Ordo Templi Orientis

O.T.O. Phenomenon Books
Der Kleine Theodor Reuss Reader

Edited by Peter-R. Koenig

This is the shortened online-version of a book from 1993 with the same title. The paper version with additional picture material, ISBN 3-927890-13-8, can be ordered via

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Several hundreds of facsimile pages regarding Theodor Reuss can be found in Der Grosse Theodor Reuss Reader.

English online material from and about Theodor Reuss

© Peter-Robert Koenig, 1993
Theodor Reuss, Protagonist of the Ordo Templi Orientis

Der Kleine Theodor-Reuss-Reader

Herausgegeben von Peter-Robert König

Dieser Kleine Theodor Reuss Reader stellt nur eine geringe Auswahl aus den umfangreichen Schriften des OTO-Mitgründers vor.[1] * Da auf die unzähligen komplexen historischen Hintergründe aus Platzmangel nicht eingegangen werden kann, sei unbedingt auf folgendes Werk desselben Herausgebers hingewiesen:
Peter-R. König: "Das OTO-Phänomen," München 1994.

Verwendung aller Texte und/oder Übersetzung in andere Sprachen, Ton- und/oder Datenträger bedarf der schriftlichen Einwilligung.

Inhaltsverzeichnis

1. Der Grossvater der Anthroposophischen Gesellschaft
2. Jubiläumsausgabe der Oriflamme 1912
 Oriflamme Juli 1914
3. Konstitutionen: 1906 und 1917
4. Veritas Mystica Maxima
5. Praktiken und Geheimnisse des OTO
6. Ich trete durch das Licht, doch wirklich bin ich nicht
 Rituale des Orient Thuricensium
- I°-Ritual
- V°-Ritual
- VII°-Ritual
- X°-Schwur
7. Parsifal und das Enthüllte Grals-Geheimnis
8. Aufbauprogramm und Leitsätze der Gnostischen Neo-Christen OTO

In der online-Version entfallen u.a. die Kapitel 1, 4 und 5, da diese in "Das OTO-Phänomen" enthalten sind
Der Kleine Theodor-Reuss-Reader Herausgegeben von P.R. Koenig Grossvater der Anthroposophischen Gesellschaft Jubilaeumsausgabe der Oriflamme 1912 Oriflamme Juli 1914 Konstitution 1906 Konstitution 1917 Veritas Mystica Maxima I°-Ritual V°-Ritual VII°-Ritual X°-SchwurParsival und das Enthuellte Grals=Geheimnis Aufbauprogramm und Leitsaetze der Gnostischen Neo-Christen O.T.O. Manifesto 1917


2. Jubiläums-Ausgabe der Oriflamme 1912[2] *

Theodor Reuss

I.N.R.I. No. VII. Berlin und London 1912 September

Amtliches Organ des Ordens der Orientalischen Templer u. des Suveränen Sanktuarium der Alten Freimaurer in Deutschland.

O.T.O.

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Monita.

O Schüler!
Wer es suchet, der leide,
Wer es find', der schweige,
Wer es hat, der verberge es,
Wer es brauchet, tu' es unbekannt.
Wer ein wahrer Philosoph ist,
Der bleibe ungenannt.
Traue niemand als Gott,
Der allein hält sein Wort.
Deines Gemütes Freund erwählen sollst,
Sei mit jedermann freundlich,
Traue aber niemand.
Sei niemand geheim als Gott,
Willst du nicht betrogen sein!
Experdo crede!
Denn Treue ist von der Erde gen Himmel
Geflohen, hat alle Menschen verlassen, deren
Gemüt an der Erde klebet!
Exitus acta probat!

Charge.

To Candidates.
To the earnest Disciple his Teacher takes the place of Father and Mother, says the Book of Discipline in the Schools of "Dzyân". For whereas they gave him his body and its faculties, its life and casual form, the Teacher shows him how to develop the inner faculties for the acquisition of the Eternal Wisdom.
To the Disciple each Fellow-Disciple becomes a Brother and Sister, a portion of himself, for his interests and aspirations are theirs, his welfare interwoven with theirs, his progress helped or hindered by their intelligence and behaviour through the intimacy brought about by their co-discipleship.
As the limbs defend the head and heart of the body they belong to, so have the Disciple to defend the head and the heart of the body they belong to, in this case the O.T.O. from injury.
-A-U-M-

Unser Orden.

Unser verstorbener Ehren-Grossmeister Br. Dr. Franz Hartmann, 33°, 90°, 96°, IX° schrieb in der "Oriflamme", Jahrgang II, No. 2.
"Der von den Meistern der Weisheit ins Dasein gerufene Orden der Alten Freimaurer vom Memphis- und Misraim-Ritus, dessen Zweige sich über die ganze Welt verbreiten, hat nun auch in Deutschland seine Tätigkeit begonnen. Ob nun diese Tätigkeit einen Erfolg haben wird, das wird von der Tüchtigkeit seiner Mitglieder abhängen, und es ist kein Zweifel, dass die besten Kräfte Deutschlands dieser Verbrüderung beitreten werden, sobald sie nur den Ursprung und den Zweck derselben erkennen. Noch ist der Orden hier in seiner Kindheit und nicht alle, die sich ihm angeschlossen haben, sind seiner Aufgabe gewachsen.
Erste Bedingung zur Aufnahme ist nicht eine grosse Belesenheit, sondern ein zur Förderung des Wohles der Menschheit geneigtes Herz, welches fähig ist, die LIEBE, das heisst, das (zur Tat gewordene) Bewusstsein der Einheit Gottes in allen Geschöpfen zu empfinden.
Der Orden hat bereits Grosses geleistet, indem er eine Literatur ins Leben rief, welche den Zweck hat, eine höhere Lebensanschauung als die bisherige materielle, zu verbreiten.
Da der Orden als solcher, mit Ausnahme der allgemeinen Menschenverbrüderung, keinerlei Dogma hat, so bietet er auch seinen Feinden keinerlei Angriffspunkte dar. Alle Angriffe werden aber den Orden nicht hindern, sicher und ruhig seinen Weg zu gehen; das "Licht vom Osten" wird, trotz aller Nebel, siegreich bleiben!"
Fast 10 Jahre sind vergangen, seit jene Worte unseres verstorbenen Bruders, dem Mitbegründer unseres Suveränen Sanktuarium in Deutschland, im Druck erschienen sind, und es ist daher diese Jubiläums-Nummer der "Oriflamme", die unter dem mystischen Zeichen: I.N.R.I. erscheint, der geeignetste Platz, um nachzuprüfen, inwieweit sich die Worte unseres verstorbenen Mitbruders erfüllt haben.
Zunächst wuchs Unser Orden durch Aufnahmen und Angliederung bestehender Organisationen, bis er die stattliche Zahl von ungefähr 1000 Mitgliedern erreichte.[3] * Dieses numerische Wachsen ging aber Hand in Hand mit wachsenden inneren Zänkereien und Streitigkeiten, weil eben, wie Br. Hartmann schon 1902 geschrieben hatte, nicht alle, die sich Unserm Orden anschlossen, dessen Aufgaben gewachsen waren. Schon 1904 kam es in Berlin zur ersten Sezession. Im Dezember 1905 gingen die Hamburger zur sogenannten Grossloge dortselbst über. Und 1910 traten die sogenannten Eberhardt-Logen aus Unserem Orden wieder aus, und wurden, durch "Neu-Aufnahme" der Mitglieder, verschiedenen, sogenannten anerkannten deutschen Grosslogen angegliedert.
Diese Irrungen und Wirrungen der ersten Jahre haben aber das grosse Gute gezeitigt, dass endlich eine definitive Klärung in Unserm Orden eintrat, so dass heute Unser Orden zwar nur mehr zirka 500 Mitglieder in Deutschland, Oestreich [sic] und der Schweiz zählt, diese aber vom wahren Zweck Unseres Ordens durchdrungen sind, und nicht mit einem Auge nach "Anerkannten" Logen, um Verkehr und Zulassung als Besuchende, schielen.
Dieser Einbusse an Zahl der Mitglieder in Deutschland steht aber als, in seiner End-Wirkung noch gar nicht abzuschätzender, Gewinn gegenüber, Zuwachs an Einfluss des Souveränden Sanktuarium für das deutsche Reich und des mit ihm organisch verbunden Orientalischen Templer-Ordens in ausserdeutschen Ländern.
Im Jahre 1908 erbaten sich französische Brüder einen Freibrief von Unserem Ordensmeister, worauf von Unserm Orden, sub datum 24. Juni 1908, der

Suprême Grand Conseil Général des Rites Unis de la Maçonnerie Ancienne et Primitive Grand Orient pour la France et ses Dépendances à Paris

gestiftet wurde.
Von ganz besonderer Wichtigkeit ist jedoch die Ausdehnung des Einflusses Unseres Ordens auf die slawischen Länder Europas.
Durch Stiftungs-Urkunde vom 1. Juni 1912 wurde von Unserem Orden eine
National-Grossloge des Orientalischen Templer-Ordens für die Slavischen Länder gegründet.
Und die, unter gleichem Datum erfolgte, Gründung einer
National-Grossloge des Orientalischen Templer-Ordens für Grossbritannien und Irland
durch Unseren Orden entbehrt nicht eines pikanten Beigeschmackes für alle, die mit den einschlägigen Verhältnissen vertraut sind.
Gerade diese jüngste Gründung Unseres Ordens, und die damit verbundene Ausdehnung des Einflusses der besonderen Ordenslehren des O.T.O. auf englisches Gebiet, lässt es angezeigt erscheinen, auf die Entwicklung, die Unser Orden seit seinem ersten öffentlichen Erscheinen in Deutschland gemacht hat, etwas näher hier einzugehen.
Der geistige Vater des neuorganisierten Orientalischen Templer-Ordens war der verstorbene Suveräne-Ehren-General-Grossmeister in Deutschland und Grossbritannien, Br.: Dr. Carl Kellner, 33°, 90°, 96°, X°. Auf seinen vielen und weiten Reisen in Europa, Amerika und Klein-Asien war Br.: Kellner in Berührung gekommen mit einer Organisation, welche den Namen führte "The Hermetic Brotherhood of Light". Die Anregungen, die er durch seine Berührung mit dieser Organisation empfangen hatte, verbunden mit anderen, hier nicht weiter zu detaillierenden Umständen, gebaren in Br.: Kellner den Wunsch, eine Art "Academia Massonica" zu gründen, welche suchenden Brüdern die Bekanntschaft mit allen existierenden Maurer.:Graden und Systemen ermöglichen sollte. Im Jahre 1895 hatte Br.: Kellner lange Unterredungen mit Br.: Reuss in Berlin, wie diese seine Idee verwirklicht werden könnte. Im Verlaufe der Unterhandlungen mit Br.: Reuss liess Br.: Kellner den zuerst vorgeschlagenen Titel "Academia Massonica" fallen und legt Gründe und Unterlagen vor für die Annahme der Bezeichnung "Orientalische Templer". Diese Verhandlungen führten damals, 1895, zu keinem positiven Resultate, da Br.: Reuss zu jenem Zeitpunkte noch mit dem von ihm re-aktivierten Illuminaten-Orden beschäftitgt war, und diese Organisation, sowie die darin neben Br.: Reuss an leitenden Stellen tätigen Personen, dem Br.: Kellner nicht sympathisch waren.
Als dann Juni 1902 die endgiltige [sic] Trennung zwischen Br.: Reuss und seinem Schüler Leopold E[ngel] eingetreten war, setzte sich Br.: Kellner sofort in Verbindung mit Br.: Reuss und veranlasste die Erwerbung eines Freibriefes für Einführung des Memphis-Misraim-Ritus der Freimaurerei in Deutschland, weil Br.: Kellner diesen Ritus mit seinen 90 bezw. 95 Graden als den geeignetsten hielt, seine Idee betreffs Einführung einer "Art" maurerischer Akademie zu verwirklichen. Die rosenkreuzerischen, esoterischen Lehren der "Hermetic Brotherhood of Light" wurden reserviert für die wenigen Eingeweihten des Okkulten Inneren Kreises. Die Erkenntnis-Stufen dieses Inneren Kreises von Eingeweihten liefen mit den höchsten Graden des Memphis- und Misraim-Ritus parallel, und diese "Eingeweihten" bildeten den geheimen Stamm des Orientalischen Templer-Ordens.
Es kann niemand ein "Eingeweihter" des O.T.O. werden, der nicht vorher die drei Johannis-Grade der Freimaurerei empfangen hat.
Der O.T.O. nimmt Männer und Frauen, und erteilt beiden Geschlechtern gleichmässig die sämtlichen Grade der Freimaurerei.
Br.: Dr. Franz Hartmann sagt in seiner: "Ersten Instruktion" (englische Ausgabe für Suchende), über Unseren Orden:
Let it be known that there exists, unknown to the great crowd, a very ancient order of sages, whose object is the amelioration and spiritual elevation of mankind, by means of conquering error and aiding men and women in their efforts of attaining the power of recognising the truth. This Order has existed already in the most remote, and prehistorical times and it has manifested its activity secretly and openly in the world under different names and in various forms; it has caused social and political revolutions and proved to be the rock of salvation in times of danger and misfortune. - Into this sacred Society no one can be admitted by another, unless he has the power to enter it himself by virtue of his own interior illumination; neither can any one after he has once entered, be expelled, unless he should expell himself by becoming unfaithful to his principles and forget again the truths which he has learned by his own experience.
In regard to the spiritual aspect of this Secret Order, one of the Brothers says:
"Our community is the Society of Children of Light, who live in the light and have attained immortality therein. In our school we are instructed directly by Divine Wisdom, the Celestial Bride, whose will is free and who selects as her disciples those who are devoted to her. The mysteries which we are taught embrace everything than can possibly be known in regard to God, Nature and Man.
We all study only one book, the book of nature, in which the keys to all secrets are contained, and we follow the only possible method in studying it, that of experience. Our place of meeting is the Temple of the Holy Spirit prevading the universe; easily to be found by the elect, but for ever hidden from the eyes of the vulgar.

***


As to the external organization of that Society, it will be necessary to give a glance at its history, which has been one and the same in all times. Whenever that spiritual Society manifested itself on the outward plane and appeared in the world, it consisted at its beginning of a few able and enlightened people, forming a nucleus around which others were attracted. But invariably the more such a Society grew in numbers, the more became attracted to its elements, such as were not able to understand or follow its principles; people who joined it for the purpose of gratifying their own ambition or for making the Society serve their own ends, obtained the majority over those that were pure. Thereupon the healthy portion of it retired from the field and continued their benevolent work in secrecy, while the remaining portion became diseased and profanised. For the Spirit had departed from them.[4] *

***


From the above it will be clear that the first and most necessary requirement of the new disciple is that he will keep silent in regard to all that concerns the Society to which he is admitted. Not that there is anything in that Society which needs to be afraid of being known to the virtuous and good; but it is not necessary that things which are elevated and sacred should be exposed to the gaze of the vulgar and be bespattered by them with mud. This would only impede the Society in its work.
Another necessary requirement is mutual confidence between the teacher and the disciple; because a disciple who has no faith in his master cannot be taught or guided by him. There may be things which will appear strange, and for which no reasons can be given to the beginner, but when the disciple has attained a certain state of development, all will be clear to him or her.

***


From all this it follows as a matter of course that the next requisite is obedience. Its object is the realization of true manhood and womanhood and the attainment of conscious immortality in the realization of the highest state of existence and perfection through the power of divine and unlimited love.

***

Und die Brr.: Dr. Carl Kellner und Theodor Reuss in dem von ihnen gemeinsam gezeichneten und in der historischen Ausgabe der "Oriflamme", A.D. 1904, veröffentlichten Manifesto, schrieben:
Eines der Geheimnisse, die Unser Orden in seinem höchsten Grade besitzt, besteht darin, dass er dem gehörig vorbereiteten Bruder die praktischen Mittel liefert, den wahren Tempel Salomos im Menschen aufzurichten, das "verlorene Wort" wiederzufinden, das heisst, dass Unser Orden dem eingeweihten und auserwählten Bruder die praktischen Mittel liefert, die ihn in den Stand versetzen, sich schon in diesem irdischen Leben Beweise seiner Unsterblichkeit zu verschaffen.
Diese praktischen Mittel sind aber keine "Geisterbeschwörungen", oder andere "spiritistische Praktiken", sondern es sind Mittel, die sich nur mit der inneren Stimme und mit den inneren Sinnen des Kandidaten selbst beschäftigen, und die alle spiritistischen Praktiken direkt und strengstens ausschliessen und verdammen.
Dieses Geheimnis ist eines der wahren maur.: Geheimnisse und eben ausschliesslich das Geheimnis der okkulten Hochgrade Unseres Ordens. Es ist auf Unsern Orden durch mündliche Überlieferung von den Vätern aller wahren Freimaurerei den "weisen Männern des Ostens" überkommen und wird auch von uns nur wieder mündlich weitergegeben. Selbstverständlich hängt aber der Erfolg dieses praktischen Unterichts zur Erlangung dieses Geheimnisses wiederum ausschliesslich vom Kandidaten selber ab.
Diejenigen Brüder, welche dieses Geheimnis nun gefunden hatten, bewahrten es als ein köstliches selbsterrungenes Eigentum, und um von den Alltagsmenschen nicht verkannt oder gar verspottet zu werden, verbargen sie es unter Symbolen so, wie wir das heute noch tun.
Schliesslich dürfte noch angezeigt sein, auch darauf hinzuweisen, was Fra.: Merlin[5] * in der "Oriflamme" (Ausgabe 1910) sagte über das, was Unser Orden lehrt und erstrebt.
"Wir streben nach der Erkenntnis des Schöpfers aller Welten, und nach der bewussten Vereinigung mit ihm.
"Wir lehren, die erste Vorbedingung auf dem Wege zur Erkenntnis des Schöpfers aller Welten ist die wahre, wirkliche Selbsterkenntnis.
"Diese wirkliche Selbsterkenntnis ist der Grundstein zum esoterischen Tempel in des Menschen Brust. Ist diese Vorstufe erklommen, dann kann der Neophyt seine Wanderschaft beginnen. Dieselbe muss unter eisernem Schweigen geschehen. Der Weg ist dunkel, aber aus der Ferne wirft der Heilige Gral seinen blutroten, feurigen Schein der selbstlosesten Menschenliebe auf den Weg des ernstsuchenden Wanderers. Schwere Proben hat der Wanderer zu bestehen, aber dem wahrhaft Standhaften winkt die Gemeinschaft der Temple-isen, der esoterischen Templer und Rosenkreuzer, denen das "Licht vom Osten" ewig erstrahlt in höchster Reinheit."
Fra.: Merlin bemerkt dann hiezu: "Da dieses Ziel jedoch ein rein esoterisches ist, und zur völligen Weltabgewandheit der Gefährten führen könnte, wenn Unser Orden nicht den Mut hätte, die praktischen Konsequenzen aus unseren Lehren für das Alltagsleben zu ziehen, Unser Orden aber gerade um deswillen an die Oeffentlichkeit getreten ist, um auf das Leben der Menschen Einfluss zu nehmen, so erstrebt unser Orden, in esoterisch-praktischer Durchführung Unserer Lehren, zunächst dahin zu wirken, dass in Zukunft die "Mutter" als "Hohepriesterin" in ihrer Familie verehrt werde. Jedes "Gesegnete Weib" ist uns eine "Heilige", sagt Fra.: Merlin, sie ist das Symbol "der Menschwerdung der göttlichen Schöpfungskraft". Die Mutter soll als Hohepriesterin die "Hüterin des heiligen Feuers", die "Ausspenderin des Mystischen Segens" sein!
Unser Orden hofft dadurch im Leben unseres Volkes dahin zu wirken, dass die "Mutterschaft" wieder das höchste Ziel des Weibes wird.
Damit dokumentiert Unser Orden, dass er nicht nur abstrakte Ziele verfolgt, sondern es auch versteht, praktisch da einzugreifen im Alltagsleben unseres Volkes, wo eine Erziehung zum richtigen Verständnis und zur richtigen Auffassung der Pflichten eines Volkes gegenüber seiner eigenen Zukunft gerade in den gegenwärtigen Zeitläufen, dringend notwendig geworden ist.
Gerade diese praktische Seite der Tätigkeit Unseres Ordens hat es nun zur Folge gehabt, dass englische Brüder Freimaurer an unsern Ordensmeister herangetreten sind mit der Bitte, eine National-Grossloge Unseres Ordens in Grossbritannien zu stiften. Denn gerade England, mit seiner extremen "Mutterschafts-verneinenden" Frauenbewegung (Suffragettes) hat eine Erziehung zur Mutterschaft am dringendsten nötig. So kam es, dass wir, die wir uns im Jahre 1902 von England einen Freibrief erkauften, um die Grade des Memphis- und Misraim-Ritus in Deutschland bearbeiten zu können, im Jahre 1912 englischen Brüdern kostenlos einen Freibrief gewährten, um die okkulten Grade des Orientalischen Templer-Ordens in England einzuführen.
Wenn wir nun zurückgreifen auf die eingangs erwähnten prophetischen Worte unseres Br.: Dr. Franz Hartmann, so können wir A.D. 1912 mit grosser Befriedigung konstatieren, dass sich Br.: Hartmanns Worte voll und ganz bewahrheitet haben:
Alle Angriffe haben Unsern Orden nicht hindern können, sicher und ruhig seinen Weg zu gehen; das "Licht vom Osten" ist, trotz aller Nebel, siegreich geblieben!

***


Zum Schluss unseres Jubiläums-Rückblickes konstatieren wir also nochmals kurz;
Unser Orden ist kein Freimaurer-Orden pure et simple, aber jedes Mitglied Unseres Ordens, sei es Mann oder Frau, denn Unser Orden steht beiden Geschlechtern gleichmässig offen, muss durch die sämtlichen Grade der Johannis-Freimaurerei, wie auch der Hochgrad-Maurerei, hindurch gehen, ehe ein Mitglied ein Erleuchteter und Eingeweihter Unseres Ordens werden kann.
Unser Orden besitzt den Schlüssel, der alle maurer.: und hermetischen Geheimnisse erschliesst, es ist die Lehre von der Sexual-Magie, und diese Lehre erklärt restlos alle Rätsel der Natur, alle freimaurerische Symbolik, und alle Religions-Systeme.
Möge Unser Orden auch weiterhin siegreich bleiben wie bisher!
Der Ordensmeister

MYSTERIA MYSTICA MAXIMA.

Am Schluss des vorstehenden Artikels wurde erklärt, dass der Schlüssel zur Erschliessung des, allen freimaurerischen Symbolen unterliegenden Geheimnisses, die Lehre von der Sexual-Magie ist.
Obgleich nun diese Lehre von der Sexual-Magie eben das Geheimnis des O.T.O. ist, und sich nicht eignet zur Publikation in einer Druckschrift, welche weitesten Kreisen zugeht, so hat die Ordensleitung doch beschlossen, zur Information wahrhaft Suchender, einen ganz kleinen Zipfel des Schleiers, der unser Geheimnis bedeckt, hier in dieser Jubiläums-Ausgabe der Oriflamme zu heben.
Wir haben es gar nicht nötig die "Oeffentlichkeit" erst darum um Entschuldigung zu bitten, dass wir es wagen, diese delikate Frage hier öffentlich anzuschneiden, denn es steht doch fest, dass die Sexual-Frage die brennendste Frage unserer Zeit geworden ist. Beweise hiefür brauchen wir auch nicht anzuführen, jede Tageszeitung enthält solche in Hülle und Fülle.
Als Einleitung zu unserer kleinen "Enthüllung" wollen wir aber die Worte Przybyszewskis, eines grossen, ernsten Forschers auf diesem Gebiete, zitieren, der sagte:
"Ebensowenig wie ich etwas dagegen zu tun vermag, dass im ganzen Mittelalter die seelischen Offenbarungen durchweg nur auf dem Gebiet des religiösen Lebens zu finden sind, ebensowenig kann ich etwas an der Tatsache ändern, dass in unserer Zeit die Seele sich nur in dem Verhältnis der Geschlechter zu einander offenbart. Man mag dafür der Seele die Vorwürfe machen, nicht mir."
Wir sagen in unserm Manifest, dass wir dem gehörig vorbereiteten Bruder die praktischen Mittel liefern, sich schon in diesem irdischen Leben Beweise seiner Unsterblichkeit zu verschaffen.
Wohlan, eines dieser Mittel ist eine gewisse Yoga-Uebung.
Br. Dr. Kellner sagt in seiner Schrift über Yoga: Yoga ist eine sehr alte und lange geheim gehaltene, jedenfalls wenig bekannte Lehre, welche durch gewisse Uebungen ihren Jünger in den Stand setzt, die Erscheinungen des künstlichen Somnambulismus willkürlich an sich hervorzurufen.
Je nach Art der zur Erreichung von Yoga angewandten Verfahren unterscheidet man verschiedene Arten von Yoga, und eine wichtige Rolle spielen dabei die Nervenzentren (Nadis) und 10 verschiedene Arten von Atem (Vayus).
Die altindischen physiologischen Bezeichnungen für die 10 Vayus sind: Prana (im Herzen), Apana (in der Gegend des Anus), Samâna (in der Nabelgegend), Udâna (in der Kehle), Vyâna (im ganzen Körper), Napa (im Reproduktionsorgan), Kurma (öffnet die Augenlider), Krikara (verursacht Niesen), Devadatta (verursacht Gähnen), Dhananjay (durchdringt den äusseren groben Körper).
Mit den an sechster Stelle genannten Vayus Napa (im Reproduktionsorgan) beschäftigt sich nun die Sexual-Magie.
Diese Übung wird genannt "die Transmutation der Reproduktions-Energie".
Diese Uebung der Transmutation der Reproduktions-Energie wird nicht gemacht zu sexuellen Exzessen, sondern zur Stärkung der Ewigen Gotteskraft auf der irdischen Ebene, wozu sexual starke, vollkommene Menschen, männlichen und weiblichen Geschlechts, nötig sind.
Die Reproduktions-Energie ist Schöpfungs-Prozess. Göttlicher Aktus!
Im Reproduktions-Organ (männlich und weiblich) ist auf den kleinsten Raum die grösste Vital-Kraft konzentriert.
Im Verlaufe der ziemlich umständlichen Uebung konzentriert der Uebende seine Gedanken, dass er die Reproduktions-Energie aus dem Organ heraufzieht zum Solar-Plexus (Sonnengeflecht), wo er "will", dass es aufgespeichert werde zu Transmutationszwecken. Damit wird ein genau geregeltes Atmen verbunden. Daran schliesst sich der Aktus der Transmutation der Energie, und schliesslich tritt die Grosse Vereinigung ein, wo der Uebende zum Seher wird - bei vollem Bewusstsein, - und das Gesehene erlebt.
Dies ist weisse Sexual-Magie!

Oriflamme, Amtliches Organ des Ordens der Orientalischen Templer - O.T.O. -

Des Suveränen [sic] Sanktuarium der alten Freimaurer vom Schottischen, Memphis- und Misraim-Ritus für das Deutsche Reich und die deutsch-sprechenden Länder.
12. Jahrg. Berlin und London 1914, Juli

An die freimaurerische Presse Deutschlands!
Richtigstellung der falschen Angaben A.P. Eberhardts in seinem Buche
Winkel-Logen
über die Logengründungen von Theodor Reuss.

Ende Mai dieses Jahres erschien in dem hochangesehenen freimaurerischen Verlage von Bruno Zechel in Leipzig ein Buch, das auf dem Umschlag den Titel führt "Winkel-Logen." Auf dem inneren Titelblatt steht aber die ausführliche Legende

Von den Winkellogen Deutschlands - Freimaurerlogen neueren Datums - im letzten Vierteljahrhundert. - Von A.P. Eberhardt.


Da Paul Eberhardt, 17 Petzschauerstrasse in Leipzig, bis zum Frühjahre 1904 selbst Grossmeister einer ganzen Anzahl von Winkellogen par excellence war, ehe er von mir persönlich zu einem richtigen Freimaurer gemacht wurde, und nachdem er vorher, in dem mit Freimaurerlogen gewiss gut versorgten Leipzig und Königreich Sachsen fünf Jahre hindurch keinen Anschluss an eine "anerkannte" Freimauererloge (mit Ausnahme der Hamburger) hatte finden können, von mir endlich, auf seinen eigenen Antrag hin, für sich und seine Anhänger einen richtigen freimaurerischen Freibrief zur Konstituierung seiner symbolischen Grossloge erhielt, so hatte ich ein ganz natürliches Interesse daran, den Inhalt dieses Eberhardtschen Buches kennen zu lernen.
Zu meinem allergrössten Bedauern, im Hinblick auf meine Hochachtung für den Bruno Zechelschen Verlag, muss ich aber nach Kenntnisnahme des Inhaltes des Eberhardtschen Buches feststellen:

Wenn die Angaben des A.P. Eberhardt über alle anderen, in seinem Buche behandelten Logengründungen ebenso falsch oder entstellt sind, wie diejenigen es sind, die er über die von mir gegründeten Logen und Freimaurerei-ähnlichen Organisationen macht, dann muss ernstlich beklagt werden, dass ein so hochangesehener Verlag, wie es der Verlag von Bruno Zechel ist, solch ein confuses und stellenweise sogar unehrliches Machwerk mit seinem altehrwürdigen Namen deckt.
Mich geht in dem Eberhardtschen Buche ja eigentlich bloss das an, was er über mich und meine Logengründungen schreibt.
Aber jeder Freimaurer, der von der Freimaurerei etwas versteht, muss es mit gewaltiger Heiterkeit, die alten Mitglieder der Settegast-Logen aber vielleicht mit noch mehr Bitterkeit erfüllen, zu sehen, wie A. Paul Eberhardt, der gewesene Winkellogen-Grossmeister par excellence, die freimaurerisch historische Tat Settegasts, des ehemaligen Grossmeisters der Grossloge "Royal York," die Gründung der Grossen Freimaurer-Loge von Preussen, genannt "Kaiser Friedrich zur Bundestreue" in Berlin in eine Linie stellt mit den Gründungen eines Hemfler, Perls, Petersen, Eberhardt usw., die doch alle keine Freimaurer waren, als sie sich mit anderen Personen, die ebensowenig wie sie selbst Freimaurer waren, zusammentaten, um "Freimaurerlogen" zu gründen!
Herr A. Paul Eberhardt hat augenscheinlich noch immer nicht begriffen, was ich ihm schon seit dem ersten Tage unserer Begegnung mit ihm gepredigt hatte, dass ein "Nicht-Freimaurer" nicht imstande ist, einen anderen "Nicht-Freimaurer" zu einem "Freimaurer" zu machen.
Ein "Nichtschuster" kann doch auch nicht einen anderen "Nicht Schuster" zum "Schuster-Meister" schlagen.
Mit Rücksicht auf diesen Umstand, dass A. Paul Eberhardt in seinem Buche in haarsträubender Unkenntnis aller freimaurerischen Grundsätze die, den Berliner Grosslogen zwar unbequem gewesene, aber vom rein freimaurerischen Standpunkte aus betrachtet, freimaurerisch ganz gesetzmässige Settegast-Grossloge in einen Topf wirft mit den, unter Annahme einer freimaurerischen Firma gegründeten Gebilden von Nicht-Freimaurern, wie die "Allgemeine Bürgerloge", "Bismarckloge" usw., und, dass er mit pontifikaler Sicherheit solch hellen Blödsinn schreibt, wie z.B.:

"Das Buch will von den Winkellogen Deutschlands, von den Logen, die in der gesamten Freimaurerwelt niemals anerkannt worden sind, erzählen;"
Und an anderer Stelle:

"Der Grosslogenbund zählt 538 Logen mit 60 992 Mitgliedern und ist die höchste maurerische Behörde Deutschlands. Alle anderen, nicht anerkannten Logen bezeichnet man in der Freimaurerwelt als Winkellogen;"

Und dass er als:

"Freimaurerlogen neueren Datums"

die Logen eines Freimaurer-Ritus aufführt, der schon seit hundert Jahren in den meisten Ländern der Welt (nur bis 1902 nicht gerade in Deutschland) besteht, wollte ich von dem konfusen Geschreibsel des A.P. Eberhardt zuerst gar keine Notiz nehmen.
Da aber die "Latomia" vom 20. Juni 1914 auf Seite 207 eine lange Besprechung des Eberhardtschen Buches bringt, in der nicht nur dieses Machwerk als: "ein dankenswertes Unternehmen" und "als eine wünschenswerte Bereicherung auf dem freimaurerischen Büchermarkt begrüsst wird," sondern auch noch folgenden bedenklichen Satz enthält:

"- wahrhaft Suchende wurden geradezu getäuscht und mussten sich bald entrüstet abwenden. Diese Irreführung des Publikums hat den Reihen der Freimaurer grossen Schaden zugefügt, denn die "Auch-Maurer" haben nicht selten, unter Berufung auf ihre Mitgliedschaft zum Freimaurerbunde, ihren Mitmenschen zu imponieren gesucht -" -

sehe ich mich gezwungen, zu den Angaben des Eberhardtschen Buches, soweit es mich und meine Tätigkeit als Logengründer betrifft, Stellung zu nehmen.
Und dem Bücherschauer der "Latomia" möchte ich hier zur Kenntnis bringen, dass, soweit vielleicht meine Person (als richtiges Mitglied des Freimaurerbundes) in Frage kommen sollte, in dieser "Auch-Maurer"-Anzapfung, ich niemals irgendeinen Suchenden des Publikums irregeführt habe. - Zurückkehrend zu den mich betreffenden Angaben Eberhardts, erkläre ich: Man braucht eigentlich ja nur die Zeitschrift die "Oriflamme" von der ersten Nummer ihres Erscheinens im Jahre 1901 bis zur Jubiläumsausgabe des Jahres 1912 zu lesen, oder gelesen zu haben, um sofort zu erkennen, wie falsch A.P. Eberhardt gewisse Dinge darstellt. Da nun A. Paul Eberhardt die "Oriflamme," wie er selbst zugibt, gelesen hat, so muss ich leider konstatieren, dass A. Paul Eberhardt gewisse Dinge wissentlich und anscheinend absichtlich falsch darstellt.
Die Seiten 89-101 und 106-107 des Eberhardtschen Buches handeln von mir und meinen Logengründungen.
Ohne auf alle nebensächlichen, rein persönlichen Anzapfungen und Seitenhiebe des Paulchen Eberhardt einzugehen,
konstatiere ich zur Sache:
Ich beginne Seite 89 -
Der Illuminaten-Orden wurde von mir im Jahre 1880 (nicht 1890) in München re-aktiviert. Leopold Engel wurde mit mir erst im Jahre 1895 bekannt und trat, laut vorhandenem Revers, am 9. November 1896 in den Illuminaten-Orden ein.
Im Jahre 1897 gründete Engel seinen eigenen Illuminaten-Orden in Dresden, der aber 1899 mit meinem Illumaten-Orden wieder vereinigt wurde, und erst 1902 trennte sich Engel zum zweiten und letztenmale von mir.
Leopold Engel war erst durch mich zum Freimaurer aufgenommen worden.
Seite 90 -
Die grosse Freimaurerloge von Deutschland des Illuminaten-Ordens ist nicht auf Grund eines Patentes, welches vom Prinzen von Rosenkreuz, Louis Gabriel Lebanche aus Bazeille bei Sedan am 19. November 1786 auf Weishaupt übertragen worden sei, gegründet worden, sondern auf Grund eines vom 1. Dimeh 1900 datierten Patentes, das Leopold Engel und dessen Vater Carl Engel in Dresden am 6. Mai ausgestellt haben.
Um dieser Geschichtsfälschung definitiv den Garaus zu machen, bringe ich hier den Wortlaut dieses Patentes, das in der Druckerei von Seydel und Co., Alexandrinen-Strasse, Berlin, im Jahre 1901 hergestellt worden war:
Erste Stiftungs-Urkunde.
(Wortgetreue Kopie des Patentes.)
Im Namen des Geheimen Areopag des Illuminaten-Ordens.
Der Geheime Areopag des Illuminaen-Ordens, welcher gemäss den Bestimmungen des "B.G.B.d D.R." durch das Custosamt in Dresden rechtsgiltig [sic] vertreten wird, hat beschlossen, ab Januar 1900 von seinem durch den Begründer des Illuminaten-Ordens Adam Weishaupt rechtmässig erworbenen Ordensrecht Freimaurer-Logen zu begründen, wieder Gebrauch zu machen.
Der Geheime Areopag des Illuminaten-Ordens übergibt hiemit zu diesem Zwecke seinem Ordens-Mitgliede, dem Bruder Theodor Reuss, z.Zt wohnhaft in Berlin, der in einer Gerechten und Vollkommenen St.Johannisloge zum Freimaurer-Meister aufgenommen und in einem Souveränen Kapitel zum Auserwählten St.Andreas-Ritter erhoben worden ist, das alleinige Recht
Freimaurer-Logen
nach dem Schottischen Ritus der Alten und Angenommenen Maurer, gemäss den Logengesetzen des Illuminaten-Ordens zu begründen und einzuweihen. Alle auf die Freimaurerlogen bezüglichen Ordenspapiere sind von ihm in Gemeinschaft mit dem jeweiligen Custos des Illuminaten-Ordens in der unten beigefügten Art zu beglaubigen.
Das Custos-Amt in Dresden ist beauftragt, hierüber gegenwärtige Urkunde auszufertigen, ordensgemäss zu unterzeichnen, und die die Dokumente der Freimaurerlogen zu beglaubigenden Siegel und Unterschriften hier beizufügen.
Dresden, den 1. Dimeh 1900.
Beglaubigung für Freimaurerlogen:
(Siegel) (gez.) Theodor Reuss (Grossmeister d. St.Johannis-u. St.Andreas-L.), (gez.) Leop. Engel, (Custos) (Siegel)
(gez.) Leopold Engel (Custos d. Illuminaten-Ordens.), (gez.) Rudolph Petzold (Stellvertretender Custos.)
(gez.) Carl Engel (Siegel) (Archivar u. Siegelbewahrer).

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Die Darstellungen des A.P. Eberhardt hinsichtlich der Vorgänge, die zur Gründung des Grossen Freimaurerloge für Deutschland, und schliesslich zur Lossagung von Leopold Engel führten, entsprechen auch nicht den Tatsachen.
Ebensowenig seine Behauptung ... "Ausserhalb erhob man den Vorwurf, die Grosse Freimaurerloge für Deutschland sei in den Illuminaten-Orden eingeschmuggelt (Eberhardts Schreibweise) worden ..."
Der Vorgang war folgender:
Am 12. März 1901 traten in meiner Wohnung in der Bellealliancestrasse in Berlin die Illuminaten Theodor Reuss, Leopold Engel, August Weinholtz, Max Rahn und Siegmund Miller zusammen, und beschlossen, die im Jahre 1890 in München gegründete Freimaurerloge "Ludwig" wieder zu eröffnen.
Den oben Genannten schlossen sich an die IG.-Mitglieder [!] Max Heilbronner und Georg Gierloff.
Nachstehend veröffentliche ich hiermit den Wortlaut des Gründungs-Protokolls der Loge "Ludwig" in Berlin:

Protokoll.

(Wahrheitsgetreue Abschrift.)
Am zwölften März Neunzehnhundert-eins traten in Berlin die unterzeichneten Mitglieder des Ordens der Illuminaten zusammen, und beschlossen, die seither ruhende Loge "Ludwig" der alten und angenommenen Freimaurer, früher im Orient München, nunmehr im Orient Berlin, wieder zu eröffnen und die Arbeiten wieder aufzunehmen. Es wurde beschlossen, vom Custos des Illuminaten-Ordens die vorschriftsmässige Konstitution zu erbitten.
Die folgenden Beamten wurden einstimmig gewählt: Zum Meister vom Stuhl wurde der Bruder Theodor Reuss (aufgenommen am 9. November 1876 in der "Pilger-Loge" im Orient London) gewählt. Zum ersten Aufseher und zum stellvertretenden Meister vom Stuhl wurde Bruder August Weinholtz von der "Germania Loge No. 1" gewählt. Zum zweiten Aufseher wurde gewählt Bruder Max Rahn; zum ersten Schaffner wurde gewählt Bruder Leopold Engel, Or. Petersburg, zum zweiten Schaffner wurde gewählt Bruder Georg Gierloff; zum Schatzmeister und Zeremonienmeister wurde gewählt Bruder Max Heilbronner, Or. Paris. Sämtliche Brüder nehmen die auf sie gefallene Wahl an.
Die nächste ritualmässige Lehrlings-Loge wird am 25. März 1901, abends 9 Uhr, im Logenlokal Neue Wilhelmstrasse 1 abgehalten.
V.G.U.
Berlin, den 12. März 1901.
(Folgen die eigenhändigen Unterschriften von)
Theodor Reuss. - August Weinholtz. - Max Rahn. - Leopold Engel. - Max Heilbronner. - Georg Gierloff. - Sigmund Miller - Kaiser Friedrich Loge

Man wird bemerken, dass der Beschluss zur Gründung am 12. März 1901 gefasst wurde. Dass das von Leopold und Carl Engel ausgestellte Patent jedoch vom 1. Dimeh (1. Januar) 1900 datiert wurde. Die Gründe für diese Vor-Datierung lagen bei Engel selbst.
Ich habe den Leopold Engel nicht seiner Aemter entsetzt, das konnte ich allein gar nicht.
Nach langen, gemeinsamen Beratungen der sämtlichen Grossbeamten der Grossen Mutterloge "Ludwig" wurden Leopold Engel und Sigmund Miller aus der Mitgliederliste der Grossen Mutterloge "Ludwig" wegen "eines Aktes der Falschheit und des Treubruches" gestrichen. Diese Tatsache wurde dem Leopold Engel in einem, von sämtlichen Grossbeamten der Grossen Mutterloge "Ludwig" unterzeichneten Schreiben vom 8. Juli 1902 mitgeteilt.
Damit habe ich jetzt nur die ersten 8 Worte eines Satzes auf Seite 90 in Eberhardts Buch richtig gestellt. Der ganze Satz lautet wie folgt:

Da entsetzte Reuss seinen Freund Engel seiner Aemter und erklärte die Grosse Freimaurerloge für Deutschland für unabhängig; das geschah am 3. Juli 1901.
Die zweiten 9 Worte dieses einen Satzes entsprechen auch nicht den Tatsachen.
Die "Grosse Freimaurerloge für Deutschland" wurde am 9. Februar 1902 aufgelöst. An ihre Stelle trat die Grosse Mutterloge "Ludwig."
Und die letzten 6 Worte entsprechen somit auch nicht den Tatsachen, denn am 3. Juli 1901 habe ich weder Engel seiner Aemter entsetzt, noch die "Grosse Freimaurerloge für Deutschland" für unabhängig erklärt.
So enthält fast jeder Satz eine Unrichtigkeit.
Gleich die nächstfolgenden 4 Zeilen sind wieder unwahr, sowohl der Tendenz nach, wie auch den Tatsachen gemäss.

Eberhardt sagt: "Doch das Zerwürfnis zwischen Reuss und Engel wirkte lähmend und hemmend auf die Logenmitglieder. Darum erschien mit einem Male Reuss mit einem Patent von John Yarker in Manchester für den Swedenborg Ritus ..."
(Das wäre nach Eberhardts vorangegangener Darstellung nach Entlassung Engels am 3. Juli 1901 gewesen.)
Die wahre Tatsache ist aber, dass ich im Dezember 1901 persönlich in London war, und in Folge meiner Verhandlungen mit dem damaligen Grossbeamten der englischen (anerkannten) Grossloge Dr. Wynn Westcott, der neben seiner Stellung als Grossbeamter der United Grand Lodge of England auch Stellvertreter des Grossmeisters John Yarker der "Supreme Grand Lodge of Great Britain and Ireland des Swedenborg-Ritus der Freimaurerei" war, von Dr. Wynn Westcott einen am 6. Februar 1902 im Namen John Yarkers ausgestellten Freibrief für die Konstituierung eines "Provinzial-Grossloge und Tempel des Swedenborg-Ritus der Freimaurerei" in Deutschland erhielt.
Der letzte Satz auf Seite 90 und dessen Fortsetzung auf Seite 91 ist wiederum höchste Konfusion und heller Blödsinn.
Das Sanktuarium und die Grosse Loge des Swedenborg-Ritus für Grossbritanien [sic] ist nicht vom Sovereign Sanctuary of Antient and Primitive Masonry in and for the Continent of America durch den G.G.M. Seymour am 3. Juni 1872 gestiftet worden.
Der Swedenborg-Ritus ist in England im Jahre 1876 auf Grund eines Warrant (Freibrief) von der Sphynx Lodge und Temple No. 1, Maitland, Ontario (Kanada) eingeführt worden.
Der Swedenborg-Ritus vermittelt nicht die Kenntnis der Grade der egyptischen Maurerei.
Der 3. Absatz auf Seite 91 gehört auf Seite 89, wo die Illuminaten Grade aufgeführt wurden.
Der 4. Absatz auf Seite 91 enthält nun eine der kleinen Niederträchtigkeiten, die A.P. Eberhardt so hie und da in seinem Geschreibsel mit hineinschlüpfen lässt.
Eberhardt schreibt auf Seite 91:

Doch da der Swedenborg-Ritus, wie man in Erfahrung gebracht hatte, (!) keine Kompetenz in Bezug auf die Johannis-Grade besitzt ... konnten die Mitglieder auch nicht damit rechnen, jemals in Deutschland anerkannt zu werden, deshalb forderten sie, und ganz besonders der bekannte Okkultist und Freimaurer Dr. Kellner in Wien, von Reuss, dass er ihnen das Patent einer anerkannten Körperschaft bringe. (!)
In No. 1, No. 2, No. 3, No. 4 der "Oriflamme" vom Jahre 1903 steht mit fetten Lettern an der Spitze jeder Nummer, dass die Provinzial-Grossloge des Swedenborg-Ritus für Deutschland bereit ist:

gesetzmässigen Freimaurer-Meistern die Hochgrade des Swedenborg-Ritus zu erteilen,
nirgends ist gesagt worden, dass die "Johannisgrade" vom Swedenborg-Ritus bearbeitet werden.
Die Eberhardtsche Bemerkung, dass "man in Erfahrung gebracht hatte," ist also eine kleine Niederträchtigkeit von der Art seines Freundes Loeberich, über dessen Bericht Eberhardt auf Seite 1 seines Buches sich beklagt:

sie (die Berichte) stammten aus den Federn ausgeschiedener Brüder, geschrieben zu dem Zwecke, dem früheren Verbande zu guter Letzt noch etwas anzuhängen, waren also tendenziöser Art."
Mit diesen schönen, wahren Worten spricht Eberhardt seine eigene Verurteilung aus, im Hinblick auf seine tendenziösen Darstellungen in seinem Winkellogen-Buche.
Und damit komme ich nun zu einem Satze in Eberhardts Buche, in dem Eberhardt seinen ganzen intriguantenhaften [sic] Charakter enthüllt.
Eberhardt sagt: "Die Mitglieder forderten, und ganz besonders der bekannte Okkultist und Freimaurer Dr. Kellner in Wien, forderte von Reuss, dass er ihnen das Patent einer anerkannten Körperschaft bringe!"
Dr. Karl [sic] Keller war niemals Mitglied des Swedenborg-Ritus oder überhaupt Mitglied irgend einer der von mir in den Jahren 1900-1902 gegründeten Freimaurerlogen gewesen. Dr. Karl Kellner war auch nicht Mitglied des von mir re-aktivierten Illuminaten-Ordens gewesen, so lange Leopold Engel mit demselben in irgend einer Weise verbunden gewesen war.
Dr. Kellner war also gar nicht in der Lage, irgend etwas als Mitglied des Swedenborg-Ritus zu fordern.
Dr. Karl Kellner, mit dem ich allerdings schon lange vorher befreundet und verbunden war, trat im September 1902 dem Souveränen Sanktuarium des Alten und Primitiven Ritus der Freimaurerei bei, nachdem ich im Einverständnis mit ihm (nach Ausschluss des Leopold Engel aus dem Kreise meiner Mitarbeiter) von John Yarker in Manchester im August 1902 einen Charter (Freibrief) erbeten und zugesagt bekommen hatte.
Eberhardt gibt dann auf Seite 92, 93, 94 Auszüge aus der "Oriflamme" und aus einer von ihm selbst verfassten und im Januar 1907 in Leipzig im Druck erschienenen Schrift, betitelt: "Von der freimaurerischen Gesetzmässigkeit der Symbolischen Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland." In dieser Schrift lieferte Eberhardt die dokumentarischen Beweise für die freimaurerische Gesetzmässigkeit des frm.: Ritus, dem er durch mich beigetreten war.
Seit seinem Uebertritt zu der landeseingesessenen "anerkannten" Grossloge, erkennt er natürlich diese seine Beweise nicht mehr an.

Auf Seite 95 versucht Eberhardt mir einen weiteren Eselstritt zu versetzen, indem er unterstellt, dass sich im Jahre 1905, nach der Stiftung des Gross-Orients in Hamburg am 27. August 1905, im Hotel Metropol in München unter dem Deckmantel des Okkultismus recht unliebsame Sachen zugetragen hätten, wegen der die Logen sich von mir getrennt hätten.
Diese Darstellung entspricht wiederum nicht den Tatsachen.
Im Jahre 1905 habe ich in München gar nicht im Hotel Metropol gewohnt. Der "Vorgang," auf den Eberhardt aber glaubt anspielen zu müssen, ereignete sich schon im Jahre 1903. Und da gibt es gar nichts zu verheimlichen. Ich gab dem Br. Dotzler, auf dessen Wunsch hin, gewisse Aufklärungen über gewisse Yoga-Uebungen, die allen Kennern von Hatha-Yoga wohl bekannt sind. Alte Weiber männlichen Geschlechts, die beim Frühschoppen oder Abendtrunk gerne "neue Sachen" auf dem Gebiet der Zote sich zuflüstern, machten aus der Sache eine "Schweinerei," und da (wie schon Basilio sagt im "Barbier von Sevilla") derartige geflüsterte Klatschereien immer wachsen und wachsen, je weiter sie getragen werden von Mund zu Mund, so bekam die Sache eine künstliche Bedeutung, die sie in Wirklichkeit gar nicht besessen hatte. Man braucht diesbezüglich ja nur den Brief des Br. Dotzler in der "Oriflamme" vom Juli 1906 über diese Angelegenheit zu lesen.[6] *
Da dieser sogenannte Vorgang sich aber schon 1903 zugetragen hatte, und die Trennung der hamburger Gross-Orient Logen von mir erst im Dezember 1905 stattfand, so war der ganze damalige Entrüstungsrummel nicht echt gewesen, sondern nur ein Vorwand, um den Treubruch zu bemänteln. Eberhardt war von den Malcontenten damals auch eingeweiht worden in das schauderhafte Geheimnis des Hotels Metropol. Damals war er aber augenscheinlich noch nicht so hochgradig tugendhaft wie heute. Im Jahre 1905 zog er noch den "Mantel des Grossmeisters" der "Flucht" vor!
Absatz 5 auf Seite 95 sagt Eberhardt: an Uebertrittsgebühren (zu den "anerkannten" Grosslogen) brauchten für den Bruder nur 50 Mark gezahlt werden. (!)
Ein schönes Geschäft für die "anerkannten" Grosslogen! Da zirka 700 Mitglider nach und nach aus meiner Jurisdiktion zu den anerkannten Grosslogen übergetreten sind, so haben die deutschen Grosslogen 700 x 50 Mark = 35 000 Mark (immer nach Eberhardt) durch meine sogenannte "Schweinerei" verdient!
Es ist eben alles Geschäft heutzutage!
Seite 96 sagt Eberhardt, dass ich ihm 1909 die "angeblichen" Machtbefugnisse, die Hochgrade zu bearbeiten, wieder entzogen hätte, weil es mich verdrossen hätte zu erfahren, dass er (Eberhardt) seine Logen (die Logen des Schottischen Ritus) in den deutschen Grosslogenbund hinüberführen wolle.
Das stimmt wieder nicht!
Ich entzog Eberhardt die ganz realen Machtbefugnisse, weil er während 3 langer Jahre nicht einmal den Versuch gemacht hatte, die Hochgrade zu bearbeiten. An dem Uebertritt der Johannislogen lag mir gar nichts. Denn ich war mir vom Ur-Anfang bewusst, dass früher oder später die Johannislogen von den "anerkannten" Grosslogen in irgend einer Form aufgesogen würden. Diese meine Ueberzeugung hatte ich schon 1902 dem Br. Wiebe (damals Grossmeister der Hamburger Grossloge) in dessen Wohnung in Hamburg, anlässlich einer langen Unterredung über meine Gründungen, ausgesprochen.
Den "Stamm" für die Hochgrade habe ich mir trotz der gegenteiligen Ansicht des A.P. Eberhardt, inzwischen jedoch herangezogen, und deshalb existiert der Ritus in Deutschland auch heute noch.
Auf Seite 99 bis 101 berichtet A.P. Eberhardt über den "Orientalischen Templer-Orden" (O.T.O.) in Deutschland.
An der Spitze seines Artikels über diesen Orden schreibt er kurz und bündig, aber wider besseres Wissen:

"Gegründet im Jahre 1912 von Theodor Reuss in London."
Da Eberhardt einen Teil seiner Angaben über den Orden der "Oriflamme" vom Jahre 1912 entnimmt, so musste er wissen, dass dieser Orden nicht erst im Jahre 1912 von mir gegründet worden ist. Es ist ihm aber ausserdem von mir selbst ein Exemplar der Konstitution des Ordens zugesandt worden, und aus dieser musste er ersehen, dass die Konstitution des "neu-organisierten" Ordens der orientalischen Templer vom Januar 1906 datiert. Endlich musste A.P. Eberhardt, als er im Jahre 1905 als Grossmeister Paul Eberhardt an der Generalversammlung des Suveränen [sic] Sanktuarium in der Bellealliancestrasse 74 in Berlin teilnahm, mit eigenen Augen gesehen haben, dass schon 1905 rechts von der Haustür des Hauses 74 Bellealliancestrasse, gegen die Strasse zu, ein grosses Messingschild angebracht war, mit der Inschrift:
Suveränes Sanktuarium des Ordens der Orientalischen Templer.
Ausserdem habe ich ihm persönlich auf seine an Br. Kirmiss gerichtete Anfrage geschrieben, dass der Orden anfangs 1914 über 2 400 Mitglieder in allen Ländern der Erde verteilt, zählte. Ich fügte hinzu, dass wir nach den gemachten üblen Erfahrungen, öffentlich keinerlei detaillierte Angaben mehr machen über die Ausbreitung des Ordens. Ausgenommen sind nur die 3 alten Stämme München, Berlin und Mannheim, weil deren Leiter eben gegen alle "Aufsaugungs-Angriffe" gefeit sind.
Natürlich machen wir auch kein Geheimnis aus den Zentralsitzen des Ordens in den ausserdeutschen Ländern. Deshalb haben wir s.Zt. auch die Adressen der Zentralsitze in London, Paris, Italien, Oesterreich usw. ohne weiteres veröffentlicht. In diesem Jahre ist neu hinzugekommen eine National-Grossloge unseres Ordens für Süd-Afrika.
Unser Orden (O.T.O.) ist aber gar kein Freimaurer-Orden pure et simple, das ist schon in der "Oriflamme" von 1912 öffentlich gesagt worden. Unser Orden (O.T.O.) will auch gar kein Freimaurer-Orden sein. Das geht ganz klar aus dem Wortlaut der Konstitution des O.T.O. hervor. Wohl aber ist Unser Orden eine Academia Masonica und eine Hochschule der hermetischen Wissenschaften.
Die britische Abteilung des O.T.O. hat soeben ein Manifesto im Druck erscheinen lassen, das Neugierigen und Suchenden weitere Aufschlüsse gibt.
An einer anderen Stelle dieser Nummer der "Oriflamme" findet man einen Auszug aus diesem Manifesto in deutscher Sprache.
Damit schliesse ich meine Berichtigungen des Buches "Winkel-Logen" von A.P. Eberhardt.
Meinen Artikel kann ich aber nicht schliessen, ohne gegen die tendenziösen Unterstellungen des A.P. Eberhardt, denen sich der Bücherschauer der "Latomia" angeschlossen hat, zu protestieren, dass die A.P. Eberhardt und Genossen nicht gewusst hätten, wo die sogenannten "anerkannten" Logen zu finden waren. Dass sie deshalb von mir irre geführt werden konnten, und dass sie sich mir nur angeschlossen hätten, weil sie getäuscht worden wären.
Diese Unterstellungen sind klagbare Beleidigungen.
Die nackte Wahrheit ist: Paul Eberhardt und alle seine 1000 Logenmitglieder wussten recht wohl und gut, wo die "anerkannten" Logen zu finden waren. Aber die "anerkannten" Logen wollten damals den A. Paul Eberhardt und seine Logenbrüder nicht haben, weil - wie der Bücherschauer der "Latomia" so schön sich ausdrückt - "dadurch moralisch und geistig minderwertige Elemente einem Bunde angehängt wurden, der seine Glieder in jeder Beziehung einwandfrei sehen will!"
Aber als es deren genug waren, hat dieser Bund (der deutsche Grosslogenbund) für ca. 35 000 Mark diese moralisch und geistig minderwertigen Elemente alle ruhig hinuntergeschluckt! - Wohl bekomms!
Theodor Reuss.

Auszug aus dem englischen Manifesto der M.:M.:M.:

in deutscher Uebersetzung
Manifesto der M.:M.:M.:
Die M.:M.:M.: (Mysteria Mystica Maxima) ist der Name der Britischen Sektion des O.T.O.
Der O.T.O. ist eine Körperschaft von Eingeweihten, in deren Händen sich die Weisheit und Erkenntnis der folgenden Organisationen konzentrieren:
1. Die Gnostische Katholische Kirche.
2. Der Orden der Ritter vom Heiligen Geist.
3. Der Illuminaten-Orden.
4. Der Tempel-Orden (Tempelritter).
5. Der Johanniter-Orden.
6. Der Malteser-Orden.
7. Der Orden der Ritter vom Heiligen Grabe.
8. Die Geheime Kirche vom Heiligen Graal.
9. Der Rosenkreuzer-Orden.
10. Der heilige Orden vom Rosigen Kreuz von Heredom.
11. Der Orden vom Heiligen Gewölbe von Enoch.
12. Der Alte und Primitive Ritus der Maurerei (33 Grade).
13. Der Ritus von Memphis (97 Grade).
14. Der Ritus von Misraim (90 Grade).
15. Der Alte und Angenommene Schottische Ritus der Maurerei (33 Grade).
16. Der Swedenborg-Ritus der Maurerei.
17. Der Martinisten-Orden.
18. Der Sat Bhai-Orden.
19. Die hermetische Brüderschaft des Lichtes.
20. Der Hermetische Orden der goldenen Dämmerung, und mehrere andere Orden von grösserer und kleinerer Bedeutung.
Da die vielgestaltete Ausspendung der ursprünglichen geheimen Weisheit zur Konfusion geführt hat, haben die Häupter dieser Orden beschlossen, sich wieder zu vereinen und ihre Tätigkeiten zu zentralisieren, gleichwie weisses Licht, obgleich geteilt durch das Prisma, wieder vereint werden kann.
Er vereinigt in sich die gesamte geheime Wissenschaft aller orientalischen Orden; und seine Häupter sind Eingeweihte des allerhöchsten Ranges und anerkannt als solche von allen, in jedem Lande der Erde die fähig sind, darüber zu urteilen.
Es war Karl  [sic] Kellner, der die exoterische Organisation des O.T.O. wieder aufleben liess, und die Initiative ergriff zu dem Plane, der jetzt zur glücklichen Vollendung gebracht ist, alle okkulten Körperschaften in einem Bunde zu vereinen.
Die Buchstaben O.T.O. bedeuten die Worte Ordo Templi Orientis (Orden des Tempels des Orients, oder Orientalische Templer), aber selbe haben für die höchsten Eingeweihten auch noch eine geheime Bedeutung.[7] *
Der Orden ist international und hat bestehende Zweige in jedem zivilisierten Lande der Erde.
Die Ziele des O.T.O.können nur von den höchsten Eingeweihten vollständig erfasst werden. Aber es kann offen ausgesprochen werden, dass er lehrt: hermetische Wissenschaft (oder okkulte Kenntnisse), die Reine und Heilige Magie des Lichtes, die Geheimnisse der mystischen Vollkommenheit, alle Formen von Yoga, wie Gnana Yoga, Raja Yoga, Bhakta Yoga, Hatha Yoga und alle anderen Zweige der Geheimen Weisheit der Alten.
In seinem Busen ruhen sämtliche Grossen Mysterien, und sein Gehirn hat sämtliche Probleme der Philosophen und alle Rätsel des Lebens gelöst.
Er besitzt das Geheimnis des Steines der Weisen, des Elixieres der Unsterblichkeit und der Universal-Medizin.[8] *
Ausserdem besitzt er auch ein Geheimnis, das es ermöglicht. den alten Welt-Traum eines allgemeinen Menschen-Bruderbundes zu verwirklichen.
Es besitzt in jedem wichtigeren Populations-Zentrum einen geheimen Ort der Abgeschiedenheit (Collegium ad Spiritum Sanctum), wohin Mitglieder sich zurückziehen können, um ungehindert und abgeschlossen dem Grossen Werk obliegen können.
Diese Plätze sind geheime Festungen von Wahrheit, Licht, Kraft und Liebe, und deren Lage wird nur nach Ablegung eines Eides der Geheimhaltung Solchen mitgeteilt, die Anspruch auf Benützung desselben haben.
Diese Plätze sind Tempel des wahren Gottesdienstes, von der Natur geweiht dem Zwecke, dass der Mensch sein Bestes zum Opfer bringe.
Die oberste Autorität des O.T.O. ist konzentriert im O.H.O. (Outer Head of the Order = Ober-haupt des Ordens) oder Frater Superior. Der Name der Person, welche dieses Amt bekleidet, wird nur seinen unmittelbaren Vertretern mitgeteilt.
Die Autorität des O.H.O. wird in allen englisch-sprechenden Ländern ausgeübt von dem, mittelst Patent bestellten und delegierten Most Holy, Most Illustrious, Most Illuminated and Most Puissant Baphomet [Aleister Crowley], X°, Rex Summus Sanctissimus 33°, 90°, 96°, Past Grand Master of the United States of America, Grand Master of Ireland, Jona and All the Britain (Free and Independent Great Britain and Ireland) National-Grossmeister ad vitam der M.:M.:M.:, deren Hauptquartier sich in 33 Avenue Studios (76 Fulham Road), Kensington, London S.W., befindet.
Der National-Grossmeister ad vitam wird unterstützt von zwei Haupt-Beamten, den General-Gross-Schatzmeister, V.:Ill.:Br.: Georg M. Cowie VII°, 33°, 90°, 95°, wohnhaft 14 Glenisla Gardens, Edinburg, Schottland, und General-Gross-Sekretär V.:H.:L.: and Ill.:Bro.: L. Bathurst,[9] * IX°, 33°, 90°, 95°, wohnhaft 33 Avenue Studios (76 Fulham Road), London S.W., England. Die übrigen Grossbeamten aufzuführen hat keinen Zweck in diesem Manifesto.
Die gesamten Kenntnisse der im Absatz 2 dieses Manifesto aufgeführten Organisationen ist verteilt auf die folgenden Grade: 0° Minerval; I°M.; II°M..; III°M.:; IV° Heiliges Gewölbe; V° Rose Croix; VI° Kadosch Templer; VII° General Grossinspektor; VIII° Illuminat; IX° Eingeweihter des Sanktuariums der Gnosis; X° Rex Summus Sanctissimus.
Jede freie, volljährige Person männlichen oder weiblichen Geschlechtes, hat ein unveräusserliches Recht auf den III°; über diesen Grad hinaus finden Beförderungen nur auf Einladung seitens der Oberen statt.
Die bürgerlichen Namen der weiblichen Mitglieder werden nicht bekannt gegeben.
Der O.T.O., obgleich er eine Academia Masonica ist, ist keine freimaurerische Körperschaft, so weit die Johannisgrade (Craft Degrees) in Betracht kommen und in dem Sinne, wie dieser Ausdruck für gewöhnlich in England verstanden wird. Der Orden kommt daher in keiner Weise in Konflikt mit den berechtigten Privilegien der United Grand Lodge of England (Grossloge von England).[10] *
Das Konstitutions-Patent, die Gerichts-Urkunde der Einverleibung und der Treuhänder usw. und alle anderen Dokumente werden auf Verlangen jedem Mitgliede vorgelegt, wenn es den IV° erlangt hat.
Die Rechte und Privilegien der Mitglieder der M.:M.:M.: sind zahlreich. Die hauptsächlichsten sind: Der ganze grosse Schatz der geheimen Kenntnisse, wie er im Sanktuarium verwahrt und erhalten wird, wird ihnen zugänglich.
Sie nehmen Teil an dem erhabenen und hehren Leben der Schöhheit, Harmonie und Liebe, welches im Herzen des O.T.O. feurig lodert und das ganze Leben seiner Angehörigen erhellt und erwärmt mit unsterblichem Feuer, je mehr sie sich der Zentral-Sonne nähern. Sie finden gleichgesinnte Herzen und Seelen in allen Teilen der Erde.
Sie erlangen das Recht, sich in den Geheimen Asylen des O.T.O. aufzuhalten. Je nach dem Range, den sie im Orden einnehmen, für längere oder kürzere Zeit.
Die Kenntnis der Zubereitung und des Gebrauchs der Universal Medizin ist zwar den Inhabern des IX° vorbehalten, aber mit besonderer Dispensation vom National-Grossmeister können in ausserordentlichen Fällen diese Kenntnis auch Inhabern des VII° und VIII° zugänglich gemacht werden.
Inhaber des IX° partizipieren am Vermögen und dem ganzen Besitzstande des Ordens.
Diesem Manifesto sind Photographien von einem der Profess-Häuser oder Collegium vom Heiligen Geiste des Ordens beigefügt. Auf besonderem Befehl des National-Grossmeisters wird in diesem Falle die sonst übliche strenge Geheimhaltung durchbrochen, um den suchenden Profanen zu zeigen, dass schon die rein materiellen Vorteile, die der Orden seinen Mitgliedern bietet, die Gebühren rechtfertigt, die er von den Kandidaten verlangt.
Die geistigen Kenntnisse aber, die der Orden seinen Mitgliedern bietet, können durch keinerlei Geld bezahlt werden, sie sind ein Geschenk Gottes!
Der O.H.O. ist nur den Inhabern des VIII° und IX° bekannt.
Der National Grossmeister ad vitam ist nur für diejenigen Mitglieder zugängig, welche mindestens den VI° besitzen.
Alle Anfragen und Mitteilungen sollten gerichtet werden an den General Gross-Sekretär, Cheques sollten ausgestellt werden auf den Namen des General Gross-Schatzmeisters.[11] *
Veröffentlicht im Auftrage, L. Bathurst, IX° General Gross-Sekretär.
Imprimatur Baphomet X°
Nihil obstat O.H.O.

Ordens-Anzeigen.

Infolge Ausbruches des Krieges zwischen England und Deutschland ist das Ordens-Hauptquartier nach dem neutralen Lande Schweiz, und zwar nach Basel verlegt worden. Die genaue Adresse ist den National-Grossmeistern der einzelnen Länder bekannt gegeben worden und diese allein vermitteln den Verkehr während der Dauer des Krieges.
Der Ordensmeister (O.H.O.) hat sich nach seiner Ankunft in Berlin sofort zur Dienstleistung beim Roten Kreuz gemeldet,[12] * und hofft demnächst nach dem Kriegsschauplatze abzugehen.
Der Ordenskanzler ist zu seinem Regiment eingezogen worden und steht als Landsturm auf dem östlichen Kriegsschauplatze.
Der General Gross-Sekretär. An unsere Leser!

Durch den ganz unerwarteten Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und England hat sich das Erscheinen dieser Schrift verzögert. Die Korrekturbögen der in Deutschland hergestellten Schrift haben England vor Ausbruch des Krieges nicht mehr erreicht, und der Verfasser und Herausgeber hatte inzwischen, unter Hinterlassung seines ganzen Hab' und Gutes, England fluchtartig verlassen müssen. - Die englischen Mitglieder Unseres Ordens haben zwar getrachtet, das Eigentum des Ordensmeisters zu beschützen, es ist ihnen aber nur teilweise gelungen. Die englischen Behörden haben sich geradezu mit einer Art Hass auf die Deutschen und deren Eigentum gestürzt. Seit Samstag, den 1. August wurden den Deutschen in London keine Auslandsbriefe (also Briefe aus Deutschland) mehr zugestellt. Selbst angesehene Deutsche, wie z.B. Herr Dr. Plehn, der langjährige Londoner Vertreter vom Berliner Wolffschen Telegraphen-Büro, wurden verhaftet, und viele wurden überhaupt nicht mehr in Freiheit gesetzt, sondern wurden als Kriegsgefangene in einem Konzentrationslager für die Dauer des Krieges interniert. Man schätzt die Zahl der von England gefangen gehaltenen Deutschen auf über 30 000 Köpfe. Diejenigen Deutschen, denen es gelang, sich der Verhaftung zu entziehen, waren bei ihrer Ankunft in Berlin peinlichst überrascht, sehen zu müssen, wie zart und zuvorkommend, sozusagen übernatürlich human, die Berliner Polizei die Engländer behandelte. Etwas "mehr preussische Schärfe" wäre bei der Behandlung der Engländer in Berlin entschieden am Platze gewesen, angesichts der Behandlung der Deutschen in England!

Der Herausgeber.

3. Konstitutionen

INRI 1906
Allgemeine Satzungen des Ordens der Orientalischen Templer
O.T.O.

1. Name und Zweck.

Unter dem Namen
Orientalische Templer Orden
O.T.O.
ist ein internationaler Verein reorganisiert worden, welcher den Zweck verfolgt:

a. Das Studium der hermetischen Wissenschaften anzuregen, seine eingeweihten Mitglieder in diesen Wissenschaften zu unterrichten und die Lehren des Ordens in Wort, Schrift und Tat zu propagieren;
b. Lehranstalten zu gründen und zu verwalten, in welchen die hermetischen Wissenschaften gelehrt werden;
c. Heimstätten zu gründen und zu verwalten, in welchen den eingeweihten Mitgliedern Gelegenheit gegeben wird, nach den Ordenslehren und gemäss den Hausgesetzen des Ordens (Ordensregeln) zu leben.

2. Sitz.


Der Orden ist international, mit dem Verwaltungssitze in London. Von dort werden Zweigvereine gegründet, die von der obersten Ordensleitung (Exekutive) abhängig bleiben.

3. Mitgliedschaft

1. Eintritt


a. Mitglied kann jede unbescholtene und verfügungsberechtigte Person werden.
b. Der Antrag dazu muss schriftlich durch Unterzeichnung der Satzungen geschehen.
c. Die Aufnahme erfolgt durch Beschluss der obersten Ordensleitung (Exekutive nach Ordensbrauch).
d. Ausser einzelnen Personen können Zweigvereine (Heimstätten, Synoden, Logen etc. genannt) dem Orden angehören.
e. Jeder Zweigverein (gleichviel unter welchem Sondernamen derselbe gegründet ist und existiert) muss bei der Ortspolizeibehörde angemeldet werden und kann für seine lokalen Bedürfnisse diese Satzungen durch eigene Beschlüsse ergänzen. Derartige Lokal-Satzungen dürfen aber in keinem Punkte weder im Worte noch im Geiste, diesen Ordens-Satzungen zuwiderlaufen.

2. Austritt.

Die Mitgliedschaft erlischt:

a. Durch den Tod des Mitgliedes. In diesen Falle hat der Bürge (oder Führer) des Verstorbenen die Insignien und Ordenspapiere an sich zu nehmen und sie dem Ordensmeister unverzüglich einzuhändigen.
b. Durch freiwilligen Austritt. Aufnahme-Papiere, Ordensinsignien und sonstige Ordensschriftstücke sind beim Austritt an den Ordensmeister gegen Rückgabe der bei der Aufnahme eingezahlten M. 16,-, welche als eine für die richtige Rückgabe gestellte Kaution gelten, zurückzusenden. Zuwiderhandelnde machen sich nach den Landesgesetzen schuldig.
c. Durch Ausschluss. Ueber den Ausschluss eines Mitgliedes entscheidet die oberste Ordensleitung (Exekutive) allein. Der Beschluss derselben ist unanfechtbar.
d. Da nach 6 der Ordenssatzung alles von den Mitgliedern eingezahlte Geld, oder eingebrachte Gut, als eingeworfenes Gut angesehen wird, auf das nur der Orden als Ganzes, nicht aber ein Einzelmitglied irgend einen Anspruch erheben kann, so verliert beim Ausscheiden der Ausscheidende alle Rechte an den Orden und dessen Vermögen.
e. Wer ein ganzes Jahr nichts von sich hören lässt, oder wer mit seinen Beiträgen etc. ein ganzes Jahr im Rückstande bleibt, wird aus der Liste der Mitglieder gestrichen, und verliert damit alle seine Rechte und Ansprüche an den Orden und dessen Vermögen.

3. Klassifikation der Mitglieder.

Die Mitglieder werden eingeteilt:

a. Eingeweihte (aktive Mitglieder);
b. Laien (inaktive Mitglieder);
c. Prüflinge (korrespondierende Mitglieder).
Nur die aktiven Mitglieder (Eingeweihte) sind stimmberechtigt.

4. Mitglieder-Versammlungen.


1. Vorstands-Versammlungen werden nach Bedarf von der obersten Ordensleitung (Exekutive) einberufen.
2. Allgemeine Versammlungen der Mitglieder werden nach Bedarf von der obersten Ordensleitung (Executive) einberufen.


Ausserdem auch auf schriftlichen Antrag von mindestens sieben aktiven Mitgliedern.

5. Ordens-Vorstand


1. Derselbe besteht aus einem auf Lebenszeit gewählten Ordensmeister, dem die geistige Oberleitung, und einem Ordens-Direktorium, dem die geschäftliche Leitung des Ordens obliegt.
2. Das Ordens-Direktorium wird vom obersten Ordensleiter, dem Ordensmeister, gewählt und eingesetzt, und besteht aus mindestens drei aktiven Mitgliedern.
3. Nach Aussen vertritt den Orden der oberste Ordensleiter (der Ordensmeister), allein, er ist die Exekutive des Ordens-Direktoriums.

6. Beiträge


1. Jedes Mitglied hat ein einmaliges Eintrittsgeld und einen jährlichen Beitrag pränumerando an die Ordenskasse zu zahlen. Die Höhe dieser Beiträge ist dem freien Ermessen des Mitgliedes anheimgestellt, insofern selbe nicht weniger betragen wie:

M. 1.- pro Monat Beitrag für Prüflinge,
M. 2.- pro Monat Beitrag für Laien,
M. 5.- pro Monat Beitrag für Eingeweihte, und
M. 20.- als erstes Eintrittsgeld.

2. Für die bei der Aufnahme als Prüfling zu übergebenden Ordensinsignien, und für die während der Mitgliedschaft zu empfangenden Ordensschriften, sind bei der Aufnahme M. 16.- (20 francs) als Kaution zu entrichten.
3. Alle von den Mitgliedern eingezahlten Beiträge und Gelder, und sonstwie überlassenes Gut, werden als ein eingeworfenes Gut angesehen, auf welches nur der Orden als Ganzes, oder Bedürftige nach Beschluss der obersten Ordensleitung zum Nutzen des Ordens, Anspruch erheben können.
4. Alle Ordensinsignien und Ordensschriften verbleiben stets Eigentum des Ordens.
5. Die Kassenverwaltung hat jedes Jahr im Januar den aktiven Ordensmitgliedern Rechnung abzulegen.

7. Auflösung des Ordens


1. Der Orden kann sich nur auflösen, wenn eine von der obersten Ordensleitung zu diesem Zwecke nach dem Ordenssitze einberufene Versammlung der Mitglieder mit drei Viertel Stimmenmehrheit der aktiven Mitglieder die Auflösung beschliesst.
2. Die Versammlung, welche die Auflösung des Ordens beschliesst, hat auch über die Verwendung des Ordensvermögens Beschluss zu fassen. Der Mehrheitsbeschluss von drei Viertel der Anwesenden ist gültig.

8. Aenderung der Satzungen


1. Eine Aenderung dieser Satzungen kann nur in einer, von der obersten Ordensleitung einzuberufenden, allgemeinen Versammlung der aktiven Mitglieder vorgenommen werden, wenn drei Viertel der aktiven Mitglieder für die Aenderung stimmen.
2. Ein Antrag auf Aenderung der Satzungen muss, von mindestens sieben aktiven Mitgliedern unterzeichnet, der obersten Ordensleitung eingereicht werden.

9. Ordensregeln und Ordenslehren


Zur Erreichung des in 1 genannten Ordenszweckes verfügt der Orden über einen Lehrgang, welcher den Mitgliedern auf Grund von besonderen Bestimmungen (Ordensregeln) zugänglich ist.


London, den 21. Juni 1906
Der Ordensmeister


Konstitution des O.T.O. von 1917[13] *

Alter Orden der Orientalischen Templer

Constitution

Artikel I.


Sektion 1. Unter dem Namen und Begriff: Alter Orden der Orientalischen Templer, ist eine Organisation, die man vorher als "Hermetic Brotherhood of Light" kannte, neu-organisiert und neu-konstituiert worden. Diese neu-konstituierte Vereinigung ist eine internationale Organisation und wird hierin als O.T.O. bezeichnet.

Artikel II.


Sektion 1. Der O.T.O. erklärt die Bruderschaft Aller Geschaffener Dinge zu einem Naturereignis.
Sektion 2. Das hauptsächliche Ziel des O.T.O. ist, wahre Bruderschaft zu lehren, und sie zu einem lebendigen Teil im Leben der Menschheit werden zu lassen.
Sektion 3. Zusätzlich will der O.T.O.: (a) das Wissen der Hermetischen Wissenschaft verbreiten, und seine Mitglieder in die Geheimen Lehren der Hermetischen Wissenschaften einweihen, wozu die Mitglieder als Vorbereitung in die Freimaurerei eingeweiht und erhoben worden sein müssen; (b) Schulen, Logen, etc. zu gründen, wo die Hermetische Wissenschaft gelehrt werden kann; (c) Heimstätten, Kolonien und Niederlassungen zu gründen und zu verwalten, wo die eingeweihten Mitglieder gemäss den O.T.O.regeln leben können.
Artikel III.


Sektion 1. Der O.T.O. ist ein Teil der grossen und allumfassenden hermetischen Bewegung, die zu allen Zeiten aktiv gewesen ist.
Sektion 2. Alle Organisationen weltweit, die diese Konstitution annehmen, werden dadurch ein Bestandteil des O.T.O. und erhalten eine offizielle Bestätigung als solche. Alle solche Organisationen können auf irgendeine Weise durch die Führung des O.T.O. besteuert werden.
Sektion 3. Das Hauptquartier des O.T.O. ist zur Zeit in der Schweiz, kann aber überallhin verlegt werden.

Artikel IV.


Sektion 1. Alle Belange, die das Wohlergehen und die Verwaltung des O.T.O. betreffen, liegen in der Hand eines Einzigen Höchsten Amtes.
Sektion 2. Der Titel dieses Amtsinhabers lautet folgendermassen: "Frater Superior und Outer Head of the Order", hierin als "O.H.O." bezeichnet.
Sektion 3. Die Person (männlich oder weiblich), die dieses Amt innehat, dient lebenslänglich, ausser er oder sie tritt zurück.
Sektion 4. Diese Amtsperson soll seine(n)/ihre(n) Nachfolger/in ernennen.

Artikel V.


Sektion 1.  Der Frater Superior und Outer Head of the Order (O.H.O.) ist allein die Exekutive des Ordens O.T.O.
Sektion 2. Der Frater Superior und Outer Head of the Order (O.H.O.) hat die alleinige Macht, alle Ämter mit Personen zu besetzen oder sie abzusetzen.
Sektion 3. Der Frater Superior und Outer Head of the Order (O.H.O.) hat die Macht, die O.T.O.politik zu erklären und die Angelegenheiten des O.T.O. zu leiten und zu lenken.
Sektion 4. Der Frater Superior und Outer Head of the Order (O.H.O.) hat die Macht alle Chartas jeglicher Art (Logen, Kapitel, Senate, Tempel, Häuser, Schulen, etc.) zu suspendieren oder zu widerrufen und er hat überdies die Macht, Mitglieder zu suspendieren oder zu entlassen, wann immer er das Gefühl hat, dies im Interesse des O.T.O. tun zu müssen.

Artikel VI.


Sektion 1. Der Ordensrat (Kabinett) besteht aus zwölf Mitgliedern, inklusive des O.H.O., der der amtsausführende Vorsitzende des Kabinetts ist.
Sektion 2. Die Pflichten und Aufgaben des Kabinetts sind es, die Massnahmen des O.H.O. auszuführen.
Sektion 3. Der Kabinettsvorsitzende und zwei Mitglieder sind zusammen beschlussfähig hinsichtlich der geschäftlichen Angelegenheiten.

Artikel VII.


Sektion 1. Unter der Oberaufsicht des O.H.O. ist ein 3er-Exekutivkomitee (Oberster Rat) beauftragt, die Angelegenheiten des O.T.O. zu regeln.
Sektion 2. Der Schatzmeister, der Generalsekretär und der O.H.O. sind die amtsausführenden Mitglieder des Obersten Rates und des Exekutivkomitees.
Sektion 3. Alle offiziellen Akte des Exekutivkomitees (Oberster Rat) sind null und nichtig, falls sie keine Zustimmung des O.H.O. finden.

Artikel VIII.


Sektion 1. Sollte das Amt des O.H.O. unbesetzt sein, kann das Kabinett seine Stelle einnehmen, bis dass ein Nachfolger seinen Platz einnimmt.

Artikel IX.


Sektion 1. Der O.H.O. ist Archivar und Bibliothekar des O.T.O.
Sektion 2. Der O.H.O. kann handschriftlich und gesiegelt Agentend jeglicher Art ernennen und diese mit jeglicher Macht auch immer ausstatten.

Artikel X.


Sektion 1. Ein 3er-Finanzkomitee verwaltet die Geldangelegenheiten und der Schatzmeister ist amtsausführender Vorsitzender.
Sektion 2. Die geschäftlichen Unternehmungen benötigen das Einverständnis des O.H.O., ohne das sie null und nichtig sind.
Sektion 3. Von jedem Mitglied wird erwartet, dass es seinen Möglichkeiten entsprechend, die Kasse füllt - folgende Gebühren und Beiträge sind aber Minimum (gemäss des 1912-Manifestos der M.M.M.):

Eintrittsgebühr; 8 Guineas, 40 $ oder 200 Francs.
Subskription; (a) Probationer: 2 sh, 50 cents, oder 2½ Francs monatlich. (b) Studenten: 5 sh, 1½ $ oder 6½ Francs monatlich. (c) Initiierte: 10 sh, 2½ $ oder 12 Francs monatlich.

Der O.H.O. kann in Ausnahmefällen diese Taxen reduzieren.

Diplome kosten: (a) Studenten: 50 sh, 15 $ oder 65 Francs. (b) Initiierte: 5 Guineas, 30 $ oder 130 Francs.
Logenchartas für 10 und mehr Mitglieder kosten 25 Guineas, 100 $ oder 650 Francs.

Keiner dieser Beiträge in die Schatzkiste des O.T.O. wird je wieder zurückbezahlt, welche Gründe auch immer vom Einzelnen angeführt werden mögen.

Artikel XI.


Sektion 1. Jede männliche oder weibliche volljährige Person, die ein Aufnahmegesuch unterzeichnet hat, muss vom O.H.O. akzeptiert werden, bevor sie Mitglied des O.T.O. wird.
Sektion 2. Jedes Aufnahmeformular muss dem Hauptquartier geschickt werden, ob das nun in der Schweiz oder sonstwo sei, oder einer zuständigen lokalen Organisation.
Sektion 3. Die O.T.O.mitglieder sind folgendermassen klassifizierbar:

(a) Probationer (angenommene Theosophen, etc.);
(b) Studenten oder Laienbrüder (maurerische Mitglieder);
(c) Initiierte oder richtige O.T.O.mitglieder.

Sektion 4. Gesuche um Diplome und Chartas müssen von den vorgeschriebenen Beiträgen und Taxen begleitet eingereicht werden. Alle Diplome und Chartas müssen vom O.H.O. unterschrieben und gesiegelt werden.
Sektion 5. Drei und mehr Mitglieder können um eine Logencharta ersuchen.
Sektion 6. Niemand kann Mitglied zweier Logen gleichzeitig sein.

Artikel XII.


Sektion 1. Jede Loge oder Organisation hat das Recht, ihre eigenen Angelegenheiten, Wünsche und Gesetze zu führen und zu erfüllen, vorausgesetzt, diese widersprechen nicht dem Buchstaben oder dem Geiste vorliegender Konstitution.
Sektion 2. Diese obengenannten Gesetze müssen vom O.H.O. genehmigt werden, ansonsten sie null und nichtig sind.

Artikel XIII.


Sektion 1. Der O.H.O. kann an jedem Ort einen Kongress des O.T.O. einberufen.
Sektion 2. Jede Organisation, Loge, etc. hat in diesem Kongress EINE Stimme für die ersten drei Mitglieder und für jedes weitere Mitglied eine zusätzliche weitere zählende Stimme.
Sektion 3. Der O.H.O. kann im Falle, dass dieser Kongress gegen das Wohlergehen des O.T.O. gerichtet ist, diesen Kongress jederzeit abberufen.

Artikel XIV.


Sektion 1. Die Pflicht des Kabinetts ist es, Gesetze für den OTO und seine angeschlossenen Organisationen zu erlassen.
Sektion 2. Keines dieser Gesetze kann ohne die Einwilligung des O.H.O. wirksam werden.

Artikel XV.


Sektion 1. Mit dem O.T.O. soll eine literarische und maurerische Gesellschaft verbunden werden, die "Esoterische Rosenkreuzer" heisst und die ein offizielles Organ mit der hermetischen Ueberschrift "I.N.R.I." herausgibt.
Zur Zeit sind die "Oriflamme" und der "Equinox" die offiziellen Publikationsorgane.
Sektion 2.Innerhalb des O.T.O. soll eine Abteilung geschaffen werden, die sich mit den Lehren der Hermetischen Wissenschaft beschäftigt und "Hermetic Science College" heisst.
Sektion 3. Innerhalb des O.T.O. soll eine humanitäre Einrichtung geschaffen werden, die praktische humanitäre Arbeiten leistet und "Homes of the O.T.O." genannt werden soll.

Artikel XVI.


Sektion 1. Vier verschiedene Siegel werden im O.T.O. verwendet. Die symbolischen Bedeutungen werden den Mitgliedern im Verlaufe ihrer Studien offenbar. Eines dieser Siegel ist für den offiziellen Gebrauch; eines, nur vom O.H.O. verwendet, wird das Secret Seal [Geheime Siegel], S.S., genannt.

Artikel XVII.


Sektion 1. Diese Konstitution kann von einer 3/4-Mehrheit des Kongresses verändert/erweitert werden, aber nur, wenn vom O.H.O. bewilligt. Im Notfall kann der O.H.O. diese Konstitution selber verändern/erweitern und dies ins Goldene Buch des O.T.O. eintragen.

Artikel XVIII.


Sektion 1. Eingeweihte mit einem guten Leumundszeugnis von mindestens 10 Jahren Mitgliedschaft haben das Recht auf 6-monatige kostenlose Unterkunft in einem unserer Häuser. Bewerber werden in rotierender Reihenfolge zugelassen. Letztliche Bewilligung liegt beim O.H.O.

Artikel XIX.


Diese Konstitution wurde erstmals beschlossen, publiziert und veröffentlicht unter der Hand und dem Siegel des O.H.O. in London/England am 22. Januar A.D. 1906, Anno Ordinis 788, Anno V.L. 0,000,000,000.

Diese revidierte Konstitution ist von mir angenommen worden und nun von mir unterschrieben und gesiegelt am 2. Januar A.D. 1917, Anno Ordinis 799, auf dem Monte Verità im Kanton Tessin/Schweiz.

Merlin, 33°, 96°, X. Frater Superior und Outer Head of the O.T.O.
Argosinus, 33°, 95°, IX°, Quästor
Parçevale, 33°, 95°, IX°, Kanzler

Profane Adresse: Casella postale 16935, Lugano (Suisse)


6. Ich trete durch das Licht, doch wirklich bin ich nicht

Orient Thuricensium O.T.O.


Meister vom Stuhl: o
1. Aufseher: o
2. A.: o
M.v.St.: Helft mir meine Schw. und Br. die Loge zu eröffnen.- Schw. 2.A.! Welches sind die Pflichten der A. vor Eröffnung einer Loge?
2.: Zu sehen, ob die L. gedeckt und ob kein Unheiliger unseren Tempel entweihe.
M.v.St.: Schw. 2.A.! erfülle Deine Pflicht.
2.A.: (geht hinaus, schliesst ab, kehrt zurück - der 2.A. gibt dem 1.A. die Berührung und das Passwort "T...n" und dieser dem MvSt., worauf die A.A. an ihre Plätze zurückkehren.)
M.v.St.: Br. 1. A. bist Du FM.L.?
1.A.: Meine Schw. und Br. erkennen mich dafür!
M.v.St.: Woran erkenne ich, dass Du es bist?
1.A.: An meinem Zeichen, Worten und an den Umständen meiner Aufnahme.
M.v.St.: Gib mir das Zeichen.
1.A.: (macht das Zeichen)
M.v.St.: Schw. 2.A.! - warum hast Du Dich der FM gewidmet?
2.A.: Weil ich in der Finsternis war und Erleuchtung verlangte.
M.v.St.: Wodurch bist Du in die L. eingeführt worden?
2.A.: Durch drei starke Schläge.
M.v.St.: Was bedeuten solche?
2.A.: Die Worte der hl. Schrift - bittet, so wird Euch gegeben; suchet, so werdet Ihr finden; klopfet an, so wird Euch aufgetan!
M.v.St.: Meine Schw. und Br.! lasst uns von diesen Vorschriften Gebrauch machen, lasset uns rastlos arbeiten, mehr Licht zu erlangen, damit wir uns der maurerischen Vollkommenheit immer nähern mögen. - Br. 1.A.! - Sage mir das L.W.!
1.A.: Ich kann es nur buchstabieren. - Sage mir den ersten Buchstaben, ich werde Dir den zweiten sagen. - ("I...n")
M.v.St.: Schw. 2.A.! - gib mir das Passierwort!
2.A.: "T...n"
M.v.St.: Br. 1.A.! Wann fangen die FM.L. ihre Arbeit an?
1.A.: Um Mittag - s.e. M.v.St.
M.v.St.: Schw. 2.A.! - wieviele Beamte sind in der L.?
2.A.: Drei - der M.v.St., der 1.A. und der 2.A.! -
M.v.St.: Meine Schw. und Br. in Ordnung als M! Br. 1.A.! wo ist der Platz des 1.A.?
1.A.: Im Westen, denn gleich wie die Sonne im Westen untergeht, um den Tag zu beenden, so steht auch der 1.A. im Westen, um die L. nach des M. Gebot zu schliessen und den Arbeitern ihren Lohn zu geben.
M.v.St.: Schw. 2.A.! - wo ist der Platz des 2.A. in der L.?
2.A.: Im Süden, denn gleich wie die Sonne im Süden steht, wenn es hoch Mittag ist, so steht auch der 2.A. im Süden, um wie die Sonne im Meridian zu sein, die Arbeiter zur Erholung zu rufen und dafür zu sorgen, dass sie wieder an die Arbeit gehen.
M.v.St.: Br. 1.A.! - wo ist der Platz des M.v.St.?
1.A.: Im Osten, denn gleich wie die Sonne im Osten aufgeht, um den Tag zu beginnen und zu erleuchten, so steht auch der M.v.St. im Osten, um die L. zu eröffnen und zu erleuchten und die Schw. und Br. in der M. zu unterweisen.
M.v.St.: Da ich kraft der mir verliehenen Vollmacht mich im Osten befinde, so eröffne ich die FM.L. nach den alten feierlichen Gebräuchen der FM! (Vollendet das Zeichen) oo-o
1.A.: (Vollendet das Zeichen) oo-o
2.A.: (Vollendet das Zeichen) oo-o
M.v.St.: Meine Schw. und Br. AA. helft mir die L. zu erleuchten ... (entzündet die Kerze) ... Weisheit leite meinen Bau!
1.A.: (entzündet die Kerze) ... Stärke führe sie aus!
2.A.: (entzündet die Kerze) ... Schönheit ziere ihn! (besser: ... vollende ihn!)
M.v.St.: Die L. ist eröffnet! - ein jedes sei seiner Pflicht eingedenk und der A.B.A.W. möge unser Vorhaben segnen! - in ORDNUNG werde unsere Arbeit begonnen, in FRIEDEN durchgeführt - und in HARMONIE vollendet! A.B.A.W. würdige unsere Arbeiten deines Segens, verleihe uns das nötige Licht, den Weg zur m. Vollkommenheit zu finden; verbanne Uneinigkeit von diesem Ort und lasse Frieden und Bruderliebe herrschen! - Wir reichen uns die Hände! Amen, so sei es! -
Alle: Amen, so sei es! -
Alle: (rhythm. Händedruck durch die Kette) Husseh!
M.v.St.: Br. der Vorzeit - die Ihr unsere Bewegung in die Menschheit getragen habt - die Ihr weiter sehet als wir, da Euch andere Möglichkeiten zu Gebote stehen als uns - zur Erfüllung unserer Aufgabe - erbitten wir Belehrung, Schutz und Hilfe! - Angeschlossen an die lebendige Kette des Reiches - die alle Wesen verbindet - die der Uridee der Menschheit dienen - sind wir eins mit den Kindern der Witwe und der Gemeinschaft der Heiligen! - Wo wir irren, möge das Allsehende Auge uns erleuchten - auf, dass die Verstrickung gelöst, das Uebel überwunden werde - und das Reich erstehe - in überzeitlicher Herrlichkeit! - Amen, so sei es! -
Alle: Amen, so sei! - Tibi sunt (Stirn) - Malchut - et (Brust) - Geburah - et (lk. Schulter) - Chesed - (r. Schulter) - per aeones + (Hände zusammen)! (Dir gehören das Reich, die Gerechtigkeit, die Gnade in den schöpferischen Zyklen -) - Amen!

L.L. Aufnahme, I°



Motto: "Arm und mittellos, nicht nackt und nicht bekleidet, nicht beschuht und nicht barfuss erscheint der Suchende an der Pforte des Tempels!"


(Der Suchende hat sich daher auszuziehen - aller Kleider zu entledigen! - Den Schmuck, so er welchen hat, hat er vorerst noch zu behalten. - Er bekommt ein weisses Hemd anzuziehen - die linke Brust und der linke Arm sind entblösst! - ebenso das lk. Knie und der rechte Fuss (als den abgetretenen Schuh) - mit verbundenen Augen - den Strick um den Hals! - In der linken Hand hält er einen Zirkel 45' geöffnet - die eine Spitze aufs Herz. Während den Vorkommnissen in der Grabkammer, bezw. in der Kammer des Schweigens legt er diesen Zirkel ab, nimmt ihn aber wieder auf, sobald ihm die Augen verbunden werden neuerdings vor dem Eintreten in den Tempel!) -

Erdprobe:

(So vorbereitet, wird der Neophyt in die Kammer des Nachdenkens - die Kammer der verlorenen Schritte - gebracht. Eine kleine Kerze wird mitgenommen, welche gerade genügend Licht gibt - die beiden Kerzen brennen noch nicht! - An der Wand stehen die Worte: Visita Interiora terrae rectificando invenies occultum lapidem veram medicinam +++. - Dort macht der Neophyt sein Testament:

1. Glaubst Du an ein Göttliches? -

2. Was ist die Bestimmung des Menschen? -

3. Was erwartest Du von uns? -

4. Was haben wir von Dir zu erwarten? -

Z.M.: Der Z.M. bringt dem M.v.St. die geschriebenen Antworten. Dann kehrt er zum K. zurück und fordert ihn auf, alles Geld, alle Wert- und Metallgegenstände auszuhändigen, um sie am Altar niederzulegen. - Um die Aufnahme wirksam zu machen, darf der Neophyt während der Aufnahme keine irgendwie gearteten Metallgegenstände auf sich tragen - also auch keine Schliessen und Nadeln etc.
---


Nun geht der Z.M. zum Neophyten:)
Z.M.: Geliebter Neophyt, gegrüsst seist Du an allen Ecken unseres heiligen Dreiecks. Als Meister Deiner Loge grüsse ich Dich und reiche Dir meine Hand, um Dich heute durch die verschiedenen Stationen der Weihe zu geleiten. Ich bitte Dich um ernste Aufmerksamkeit, um Hingebung und Vertrauen, auf dass sich Deine Einführung in den heiligen Orden der orientalischen Templer in Frieden und innerer Erleuchtung vollziehe. --/- - -  Geh nun zu Deinem Altar und zünde die Kerze an, die sich zu Deiner Linken befindet, wenn Du vor dem Spiegel stehst und sprich die folgenden Worte mit leiser Stimme:
NN: Segensreiches Licht, Du Sinnbild der Erleuchtung, lasse Deine Strahlen leuchten in der Dunkelheit und erleuchte meinen Pfad. -
Z.M.: Zünde jetzt die Kerze zu Deiner Rechten an und sprich die folgenden Worte:
NN: Licht komme zu Licht, auf dass in den sich kreuzenden Strahlen die starren Umrisse sowie Schatten ineinander verschmelzen und vergehen. Ein Sinnbild des Vergehens von Leid und Gram, ein Sinnbild der Erleuchtung. -
Z.M. Setze Dich jetzt bequem in den Stuhl vor "DEINEM" Altar und zwar so nahe wie möglich, damit der Schein der Kerzen Sinnbilder der Erleuchtung - Dein Antlitz beleuchten und Du in dem Spiegel Dein Bild sehen kannst. Ich überlasse Dich nun Dir selbst und empfehle Dich dem Schutze des A.B.A.W.! -
Erklärung (Wenn nun der Z.M. sich entfernt hat und die Türe sich von aussen geschlossen hat, spricht der Neophyt im Flüsterton die folgenden Worte:)
NN: Bevor ich über die Schwelle treten darf, muss ich den Schrecknissen meines Lebens ins Auge schauen. Der Schrecken der Schwelle lauert auf mich; ihm zu trotzen bedarf ich der Kraft des Göttlichen in mir. - (Schau eine Minute lang in den Spiegel.)
Erklärung (Erhebe Dich jetzt und bleibe dicht vor dem Altar stehen, Zeichne mit dem Zeigefinger Deiner rechten Hand ein Kreuz auf die Oberfläche des Spiegels. Dies geschieht, indem Du in der Mitte des Spiegels - etwa in Augenhöhe - mit dem Finger einen geraden Strich von etwa zehn Zentimetern Länge hinunterziehst. Der Schweiss, der dem Finger anhaftet, wird eine schwache Spur auf der Scheibe hinterlassen. Dann ziehe zur Vervollständigung des Kreuzes einen Strich von links nach rechts. - - -  Tritt jetzt etwas zurück, schau auf das Kreuz, das Du soeben gemacht hast, und sprich mit leiser Stimme folgende Worte:)
NN: Heil Dir, Du ehrwürdiges Sinnbild des Lebens, der Liebe und der Auferstehung! Im Mittelpunkt dieses heiligen Zeichens erscheine die Rose als das Symbol der Seele des Menschen, Du sollst hinfort mein Zeichen sein! Heil Dir, o Rosenkreuz!
Erklärung (Bleibe stehen und konzentriere Dich auf das fast unsichtbare Kreuz, das Du gemacht hast, bis es Dir immer deutlicher erkennbar wird, dann verblasst, wieder klarer hervortritt und dann wieder verblasst. Beobachte genau, was Du dabei erlebst und siehst. Konzentriere Dich so etwa 3 Minuten und lies erst dann weiter - - - Noch immer stehend drücke die Spitze Deines linken Zeigefingers auf die Mitte Deiner Stirn und sprich:)
NN: Frieden
Erklärung (Setze Dich jetzt wieder hin und lies jeweils nur eine der folgenden Fragen im Flüstertone sprechend vor. Schau dabei Deinem Spiegelbild ins Auge und antworte leise auf die Frage. - Die Antwort sei entweder "Ja" oder "Nein" - Schau auf Dein Spiegelbild, wenn immer Du antwortest!)

NN: 1. Hast Du den Wunsch, das Mysterium Deines Daseins zu ergründen? (Antwort)
2. Willst Du den Schrecken der Schwelle kennen lernen? (Antwort)
3. Kennst Du Dein inneres Selbst? (Antwort)
4. Willst Du auf die Stimme hören, die da antwortet? (Antwort)
5. Hast Du Deine innere Stimme schon gehört? (Antwort)
6. Weisst Du, dass die Stimme Deines Inneren zu Dir spricht, wenn Du ihr nur Gelegenheit dazu gibst? (Antwort)
7. Weisst Du, dass Deine innere Stimme Dein Hüter und damit der Hüter Deines Sanktums ist? (Antwort)
8. Willst Du Deiner inneren Stimme gestatten zu Dir zu sprechen? (Antwort)
9. Weisst Du, dass dieser heilige Hüter immer in diesem SANKTUM gegenwärtig sein wird, um Dich zu leiten und zu beschützen? (Antwort)

Erklärung (Du hast jetzt über die Fragen, die Du Deinem Spiegelbild gestellt und die Du Dir selbst beantwortet hast, nachgesonnen. Du musst Dir nunmehr völlig klar darüber sein, dass Du selbst einen Hüter für dieses geheiligte SANKTUM ernannt und Dich zu ihm bekannt hast. Dieser Raum ist somit Deine Loge, Dein SANKTUM, Dein Heiligtum. Du bist der Neophyt an der Schwelle der Einweihung, und bei Dir ist der zuverlässigste Führer und Hüter, den ein Mensch jemals haben kann: das wahre innere Selbst, das Gewissen des Menschen, das göttliche Bewusstsein in ihm. Denke fortan stets daran, dass, - wenn immer Du dieses SANKTUM betrittst - Dein Hüter mit Dir eintritt und Zeuge ist von allem, was Du denkst, sagst oder tust. Er gibt acht auf Deine Gedanken, Dein Tun und Lassen zu jeder Stunde Deines Lebens, bei jeder Versuchung, bei jedem Sieg des Rechtes über das Unrecht, bei jedem Sieg des Richtigen über das Unrichtige! - - - Du bist jetzt soweit vorbereitet, dass Du Dich selbst von falschen Vorstellungen freimachen kannst, auf dass Deiner Einführung in den Orden nichts mehr im Wege steht. Immer, wenn Dein Ordensbruder die Schwelle eines Tempels betritt, hat er zuvor seinen Geist zu läutern und ihn von falschen Vorstellungen zu befreien. Lies jetzt im Flüstertone jeden der folgenden sieben Absätze langsam vor, so als ob Du zu Deinem äusseren Selbst, Deinem Körper, sprichst. Beim Nachdenken über jeden Absatz schau Deinem Spiegelbild ins Auge.)

N.N.: 1. Bevor ich in die geistige Gemeinschaft der Meister, Brüder und Schwestern des Ordens eintrete, muss ich Dir, Du sterbliche Gestalt, sagen, dass Du nichts weiter bist als die grobstoffliche Hülle, in der mein wahres ICH wohnt. (Schau in den Spiegel)
2. Was ich soeben in dem Spiegel gesehen habe, ist nur ein Widerschein meiner sterblichen Hülle und ebenso unwirklich und vergänglich, wie Du es bist, Du meine sterbliche Hülle. (Schau in den Spiegel)
3. Du kannst mich nicht täuschen. Du bist weder Wahrheit noch Trugbild. Du bist nichts anderes als das, was das wahre ICH aus Dir macht, und das wahre ICH will nicht täuschen. (Schau in den Spiegel)
4. So wie sich zwischen mir und meinem Spiegelbild das Kreuz auf der Spiegelscheibe befindet, so befindet sich zwischen mir und der Welt das Sinnbild ihres göttlichen Ideals. Diesem Ideal werde ich nachstreben. (Schau in den Spiegel)
5. Du sterbliche Hülle vermagst nur durch meine Unwissenheit meinem wahren ICH in mir den Platz streitig machen, der ihm von Rechtes wegen gebührt. Hinfort soll das wahre innere SELBST das äussere Selbst beherrschen. (Schau in den Spiegel)
6. Im Grunde bin ich nur das, was meine Seele ist; die aber ist göttlich. Alles andere ist vergänglich, wie das Bild im Spiegel. (Schau in den Spiegel)
7. Ich befehle daher meinem äusseren Selbst sich zu bescheiden, den Schleier abzutun und meinem wahren ICH die Möglichkeit der Entfaltung zu geben, und zwar in diesem weihevollen Augenblick wie überhaupt, wenn immer ich es gebiete. Denn Gott ist innen wie aussen und überall, und ich bin ein Teil von Gott, ihm untrennbar verbunden. (Schau in den Spiegel)

Erklärung (Du hast jetzt aufgehört zu lesen, lehne Dich jetzt bequem in Deinem Stuhl zurück, so dass Du längere Zeit mit höchster Konzentration in den Spiegel schauen kannst. Erhebe Dich und lösche die Kerze zu Deiner Linken aus. Stelle dann die andere Kerze so nahe an die linke Seite des Spiegels, dass du beim Hineinsehen Dein Gesicht und zugleich den Widerschein des Kerzenlichtes im Spiegel sehen kannst. Setze Dich wieder hin. - - - Konzentriere Dich jetzt und schaue - bequem sitzend - mindestens fünf volle Minuten lang in den Spiegel. Achte mit aller Sorgfalt darauf, was mit Deinem Spiegelbild geschieht. Ehe Du anfängst Dich zu konzentrieren, sprich die folgenden Worte leise, aber im Befehlston zu Dir selbst:)
N.N.: Offenbare Dich mir, o meine Seele, und zeige mir mein SELBST in den Augen der Schöpfung. (Schaue in den Spiegel)
Erklärung (Konzentriere Dich jetzt bis der fürchterliche Br. eintritt - - - erst dann wenn der fürchterliche Br. eintritt, löse Dich von Deiner Konzentration und entbiete ihm den folgenden Gruss:)
N.N.: SALUTEM PUNKTIS TRIANGULI!
F.Br.: PAX PROFUNDA!
N.N.: (Mehr zu sich selbst im Flüsterton, jedoch so, dass der eingetretene Br. es hören kann:) "In der Anwesenheit des Hüters meines Sanktums verkünde ich den Brüdern und Schwestern des Ordens, dass ich ohne Furcht um meine Seele dem Schrecken der Schwelle entgegengetreten bin. Ich bin nunmehr ein Hüter der Schwelle. Ich habe mich geläutert und meinem wahren ICH befohlen, die Herrschaft über meinen sterblichen Körper und Geist anzutreten. Ich bin eins mit Dir vor dem Zeichen des Kreuzes und in dem Sanktum meines Hüters! Heil Euch, o Brüder und Schwestern vom Tempel. Ich bitte um noch mehr Erleuchtung und Kraft für meinen Eintritt in das Tor zum Tempel der Unterweisung!"
F.Br.: So geschehe es!
Erklärung (Lösche jetzt die zweite Kerze aus und sage mit leiser Stimme:)
N.N.: In irdischer Dunkelheit schreite ich daher, Materie in der Welt des Stoffes; aber das Licht der Erleuchtung wohnt jetzt in mir.
Erklärung (Der F.Br. verbindet dem Neophyten wiederum die Augen und kontrolliert, ob alles in Ordnung sei! - und führt nun den Neophyten an die Pforten des Tempels:)
F.Br.: Ich führe Dich nun an die Pforten des Tempels - Arm und mittellos, nicht nackt und nicht bekleidet, nicht beschuht und nicht barfuss erscheint der Suchende an der Pforte des Tempels! (Der F.Br. klopft an die Pforte nach dem biblischen Spruch: suchet, so werdet Ihr finden - klopfet an, so wird Euch aufgetan - bittet, so wird Euch gegeben! - ... Innen ...)
Br.W.: Schw. 2.A.! - man klopft!
2.A.: S.e.M.v.St.! - man klopfet!
M.v.St.: Schw. 2.A.! Lasse nachsehen, wer so ungewöhnlich an die Pforten unseres Tempels klopft! -
Br.W.: (hinaussprechend) Wer klopft so ungewöhnlich an die Pforten unseres Tempels?
Z.M.: Ein Br. mit einer Frau von gutem Ruf! (oder: ein freier Mann von gutem Ruf!) -
Br.W.: (schliesst ungestüm die Pforte wieder und meldet das Gehörte dem 2.A.)
2.A. (meldet dasselbe dem s.e.M.v.St.)
M.v.St.: Wie heisst sie? (wie heisst er?)
2.A.: Br.W. - wie heisst sie? (er?)
Br.W.: Br.Z.M.! - Wie heisst sie? (er)
Z.M.: ... (Name, Geb.-Da., -Ort, Konfession)
Br.W. (schliesst und wiederholt das Gehörte dem 2.A.)
2.A. (was dieser dem s.e.M.v.St. zu melden hat!)
M.v.St.: Was will sie (er?) (Br.W. wiederholt und von diesem an den Z.M. nach dem Oeffnen der Türe gerichtet. - Dieser beantwortet die Frage an den Br.W., welcher die Pforten jeweils brüsk wieder zu schliessen hat, die Antwort an den 2.A. weitergibt und dieser die Antwort dem s.e.M.v.St. meldet!)
Z.M.: In den Tempel der Wahrheit aufgenommen zu werden!
M.v.St.: Wer bürgt für ihn? (für sie)
Z.M.: Br. N.N. (od. Schw. N.N.)
M.v.St.: Ist sie (oder er) bereit, sich den Prüfungen widerstandslos zu unterwerfen?
Z.M.: - Ja -!
M.v.St.: Sie (er) trete ein! - (An der Türe stehen die beiden Schaffner oder Wächter mit gekreuzten Schwertern. - Die Sch. und Br. stehen in Ordnung) Z.dl.o.
Z.M. (veranlasst den K. sich zu bücken.)
1.A. (legt die rechte Hand dem Suchenden auf die Erde): Von Erde kommst Du, zur Erde gehst Du, - Heil der Erde! (setzt dem Suchenden das Schwert auf die Brust, mit linker Hand!)
M.v.St.: Niemand kann FM werden, der nicht volljährig und frei ist! - Also frage ich Sie: sind Sie volljährig und frei?
Z.M. (beantwortet die Frage für den K.)
M.v.St.: Und weiter muss ich fragen: - Sind Sie bereit, sich den Prüfungen auf dem Wege der Wahrheit zu unterwerfen? Sie haben den alten Menschen auszuziehen, alle alten Begriffe von Gut und Böse, moralisch und unmoralisch, sittlich und unsittlich zu prüfen und umzuwerten - und nackten Herzens auf die Wanderschaft zu gehen, um das neue Leben zu finden. Sind Sie dazu bereit? -
Z.M. (beantwortet die Frage für den K.)
M.v.St.: Wir sind bereit, Ihren Wunsch zu erfüllen, wenn Sie uns jetzt beweisen, dass Sie mit unseren Bestrebungen übereinstimmen. Im Dienste der königlichen Kunst lehnen wir jede Unduldsamkeit und Gewalt ab und bekennen uns zu der hinter allen Religionen stehenden EINEN WAHRHEIT, welche alle Gegensätze überbrückt und den Weg zu den Herzen aller Menschen findet. Die Zugehörigkeit zu unserem Bund kann Ihnen keinen materiellen Vorteil bringen, sondern eher Opfer von Ihnen verlangen. Sollte Ihnen einer dieser Punkte nicht bekannt sein, oder sollten Sie diese Grundsätze nicht zu den Ihren machen können, so teilen Sie uns dieses unumwunden mit. Wir wollen ebensowenig, dass Sie enttäuscht werden, als wir wünschen, uns in Ihnen zu enttäuschen und durch Sie enttäuscht zu werden. Wir lassen Sie in diesem Fall ohne Groll von uns ziehen und ihr Name soll in unserer L. nicht mehr genannt werden. Sind Sie aber gewillt, alle ihre Kräfte in den Dienst der königlichen Kunst zu stellen, so vertrauen Sie sich den Schw. und Br. dieses O. an, die vor Ihnen den Weg gingen. Drei Fragen lege ich Ihnen vor, von deren Beantwortung wird Ihre endgültige Aufnahme abhängen:

1. Sind Sie gewillt, sich gleich uns in den Dienst der Menschheitsidee zu stellen?
2. Sind Sie bereit, die Pflichten, die sich für Sie daraus ergeben, getreulich zu erfüllen?
3. Sind Sie bereit, dies durch einen Eid auf das heilige Buch zu bekräftigen?
K. ... (Ja) ...
M.v.St.: Blind ist der Mensch von der Wiege bis zum Grabe, und wie heiss seine Sehnsucht nach dem Lichte der Wahrheit auch sein mag, ist er doch nicht imstande, es zu finden, weder aus eigener Kraft noch mit Hilfe seiner Freunde. Wir gehören einer Gemeinschaft an, die seit ältesten Zeiten ihr ganzes Sein diesem Lichte weihte, und wer sich zu uns gesellt, muss auf die Wanderschaft gehen, um dieses Licht zu suchen. Dreimal müssen Sie reisen von Morgen bis zum Abend und abermals bis zum Abend, und damit Sie nicht straucheln werden Sie geführt werden von Schw. und Br., die vor Ihnen diesen Weg gingen. Schw. und Br. AA geleiten Sie den (die) Suchenden auf der Wanderung durch das Leben, während wir den A.B.A.W. um seinen Beistand bitten. - In Ordnung meine Schw. und Br.!
Z.M. (veranlasst den K. niederzuknien)
Alle (stehen auf und machen das Z.)
M.v.St.: Segne A.B.A.W. die Arbeit, die wir nach Deinem Plane beginnen und führe den (die) Suchenden durch das Wasser der Reinigung! - Amen! so sei es. -
Alle: Amen! so sei es. - (vollenden das Z.)
M.v.St.: Und nun folgen Sie meinem Hammerruf zum ersten Mal! - als L.! oo-o
1.A.: Wir begeben uns auf die erste Reise, vom Westen zum Norden, über Osten, Süden und zurück nach dem Westen. (im Norden: taucht die rechte Hand des K. in Wasser, lässt ihn das Kreuz schlagen: Stirn bis Nabellinie - linke bis rechte Schulter - man führt, wenn nötig, dem K. die Hand -) (beim Tauchen spricht:)
1.A.: Heil dem Wasser! (spricht im Osten:) Dies ist der Weg der Selbsterkenntnis (Kettengerassel). Die Menschen glauben sich zu kennen, aber ihr Verhalten zeigt, dass sie blind in Selbsttäuschung befangen sind. - (führt ihn weiter) -
Z.M.: Wen nur Neugier in unseren Bund führt, der hat in unserem Bunde nichts zu suchen, denn in unserem Bunde wird blosse Neugier nicht befriedigt. -
1.A.: S.e.M.v.St.! - wir sind gewandert von Westen über Norden, Osten, Süden und zurück nach Westen und haben das Licht nicht gefunden, da wir suchten.
M.v.St.: Weiter müsst Ihr wandern (klopft) oo-o
2.A.: Wie begeben uns auf die zweite Reise nach Süden - (im Süden Flamme: entweder Lycopodium, Eau de Cologne, Alkohol,- man bringe die rechte Hand des K. über das Feuer und halte diese so einen Moment fest.) - Heil dem Feuer! - (Waffengeklirr - weiter wandern - im Südosten spricht:) Dies ist der Weg der Selbstbeherrschung. Die Feuer der Leidenschaft lodern um Dich und drohen Dir Verderben. (Hier Ende des Waffenlärms) Wer heil aus diesem Feuer herauskommt, der ist dem Licht nahe! -
M.v.St.: In Ordnung, meine Schw. und Br.! - (alle stehen auf und treten ins Z.) Hilf, o Heil der Welt, dem Suchenden die Feuerprobe zu bestehen und das Licht zu finden. - Amen! so sei es! -
Alle: Amen! so sei es! - (Zeichen vollenden - Waffengeklirr - sich setzen.)
2.A.: Wir wandern weiter über Norden nach Westen.
Z.M. Wer seine Fehler nicht bekämpfen will, der hat in unserem Bunde nichts zu suchen, denn in unserem Bunde muss ein jeder trachten, seine Fehler zu überwinden.
2.A.: S.e.M.v.St.! - wir sind gewandert nach Eurem Gebot und haben das Licht immer noch nicht gefunden. -
M.v.St.: Weiter müsst Ihr wandern! oo-o
1.A.: Wir begeben uns auf die dritte Reise über Norden nach Osten (im Osten Luftzug mit dem Fächer) - Heil den Lüften! Dies ist der Weg zur Wahrheit! Sei wahr gegen Dich selbst - oh Suchender, oder Du stürzest in einen Abgrund, aus dem es kein Entrinnen gibt! -
M.v.St.: In Ordnung, meine Schw. und Br.! - (alle aufstehen - Z.) - Unser aller Herr und Vater hilft der Suchenden (dem Suchenden) zur Wiedergeburt im Geiste, so dass sie (er) sich als Baustein dem Tempel der Menschheit einfügen möge! - Amen! so sei es! -
Alle: Amen! so sei es! (Z. vollenden - setzen).
1.A.: Wir wandern weiter über Süden nach Westen. -
Z.M.: Wer einen Unterschied macht zwischen Mensch und Mensch, der hat in unserem Bunde nichts zu suchen, denn vor dem höchsten Wesen sind alle Menschen gleich. -
1.A.: S.e.M.v.St.! - Wir haben unsere dritte Reise beendet und sind wieder im Westen angelangt. Noch immer haben wir das Licht nicht gefunden, aber wir glauben, dass wir ihm nahe sind.
M.v.St.: Nachdem der Suchende die Bitternis des Lebens erfahren -
Z.M. (reicht dem K. einen Kelch mit bitterem Trank) -
M.v.St.: und den Kelch des Leides geleert hat, lasst ihn die vierte Wanderung antreten über den Tapis, den Bauplan unseres Lebens und sich mit drei rechtwinkligen Schritten dem Altare des Ostens nähern.
1. u. 2.A. (führen den K. - der linke Fuss wird vorgestellt, der rechte wird dann im rechten Winkel in die Höhlung des linken Fusses gestellt. Dann wird der rechte vorgestellt und der linke in gleicher Weise nachgezogen, dann der linke vorgestezt und der rechte gleichermassen nachgesetzt.)
M.v.St.: Sind Sie, nachdem Sie die Proben überstanden, noch immer gewillt unserer Gemeinschaft anzugehören? So antworten Sie mit: Ja!
K.: ...
M.v.St.: Sind Sie bereit, vor allen Anwesenden hier am Altare des Ostens ein feierliches Gelöbnis abzulegen, das Geheimnis des Ordens niemals zu verraten?
K.: Ich bin bereit! -
M.v.St.: Sch. (oder Br. Pate - Patin) führe den K. an den Altar. oo-o Meine Schw. und Br.! In Ordnung als M.! - (Alle stehen auf - machen das Z.)
M.v.St.: Das nackte linke Knie am Boden, die rechte Hand in der Hand des Führers ruhend auf dem Joh.Ev. und auf dem Hl. Schwert, in dieser Stellung sprichst Du mir Satz für Satz das folgende Gelöbnis nach: "ICH, ... gelobe und verspreche hiermit feierlichst - vor Gott dem allmächtigen Schöpfer aller Welten - auf das hl. Schwert - in die Hand meines Führers - die Geheimnisse des ersten m.° [Grades] - allen profanen Persönlichkeiten gegenüber streng zu wahren. - Die Gesetze des Ordens getreulich zu halten - und über die Umstände und Vorgänge bei meiner Aufnahme - zu niemand ausserhalb dieses okkulten Kreises zu sprechen. - Sollte ich - dieses mein feierliches Gelöbnis jemals brechen - so würde meine Seele ruhelos wandern im Raum - und richtungslos sein in unermesslicher Zeit. - Dieses gelobe ich bei den weisen Meistern im Orient - die ihr Auge richten mögen auf meine Tat! - Amen!"
Alle: Amen!
M.v.St. (schlägt mit dem H. auf den Z.) So nehme ich Dich auf als L. der FM.Loge VERITAS MYSTICA MAXIMA[14] * (zweiter Schlag auf den Z.) Im Namen des allmächtigen Schöpfers aller Welten - (dritter Schlag auf den Z.) Kraft meines Amtes! Erhebe Dich, Schw. (Br.) Jakin!
Alle (Z. vollenden)
M.v.St.: Geliebte Schw. und Br., lasst uns die neuaufgenommene Schw. (Br.) auf maurerische Art begrüssen. Durch 3 x 3.
Alle (Beifall) // - / Husseh!
M.v.St.: Ich begrüsse den neuen Br. (Schw.) (führt den K. nach Westen und reiht ihn in die Kette ein, Gesicht nach Osten). -
M.v.St.: Zur Kette, meine Schw. und Br.! - Schw. (Br.) NN, so wirst Du fortan angeredet werden - was wirst Du in diesem Augenblick am meisten wünschen? -
K. (mit Hilfe von Z.M.) Licht! -
M.v.St.: Helft mir, meine Schw. und Br., dieser Schw. (Br.) m. Licht zu geben. Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde und die Erde war wüst und leer und die Finsternis lag über dem Angesicht der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über den Wassern und sprach: Es werde Licht! - Und in Demut dieses erhabenen Augenblickes gedenkend spreche ich: Der Schw. (dem Br.) ... werde Licht! - Schw. (Br.) Z.M.! Gib der Schw. (dem Br.) das m. Licht!
Z.M. (nimmt die Binde ab, während die Kette sich alsogleich wieder schliesst.) -
M.v.St.: Diese lebende Kette verbindet Dich und uns mit dem Altar der Wahrheit! Sie setzt sich fort in die Unendlichkeit, sie umfasst alle, die jemals an dieser Stelle standen, mögest Du nie den Augenblicke vergessen, da Du zuerst das Licht im Osten erblicktest - mögest Du Dich nie dieses Augenblickes als unwürdig erweisen, mögest Du uns nie bereuen lassen, dass wir Dir die Pforten des Tempels öffneten. (Schw.) Br. Z.M.! löse das Kabeltau! Schw. (br.) ... ist nun durch ein stärkeres Band mit uns verbunden! (Rhythm. Händedruck d. Kette)
Alle: Husseh! (Beifall) //-/ Husseh!
M.v.St.: Auf Eure Plätze, meine Schw. und Br.! [Musik]
(Der neuaufgenommene Br. oder Schw. wird nun eingekleidet und instruiert und dann an seinen Platz geleitet - zur Feier des Tages in die nordöstliche Ecke zur Seite des M.v.St.
L.L. Schliessung
M.v.St.: Schw. 2.A.! - Hat noch jemand zum Besten der FM im allgemeinen oder dieser L. im Besonderen etwas vorzubringen?
2.A.: Nach dem Gebot des s.e.M.v.St. frage ich, hat noch jemand etwas zum Besten dieser FM im allgemeinen oder dieser L. im Besonderen vorzubringen?
2.A.: Schw. X, Br. Y, bittet ums Wort - - - Es meldet sich niemand mehr!
M.v.St.: Wir schreiten zum Schluss dieser L.! - AUFGABE IST ES MIR, in Ordnung des Mizraim-Dienstes, Euch, meine Schw. und Br., zur Aufmerksamkeit zu mahnen auf des Hl. TAO-Zeichens Sinn. (macht mit dem Hammer das Z.) - In bedeutungsvoller Stunde erhieltet ihr, mit der Binde vor den Augen, seinen hl. Sinn. Daraus wisset Ihr, wie in Eures Wesen Innerstem der erhabene Gottesname tönt. Der Welt hehre Mysterien schliesst der TAO-Ton ein. (Zeichen). Was Euch am Altare des Ostens als Lehre geworden ist, soll Wesen werden Eures eigenen Wesens. Ans Herz ist Euch der Weg zum Hl. TAO vom Altare des Ostens gelegt worden, schreibt Euch ein das Wort, das zu Euch gesprochen worden ist. -
1.A.: AUFGABE IST ES MIR, in Ordnung des Mizraim-Dienstes, Euch meine Schw. und Br. von der Arbeit zu entlassen. Was der Arbeiter am Tempelbau der Menschheit die STÄRKE nennt, möge inspirieren meinen Auftrag. Aus Euren Herzen soll fliessen in die Herzen anderer Menschen, was Herzen formen kann zu Bausteinen des grossen Tempels. Aus Euren Gedanken soll wirken, was Bindeglieder schaffen kann diesem Bau. Aus Eurem Willen soll sich ergiessen, was Kitt sein kann für die Steine dieses Tempels. Ans Herz ist Euch der Weg zu dieser Stärke vom Altare des Ostens gelegt worden. Schreibt Euch ein das Wort, das zu Ehren gesprochen worden ist. -o-
2.A.: AUFGABE IST ES MIR, in Ordnung des Mizraim-Dienstes, Euch, meine Schw. und Br., zur Arbeit zu rufen. Was der Arbeiter am Tempelbau der Menschheit die Schönheit nennt, möge inspirieren meinen Auftrag. Schauet in die Welt, die Eure Herzen belebt, deren Weisheit Eure Gedanken schult, deren Sonnekräfte Euren Willen nähren. Ein schöner Ausdruck erhabener Geisteskräfte ist alles dies. Nehmet auf in Euer Inneres die Kraft dieser Wesen und es wird als Schönheit nach aussen wirken, was in Euerm Inneren lebt. Ans Herz ist Euch der Weg zu dieser Schönheit vom Altare des Ostens gelegt worden. Schreibt Euch ein das Wort, das zu Euch gesprochen worden ist. -o-
M.v.St.: Br. 1.A.! - Warum ist Dein Platz im Westen? -
1.A.: Gleich wie die Sonne im Westen untergeht, um den Tag zu beenden, so steht auch der L.A. im Westen, um nach des Meisters Gebot die L. zu schliessen, nachdem alle Schw. und Br. ihren Lohn erhalten haben.
M.v.St.: Br. 1.A.! - wie lange arbeiten die Lehrlinge?
1.A.: Vom Montag Mittag bis Sonnabend Mitternacht.
M.v.St.: Schw. 2.A.! - Was ist die Glocke?
2.A.: Voll Mitternacht. -
M.v.St.: Br. 1.A.! - da unsere heutige Arbeit beendet ist, gebiete ich Dir, die L. zu schliessen! (steht auf) oo-o
1.A. (steht auf) oo-o
2.A. (steht auf) oo-o
M.v.St.: Meine Schw. und Br., in Ordnung als M.! Das Licht, das unserer Arbeit geleuchtet hat, ist Uneingeweihten verborgen, es leuchtet aber in unseren Herzen. "Lösch aus, Du Licht - die Arbeit ist vollbracht - wer weisen Sinnes - fürchtet nicht die Nacht - und ist ihr Dunkel noch so schwarz, so dicht - des Starken Wahlspruch ist - durch Nacht zum Licht. - Wer Schönheit hat, ist seither selbst gewiss - ihm leuchtet selbst die Finsternis". Helft mir, meine Schw. und Br. AA., die Kerzen zu löschen (löscht die Kerze der Weisheit). Der Mensch erlischt wie die Flamme.
1.A. (löscht die Säule der Stärke) Darum achte auf Deinen Lebensweg! -
2.A. (löscht die Säule der Schönheit) Und halte ihn rein, wie die Flamme rein ist! -
M.v.St. (tritt herab vom  3-stufigen Altar) Br. 1.A.! - Wie begegnen sich die FM?
1.A. (tritt herab vom 1-stufigen Podium) Auf gleicher Ebene, - s.e.M.v.St.!
M.v.St.: Schw. 2.A.! - wie handeln die FM?
2.A. (tritt herab vom 2-stufigen Podium) Nach dem Senkblei (oder: nach der Richtschnur)! - s.e.M.v.St.!
M.v.St.: Und sie scheiden im rechten Winkel. Zur Kette, meine Schw. und Br.!
1.A.: So haben wir uns gefunden! -
2.A.: So handeln wir! -
M.v.St.: So scheiden wir! -
Alle: Und so wollen wir alle wieder zusammen kommen! -
M.v.St.: Möge der Segen des A.B.A.W. auf uns ruhen und auf allen wahren und treuen Schw. und Br. der ganzen Welt. Mögen wir mit ihnen in brüderlicher Liebe und maurerischen Tugend den Tempel der Menschheit aufrichten nach dem Willen des A.B.A.W.! - Amen! so sei es! -
Alle: Amen! so sei es! - (Händedruck) Husseh! (Beifall) //-/ Husseh!
M.v.St.: Und dies sei Euer Zeichen! -
Alle (Stehen in Ordnung und machen das Z.!)
M.v.St.: So bleibt uns nichts zu tun übrig als unsere Geräte zu verbergen mit Verschwiegenheit (rechte Hand aufs Herz) - mit Verschwiegenheit - mit Verschwiegenheit!
Alle: Mit Verschwiegenheit! -
M.v.St.: Die L. ist geschlossen, die Schw. und Br. dem profanen Leben und dem Alltag gegeben.
Alle (machen das Zeichen gegen Osten - vollenden und gehen schweigend hinaus.) -

V°: Hohes Kapitel der Ritter vom Rose-Croix (18°)

Gr.Souv.: Grossmächtigster Souverain vom Rose-Croix
H.G.M.: Hocherlauchter Gross-Marschall
o: Schlag

G.S.: -o- Hocherlauchter Gross-Marschall, entbieten Sie den Gefährten unserer Ritterschaft zu einem feierlichen Kapitel vom Rose-Croix!
H.G.M.: Gr.Souv. die Gefährten unserer hohen Ritterschaft sind versammelt und harren Ihres Gebotes.
G.S.: H.G.M. versichern Sie sich, dass das Kapitel gegen alle Profane gesichert ist. - (Geschieht)
H.G:M.: Das Kapitel ist gesichert in Ost und West, - Nord und Süd.
G.S.: So lassen Sie uns den mystischen Kreis schliessen. Sind alle Ritter in Ordnung? (Alle geben das Zeichen und das Wort)
H.G.M.: Alle Ritter sind in Ordnung, und ich bringe das grosse Passwort.
G.S.: H.G.M., was ist die Stunde?
H.G.M.: Es ist die neunte Stunde des Tages.
G.S.: Dann ist es um die Zeit, da der Vorhang im Tempel zerriss, da Nacht die Erde bedeckte, da die Säulen barsten, da der kubische Stein Blut und Wasser schwitzte und das Wort uns verloren ging.
Consumatum est!
Trauer beherrscht uns. Meine Gefährten, bereiten Sie sich vor, sich zu demütigen und zu erniedrigen vor dem, der da ist, der da war und ewig sein wird.
Alle: G.S., wir sind bereit. (Alle knien mit dem linken Knie gen Ost mit dreimaliger Vebreugung.)
G.S.: (Gebet) Ewiger Urquell des Lichtes, der alles, was ist, ins Dasein ruft, erhält und beherrscht, - Wahrheit ist dein unvergänglicher Glanz, und Gerechtigkeit dein Gesetz, wodurch du dich allen vernünftigen Wesen verkündest. Lass den Glanz ausleuchten und die Gerechtigkeit in allen unsern Handlungen und Unternehmungen herrschen, damit wir einst vor deinem Richterstuhl als würdige Diener deiner Macht und Herrlichkeit befunden werden! (Nimmt die Bibel, schwingt sie dreimal über Kopf und Altar gen Ost, und spricht dann: Rex Regnantium et Dominus Dominantium!)
Alle (wiederholen es, schlagen sich auf die Brust, verneigen sich 3 Mal zur Erde und stehen dann auf.)
G.S.: (liest Math. III.13-16) Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen liesse. Aber Johannes wehrte Jesus und sprach: "Ich bedarf wohl, dass ich von dir getauft werde, — und du kommst zu mir!" -- Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: "Lass es jetzt geschehen, denn so geziemt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen!" Da gab Johannes ihm nach. Als aber Jesus getauft war, stieg er alsbald aus dem Wasser und siehe, der Himmel öffnete sich, und Johannes sah den Geist Gottes wie eine Taube herabschweben und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel sprach: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe". Unser grosser Emanuel geb uns Glaube, Hoffnung und Liebe! - Amen!
Alle: Hosiannah, - Hosiannah, - Hosiannah!
G.S.: (Macht das Fingerzeichen) Hocherhabene Gefährten, Ritter und Brüder, mit verstärktem Glauben, neuer Hoffnung und grösserer Liebe wollen wir unsere heutige Arbeit beginnen, und somit erkläre ich dieses hohe Kapitel vom Rose-Croix im Namen des Grossen Emanuel für eröffnet, Kraft meines Amtes! (Er klingelt)
Alle: knien.
G.S.: Benedictus Dominus Deus Noster qui dedit nobis Signum! (Macht grosses Kreuz.) Nehmen Sie Ihre Plätze ein, Hohe Ritterschaft!
---


- Was ist unsere Aufgabe heute? H.G.M.?
H.G.M.: Ein würdiger und verdienter Schottischer Obermeister und Andreas-Ritter, dessen Leben dem Hohen Kapitel wohl bekannt ist, wünscht und bittet um den Vorzug, ein Gefährte und Ritter vom Rose-Croix zu werden.
G.S.: Ist er gehörig vorbereitet, diese hohe Würde zu empfangen?
H.G.M.: Ja, G.S.
G.S.: So geleite der hochweise und auserwählte Raphael den suchenden Pilger vor den Altar.
Raphael holt den Suchenden, er klopft 4 x 4 H.G.M. antwortet 7 Mal, darauf aussen auch 7 Mal, und Raphael ruft: Hosiannah, Hosiannah, Hosiannah!
H.G.M. (Meldet dem G.S.): Man klopft als Ritter vom Rose-Croix. (alles dunkel)
G.S.: Lassen Sie den Gefährten mit dem suchenden Pilger eintreten. (Musik, Trauermarsch von Beethoven oder Chopin)
Raphael: Grossmächtiger Souverain, vom Hohen Kapitel Rose-Croix, hier stelle ich Ihnen einen würdigen Andreas-Ritter vor, der das Hohe Kapitel bittet, ihm die Würde eines Ritters vom Rose-Croix zu verleihen.
G.S.: Würdiger Ritter, wer seid Ihr?
Candidat: Ich bin von edler Abkunft, aus dem Stamme Juda. (...J...)
G.S.: Welches ist Euer Heimatland?
Candidat: Babylon. (...B...)
G.S.: Was für eine Kunst kennt Ihr?
Candidat: Die Maurerkunst! (...M...)
G.S. Was ist Ihr Rang?
Candidat: Andreas Ritter, Prinz von Jerusalem des hohen schottischen Kapitels.
G.S.: Geben Sie mir das Zeichen! — (Geschieht!)
G.S.: Wie alt sind Sie als Schotte?
Candidat: 81 Jahre und darüber!
G.S.: Würdiger Ritter, Ihr flösst mir die vollkommenste Hochachtung ein, aber Ihr seht uns mit Traurigkeit erfüllt, alles ist verändert, der Vorhang des Tempels ist zerrissen, die Säulen sind geborsten und das "Wort" ist verloren. Wir haben nur die eine Hoffnung, dass Ihr uns helft, es wiederzufinden. Wollt Ihr uns versprechen uns zu helfen?
Candidat: Ja, Grossmächtiger Souverain.
G.S.: So tretet heran an den Altar, legt die rechte Hand auf das Schwert und die Rose und sprecht mir folgendes nach: "In Gegenwart aller dieser sehr ehrwürdigen und hocherlauchten Ritter gelobe ich als ehrlicher Mann das verlorene Wort suchen zu helfen und das gefundene Wort samt allen sonstigen Umständen meiner Erhebung als heiliges Geheimnis, unter Strafe der Ausstossung aus allen Logen und Kapiteln zu bewahren. Gott helfe mir! — (Handnahme!) Folgen Sie nunmehr Ihrem Führer Raphael zu Ihrer ersten Reise von dreiunddreissigen, elf nach Norden, elf nach Süden, elf nach Westen.
Raphael: führt den Candidaten langsam durch das Zimmer zu den Säulen G.H.L. und lenkt die Aufmerksamkeit des Candidaten auf diese Buchstaben. Der Cand. ist mit Kappe bekleidet, die gelüftet wird, jedesmal, wenn er bei einer Säule ankommt. Dabei ertönt leise Musik, und der G.S. liest Jesaia c,L. III.: "Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen, wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre, aber er ist um unserer Missetat willens verwundet und um unserer Sünde willen geschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet!"
Raphael: Hier stelle ich Ihnen wieder den würdigen Andreas-Ritter vor, welcher die 33 Reisen vollendet hat, Grossmächtiger Souverän!
G.S.: Was haben Sie gefunden, würdiger Ritter?
Raphael für Cand.: Wir haben gesucht, haben aber nur auf den Säulen die Buchstaben G.H.L. gefunden.
G.S.: Ich beglückwünsche Sie zu Ihrem Erolg, denn die Buchstaben bezeichnen die drei Tugenden, durch welche Sie das verlorene Wort wiederfinden werden. Sie reisten auch um sieben Zirkel, von diesen 7 Zirkeln repräsentieren die ersten 6 die 6 Perioden der Weltexistenz, welche jetzt mit dem zweiten Kommen des Grossen Emanuel schliessen wird. Denn die Zeit wird aufgehen in die Ewigkeit, welche dargestellt ist durch den siebten Zirkel. Von den 3 Tugenden ist "Glaube" die Substanz aller Dinge, welche wir hoffen, der Beweis aller Dinge, welche wir nicht sehen. - "Hoffnung" ist der Anker des Lebens. - Die "Liebe" ist die wahre Selbstverleugnung, sie ist die Vollendung des Lebenszweckes. Der schwerste Teil der Wanderung durch das Tal des Todes steht Ihnen noch bevor. Folgen Sie ihrem Führer.
Raphael: Ich geleite dich durch das Tal der tiefsten Nacht, des Todes und der grössten Leiden, aber gewappnet mit Glaube, Hoffnung und Liebe besiegen wir alle Anwandlungen der Verzweiflung und gelangen zu den lichten Höhen, wo unser Herr und Schöpfer seit Ewigkeiten herrscht.
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G.S.: der würdige Ritter ist mit mir durch das Tal des Todes gewandert. Gestärkt durch die Tugenden G.H.L. hat er nicht gestrauchelt, sondern sein Ziel erreicht und bittet um seinen Lohn. (tritt in das 2. Zimmer, rot mit viel Kerze) (Volle Beleuchtung!)
G.S.: Mein würdiger Ritter, woher kommt Ihr?
Raph.: Durch Nacht und Grauen.
G.S.: Was was Eure Stütze?
Raph.: Das Beispiel unseres Herrn.
G.S.: Was suchtet Ihr zu erlangen?
Raph.: Das verlorene Wort.
G.S.: Da Ihr soweit den rechten Weg betreten und gefunden habt, so seid Ihr wohl vorbereitet, die geheimnisvolle Leiter zu besteigen, welche zum Tempel der Vollkommenheit führt.

1. Schritt. Wie heisst die Tugend, welche von der Erde zum Himmel führt? ...G.
2. Schritt: Welche Tugend stützt Sie in Sorge und Schande? ...H.
3. Schritt: Welche ist die höchste menschliche Tugend? ...L.
(Die Lettern I.N.R.I. liegen am Boden. Cand. hebt sie auf und übergibt sie später dem G.S.)
4. Schritt: Wo kommen Sie her? — Raph: aus Judäa, ...J.
5. Schritt: Durch welche Stadt kamen Sie? — Nazareth ...N.
6. Schritt: Wer führte Sie? — Raphael ...R.
7. Schritt. Aus welchem Stamm sind Sie? — Juda ...J.

Fassen Sie die die Initialen der vier letzten Worte zusammen!
Candidat: I.N.R.I. (Legt die Lettern auf den Altar.)
G.S.: Heil Ihnen, würdiger Ritter, Sie haben in der Tat durch heiligen Eifer das wahre verlorene Wort wiedergefunden. Dreimal Dank der Gnade dessen, der Ihnen und uns zu der Gnade verhalf. Diese 4 Buchstaben bezeichnen Ihn, von dem St. Johannes sagt: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort! — Es ist der "Logos," und dieser wahre Schiboleth, das Passwort "Logos" wird Sie nunmehr zum Altar führen, - treten Sie an den Altar heran, - hören Sie: - "Ich bin das Alpha und das Omega,  - ich bin der Anfang und das Ende," sagt der Herr unser Gott! - Knien Sie nieder - Kraft meines Amtes nehme ich Sie auf als rechtmässigen und vollkommenen Gefährten in die Hocherlauchte Ritterschaft vom Rose Croix des Hochwürdigen Gross-Orientes für die Schweiz. Ich bekleide Sie mit dem Zeichen dieser neuen Würde unseres Gross-Orients. (Uebergibt Juvel und Schürze) Tragen Sie diese in allen Kapiteln vom Rose-Croix. Sie heissen nunmehr: Erhabener Ritter vom Adler und Pelikan und vom Rose-Croix von Heredom und führen die Bezeichnung "18. Grad".
Nunmehr werde ich Ihnen Zeichen und Worte Ihrer neuen Würde mitteilen. Das erste Zeichen ist gewöhnlich "das Zeichen der Anbetung und Verehrung" genannt: Erheben Sie die Augen zum Himmel, verschlingen Sie Hände nach aussen, erheben Sie dieselben zur Stirne und lassen Sie sie dann auf die Hüfte oder den Degen fallen. Das zweite Zeichen: Erheben Sie die rechte Hand (gegen Himmel zeigend) mit gekrümmten Fingern, nur den Zeigefinger ausgestreckt nach oben: es ist nur EIN Gott. Das dritte Zeichen ist das "des guten Hirten": kreuze die Arme unter linker Brust, lege das Ohr an den Mund des anderen, dann sage: I.N. -- und der andere gibt zurück: R.I. Dann sage: Immanuel; der andere antwortet: Pax vobiscum. Dabei mache das zweite Zeichen nach dem Himmel - der andere abwärts. - Das grosse und letzte Geheimnis aller philosophischen Maurerei ist enthalten im Schlüsselwort: I.N.R.I. Dieses nun gefundene Wort INRI hat drei Bedeutungen:

1.) Jesus Nazarenus Rex Judäorum, J. von Nazareth, König der Juden. Das ist die christliche Deutung.

2.) Justitia Nune regit Imperi, Gerechtigkeit regiert das Reich. Das ist die philosophische Deutung.

3.) Igne natura renovatur integra - Feuer erneuert die Natur ganz. Das ist die wahre Deutung, das Klimax aller okkulten Wissenschaft nach der Form des "Hermes".

Beim Eintritt und beim Verlassen der Kapitelversammlungen, und wenn die Ritter in Ordnung stehen, machen sie das Zeichen des guten Hirten und geben das Einlasswort "Golgatha".
Das grosse Passwort ist "Logos".
Das heilige Wort ist INRI.
Nehmen Sie Ihren Platz im Westen unter den Gefährten der Hohen und Erlauchten Ritterschaft der Rose-Croix ein! (Ansprache!)
Schluss des Kapitels.
G.S: Hocherlauchter Gross-Marschall, was ist die Stunde?
H.G.M.: Es ist die Stunde, da das heilige Wort gefunden war, da der kubische Stein verwandelt war zur mystischen Rose, da die Nacht der Selbstsucht überwunden ward durch das neue Gebot: "Liebet einander, und liebe deinen Nächsten als dich selbst!"
G.S.: Brüder und Gefährten der Hohen und Erlauchten Ritterschaft vom Rose-Croix, lasst uns denn das neue Gebot in unserem Herzen tragen, auf dass es lebendig werde in unseren Taten zum Heile der Menschheit. Amen!
Alle: So soll es sein! - Hosiannah, - Hosiannah, - Hosiannah!
G.S.: Pax vobiscum! - o oo oooo! (Klingeln)
Alle: knien mit dem linken Knie.
H.G.M.: (wiederholt) o oo oooo!
G.S. Ich schliesse dieses Hohe Kapitel vom Rose Croix im Namen des Grossen Emanuel!
Der Herr sei mit Euch!

VII° Grossrat der Mystischen Templer- Magus des Lichtes. Grals Genosse und Theoretischer Rosenkreuzer der Brüder des Lichtes der sieben Gemeinden in Asien.

Mysterien des Mythras [sic] Kultus.

Einrichtung


Der Osten ist violett mit S.S. vide: Alpha Aesch Majm - Omega
Auf dem violett behangenen Altar liegt goldener Stab, Schwert, Reichsapfel, Bibel, Constitution. - Räuchereien. - Glocke. - Sandelholz, Myrrhe, Salz. In Mitte des Tempels Kubischer Altar mit Feuer (grosse Spiritus lampe sic] und Rotfeuer) und einem Deckel zum Zudecken des Feuers. Weltei auf Sockel. -[15] *
Thron auf Stufen hinter Altar.
Stühle oval um Feuer.
Zwei Säulen im Osten mit N und Hod. X von Schlange umrahmt.
Tischchen mit Kleidung des Kandidaten.
Zeit: - Nur Samstag oder Sonntag.
Beamte: -
Weisester Vorsteher und Oberpriester Weiss Luft (purpur)
Weiser Kanzler rot Feuer (gelb)
Weiseste Oberpriesterin blau Wasser (weiss)
Weiser Novizenmeister (Einführer) grün Erde (violet [sic])
Marschall schwarz (weiss)
Kleidung der Ritter: -
Ganze Kutten in obigen Farben oder weisse lange Kutte mit obigen Farben-mäntel, Violeter Strick (Lendengürtel) Violetes Band mit [Salomons Siegel] Violete Kopfbinde.
Eröffnung.
V. (betritt mit Rittern den Tempel und rund um das Feuer sitzen die Ritter): - Ritter Marschall sorgen Sie dafür dass unsere Arbeit nicht gestört wird.
M. (geht hinaus und sieht nach, schliesst Tür von innen stellt sich gegenüber O. an Tür und sagt): - Weisester Vorsteher wir sind ungestört.
V. - So helfen Sie mir, weise BBr. des Lichtes das heilige Feuer zu entzünden. (Das Spiritusfeuer mit Magnesium und Strontium rot wird angezündet wobei alle BBr. Hände hoch heben und wenn es brennt beide Hände gekreuzt über Augen legen, wobei V. sagt) Grosser Javeh O Herr unser Gott, wir danken Dir dafür, dass Du dein heiliges Feuer in uns gelegt hast. Möge es nie in uns erlöschen. Jetzt und immerdar. Amen!
Alle: - Amen! (langgezogen) dabei lösen alle die Arme und Hände.
V. Was war am Anfang?
Kanzler: - Das Wort
V. Wo war das Wort?
K. Bei Gott.
V. Und was ist das Wort?
K. Gott der Herr
V. Was war in dem Worte?
K. Das Leben.
V. Was ist also Gott der Herr?
K. Der Anfang, das Wort und das Leben.
V. Und der Anfang, das Wort und das Leben sind was?
K. - Sind eins.
V. Wer gibt Zeugnis von dieser Wahrheit? Weiseste Oberpriesterin? Obp. Johannes und die sieben Gemeinden in Asien, welche sich nannten die Brüder des Lichtes.
V. Hochl. und Weiseste Oberpriesterin so erinnern Sie unsere weisen Brüder, was der Geist der sieben Gemeinden sprach.
Obp. Wer Ohren hat zu hören, der höre: - Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem anderen Tode.
V. Und was noch?
Obp. Seid unschuldig wie die Tauben und klug wie die Schlange.
V. Und endlich welches Gebot müssen alle weisen Brüder streng befolgen?
Obp. Höret! Gehorchet und schweiget.
V. Amen, so sei es immerdar. (setzen sich um das Feuer)
V. Unsere heutige Aufgabe ist einen Ritter Kadosh in unsern Kreis einzuführen. Br. Einführer begeben Sie sich zu dem Kandidaten und führen Sie ihn dann in vorgeschriebener Art und Weise in den Tempel.
C. - (Verbeugt sich mit beiden Händen über Augen an der Stirne und geht hinaus und führt ihn so in den Tempel im W. vor Feuer) nachdem er durch Scharren Eintritt begehrte.
V. Br. Kandidat und Ritter Kadosh! Seit undenklichen Zeiten, würdiger Br. gab es Menschen, die verknüpft durch geheime, unauflösliche Bande sich mit vereinten Kräften beschäftigten die geheimen Kräfte der Natur kennen zu lernen und sie zu ergründen. Diese Gesellschaften hatten im Laufe der Zeiten die verschiedensten Namen angenommen um den sie bedrohenden Gefahren zu entgehen. Sie hatten ihre besondere Lehre, ihre besondere Wissenschaft und ihre Geheimnisse unter den Hieroglyphen und Symbolen verdeckt und versteckt, die niemals ein Uneingeweihter, ein Unheiliger, wohl aber die Eingeweihten und vertrauten Schüler verstehen konnten. Und sie taten dies mit ernster und guter Absicht und Vorsicht eben zu dem Zwecke selbe den Unheiligen unzugänglich also nicht gemein zu machen. Es wäre auch gefährlich gewesen und ist es in gewissem Grade und in gewisser Beziehung heute noch, der gemeinen Welt Wahrheiten bekannt zu machen, die zum Heile des gemeinen Volkes selbst immer Geheimnisse bleiben müssen. Diese Gesellschaften waren, wie ich Ihnen schon sagte unter den verschiedenen Namen in der Oeffentlichkeit bekannt geworden und die Namen lösten sich gegenseitig ab, die Formen unter denen diese Brüderschaften in die öffentliche Erscheinung trat lösten sich ab, der Kern der geheimen Lehre der Brüder des Lichtes, das aus Osten glüht, blieb jedoch stets der selbe seit den ältesten Zeiten. Diese geheime Lehre, diese geheime Wissenschaft, diese geheime Erkenntnis hat sich in den bewegtesten Zeiten dieser Welt als der Felsen erwiesen und erprobt, auf dem das sturmgepeitschte Leben neuen Fuss fassen konnte, auf dem dich die höchste geistige Erkenntnis vor der Vernichtung retten konnte zu neuem Leben, die somit zum Mont Salvat zum Felsen des Lebens, der Rettung wurde. Hass, Neid, Verleumdung, Irrlehre, Habsucht, Falsch Zeugnis, Verfolgung, Obskurantismus, Intoleranz, Falscher Pietismus, Heuchlertum, falsche bürgerliche und kirchliche Moral lauern aller Orten den Anhängern dieser geheimen Lehre, dieser geheimen Wissenschaft dieser geheimen Erkenntnis dieser unserer geheimen Ordenslehre den körperlichen Tod. Heute erleiden wir nur mehr den bürgerlichen Tod. Sind Sie bereit, diese Gefahr auf sich nehmen zu wollen und lieber diesen bürgerlichen Tod erleiden zu wollen, als die geheimen Kenntnisse welche Ihnen in unserem Orden zugänglich gemacht werden zu verraten, so antworten Sie mir mit Ja.
Candidat. Ja.
V. - Weiseste Oberpriesterin und Br. Kanzler, geleiten Sie den Ritter Kadosch an den Altar, damit er den Eid leiste.
Obp. und K. führen mit gekreuzten Degen C. nach Osten, dort kniet C. nieder mit beiden Knien, gekreuzten Degen auf Kopf, Hand auf Stab mit Erdkugel (M. klingelt leise)
Alle erheben sich und Hände hoch.
V. Br. Kadosch sprechen Sie mir folgende Worte nach: - Ich Br. NN Ritter Kadosch und Ritter Rose X schwör bei dem unerkannten und allein giltigen [sic] Rechte der Natur alle Geheimnisse des OTO und der hermetischen Brüder des Lichtes und alle praktischen Lehren derselben strengstens geheim zu halten, ich schwöre allen Pflichten der Ritter und Brüder des Lichtes durch mein ganzes Leben treu zu bleiben. Sollte ich meinen Schwur jemals brechen, oder gegen meine Brüder auftreten, so mögen die Vorsteher des Ordens mich als infam öffentlich brandmarken und mich aus dem Orden ausstossen. So mögen alle Schrecken der Finsternis sich um mich sammeln und alles Licht aus meinem Geiste aus meiner Seele und aus meinem Leibe weichen und das Urwesen, welches ist 1,2,3 schliesse mich ewig von seiner Gnade und All Liebe und Barmherzigkeit aus. Amen.
Alle dumpf A-m-e-n. (lassen Hände fallen)
V. - (mit dem Kommandostab schlägt linke Schulter)
1. - Jehova erhöre Deinen Schwur möge selber gnädiglich annehmen und Dich stark machen ihn treulich auszuführen.
2. - (rechte Schulter) Jehova nehme Dich gnädiglich auf zum Ritter und Bruder des Lichtes des Ordens OTO.
3. - (Kopfschlag) Jehova segne Dich als neuen Bruder des Lichtes des Ordens OTO der sieben Gemeinden und Kirchen in Asien und befreie Dich zum zweiten Tode.
Alle. - A-u-m (Räuchern)
V. - (erhebt C und küsst ihn siebenmal auf Mund) Ich umarme und begrüsse Dich als neuen Bruder des Lichtes. Empfange Deine Ordenskleidung. (weisse Tunika mit violettem Lendengürtel, violettem Band und Sechseck) Die besonderen geheimen Erkennungszeichen der Brüder des Lichtes und des VII Grades des Systemes unseres Ordens sind Zeichen und Worte. Das Zeichen der Frage ist: - Der Fragende legt seine rechte Hand auf die linke Hüfte des andern. Die Antwort ist. Der andere tut das Gleiche, dann legen beide die linke Hand flach auf Stirn über Augen und verbeugen Kopf leicht rechts. Im Tempel in Ordnung stehen ist beide Hände gefaltet über den Augen. Die Worte heissen: - Nezach und Hod, das wechselweise gesprochen während man obige Berührung ausführt. Es sind die beiden Säulen auf welchen das Weltgebäude ruht und bedeuten hier Sieg und Ruhm (positiv und negativ) Passwort ist Komiel, es ist der Name des Engels der der hermetischen Weisheit vorsteht. Das heilige Wort ist Schemhamphorasch. Nun lassen Sie sich von der weisen Obp. dem K. und Marschal prüfen (geschieht)
Marschal: - Weisester Vorsteher, der neue Bruder hat sich als Mitglied des Bundes der hermetischen Brüder des Lichts ausgewiesen.
V. So nehme er seinen Platz zwischen den Säulen Nezah und Hod ein.
Ansprache.
Lieber Br. des Lichtes! in diesem Grade hören Sie auf nur Maurer zu sein. Jetzt beginnt Ihre Laufbahn und Ihr Studium als esoterischer Rosenkreuzer. Sie sind Gralsgenosse, Magus des Lichtes und empfangen (Mithrasdiener) die ersten Anweisungen über den wahren Sinn der rosenkreuzerischen und mystischen Symbole und Hieroglyphen. Als Frmr. nannte man die Lehren und Deutungen "Bausteine," die Sie mit Ihrem Geiste behauen und bearbeiten müssen um sie zu einem Tempelbau, dem Wahrheitstempel zusammenfügen zu können. Sie werden Ihre eigene Kraft, Kunst und Wissenschaft anwenden müssen um die Bausteine tauglich zu machen. Sie müssen alles aus sich selbst zustande bringen. Wir geben Ihnen nur das rohe, unbehauene Material das den tauglichen Stein enthält. Aus den Erklärungen des Katechismus müssen Sie alles das herausschälen was Sie bedürfen um das Material zu einem tauglichen Stein zuzurichten. Vom Erfolg Ihrer Arbeit wird es abhängen ob Sie später in den Grad des Ordens aufgenommen werden können, welcher die Probe auf das Exempel macht und Ihnen die Richtigkeit Ihrer Arbeit dann demonstrieren wird.[16] * Bleibt der Erfolg Ihrer Arbeit versagt, so können Sie auch vom Orden die Lösung nicht verlangen.
Schluss des Tempels.
V. Wünscht ein Br. noch zum Besten der Bruderschaft oder des OTO vorzubringen (Rundfrage und erledigen)
V. Da sich niemand gemeldet hat, so schreite ich zum Schluss dieses Kapitels der Br.d.L. Hochl. Br. Ceremonienmeister, wer ist das Ende?
C. Der Anfang.
V. Wer ist der Anfang?
C. Gott der Herr
V. Wer ist also Gott der Herr?
C. Der Anfang und das Ende.
V. Und was ist der Anfang, das Ende und Gott?
C. Eins.
V. Wer giebt [sic] Zeugnis von dieser Wahrheit?
Weise Obp. Obp. Johannes und die sieben Gemeinden in Asien.
V. Verkünden Sie hochw. Br. dieses Zeugnis wörtlich unseren weisen Brüdern des Lichtes.
Obp. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, so spricht der Herr, der da ist, und der da war und der da sein wird. Ich bin der erste und der letzte.
V. Der Herr wird bleiben, wir aber schliessen diese Versammlung und decken das heilige Feuer im Weltei auf dass wir es wieder finden wenn wir dem Herrn wiederum zu dienen zusammenkommen. Amen
Alle: Amen.
Katechismus.
Fr. - Wie viel ist eins
A. 2 und 3 und 1
Fr. Was bedeutet das Siegel Salomonis?
A. Neun
Fr. Warum weil es gleich dem Siegel Jehovas [?]
Fr.[?] Welches ist die Zahl der Fülle?
A. Vier
Fr. Warum?
A. Weil es gleich zehn ist
Fr. Was ist die Zahl X? Die grosse Rihezahl [?] oder die unzerstörliche Zusammenfügung.
Fr. Was bedeutet Eins?
A. Die Lichtkraft (Phi)
Fr. Was bedeutet 2?
A. Die Eigenschaft solarisch, lunarisch
Fr. Was bedeutet Drei?
A. Die Bestandteile [alchem. Symbole] oder die Trinität.
Fr. Was bedeutet Vier?
A. Die grossen Scheidungen: - Oder die Quaternität [Elementsymbole]
Fr. Was bedeutet fünf?
A. Die Lichtwesen (Engel)
Fr. Was bedeutet sechs?
A. Die Offenbarung der Hauptfarben, blau grün rot violet gelb orange
Fr. Was bedeutet sieben?
A. Die Quaternität und Trinität (wie oben) und auch die Kreisbahnen des Lichtes der Planeten Jupiter, Venus, Mars, Saturn, Merkur, Neptun
Fr. Was bedeutet acht?
A. Die acht Perioden der Schöpfungstage und deren Bedeutung für die Rassenentwicklung, i.e. Saturn Sonne Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Vulkan ist die ganze Woche.
Fr. Was bedeutet neun?
A. Die dreifache Vervollkommung.
Fr. Was ist und bedeutet zehn?
A. Die Zahl der Vollendung.
Fr. Was bedeutet O?
A. Ende und Anfang im Ende
Fr. Was wurde dann?
A. Licht auf das Geheiss Elohims (I)
Fr. Und dann?
A. Abend und Morgen oder der erste Tag.
Fr. Wann?
A. Nach Scheidung des Lichtes von der Finsterniss [sic].
Fr. Wann entdeckt sich die reine Jungfrau ohne Makel und wann versteckt sie sich?
A. Sie entdeckt sich am Morgen und versteckt sich am Mittag
Fr. Und worauf ist die ganze Welt begründet und gefasst?
A. Auf die beiden Säulen die da sind Nezah und Hod (I-)
Fr. Was ist die Vollkommenheit?
A. 1, 2, 3 und 4.
Fr. Wie erklären Sie das?
A. Die Erklärung kann sich an Hand des Wertes der Zahlen nur vermuten aber noch nicht erklären.
Fr. Was ist das vollkommenste Feuer?
A. Das Feuer das flammt und nicht verzehrt.
Fr. Wie erklären Sie das?
A. Das erklärt man nicht, das erfährt man bloss
Fr. Was muss man nicht sagen, wenn man zu dem Stein (I) im Tempel Salomonis kommt?
A. Nicht Majim (-)
Fr. Was ist Elohim (Herr)
A. Licht ohne Farbe und das Licht mit Farbe.
Fr. Was giebt die Farbe?
A. Der Wille.
Fr. Wie viel sind sie zusammen?
A. Vollkommen eins.
Fr. Was bedeutet die Schlange?
A. Das ewige Leben.
Fr. Wie lange war Moses fastend um den Seha Majim?
A. 40 Tage.
Fr. Was brachte er mit?
A. Den Extract der Natur und das ewige Gesetz.
Fr. Kennen Sie Christum?
A. Ja und alle Brüder des Lichtes müssen ihn kennen.
Fr. Wer war er?
A. Das Mittel.
Fr. Was ist das Mittel?
A. Er hat gelehrt und allgemeiner gemacht, dass der Anfang und das Ende vollkommen Eins.
Br. Wie ward es als er starb?
A. Finster.
Fr. Was sprach er als er starb?
A. Es ist vollbracht.
Fr. Woraus erkennt man das Licht?
A. Durch die Finsternis.
Fr. Warum pries Daniel Jehova?
A. Er weiss was in der Finsternis ist und mit ihm ist das Licht.

OB 96°


Ich ... schwöre und verspreche feierlichst in der Gegenwart des Königs aller Könige, des Herrn aller Herren, des Zeugers alles Gezeugten, dass ich als Mitglied des Souv. Sanct. des Ordens der Orientalischen Templer strenge darüber wachen werde, dass die Grundsätze des Ordens von mir und allen mir unterstellten Mitgliedern strenge befolgt und bewahrt werden. Ich gelobe und verspreche, den Namen des HERRN niemals zu missbrauchen und das Ordensgeheimnis nur in ritueller Versammlung, in der vom Orden vorgeschriebenen Art mündlich weiterzugeben und dies nur im Einverständnis des Souv. Sanct.
Ich schwöre und verspreche, meinem Ordensobern getreue Folgschaft zu leisten und seine Befehle gewissenhaft auszuführen.
Ich gelobe, keinen Inhaber des 95 und 96 Grades des Memphis Ritus als solchen anzuerkennen, welcher diese Grade nicht in ordnungsgemässer Weise durch den OHO des O.T.O. erhalten hat.
Der Schöpfer alles Geschaffenen helfe mir, diesen meinen Schwur zu halten. Amen.

Zeichen, Passworte und Griffe für den 96° = X°


TER: The highest.
Uat: The lowest
SHA: The First.
ARK: The Last.

Sign:
Stand facing the south with index finger of right hand point upward (The highest), then point downwards (The lowest). Point left (the first), the right, (The last).
Grip. Palms of right hands together, tips of first three fingers on the wrist, crossing extended thumbs and little fingers on each side, thus forming a six pointed star.
NB. The several divisions of the Cross with the spaces between, first with, then without a dot, with the three letters in the double triangle form the complete Alphabet. In reading place the key before you with the letters A B at the top, and IH at the bottom so as to get the forms straight.

1. Ich wünsche aufgenommen zu werden in den Erhabenen Rat der Meister des Grossen Werkes.
2. Ich bin durch die Erde, das Wasser, die Luft und das Feuer gereinigt worden. Ich habe mich bemüht, meinen Geist durch das göttliche Feuer der Liebe zu reinigen.
3. Ja ich schwöre es.
ebenso 4., 5. und 6. Frage

7. Theodor Reuss: Parsifal und das Enthüllte Grals-Geheimnis[17] *

I. Einleitung

Kampf der Geister

Obgleich schon 32 Jahre vergangen sind, seit Richard Wagners Bühnenweihfestspiel 'Parsifal' das Licht der Rampen im Bayreuther Festspielhause erblickte, so scheint doch jetzt erst mit dem  dieses grossen Werkes die grosse Masse des deutschen Volkes anzufangen, sich für den Parsifal überhaupt zu interessieren.
Gleichzeitig mit dem Erwachen des Interesses der grossen Massen des deutschen Volkes für Parsifal, setzte aber auch eine Flut von Zeitungsartikeln über Parsifal ein, von denen die meisten keine Spur von einer Ahnung von dem tief, tief mystischen Sinne haben, der der Handlung und der Symbolik des Festspieles zu Grunde liegt. Die grosse Masse der Parsifal-Kommentatoren und Parsifal-Skribenten, die keine Spur von einer Ahnung vom tief mystischen Sinne des Grals-Geheimnisses haben, sind jedoch noch gar nicht einmal die schlimmsten Feinde Wagners und der Parsifal-Idee.
Die wirklich schlimmen, das heisst hier die gefährlichen Feinde Wagners sind diejenigen Menschen, Artikelschreiber, Kommentatoren, Ausleger usw., die wohl eine Ahnung von dem tiefen mystischen Sinne der Parsifal- und Grals-Idee haben, die aber entweder diesen erkannten Sinn leugnen, oder absichtlich den wahren und einzig wirklich tiefen Sinn der Parsifal-Idee in ihr Gegenteil verkehren.
Die schlimmsten der letzteren Kategorie sind die Sexual-Asketen. Denn diese verstehen den Sinn der Parsifal-Symbolik sehr wohl, sie kehren aber die Idee Wagners in ihr direktes Gegenteil um. Sie sind es, die auf Grund der Handlung des Festspieles 'Parsifal' und unter falscher Deutung der ihr unterliegenden Mystik, weit und breit dem deutschen Volke die 'geschlechtliche Askese' als das  im Parsifal verkünden, und wissentlich damit den Grund legen zum Untergang des mannhaften deutschen Volkes, wenn es nicht noch rechtzeitig gelingt, diesen falschen Propheten das Wasser abzugraben.
Gott sei es geklagt, dass heutzutage so schon die alles verseuchende Vergnügungssucht und die allgemeine Verantwortlichkeitsflucht der grossen Mehrheit des deutschen Volkes zur Beschränkung der Kinder-Zeugung geführt hat, so dass unser deutsches Volk zu wachsen aufgehört hat. Es fehlte gerade noch, dass die Geschlechts-Asketen, die Verteidiger der Entsagung des Zeugungs-Aktes überhaupt, am Ende auch noch das Ohr der Massen der deutschen Jugend finden, dann führt der Rückgang in der Zahl der Geburten im deutschen Reiche mit eiserner Konsequenz zum direkten Untergange des deutschen Volkes. (Aussterbe-Etat!)
Einer dieser gefährlichen Geschlechts-Asketen ist augenscheinlich Herr Prof.R. Guhr, der geniale Schöpfer des grossartigen Wagner-Denkmal-Entwurfes für Dresden, in dem er Wagner nicht als Tonkünstler, sondern als  eines neuen Christentums oder, wie Professor Guhr den Dichter-Komponisten in einer kleinen Propagandaschrift nennt: Herold der frohen Botschaft (Hüter des heiligen Feuers), darstellt.
Professor Guhr hat nämlich im Dezember 1913 eine kleine Schrift privatim versendet: 'Das Gralsmysterium und der esoterische Schlüssel zum Parsifal', in der er erklärt: "Der Angelpunkt der Handlung liegt in der Wiedergewinnung des heiligen Speeres, die schon gleich zu Beginn des Dramas als höchste Heldentat hingestellt wird. Da sie durch einen Akt der Entsagung geschieht, so haben wir in ihr das Symbol der geschlechtlichen Askese zu erkennen, jener grossen Passion der Gottsucher aller Zeiten. Das Ergebnis dieser Askese erblicken wir beim Parsifal in der Fähigkeit, durch die Berührung mit dem heiligen Speer dem Amfortas, welcher denselben in den Armen der Kundry verlor, Heilung zu bringen".
"Die Anwendung des esoterischen Schlüssels auf den Grundgedanken des Dramas ergibt nun folgende, das Mysterium entschleiernde, für alle Erdgeborenen geltende Wahrheit:


"Dies und nur dies allein besagt die Gewinnung des heiligen Speeres, hierin ist der reale Kern des Gralsmysteriums zu erblicken, welcher zum Segen der Menschheit nun immer klarer erkannt werden möge".

Professor Guhr ist ein Schüler der mystisch hochbegabten Frau Valerie Gyigyi in Berlin, deren Meister wiederum Fra Merlin[18] * war. Professor Guhr zählt daher tatsächlich zu den Wissenden und Eingeweihten.
Und gerade weil er zu den Wissenden und Eingeweihten zählt, muss ihm und seiner Propaganda für die Geschlechts-Askese mit den schärfsten Waffen entgegengetreten werden, um das Unheil, so viel als es noch möglich ist, zu beschränken und zu begrenzen, das er, als Wissender eben anstiftete, als er sein 'Wissen' in falsche Bahnen lenkte.
Als 'Eingeweihter' proklamiert sich Professor Guhr durch Preisgabe des Schlüssels zur Geheimlehre der Sexual-Magie, den er "die für alle Erdgeborenen geltende Wahrheit" nennt, indem er erklärt:
"Durch die geschlechtliche Enthaltsamkeit vermag der den Trieb beherrschende Mensch die erotischen Kräfte seines Leibes umzuwandeln in Heilskräfte, welche demjenigen, der nicht die Kraft zur Askese besitzt, durch Uebertragung Gesundung bringen können".
Auf falsche Wege irrte Professor Guhr ab, als[19] * er die grosse Geheim-Wahrheit, die nur für auserwählte Tempel-Priester je Geltung hatte und in alle Zukunft nur haben kann, profaniert und versucht, selbe auf das Verhalten der Männer und Jünglinge des Volkes im allgemeinen anzuwenden.[20] *
Hier trennen sich die Wege der Eingeweihten und Wissenden von denen des Professors Guhr.
Nachdem Professor Guhr glaubte, das Grals-Mysterium in einem sexual-asketischen Sinne entschleiern zu müssen, um für seine - (dem Fortbestand des deutschen Volkes feindliche) Theorie von der Geschlechtsaskese Propaganda zu machen, wollen wir jetzt nicht länger zögern, das wahre Grals-Geheimnis zu enthüllen, um der mannhaften und mannbaren Entwicklung des deutschen Volkes zu dienen.

II. Hauptstück

Die Enthüllung des Geheimnisses

Der Verfasser dieser Schrift hat in seiner Jugend den grossen Vorzug genossen, den unsterblichen Dichter-Komponisten Richard Wagner persönlich gekannt, bei ihm in der Villa Wahnfried des öfteren als Gast verkehrt zu haben, und bei allen Proben und Aufführungen des Bühnenweihfestspieles Parsifal im Juli und August 1882 in Bayreuth persönlich zugegen gewesen zu sein.
Diese Umstände, verbunden mit dem weiteren Vorzuge, mit Mitarbeitern Wagners lange Gespräche über Parsifal und der, demselben unterliegenden 'mystischen Idee', geführt zu haben, gaben dem Verfasser die ersten Anhaltspunkte zur Auffindung des Schlüssels, der ihm den inneren Schrein des Grals-Mysteriums erschloss.
Wagner verkündet in der Tat im Parsifal - eine 'Heils-Wahrheit'
Welcher Art diese Heilswahrheit ist, wird in den nachfolgenden Zeilen 'enthüllt' werden.
Professor Guhr sagt ganz richtig, dass Wagner in seinen Dichtungen, ganz besonders in dem Bühnenweihfestspiel 'Parsifal' dem Problem der 'Erlösung' nachspürte und selbes dichterisch zu lösen versuchte.
Es ist jedoch ein fundamentaler und höchst bedauerlicher Irrtum aller Sexual-Asketen, zu behaupten, dass Richard Wagner die gesuchte 'Erlösung' in der 'Verneinung des Geschlechts-Aktes', also in der Enthaltung des Mannes vom Geschlechts-Akte mit dem Weibe, gefunden hatte, und durch seine dramatischen Dichtungen, inbesondere eben durch das Bühnenweihspiel 'Parsifal' diese Erkenntnis und diese Version der 'Erlösung' hätte propagieren wollen. Das gerade Gegenteil ist in Wirklichkeit der Fall!
Wagner ist nicht nur der grösste Held, sondern auch der grösste Bekenner und Prophet der Sexual-Religion der Zukunft, welche auf der obligatorischen rituellen Vollziehung des Sexual-Aktes basiert.
Schon im Lohengrin begann er anzukünden, was er im Tristan und dann ganz besonders im Ring der Nibelungen ausbaute und im Parsifal krönte:
"Die neue Heilsbotschaft der Sexual-Religion!"
Eine ausführliche Beweisführung ist im Rahmen dieser kleinen Schrift, die ursprünglich ja nur eine private Antwort auf Professor Guhrs Schrift über Wagners Parsifal war, erklärlicherweise unmöglich. Aber hinweisen wollen wir hier noch auf die folgenden Stellen in Wagners Dichtungen.
Im Rheingold singt Fafner: "Goldne Aepfel wachsen in ihrem (Freias) Garten ...", und im Anschluss an diese Worte, um darauf aufmerksam zu machen, dass, nachdem Freia von den Riesen als Pfand weggeführt worden ist, die sämtlichen zurückbleibenden Götter "siech und bleich ..." dahinsinken, weil sie, wie weiter von Wagner erklärend hinzugefügt wird, die "goldenen Aepfel aus Freias Garten"[21] * entbehren müssen! Es bedarf wirklich nicht viel Scharfsinns, nur etwas freien Mut im Gedankengang, um an der Hand dieser zartfühlenden Andeutungen Wagners zu erraten, was er mit den goldenen Aepfeln in Freias Garten meint.
Wir werden die Lösung andeuten bei der Erklärung der 'Grals-Speise'. Diese 'göttliche Speise', die dann in seinen späteren Jahren unter anderer Symbolik, eben als die Gralsspeise wiederkehrte, wünschte Wagner seinen Jüngern also schon zu verkünden.
Und weiter: "Nothung, Nothung, neidliches Schwert" - was ist das Schwert Nothung, das Siegfried, als des Vaters einziges, aber unbrauchbar gewordenes Erbe im jugendlichen Feuer sich neu schmiedet, anderes, als das Symbol des Ur-Schwertes (Ur-Phallos)! Ur-Vater hatte dieses Ur-Schwert in den Stamm des Ur-Baumes gestossen, und derjenige, der dieses Schwert herauszieht, gewinnt sich damit ein Weib - als Braut und Schwester!
Da sind keine Symbole der geschlechtlichen Enthaltung! - (Sexual-Askese!) - Nachdem wir das Obenstehende vorausgeschickt haben, wollen wir zur Erklärung der im Parsifal verborgenen Geheimlehre schreiten.
Parsifal, als roher, unwissender Jüngling, gelangt in das Gralsgebiet. Dort tötet er mit seinem ^Pfeil' einen weissen Schwan, als erste Tat. Der weisse Schwan ist (gemäss nordischer, mystischer Tradition) das Symbol der Verzückung, des permanenten geistigen Entzücktseins, das in den Herzen und Seelen der Gralsritter lebt und herrscht, die höchste Ekstase, in derem Bann alle Bewohner des Gralsgebietes leben. Parsifals Tat, dass er den Schwan, der sein "Weibchen zu suchen" ausgeflogen war, um mit ihr zu kreisen über dem "See" (das Wasser-Symbol des weiblichen Prinzips), "den so er herrlich weihte zum heilenden Bad" [22] * mit seinem "Pfeil" in die schneeweisse Brust schoss, so dass das rote Blut das weisse Gefieder des toten Schwanes färbte, ist ein symbolisches Gleichnis dafür, dass der unwissende rohe Parsifal mit seiner widernatürlichen (sexuellen) Tat (Pfeil) der im Gralsgebiet herrschenden 'heiligen' Ekstase eine Wunde schlug, sie verletzte.[23] *
Dieses Unrecht zu sühnen, gedenkt Gurnemanz den Parsifal zum Gral zu geleiten. Nebenbei beeinflusst auch Gurnemanz die Hoffnung, dass Parsifal der Tor[24] * sein möchte, der dem leidenden Amfortas als Heilender verheissen ist. Gurnemanz ist noch nicht absolut gewiss, dass Parsifal ein Tor und rein ist, als er den Entschluss fasste, Parsifal nach der Gralsburg zu geleiten, denn Gurnemanz singt noch, als sie beide schon eine ganze Weile geschritten sind: "Jetzt achte wohl, und lass mich sehen, bist du ein Tor und bist du rein ..".! - Die Prüfung, ob er ein "reiner" Tor ist, soll Parsifal erst im Gralstempel bestehen! Dieser Punkt lässt sich hier nicht weiter ausarbeiten.
Wir müssen aber ganz besonders noch auf die frühere Stelle verweisen, die für unsere Beweisführung von weitgehendster Bedeutung ist. Gurnemanz sagt: "Nun lass mich zum frommen Mahle dich geleiten, denn - (hier ist ein Gedankenstrich in der Dichtung), bist du rein, wird nun der Gral dich tränken und speisen!"[25] *
Wie wir aber nun aus dem Verlauf der Handlung im Gralstempel dann ersehen (der Gralsfeier - Eucharist)[26] * war Parsifal vom Gral nicht gespeist und getränkt worden! Folglich war Parsifal also doch nicht rein! Zu allem Ueberdruss sagt dann auch noch Gurnemanz am Ende der Gralsfeier zu Parsifal: "Du bist doch eben nur ein Tor!"[27] * Also: nicht rein - sondern nur Tor, und Gurnemanz' allerletztes Wort zu Parsifal am Schlusse des ersten Aktes ist: "Lass du hier künftig die Schwäne in Ruhe (störe nicht wieder die Ekstase der Bewohner des Gralsgebietes), sondern suche dir Gänser die Gans!" - Diese viel belächelten Worte bedeuten eben: - Versuche in Zukunft keine die Ekstase störende widernatürliche (sexuelle) Handlung mehr, sondern suche dir ein Weibchen deiner eigenen Art und Gattung, mit ihr natürlichen Geschlechtsverkehr zu pflegen!! - Damit bekommen die viel belächelten Worte tiefen mystischen Sinn! Ohne unsere Deutung bleiben sie unverständlich und sinnlos, wie z.B. die Worte Gurnemanz: dass der mit seinem Weibchen über dem See kreisende Schwan den See zum  Bade weihte!
Bevor wir zur Erklärung der verborgenen mystischen Bedeutung des zweiten Aktes schreiten, müssen wir den weit verbreiteten Irrtum in der Auffassung und Deutung der 'Wunde' des Amfortas richtigstellen.
Die 'Wunde0 des Amfortas soll nicht die  für die (von Amfortas vollzogene) Ausübung des Geschlechtsaktes an sich (welche Ansicht natürlich von den Sexual-Asketen ganz besonders energisch vertreten wird) symbolisieren, sondern die 'Wunde' ist die Strafe dafür, dass Amfortas den Geschlechtsakt "eitler Weise" - mit einem 'Freudenmädchen' - ausserhalb des "Gralsritus" - also "unheilig" vollzogen hat.[28] * Nach diesem 'Sündenfall' des Amfortas müsste und dürfte, gemäss der Auffassung der Sexual-Asketen, Amfortas überhaupt nicht mehr würdig und fähig sein, des Amtes als Grals-König, als "Enthüller des Grals" zu walten! Wir sehen aber im ersten Akte, dass Amfortas trotz seiner 'Wunde' sehr wohl noch imstande war, und ist, den Gral zu "enthüllen" und die Ritter zu tränken und zu speisen. Der Unterschied für Amfortas in der Ausübung seines Amtes zwischen der Zeit, da er noch nicht "gesündigt", und der Zeit nach Begehung der "Sünde", ist nur der, dass ihm das "Amt der Enthüllung des Grals" nach seinem Sündenfalle "grosse Schmerzen", "Qualen und Pein" verursacht!
Der Gral wirkte also als "Speise und Trank" trotz des Umstandes, dass der sündige, unwürdige, mit der "Wunde behaftete" Amfortas ihn enthüllt; nur der "seines Amtes waltende" Amfortas leidet (selbst für seine Person) unter der Ausübung seines Amtes! Warum leidet Amfortas?!
Amfortas, nach dem "Falle," in tiefster Reue und sich unwürdig fühlend, den "Akt" im Tempel rite zu vollziehen, verfiel der "Selbstpeinigung" (Masturbation!), dem widernatürlichen Surrogat aller Geschlechts-Asketen. Deshalb verursacht das Amt dem Amfortas seelische Pein und körperlichen Schmerz. Zum vollen Verständnis dieser tiefen, ernsten, geheimnisvollen, christlich-mystischen Wahrheit muss man die Worte der Bibel, besonders im St. Johannes-Evangelium und an anderen Stellen richtig zu interpretieren verstehen, man muss die Geheimlehren der Israeliten, wie diese im Zohar erklärt sind, kennen, und man muss die Bhagavad-Gita richtig verstanden haben. Und zur Unterstützung unserer Beweisführung muss hier ausdrücklich konstatiert werden, dass Wagner mit dem Esoterismus der Bhagavad-Gita schon zur Zeit seines Verkehrs mit den Wesendonks und mit Nietzsche (1852-1857) vertraut gewesen war. - Die folgenden Stellen kommen hierfür in Betracht:
St. Johannes-Evangelium IV,13; VI,27; VII,51-58; VIII,38; III,14-15; VI,47-55. Genesis 2; 3; 15, 13; 16, 2; 17, 10-14; 19; 24; 28, 18-22; 30, 2-22; 31, 30-35; 35, 1-15; 38, 13-26. Paulus, Lukas, Offenbarung Johannes usw.; Bhagavad-Gita II 17. 18; VI, 27. 28. 29; V, 5; VI, 10; VII, 8; X, 39; VIII, 10; IX, 18; IV, 27. 31; V, 7. 10; XVIII, 63.

*


Auf die 'Heilswirkung' der  des Grals werden wir später noch kurz hinweisen.
Jetzt wollen wir hier mit der Deutung des zweiten Aktes fortfahren. Klingsor, der "Zauberer" (der "schwarze Magier"[29] * im Gegensatz zum Gralskönig, dem "weissen Magier")[30] * ist die erste Person, die uns im zweiten Akte entgegentritt. Von ihm erzählt Gurnemanz im ersten Akte: "(Klingsor) ohnmächtig in sich selbst, die Sünde zu ertöten, an sich legt er die Frevlerhand - die nun dem Grale zugewandt - verachtungsvoll dess' Hüter von sich stiess!"
In diesen Worten liegt Wagners schärfste und ausgesprochenste Zurückweisung aller, je möglich gedachten Versuche der fanatischen Geschlechts-Asketen, seinen 'Parsifal' für ihre sexual-asketischen Sonderzwecke in Beschlag zu nehmen!
Klingsor entmannt sich selbst, um ein vollkommener Geschlechtsasket zu werden, da nach seiner (Klingsors) - aus falscher Auslegung des Gralsgeheimnisses fliessenden - Auffassung (und durch Darstellung der falschen Auffassung des Klingsors will eben Wagner die falsche Auffassung aller Geschlechtsasketen treffen und selbe ad absurdum führen) eben nur der, der den Geschlechtsakt überhaupt nicht mehr vollzieht, oder eben nach Klingsors falscher Auffassung, vollziehen kann - würdig, fähig und berufen sei, den Gral zu hüten.
Wagner legt ganz besonders Gewicht darauf, diese grundfalsche Auffassung aller Geschlechtsasketen als fundamentalen Irrtum zu brandmarken, so dass er in seiner Parsifaldichtung die scharfen Worte gebraucht: "Verachtungsvoll der Gral dess' Hüter von sich stiess!"

*

Nicht nur unwürdig und unfähig ist also ein Geschlechtsasket, den "Gral" zu hüten, sondern sogar "verachtungsvoll" weist der Gral solch einen Geschlechtsasketen zurück! Warum? - Das kann man auch wieder nur ergründen durch Studium der oben zitierten Stellen aus dem alten und neuen Testament (Bibel), aus der Bhagavad-Gita und den Ausführungen des Chevalier Le Clement de Saint Marcq, in dessen Schrift über die Natur des Eucharist,[31] * sowie in Waites Kommentar zur Geheimlehre in Israel. Wir finden also nicht nur im neuen Testamente die Gründe für dieses: "Warum?" - auch im alten Testamente sind selbe überall zu finden. Eine klare Deutung der betreffenden symbolischen Stellen des alten Testamentes findet man eben im Zohar. Endlich findet sich auch die Lösung in der Geheimlehre der Templer und in der Geheimlehre der Gnostiker.
Professor Guhr sagt mit Recht: "Der Angelpunkt der Handlung liegt in der Wiedergewinnung des heiligen Speers, die schon zu Beginn des Dramas als höchste Heldentat hingestellt wird". Ganz falsch ist aber die Folgerung, die Professor Guhr an diese Worte knüpft, wenn er sagt: "- da sie doch durch einen Akt der Entsagung geschieht, so haben wir in ihr das Symbol der geschlechtlichen Askese zu erkennen ..".
Gegen diese so bedauerlich falsche Auffassung wandte sich Wagner doch schon anticipando mit den oben zitierten Worten "verachtungsvoll der Gral dess' Hüter von sich stiess!" Wohl haben wir in der Wiedergewinnung des Speeres einen Akt der Entsagung zu erkennen, aber nicht ein Symbol der geschlechtlichen Askese an sich und überhaupt!
Die im zweiten Akte des Parsifal dramatisch dargestellte symbolische "Wiedergewinnung des Speeres" ist wie folgt zu deuten.
Der "Speer" ist, zugegebenermassen - (auch seitens Professor Guhrs ist dies zugestanden) - das Symbol des Phallos, und gleich wie man z.B. mittelst des Bildes (Symboles) "Amor schiesst einen Pfeil (ebenfalls zugegebenermassen Symbol des Phallos) auf zwei Liebende ab" - andeutet eine Aufforderung und Anregung Amors zu einer geschlechtlichen Vereinigung der zwei Liebenden, so soll der Wurf des Speeres auf Parsival andeuten, dass Klingsor Parsifal zwingen wollte, einen nackten "Lustakt" zu vollziehen, der eben als "Nur-Lust-Akt" wieder ein "Sündenfall" gewesen wäre!
In Erinnerung nun an Amfortas "Pein und Schmerz", die sich in seiner wahnsinnigen Reue über den begangenen "Nur-Lust-Akt" Amfortas auferlegte, wird Parsifal stark und widersteht dem versuchten "Zwange" (Verführung durch Kundry), ausgeführt durch den Speerwurf des Zauberers Klingsor! Parsifal erkennt aber in eben demselben Augenblicke durch Eingebung, Erleuchtung, durch innere Erfahrung, den "heiligen Beruf" des Speeres im Grals-Tempel, als "Heilspender" zu dienen, und Parsifal "ergreift den Speer" - und begibt sich "mit dem Speere in der Hand" auf den Weg zum Grale.
Jetzt erst beginnt die wahre Pilgerfahrt: Parsifal "mit dem Speere in der Hand" -!. Hier beginnt das Symbol der "Entsagung!"
Die "Entsagung" liegt, symbolisch ausgedrückt, in den Worten "mit dem Speere in der Hand!" Eine "Entsagung" ist erst dann eine "Entsagung" im wirklichen Sinne des Wortes, wenn man etwas nicht tut, das man als wünschenswert zu tun erkannt hat und es zu tun gewünscht hatte. Die Wanderung Parsifals mit dem Speere in der Hand entspricht den 40 Tagen, die Christus in der Wüste verbracht haben soll. Sie entspricht den Prüfungen und Reinigungen, die alle Kandidaten aller alten Religionen, aller mystischen Geheimbünde usw. durchzumachen hatten, ehe sie eingeweiht werden konnten, diese Wanderung entspricht daher auch den 40 Tagen des Fastens und Enthaltens, die noch heute die Eingeweihten einer mystischen Vereinigung ihren Kandidaten als Prüfung auferlegen, ehe selbe zum Studium der mystischen Geheim- und Heilslehre zugelassen werden. - Wagner deutet die "Entsagung" (Zähmung des Triebes) dadurch an, dass er im dritten Akte Parsifal nach Beendigung der Wanderung (Pilgerfahrt) in "düsterer schwarzer Waffenrüstung" mit "gesenktem Speere" im Gralsgebiet erscheinen lässt. Parsifal "entsagte" aller Lust und allem Genusse während der "40 Tage," die die Wanderung symbolisch darstellt. Aber auch Kundry macht die "40 Tage" durch, was im dritten Akte dadurch angedeutet wird, dass sie fast "verhungert" im "braunen Büssergewande" unter einem Strauch (Symbol des Lebens) an der Grenze des Gralsgebietes aufgefunden wird.
Als Parsifal von Gurnemanz erfährt, dass er endlich in des Grals Gebiet angekommen, "pflanzt" Parsifal "seinen Speer" auf, legt aber den "schwarzen Schild" davor,[32] * und betet dann, seinen Blick unverwandt in Verzückung auf die "Speerspitze" gerichtet! Ein tiefes Symbol!
Kundrys einzige Worte (und die letzten, die sie überhaupt im Drama zu sprechen hat) nachdem sie nach langer Leidenszeit wieder zum Leben zurückgerufen ist, sind: "Dienen, dienen!"
In diesen Worten "dienen, dienen!" ist Wagners (und unsere eigene) ganze Weltanschauung über die Bestimmung des Weibes in unserem Weltsystem ausgedrückt und enthalten.
Das Weib ist "bestimmt" dem "männlichen" Weltzweck (Erhaltung der Welt) zu "dienen," indem sie vom "Ur-Speer" den Samen empfängt und mittels der "Ur-Spindel" (Uterus) den "Lebensfaden des Ur-Speeres" zu neuen Lebenseinheiten weiterspinnt, und so das Weltgewebe erhält!
Das ist der Ur-zweck und die ewige Bestimmung des Weibes.
Diesem Zwecke will Kundry fortan allein dienen!
Um symbolisch anzudeuten, dass Kundry dem alten Gewerbe der "Lust-Erregung" und "Lust-Befriedigung" (dem Missbrauch der geschlechtlichen Vereinigung) für immer erstorben ist, lässt Wagner sie am Schlusse der Handlung vor dem Altar des Grals und zu Füssen des Gralskönigs tot niedersinken. Das ist natürlich nur ein Symbol!
Denn in Wirklichkeit (im Sinne der Dichtung Wagners) dient Kundry fortan dem Gralskönig in "ritueller", also "heiliger" Vereinigung, und wird Mutter des Gralsritters - Lohengrin!
Die Geschlechtsasketen belieben mit eiserner Konsequenz und einer Beharrlichkeit, die besser verwendet werden könnte, die harte Tatsache zu ignorieren, dass Parsifal, der Gralskönig, einen "Sohn zeugte" - (wir sprechen hier natürlich immer nur von Wagners Gedankengang, der seinen Dramen "Lohengrin" und "Parsifal" unterliegt) - und diesen Sohn konnte Parsifal doch nur durch einen "Geschlechtsakt" mit einem "Weibe" zeugen.
Und der "Zeugungsakt" muss vor sich gegangen sein in einer Zeit, die nach dem Schlusse des 3. Aktes des Bühnenweihfestspieles "Parsifal" liegt.
Dieses Weib kann, im Gralsgebiete, nur ein solches Weib gewesen sein, das "nur um zu dienen" dort weilte. Also ist die "getaufte" Kundry, die die "40 Tage" durchgemacht hatte, eben ganz naheliegender Weise das richtige Symbol für das "dienende Weib," das dem Gralskönig einen Sohn gebar.
Nun bleibt nur noch übrig, anzudeuten, was "der Zeugengüter höchster Wundergut", "das in höchsten Heiles heisser Sucht" beim "letzten Liebesmahle im Weihgefässe[33] * fliessend" von den Rittern ersehnt wird, was, kurz - der Gral ist![34] *
Parsifal fragt im 1. Akte aber nicht: "Was ist der Gral?" Parsifal fragt: "Wer ist der Gral?" - Warum lässt Wagner den Parsifal nicht fragen: Was ist der Gral? - Hier liegt ein tiefes Geheimnis verborgen! Parsifal fragt also (mit unterliegender Absicht des Dichters): Wer ist der Gral? - Und Gurnemanz antwortet ganz bezeichnenderweise:
"Das sagt sich nicht!"[35] *
Warum soll sich das nicht sagen lassen? Es wäre doch ganz leicht für Gurnemanz, dem Parsifal zu sagen: "Was" - der Gral ist! Lohengrin gibt doch auch eine Art Beschreibung vom Gral, und dazu noch vor versammeltem Kriegsvolk des Königs Heinrich.
Wenn Wagner also nicht die Absicht gehabt hätte, hier eine ganz besonders geheimzuhaltende, ganz tief mystische Erklärung von der wahren Natur des Grales anzudeuten, so hätte er Gurnemanz dem Parsifal eben auch eine ähnliche Erklärung geben lassen, wie selbe Lohengrin dem König Heinrich gab. Aber an seinem Lebensende wollte Wagner in seiner Lieblingsschöpfung, an deren Dichtung er schon in seinen jüngeren Jahren (1853-1857) gedacht hatte, augenscheinlich ohne weitere weltliche Rücksichten, zur Ermutigung und zur "Sammlung" aller "Eingeweihten", das "grosse Feuerzeichen" aufrichten, und andeuten die wahre Natur des Gralsbegriffes.
Am deutlichsten deutet es Wagner an in den Schlussworten des Parsifals im 3. Akte, als Parsifal "in höchster Entzückung" auf den "emporgehaltenen" (aufgerichteten) Speer, zu dessen "Spitze aufschauend" in Begeisterung singt:

"Oh, welchen Wunders höchstes Glück!
Die deine Wunde durfte schliessen,
Ihr sehe ich heiliges Blut entfliessen
In Sehnsucht dem verwandten Quelle,
Der dort fliesst in des Grales Welle!"

Die Deutung dieser Worte, die - "sagt sich eben nicht!" -
Die kann nur erkannt und begriffen werden - aber - nicht gesagt werden!
In diesen Worten liegt verborgen das höchste, hehrste, heiligste "Symbol der Sexual-Magie"!
Hier fängt eben eine "Geheimlehre" an, die ausschliesslich für "Eingeweihte" ist.
Es ist als Tatsache bekannt, dass Wagner die Bhagavad-Gita und andere mystische Geheim-Lehren kannte. Wagner hatte auch wohl in seinen letzten Lebensjahren begonnen, ein mit neuem Leben erfülltes Christentum sich auszudenken. Dieses Christentum wäre aber ein ganz anderes Christentum als das Christentum, an das man gemeinhin bei diesem Worte denkt, geworden.

Warnung an Alle

Beschränkte, Kleinliche oder Boshafte, Grosse und Kleine Geister!
Gleichwie die ganze Parsifal-Handlung des Bühnenweihfestspieles von Richard Wagner nur ein Gleichnis, eine symbolische Handlung ist und keine Darstellung eines realen Vorganges in der irdischen Welt,
so ist die vorstehende Erklärung des Grals-Geheimnisses nicht buchstäblich, persönlich, materiell, auf irdische, grobstoffliche Vorgänge bezughabend, aufzufassen,
sondern sie ist nur ganz unpersönlich, symbolisch, auf rein geistige Vorgänge sich beziehend, zu verstehen!
        Der Verfasser.

III. Nutzanwendung

Grundriss des neuen O.T.O.Tempels


Nachdem wir nun das Grals-Geheimnis enthüllt haben und aus dieser Enthüllung mit zwingender Notwendigkeit sich ergibt, dass Wagner einem mit neuem Leben erfüllten Christentum nachspürte, dass er, wie Professor Guhr aus Wagners Heldentum und Christentum zitierte, die Erlösung in einer physischen Regeneration, in einer Um- und Höherbildung des Individuums, zu der die Menschheit wie zu einem künftigen Heile aufblicken werden, prophetisch erschaute, so betrachten wir es als unsere Pflicht, auch die Nutzanwendung der gefundenen Wahrheit oder Wahrheiten zu versuchen. Welcher Art ist die "Erlösung," die Wagner dichterisch ersehnte?
Welcher Art das neue Christentum?
Das mit neuem Leben erfüllte neue Christentum kann ganz unmöglich ein Christentum der allgemeinen Askese (Entsagung des, oder Enthaltung vom Geschlechtsakte) sein; es kann nur - und muss ganz logischerweise ein Christentum sein, das den Menschen die "Erlösung von der Sünde" - Befreiung von der "Erbsünde" - bringen muss!
Selbst Professor Guhr sagt: So war es ihm (Wagner), dem von keinem Dogma Beschwerten vorbehalten, die letzten Geheimnisse der Menschheit und ihre Lösung "Die Vergottung des Triebes" - (Geschlechtstriebes) - in seinem Schwanengesange zum weihevollen Mysterium zu gestalten, welches, unbeirrt durch Priesterwissen oder Skepsis, die Rätsel des Christentums in klargewordener Formel ausdrückt und so zur Grundlage der Zukunftskirche werden wird. Der Priester dieser Kirche wird, nach dem Vorbilde des Parsifal, den in ihm wirkenden Gottesgeist das gebändigte Dämonium als heilende Strömung seiner Umgebung mitteilen können.
Diesen Ausführungen schliessen wir uns rückhaltlos an. Wir beschränken ihre Giltikeit [sic] aber auf den engen Kreis der Priester-Aerzte im neuen O.T.O.-Tempel, von denen wir später noch sprechen werden. Sie setzen nicht nur ein neues Christentum, sondern auch eine neue Zivilisation voraus.
Unsere gegenwärtige Zivilisation entspringt aus dem Christentume der Kirchenväter, welche aus einer Mischung der Paulinischen Lehren mit vorchristlichen (sogenannt heidnischen) Lehren und Grundsätzen das heute noch herrschende Christentum schufen. Und diese Lehren dieses künstlich zusammengebrauten Christentums gelten eben als die "Wahrheit" oder Wahrheiten, auf die unsere Zivilisation (und Moral) aufgebaut ist.
Eine der Grundlehren, man muss sogar sagen die Grundlehre, welche ausschlaggebend war, dem Christentume seinen heutigen Charakter zu geben, ist die Lehre vom "Sündenfall".[36] *
Aus diesem "Sündenfall" wurde abgeleitet die christliche Auffassung des Begriffes der "Scham".[37] *
Unter "Scham" (auch "Schamteil") im engeren und eigentlichen Sinne, versteht die christliche Kirche, und die auf ihren Lehren aufgebauten Staatsgesetze, die Geschlechtsteile der Menschen.
Der christliche Mensch wird von Jugend auf gelehrt, dieser ("Scham-") Teile sich zu "schämen!" Der naturgemässe Gebrauch dieser Scham-Teile, ja selbst eine Beschäftigung der Gedanken eines Menschen mit diesen seinen eigenen Scham-Teilen ist eine "Sünde", gemäss den Grundzügen der christlichen Kirche und den Gesetzen christlicher Staaten. Eine christliche Frau, welche ohne kirchliche oder staatliche Konzession ihre Geschlechtsorgane naturgemäss[38] * gebraucht und gar noch die naturgemässe Folge dieses Gebrauches in sich gezeitigt hat, wird als eine "Gefallene" gebrandmarkt. Früher allgemeinerweise, heute in engerem Verhältnis, aber auch noch bestimmterweise, wurde eine "Gefallene" sogar auch noch "ausgestossen" aus der Gemeinschaft der Rechtschaffenen, sie wurde zur "Ausgestossenen", "Gefallenen", "Geächteten" gestempelt.
Kurz gesagt: alles Sexuelle war Sünde und Schande, und ist es heute noch von amtswegen, im Sinne der Kirche und der Gesetze!
In der vor-christlichen Zeit war das nicht so gewesen. Selbst die Israeliten hatten ihre "Geheim-Lehre", welche die Geschlechtsteile als die "irdischen Symbole" der "Gottähnlichkeit" des Menschen erkannte. Und in den Religionssystemen des Ostens wird den Geschlechtsteilen bis auf den heutigen Tag, als Symbolen der Gottheit, göttliche Verehrung gezollt!
Wir wollen uns mit der Kritik der falschen Auffassung des Christentums vom Sexuellen als eines "sittlichen Uebels" hier nicht länger aufhalten, denn unser Zweck ist nicht, zu analysieren oder zu zerstören, sondern konstruktiv zu wirken. Die Mehrzahl der Kritiker haben bisher nur kritisiert, das heisst die christliche Kirche unterminiert und eingerissen, ohne aufzubauen. Wir aber wollen aufbauen, neu bauen!
In einem besonderen Teile unserer Schrift bringen wir eine kleine Auslese von Auszügen aus der Bibel und anderen heiligen Schriften anderer Religions-Systeme, welche den Beweis liefern, dass alle Religionen, die christliche Religion mit einbegriffen, eine sexuelle Basis haben. Damit wollen wir demonstrieren, dass wir nicht eine neue Religion zu gründen beabsichtigen, sondern dass wir den Schutt, den das Pseudo-Christentum auf die alte Weltreligion gehäuft hat, wegräumen wollen, damit die alte wahre Religion wieder zu ihrem Rechte kommt.
In der christlichen Religion hat sich die sexuelle Basis bis auf den heutigen Tag versteckt, dem Laien und den niederen Klerikern unbekannt, im Marien-Kultus erhalten. (Siehe: Lingam-Yoni oder der Marienkultus usw. Verlag Schönheit, Berlin 1906/München 1983.)
In dieser von uns nachstehend abgedruckten Auslese von Auszügen aus christlichen, jüdischen und indischen heiligen Schriften wird der Beweis erbracht, dass die Zeugungs-Organe (Geschlechtsteile)[39] * der Menschen in allen Religionen als "göttliche Attribute", als "irdische Organe der dem Menschen innewohnenden Göttlichkeit", als "greifbare Zeugen der unsichtbaren Gotteskraft" verehrt wurden und werden.
Den christlichen Massen unbewusst und unbekannt, zeugt heute noch die Anlage der meisten christlichen Kathedralen und Kirchen von der Verehrung der menschlichen Sexualorgane. Jeder Turm einer Kirche ist ein Symbol des männlichen Organes,[40] * jedes Schiff einer Kirche ist ein Symbol des weiblichen Organes.[41] *
Weshalb will die Kirche denn nur für alle Ewigkeit die Fiktion aufrecht erhalten, dass sich ein Mensch seiner Geschlechtsteile "schämen" müsse?
Das schlimmste für die christliche Sittengesetzgebung, betreffs der Geschlechts-Sünde, ist, dass kein Mensch oder - besser und genauer gesagt - dass die überwiegend grosse Mehrzahl der Menschen die Sittengesetze der Kirche und des Staates betreffs des Geschlechtslebens des Menschen in Wirklichkeit gar nicht befolgt.
Im Geheimen handelt jeder Mensch, bezüglich des Geschlechtstriebes und des Geschlechtslebens, im direkten Gegensatz zu den öffentlichen Vorschriften der Kirche und des Staates.
Dieser Zustand der Massen-Heuchelei muss zu einer furchtbaren Sitten-Katastrophe führen.
Man wirft uns nun entgegen: "Was wollt ihr denn für eine Moral einführen?"
Wir wollen das, was heute als unsittlich, sündig gebrandmarkt wird, in seiner ursprünglichen Reinheit und Sittlichkeit wieder herstellen, wir wollen es zu etwas "Heiligem" wieder erheben. Auf dieser wiederhergestellten alten Auffassung, dass die Sexual-Organe etwas "Heiliges", "Verehrungswertes" sind, wollen wir das Neue aufbauen, eingedenk des Ausspruches Manus:
"Nur der, welcher die hehre Lehre von der Heiligkeit der Gottes-Organe verstanden hat, ist wahrhaft frei und von allen Sünden erlöst!"[42] *
Die Freiheit von der "Erbsünde", das ist die wahre "Freiheit"!
Eine Gemeinschaft von (geschlechtlich) freien Menschen, die ohne (Sexual)Sünde sind, wünschen wir zu konstituieren.[43] * Wir wünschen Menschen zu schaffen, die sich ihrer Geschlechtsreife nicht zu schämen haben!
Innerhalb der heute noch herrschenden, christlichen Zivilisation wird dieser Versuch auf grosse Schwierigkeiten stossen,[44] * aber der Anfang ist schon gemacht und im Kleinen gelungen. Im Grossen kann der Versuch erst endgiltig [sic] siegreich sein, wenn der Nachwuchs schon von allerfrühester Jugend an in den Grundsätzen der neuen Sittlichkeit auferzogen sein wird.
Die Jugend muss von Geburt an in den Geschlechtsorganen etwas Heiliges erblicken. Die Funktion der Geschlechtsorgane müssen den Knaben und Mädchen als "heilige Handlungen" erklärt werden, sobald die Mutter bemerkt, dass sich Regungen der Geschlechtskräfte zu zeigen beginnen. Diese Lehren müssen von frühester Jugend an von den Eltern zwanglos gegeben werden, und in den Schulen von den Aerzten und Aerztinnen, die an Stelle der jetzigen Religionslehrer priesterliches Lehramt in allen Schulen ausüben, der heranreifenden Jugend wissenschaftlich begründet und vertieft werden als "Diesseits-Lehre".
Auf dem von den Leiber-Aerzten (priesterliche Mediziner) gelegten festen Grunde wird dann erst von den Seelen-Aerzten (geistlichen Priestern) die "Jenseits-Lehre" aufgebaut.
Gegenwärtig ist es gerade umgekehrt.

*

Man paukt in die Kinder von frühester Jugend eine Jenseits-Lehre, vermittelst Religions-Märchen, die dann, wenn die Kinder zu Erwachsenen herangereift sind, vollständig zusammenbricht, indem die Erwachsenen erkennen, dass die Lehren den harten Tatsachen nicht entsprechen. Aus dieser Erkenntnis entspringt dann bei den geistig Regen ein Kampf, der unendlich viel Unglück und Unheil im Dasein solcher Menschen verursacht. Bei den minder Regen führt es zu einem Leben der Lüge und Heuchelei.
Wenn nun der Art-Priester und unter seiner Aufsicht die Eltern, den Kindern von frühester Jugend an die Vorstellung beibringen, dass die Geschlechtsorgane etwas "Heiliges" sind, dass diese Organe besonders behütet und gehütet werden müssen, weil in der Handlung, die späterhin mit den Organen vorgenommen werden soll - und muss, der unsichtbare Gott sich den Menschen offenbart, indem dieser Akt eine irdische Wiederholung des göttlichen Ur-Schöpfungsaktes ist, in dem sich der Gott in uns offenbart, und durch dessen Ausübung wir uns mit Gott immer wieder von Neuem vereinen, und seinem Willen und Befehle gemäss neue Geschöpfe "ihm zum Ebenbilde" fortfahrend schaffen und zeugen, - so wird die, in solchen Grundzügen erzogene Jugend nicht nur gefeit und gestählt gegen allen Missbrauch der Geschlechts-Organe, sondern sie beginnt in frühester Jugend anzufangen, auch den "Gott" zu begreifen, und an diesen Gott zu glauben, weil sie in dem Zeugungsakte eben ein Band erkennt, das den Menschen mit Gott, der Gottheit, fühlbar verbindet.

-+-

Ist der Jüngling dann reif, dann wird er im Tempel, unter Leitung und Weisung der "Matrona" (Ober-Priesterin) in ritueller Weise und in der Form einer "sakramentalen Handlung" den ersten Coitus vollziehen.
Ebenso wird die Jungfrau im Tempel von der Matrona in die Mysterien des Geschlechtsakts eingeführt. Solange Jungfrau und Jüngling ausserhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Ehestandes leben, sind sie gebunden, alle Befriedigung des Triebes im Tempel zu suchen.
Die Vollziehung einer Ehe ist eine sakramentale Handlung. Die Ehegatten sind aber nicht auf Lebenszeit gebunden. Die Gatten können vom Bunde zurücktreten, ohne dass selbe Einbusse erleiden an ihrem gesellschaftlichen Status. Die Kinder werden in einem solchen Falle von Staatswegen erzogen. Die Kosten der Erziehung werden gedeckt, teils dadurch, dass die Eltern solcher Kinder aus getrennten Ehen gewisse Beiträge zu zahlen haben, teils durch eine allgemeine Kindersteuer, die z.B. gleich den Schulbeiträgen von der Gesamtheit der Staatsangehörigen erhoben wird, teils durch besondere Stiftungen; teils durch eine Steuer, welche von allen Personen erhoben wird, die aus irgend einem Grunde keine Ehe eingehen können.
Junge Männer und Frauen, welche aus irgend einem Grunde sich nicht zur Fortpflanzung der Rasse eignen, dürfen von Staatswegen keine Ehe eingehen.
Der Staat Wiskonsin in Amerika hat im Jahre 1914 ein Gesetz erlassen, welches diesen gleichen Grundsatz bereits zum Staatsgesetz erhöht hat. Wir können uns nicht als unbedingte Anhänger der einzelnen Bestimmungen dieses Wiskonsinschen Staatsgesetzes bekennen. Aber die fundamentalen Grundsätze, welche zum Erlasse dieses Gesetzes Veranlassung gegeben haben, entsprechen vollständig unseren eigenen Ansichten. Gemäss der neuen Gesetze des Staates Wiskonsin müssen alle jungen Männer und Frauen, die eine Ehe einzugehen beabsichtigen, vorher von den zuständigen Staats-Aerzten auf ihre Gesundheit und Tauglichkeit zur Fortpflanzung der Rasse, untersucht werden. Das ist auch unser Grundsatz.
Vor ungefähr 20 Jahren stellt der Arzt Urban-Grulich folgendes Programm für die Bildung einer Gemeinschaft von "sündenlosen" Christen auf. Es lautete:
(1) Wer von dem Vorhandensein einer Seele in uns überzeugt ist, die uns befähigt, Gott ähnlich zu werden;
(2) Wer von der Erkenntnis durchdrungen ist, dass die selbst-süchtige Liebe die Ursache aller unserer Leiden, dagegen die gegen-seitige, uneigennützige, sich für andere aufopfernde Liebe die Ursache der wahren inneren Glückseligkeit ist;
(3) Der wahre Himmel resp. innere glückliche Seelenzustand, nur in einer Gesellschaft vollkommener, von Selbst-Sucht freier, die wahre Liebe gegen einander übender Wesen zu finden ist; auch diese Erde zu einem solchen Himmel umgeschaffen werden kann und soll, wie wir ja bitten: "Dein Reich komme zu uns, und dein Wille geschehe auf Erden, wie er im Himmel geschieht;"
(4) Wer erkennt, dass nach dem Körpertode die Seele nach dem "Gesetze der Sympathie" in eine Gesellschaft aufgenommen wird, welcher sie im Denken und Handeln ähnlich ist, wodurch sie schon ihren Lohn und ihre Strafe in sich trägt; - wer also zu gegenseitig sich liebenden, uneigennützigen, selbst-losen Wesen sich gesellen will, ebenso sein, also schon hier auf Erden sich in dieser Art herangebildet haben muss;
(5) Wer erkennt, dass die Seele nach Ablegung des Körpers dieselben Gesinnungen in den geistigen Zustand mit hinübernimmt, welche sie hier auf Erden hatte, und uns nichts unverdient in den Schoss fällt, sondern wir uns alles verdienen und erwerben müssen;
(6) Wer die Erkenntnis besitzt, dass das Leben auf Erden eine Prüfungszeit, Schulungszeit, Durchgangsstadium ist, in der wir hauptsächlich die schlimmen Folgen der selbst-süchtigen Liebe an unzähligen Beispielen kennen zu lernen die Gelegenheit bekommen, und daher, wenn wir offenen Auges und Herzens wandeln, direkt zur gegen-seitigen, uneigennützigen, wahren Liebe hingedrängt werden, die der Weg zu Gott ist;
(7) Wer erkennt, dass wir Menschen der verlorene Sohn sind, der aus dem Vaterhause der wahren Liebe freiwillig in die Welt der Selbst-Sucht gegangen, dort seinen göttlichen Adel verloren und nun im tiefsten Elend der Selbst-Sucht schmachtet, und nur Eins ihn retten kann, Rückkher zur göttlichen Ordnung der gegen-seitigen, wahren Liebe;
(8) Wer überzeugt ist, dass ein Einzelner sich keinen Himmel bauen kann, denn Einigkeit macht stark und geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid daher aber auch nur halbes Leid ist;
(9) Wer erkennt, dass wir vor Gott alle gleich sind, jeder Mensch den Gottesgeist in sich trägt, jeder Mensch also, wenn auch meistens nur sich unbewusst, den eigenen Gott in sich selbst trägt, und wir alle nur ein Ziel haben, diesen Gott in uns zu erwecken und durch Anwendung und Ausbildung diese in uns schlummernde Gotteskraft in Ausübung der gegen-seitigen, wahren Liebe mit Gott, dem Herrn, dem Vater Eins zu werden schon hier auf Erden;
(10) Wer davon überzeugt ist, dass für sich allein verwendeter Reichtum den Menschen nicht dauernd und für alle Ewigkeit wirkend beglücken könne, weil er meist selbst-süchtige Zwecke nur anregt, und deshalb Jesus schon sagte; dass es schwerer sei für einen Reichen ins Himmelreich zu gelangen als ein Schiffstau durch ein Nadelöhr zu bringen;[45] *
Der trete unserem Geschwisterbunde bei, suche in seinem Orte einen Kreis Gleichgesinnter zu bilden, und wenn die einzelnen Mitglieder dann herangereift sind, gründe man auf dem Grundsatz der gegen-seitigen, uneigennützigen, selbstlosen, freien und wahren Liebe, freie, christliche Gemeinden, die sich in guten und bösen Tagen gegen-seitig lieben und unterstützen, und versuchen das Reich Gottes auf Erden aufzurichten.

[Lesley (Leslie) Fry, Autorin des Artikels "Les Missionaires du Gnosticisme" aus "Révue Internationale des Sociétés Secrètes," übertragen und zitiert eingangs dieses Reuss-Readers, ist im Besitze des handschriftlichen Originalmanuskriptes Reuss' und meint, dass die Punkte 11 bis 17 verlorengegangen sind. Bei Frau Fry fehlt Punkt 5.]
 
[18.] Wir eignen uns diesen Aufruf restlos an und machen ihn zum Grundstein der neuen Gemeinschaft regenerierter Christen.
Die Grundsätze dieses Aufrufes ziehen die Konsequenz aus dem enthüllten Grals-Geheimnis.
Wir haben denselben nichts hinzuzufügen.
Derjenige, der "mehr" wissen und lernen will, mag sich an Sor Vannah, 54, Shaftesbury Avenue in London, W, wenden unter Beifügung eines adressierten und frankierten Kuverts für die Rückantwort.

IV. Eideshelfer und Kronzeugen[46] *

Bausteine zum O.T.O.=Tempel

Manu sagt: "Der Herr" ist das Geheimnis und der Schlüssel zugleich. Derjenige, welcher den Schlüssel kennt und ihn anzuwenden versteht, ist aller Sünden ledig. Der Herr" wird ihm zum "Erlöser" aus aller Knechtschaft (der Sünde).
Denn das grosse Geheimnis des Maha-Deva (Herr Gott, Schöpfer alles Geschaffenen) ist nicht für die Masse bestimmt. Man darf nicht antworten oder erklären einer Person, die eitel fragt. Der weise Mann soll, obgleich er eine Antwort zu geben weiss, sich lieber den Anschein geben, als ob er ein Dummkopf wäre.

Waddell schreibt in seinem Buche über Tantra: Tantra (Sexual-Religion) ist aufgebaut auf dem aktiven Zeugungsprinzip, wie es sich in der weiblichen Energie (Sakti) und der urmännlichen Kraft (Siva) manifestiert. Der Linga (Phallos) ist die heiligste Form, in der und durch welche der grosse Herr-Gott (Maha-Deva) verehrt werden muss.

St. Augustin sagte, was man jetzt (A.D. 340) die christliche Religion nennt, existierte schon lange vor dem Erscheinen Christi bei den alten Völkern.

Clifford Howard sagt in seinem Essay: "Die Basis aller Religionen": Der bewegende und belebende Impuls alles organischen Lebens ist der Geschlechts-Instinkt. Einzig dieser Instinkt (verbunden mit dem Gefühle des Hungers) ist die Quelle aller menschlichen Anstrengungen und ernstlichen Regsamkeit, welche dem menschlichen (und tierischen) Kampf ums Dasein unterliegt. In unseren Tagen, wo es schon für unsittlich gilt, vom Vorhandensein der Geschlechtsorgane überhaupt zu reden, oder zu schreiben, geschweige vom geschlechtlichen Appetit und dem geschlechtlichen Verhältnis der Menschen untereinander, kann es den beobachtenden Forscher nicht wundern, dass die Mehrzahl der Menschen es entweder überhaupt nie gewusst oder wieder vergessen hat, oder die Tatsache absichtlich ignoriert, dass das geschlechtliche Verhältnis des Mannes zum Weibe der Grundstein unserer weltlichen Ordnung und die Welt an sich ist, und aus diesem Verhältnis nicht nur das menschliche Leben überhaupt, sondern auch alles menschliche Glück entspringt. Wenn jemals die "Theorie der Entsagung" in der Welt den absoluten Sieg erränge, so wäre damit dem Fortbestand der Welt das Todesurteil gesprochen.
Schon die Bibel sagt: "Omnia vincit amor" und die "Liebe," die "Manifestation des Geschlechts-Instinktes," ist der wahre Erhalter der Welt. - Gott ist die Liebe! -
Das bedeutet: Gott ist die ewig zeugende Schöpfungskraft, die allen Wesen von Uranfang innewohnte und noch innewohnt. Die "Liebe" ist das "Heilige Feuer," das nie erlöschen darf, bei Gefahr der Vernichtung der ganzen Schöpfung![47] * Die erhabenste Definition der Idee, die dem Begriffe "Liebe" unterliegt, findet ihren Ausdruck und Kulminationspunkt im Dogma von der unbefleckten Empfängnis des Heilandes der Christen, Jesus Christus. Es ist nicht unsere Absicht, ein theologisches Buch zu schreiben, noch eine physiologische Abhandlung. Wir wollen blos [sic] aus einer Unsumme von dokumentarischen Beweisen einige als Bausteine aussuchen, welche zum Aufbau eines "Tempels der Religion der Liebe"[48] * dienlich erscheinen. Aus den Zitaten aus den verschiedensten Quellen wird der erdrückende Beweis erbracht, dass nicht nur die sogenannten heidnischen Religionen des Altertums, sondern auch neben den indischen und asiatischen Völker-Religionen, die mehrere Hunderte von Millionen von Anhängern heute noch zählen, auch die christliche Kirche ihren versteckten Phallizismus nicht verleugnen kann. Von allen Phänomenen der Natur ist keines, das so stark die Verwunderung, das Staunen und die Verehrung der Menschheit erregte, wie das Wunder der Fortpflanzung des Lebens von einem Individuum auf das andere, von einer Generation auf die andere - das Wunder der Zeugung.
Dieses Wunder besteht, seit es eine Welt - seit es Menschen gibt, und trotz der Tausende und Abertausende von Jahren, da dieses Wunder angestaunt wird, ist bis auf den heutigen Tag noch keine Lösung des Rätsels der Zeugung gefunden worden!
Dieses Wunder, dieses Rätsel ist gleich geheimnisvoll, ob es sich um die Fortpflanzung eines Samenkorns handelt, das in die Erde gelegt wird und zur goldenen Aehre heranreift, die tausendfältig neue Samenkörner trägt - oder ob es sich um den menschlichen Samen handelt, der im weiblichen Ei zum neuen Menschen reift, ebenfalls ausgestattet wieder mit Millionen von neuen Samenkörnern und Eikörpern, die wiederum dem Zeuger wesensgleich neue Wesen zeugen können. -

Longinus sagte: Die griechischen Instruktoren lehrten, dass die Ekstase von den Anhängern der Eleusinischen Mysterien gesucht wurde als ein Zustand, in dem die göttliche unmittelbare Einströmung empfangen werden konnte. Denn in diesem Zustande der Ekstase dringt die menschliche Seele hindurch und über die Hindernisse des Körpers hinaus und tritt in direkte Verbindung und Vereinigung mit Gott. Einige der griechischen Weisen teilen uns mit, was sie in diesem Zustande der Verzückung, der Ekstase gelernt haben, z.B.: Ich sah, dass "Liebe" war die erste Schöpfung der Götter, und dass aus diesem göttlichen Einfluss und Impuls alles, was geschaffen ist, geflossen ist.

Proclus sagt: Die Eleunisischen Mysterien waren reiner Phallos-Kultus. Deren Zeremonien waren die der Tantriks.[49] * Die Anhänger dieser Mysterien gerieten in solche Ekstase, dass ihnen die sinnliche Befriedigung als ganz nebensächliches Beiprodukt erschien, und gewiss nicht als Zweck und Ziel an sich!

Prof. M.J. Matter (Paris) sagt: Es war vermittelst des Weibes, dass die zur Ekstase führende göttliche sexuale Erregung erzeugt wurde. Besonders wurde die Ekstase durch den Einfluss von Jungfrauen erzeugt. Die Priester des Orphischen Kultus in Thrazien verwendeten ausschliesslich geweihte Jungfrauen für die heiligsten ihrer Riten und Zeremonien.
Die gnostische Geheimlehre (Primitive Christen) ist identisch mit dem Vamachari-Ritus des Tantriks. (Histoire Critique de Gnosticisme, Paris 1828.)
Prof. Matter sagt in "Foreign Quartal Review": Phallizismus ist die Basis aller Theologie und unterliegt der Mythologie aller Völker. Er ist die Form des Kultus, die allen Menschen gemeinsam war. Eine Gottesanbetung, allgemein erzeugt durch die Manifestation der Natur in ihren grossen Mysterien "Leben" und "Zeugung".
Der Phallos (in Hindu: Lingam) als göttliches Symbol geniesst seit Tausenden von Jahren göttliche Verehrung in Indien. Die göttliche Verehrung des Phallos (Lingam) datiert zurück bis in das unbekannte graue Altertum, und Tausende von Jahren vor der christlichen Aera, wurde auf diesen Kultus ein genau ausgearbeitetes theologisches System aufgebaut.
Der Phallos-Kultus in Indien ist eine hoch feierliche religiöse Handlung, und, dem bestehenden Ritus gemäss ausgeführt, eine sehr umständliche Zeremonie.

Dr.med. Alexander Wilder sagt: die Spanier fanden, als sie Amerika entdeckten, dass dort der Phallos-Kult herrschte. Die Aehnlichkeit der Zeremonien und der Riten, die dort geherrscht haben bei der Entdeckung durch die Spanier, mit den Zeremonien und Riten im alten Egypten, wurden später auch als ein Beweis angenommen für die Annahme, dass Egypten (Afrika) und Amerika ehemals ein zusammenhängender Kontinent gewesen waren.

Hargrave Jennings in seinem ausführlichen und berühmten Werke "Himmlischer und Irdischer - Heidnischer und Christlicher Phallizismus, seine Verbindung mit den Rosenkreuzern und Gnostikern" - liefert den unumstösslichen Beweis, dass die Basis aller Religionen die phallische Idee ist.
Phallizismus sagt Jennings, ist verborgen enthalten in allen Insignien der christlichen Kirche. Indem wir hierfür die unwiderlegbaren dokumentarischen Beweise erbringen, verwahren wir uns jedoch energisch dagegen, dass man uns destruktive Tendenzen gegen die christliche Kirche zu unterschieben versuche; im Gegenteil, unsere Darlegungen sollen ein Baustein sein zu einem christlichen Glauben; unser Zweck ist, konstruktiv zu wirken!

Görres sagt in seiner "Christlichen Mystik," 3. Band: Das äussere theoretische Wissen ist nicht zu verachten; es ist ein Hilfsmittel für den Sucher nach wahrer Erkenntnis, aber die eigentliche Theosophie und Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis besteht nicht darin, dass man gelehrt über Evolutionstheorien und Systeme, über die Zustände der Bewohner der Mittelregion oder des Himmels und andere derlei Dinge reden kann, sondern dass man selbst zur eigenen innerlichen Wahrnehmung und Selbsterkenntnis der Geheimnisse Gottes in die Natur, im Weltall gelangt. Dränge von oben nach unten in den Mittelpunkt des Körpers, dort wirst du einen Keim finden, der durch das Licht zum Wachstum kommt!

Prof. Hermann sagt, Band 3 von "Genesis,"[50] * S.98: Die Manichäer konnten nie von der Kirche gänzlich ausgerottet werden. Ein Beweis dafür sind die Adamiten, eine Abart der Manichäer, die noch Mitte des 19. Jahrhunderts (1850-1860) in Oesterreich existierten und sogar Gleichberechtigung mit der römisch-katholischen Kirche verlangten. Die Adamiten hatten ihren Namen daher, weil sie ihre kirchlichen Zeremonien und Feste vollständig kleiderlos feierten. Ihre Zeremonien und Lehren entsprachen in modernisierter Form und Sprache denen der Manichäer. Ihre "Marienfeste," besonders die Marienfeste während des Monats Mai (Maiandachten), entsprachen den Bacchanalien bei den Festen des Ceres Libera, den Eleusinischen Orgien. Die Adamiten waren Anhänger und Bekenner des uralten Zeugungs-Mysteriums. Dieser Zeugungs-Kultus war der unerschöpfliche Quell der Lebensfreude und der Begeisterung. Hoch und niedrig ergab sich der durch diesen Kultus erzeugten religiösen Ekstase, bis die heilige Maria die Herzen und Sinne umfing und der heilige Phallos mit seinem Ueberfluss den fruchtbaren Schoss besamte. Bei diesen Zeremonien und Festen der Adamiten herrschte Kommunismus der Frauen für die Männer und Jünglinge. Dieser Kommunismus dehnte sich aber nicht auf das Alltags-Leben aus. Nur während der Zeremonien an und in den geheiligten Orten (Tempeln und Hainen) hatten die Männer und Jünglinge das Recht (und die Pflicht) mit irgend einer der im Tempel oder Hain anwesenden Frau den Geschlechtsakt zu vollziehen. Im Alltagsleben war die Frau an ihren "Herrn und Meister" gebunden. Jeder Mann hatte aber das Recht, mehrere Frauen sich zu halten, wenn seine Mittel es erlaubten. Die Kinder der verschiedenen Frauen waren alle gleichberechtigt (innerhalb der Gemeinschaft der Anhänger dieses Kultus) und der Vater war für deren Unterhalt usw. verantwortlich.
Obgleich es nun der Kirche nicht gelungen ist, diese Nachkommen der alten Manichäer auszurotten, so gelang es doch den staatlichen Gewalten, durch strafrechtliche Verfolgung der Anhänger des Kultus, diese Sekte aus der Oeffentlichkeit des bürgerlichen Lebens zu vertreiben. Die dem Strafrecht entgangenen Anhänger flüchteten sich in das schützende Dunkel geheimer Zusammenkünfte und bildeten Geheimbünde nach berühmten alten Mustern. Auf diese Art haben sich diese Nachkommen der alten Manichäer und Anhänger des alten klassischen Phallos-Kultus bis auf den heutigen Tag erhalten. In den letzten 10 Jahren haben sie es sogar gewagt, wieder hier und da an die Oeffentlichkeit zu kommen, wenn auch unter neuem Namen und in neuem Gewande. Sogar eine Literatur haben sie geschaffen und gewinnen allenthalben neue Anhänger.
Schlusswort
Lerne vom Baume der Erkenntnis essen, und vom Baume des Lebens geniesse die Frucht. Suche beide in dir selbst, und so du sie erkennst, und ihren Platz weisst, bist du angekommen auf der obersten Stufe der zwölfstufigen Leiter.
Dadurch wird die "Gottes"-Liebe erweckt, die nicht in den Hirngespinsten der Menschen ihre Wohnung hat, sondern in seinem "Herzen" wohnt, aus dem die erlösende Kraft geboren wird, die uns das Schauen des Ewigen Lichtes ermöglicht und alle Irrtümer vernichtet.
"Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan?!"

V. Verzeichnis der Fundstätten der Bausteine zum O.T.O.-Tempel[51] *

zusammengestellt von Ur-Vannah
Bibel:

a) Altes Testament: I. Buch Moses - 2; 3; 15: 13; 16: 2; 17: 10-14; 19; 24; 28: 18-22; 30: 2-22; 31: 30-35; 35: 1-15; 38: 13-26.
II. Buch Moses - 33: 9, 10.
III. Buch Moses - 21: 20.
IV. Buch Moses - 25: 1; 23: 28.
V. Buch Moses - 23: 1; 25; 32: 18.
Jeremiah - 2: 34, 35; 11: 13; 7: 17-31; 19: 4; 44: 8; 15-23.
Hesekiel - 1, 8: 14; 10; 16, 23; 31: 3-18.
Hohelied Salomonis.
1. Samuel - 1: 2; 2; 21; 5; 6; 31: 9, 10.
2. Samuel - 23: 3.
I. Buch der Könige - 1: 2; 3; 3: 4; 15: 14; 22: 43; 46; 14: 22.
II. Buch der Könige - 12: 2; 14: 4; 15; 16: 3; 21: 6; 16; 24: 4; 33: 7.
I. Chronik - 10: 9, 10.
II. Chronik - 3: 1.
Jesaiah - 19: 19; 26: 4; 30: 29; 44: 8; 57: 5.
Habakuk - 1: 2.
Psalmen - 18: 2; 31; 28: 1; 106: 34-39; 95: 7.
Josuah - 24: 2, 27.
Buch der Richter - 11: 30, 31, 34-40; 11: 5; 18: 18-31; 21; 19, 23.

b) Neues Testament: Lukas - 1: 37.
Johannes - 3: 14, 15; 4: 13; 10: 16.
Apostelgeschichte - 19: 24, 25.
Apokalypse - 2: 11; 17; 26; 28; 3: 12; 21: 7.
I. Korinther - 1: 27-28; 19; 12: 23.
Hebräer - 9: 11-13; 28: 12, 13, 16; 23-29.

*

Bhagavad Gita.
Attara Gita.
Patanjali's Hatha Pradipika.
Goerres: Christliche Mystik.
Professor Hermann: Sexual-Magie. Genesis. Sexual-Mystik.
Theodor Reuss: Lingam-Yoni, Okkultismus.
Valery Gyigyi: Luzifer des Christentums. Das enthüllte Mysterium.
Goethe: Faust I. und II. Teil.
Hargrave Jennings: Phallizismus. Die Rosenkreuzer.
A.E. Waite: Die Geheimlehre der Israeliten. Die geheime Bedeutung der Symbole der Freimaurer.
Saint Edward Crowley: Das Schiff. Der Sapphir-Stern. Energized Enthusiasm. Fragmente eines Rituals.
Chevalier Le Clement de Saint-Marcq: Eucharist.
C.W. King: Die Gnostiker.
Moor's: Hindu Pantheon.
Forlong: Rivers of Life.
Inman: Moderne christliche Symbolik.
J.A. Dulaure: Histoire des différentes Cultes.
Dr. Eugen Schmitt: Die Gnosis.
Wilson: Vishnu Purana.
Blavatsky: Geheimlehre. Entschleierte Isis.
Oakley-Cooper: Die Legende vom Gral.
Herodot: Histor. I 105; 199; 131; II. 64; usw.
Franz Hartmann: Schwarze und weisse Magie. Lotus-blüten.
Karl Kellner: Yoga.
Jean de Pavly: Le Zohar.
Abbé de Bion: Le Monde de l'Eucharistie.
Emil Bournouf: La Bhagavad Gitâ.
Canonicus Crampon: Die Offenbarung Johannes.
Professor Goguel: Die Herkunft des heiligen Abendmahles.
Osterwald: Die heilige Schrift.
Dr. Fischer: Paganismus und die Offenbarung.
Payne Knight: The Worship of Priapus.
Robert Campbell: Phallic Worship.
Clifford Howard: Geschlechts-Kultus.
Oberst Famin: Geheimes Museum von Neapel.
Hammer: Templer-Geheimlehre.
E.B. A Dying Race.
Rudolf Eucken: Seine Philosophie.
S.U. Zanne: Kosmosophie.
Oriflamme-Berlin.
Mysteria-Paris
The Equinox-London.
Dr. Michael de Molinos: Der geistliche Führer.
Pastor Dr. phil. Peithmann: Die christliche Geheimlehre.
Jakob Böhmes Werke.

[Zusatz im Manuskript]


Die M.:M.:M.: (Mysteria Mystica Maxima) ist ein Begleitname des O.T.O. (Ordo Templi Orientis).[52] * Sie ist eine Körperschaft von Eingeweihten, in deren Händen sich die Weisheit und Erkenntnis der folgenden Organisationen konzentrieren:[53] *
 
1. Die gnostische Katholische Kirche.
2. Der Orden der Ritter vom Heiligen Geist.
3. Der Illuminaten-Orden.
4. Der Tempel-Orden (Tempelritter).
5. Der Johanniter-Orden.
6. Der Malteser-Ritter-Orden.
7. Der Orden der Ritter vom heiligen Grabe.
8. Die geheime Kirche vom heiligen Gral.
9. Der Rosenkreuz-Orden.
10. Der heilige Orden vom rosigen Kreuz von Heredom (Rose Croix).
11. Der Orden vom heiligen Gewölbe von Enoch.
12. Der Alte und Primitive Ritus der Maurerei.
13. Der Ritus von Memphis 97°.
14. Der Ritus von Misraim, 90°.
15. Der Alte und Angenommene Schottische Ritus, 33°.
16. Der Swedenborg-Ritus der Maurerei
17. Der Martinisten-Orden.
18. Der Sat-Bhai-Orden.
19. Die Hermetische Brüderschaft des Lichtes.
20. Der Hermetische Orden der goldenen Dämmerung.

Er besitzt in jedem wichtigen Populations-Centrum einen geheimen Ort der Abgeschiedenheit (Collegium ad Spiritum Sanctum) wohin die Mitglieder sich zurückziehen können, um ungehindert und abgeschlossen dem grossen Werk obliegen zu können. Diese Plätze sind geheime Festungen von Wahrheit, Licht, Kraft und Liebe, und deren Lage wird nur nach Ablegung des Eides der Geheimhaltung solchen mitgeteilt, die Anspruch auf Benützung desselben haben.
Diese Plätze sind Tempel des wahren Gottesdienstes, von der Natur geweiht dem Zwecke, dass der Mensch sein Bestes zum Opfer bringe.
Jede freie volljährige Person männlichen oder weiblichen Geschlechtes hat ein unveräusserliches Recht bis zum III°. Ueber diesen Grad hinaus finden Beförderungen nur auf Einladung seitens der Oberen statt. Die bürgerlichen Namen der weiblichen Mitglieder werden nicht bekannt gegeben.
Die Brüder und Schwestern nehmen Teil an dem Erhabenen und hehren Leben der Schönheit, - Harmonie und Liebe, - welches im Herzen des O.T.O. feurig lodert und das ganze Leben seiner Angehörigen erhält und erwärmt mit unsterblichem Feuer, je mehr sie sich der Zentral-Sonne nähern. Sie finden gleichgesinnte Herzen und Seelen in allen Teilen der Erde.



Deutsches Original: Parsifal und das Enthüllte Grals-Geheimnis
English translation: Parsifal and the Secret of the Graal Unveiled
Version française: Parsifal et le secret dévoilé du gral
To the handwritten sample of 1914
To the cover of 1920


8. Das Aufbauprogramm und die Leitsätze der Gnostischen Neo-Christen O.T.O.

Theodor Reuss, 1920

Achtung: Vorstehendes Aufbau-Programm kann nur auf dem Wege der friedlichen, sozialen Entwicklung verwirklicht werden und niemals durch eine gewaltsame Revolution. - Die Leitung der O.T.O.-Gemeinschaft.

Leitsätze einer neuen Zivilisation und Religion.

Die vom Weltkrieg gegeisselte Menschheit bedarf eines neuen Glaubens, eines neuen Christentums und einer darauf aufgebauten neuen Zivilisation.
Dass die vielgepriesene europäische Zivilisation und die christliche Kirche nicht im Stande waren, die Grausamkeiten dieses Weltkrieges, noch die Raubsucht und den Hass des diesen Weltkrieg beenden sollenden Friedens zu verhindern, das allein ist Beweis genug dafür, dass das herrschende Christentum und die aus ihr hervorgegangene moderne Zivilisation nicht mehr lebensfähig sind und durch ein neues Christentum und eine neue Zivilisation ersetzt werden müssen.
Die Menschheit verlangt aber auch einen neuen Glauben. Denn der alte Gottesglaube, der aus den von den Kirchenvätern zusammengebrauten christlichen Lehren floss, ist für die überwiegende Mehrheit der Mitglieder der christlichen Kirche längst ein Märchen geworden, weil er der ätzenden Kritik der modernen Wissenschaft nicht Stand halten konnte. Und den Glauben an die Menschheit (Brüderlichkeits-Glaube) den hat besonders der Versailler Frieden gründlich zerstört, und zwar in viel grösserem Masse, als die Kriegsereignisse selbst. Denn die Macher des Versailler Friedens hatten die Völker Amerikas und Europas mit der Devise: Für Freiheit und Menschlichkeit, für Recht und Gerechtigkeit zu einem Kreuzzug gegen den Imperialismus der deutschen Barbaren ins Feld gelockt. Und am Ende benützten die Herren Clemenceau und Lloyd George die Leichtgläubigkeit des deutschen Michels, der, vertrauend auf die gleissnerischen und verräterischen Verheissungen der Ententeführer, dass nicht das deutsche Volk, sondern nur der kaiserliche Imperialismus der Hohenzollern vernichtet werden sollte, im Widerstand und Kampf schliesslich nachgab, um auf dem betrogenen versklavten deutschen Volke den anglo-französischen Welt-Imperialismus aufzurichten.
Zu ihrem eigenen Unheil vernichteten die Clemenceau und Lloyd George aber auch bei ihren Verbündeten den Glauben an Menschlichkeit und Brüderlichkeit durch ihr Versailler Machwerk, so dass Millionen von Menschen, bei Siegern und Besiegten gleichmässig, den Glauben an Gott und Menschen verloren haben.

Die Gemeinschaft der Gnostischen Templer oder Neo-Christen, abgekürzt O.T.O. genannt, welche schon vor dem Kriege in Amerika, Holland, Böhmen, Frankreich, Russland, Italien usw. zahlreiche Anhänger besass, tritt nun aus ihrer bisherigen Zurückhaltung hervor, um den gepeinigten Menschen die neue Heilsbotschaft der Gnostischen Christen zu verkünden, und der aus derselben entspringenden neuen Zivilisation.

Die Botschaft des O.T.O. lautet:

Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe.

Die Freiheit des O.T.O. ist die Freiheit von der Erbsünde und die Freiheit, den Willen der Gottheit auszuführen. Im Liber Legis steht zwar: Tue, was du willst! Aber es heisst auch: Doch bedenke, dass du für alle deine Taten zur Rechenschaft gezogen wirst! Das ist das Gesetz vom Karma.
Also nicht Willkür, Zügellosigkeit, sondern strengste Bindung ist die "wahre Freiheit".
Höchste eigene Selbstzucht, eiserne Selbstdisziplin ist O.T.O.-Freiheit.
Jede Freiheit, die nicht von strengster Selbst-Zucht regiert wird, ist Zügellosigkeit, Willkür, Gesetzlosigkeit, die zum Chaos führt.
"Tue, was du willst, ist also absolut nicht identisch mit: "Tue, was dir einfällt", sondern: "Tue, was dein Wille ist, aber prüfe, ob das, was du willst, auch Gottes Wille ist". Erst dann, wenn dein Wille in Uebereinstimmung ist mit "Gottes Willen," kannst du ihn zur Tat werden lassen. Dann aber mit intensiver Konzentration.

Gerechtigkeit ist der zweite Leitsatz und bezieht sich auf den Zweck des menschlichen Erdenlebens und die Bestimmung des Erdenmenschen. Der Zweck des menschlichen Erdendaseins ist: Treueste Pflichterfüllung! Jeder Mensch muss, gleichgültig ob er hochgeboren oder niedrig, hochgelehrt oder ohne Bildung; ob Tagelöhner, Bauer, Handwerker, Professor, Richter, Kaufmann, Künstler oder König usw. - einfach jeder Mensch hat dort, wo ihn das Schicksal hingestellt, seine äusserste Pflicht zu tun. Das ist Zweck, das ist die Erfüllung des göttlichen Gesetzes, der Gerechtigkeit. Alles im Universum ist Gesetz. Auch das Erdenleben ist ihm unterworfen. Wer diesen Gedanken bis zu seinen äussersten Möglichkeiten in sich ausreifen lässt, wird die Lösung vieler ihn bedrängender Fragen finden. Der Satz ist allerdings hart, aber die Wahrheit ist eben immer hart und umschliesst die Arbeitspflicht jedes Menschen.

Schön, von enthusiastischer Schönheit ist nur die Liebe, und "Liebe ist das höchste Gesetz, Liebe unter Kontrolle des Willens!" - Liebe ist der Lohn der Selbstüberwindung, die Grundlage aller Brüderlichkeit, die Kraftquelle der Pflichterfüllung; sie versöhnt uns mit der harten Wahrheit, führt uns zur bewussten Vereinigung mit Gott, ermöglicht es uns, Gott schon in diesem Erdenleben zu nahen und unser "Eins-sein mit Gott" wirklich zu erleben.

Meister Therion [Crowley] sagt: der, in enthusiastischer Liebe, mit überschäumender Energie, unter Kontrolle des Willens vollzogene Liebesakt ist "Gottesakt," ist eine"sakramentale Handlung," ist "In-Gott, Mit-Gott-Einsein". - Ein Mensch, dem es vergönnt ward, sich in dem, unter Zügelung des Willens, durchgeführten göttlichen, sakramentalen Liebes-Akt mit Gott zu vereinen, ist ein "Gotteswirker". Dennoch sagt Liber Legis: "Obgleich im Gesetz von der höchsten Liebe viel von enthusiastischer, hingebender, selbstloser, flammender, feuriger, ja überschäumender Liebe die Rede ist, so steht doch kein Wort von sentimentaler Liebe darin. Auch dies muss man völlig in seinem Innern ausreissen lassen. Denn die Folgerungen beruhen in tausend Kanälen des irdischen, täglichen Lebens; sie führen zu dessen Verschönerung, sie schlagen die Brücke zur "Kunst". Die Liebe allein macht das sonst harte, kalte, ja in manchen Aspekten grausame Leben ertragbar".

Diese oben angeführten Grundsätze und die zu ziehenden Folgerungen sind vom O.T.O. zu nachstehendem Fundamental-Glaubenssatz zusammengezogen worden:
"Gott und die Welt (die sichtbare wie die unsichtbare) sind ein all-umfassendes, unermessliches Reich, das Universum, bestehend: aus der bewussten Ur-Energie (oder Zeugungs-Kraft), der positiven Kraft und der unbewussten Ur-Substanz (Weltei oder Matrix) der negativen Kraft, welche durch Vereinigung (Ur-zeugung) neue Welten mit ihnen, im Prinzip wesensgleiche Geschöpfe anziehen, oder schaffend ins Dasein rufen.- Die Gottähnlichkeit der gezeugten Geschöpfe offenbart sich darin, dass die Ur-Schöpfungs-Kraft auch ihnen innewohnt. Diese Fähigkeit ist der den Geschöpfen innewohnende Beweis ihrer Abstammung vom göttlichen Ur-Schöpfer.
In diesem Sinne sind die Worte der Bibel zu verstehen: Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.
Um die wirklich religiöse Lösung des Welträtsels zu finden, muss man die grundfalsche aber übliche Gegenüberstellung von Geist, Seele und Materie ausser Acht lassen. Man beachte nur die "Seele" als ein "geistig" Ding (spirituelles Agens) das existiert von Ur-Beginn als Ur-Gefühl im Ur-zeugungsakt. Dieses Ur-gefühl äussert sich im Menschen als Sehnsucht des abgespaltenen Teils, sich mit dem Mutter-Prinzip wieder zu verbinden (daher religere und Religion). Denn der Mensch kann Gott mit dem Verstande nicht begreifen, sondern nur mit der Seele fühlen ("im Herzen" sagt man, obgleich der Träger des Gefühls der Nervus Sympathicus ist), welche nach dem leiblichen Tode wieder zu Gott zurückkehrt. Ohne Ur-gefühl gäbe es keine Schöpfung und keine Geschöpfe.

In praktischer Durchführung seiner oben festgelegten Prinzipien sucht der Orden auf cooperativer Basis aufgebaute Gemeinden sündloser (von der christlich-kirchlichen Erbsünde befreiter) Menschen zu gründen. Zur Bildung solcher Gemeinden eignen sich nur Menschen, die überzeugt sind von dem Vorhandensein einer Seele, die uns befähigt, Gott ähnlich zu werden; die durchdrungen sind von der Erkenntnis, dass selbstsüchtiges Handeln die Quelle aller menschlichen Leiden ist, und dass wir unser Los nach dem Tode schon während unseres Lebens auf Erden, nach dem Gesetz von Karma, vorbereiten; die durchdrungen sind von der Wahrheit des Ausspruches Manus:

"Nur der, welcher die hehre Lehre von der Heiligkeit der Gottes-Organe verstanden hat, ist wahrhaft frei und von allen Sünden erlöst!"
Die Erlösung und die Befreiung von der "Erbsünde," das ist die "wahre Freiheit!"

Eine Gemeinschaft von (geschlechtlich) freien Menschen, die ohne (Sexual-) Sünde sind, wünschen wir zu konstituieren.
Wir wünschen Menschen zu schaffen, die sich ihrer Zeugungs-Organe nicht zu schämen haben.
Innerhalb der heute noch herrschenden christlichen Zivilisation wird dieser Versuch auf grosse Schwierigkeiten stossen müssen, aber der Anfang ist schon gemacht und im engeren Kreise gelungen. Im grossen und allgemeinen kann der Versuch erst endgültig sein, wenn der Nachwuchs schon von allerfrühester Jugend an in den Grundsätzen der neuen Sittlichkeit auferzogen sein wird.
Die Jugend muss von Kindheit an in den Geschlechtsorganen etwas Heiliges erblicken. Die Funktionen der Geschlechtsorgane müssen den Knaben und Mädchen als "Heilige Handlungen" erklärt werden, sobald die Mutter bemerkt, dass sich Regungen der Geschlechtskräfte zu zeigen beginnen. Diese Lehren müssen von frühester Jugend an von den Eltern ganz zwanglos gegeben werden. Und in den Schulen von den Ärzten und Ärztinnen, die an Stelle der jetzigen Religionslehrer priesterliches Lehramt in allen Schulen ausüben, und die von denselben der heranreifenden Jugend wissenschaftlich begründet und als "Diesseits-Lehre" vertieft werden.

Auf dem von den Leiber-Ärzten (priesterliche Mediziner) gelegten Grunde wird dann erst von den Seelen-Ärzten (geistlichen Priestern) die "Jenseits-Lehre" aufgebaut.

Gegenwärtig ist es gerade umgekehrt. Man paukt in die Kinder von frühester Jugend eine Jenseitslehre vermittelst Religions-Märchen, die dann, wenn die Kinder zu Erwachsenen herangereift sind, vollständig zusammenbricht, indem die Erwachsenen erkennen, dass die Lehren den harten Tatsachen nicht entsprechen. Aus dieser verspäteten Erkenntnis entspringt dann bei den geistig Regen ein Kampf, der unendlich viel Unglück und Unheil im Dasein solcher irregeführten Menschen verursacht. Bei den minder Regen führt es zu einem Leben der Lüge und der Heuchelei, welches solche sittlichen Katastrophen begünstigt und zur Folge hat, wie wir sie jetzt am Kriegsende miterleben müssen.

Deshalb ist eine neue Moral notwendig geworden.
Wenn nun in Zukunft der Arzt-Priester, und unter seiner Aufsicht auch die Eltern, den Kindern von frühester Jugend an die Vorstellung beibringen, dass die Geschlechtsorgane etwas "Heiliges" sind, dass diese Organe besonders behütet und gehütet werden müssen, weil in den Handlungen, die späterhin mit den Organen vorgenommen werden sollen und müssen, der unsichtbare Gott sich den Menschen offenbart, indem dieser Akt, der mit den Organen vollzogen wird, eine irdische Wiederholung des göttlichen Ur-Schöpfungsaktes ist, in dem sich Gott in uns offenbart, durch uns wirkt, und durch dessen Ausübung wir uns mit Gott immer wieder von neuem vereinen und seinem Willen und Befehl gemäss neue Geschöpfe "Ihm zum Ebenbilde" fortfahrend schaffen und zeugen - so wird die in solchen Grundsätzen erzogene Jugend nicht nur gefeit und gestählt gegen allen Missbrauch der Geschlechtsorgane, sondern sie beginnt in frühester Jugend anzufangen, auch den "Gott" zu begreifen und an diesen Gott zu glauben, weil sie in dem Zeugungsakt eben ein Band erkennt, das den Menschen mit Gott, mit der Gottheit fühlbar verbindet.
Der Glaube, der auf dieser Basis aufgebaut erwächst, wird so fest, so stark sein, um Berge zu versetzen!

Grundriss einer Volksgemeinschaft von Neo-Christen.

Die grundlegenden Leitsätze des Aufbauprogrammes der Gnostischen Templer und Neo-Christen (O.T.O.) sind in nachfolgendem Grundriss einer Volksgemeinschaft zu einem praktischen politischen Programm zusammengefasst worden.

Personen gleicher Sprache und gleicher Abstammung bilden eine geschlossene Volksgemeinschaft (den Staat).
Aller Grund und Boden, alle Produktionsmittel, alle Bodenschätze (wie Kohle, Eisen usw.), alle Bodenerzeugnisse im Grossbetrieb (wie z.B. der Gross-Getreidebau, Gross-Weinbau usw.), alle öffentlichen Transportmittel (wie z.B. Eisenbahnen, Schiffahrt usw.), alle öffentlichen Einrichtungen der Wohlfahrt, des Handels, des Verkehrs (wie z.B. Post, Telegraph, Krankenhäuser, Waisenhäuser, Lehranstalten, Museen, Kunstanstalten usw.), alles vorhandene Kapital in Wertpapieren oder in barem Gelde, das einen realisierbaren Wert von z.B. 10'000 Mark überschreitet, sind gemeinsames Eigentum der Volksgenossen. Man nannte es in England "Nationalisierung des Eigentums".

Privateigentum ist im Prinzip abgeschafft.
Jedes einzelne mündige Mitglied der Volksgemeinschaft kann aber als sein unantastbares Privateigentum beanspruchen alles das, was er (oder sie) zu seinem persönlichen Gebrauch durch seine Arbeit sich erworben hat (gemeint sind Kleider, Bücher, Hausgeräte, aber keine Luxusgegenstände, Goldsachen, Juwelen usw.), sowie das ihm oder ihr für die Dauer seiner oder ihres natürlichen Lebens zur selbsttätigen Bebauung und Bearbeitung zugeteilten Stückchen Pflanz- oder Acker-Land.

Innerhalb der Volksgemeinschaft ist Bargeld ausgeschlossen.
An barem Gelde oder Geldwert darstellenden Zahlungsmitteln, wie Wertpapieren und ähnlichem darf kein Volksgenosse mehr als 10'000 Mark in seinem Besitz haben. Und auch diese fallen bei seinem Tode an die Volksgemeinschaft zurück. - Verzinsliche Wertpapiere oder Zahlungsmittel darf überhaupt kein Volksgenosse besitzen. Diese sind, soweit selbe im Bereich der Volksgemeinschaft vorhanden sind, gemeinsames Eigentum der Volksgenossen für Zwecke der Volksgemeinschaft (des Staates), wie z.B. des Handels mit anderen (fremden) Volksgemeinschaften.
Jeder Volksgenosse (männlich oder weiblich) über 18 Jahre ist verpflichtet, zum Besten der Gemeinschaft der Volksgenossen eine seinen Fähigkeiten entsprechende und angemessene Arbeit täglich zu leisten. Darüber, was in jedem einzelnen Falle "entsprechende und angemessene" Arbeit ist, entscheidet im Zweifelsfalle oder wenn der oder die zur Arbeit Verpflichtete gegen die zugewiesene Arbeit protestiert, ein fünf-gliedriges Schiedsgericht von Arbeitsgenossen, zu dem der Protestierende zwei Mitglieder selbst ernennen soll und darf.
Arbeitsverweigerer werden mit langer, öffentlicher Zwangsarbeit bestraft.
Die der Volksgemeinschaft zu leistende Arbeitszeit darf 36 Stunden per Woche nicht überschreiten. Der dafür fällige Arbeitslohn wird von der Exekutive der Gemeinschaft jedem Einzelnen auf die allgemeine Volksgemeinschaftskasse verrechnet.
Als Gegenleistung für die Arbeitspflicht garantiert die Volksgemeinschaft jedem einzelnen Volksgenossen vollständig freien, kostenlosen, geregelten (rationierten) Lebensunterhalt, inklusive freier Wohnung, Heizung, Licht, rationierter Kleidung, Unterricht, Krankenpflege, Kindererziehung, Unterhaltung, wie Theater, Musik, Kunst usw. und freie Beerdigung.
Alle Personen über 60 Jahre, so wie alle Kranken oder dauernd Invaliden sind von jeder Arbeitspflicht befreit, erhalten aber die gleichen freien Bezüge wie die Gesunden, beziehungsweise wie sie vorher erhalten hatten.
Das Erbrecht ist im Prinzip abgeschafft. Nur bewegliche Gegenstände des persönlichen Gebrauches, die keinen höheren Wert als X Mark haben, können von Eltern in direkter Linie auf Kinder vererbt werden.
Aller Gross-Handel, insbesondere der Handel mit dem Auslande, alle Industrie (Klein-Handwerk ausgenommen) geht für Rechnung der Volksgemeinschaft.

Alle Kunsterzeugnisse sind Eigentum der Volksgemeinschaft.
Um den Eifer des einzelnen Volksgenossen zur Leistung von Höchstleistungen anzuspornen, sei es auf dem Gebiete des Gewerbes, des Handels, der Industrie, der Kunst, des Landbaus, der Viehzucht, des Haushaltes usw., oder eben jeder anderen Art von Arbeitsleistung werden jährlich Volks-Preis-Feste veranstaltet, bei denen diejenigen Personen, welche Höchst- und Best-Leistungen im Laufe des Jahres geleistet haben, öffentlich belobt, Lorbeer gekrönt und belohnt werden.
Der Preis-Lohn besteht in realen und idealen Werten. Alle diejenigen, welche erste Preise errungen haben, werden ihrerseits für das nächste Jahr zu Preisrichtern ernannt. Ausserdem werden ihnen Bevorzugungen zugesprochen, wie Vergnügungsreisen (die ausserhalb des Landes allen anderen Volksgenossen verboten sind, um Bodenständigkeit zu erzeugen). Forschungsreisen werden so wie so für Rechnung der Gemeinsamkeit stets gemacht, aber auch nur Preisgekrönte dafür ausgesucht.
Das Volk (jeder Mann und jede Frau von 20 Jahren) wählen jährlich einen Vollzugs-Ausschuss, der die Geschäfte der Gemeinschaft zu führen hat. Dieser Vollzugsausschuss wird unterstützt von ihnen untergeordneten Fachleuten jeder Sparte von Arbeit, die alle sieben Jahre vom Volke direkt gewählt werden. Wiederwahl ist zulässig.
Die Ordnung im Innern wird durch eine von den Gemeinden gewählte Ordnungs-Mannschaft (Stadtwache, Gemeindewache, Feldwache) ausgeübt.
Zum Schutze gegen aussen hat jeder Volksgenosse und jede Genossin seine Person der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, und muss zu diesem Zwecke vom 17. Jahre an jährlich eine Schulung, beziehungsweise Repetierkurs durchmachen. Im 17. Jahre dauert die Schulung 6 Monate, im 18. Jahre 2 Monate und dann in jedem Jahre 14 Tage Repetier-Kurs.

Das Gerichtsverfahren ist kostenlos.
Personen, welche als Querulanten das Gericht belästigen oder falsche Anschuldigungen erheben oder falsche Eide schwören, töten, stehlen usw. werden mit öffentlicher entehrender Zwangsarbeit bestraft.
Das öffentliche Recht wird von vom Volke erwählten Richtern souverän gehandhabt und gesprochen.
Jede Verbindung zwischen Mann und Frau wird als eine EHE angesehen.
Die Kinder führen den Namen der Mutter. Jedes Kind wird von der Volksgemeinschaft erzogen. Auf Antrag können Kinder bis zum 6. Jahre von der Mutter zu Hause erzogen werden.
Jeder Mann, jede Frau, jeder Knabe, jedes Mädchen vom 14. Jahre an, werden von den ärztlichen Delegierten des Obersten Volks-Gesundheitsrates regelmässig ärztlich untersucht auf ihren Gesundheitszustand.
Personen (männlich oder weiblich), welche vom Ärztlichen Obersten Gesundheitsrat als zur Erzeugung von gesunden Kindern für NICHT befähigt befunden werden, dürfen keine ehen eingehen.
Personen, welche trotz dieses Verbotes Kinder zeugen, werden mit öffentlicher Zwangsarbeit bestraft.

Religion ist Privatsache.
Da aber die auf den Lehren der Kirchenväter aufgebaute herrschende christliche Kirche den reinen Lehren des Ur-Christentums untreu geworden ist und sich als vollständig unfähig erwiesen hat, auch nur im geringsten Masse die niedrigsten tierischen Grausamkeiten bei seinen eigenen eifrigsten (äusserlichen) Bekennern und Anhängern zu mildern, so wird von Staats-wegen die Ausübung des Kultus des wiederhergestellten Ur-Christentums (Gemeinschaft der Gnostischen Neo-Christen) unterstützt und gefördert.



ENDNOTEN


 [1]* Bei Interesse wird der Grossteil der noch vorliegenden Reuss-Materialien ebenfalls publiziert

 [2]* Um die amtlichen Ordensmitteilungen und die Fotos von Klein, Lauer, Kirmiss und Ullmer gekürzt

 [3]* Die Mitgliederzahl aller weltweit verstreuten und konkurrierenden OTO-Zweige dürfte 1993 kaum 1000 betragen

 [4]* Was vor allem für die amerikanische Neu-Gründung des OTO von 1977 gilt ("Caliphat"), wo sogar T-Shirts und Basketballmützen mit den ehemals geheimen OTO-Insignien verkauft werden

 [5]* d.i. Reuss

 [6]* Abgedruckt in: AHA 6/92, 8

 [7]* Die Buchstaben OTO auf den Kopf gestellt ergeben die ythyphallische Bedeutung von Schaft und Hoden. Dies gilt ebenso für das griechische T in allen sexualmagischen Organisationen

 [8]* Sperma und Vaginalsekrete

 [9]* Crowleys Geliebte Leila Waddell

 [10]* Es folgt eine verschlüsselte Auflistung der Eintritts- und Initiationsgebühren

 [11]* Der sich dann auch mit der Ordenskasse auf und davon machte

 [12]* Die mögliche Verbindung zum Geheimdienst und die faschistischen Umtriebe Crowleys beschreibt Wilfried Kugel: "Der Unverantwortliche," Düsseldorf 1992, 225

 [13]* Auszug

 [14]* Bei Metzgers OTO ist dieser Ausdruck ersetzt durch "Loge Thelema"

 [15]* Abbildung in: AHA 3/91, 8

 [16]* d.i. die sexualmagischen Grade VIII°, IX° und evtl. XI°

 [17]* Die handschriftlichen Anmerkungen zum 1920 dann publizierten Text erscheinen als Fussnote. Im Titel des Manuskripts: "Geheim-Instruktionen für die Eingeweihten des Ordo Templi Orientis. 1914"

 [18]* Br.: Th. R.[euss] 33°, 90°, 97°, X°, Oberhaupt des O.T.O.

 [19]* dadurch, dass!

 [20]* Es ist der wahre Schlüssel; - nur hätte er nicht veröffentlicht werden sollen!!

 [21]* als Gralsspeise = Gralstrieb

 [22]* die heilende Auslösung im "Bad der Yoni".

 [23]* infolge Auslösung der "Verzückung" durch Onanie.

 [24]* d.h. "Unwissende"

 [25]* d.h. die wahre Liebe zu Maria geben.

 [26]* Lingam + Yoni als Symbol ausgedrückt durch Wein + Brot im Abendmahl.

 [27]* der die richtige Anwendung seiner Gefühle nicht kennt

 [28]* nur die Maria-Verbindung ist "rituell im Sinne des Grals".

 [29]* der den Grals-Trieb unterdrückt

 [30]* der demselben dient

 [31]* Abendmahlslehre

 [32]* als Schutz vor Onanie oder Hingabe an einen "Nur-Lust-Akt"

 [33]* Yoni

 [34]* Der seelische Trieb zur Verbindung Lingam-Yoni, Erektion + Koitus im reinen, heiligen Sinne mit Maria, also mit keinem anderen Weib und keinem anderen Mann.

 [35]* symbolisch ausgedrückt durch die Grals-Darstellung! ein Stein in einem Gefäss.

 [36]* Erbsünde. "Sündenfall" ist der Koitus, wenn die Hingabe an Trieb, oder "Müssen," nicht aus wünschender Liebe = heiliger Geist geschieht!

 [37]* "Scham" war von keiner Grals-Liebe beseelt, sondern wurde durch E[unleserlich] u. diese ihrerseits wieder durch die "Schlange" (Phallos) dazu verleitet. Darum "Sündenfall"! und das nachherige Gefühl der "Scham".

 [38]* d.h. in wahrer Liebe

 [39]* Lingam-Yoni

 [40]* Phallos

 [41]* Yoni. ("Heiligtum") Eingang durch das "Schiff" ins Allerheiligste des Tempels: Vagina-Uterus.

 [42]* Yoni = Rosen-Kultus!

 [43]* durch d. Marienkultus ohne Rücksicht auf "offic". Ehe.

 [44]* infolge d. kirchl. Dogmas der Eheschliessung

 [45]* [Dieser und die Abschnitte bis zum IV. Kapitel fehlen im Manuskript]

 [46]* Titel im Manuskript: IV. Aussprüche als Bausteine zu unserm Tempel.

 [47]* Deshalb das "Ewige Licht" i.d. kathl. Kirche.

 [48]* "Fidus Tempel der Erde"!

 [49]* ob "Tantris" hiemit zusammenhängt?

 [50]* Xenologie des Seaming

 [51]* Die Literaturangabe besteht im Manuskript nur aus: King, Schmitt, Hammer, Reuss, Waite, Crowley, Blavatsky, Cooper und Howard.

 [52]* Man beachte den Unterschied zu Crowley Manifesto der Oriflamme 1914 in diesem Reader

 [53]* Aber nicht die Organisationen selbst, wie oft von OTO-Mitgliedern missverstanden wird

© Peter-Robert König, 1993






 

       Arbeitsgemeinschaft fuer Religions- und Weltanschauungsfragen A.R.W.       

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Geschichtlicher Hintergrund zum Ordo Templi Orientis

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Das OTO-Phänomen (die vollständige Geschichte der O.T.O. Gruppen)
Ein Leben für die Rose (die Biographie von Arnoldo Krumm-Heller, plus eine Analyse von Reuss', Crowleys und Krumm-Hellers Sexualmagie: Ein Vergleich mit der Fraternitas Saturni)
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