefgründiger verstehen zu können. Falls Sie es in Worten auszudrücken vermögen, bitten wir um einen kurzen Lebenslauf.


Antwort: Geboren 1959 in Zürich, Sohn einer Österreicherin und eines Schweizers, die sich im London nach dem Zweiten Weltkrieg kennenlernten. Durch meine Mutter habe ich eine tiefsitzende Abscheu gegenüber totalitären Lebenssystemen, von meinem Vater das Grüblerische geerbt. Als man mir an der Uni andeutete, dass man unmöglich über die Unterhaltungsmusik der 1920er Jahre dissertieren könne, da das nicht in die Studienfächer Ethnologie und Psychologie passe, zog ich nach Berlin um, machte mit einigen Exponenten der damaligen Neuen Wilden sogar bei einer Schallplatte mit, "Geile Tiere Berlin",[2] und gab mich auch sonst etlichen Exzessen hin. Ah ja, seit 1985 klaube ich Puzzlestücke zum O.T.O.–Phänomen zusammen.


Frage: Hinter Ihren Büchern, Interviews, Artikeln und Vorträgen scheint sich mehr zu verbergen als nur der Rekonstrukteur des O.T.O.–Phänomens. Sie scheinen ja die Provokation zu lieben. Bitte ver­setzen Sie sich in Ekstase, bevor Sie sich dazu äussern.


Antwort: Selbstverständlich. Ich fröne zweier Todsünden des Kleinbürgers: Völlerei und Zorn. Versöhnlichkeit oder political correctness führen zu zerfliessenden bedauerlichen Konfusionen aller Ar­ten, zu der geistig stickigsten Luft, zum schädlichsten Einfluss. Heftige Polemik hingegen lässt die Werte und die Positionen deutlich hervortreten und schafft einen hygienischen geistigen Zustand. Ich beschränke mich auf die objektivierende Ironisierung von FAKTEN (das funktionelle Kabel ist in seiner Schönheit einem Aluminiumtoaster gleich) und reisse somit das Anal–Tabu in kleine braune Teil­chen. In der Okkultur wuselt eine grosse Masse von Zweibeinern, die anonym und anti–kreativ tätig sind. Ich brandmarke allgemein das vollkommene Fehlen von Entschiedenheit und Wagemut, die Angst vor neuen Tatsachen, vor Worten, vor der Gefahr der Lächerlichkeit, und speziell die Schläfrigkeit des verfaulten okkulten Milieus und dessen Rezensoren in den intellektuellen Gruppierungen.

Die aussergewöhnlichste Intensität und Begabung werden immer unwirksam bleiben, wenn sie sich in der Schaffung eines abgeschlossenen Werkes vergeuden, das einer toten Richtung angehört. Dabei wäre es ganz einfach, Dinge über deren Grenzen zu schmuggeln. Keine neue Tradition, sondern als Beginn die Vorstellung eine Tradition in Frage zu stellen. Denn nur wer nicht genügend liest (sich nicht genügend informiert), kann etwas im Grunde genommen Gewöhnliches für revolutionär halten. Leider herrscht in der Okkultur bourgeoiser Aufstand gegen die traditionellen Werte, nur um sich jedoch wieder darin zu suhlen.[3] Also Widerspruch zwischen Revolution, Anarchie und dem bürgerlichen Schlafzimmer. Anbiederung an die Elite, Geld und Politik. Wäre Aleister Crowley am Leben oder hätte bessere Manager, er wäre eine ähnliche Spiessbürgerikone, wie es Andy Warhol fürs Wohnzimmer geworden ist.

Die Medien haben eine der Wirklichkeiten abgeschafft. Alles scheint gesagt, und es gibt nichts mehr, das es nicht gibt. Das Nichts leuchtet deshalb als letzter Zufluchtsort, als letzter weisser Fleck auf der Landkarte des populären Vergnügens auf. Die Popkultur (worin die Okkultur eine Nische besetzt) reflektiert die Konflikte und Werte dieser Kultur. Und somit beschreite ich zwischen Alarm und Achselzucken meinen Weg, um über das bedrückende Fehlen von innovativen Gedanken (auch in der Okkultur) und über die schwere Last der Gemeinplätze hinwegzukommen, die die momentanen Realitäten bevölkern. Überall betet man mehrheitlich die Patina an, die die Zeit auf den Ideen anhäuft. Dies ist die Folge von Produkten, die schon patiniert zur Welt kommen.

Unsere Okkultur ist ein dumpfbackenes Abbild derjenigen Masse, die keine Kreativität versteht, sondern sich auf monströse Plattitüden des Nichts der Spekulationen und der Vagheiten beschränkt.[4] Dumme Neuigkeiten, unmündiger Snobismus dienen auch hier der feinsinnigen Verschönerung der geistvollen Salonkonversation und der Korrumpierbarkeit von sich als Religionswissenschaftler oder Soziologen tarnenden [Wirtschafts]Juristen — und/oder Buchhändlern, die ihre Zunft aufblähen. Mit der üblichen Verzögerung haben sich zum Teil erschreckend tumbe Akademiker (die oft selber feige Okkultisten sind) mit ihren albernen Regeln und geruchlosen Rezepten der Okkultur angenommen, die nun wieder monetär im Supermarkt der Publikationen in vitro kultiviert und auf sog. internationalen Kongressen asexuell ausgeblutet wird,[5] wo man ihr ein Begräbnis 1. Klasse bereitet: die Leiche schüttelt, bis man meint, sie tanze wieder.

Akademiker in diesem Umkreis versorgen sich selbstreferentiell mit Jöbchen, Fussnoten und Essays in Nachschlagewerken und anderen Publikationen.


Es gibt vier Lehrstühle für Esoterik, wo sich der ehemalige ethnologische Untergrund des Abendlandes aus seinem Souterrain in die oberen Etagen der Gesellschaft hocharbeitet: An der École Pratique des Hautes Études an der Sorbonne in Paris, die aber keine eigentliche Universität ist (bis 2001 unter Antoine Faivre, jetzt unter Jean–Pierre Brach), seit 1999 an der Universität von Amsterdam (unter Wouter J. Hanegraaff) und seit 2005 an der University of Exeter (unter Nicholas Goodrick–Clarke, gest. 2012). Den vierten Lehrstuhl gibt es seit dem 18. Mai 2006 an der Päpstlichen Universität San Tommaso d'Aquino (dem so genannten Angelicum unter Michael Fuß). Bei der Finanzierung der Lehrstühle gilt es, zu differenzieren. Frankreich und England werden staatlich unterstützt. Amsterdam hingegen beruht auf einer Stiftung aus Geldern von Rosalie Basten. Der Amsterdamer Lehrstuhl besitzt keine eigene Bibliothek, kooperiert jedoch mit der Bibliotheca Philosophica Hermetica des Joost R. Ritman, die seit wenigen Jahren Literatur nach dem 19. Jahrhundert ankauft. Diese Bibliothek ist nicht mehr im Besitz von Ritman persönlich, sondern steht unter Staats– oder Stadt Amsterdam–Aufsicht. Als Restabilisierungs–Massnahme nach grossen finanziellen Schwierigkeiten in den 90er–Jahren übernimmt der holländische Staat 40% der weltweit einmaligen Bibliothek und stellt die gesamte Bibliothek unter seinen Schutz. Ende 2010 gerät die Bibliothek jedoch unter Druck, der von Seiten der Bank auf den 60%–Anteil des Gründers Ritman ausgeübt wird. Die Bibliothek wird geschlossen und es besteht die Gefahr eines Verkaufs und damit der Auflösung und Zerstreuung der Sammlung. Erschwerend kommt hinzu, dass die neugewählte holländische Regierung einen Kurswechsel einleitet und radikale Finanzkürzungen auch für den Kultursektor ankündigt.[6] Um einen Verkauf zu verhindern, sammelt Hanegraaf online Unterschriften für eine Petition.[7]


Zur selben Zeit, wie sich die Okkultur in der academia ausbreitet (oder auch umgekehrt: wie sich die academia der Okkultur bemächtigt), wird das Internet Bestandteil des mainstreams. Während die okkulte academia aber an reaktionäre Mechanismen wie Prestige und Geld gebunden wird, bricht das Internet die Monopolisierung von Wissen auf und lässt eine Art Junk–Postmoderne in die Wohnzimmer strömen. Der Wert des Wissens ist jedoch ebenfalls einem Wandel unterworfen, wie auch der Wert der Kunst, die seit Marcel Duchamps und Joseph Beuys überall ist. Im Bereich der Kunst hat die Installation, die Performance und der Ort der Inszenierung (die Galerie, das Museum) die alte Tradition des Originals übernommen, während das Internet jeden zum Experten macht und das Wissen unendlichfach replizierbar. Es entsteht eine neue, kulturtechnologische Kluft, mit der seriös von unseriös unterschieden werden soll: was auf Papier gedruckt wird, gilt als seriös, was nur auf dem Bildschirm ist, als unseriös. Die academia gerät unter Druck: immer schneller jagen sich die Nachschlagewerke, die in den inzestuösen Zirkeln der immer selben okkulten Akademiker entstehen. So wird intellektueller Stillstand erzeugt, ein radikaler Konservatismus, eine anti–Neugier. Fragen und Offenheit werden durch Schablonen ersetzt. Eine Nabelschau der Okkulisten.


So halte ich meinen Kopf einem rohen, blutenden Stück Wahrheit hin, die anderen kokettieren weiter. Ich verwende dabei eine Sprache, die mir einfach zugefallen ist, da ich mir durch höchste Genauigkeit und Ehrlichkeit das Recht erwirkt habe, aus meiner Art der Heiterkeit Kraft zu schöpfen und dabei trotzdem Friedrich Holländers Chanson von 1958 über den Clown zu singen:


"In den Klischees hausen die Motten
 Und bringen nicht die grossen Sujets
Spötter­dämmerung kommt auf leisen Sohlen
Aus der Belämmerung ist kein Witz zu holen"


Frage: Bedienen Sie sich dabei selber des postmodernen Rollenspiels?


Antwort: Die Postmoderne entdeckt die aufgebrochene Gleichheit zwischen der Person und ihren Rol­len. Ihr sind multiples oder dezentriertes Selbst die neuen Landmarken zum Verständnis. Die Ver­knüpfungen zwischen den Fragmenten (oder der fragmentierten Wahrnehmung) haben nach wie vor einen Grund, aber es steckt nun keine letztgültige Wahrheit mehr dahinter. Dies führt zum Postulat der Instabilität von Bedeutungen und deren Simulation als Rollen.

Eines der beliebtesten (ok)kulturellen Rollenspiele ist die Wiederverzauberung der Welt durch Marken/Ikonen/tradierte Symbole und der Frage, was sie zu bedeuten haben. Längst lebt es uns die Werbung vor: die Ikone ist die Robe der neuen Geistlichkeit, das Zepter einer Definitionsmacht, die die Einöden mit neuem Lebenssinn erfüllt. Die Formel geht auf: Während die Welt in einem homogenen Lifestyle gleichgeschaltet wird, sind (auch religiöse) Ikonen für die Illusion zuständig, es geschehe das Gegenteil: Adidas und O.T.O., Familienwerte und Aleister Crowley: wo alles zerfliesst und sich im Wandel befindet, schafft die Ikone Halt und Zugehörigkeit: Die Ikone dient der Kosmetik der Existenz, denn wo Glaube schwindet, gedeiht Stil. Mode ist ein ständiger Test des Charakters, der Selbster­kenntnis und des Geschmacks. Die richtige Wahl spiegelt unsere innersten Gefühle für die Welt. Und solange ich Designer–Brillen von Jean–Paul Gaultier oder Chanel und Parfum von Knize Ten trage (Jacken von Armani, Hosen von Jack & Jones, Schuhe von Diesel) (aus meinen Sennheiser Kopfhörern dringen Töne von Webern, Boulez, Antheil, Cage, Ligeti, Lutoslawski, Martinu und Schönberg) und eine originale Joseph Beuys–Filzpostkarte neben über 20 Meter Science Fiction Heftchen aus den 1940er, 50er und 60er Jahren bei mir zuhause Staub ansammeln, bin ich an einer solchen Rhetorik interessiert.

Und wo ist der Unterschied zwischen Dada–Kunstwerken (von denen ein paar an meinen Wänden hängen) und Originalgemälden, die für den Umschlag von sogenannten Ramschheftchen gedient haben?





Utopia Grossband 160, J. E. Wells (Pseudonym von Eberhard Seitz), "Der Planet der Roboter", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1959, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati (1924-1990). Original in meinem Besitz.

Utopia Grossband 160, Erich Pabel Verlag, J. E. Wells, Der Planet der Roboter, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati



Utopia Zukunftsroman 272, Kenneth Bulmer, "Verbotene Welten", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1960, "The Changeling Worlds", Titelbild: Karl Stephan (H. Albrecht) (1923-1980). Original in meinem Besitz.

Utopia Zukunftsroman 272, Erich Pabel Verlag, Kenneth Bulmer, Verbotene Welten, The Changeling Worlds, Titelbild  Stephan (H. Albrecht)



Pabel Kriminal Fledermaus 111, W.T. (Willis Todhunter) Ballard (P.D. Ballard, Harrison Hunt, Neil MacNeil, Jack Slade, John Shepherd), "Flucht vor dem Schicksal", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1961, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati (1924-1990). Original in meinem Besitz.

Pabel Kriminal Fledermaus 111, W.T. Willis Todhunter Ballard P.D. Ballard, Harrison Hunt, Neil MacNeil, Jack Slade and John Shepherd Flucht vor dem Schicksal, Erich Pabel Verlag, Rastatt Deutschland 1961, Titelbild Rudolf Sieber-Lonati 1924-1990



Utopia Zukunftsroman 330, Mark Powers, Der Held Des Weltalls, Freder van Holk, "Die Roboter von Nova Atlantis", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1962, Titelbild: Karl Stephan (H. Albrecht). Original in meinem Besitz.

Utopia Zukunftsroman 330, Mark Powers, Der Held Des Weltalls, Freder van Holk, Die Roboter von Nova Atlantis, Erich Pabel Verlag, Rastatt Deutschland 1962, Titelbild Karl Stephan (H. Albrecht)



Mark Powers 4, Jay Grams (Jürgen Grassmück, Dan Shocker) "Die Marionetten der 4. Dimension", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1963, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati (1924-1990). Original in meinem Besitz.

Mark Powers 4, Jay Grams Jürgen Grassmück, Dan Shocker Die Marionetten der 4. Dimension, Erich Pabel Verlag, Rastatt Deutschland 1963, Titelbild Rudolf Sieber-Lonati 1924-1990



Utopia Zukunftsroman 404, Manfred Wegener: "Wettlauf mit dem Tod" 2. Teil, Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1964, "mit Mark Powers. Der Held des Weltalls", Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati. Original in meinem Besitz.

Utopia Zukunftsroman 404, Erich Pabel Verlag, Manfred Wegener Wettlauf mit dem Tod 2. Teil, mit Mark Powers. Der Held des Weltalls, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati



Utopia Zukunftsroman 407, John Brunner: "Die Sitten der Oheaner", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1964, "The Rites of Ohe", Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati. Original in meinem Besitz.

Utopia Zukunftsroman 407, Erich Pabel Verlag, John Brunner: Die Sitten der Oheaner, The Rites of Ohe, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati



Kommissar X 263, Bert F. Island, "Haus des Grauens", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1964, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati (1924-1990). Original in meinem Besitz.

Kommissar X 263, Bert F. Island, Haus des Grauens, Erich Pabel Verlag, Rastatt Deutschland 1964, Titelbild  Rudolf Sieber-Lonati 1924-1990



Utopia Zukunftsroman 417, R. Lionel Fanthorpe: "Dorora, das, Marsungeheuer", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1964, "The Waiting World", Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati. Original in meinem Besitz.

Utopia Zukunftsroman 417, Erich Pabel Verlag, R. Lionel Fanthorpe: Dorora, das, Marsungeheuer, The Waiting World, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati



Utopia Zukunftsroman 457, W.W. Shols (Winfried Scholz): "Ballett der Roboter", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1964, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati. Original in meinem Besitz.

Utopia Zukunftsroman 457, Erich Pabel Verlag 1964, W.W. Shols (Winfried Scholz), Ballett der Roboter, Titelbild Rudolf Sieber-Lonati



Utopia Zukunftsroman 478, Manfred Wegener: "Ausbruch aus der Ewigkeit" = "Mark Powers — Der Held des Weltalls" 28, Erich Pabel Verlag Rastatt/Deutschland 1966 — als Taschenbuch: Mohlberg-Verlag Köln 2011, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati. Original in meinem Besitz.

Utopia Zukunftsroman 478, Manfred Wegener Ausbruch aus der Ewigkeit Mark Powers — Der Held des Weltalls 28, Erich Pabel Verlag Rastatt Deutschland 1966 — als Taschenbuch  Mohlberg-Verlag Köln 2011, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati



Utopia–Zukunft 277, "Die Phase des Schreckens. Ein Kurzgeschichten–Cocktail" (herausgegeben von John Carnell. 1 Brian W. Aldiss: "Die Stimme der Vernunft" ("Basis for negotiation"), 2 John Rackham: "Der letzte Salamander" ("The last salamander"), 3 Colin Kapp: "Die Phase des Schreckens" ("Lambda I"), 4 Michael Moorcock: "Der Strom der Zeit" ("Flux"); Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1966, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati. Original in meinem Besitz.

Utopia Taschenbuch 277, Erich Pabel Verlag, Die Phase des Schreckens. Ein Kurzgeschichten–Cocktail, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati



Utopia–Zukunft 297, Lester Del Rey: "Der unschuldige Roboter", Erich Pabel Verlag, Rastatt/Deutschland 1967, "The Runaway Robot", Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati. Original in meinem Besitz.

Utopia Taschenbuch 297, Erich Pabel Verlag 1967, Lester Del Rey: Der unschuldige Roboter, The Runaway Robot, Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati



Terra Extra 171, Fletcher Pratt, "Mann aus der Maschine", Moewig-Verlag, München/Deutschland 1967, "Double Jeopardy", Titelbild: Karl Stephan (H. Albrecht). Original in meinem Besitz.

Terra Extra 171, Fletcher Pratt, Mann aus der Maschine, Moewig-Verlag, München Deutschland 1967, Double Jeopardy, Titelbild Karl Stephan (H. Albrecht)





Es geht nicht mehr um auswechselbare Realitätspuzzleteile nacheinander, sondern um deren abso­lute Gleichzeitigkeit. Oder wie es freie, d.h. nicht an einen O.T.O. gebundene Thelemiten/Crowleyaner formulieren würden: der Aeon des Horus und der Aeon der Ma'at sind JETZT schon immanent. Kulturelle Haltung geschieht nicht einfach so, sondern wird inszeniert.


Dieses gilt es, kreativ zugänglich zu machen. Deshalb bediene ich mich einerseits eines vor–romanti­schen Konzepts, in dem es keine Geschichte, sondern Geschichten gibt –– andererseits begebe ich mich in eine nicht–lineare zustandsgebundene Trance ausserhalb des Alltagsbewusstseins, ähnlich der Künstler im 'Haus der Kunst' zu Gugging (von denen ich ebenfalls etliche kleine Originale besitze, die mir zum Teil sogar persönlich in meiner Anwesenheit erstellt worden sind — ein Jahr bevor ich über den O.T.O. zu recherchieren begann), wenn ich solche Essays wie "Die ekstatische Erzeugung von Kultur",[8] "Die McDonaldisierung der Okkultur"[9] oder dieses Interview entwickle. Ich designe Welt–Partikel per Zu–Fall. Peter-Robert Koenig im Haus der Künstler in Gugging —  10. Mai 1984 —  Gemälde von  August Walla

Peter–Robert Koenig im "Haus der Künstler" in Gugging — 10. Mai 1984 — Gemälde von August Walla







Ausserdem besitze ich ein paar Originale von okkulten Künstlern, z.B.:



Michael Paul Bertiaux (Gnostische Kirchen und O.T.O.A.)

Michael Paul Bertiaux





William Wallace Webb (XI°)

William Wallace Webb





Johannes Maikowski (Fraternitas Saturni)

Johannes Maikowski Johannes Maikowski





Philippe Pissier, ehemaliger Protagonist des 'Caliphats' in Frankreich
(Summary of his Case, October 2008 — O.T.O. in Russia)

Philippe Pissier





Frage: An dieser Stelle erst kommen wir nun auf das zu sprechen, womit Sie bekannt geworden sind. Warum stellt der O.T.O. einen Hauptpunkt Ihrer Forschungen dar? Was verbinden Sie damit?


Antwort: Ich spüre, worauf Sie hinauswollen, kann jedoch weder Ihnen noch mir eine klare Antwort geben. Offenbar ist der O.T.O. ein Ort typischer grenzziehender Spielchen einer von affenähnlichen Vorfahren abstammenden, ihr Revier durch Gebrüll und Selbstverständigung absteckenden Bioform, die ihre Selbstdefinition einem weltaneignenden Bündel von sich endlos reproduzierenden Praktiken verdankt. Im Zusammenhang mit Sperma-Gnosis scheint diese Komplexität diejenige Tonform zu sein, mit der ich mich auszudrücken gelernt habe. Eines ist sicher: ich habe das Bedürfnis, etwas von der Gesellschaft widerzuspiegeln. Ihr und mir zum Amüsement. Und so bilde ich z.B. den US–O.T.O. (das Caliphat) als genmanipuliertes Kompromissgebilde und Anpassungsopfer der Konsumbedürfnisse der westli­chen Gesellschaft ab, das bis hin zu Mozart und Mahler als Hintergrundmusik der Einweihungsrituale den Alltag beschreibt. Abgesehen vom Orchestrieren komplizierter Wortfolgen und deren Weltbilder habe ich bislang jedoch keine Verbindung zwischen O.T.O. und meinem persönlichen Leben entdeckt. Damit habe ich mich auch gekonnt und erfolgreich von jeglicher Korrumpierbarkeit fernhalten können und biete mich als Projektionsfläche des vorhin erwähnten Nichts dar.

Erwartungsgemäss erzeugt meine Beschäftigung mit dem O.T.O. amüsante Bonbons: Bücher, gegen die man vergeblich juristisch vorgehen wollte ("Materialien zum O.T.O.", "How to make your own McOTO"); meine Identität im Internet wurde mehrmals gefälscht;[10] eine Zeit lang existierte eine Fan–homepage "The P.R. König–Phenomenon" im Internet;[11] im November 1996 wurde meine Website gehackt, man schickte mir Pornographie ins Haus (an dieser Stelle sei dem edlen Spender für seine Anonymität gedankt); selbst vor Morddrohungen wird nicht zurückgeschreckt.[12]


Frage: Fällt Ihnen grad irgendeine Anekdote aus Ihren Forschungen ein, die die Interpretation einer, irgendeiner Ihrer Gemütslagen zulässt?


Antwort: Februar 1997, Cefalù, internationaler Aleister Crowley–Kongress: bezahlt von der Stadt Pa­lermo, Teilnehmerliste erstellt von Massimo Introvigne (von C.E.S.N.U.R.). Trotz Jammern wurde William Breeze, der Chef des US–O.T.O., der Caliph, nicht eingeflogen: keine geouteten Okkultisten sollten das schöne Bild der heh­ren Spezialisten verderben.


Viele dottori e professori beteiligten sich an den Lesungen und dachten, sie hätten viel zum Thema Crowley zu sagen.[13] Hatten sie aber nicht, was sie jedoch trotzdem mit ebenso vielen italienischen Ausdrücken taten, die ich nicht verstand. Erstaunlicherweise versuchen viele Leute, Crowley als Poe­ten ernst zu nehmen. Italienische Schauspielerinnen, oder was die Italiener dafür halten, solange sie freizügige Kleidung tragen, intonierten Crowley–Gedichte. Jemand zeigte erregt eine Kiste mit Materialien, die Crowley bei seinem Weggang von Cefalù liegen ließ. Fotos des Meisters, nackt am Strand. Man murmelte: "Aha, das war also das Große Tier des Großen Tieres." Jemand zeigte einen Film, der die Phantasie des Regisseurs zu Crowleys Aufenthalt auf Cefalù umsetzte. Ich fand ihn ziemlich passend, da viele Frauen fröhlich nackt auf dem hügeligen Gelände herumhüpften. So in etwa stellte ich auch mir die O.T.O.–Leute vor. Nicht unter Crowleys Regime, aber auf dem Monte Verità in der Schweiz 1917. In der Reuss–Loge auf dem Berg der Wahrheit, wo sich Anarchisten, Sonnenanbeter, Künstler, Tänzer und Freidenker trafen. Ich kannte die entsprechenden Fotos des ausgelassenen Treibens im Tessin. Crowley führte jedoch alles andere als eine muntere Truppe. Bei ihm herrschte verbissene Frömmigkeit beim Sex und Drogenkonsum.

Selbstverständlich denken Italiener, dass Crowley ein Frauenheld gewesen sei und ignorieren dabei völlig die Tatsache, dass Crowleys Vorlieben Oral– und Analverkehr mit Männern galten. Ich erinnere mich, dass ich meinen italienisch gehaltenen Vortrag mit einem verbalen Cocktail aus Sperma– und Vaginalsekreten anreicherte (obwohl mich Massimo Introvigne im Vorfeld darum gebeten hatte, dies zu unterlassen. Ich lehnte es jedoch ab, mich zum Handlanger der Produktion von Unbewusstheit zu machen.) Daraufhin brach eine hitzige Debatte unter den anwesenden Jour­nalisten aus. Einer sprang erregt auf und brüllte, weshalb hier Crowley skandalisiert werde, worauf Introvigne kühl erwiderte, über Crowley zu sprechen und Sperma–Gnosis wegzulassen, sei, wie über Rubens zu reden und seine Malerei nicht zu erwähnen, oder über Sigmund Freud ohne Sex zu referie­ren. Auch Roberto Negrini (Kopf des italienischen O.T.O.A.), der in der ersten Reihe des Publikums sass (die zweite Reihe war mit krawattierten italienischen Ablegern von Hermann Joseph Metzgers Schweizer O.T.O. be­setzt), sprang auf und hielt mir einen langen Monolog entgegen. Langsam begann ich einzuschlafen und starrte geistesabwesend ins Leere. Plötzlich schockierte mich Introvigne, als er seinen Kopf drehte (er sass neben mir) und meinte: "Maybe Mr König wants to answer to this." Entsetzt entschied ich mich, nicht auf italienisch zu antworten: "Aehm, well, I did not understand everything that Negrini said, could you please translate it into English?" Was Introvigne dann auch tat. Zu meiner erneuten Überraschung verstand ich trotzdem nichts. Neugierig auf das, was ich nun sagen würde, ergriff ich das Mikrophon und schaute durch Negrini hindurch: "Listen, you have to look behind things" und erklärte nochmals die Bedeutung von Sperma als Träger des Logos und die daraus abzuleitende Frauenfeindlichkeit. Ich wies auf die geheimste Schrift des O.T.O. hin, Clément de Saint–Marcqs "L'Eucharistie"[14] und dass zur Konsumation von Sperma zur Gottwerdung konsequenterweise keine Frauen nötig seien. Ernüchtert schwiegen nun alle, offensichtlich betäubt von soviel Missach­tung der Italianità.

Peter-R. Koenig, PierLuigi Zoccatelli, Massimo Introvigne Peter Robert Koenig, PierLuigi Zoccatelli, Massimo Introvigne Aleister Crowley Congress Cefalu


Abends ging der Zirkus weiter. Alle Vortragenden erhielten die Einladung der Beauftragten von Pa­lermo, an einer Stadtrundfahrt teilzunehmen. Ich dachte, besser als Crowleys zerfallene Abtei Thelema inmitten hässlicher Wohnblocks kann es ja schnell werden.[15] Wir starteten um 18.00 von Cefalù aus. Die Fahrt nach Palermo dauerte eine Stunde und alle waren in kleinste Kleinwagen zusammengepfercht. Ich entdeckte, dass jeder Italiener mindestens EIN drahtloses Telephon besass und oft redeten drei Leute gleichzeitig in den Wagen drauflos. Manchmal miteinander, meistens nicht. Kaum in Palermo angekommen, entschied Adele X, die Beauftragte, dass wir die Stadt vom Innern der Wagen aus zu bewundern hätten. So wurden wir drei Stunden lang durch die Nacht geschleift. Selbstverständlich sahen wir nichts. Adele wollte uns eine berühmte Kirche zeigen. Selbstverständlich war diese geschlos­sen und so fanden wir uns alle plötzlich im örtlichen Wachsmuseum wieder. Dort kam Adele die spontane Idee, uns eine lokale Kulinarität probieren zu lassen, sie wisse auch schon eine geheime Adresse für sowas. "E dopo bambini, andiamo a casa mia to have some champagne." Oh–oh, Adele, um die 60, war sicherlich interessiert am IX°–O.T.O., glaubte ich einem gefährlichen Glitzern ihrer Augen zu entnehmen. So wurden wir also wieder in die Kleinwagen gestapelt und entlang irgendeiner Küste gefahren. Adele hatte ihre Freundinnen dabei. Die Aristokratie von Palermo. Damen in prächti­gen Pelzen, 10 Kilo Gold an jedem Handgelenk, teuerstem Schuhwerk und Haartrachten wie aus John Waters Filmen. Schliesslich landeten wir an einer schmierigen Fastfood–Bude inmitten des Nichts. Fettige undefinierbare Hamburger. Gordon Melton[16] flüsterte mir zu "In America we call this slums." Ich raunte zurück "But here, they call it Italy." Man stelle sich das Bild vor: auf der einen Seite die komischen Religions–Freaks Negrini, Introvigne, Melton, König etc., auf der anderen Seite pelzige Ladies, die ihre Burger schmatzten und Coca Cola schlürften. Eine sog schon an einer Zigarre. Endlich wurden wir ins Luxusappartement von Adele geschleppt, einer Mischung aus Federico Fellini und Luchino Visconti. Wir nippten an Champagner und bezahlten unseren Obulus: "Che bella casa, vera­mente bellissima." Introvigne sah aus wie ein Clown mit seiner Baskenmütze, stakste rum und son­derte Stories ab, während man uns wie exotische Vögel im Zoo musterte. Ich, leise zu Introvigne: "Hee, wieso lassen wir nicht Negrini eine Schwarze Messe zelebrieren?", aber dies wurde nach einigem Zögern mit dem Hinweis auf eine möglicherweise daraus resultierende endgültig ruinierte Reputation abgelehnt. Aha.

Nach ein paar Minuten wurde Adele laut: "Eee bambini, non sono invitati per 10 giorni, ma per 10 minuti soltanto." Und so standen wir bereits wieder vor der Tür, jedem Raucher wurde noch schnell ein Aschenbecher für nach Hause in die Hand gedrückt und um 00.30 waren wir zurück auf Cefalù.


Frage: Ach. – Wie wir aus "Under Cover",[17] "Aries" und einigen Faksimiles in Ihren eigenen Büchern entneh­men können, tragen Sie zahlreiche esoterisch–okkulte Titel.[18] Ist das nicht ein Widerspruch zu dem, was Ihnen Ellic Howe mitgegeben hat: "Never trust an occultist"?


Antwort: Nein. Korrektes ethnologisches Arbeiten verlangt Mit–Einbeziehen der eigenen Person. Des­halb auch dieses Interview. Um intensive (ethnologische) Feldstudien zu betreiben, bin ich Mitglied mehrerer konkurrierender O.T.O.– und F.S. Gruppen geworden; um einerseits zu zeigen, a) wie einfach man Mitglied wird, b) welche Techniken dabei benutzt werden, c) um Insider–Material zu erlangen, d) um Direkt–Informationen über die Mitglieder sammeln zu können und e) um ALL diese Informationen publizieren zu können. Vielleicht verstehen Sie den Vergleich vom Forscher bei den Wilden Stämmen im Dschungel besser?

Ich machte von Beginn an klar, dass meine Haltung gegenüber ALLEN O.T.O.– und F.S.–Gruppen eine kritische ist und ich NIEMALS vorhatte, mich persönlich mit Okkultismus zu befassen. Mein Kontakt zur Ok­kultur, so auch die Anhäufung der von Ihnen angesprochenen Titel, Ämter und Würden, geschah EINZIG zum Zwecke der Dokumentation und Publikation.[19]


Frage: Entwerfen Sie mit Ihrer Feldforschung eine Art Philosophie des Ausgegrenzt­seins?


Antwort: Ihre Frage ist der Evidenz aufs Knie gesetzt. Eines meiner Themen scheint die Entfrem­dung/Alienation innerhalb der Gesellschaft zu sein.

Es gibt verschiedene Alien–Diskurse: popkulturell, wissenschaftlich und paranoid–parareligiös–esote­risch. Alle drei nähren, umzingeln und vergiften einander. Es geht um geborgte Legitimation: während man sich von den Deplatziertheiten (Pop), Peinlichkeiten (Esoterik), Steifheiten (Wissenschaftlichkeit) des je beliehenen Fremd–Diskurses distanziert, glaubt man, die Inhalte konvertieren zu können: "die reden übers selbe, also ist es wirklich." Sind die Alien–Fantasien aus dem Munde von Okkultisten die­selben, wie die aus dem Munde von Abductees, schwarzen Freejazzern, Hip–Hoppern oder Science Fiction–Lesern?

Auch im Okkultismus tummeln sich codierte Ausgrenzungsgeschichten um Unterdrückung und Rassi­fizierungen (Ma'at, Lovecraft). Das Interesse an Ikonographie, Präsenz, Penetranz und Verbreitung der Figur ALIEN (z.B. EXORIAL, Aiwaz, Abramelins Dämönchen, Lam, etc.) führt zur Aktualität von Aleister Crowleys Thelema. Je nach Interessenlage kann das Alien heutzutage jedoch alles sein, ein Virus, der eigene Körper, ein Objekt der Abwehr, der Identifikation, ein Kritiker, eine andere Religion, Choronzon. Doch so unterschiedlich die Codierung auch ausfallen mag, an der Figur des Alien bündelt sich zunehmend die Auseinandersetzung um Motive, welche die Geistesgeschichte von Anfang an beschäftigt hat: die Be­ziehungen zwischen Ich und Anderem, Alterität und Selbstbezug, Mensch und Roboter: eine Begriffsfolie, die sich über alle komplizierten Verhältnisse wie auch Körper/Schmerz, Mehrheiten/Minderheiten, Rassis­mus/Sexismus etc. stülpen lässt.

Wann und weshalb werden die Aliens zu bewunderten Freunden/Engeln von da draussen? Natürlich dann, wenn man mit der richtigen Dröhnung (Droge, Yoga, soap opera) erstmals selber eine Pflanze, ein Wasserfall oder Lucifer werden kann.


Frage: Und welche 3 Bücher, ausser Ihren eigenen, können Sie empfehlen, um Ihren Ansatz zum Ver­ständnis der Okkultur besser zu begreifen?


Antwort:

  • Salvador Dalí: "Unabhängigkeitserklärung der Phantasie und Erklärung der Rechte des Menschen auf seine Verrücktheit", Rogner und Bernhard, München 1974
  • Alfred Bader und Leo Navratil: "Zwischen Wahn und Wirklichkeit", Verlag Bucher, Luzern und Frankfurt 1976
  • Alle Bücher der Ethnopsychologen Fritz Morgenthaler und Mario Erdheim. Alle Dokumentarfilme der österreichischen Filmemacherin Elisabeth T. Spira und des österreichischen Filmemachers Ulrich Seidl.


Und selbstverständlich das Gesamtwerk David Bowie, des reichsten Dreigro­schen–Gnostikers der Neuzeit, der 1974 die herrliche Zeile kreierte: "you're dancing where the dogs decay, defecating ec­stasy."[20]


Ende der Ekstase





ENDNOTEN


[1] Urversion in: " GNOSTIKA" 2;3 vom Juli 1998, Sinzheim 1998.


[2] Sound-Probe Geile Tiere.


[3] Besonders deutlich wird die reaktionäre Haltung im Bericht über die "First National Conference" des Caliphats im Tanzsaal des Hotel Hiltons in Akron, vom 15.8.97: "How many of us, when we joined the O.T.O., imagined over a hundred Initiates [162]dancing and drinking in formal evening–wear beneath two–ton chan­deliers to big–band, disco and rock? The O.T.O. had come of age that evening." Magical Link 1, Texas 1997, 13. Hier scheint der Okkultismus die Hypothese zu spiegeln, dass dessen Ideologie ein rein narzisstisches Aufrecht­erhalten des gesellschaftlichen Status Quo ist, um die Aufmerksamkeit von Minderwertigkeitsgefühlen abzulenken.


[4] "... society; of which we are a microcosm ...," David Scriven, USA–X° des Caliphats, Email vom 11.9.96. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 fürchtet William Breeze (internationaler Chef des amerikanischen O.T.O.) öffentlich um die Religionsfreiheit: "OTO International renews its commitment to supporting those governments with the will to defeat the forces of superstitious totalitarianism that threaten freedom. But we must be mindful that the human rights we defend include freedom of speech and dissent, even — need I say especially? — among our own members", publiziert auf groups.yahoo.com/group/Aiwaz–Thelema und auf http://pluto.beseen.com/boardroom/w/54403 im September 2001. David Scriven ruft zu Blutspenden auf. Der 11. September wird von ehemaligen Mitgliedern benützt, um Breeze zu denunzieren, die an die US–Behörde schreiben: "Dear Sir, Here is a representative of the Caliphate (Bin Laden? Khalifa?; Al Quada? Terrorism in the United States?; Plots?; Plans?; Plans to take out the Whitehouse?) in Chicago; the Sears Tower????. It's really fucking nuts that he's one of the moderators of the #thelema chatroom on IRC... I hope the Secret Service get him ASAP. I have heard rumours that he's doing money laundering to send money to the forces of the Taliban. I think he's a CRIMINAL! I think he might be a TERRORIST! We should have the NSA investigate this group: Ordo Templi Orientis. They assume the name of Saladin and they have a man they call Caliph. Their goal is the institution and dominion of the Caliphate the world over... and HERE is their Chicago rep! Please look into it, for the good of the USA. Sincerely yours, Pad. Amentii AiwazThelema.org Aum Ha Encampment," publiziert zum Beispiel auf groups.yahoo.com/group/Aiwaz–Thelema/message/5641 am 28. November 2001.


[5] Auf dem okkult–akademischen Parkett könnte man ja auf den Körpersäften ausrutschen.


[6] " GNOSTIKA" 46 vom Dezember 2010, Sinzheim 2010, 9.


[7] http://www.ipetitions.com/petition/ritmanlibrary/: "It is widely known that the Bibliotheca Philosophica Hermetica in Amsterdam, founded by J.R. Ritman, was in great danger in the 1990s, when the ING bank took possession of the collection and threatened to sell it. Fortunately, the Dutch government intervened: the BPH was put on the list of protected Dutch heritage, and the State eventually acquired over 40% of it. The books remained at the same physical location, integrated with the rest of the collection, and the government would eventually acquire all of it. As part of this process, there were great plans for further expansion. Largely due to the financial crisis and a change of government this was taking somewhat longer than originally anticipated, but nobody doubted that the library was safe. Last week this turned out to be incorrect. An extremely valuable medieval manuscript owned by the BPH (The Grail of Rochefoucauld) was put on sale at Sotheby’s, and this triggered a reaction from the Friesland Bank, which took possession of the library, that had apparently been brought in as collateral, in order to get back a 15 million euro loan from mr Ritman. At present the BPH is closed, and intense negotiations are going on behind closed doors. It is impossible at this moment to predict the outcome, but there is no doubt that the situation is extremely serious. There is a very real possibility that the Friesland bank will try to sell at least the ca. 60% of the library that is still owned by mr Ritman, and nobody knows what implications this will have for the rest of the collection and the BPH as a whole, including its staff. The brand–new government of the Netherlands has announced a program of radical financial cuts in the culture section and elsewhere, which makes a renewed intervention from that side highly unlikely." Erfasst am 26.4.2011.


[10] PierLuigi Zoccatelli von C.E.S.N.U.R. und der politisch rechtsorientierten Alleanza Catholica verschickt am 19.10. 1997 an über 200 Cybercitizens die Behauptung, er habe meine neue Email Adresse herausgefunden, die er als pirkey@hotmail angibt. Angehängt an diese Falschmeldung ist eine gefälschte Email mit meinem Namen, in der ich ankündige, einkommende Emails zwar zu lesen, aber nicht zu beantworten. Zoccatelli ist Kopf der Band Rosemary's Baby. Sein eigenes curriculum vitae erwähnt seine okkulte Phase nicht. Alberto M.K (Hg).: Ricerchi Studi Babalon T.O.P.Y. Italy–Access Point Files, Booklet, 2007, erhältlich unter www.sottomondo.com. — Im deutschen nicht mehr existierenden Aleister Crowley–Forum werden mehrmals messages mit meinem Namen publiziert, ebenso im Aleister Crowley Message Board der S.O.T.O.–Gruppe um David Bersson.


[11] http://members.xoom.com/horuskings/peter_koenig.html, erstellt im Juni 1998. Der Besitzer der Seite, des­sen Name ich niemals erfahren habe, will sogar ein von mir erstelltes "Monthly editorial: 'Peter Koenig's comments on the world as he sees it, specifically in terms of his concerns and conflicts.' 5–10 paragraphs – once a month," also eine Art früher blog. horuskings@starmail.com, 16.6.1998.


[12] Eine besonders amüsante sei hier reproduziert: "I AM a crazy man. I was a professional soldier, i was an Intelligence Officer here in Brazil. I tortured, maimed and killed more men & women you can count on the fin­gers and toes of all your family hands & feet. I've killed almost anything that walks, fly, swims, rolls or breath... [...] I fighted in all Africa and in El Salvador, Nicaragua, Guatemala and a few other nasty places here in Latin America – and I killed a lot of snub people like you. Them, you talk in this tone to me, the next time you have a .45 slug up to your guts, or face, or balls – or at it all! [...] it'll be EASY to take a ticket to Ger­many and kick your butt 'till is starts to bleed and you are begging to die, your old S.O.B.! [...] I am not talking about MAGIC, nor bullshit... I am talking about you facing a hardened son of a bitch like me, deadly crazy, who does not have anything more to lost. Gotcha? I hope so. Treat me carefully, Herr Koenig. Treat me well, and I'll treat you like a humble servant. Treat me bad, and you may die. SOON! You bet! I was jailed, have ta­ken six bullets in the body, a few knife–wounds/stabs, grenade–frags, and so on. May I fear you? Or anyone? BULLSHIT! To die'll be freedom! My honour is called fidelity. For my friends, all that I can, even my unwor­thy life, the life of a bad & mad man. For my enemies, I hope to get a chance to grab'em with me to go to Hell. Any bets? Do you want to take this trip with me? Uh? Take care of your long thong! Before calling me CRAZY, take your nasty long thong and stick it up your ass! It'll hurt a lot LESS than if I do it myself. I am not kidding, Sir! I don't give a damm to anyone's life or health – only for my friends. Can you still call me CRAZY, old fart? I hope not, Sir! Still, with my best regards. Still, your humble servant, Abrahão – but do not try to play my game, or you're DEAD MEET! Be advised! I hope to hear from you soon, with better words thru your mouth. A Brazilian is not a German: here we are bad, evil, terrible, hardened, cruel. Life is cheap for us. My own, or yours. I hope you put your mind at easy, them I'll aplogise. Or, you can spect me anytime, anywhere, as a shadow from nowhere... Take care! 120 kgs. –not too fat to kick your ass 'till you are shitting blood. 1,80 – not too tall, but tall enough to cut–off your peck and stick it into your big mouth. Ticket to Germany – US$ 750,00 – not too expensive. False Russian Passport (or Ukranian, or anyone) – US$ 200,00/US$ 300,00 – worth every cent. To pleasure to chop the ears & balls & eyes of any scumbag on my way – allways too cheap. If I get caught, I know the prisons in Germany are more clean and with a better launch than in any 3–stars restau­rant in Brazil. Hence, nothing for me to loose – for you, a little bit of things you surelly do not use more... Wait for me, Sir. This year. From nowhere. At anytime. I'll take along Maercello Motta's letters to stick it up your stinking ass, fag. Some foes are so small, so cretine, so affeminated, that we become ashamed to fight with. You are such a person, and I'll give you an exception to this rule," Mehrere Emails im Juni 2001 von José Roberto Romeiro Abrahão. Dazu Marcelo Santos: "He was made XVIº [O.T.O.A.] in 1993 or so. A couple of years later, they asked him to take a naked photo with his ass upwards and send it to them, so that they could send the Loa to copulate with him and give him a high initiation. He found it somehow weird and resigned," Email vom 4.1.2000.


[13] Die beteiligten Akademiker bepinselten sich gegenseitig ihre Bäuche und liebäugelten angestrengt mit der spärlich erschienenen Presse. Ein Phänomen, dem ich vorallem bei C.E.S.N.U.R.–Kongressen begegnet bin.


[14] L'Eucharistie. Faksimile in König: Der Grosse Theodor Reuss Reader (München 1997); Transkript in Naylor/König: O.T.O. Rituals and Sexmagick (Thames 1999). In 1804, the Parisian doctor Bernard–Raymond Fabré–Palaprat (1773–1838) founded an Order of Templars. Eventually he consecrated the catholic priest Ferdinan–François Châtel (1795–1875) a bishop who then founded many Orders and Churches. One of his followers was the poet Joséphin Péladan (1858–1918) with his Ordre de la Rose–Croix du Temple et du Graal. This rosicrucian order mergerd with Encausse's compilation of Orders which was called Independent Group of Esoteric Studies, especially in Belgium under the name KVMRIS. One of the leaders of KVMRIS was Chevalier Le Clément de Saint–Marcq who published in 1906 the booklet "L'Eucharistie" which was considered by Theodor Reuss to describe the ul­timate secret of the O.T.O., i.e. the consumption of sperm. In circa 1893, Péladan invented the Lamen that later was used by Reuss as the O.T.O. Lamen and still is in use today.


[15] Der Hauptgrund, weshalb die Stadt Palermo die Kosten des Kongresses übernimmt, ist der Versuch, das zerfallene Bauernhüttlein, das in den 1920er Jahren Crowleys Abtei Thelema gewesen ist und nun einem Mario Russo gehört, an einen Käufer zu bringen, damit Palermo zur Touristenattraktion wird. Viele Thelemiten verehren dieses Hüttlein und steigen nachts durch die Fenster, um die abfallenden Farben der Wandmalereien, meist pornographischer Natur, zu bewundern oder abzukratzen. Diese Begeisterung wird jedoch nicht von allen geteilt. So Paul Feazy, Moderator von lasthal.com: "Preservation of the Abbey will inevitably result in higher profile of the most unacceptable aspects of Crowley's self–indulgence and, as someone committed to giving the man's creative work the profile it deserves, I see only controversy and negativity resulting," auf lashtal.com/nuke/PNphpBB2–viewtopic–t–4627.phtml, 29.9.2010.


[16] William Heidrick weiss folgende Anekdote über Meltons Besuch einer Gnostischen Messe in der SF Bay Area, Melton brachte drei Moonies als Gäste mit: "Isaac and Sally stood up and declared with some gusto that they would refuse to do the Mass unless cunnilingus and fellatio were a part of it," Heidrick in hollyfeld.org, 1.8.1996.


[17] Manfred Ach: "Under Cover. 20 Jahre A.R.W.", München 1995.


[18] My Own Three Penny Opera. Archevêque Primate of the Ecclesia Gnostica Catholica (Succession Ambelain), Grand Secretary and 90°, 95° Memphis Misraim, XI°, 90°, 95° (SS) Memphis Misraim, XVI° Ordo Templi Orientis Antiqua, Choronzon Club, XI°, Hierophant (97°) Memphis Misraim until own resignation (still valid), Honorary member and Representative of Fraternitas Rosicruciana Antiqua (Peru), Legate of F.R.A. and O.T.O. Cuba/Florida), Recognition of Mysteria Maxima Mediterranea in Italy, Representative of F.R.A. (Colombia), Comendador of F.R.A. (Spain), Representative of QBLH, XI°, National Grandmaster O.T.O.A. and Comendadore F.R.A., Exposidor de la Gnosis and Frater Senior of Ordo Argenteum Astrum, X° O.T.O., 33°, 90°, 96° MM, All degrees 0°–IX° and Bishop of Ordo Templi Orientis Foundation, IX° of O.T.O. Brazil, O.T.O.–FLH, and Superieur Inconnu of Martinism, 0° Caliphate [bezahlte Mitgliedschaft], 1° Caliphate [bezahlte Mitgliedschaft], 12° A.A.S.R. und Fraternitas Saturni: Rechte, Stuhlmeister der F.S. zu installieren, 18° Gradus Pentalphae Fraternitas Saturni, Kreuz der Sonnenlegion der Fraternitas Saturni, Neophyt Ordo Saturni [bezahlte Mitgliedschaft], 8° Ordo Saturni [bezahlte Mitgliedschaft], Obispo de la Santa Iglesia Gnóstica Joanita y la Santa Iglesia Gnóstica de la Stma. Muerte [mit dem O.T.O.–Lamen], X° Ordo Santísima Muerte [mit dem O.T.O.–Lamen], 33°, 90°, 96°, 97° Grand Maître Memphis–Misraïm, Chevalier Bienfaisant, Maître Elu, Ordre de la Rose–Croix (Ambelain, Mauer), Superieur Inconnu des Elus Cohen (Martinism), todos os graus e no oficio de Comendador F.R.A. succession Parsival Krumm–Heller.


[19] Auszug aus Andreas Huettl und Peter-R. König, SATAN — Jünger, Jäger und Justiz, Grosspösna 2006, Seite 390: Ich setze mich für niemanden persönlich, eine Gruppe oder einen Glauben ein. Falls Menschen an Satan glauben und man ihnen das vorwirft, sollen sie sich selber verteidigen. Ich spreche und schreibe nur über das Themengebiet, auf dem ich forsche. Das sind hauptsächlich der O.T.O. und seine verwandten Gruppen und Kirchen. Dabei steht das Ergebnis nicht von vornherein fest; die Erkenntnisse können sich wandeln, können revidiert, verworfen werden. Sehen Sie, ich halte es mit Sigmund Freud, der mit "gleichschwebender Aufmerksamkeit" an den psychoanalytischen Prozess heranging. So bekomme ich häufig Dinge zu hören, deren Bedeutung erst nachträglich erkannt wird. Lassen Sie mich eine negative Abgrenzung vornehmen. Was ich nicht sein will: Ein Experte, der keine Beweise braucht. Der das Objekt seines Interesses längst kreiert, EHE er damit beginnt, seine Umwelt danach abzusuchen. Am Wettlauf um die Enthüllung der größtmöglichen Bestialität nehme ich nicht teil. Um es mit Lessing zu sagen: Wenn Hinkende um die Wette rennen, ist der Sieger nicht automatisch ein guter Läufer. Wenn sich Experten auf König beziehen, sinnentstellend Häppchen herausgreifen und alles auf den Kopf stellen, […] hat das dann Bedeutung für meine Arbeit? Diese Leute haben niemals die Handbücher des O.T.O. gelesen, sie haben die tausendfältigen Diskussionen in den unzählbaren Internetforen nicht studiert, in denen Thelemiten jeglicher Couleur die Schriften Crowleys diskutieren, sie haben auch nicht realisiert, wie die verschiedenen thelemitischen Ausrichtungen zum Thema Satanismus stehen. Warum stürzen sich die Sekten– und Satanismusexperten denn überhaupt auf Crowley und seine Anhänger? Ganz einfach: Weil er publiziert hat. Weil ein paar wenige seiner Schriften einfach in den Buchhandlungen oder übers Internet zu finden sind. Crowley und seine Anhänger sind die einfachsten Ziele. Überall sind die Adressen der verschiedenen O.T.O.–Gruppen zu finden. Im Internet, in Büchern, im Crowley–Tarot–Deck, in Vereinsregistern. Und so lassen sich natürlich Crowley und seine Anhänger sehr einfach wie eine Sau durch die Gassen der Medien und Akademien jagen – die okkulten Akademiker in einem Ganzkörperkondom als Mechanismus zur Unterdrückung von Bewusstheit.


[20] Siehe dazu meinen Artikel David Bowie and the Occult: The Laughing Gnostic" sowie den Nachfolgebeitrag von Steele Savage: "David Bowie, Outside, Aleister Crowley and the Holy Grail". Man beachte ausserdem dazu meinen deutschen Beitrag "Gnosis als Hype — The Laughing Gnostic — David Bowie und Okkultismus", der 2003 im schweizer Kulturmagazin 'DU' 741 erschienen ist.

© P.-R. König 2011

Diese Version in: "Der O.T.O. Phänomen RELOAD"
Gekürzte Englische Version: "No, I shan't eat this Light"





 




 




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